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«• Jahrgang.
Verlag: Langgaffe 27.
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N-. 54.
Fernsprecher No. 52.
Wrttmoch, den 1. Februar.
Fernsprecher No 52.
1899.
Abend-Ausgabe
dieZukunst zu blicken, issare erklären die
Zeuge vernommeii. Es handelt sich höhere Pensionsansprüche, die Lange
Deutscher Reichstag.
Kerstin, 31. Januar.
Deutsches Deich.
* Kof- nnd Nerfonal-Uachrichtr». Der llnterstaalssekretär ichKultusministerium Dr. v. Weyrauch hat aus GesundheitS- rucksichten zum 1. April seine Pensionirung erbeten. Herr v. Weyrauch leidet, der „Kreuzzeitnng" zufolge, an heftigen rheumatischen Affektioneu, welche ihm die Verwaltung seines AmtS erschweren.
die ihm die Ersehnte herbeiführen soll, in die Flamme. Und wer erscheint — fein eigenes Weib. Selbstverständlich erkennt er nicht, daß sic durch den Zauber kam. Er sieht in ihr nur eine lästige Störerin nnd fühlt sich um die Feder und ihre Wirkung betrogen.
In dieser Scene spürt, man etwas von der Tragik menschlicher Blindheit, die nie zum Glück kommen kann, weil sie nicht fähig ist, ihr Glück, das manchesmal so nahe ist, als Glück zu erkennen.
Man spürt etwas davon. Aber es geht schnell vorüber. Das ohnehin _ schon schwache Interesse für den von seinem Dichter krampfhaft hin- und hergezerrten Prinzen erlischt. Denn was kann nun noch kommen? Der unglückselige vierte Akt, vollgepfropft mit Cäsarenmahnsinn, Heldendeklamation, Waffenrasscln, vielem Lärm um nichts.
Der teile fünfte Akt, der den im vierten Akt aus- gezogenen Prinzen — er wollte einmal wieder sein Sehnsuchtsideal suchen — nach fünfzehn Jahren zurückbringt in das Bernsteinland und zur Königin. Jetzt, da das Stück zu Ende gehen kann, kommt nun die dritte Feder in Thätig- keit. Sie verloht, und getreu dem Spruch stürzt die Königin entseelt zusammen. Nun erkennt Prinz Witte, daß sie sein Glück gewesen und kann für sich und uns nichts Besseres thun, als gleichfalls auszuröcheln.
Man merkt, wie dürftig der geistige Inhalt und wie krampfhaft-kärglich die technischen Mittel dieses Feder- spiels sind.
Der Held erweckt nie unser Interesse. Wir empfinden ihn eigentlich auch nicht tragisch. Er wirkt mit seinen Sehnsuchtstiraden und in seiner Verknüpfung mit dem Bann eines ziemlich groben und gar nichts versprechenden Zaubers, auf dem er sein Leben aufbaut, eher tragikomisch, ein Narr des Glücks, ein Pechvogel, ein Don Quixote der Sehnsucht.
Aber diese Wirkung ist unfreiwillig. Sudermann hat sein Stück und seinen Manu sehr, sehr ernst ^nomMN.
Preußischer §a»dtag.
Kerstin, 31. Januar. Abgeordnetenhaus.
der Landwirthschast sei auch> mit Vertrauen in t' ~ "
(Beifall.) — Zwei Regiernngs-Kommi,,___..._________
Bereitwilligkeit der Regierung, die Bestrebungen auf Pflanzenschutz und Erforschung der «euchcii nach Möglichkeit zu unterstützen. — Abg. Lotichins (uat.-lib.) brachte die Wünsche der WemgutS- besitzer aus Abänderung des Weingesetzes zur spräche und bittet den Minister, sich der Interessen des deutschen Weinbaus an- zunehmen. Redner dankt auch für die Vermehrung der Mittel zur Förderung des landwirtlsschasttichen Veremswesens. Die Korn- hanser hätten im Wesentlichen ihren Zweck erfüllt und verdienten Förderung. Sie sollten aber, wenn sie subvcntionirt seien, sich streng in ihren Grenzen halten. — Ein Regierungskommissar erklärt die Bereitwilligkeit der landwirthschaftlichen Verwaltung, nch des Weinbaus auzunchmen. Die bevorstehende Konferenz sei ja ihrer Initiative in erster Linie zu verdanken.
"■ Die militärische Laufbahn des Fürsten Herbert Kismnrck, der eben vom Kaiser den Charakter als Generalmajor « la suito der Armee erhalten hat, ist eine außerordentlich schnelle geweien. Im Frühjahr 1870 trat der damalige Graf Herbert Bismarck bei dem 1. Garde-Dragoner-Regiment als Avantageur ein und wurde am 9. Juni desselben Jahres vom Gefreiten zum Fahuenstmker und nach seiner schweren Verwundung bei MarS- la-Tour zum Leutnant befördert. 1876 wurde er a la suito der Armee gestellt, zwei Jahre später Oberleutnant, im nächsten Jahr Rittmeister, 1884 Major, dann Oberstleutnant unb nach sechs Jahren Oberst. Des Fürsten Herbert Bruder, der nur drei Wochen später Offizier geworden war, ist gegenwärtig noch Major.
* Die Parteien des Abgrordneteuhaufcs haben nach der verostentlichten ossizielken Liste folgende Stärke: Konservative einschließlich eines erledigten Mandates 145, Centrum einschließlich eines erledigten Mandates 100, Nationalliberale einschließlich eines erlefcigtcn Mandates 71, Freikonservative 59, Freisinnige Volks- Vai tci 21, Polen 13, Freisinnige Vereinigung 11, bei keiner Partei sind 10. Die Konservativen zahlen danach im Ganzen 209 Abgeordnete, nur 8 weniger, als zur absoluten Mehrheit gehören. , * Rrmdfchan imUeiche. Rach Drahtmeldungaus KönigS-
b e r g wurde gestern der Oberpräsident Graf Wilhelm Bismarck mit dem dortigen Amtsgericht in dem bekannten Civilprozeß des Obersorsters Lange als Zeuge vernommen. Es handelt sich bekanntlich in dem Prozeß um höhere Pensionsansprüche, die Lange bet den Erben des verstorbenen Fürsten Bismarck geltend machte. Graf Bismarck leistete den ihm zugeschobenen Eid, worauf die Klage des Oberförsters Lange kostenpflichtig abgewiescn wurde.
Wird die erste Feder verbrannt, so erscheint das Bild einer Frau, die Prinz Wittes Lebenserfüllung werden soll, in den Wolken, aber verhüllt nnd unerkennbar.
Wird die zweite verbrannt, so tritt sie leibhaftig schlafwandelnd vor ihn hin und giebt sich ihm zu eigen.
Verbrennt er die dritte, so stirbt sie.
Hier stock' ich schon. Der Werth des Zauber? scheint gering.
Ein nmständlicher Apparat, hinter dem eigentlich nichts ist.
Und das als Grundlage, um darauf ein Drama der unerfüllten Sehnsucht aufzubauen! Das scheint bedenklich.
Und cs wird auch bedenklich. Sudermann wollte die Tragödie des Menschenkindes schreibe», dessen Fluch es ist, daß es sein Glück, das ihm so nah ist, nicht erkennt, cs sucht es in der Ferne, mit Blindheit geschlagen, und erst im Tod sieht es sein Irren ein.
. Dieser Stoff wird aber nicht von innen heraus mit zwingender Kraft gestaltet, foudern von außen mit ängstlich «tüftelten Mitteln. Die Personen handeln nicht aus ihren Charakteren heraus, sondern immer so, wie es Sudermann für sein Stück braucht. Der Prinz verbrennt im ersten Akt die erste Feder nnd sieht das verschwommen^ «nkenntliche Nebelbild erscheinen. Davon hat er natürlich garnichts. Die erste Reiherfeder ist gegen jeden Märchenbrauch ein Kampf- und Zanbcrpreis, der in seiner Wirkung ohne jeden Sinn ist.
Was wäre natürlicher für den sehnsuchtshungrigen Prinzen als die zweite, die Erfüllung bringt, ihr nach- zuschickcn. Er denkt garnicht daran. Warum nicht? O, er möchte schon. Aber Sudermann kann es nicht erlauben, weil sonst sein Stück aus wäre. Die zweite Reiherfeder wird erst im dritten Akt gebraucht.
In diesem dritten Akt ist Prinz Witte Gatte der schönen Königin vom Bernsteinland geworden und langweilt sich. In einer Nacht gelüstet's ihn, den Zauber der Feder spielen zu lassen, um sich vorm Ueberdruß zu retten. Er wirft sie,
Ansland.
* (CeRrrrcid; - Ungarn. Auf Bitten einer Deputation dent!cher Katholiken verfügte Kardinal Schöuborn, daß die Predigten in d-r St. Heinrichskirche fortail in deutscher Sprache abgehalten werden köilnen. Dies ist eine wesentliche Konzession, vermut hlich im Hinblick auf den augedrohteu Massenübertritt zum Protestantismus
* Italien. Der Oberst Panizzardi äußerte zu dem ihm befreundeten Herausgeber der „Rivista Coloniale", Dr. Spezzafumo, er sei in der Lage, auch Namens des Obersten v. Schwartzkoppen cde Beziehung zu Dreyfus kategorisch zu demeniiren. „Ich hätte/ tagt Panizzardi wörtlich, „keinerlei Anlaß, die Wahrheit zu ver- heimlichen; denn hätte ich zu Dreysus Beziehnngen gehabt, so wäre es lediglich im Interesse meines Vaterlandes -geschehen." Ein
(Nachdruck verboten.)
Berliner Theaterbrief.
(Eigener Aufsatz für das .Wiesbadener Tagblatt".)
Um gleich in medias res zu gehen und mit dem Wichtigsten anzufangen: „Die drei Reiherfedern" waren eine, Enttäuschung. Die mit solcher Spannung er- wartete große dramatische Januar-Lotteriezichung vor dem versammelten Volk der Gläubigen und Ungläubigen war «me Niete.
Die Sudermann-Gutgläubigen gehen wie das böse Wetter umher und lamentiren über Kabale und Jntrigue, über Unverstand und Böswilligkeit, die die Tiefe dieser Märchen- dichtung nicht anerkennen wollen. Die Neutralen, Ruhigen, Objektiven begnügen sich, das Eintreffen ihrer langgehegten Erwartungen zu konstaliren, daß Sudermann, der geschickteste vramatlsche Arbeiter, der einen Gegenwartsstoff gewandt, fesselnd und wirksam in Bühnenvorgänge verwandeln kann, rmer Marchendlchtnng mit tiefem Weltanschauungs-Hintergrund nicht gewachsen ist. Die geschworenen Sudermann- semde — und ihrer sind nicht wenige — heulen vor Verfugen und führen einen Jndianertanz auf, daß derMode- gotze entlarvt ist in seiner Hohlheit.
Ich zähle mich zu der Mittelpartei. Sudermann hat in den „Drel Recherfedern" sein eigenes Können, das wir ihm unbezweifelt lassen wollen, schwer verkannt und sich auf einen Flug begeven, zu dem ihm die Schwingen fehlen.
Was ist's nun mit diesen drei Reiherfedern?
Ich fürchte, nicht übermäßig viel Neues zu bringen, wenn 'ch erzähle, daß besagte Federn von dem landfahrenden, aus seinem Reiche Gotland von dem unebcnbürtige» Gewaltherrscher Widwolf vertriebenen Prinz Witte einem fabulösen alten Zauberreiher ausgerissen worden sind. An die drei Federn knüpft sich natürlich ein Orakelspruch. Die Norne der Bernsteiuküste, die Begräbnißfran, hat ihn ge- aeben und er lautet:
für beit Fall, daß Rußland wirklich demnächst den Uebertritt von Aroettern nach Deutschland hindern sollte, nnd dann müfie unsere Gesetzgebung helfen behufs Heranziehung ausländischer Arbeiter. Aus Anftage des Redners erklärt Staatssekretär Tirpitz, Kiau- tschoil werde leicht mit gutem Wasser zu versorgen sein, da auf dem Prinz Hemrich-Berge und andererseits gute Quellen au'gefunden worden seien. — Abg. Liebknecht (Sog.) wendet sich gegen die Geschattsfuhrung des Präsidiums, welche Ausdrücke wie' Schreckgespenst nicht dulde und verhindere, wenn ein sozialistischer Redner über gewisse Reden sprechen wolle. — Präsident Graf Bal lest rem fordert den Redner auf, die Geschäftsführung des Präsidiums nicht zu fritifiren. — Abgeordneter Liebknecht (Soz.) entgegnet, nun, man sehe ja, durch das, was er, der Präsident, eben gesagt habe, werde bestätigt, was er, Redner, eben ausgeführt habe. (Rufe links: Sehr richtig!) Runulehr findet eine längere Auseinandersetzung zwischen dem Abg. Liebknecht nnd Graf Arnim über ben sozialistischen Zuknnftsstaat statt. Der Etat für Kiautschou wird schließlich gegen nie Stimmen der Sozialdemokraten bewilligt. Nächste Sitzung: Morgen, 1 Uhr, Initiativanträge, Antrag, betreffend Jesuitengesetz (3." Lesung), desgleichen, betreffend Seidenzoll, Antrag Rickert, betreffend Schutz des Wcchl- geheininisses. Schluß gegen 5 Uhr.
* *
Kerstin, 31. Januar. Die BudgetkomMission des Reichstags setzte heute die Berathuug der einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats der Verwaltung des ReichSheeres bei Titel 93 fort unb erlebigte ben Rest des preußischen Etats. Auch der sächsische Etat gelangte zur Erledigung. Im württeuibergischen Extra-Ordinarium wurde nur eine Aenderuug üorgenommen, indem statt der für die Wiederherstellung des durch Brand beschädigten Garnison-Lazareths in Stuttgart in ben Etat eingestellten 147,000 Mk. nur 10,000 Mk. als erste Rate bewilligt werben. Morgen gelangt ber ordentliche Etat zur Berathuug.
Das Abgeorbnetenhaiis fuhr heute in der Spezialberatbung des landwirthschaftlichen Etats fort, ohne daß sich dabei sonderlich Bemerkenswerthes begeben hätte. In ben Reden, die zunächst zwischen der Rechten und dem Ministertische gewechselt wurden, spiegelte sich das Einvernehmen und Vertrauen wieder, das zur Zest unter den Verfechtern der landwirthschaftlichen Interessen unb unferen regierenben Männern herrscht. Der Finanzminister machte mit sichtlichem Behagen barauf aufmerksam, daß gegenwärtig die Industrie blühe, obwohl ihre Ausfuhr zurückgehe: ein Zeichen, daß ber inländische Markt wieder aufnahmefähiger geworden sei, unb daß Lanbwirthschaft und Industrie recht wohl gleichzeitig unb Hand in Hand gedeihen könnten. Er setzte auseinander, was au Staatsaufweudungen in ben letzten Jahren für die Landwirthschast geschehen fei'. In dieser Be- ziehnng sei verhältnißmäßig mehr geschehen als für andere Zweige des wirthschaftlichen Lebens. Es sei in Preußen auch mehr ge- Aehen, als in anderen deutschen Staaten. Preußen sei in seiner Fürsorge für die Landwirthschast mich noch nicht zu Ende. Nur fei ein allmähliches Vorgehen am Platze. Die Landwirthschast « auch jetzt einer besonderen Fürsorge des Staates bedürftig. Es wächst mich die Einsicht, daß darauf nicht mit Neid von anderen Gewerbeklassen geblickt werden darf, und daß es sich um eine Harmonie ber Interessen handelt. Gerade die Entwickelung unseres Exports ist ein Beweis für die Bedeutung unseres inneren Marktes für die Industrie, unb baß die Laubwirthichast der beste Abnehmer der Industrie ist. Noch lange Jahrzehnte werde die Regierung hoffentlich in ihrer bisherigen Politik fortfafjren. Die Verschuldung ber Landwirthschast, die namentlich durch bas Erbeurecht bebingt sei, sei immer noch im Wachsen begriffen. Aber bei richtiger Behandlung ber großen Frage
Kiautschou nur fünf Mann an klimatischen Leiben gestorben seien.— Abg. Richter (fress. Volksp.) stimmt insofern burchaus mit bem Staatssekretär überein, als berfelbe hauptsächlich die wirthschast- ltchen Interessen betont habe. Was die Verwaltung anlange, so Zattrn sich bisher in ber Kolonialpolitik der Leutnant und ber Assessor schlecht bewährt. In Kiautschou versuche man es daher jetzt mit dem Marine-Offizier. Theoretisch lasse stch gegen die in der Denkschrift medergelegten Grundsätze nichts einwenden. Es frage fich. nur, ob sie sich auch praktisch als durchführbar erweisen würben. I - Abg. Graf Ar n i m(Reichsp.) spricht gegen ben Abg. Bebel, während Abg. Frefe (frei). 83er.) sich über den Hansehandel verbreitet. Dieser muffe der Regierung dafür danken, daß sie durch Slusbau
Flotte für einen weiteren Schutz unseres Handels gesorgt Nothig sei es unbedingt, daß Deutschland tu China einen Stützpunkt Hoche. — Abg. Oertel (Bund der Landwirthe) bemerkt, Handel und ynbuftne würden nur gedeihen, wenn in ben Handels- pertragen vor Allem b,e nationale Arbeit geschützt würde. Was die Kuli- frage anlange, so stehe die deutsche Landwirthschast in höchsttr Gefahr,
Tagesordnung: Antrag Bachem (Centr.), den Zollsatz für itngemufterte, taffetbinbige Gewebe aus Seide des Maulbeerspinners ohne Beimischung von Florettseide ober von Seide des Eichenspinners in rohem ungebleichtem Zustand von 800 auf 300 Mk. herabzusetzen. Gleichzeitig hiermit wird ein Antrag Münch-Färber jur Berathung gestellt, betreffend Verzollung in Deutschland veredelter Seidengewebe nicht nach dem ursprünglichen Gewicht vor der Veredelung, sondern nach dem Gewicht nach ber Veredelung. Die beiden Antragsteller befürworten ihre Anträge. Nach ganz kurzer Debatte wird sowohl der Antrag Bachem (gleich in Kveiter Lesung) wie auch ber Antrag Münch-Färber angenommen. Die Etatsberathung wirb alsbann fortgesetzt beim Etat für Kiautschou. — Staatssekretär Tirpitz führt aus, für bie Verwaltung von Kiautschou seien in erster Linie wirthschastliche Punkte maß- gebenb gewesen. Die Aussichten für Kiautschou könne er, Rebner, heute noch nicht so günstig barstellen, denn Kiautschou werbe sich seinen Platz gegenüber den alten Niederlassungen erst erringen müssen. Die Gewerbefreiheit in Kiautschou sei eine vollkommene. §n steuerlicher Beziehung werde sehr vorsichtig vorgegangen. In ezug auf Kultur-Aufgaben seien gute Anfänge gemacht, auch mit Schulen sei begonnen. Die sanitären Verhältnisse berechtigte» zu guten Hoffnungen, lieber die Vergebung von Eisenbahn-Konzessionen nach dem Innern schwebten bereits Verhandlungen. Nach den neuesten Mittheiluiigen hätten sich mächtige Kohlenlager heraus- nestellt von guter Qualität. Er, Redner, sei überzeugt, daß das in Kiautschou hineingesteckte Geld sich gut rentiren werde. — Abg. Bebel (Soz.) bezweifelt dies. Neben Militarismus unb Büreau- kratismus dürste sich die bürgerliche Thätigkeit in Kiautschou nicht Hervorthun können. Er fürchte, daß für Kiautschou noch viele Summen verlangt werden würden. — Staatssekretär Tirpitz entgegnet dem Abg. Bebel, daß berechtigte Hoffnung bestehe, daß auch Kiautschou Deutschlands Wohlhabenheit förbem werbe. Ob Kiautschou nur ein Stützpunkt ober ein Ausgangspunkt werbe für eine Weltpolitik, barauf könne er nicht antworten. Hier handle es sich nur um ein augenblickliches Bedürfnis. — Abg. Graf Oriola (nat.-lib.) verwahrt die Regierung gegen den Vorwurf, in ber Verwaltung von Kiautschou zu bürearikratisch vorzugehen. Weiter äußert er seine Genugthuuug über bie Er- tarung bes Staatssekretärs bezüglich ber wirthschaftlichen Ansichten Kiautschous. — Abg. Bebel (Soz.) bleibt habet, daß es iS bei Kiautschou doch nur um Weltpolitik handle. — Staats« «retar Tirpitz bemerkt noch bezüglich der sanitären Verhältnisse n Kiautschou, baß im letzten Jahre von der Besatzung von
