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Wiesbadener TagblÄ

4!T. talnn.utn. m , '*K

45. Jahrgang.

Verlag: Langgasse 27.

Alrouuenterr.

Nnzeigeu-Preis:

Die einspaltige Pctitzeile für locale Aazeigeu 15 Pfg., für auswärtige Anzeige» 25 Psg. Ncclamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Erscheint in zwei Ausgabe«. BczugS-PrciS: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mr. GO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

N». 48.

Samstag) den 28. Januar.

Fernsprecher No. 52.

1899

Fernsprecher Ile. 52.

Abend-Ausgabe

Geistige Krmtnen-Uerstopfung

ii.

Deutsches Kelch.

an

derer v.

b. Haug!

* Drrlm, 28. Januar. Wie diePost" mittheilen kann, ist lnefiaer zuständiger stelle nichts davon bekannt, daß. wie Nische Blatter zu melden wissen, das Kabinett zu Washington

1 Das Seltsamste bei dem neuen Postzeitungs-Tarif ist, daß die Entfcruiingen der Bestimniniigsorte der einzelnen I von der Post beförderten Zeitungsexemplare vom Erscheinungs- I orte des Blattes bei der Berechnung der zu zahlenden Ge­bühr keine Rolle spielen. Es ist also Herrn Podbielski z. B. I ganz gleichgültig, ob die Post eine Zeitungsnumiuer von Dresden nach Leipzig oder von Dresden nach Memel spedirt nur das Gewicht dient als Grundlage der Berechnung. Das Widersinnige einer solchen Maßnahme liegt klar auf der Hand und ihre Ungerechtigkeit gegenüber de» billigen Volksblättern, die naturgemäß nur innerhalb eines be­schränkten Interessengebietes außerhalb ihres Erscheinungs- | ortes verbreitet werden, wird überzeugend dargethan, denn i diegroßpolitischen" Organe verlangen wegen ihrer Ver- ! breitnng durch das ganze Reich hinsichtlich der Entfernungen ihrer Spedition ganz andere Leistungen von der Post.

Was wird nun dem Verlage eines billigen Volksblatles übrig bleiben, nm die schweren Schädigungen des neuen Tarifs wenigstens in Etwas z» paralysircus Die Zeitung wird zunächst auf möglichst dünnes also auch entsprechend niinderwerthiges Papier gedruckt werden müssen, nm das Gewicht möglichst herunterzudrücken. Das ist natürlich ein Nachtheil für das Publikum und eine Schädigung seiner Interessen. Der neue Tarif charakterisirt sich als eine Steuer, die das Publikum des Mittelstandes zu tragen hat nichts weiter! Und der Ertrag dieser Steuer wird iy besten Falle doch keine Rolle im Budget des Reiches spielen er ist eines derkleinen Mittel", die nichts helfen, aöer dafür Unzufriedenheit ins Volk tragen.

Das möge Herr v. Podbielski noch in zwölfter Stund? bedenken. Sein Entwurf ist noch nicht Gesetz, der Reichs­tag hat ihn noch zu prüfen. Möge er diese Vorlage nicht auf die leichte Schulter nehmen. Hier steht mehr auf dem Spiele als das materielle Interesse des dculschen Zeitungs- Geschäsies. Dasgeistige Brod" des deutschen Bürgerthums soll vertheucrt werden; für unzählig viele Menschen bildet d:e Zeitung die -etuzige Ouelle, aus der sie nach des Tages Last und Mühe geistige Erholung und Anregung schöpfest können; und wer das Gedeihen der durch die billige Zeitung dem Volk gebotenen Bildung und sittlichen Aufklärung an­lastet, treibt geistige Brunnenverstopfung ... o. K.

W schiller, und so wollen wir heute zur Ehre der Gemahlin Luthers ihres 400. Geburtstages in diesen Zeilen gedenken.

Katharina v. Bora stammte aus dem allen Geschlechte °trtr v- Pora zu Klein-Lausig bei Bitterfeld in Meißen. 2hre MMcr Anna v. Bora war aus dem Geschlechte derer

T" zwftz; den Namen des Vaters hat uns die Geschichte nicht ausb,wahrt. Aus der Jugendzeit Katharinens wissen wir nur. daß sie im 10. Lebensjahre in das Cisterzienser-

oollzog dieselbe in der damals üblichen Form. Als Zeugen des Aktes fungirten Dr. Jonas, der Rechtsgelehrtc Dr. Apel und der Maler Lucas Cranach mit seiner Frau. Am Morgen des 14. Juni folgte ein Frühmahl im kleineren Kreise und erst am 27. Juni das eigentliche größere Hochzcitsmahl, zu welchem Luther auch seine Eltern und auswärtigen Freunde sämmilich geladen hatte.

Mit den, in ziemlich schneller Folge nacheinander geborenen 6 Kindern zog viel Freude, aber auch viel Leid in das Luthcrsche Haus ein. Gleich der Erstling, Hans oder Johannes, der am 7. Juni 1526 das Licht der Welt erblickte, war und blieb ein Sorgenkind. Ihm folgte am 10. Dezember 1527 ein erstes Töchterchen, welches in der Taufe den Namen Elisabeth erhielt, aber schon am 3. August 1528 den Eltern durch den Tod entrissen wurde. Die Tiefbetrübten wurden am 4. Mai 1529 durch die glückliche Geburt eines zweiten Töchterchens, dem unter dem NamenLuthers Lenchen" allen Kindern evangelischer Schulen noch heute bekannten, lieben, frommen Wesen, Magdalena, getröstet, ein Kind, das sich herrlich entwickelte und an dem die Eltern eine wahrhaft heilige Freude erlebten. Dann folgte ein Büblein, nach seinem Vater Martin genannt, am 7. November 1531, ein drittes Knäblein, Paulus, am 28. Januar 1533, der begabteste von Luthers Söhnen, endlich am 17. Dezember 1534 das sechste und letzte Kind, Margaretha. Acht Jahre später am 20. Oktober 1542, nachdem Luther ein fast ungetrübtes glückliches Familien­leben mit Katharina gekostet hatte, verschied das liebe, frommeLenchen" im knospenden Alter von kaum 14 Jahren in den Armen ihres tiefbetrübten Vaters. Katharina war durch dieses traurige Ereignitz ganz besonders schwer ge-

kloster Nimbschen unweit Grimma gebracht wurde und im Jahre 1515, im jugendlichen Alter von sechszehn Jahren das Gelübde ablegte. Acht Jahre lang flehte sie, nachdem sie gar bald von der Unbesonnenheit ihres Schrittes und der Verkehrtheit klösterlicher Abgeschlossenheit überzeugt war, ver­gebens ihre Verwandten an, sie aus ihrer Lage zu befreien und flüchtete schließlich im Jahre 1523 unter Luthers und Leonhard Koppes, des Rathshcrrn von Torgau, Mitwissen aus dem Kloster. Am 7. April, dem dritten Ostertage, kam sie nach Wittenberg und trat unter den Schutz Luthers. Dieser nahm sich ihrer an, veranstaltete zu ihrer einstweiligen Unterstützung eine Kollekte, schrieb an die Verwandten und als diese die Aufnahme hartnäckig verweigerten, brachte er siebei ehrlichen Leuten" unter. Philipp Reichenbach, damals ehrsamer Stadtschreiber, nachheriger Bürgermeister von Wittenberg, nahm sie in seiner Familie auf und Katharina erwies sich als nützliche Hilfe der Hausfrau undverhielt sich wohl und stille".

Luther gedachte bann, sie einem guten, christlichen Manne in die Ehe zu geben; an eine Heirath mit ihr dachte er Anfangs noch garnicht. Ein Nnrnberger Patrizier Namens Hieronymus v. Baumgarten näherte sich ihr, doch scheinet seine Liebe zn ihr nicht von Dauer gewesen z» sein.' Der Vikar von Orlamünde, Dr. Kaspar Glatz, trug ihr seine Hand an, doch lehnte sie ihn bescheiden ab. Auch noch zu Anfang des Jahres 1525 dachte Luther nicht an seine eigene Vermählung. Erst in einem Briefe vom 4. Mai drückt er sich dahin aus, daß er Katharinendem Teufel zum Trotze" zur Frau nehmen wolle, und kaum 6 Wochen später, am 13. Juni, wurde die Ehe im Hanse Luthers geschlossen. Die Ceremonie der Trauung war sehr einfach. Bugenhagen

amerikautsche . . .. ..

b"dcr deutschen Regierung schritte getdan habe, um die Desnvouimna oder gar die AmtSentfetzung des deutschen Konsuls auf n m o n zu verlangen. Es sei auch der ganzen Sachlage nach nichr zu erwarten daß zu einem solchen Schritt eine Veranlassung votz lregt. ttebrlgen seien die Vorfälle auf Samoa bis jetzt noch mcht genügend aufgeklärt, da erst in einigen Tagen die Berich» emtreffen, die wenigstens über die Vorgeschichte der Ereignisse etwa» mehr Licht zu verbreiten im Stande sein werden. ,,

* Kaisers Geburtstag bei Hofe. Das schöne trockene Wetter hatte gestern em ungemein zahlreiches Publikum in dke Rane des schlo;ses und unter die Linden gelockt, um die anläßlich des Geburtstages des Kaisers uni IO1/« tthr beginnende AusfahK der Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses, der hier- wejende» Fürstlichkeiten und des diplomatischen Corps rc. in Augen? schein zu nehmen. Sämmtliche Staatsgebäude und zahlreiche Privathauser trugen Flaggenschmuck. Um 8 Uhr sand voH Schloye ausgehend bis zum Brandenburger Thor Weckers

(Nachdruck verboten.)

Katharina v. Dora.

Zur 400. Wiederkehr ihres Geburtstages, geb. am 29. Januar 1499.

Von Dr. R. Feldern.

r °$£n "icht, was diese Frau aus mir gemacht hat!" so sprach un.er Altreichskanzler einst von seiner Gemahlin. Wenn dem so ,st und der Eiserne mußte das doch wissen weiche Macht hat eine Fraul Der Allgewaltige, den nichts beugte, der einen Riesenbau wie das deutsche ,.7 ~ fUfl5n. Flinte mit dem Worte und der Feder, ihn lenkte, ihn besaß ein Weib! Welche Gewalt besitzt eine Frau. und es gab vor über drei einhalb Jahrhunderten einen anderenEisernen", der ebenfalls mit dem Wort und der Feder einen Riesenbau - die evangelische Kirche fmgte, ba» war unser -uther, und auch er wurde zum guten TheU das, was er war, durch sein Weib,seine liebe treue Hausfrauen, die ihn allzeit lieb, werth und schön gehalten." - es gilt, daßohne eine Johanna v. PuttkamerBismarck nicht Bismarck gewesen wäre, so gilt es auch, daß ohne eine Kacharina v. Bora Luther nicht Luther gewesen wäre.

Ehret die Frauen! Sie flechten und weben Himmlische Rosen ins irdische Leben!

Der kluge Finanzminister v. Miquel hat erst im ver- wichenen Jahre einmal bei welcher Gelegenheit ist mir augenblicklich nicht mehr erinnerlich - die Presse daSgrößte Kulturmittel des Jahrhunderts" genannt. Die deutsche Presse insbesondere nimmt nächst der englischen den ersten Rang iu Europa ein, an Wissenschaftlichkeit und Gründlichkeit wird sie von keiner anderen übertroffen. Daß sie sich diese her­vorragende Stellung erobern und daß sie dieselbe trotz aller ihr in den Weg gelegten Schwierizkeiten festhalten konnte, ist ein glänzender Beweis für die Gründlichkeit ihrer Organisation, dieFähigkeit ihrerMitarbeiter. Eine umfassende und authentische Geschichte des deutschen Pressewesens, die leider noch nicht geschrieben ist, würde zugleich ein Stück Kulturgeschichte sein. Könnte heute Meister Gutenberg zurückkehren und sehen, daß in keinem Palast, in keiner Hütte die Ergebnisse seiner schwarzen Kunst" fehlen, er würde staunen über den all­gemeinen Lesedrang des Volkes und das durch die diesem Drange gerecht werdenden Zeitungen stetig fortschreitende Maß von Aufklärung und Bildung! Es giebt fast keine maschinelle Erfindung, die nicht von der modernen Presse in sofortigen Anspruch genommen würde, fast keine der glänzenden Entdeckungen auf dem Gebiete der geheimniß. vollen elektrischen Kraft sind von ihr unbenutzt ge­blieben: Rotationsmaschine, Telegraph, Telephon, Schreib­maschine, Phonograph, Photographie, Phototypie, Setz­maschine, Papier-Fabrikation das gehört Alles zum Rüstzeug einer modernen Tageszeitung großen Stils. Ganze Jndustrieen leben von der Presse. Man bedenke nur, welchen enormen Aufschwung gemeinsam mit der rapide sich entwickelnden Tagcspresse naturgemäß, im Verhältniß des stetig steigenden Konsums, die Papier-Fabrikation in Deittsch- Mnb nehmen durfte! Wieviele auskömmliche familiäre Existenzen ermöglicht wohl in Deutschland die Presse! Das wäre auch eine sehr lehrreiche Statistik, deren Ergebniß mit eindringlichen Worten predigen würde, eine auch in national- ökonömischer Hinsicht so hochwichtige Industrie nicht durch falsche Regierungsmaßregeln zu bennruhigen llttd ihr das Leben ohne Roth sauer zu machen.

Und eine derartige unnütze, beinahe an Vergewaltigung ilL » cune grenzende Beunruhigung eines in Deutschland durchaus hochehrbaren, segenverbreitenden und in sozialer Beziehung höchst wichtigen Industriegebietes ist der geplante Neue Postzeitungstarif. Seither berechnete die Post ihre Vergütung für die von ihr vermittelte Spedition des Blattes an den auswärtigen Bezieher nach dem Abonnements- prets. Wir denken, das war gerecht und billig: Eine Zeitung mit hohem Abonnemcntsbetrag kann mehr für die vostalische Beförderung zahlen, wie ein billiges Volksblatt, deffen Spesen-Etat an und für sich schon ganz unverhältniß- ^.3 gegenüber seinem Abonnementspreis belastet ist. Man glaube doch ja nicht, daß die billigen Blätter, bw in großen und mittleren Städten erscheinen und außer ihrem lokalen Leserkreis auch einen mehr oder weniger erheb- lichen Stamm von provinziellen Beziehern haben, wegen ihres |

niedrigenAbonnementspreisesetmannverhältnißmäßig geringere Aufwendungen haben, wie diegroßen" politischen Zeitungen. Ganz abgesehen von den enormen Unkosten der technischen Her­stellung, legt heutzutage der weitaus größte Thcil der billigen, auf Massenverbreitung im Volke reflcktirenden Zeitungen bohen Werth auf eine gründliche und reichhaltige redaktionelle Ausstattung; gar Mancher, der die täglichen Lesegaben seines Blattes ohne weiteres Nachdenken über deren Be­schaffung und Kosten als etwas Selbstverständliches hin- nimmt, würde verwundert die Augen ausreißen, ivenn er ziffernmäßig erführe, was, lokale Mitarbeiter, auswärtige Korrespondenten, Telegraph und Telephonseinem" Blatte kosten, für das er monatlich ganze 50 Pf. anlegt! . . .

DerReform"-Tarif des Herrn v. Podbielski kümmert sich nicht um derlei Erwägungen. Her Abonnementspreis eines Blattes ist ihm totalschnuppe", die Bezahlung der Beförderung der Zeitungen soll nach dem bekannten ,,-Lchema F" fortab geregelt, sic soll in eine allgemeine Schablone gepreßt werden, indem sich die Post ihre Arbeit nach dem Gewicht honoriren läßt.

Bisher zahlte die Presse für die Beförderung ihrer Post­exemplare zunächst ein Fünftel ihres Brutto-Ertrages, wozu noch für jede tägliche Bestellung der Abonnent 40 Pf. im Vierteljahr, also 1,60 Mk. jährlich, hinzufügen muß. Wenn also der Abonnent desWiesbadener Tagblatt" I jährlich 8 Mk. bezahlt, so werden davon von der Post ab­gezogen zusammen 2,88 Mk. im Jahr, also 36 pCt. oder über ein Drittel des vom Bezieher gezahlten Preises. Man sollte meinen, daß eine solche Summe genügend wäre, denn es dürfte kaum eine veredelte Maare geben (und trotz aller schlechten Erfahrungen wird man ein bedrucktes Zeitungs- papier doch wohl noch dazu rechnen muffen), welche durch­schnittlich auf kurze Entfernungen versandt wird und den dritten Theil ihres Werthes an Fracht bezahlen muß.

Der neue Posttarif sieht eine noch weit höhere Zeiiungs- gebühr vor. Nach der dem Bundesralh vorliegenden Novelle zum Postgesetz soll die Zeitungsgebühr betragen 10 Pf. für jede Bezngszeit ohne Rücksicht auf deren Dauer; ferner 15 Pf. jährlich mehr für jede weitere Ausgabe in der Woche; und schließlich 10 Ps. jährlich für jedes Kilogramm des JahreS- gewichts, mindestens jedoch 40 Pf. jährlich für jede Zeitung. Hut dies auf dasWiesbadener Tagblatt" anzuwenden I )a§ Beispiel soll nur als typisch gelten für die mittelgroßen Blätter, so wird die Gebühr in Zukunft betragen: 10 Pf. für die Bezugszeit, d. h. das Vierteljahr, also jährlich 0,40 Mk.

15 Pf. für jede weitere Ausgabe, als» (bei

12 Ausgaben) 15 x 12 1,80 10 Pf. Mal dem Kilogrammgewicht im Jahre

(bei 30 Kilogramm) Z, dazu Bestellgeld...........i'gQ ''

). h. also von dem Gelbe, das der Abonnent zur Zeit be- I zahlt, verlangt zukünftig die Post 6 Mk. 80 Pf., d. i. 85 pCt., oder rund sechs Siebentel des Preises. Das ist jedenfalls eine Preissteigerung, welche das billige Maß über alle Gebühr übersteigt, besonders wenn man bedenkt, welche enorm billigen Tarife in England, Belgien und Frankreich für die Zeitungen gelten, ganz abgesehen von den Vorzugspreisen für Telegramme, welche die Presse alsGrossist" dort genießt. I