«7. Jahrgang.
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Verlag: Langgasse 27.
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CiirUien-Derein.
.Iphigenie ans Tauris" (dramatische Scencn für Soli, Chor und Orchester) von Th. Gouvy, schon int März 1894 hier aufgeführt, gelangte gestern im zweiten Vercinskonzert mit Erfolg zur Wiederholung. Ueber die musikalische Behandlung des an sich so gewaltigen tragischen Stoffes, der vom Tondichter mit mehr Gefälligkeit al» Tiefe aufgefaßt erscheint, ist schon gelegentlich jener ersten Aufführung das WiffcnSwcrtheste mitgetheilt. Fehlt der Komposition auch die Ursprünglichkeit der Erfindung, die Selbstständigkeit und Eigenartigkeit des Gedankcn-AuSdruckS, um als ein vollwerthigcs Meisterwerk zu gelten, so bleibt GouvyS »Iphigenie" doch das Werk eines Meisters, sofern sich Geist, Geschmack, ein sicheres Können und ein feiner Sinn für alles vokale und instrumentale Klangwesen vollkommen zielbewußt in der Partitur ausprägt. Neben älteren Meistern ist es hauptsächlich di« modern große Oper, die cs dem Komponisten angethan hat; aber überall weiß er, deutsche Kunsttüchtigkcit mit französischer Grazie zu vereinen; mit einem so unterhaltsamen und sein gebildeten Weltmann wird man gern einen Abend in Verkehr trete». Auf Einzelheiten der Partitur kann an dieser Stelle »ich: nochmals cingegangen werden; es seien mir kurz die Höhepunkte angemcrkt, welche sich auch gestern wieder wirkungsvoller hcrvorhobeu: Die erste »Traum-Erzählung' Iphigeniens, darin sich das furchtbare Geschick des gemordeten Vaters enthüllt, der charakteristische .Furien-Chor", eigenwillig rhytbmisirt, von wildem Ausdruck und packender .Färbung; und, als bedeutendste Nummer, die .Todtenfeier für Orest", ein harmonisch interessanter Chorsatz, der sich über einem viertaktigen, immer wiederkehrenden Baßmotiv kunstvoll ausbaut und zu kräftigster Wirkung gelangt, wenn bei der Wiederholung noch ein drohend starrer Fundamental-Baß hinzutritt. Das .Solo-Quartett" im Finale
N». 40.
Fernsprecher N». 52.
Dreitstag, den 24. Jammr.
Aussicht gestellten Zusammentritt des Weinparlaments. Wen n in meiner Heimath Wiesbaden auch die Mehrzahl zuden Orthodoxengehört, so hoffe ich doch, daß man sich zunächst ans dem Weg der Opportunisten zusammenfinden wird. Der Kunstwein muß unter allen Umständen verboten werden; ebenso das Zuckern. Bei dem Winzer ist die Kontrolle sehr leicht; umso schwieriger wird sic beim Weinhändler werden. Ich hoffe, daß die Sachverständigen ein besseres Gesetz zu Stande bringen werden, als das vom Jahre 1892 ist. — Aba. Wcttcrle (Elsässer) schildert die Mißstände betrügerischer Fälschungen im clsäßischen Weinhandel. Hauptsache bleibe eine
Aba. Wett er le (Elsässer) schildert die Mißstände betrügerischer Fälschungen im clsäßischen Weinhandel. Hauptsache bleibe eine ausreichende Keller-Kontrolle. — Abg. Blankenhorn (nat.-lib.) stellt fest, daß das 1892er Gesetz nichts genutzt habe und die Kunst- wcin-Fabrikation nicht beeinträchtige. Einen Deklarationszwang für Zusatze halte er nicht für nöthig. Namentlich müsse er aber dabet bleiben, daß, wenn Naturwein verlangt, auch Naturwein gegeben werde. Eine Keller-Kontrolle bestehe bereits in Baden, sie sei aber nicht angenehm. — Staatssekretär Posadowsky: Um zu untersuchen, ob ein Wein als Naturwein gelten könne oder nicht, werde es immer der Chemie bedürfen. — Abg. Fitz (nat.-lib.) verlangt Schutz für die Winzer, ebenso wie für dte Landwirthschaft. Auch der Pfälzer Weinbau sei des Schutzes gegen die Wein- fabnkanten dringend bedürftig. Damit ist der Gegenstand erledigt. Nächste Sitzung morgen 1 Uhr. Tagesordnung: Fortsetzung der Etatsberathung. Schluß 6 Uhr.
Preußischer Kaudtag.
Kerli», 23. Januar. Abgeordnetenhaus.
Der Zweite Tag der Etatsdebatte im Abgeordnetenhaus war der Tag der Mtmsterantworten. Die Herren Thielen, v. Miguel, P; d- Recke und Schönstedt ließen cs sich angelegen sein, sich und ihre Reisorts gegen die Vorwürfe zu Vertheidigen, die am Samstag namentlich Herr Richter aus seiner unerschöpflichen Panborenschachtel über sie ausgeschuttet hatte. - Minister Thielen führt aus, das Etsenbatzn-Garantiegesetz würde die Mitwirkung des Finanzministers m den Fmanzangeleaenheiten der Eisenbahn ausschließcn. Es sei aber durchaus erforderlich, daß die Staatsfiuanzen und Eisenbahn Hand in Hand gehen, der Fiiianzmiurstcr und das acsammte Staatsmiilisterium müssen in Fmanzangelegenheiten stets untzusprechen haben. Redner spricht dem Grasen Limburg- Strrum den wärmsten Dank aus für die anerkennenden Worte, dre er der Eisenbahnverwaltung in der letzten Sitzung widmete Man müsse zugestehen, daß in der That die preußischen Etscubahnen denen anderer Länder in keiner Hinsicht nachstehen. — Als Etatsredner des Centrums sprach Herr v. Strom deck Er äußert sich im Allgemeinen befriedigt über den Etat. Seine Partei sei besonders erfreut über die Behandlung des tinterrichtswesens und bte Erhöhung der Beamtengehälter, sowie über den Abschluß der Eisenbahnverwaltung. Mit Genuathuung sei zu begrüßen, daß der schon m der Thronrede angekündigte Gesetzentwurf, betr-ffend Fürsorge für die Wittwcn und Waisen nunmehr vorqeleqt worden sei. Zur Wiederherstellung der allgemeinen Beruhigung ser dringend Wünschenswerth, daß Seitens des Ministeriums Aufklarmngen über die in der letzten Zeit besonders hcrvor- actretenen Maßregeln gegen Ausländer gegeben würden. Die Ausweisungen aus Nordschleswig fänden ' nicht den Beifall semer Parten Man begründet sie mit der dänischen Agitation. Aber von dieser Agitation merke man bisher nichts. Man werde sie wohl kaum beweisen können. Die Maßregelung der Eltern, die ihre Kinder in dänische Schulen schicken, sei nicht zu rechtfertigen. Das Centrum besitze auch nationale Gesinnung und fürchte nicht, daß man sie ihm wegen seiner Haltung in dieser Frage absprecken könne. — Minister v. Miguel beantwortet die Anftage wegen des Auf- tretens preußischer L-chatzanweisunaen im Auslande. Die Frage der Kassenhaltung speziell in Preußen sei viel schwieriger, als in anderen Landern. Man habe große Einnahmen, aber auch plötzlich ciust tretende große Anforderungen. Auf diese Weise seien wieder einmal Schatzanwcisungcn an Bankiers gelangt, welche sie zufällig nach England Weitergaben. Ucbrigcns seien wir so glücklich, zur Unter- ormgung von Pavieren nicht auf das Ausland angewiesen zu em. Wenn aber bas Ausland Kapitalien in preußischen Konsols anlegen will, so könne man dies nicht verhindern, dies könne zeitweise sogar angenehm sein. Sichere als deutsche
Deutscher Reichstag.
Kcrlin, 23. Januar.
-> - Zunächst wird debatteloS in dritter Lesung das internationale Zufatz-Ueberclilkomnicn über den Eisenbahn-Frachtverkehr an- genommen. ES folgt die erste Lesung des vom Abgeordneten Rintelen und Genossen beantragten Gesetzentwurfes, betr. Wieder- emfuhrung der Berufung in Strafsachen. — Abg. R inte len (Eentr.) empfiehlt den Entwurf. — Abg. Basserma nn (nat.-lib.) spricht seine Zustimmung zu dem Gesetzentwurf aus und befürwortet Verweisung an eine Kommission. — Abg. Beckh (freis. Volksp.) tntt ebenfalls lebhaft für das Prinzip der Berufung, sowfe für eine solche bei dem Oberlandcsgericht ein. — Präsident Graf Ballestrem bittet mit Rücksicht darauf, daß der Borredner von der Treppe zur Rednertnbüne aus gesprochen, es mochte fortan entweder vom Platz oder von der Rednertribüne aus gesprochen Werdern da ihm selbst sonst das Verständniß erschwert
• “7 Abg. Frohme (Soz.) befürwortet ebenfalls die Be- ^uluua, desgleichen die Abgeordneten Graf Bernstorff-Lauenburg (Reichsp.) und Riff (Elsässer). Der Entwurf geht an eine Kommission. — Es folgt die Interpellation Schmitt (Centr.): Ob bczw. bis wann eine Novelle zum 1892er
Weingesctz
& erwarten sei. - Abg. Schmitt (Centr.) führt Folgendes zur Begründung aus: Dre Hoffnungen, welche man auf das Weinge'etz
1892 gesetzt hat, haben sich nicht erfüllt. Es hat sich eine Schrankenlostgreit m der Weinfabrikation entwickelt, welche nur den unsoliden Geschäften zu gut gekommen ist, dem Weinbauer aber Schädigungen zugefugt hat, welche größer sind, als wenn die Bc- stimmungeu des Nahrungsmittelgesetzes ausrecht erhalten worden N.?ren. Die aufgestellten Normen haben zu unhaltbaren Zu- standen fuhren muffen und geführt. Es giebt als Wein ^rrkauste Flüssigkeiten, die nicht einen Tropfen Naturwein enthalten, aber in Folge der chemischen Zusammensetzung unbeanstandet geblieben sind, während reiner Naturwein von den Sachverständigen auf Grund der chemischen Prüfung beanstandet worden ist. So ist es dahin gekommen, daß man sagt: es wird gekauft und verkauft analysenfester Wein, gleichgültig, wie er zusammengesetzt ist. Die Weinfabnkation ist schon so weit, daß mit ihr sogar unser Herrgott nicht mehr konkurnren kann: eine Fabrik hat 14,000 bis 16,000 Stück Wein zu einem Preise produzirt, der so gering war, daß die Weinbau treibende Bevölkerung nicht mehr konkurriren kann. Es liegt uns in erster Linie daran, unsere Weinbau treibende Bevölkerung zu bemhigen, daß etwas geschehen wird, ©rlangcn totr dies, so sind wir zufrieden. (Beifall.) - k Posadowsky entgegnet, die Regierung bringe
den Wünschen derZnterpellanten das regste Interesse entgegen, die harte Arbc.t der Wmzer gegen unlautere und unsaubere Konkurrenz im Laboratorium geschützt zu wissen. Dagegen seien Wege, Mittel und Ziel Kvelfelbast. Die Interessenten selber gingen in ihren Sim "ästen weit auseinander, llm den Kunstwein zu verbieten, müsse man doch erst wissen, was Kunstwein sei. Die Freunde des Weines mußten sich, wenn "sie die Weinverfalschung wirksam bekämpft sehen wollten, zwei Wege gefallen lassem entweder eine Kontrolle, bte ben Wem verfolge von der Erzeugung bis zum Ver-
oder die Chemie müsse soweit vorgeschritten sein, daß die Fälschungen genau erkannt werden könnten. Anfangs Februar trete im Reichs-Gesundheitsamt eine Sachverständigen- Komnnsnon zusammeit. Die Herren würden gut thun, sich da auf eine Mittellinie zu einigen, um nur ben größten Mißbräuchen wirksam entgegen zu treten und es sei dann abzuwarten, wie weit die Chemie helfen werde, Fälschungen zu erkennen. — Abg. Baumann (Centrum) wünscht starke Steuern auf Kunstweine.
^erfranken sei man auch mit einer scharfen Kontrolle einverstanden. Redner ist auch gegen das Zuckern der Weine bloß zur Vermehrung. UebrigenS mußten gezuckerte Weine deklarirt werden. — Abg. Wtntermeyer (fretf. Volksp.): Ich verstehe die zögernde Hauung der Reichsregieruna, nachdem sie mit dem Gesetz von 1892 das mit den besten Absichten geschaffen wurde, so ungiinftigc Erfahrungen gemacht hat. Ich freue mich deshalb über den in
Fernsprecher No. 52.
1899.
speziell preußische Papiere, giebt es in der ganzen Welt nicht. - Minister von der Recke erklärt, er wolle auf die AuSweisungs- frage heute nicht näher eingeben, er werde in den nächsten Tagen Gelegenheit haben, dem Hause Material vorzulegen, woraus zu eite sehen ist, was die Regierung zu dem Vorgehen veranlaßte. Der von dem Abg. Sattler vorgebrachten Frage der Beamtet^ Vereinigungen in Hannover stehe er persönlich fern. Er habe die Pflicht, die Parteiorgaiiisattoneu zu überwachen, aber er habe keine Veranlassung, auf die Beamten eine Einwirkung auszuüben. Der Minister kündigt Verbesserungen auf dem Gebiet der Knminast Polizei an und erklärt, daß er gern alle Fragen des Abg. Richt» beantworten wollte, er habe sich aber bitter über die Kampfeswejw Richters zu beschweren. Derselbe nehme Zeitungsnachrichten, füge noch vollständig unglaubliche Privatäußerungen hinzu und basi?« hierauf leine Angriffe. Es liege eine besondere Verkettung voti umstanden vor, daß die Angelegenheit der Bestätigung des Oberbürgermeisters Kirschner erst spät der Allerhöchsten Entscheidung unterbreitet werden konnte. Wie diese Entscheidung auch ausfallen möge, so unterliege sie jedenfalls nicht der Kntik der Hause/. (Bravo rechts, große Unruhe und Widerspruch li•■’ ..< Die Sacht werde in allernächster Zeit zur Erledigung' .„men. Jedenfalls sei es lediglich eine Erfindung Richters, daß die Bestätigung von irgend einer Entscheidung des Magistrats abhängen sollt«: Der sogenannte Schicß-Erlaß war weder geheim, noch weist cf Material auf für irgend welche Acndcrung der bestehcndm Bestimmungen. Das schärfste Vorgehen sei zugleich das humanste. Er halte cs für feine vornehmste Aufgabe, für Ruhe und Ordnung u» Staate zu sorgen, und er werde sich von der Erfüllung dieser Pflicht Nicht durch absprechende Nenßeriingen Ri ,ters abbringen wssen. Die Slngclegenheit des Bombcn-Attcnto s sei sehr ernst. Der letzte Bericht schließe damit ab, daß sehr wahrscheinlich in nicht allzu langer Frist die Angeklagten dem Schwurgericht in Aneona zu- gefiihrt werden. Die Nachrichten des 8lbg. Richter seien also nichts als Raketenfeuer. — Minister Schönstedt wendet sich gegen die gegen die Vormundschaftsrlchter in Nordschleswig gerichteten Vorwürfe nnh vertheibigtdieUnabhangigkeitberJilstizverwaltuug.DaßOb-rprastbent Koller dahmterstecke, sei lediglich Erfindung der lokalen Presse. — gbg Stirfert (freis.) wendet sich dagegen, daß die Allerhöchst« Entscheidung in der Angelegenheit Kirschner nicht der Krittk des Hauses unterliegen solle. Nach der Verfassung bedürfe eine solche Besiattgttna der Gegenzeichnung des Ministers, also könne daS Haus den Minifter des Innern wohl verantwortlich machen. Der schießenaß sei nichts weniger als human. Was solle das Ausland von dem Charakter der Deutschen denken? Redner bemängelt bi« A'tmmkmfmanzinlng lm @tnt unfc forbcvt brinflent) Aufklärung über bte Ausweisungs-Politik der Negierung. Bismarck warf seiner Zeit bte Polen hinaus, als sie ihm nicht mehr paßten, wir waren dagegen, wer behielt nun Recht? (Zuruf Sattlers: Wir I Allgemeine Heiterkeit.) Das gegen Delbrück eingeleitete Verfahren sei ungerechtfertigt. Es sei einfach lächerlich, Delbrück nationalen Sinn und Vaterlandsgefühl abzusprechen. Man solle lieber gegen die antisemitischen Hetzredner berochen. Wenn der Flnanzmimster anrathe, bei der Behandlung ber'SluSe weisiingsfrage in Rücksicht auf das Slnsland sich Mäßigung auf» verlegen, so wolle er nur on Frankreich unb bie Dreyfus-Aiigelccien- yett erinnern, wo unerbittlich, aber im Vollgefühl des nationalen Bewußtseins Kritik an ber Regierung geübt werde. — Kultusminister B o s s e erklärt, das Ansinnen, bie Volksschulen einfach zu verstaatlichen, sei rabikal, aber nicht preußisch. Er werde sich lauge be- stnnen, ehe er sich darauf einlasse. Der Minister wiederholt betr. Delbrücks, daß bte Art unb Weise, wie Delbrück bte preußische Regierung beut Ausland gegenüber bloßstellte, ein Dienstvergehen tn sich schließe, welches nur int Disziplinarweg und zwar öffentlich geahndet werden konnte. — Fiuanzmtnister v. Miquel weist einig« Ausführungen Rickerts zurück, besonders bezüglich ber Ausweisungen unb brückt am Schluß bie Zuversicht aus, baß das bentsch« Rationalgefuhl tm Wachien begriffen sei. - Ein Vorschlag des ^vasibenten v. Kr och er auf Vertagung wird angenommen. — Persönlich bemerkt Abg. Richter: Der Minister des Innern Hai mir falsche Behauptungen untergelegt. Er habe manchen Miiiistet verichwlnbcn sehen, wett er das Feuer bet parlamentarischen Beleuchtung nicht vertragen konnte. Meine Aeußertingen stützen sich auf bie Aeußerung bcs Kabinettsraths v. Lueanus unb nicht auf Settungsnachrtchten. Der Minister hat selbst einen Eiertanz bezüglich bieser Dinge aufgeführt. (Präsident ».Kröchet ruft
endlich barf als ein Muster-Beispiel wohlklingenden acapella- Satzes gelten.
Ueber bie Wiedergabe ist Erfreuliches zu melden. Der Chor wat bestrebt, ben nicht geringen Forderungen des Komponisten an Sicherheit, Ausdauer und Nüaneiruiigsfähigkeit möglichst gerecht zu werden, sodaß der vetschiebenattige Stimmungsgehalt bet Ensemble- sätze auch meist klar und deutlich ■ zum Ansttcig gelangte. Im zweiten Thei! hätte man beim Ansturm ber rauhen Scyihcn dem Männerchor wohl noch vermehrte Klangkraft und Ein- müthigkcit gewünscht; freundlichen Eindruck hinterließen bie Frauenchöre. Die Reinheit ber Intonation unb bie Bestimmtheit bei schwierigeren Einsätzen ließen an diesem Abend nur ganz vorübergehend zu wünschen übrig, — bei her gegenwärtigen hohen Ballsaison mag vielleicht Manche(t) manchesmal ein Pröbchen „übersprungen" haben. Jedenfalls ist im Ganzen eine pietätvolle, von freudiger Hingabe getragene Chorleistung fcst- zustcllen. An dem guten Gelingen ber diesmaligen Aufführung hatten in erster Reihe auch die Solisten ihren Antheil, Allen voran: Fran M. W i l h e l m j, welche in der Partie ber Iphigenie ben rechten Platz fand, ihre Vorzüge in aller Fülle unb Wirkungssicherheit barznthun. Wenn auch hie unb da minder gut disponirt, so hielt boch ihr Organ wieder "bewiinbenuigswürdig Stand: bas ist eben ber Segen einer „großen Schule", bte über alle Zufälligkeiten erhaben macht. Die vortreffliche Singweise ber Künstlerin, ihre Auffassung und Durch- bringung des musikalischen Gehalts kamen ber obengenannten Traumscene, bann namentlich auch beni Solo in der Todtenfcie. unb der fringeftimmteu zweiten Arie hervorragend zu gute; aber nach im^ Dchlnßfiiiale vermochte sich die Stimme noch bis zum letzten Ton durchdringend und jubelnd emporzuschwingen I Den finster blickenden König Thoas sang Herr Metzmacher aus Köln mit einer besonders in der Höhe ausgiebigen Baßstimme unb recht
würdevollem Vortrag. Die Partiecv des Orest und Pylades, denen neben mancher konventionellen doch auch manche bedeutsamere musikalifche Rccitation znfällt, lagen in den Händen ber Herren G. Keller (aus Ludwigshafen) und E. Pinks (aus Leipzig). Herr Keller hat sich durch seinen sympathischen und wohlgepflegten Baryton hier schon früher ttefflich eingesührt. Er beherrschte auch gestern feine nicht leichte Aufgabe mit Kunst unb Geschmack unb wußte burch empfinbungsvollen Vortrag für bie Gestalt bes von seclischen Schmerzen gefolterten Orest das lebendigste Interesse wechzuhalten. Auch der Tenorist, Herr Pinks, erwies sich von Neuem als eine fehr schätzenswertheKraft für ben Konzertsaal. Sein weiches unb abwandlungsfähiges Organ besitzt eine gleichmäßig schöne und schulgerechte Ausbildung, unb feine Tonsprache ist so künstlerisch berebt, baß man dem Vorttag mit Vergnügen lauscht. Neben den meist zarter gehaltenen Theilen der Pylades-Partie ist in der kriegerischen Strophe „Mögen die Götter :c." doch auch Gelegenheit zu glänzenderer Stimmentfaltung, und auch hier blieb Herr Pinks durchaus siegreich. Herr Kapeö meister L. Lüstner hatte das Werk mit liebevoller Sorgfalt ein» studirt: das Ensemble, in welches sich die Kurkapelle bis auf einige allzu kräftige Schatttrungen geschickt einfügte, folgte der sicheren und zuverlässigen Direktion mit gespannter Aufmerksamkeit unb fp/tierlief die Gesammt-Wiedergabe sehr glücklich. Das Publikum, anfänglich etwas düster und schweigsam, erwärmte sich mehr und mehr: das letzte Soloquartett, an welchem sich eine ungenannte, doch wohlbekannte Alt- Griechin mit angenehm klingender Stimme betheiligtc, wurde allseitig da capo begehrt und gern gewährt; an Beifall fehlte es fomit nicht, wenn derselbe auch nicht jenen Wärmegrad erreichte wie damals, als der liebenswürdige Tondichter noch unter uns weilte unb in feiner feinen, artigen und bescheibenen Weise all der Ehren sich erfreute, mit denen wir ihm unb feinem Werke huldigen durften. 0. D.
