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Donnerstag, den 19. Januar
1899
Fernsprecher No. 52.
Fernsprecher N». 52.
Abendo^usgabe
inner, bei dem das Couvert oft 6 bis 8 Francs kostet, ins Nestaurant zurück, und Abends endet die Feier mit einem Ball.
Wie oft mag später, mährend der häufig so harten Tage des ehelichen Lebens die junge Frau mit Trauer des Geldes gedenken, daS in so leichtsinniger Weise verschwendet wurde und jetzt vielleicht dazu dienen könnte, den Kindern Brod zu geben! Aber welche Braut schaut anders als hoffnungsfreudig in die Zukunft und malt sie sich nicht mit den rosigsten Farben aus?
In den bürgerlichen Kreisen sucht man auch den Tag der Eheschließung mit möglichstem Pomp zu umgeben, doch finden sich die Eeladeneu nach der Trauung gewöhnlich nur zu einem Dejeuner zusammen, während des Nachmittags das junge Paar Paris Verläßt; hin und wieder vereinigt am Abend ein Ball noch einmal die Hochzeitsgäste.
Bei den oberen Zehntausend aber ist es die soiree de contract, der Abend, an dem der Heirathsvertrag unterzeichnet wird, an welchem man den höchsten Glanz entfaltet. Der corbeille de noce wird dann ausgestellt, d. h. die Geschenke, die der Bräutigam der Braut gemacht, sowie auch all die oft so kostbaren Gaben, die ihr von Verwandten und Freunden dargebrackt sind. Von Jahr zu Jahr steigt der Luxus darin, denn getreulich berichten die Zeitungen nicht nur, welche Toiletten die Damen getragen — für die Braut ist dabei stets rosa Atlas de rignenr — sondern auch, wer die Diamantrivieren, die Armbänder, die silbernen Schalen oder kostbaren Fächer gespendet. Es soll übrigens manchmal vorkommen, daß sich unter den Gästen einzelne befinden, die an den ausgestellten Gegenständen ein allzu großes Gefallen ftnbcu, und so haben beim Manche es für klüger befunben, ihrer Eitelkeit einen Zügel anzulegen und sie garnicht zur Ansicht zu bringen, währenb noch Andere sie angeblich von Detektivs bewachen lassen. W. Waldau.
Denischss Deich.
* gof- und Perfonal-Uachrichteu. Der Geh. RechmrngS- ratb Gall, der feit der Erkrankung des GeheimrathsKleinschmwt im Oktober 1897 die Leitung Ser Lüreaugeschäste vertretungsweise übernommen hatte, ist zum Büreaudirektor des Abgeordnetenhauses ernannt worden.
* KrrUrr, 19. Januar. Bismarcks Tod bat auch die preußische Thronrede mit keiner Silbe erwähnt. Weder int Reich noch in Preußen ist also der Todesfall ossiziell als ein politisches Ereigniß aufgefaßt worden.
Der preußische Finanzmiuister beabsichtigt dem Vernehmen nach, die kleineren Kreis lassen aufzuheben und ihre Funktionen denjenigen benachbarter Kreise zu übertragen. Die hierdurch frei werdenden Beamten werden bis zur Wiederverwendung vorläufig zur Disposition gestellt.
* Zurücksebung unserer Volksvertretung. Aus der Feierlichkeit im Weißen Saale zur Eröffnung des preußischen Landtages tbeilt ein neugewählter Abgeordneter der »Voss. Ztg." folgende bezeichnende Episode mit: „In den vordersten Reihen standen Generale und Chargen in großer Uniform. In dritter Reihe etwa eine Anzahl Herren int schwarzen Frack; ich selbst stand etwa in vierter Reihe, als der Hofinarschall oder Ceremoniettmeister mit einem Stab hinzutrat und sprach: »Ich bitte die Herren Abgeordneten, ettvas zurückzutreten, um Platz für die Generalität zu gewinnen." Meine Vordermänner traten wohl nicht schnell genug zurück, wenigstens kam der Hofinarschall, oder tote sonst sein Titel ist, weiter nach hinten und wiederholte: „Ich bitte die Herren Abgeordneten, zurückzutrcteu." Der Abgeordnete bemerkt dazu: „Man kann persönlich noch so bescheiden sein, aber als Vertreter des Volkes kann man sich eine solche Behandlung nicht gefallen lassen. Jedenfalls werde ich eine Eröffnung des Landtages im Weißen Saal nicht mehr mitmachen, so lange die Abgeordneten von einer Hofcharge znrückgedrängt
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* Deutschland r:nd Ftanltreich. Die „Kölnische Zeitung" schreibt zu der Aeußerung eine» französischen Ministers, überall wo es angängig sei, werde er gemeinsam mit Deutschland marschiren: Wir haben keinen Grund, die Richtigkeit jener Mittbeilnng in Zweifel zu ziehen. Es ist erwähnenswetth, daß französische Blätter und Politiker derartige Aussagen machen dürfen, ohne von Aus- driicken der Entrüstung weggeschwemmt zu werden.
* Wegen Wajestiitsbelridigimg und Beleidigung des Prinzen Eitel Fritz ist jüngst, wie wir berichteten, der Redakteur Müller von der sozialdemokratischen „Magdeburger Volksstimme" zu vier Jahren Gefängniß venirtheilt worden. Dieses horrende Strafmaß hat überall und mit Recht peinliches Aufsehen erregt. 2)1 an sagte sich denn doch, daß eine solche Strafe z» dem Vergehen in keinem Verhältniß stehe, zumal da der Redakteur glaubhaft machte, daß er an der Herstellung der verfolgten Zeitungsnnmmer unbethciligt gewesen sei. Seine drei Entlastungszeugen wurden allerdings nicht vereidigt, da sie sich selbst belasteten; einer von ihnen war aber bereit, zu beschworen, daß Müller weder an der Ausnahme des Artikels mitgewirkt, noch an Vereinbarungen über die Ausnahme theilgenommen habe. Nunmehr hat sich, wie gemeldet, der sozialvemokratische ReichStagsabgeordnete für (Salbe, Schriftsteller Albrrt Schmidt, dem Staatsanwalt gestellt und sich als den eigentlich «schuldigen bekannt, (fr erklärte, er habe cS mit seiner Ehre nnd feinem Charakter nicht vereinbaren können, daß für
»r. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — VezugS-PreiS: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Alk. GO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Deutscher Reichstag.
Kortin, 18. Januar.
Auf der Tagesordnung stehen Jnitiativ-Anträge. Zunächst gelangt bei Antrag Klinckowström (fonf.) zur Berathung. Derselbe verlangt die Hinzufügung des folgenden § 853a zum Strafgesetzbuch: Ein Beamter, welcher amtliche Schriftstücke, deren Geheimhaltung angcorbnet ist. Anderen zur Veröffentlichung durch die Preffe mit- therlt, wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mk. und mit Gefängniß bis zu 6 Monaten bestraft. Em Absatz richtet sich gegen die Presse, welche auf solche widerrechtliche Weise erlangte Schriftstücke veröffentlicht. — Abg. Graf Klinckowström (fonf.) bemerkt, bei Einbringung feines Antrages habe er an die Publikation diskreter Erlasse durch die sozialistische Presse gedacht. ES handle sich bäum gemeine Verbrechen, in der Regel um Bestechung und Bestechlichkeit von Beamten. Von anständigen Beamten würden derartige Ler- trauensbrüche entschieden verurtheilt. Er, Redner, bitte nm Verweisung seines Antrages an eine besondere Kommission. (Lachen links.) — Abg. Lenz mann (freif. Volksp.) bittet Ramms seiner Fraktion um glatte Ablehnung dieses Antrages. Solche Ausnahme-Bestimmungen gegen die Sozialdemokratie, wie sie der Antrag fordere, wollten seine Freunde nicht, obwohl sie mit dieser Partei nicht sympathisirten. Muse rechts: Ra, na.) Die jetzige Zeit mit ihren reaktionären Bestrebungen sei überhaupt nicht geeignet für eine Revision des Strafgesetzbuches. Unbegreiflich fei, wie die Antragsteller durch diesen Antrag Schutz gegen die Kölnische und gegen die Voffische Zeitung erlangen wollen. Möge man den ehrlosen Beamten bestrafen, d. h. wenn man ihn erwische, die Presse aber nicht. (Gelachter rechts.) Dieses Lachen veranlaßt den Redner zu der Aeußerung, baß anscheinend die neuen Mitglieder des Hauses nicht wüßten, was parlamentarischer Anstand sei. —Präsident Graf Ballestrem entgegnet dem Redner auf diese Bemerkung, derselbe habe damit als altes Mitglied den neuen Kollegen kein gutes Beispiel gegeben. (Heiterkeit.) — Abg. Hofmann (nat.-lib.)' ist gegen den Antrag. Ein Bedürfiriß für denselben liege nicht vor. — Abg. Liebknecht (©03.) bezeichnet den Antrag als einen Versuch zu einem neuen Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie. Der Zeitungs- Redakteur wisse garnicht, ob ein Erlaß geheim sei und wer ihn der Zeitung gesandt habe. Die Rechte möge sich daran erinnern, daß in den 50er Jahren von Konservativen dem Prinzen von Preußen Akten gestohlen worden seien. Bismarck habe nach seiner Ent- faffung amtliche Aktenstücke veröffentlichen lassen, sogar solche wichtigster Art. Die Sozialdemokratie veröffentliche Erlasse stets im öffentlichen, im Staatsintereffe, und niemals gegen das Staats- und gegen das öffentliche Interesse. Geheime Erlasse nützten garnichts. Sollten Erlasse etwas nützen, dann müßten |e öffentlich bekannt werden. UebrigenS könnten Ausnahme- «setze gemacht werden, so viel man wolle, die Sozialdemokraten würben mit ihnen ebenso gut fertig werden, wie mit dem Fürsten Bismarck. (Beifall.) — Abgeordneter v. Kardorff Meichsp.) hält den Antrag für durchaus angejeigi und wünscht winmissarische Berathung desselben. Die Verweisung beS Antrags Ott eine Kommission wird abgelehnt. — Es folgt die Berathung beS Antrags Agster (Soz.), betreffend Vorlegung eines Gesetzentwurfs zwecks Errichtung obligatorischer Gewerbegerichte und Erweiterung der Kompetenz derselben auf Handels-Angestellte, Gesinde sowie land- und forstwirthschaftliche Arbeiter, und zwar überall, ohne Rücksicht auf das Geschlecht. —Abg. Zu beil (Soz.) empfiehlt den Antrag. — Inzwischen ist ein Antrag Trimborn- tz i tz e (Centr.) eingegangen, welcher erstens kaufmännische Schiedsgerichte einführen und zweitens Gewerbegerichte innerhalb Hjrer bisherigen Kompetenzgrenzen obligatorisch machen will, §it der Maßgabe, daß die Landes - Regierungen hiervon uSnahmen gestatten können wegen mangelnden Erwerbs. — Abg. T r i m b o r n (Centr.) begründet seinen Antrag und befiirwortet habet noch zwei Detailforderungen seines Antrages, nämlich bessere Regelung des Wahlverfahrens durch geordnete Aufstellung der Wähler
verlassen. . . . Sclbstlob stinkt immer, wie das uralte Sprichwort bei allen Nationen sagt. Selbstlob aber an der Stelle, von der Niemand hoffen kann, noch höher zu steigen, hat etwas Empörendes. ES laßt sich nicht verkennen, daß die Ausstattung eines Mannes mit einer so ungeheuren Macht geeignet ist, das Gefühl zu kitzeln und äu netto irren; wenn das aber geradezu in Mnthwillen ausartet, wenn der Ration immer wieder ins Gedächtniß gerufen wird, daß der eine Mann die Sonne fei und sie ohne ihn im Schatten stünde, so muß das schließlich in einem denkenden Volk zu einem revolutionären Rückschlag führen."
werden." — Dieser Vorfall ist nur der äußere Ausdruck der That, fache, daß bei uns die Hofchargen mehr zu sagen haben als die Vertretung des Volkes.
* Interessante Einblicke in die Finanzlage des Reiches gewährt eine der Bndgetkommission des Reichstages übergebene amtliche Zusammenstellung, die nachweist, aus welchen Einfuhr-Artikeln sich das Mehr an'Zolleinnahmen in den ersten acht Monaten des laufenden Etatsjahres zusammensetzt. Dieses Mehr beträgt gegen dieselbe Zeit des Vorjahres 26,948,773 Mk. Von diesen Mehreinnahmen entstammen 15,909,000 Mk. aus der vermehrten Einfuhr von ausländischem Getreide, insbesondere von Weizen, Roggen, Gerste und Mais nnd 4,169,783 Mk. aus der gesteigerten Fleischeinfuhr. Die Schmalz-Einfuhr hat außerdem eine Mehreinnahme von 1,071,242 Mk. ergeben. Abgesehen hiervon haben erhebliche Mehreinnahmen ergeben Bau- und Nutzholz mit 1,371,735 Mk., Kaffee mit 3,339,520 Mk., Heringe mit 684,006 Mk., Thee mit 846,600 Mk., wogegen Petroleum eine Mindereinnahme von 1,514,106 Mk. nachweist. Also reichlich drei Viertel der ge- sannnten Mehreinnahmen resultiren aus der gesteigerten Einfuhr von Getreide nnd Fleisch. Den Agrariern sollten auch diese Zahlen zu denken geben.
* Uel-ev die Monarchie urtheilt der preußische Hofhistoriograph v. Treitschke in dem soeben erschienenen zweiten Baude seiner Politik, tote folgt: „Friedrich der Große hat gesagt: Die Monarchie ist die beste oder schlechteste aller Staatssormen, je nach der Person ihres Träger« . . . Von Moitarchieen gilt int höchsten Maße, daß die Könige selbst ihre schlimmsten Feinde toerben können. Denn darin, daß ein einziger Mann so hoch gestellt ist über alle Sterblichen, liegt eilte ganz ungeheure Verführung zu Hochmuth aller Art; c3 liegt die Gefahr nah, daß die Persönlichkeit des augenblicklichen Königs mit ihren Launen und ihrer menschlichen Beschränktheit verwechselt wird mit der Krone selber und daß so eute Selbst-
vergötterung entsteht, welche entsittlichend wirkt. Wenn Alles, was einem solchen Fürsten durch den Sinn geht, sofort Gesetz werden soll, so wird die Monarchie ein Zerrbild, und cs entsteht eine Erregung unter allen edlen, freien Geistern; und solche Monarchen müssen sich dann auf ihre Feinde stützen, weil ihre Freunde sie
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(Nachdruck verboten.)
Variser Hochzeiten.
Paris im Januar.
: Wie nun feit einigen Jahrzehnten alle großen Städte,
besitzt auch natürlich Paris feine bestimmte JahreSeintheilung, - je nach den Obliegenheiten, die man erfüllt. Es giebt eine Saifon der städtischen Vergnügungen, eine Neisezeit und «ine solche der Arbeit; letztere selbstverständlich nur für den Thcil der Menschheit, welcher überhaupt solche leistet, ■ der ja aber glücklicher Weise der bei Weitem größte ist.
Nicht überall ist diese Eintheilnng aber die nämliche, und k bei un§ wurde, dem Beispiele Londons folgend, die Haupt» gg saison in die Frühlingsmonate verlegt. Im Sommer hält - man sich auf Neisen, im Winter aber, wenigstens soweit die . Vornehme» oder doch Neichen in Frage kommen, auf dem Lande auf, während die übrige Menschheit in die Metropole zurückkchrt, um sich dem Erwerb zu widmen.
Dieses Arrangement hat cs mi' sich gebracht, daß auch in einer anderen Richtung verschiedene Saisons hier cxistiren, | und zwar ebenfalls drei, nämlich solche, die die drei Klassen | mit Vorliebe sich erwählen, um in den Stand der heiligen i Ehe zu treten. Im Frühjahr, wo alle seine Standesgenossen in der Hauptstadt sich zusammenfiuden, führt der vornehme Mann die Brant an den Altar, und aus gleichem Grunde ° pflegt der Bürgerliche den Winter dafür zn wählen, der i Sommer jedoch ist di.» Jahreszeit, in der der Arbeiter, der fc kleine Mann, die Erkorene des Herzens freit. Auch . er thnt dies aus ganz bestimmter Ursache. Zwar I seine Freunde sind zu anderen Zeiten ebenfalls für ihn da, weder hindern sie im Frühjahr die Freuden fc. der Saison, noch ist im Wntter die Arbeit für sie grösser als sonst. Im Sommer indes; ist ein Faktor oor- r Händen, der in diesen Kreisen gar sehr in Anschlag gebracht
listen sowie Ermöglichung eines spontanen Eingreifens der Gewerbegerichte als Eiulgullgsäuiter, auch ohne Anrufung Seitens der streitenden Parteien. — Staatssekretär Nieberding bemerkt, angeregt durch eine Aeußerung des Vorredners, die Verhandlungen über die Frage kaufmännischer Schiedsgerichte seien noch nicht abgeschlossen. Heber einige Einzelheiten herrschten noch MeimmgS- verschiedenheiten. Man fei aber unausgesetzt mit dieser ganzen Frage beschäftigt. — Abg. Freiherr v. Stumm (Reichp.s führt aus, selbst bet den Arbeitern seien die Ansichten über die Thätigkeit der Gewerbegerichte sehr getheilt. Es stehe fest, daß bei den Beisitzer- Wahlen die Arbeiter die Handwerker uiajorisirten und die Handwerker wiederum die großen Fabrikanten. Redner erklärt sich weiter entschieden gegen jede Kompetenz-Erweiterung der Gewerbegerichte und ferner dagegen, diese obligatorisch zu machen. Er und seine Freutlde würden keinem Gesetz zustimmen, welches der Macht und der Autorität der Sozialdemokratte neueNahrunggebe.—Abg. Hilbeck (nat.-lib.) empfiehlt entsprechend dem Antrag Tnmborn und einem Anträge Bassermann besondere kaufiuännische Schiedsgerichte; mit Ausdehnung der Gewerbegerichte auf Gesinde, Land- und Forstarbeiter feien seine Freunde nicht einverstanden. — Abg. Schrader (freif. Ver.) bezeichnet die Ausdehnung und den weiteren Ausbau der Gewerbegerichte als sehr wünscheiiSwerth. Nur ginge die Sache nicht so leicht, wie sieh die Antragsteller vorstellten. Er und seine Freunde seien bereit, in einer Kommission mitzuarbeiten. Es tritt nun Vertagung ein. Nächste Sitzung: Morgen 1 Uhr. Tagesordnung: Etat des Reichsamts des Jünern. Schluß 5'/« Uhr.
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Kerls», 18. Januar. Die Budgetkommission des Reichstags fetzte heute die Berathung des Pvst-EtatS fort. Staatssekretär Podbielski erklärte, daß die Afsistentenstage in nächster Zeit eine für die Assistenten wesentlich günstigere Erledigung als bisher finden werde. Als Sommer-Dienstkleidung für die Briefträger fei eine leichte Tnchjoppe in Aussicht genommen, die dem Kaiser zur Genehmigung vorliegt. Der Post-Etat wurde erledigt. Morgen Etat der Neichsdruckeret und Etat für Kiautschon.
wird, um die Hochzeitsfeierlichkeit verherrliche» zu helfen; die Parks in nnd um Paris stehen dann in vollster Blüthc, die Bäume prangen im schönsten Schmuck. Ohne eine Fahrt aber ins Bois und ganz besonders ins Boi? de Boulogne gilt eine Hochzeit den unteren Klaffen als fast ganz unmöglich, und wenn besonderer Umstände halber eine solche doch einmal in den kalten Monaten stattsindct, so sieht man selbst dann die Wagen in kürzerem oder längerem Zuge sich in den Park begeben und bemitleidet die arme Brant in ihrer weißen, leichten Toilette, die so heroisch den Standesvornrtheilen ein Opfer bringt.
Es ist übcrhanpt erstaunlich, mit welchem Pomp hier die Schließung einer Ehe gefeiert wird, trotzdem man diese selbst später doch oft so wenig heilig hält. Jeder glaubt an diesem Tage Alles aufbieten zu müssen, um seine Freunde durch Glanz zn blenden, und die sonst so große Sparsamkeit der Franzosen tritt bei dieser Gelegenheit gänzlich in den Hintergrund. Besonders ist dies bei den unteren Klassen der Fall; ich habe Dienstmädchen gehabt, welche Arbeiter heirathelen nnd 1000 Francs und darüber — ihr ganzes erspartes Vermögen — für die Hochzeit verausgabten. Denn man ladet so viel Gäste wie möglich ein, für deren Bewirthnng und Vergnügen den ganzen Tag über gesorgt werden nniß. Vormittags findet die Trauung in der Mairie nnd gleich hinterher die in der Kirche statt, dann wird das neugebackene Ehepaar allein im mit weißer Seide ansgeschlagcnen Coupo oder mit den Eltern in der großen Viereckigen Glaskutsche, die übrigen Gäste in offenen Equipagen, die alle die Brautleute zn stellen haben, hinterher ins Nestaurant gefahren, wo das Dejeuner stattfindet. Nun werden wiederum die harrenden Wagen bestiegen nnd in hifttger Fahrt geht es nach einem Park, wo man gewöhnlich abermals gar zahlreiche „Consommations“ einnimmt. Um 7 Uhr kehrt man zum bestellten Hochzcits-
