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«»• Jahrgang.
Verlag: Lauggasse 27.
5G-OOO Abounentru.
Erscheint in zwei Ausgaben. — BezngS-Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. 60 Pfg, vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Anzeigen-PreiSr
Die einspaltige Petitzeilr für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.
N«. 30.
Fernsprecher Wo. 52.
Mittwoch, den 18 Januar.
Abend-fiusgabe.
(Nachdruck verboten.)
Klassenannäherung.
Unser Londoner Korrespondent schreibt uns:
Wenn auch fast überall jetzt erkannt wird, daß das, was am meisten dazu beigetragen hat, den Kiassenhaß so groß zu ziehen, wie er leider geworden, die Absonderung der einzelnen Gesellschaftsschichtcn ist, so kann doch England sich immer noch mit Stolz sagen, daß es am meisten thue, um diese Absonderung zu verwischen und damit das sich daraus ergebende Resultat zu beseitigen. Gewiß geschieh« auch in anderen Ländern Seilens der Vcssergestelltcn jetzt mancherlei, um sich den unteren Bolksklasse» zu nähern, immer jedoch kann Großbritannien darin noch als leuchtendes Beispiel dienen. Gerade aber, weil diese Bewegung eine immer allgemeinere wird, erscheint es mir richtig, so viel als möglich von den Einrichtungen zu sprechen, die hier nach dieser Richtung bestehen, da dies eine Anregung sein könnte, ähnliche Institute zu errichten und die bei uns bestehenden zum Vorbilde zu nehmen.
Um engere Beziehungen zwischen den verschiedenen Klassen zu schaffen, ist es vor Allem dringend geboten, das geistige Niveau der Untenstehenden zu heben, sonst müssen diese Beziehungen nothgedrungen sehr oberflächlich bleiben. Der Mann oder die Frau der besseren Gesellschaft kann wohl die Armen und Elenden besuchen, ihnen Hülfe bringen, ihnen vorlesen und mit ihnen plaudern, aber sie werden dabei immer das Gefühl haben, mit geistig viel Unbedeutenderen zu sprechen, es ist ein unwillkürliches Herablassen, das das etwas feinsühligere Kind des Volkes sehr wohl und mit Unbehagen bemerkt. Ein wirkliches Verwischen der Unterschiede — soweit dies überhaupt angängig — ist nnr dann möglich, wenn der auf der sozialen Leiter niedriger Stehende empfindet, daß er sich geistig dem Anderen nähert.
Von Manchen wird allerdings behauptet, daß gerade die größere allgemeine Bildung die Sozialdemokratie ins Leben gerufen habe, die ja am meisten dazu beitrage, den Klassenhaß zu schüren, aber dieselbe hat im Gegeniheil nur diese Ausdehnung gewonnen, weil bei der großen Masse noch immer von einer eigentlichen Bildung nicht die Rede sein kann und diese daher, urtheilslos, blindlings den schönen Redensarten der Führer glaubt. Daß iudeß gerade eine größere geistige Aufklärung nöthig, das ist, was hier erkannt worden, und aus diesem Gedanken.heraus sind die “University settlements” entstanden, von dessen einem, vorbildlichen, Toynbee Hall, ich Ihren Lesern hier sprechen will.
Lange Zeit hatten gerade die englischen Univerfitäten sich einen exklusiven, aristokratischen Charakter bewahrt, aber der neue Geist machte sich schließlich auch hier bemerkbar und Männer wie Seeley, Jowett, Ruskin und andere wurden zu Trägern eines Gefühls, das sich immer mehr Bahn brach, des Gefühls der sozialen Verpflichtung. Sie wiesen darauf hin, daß, was den Armen wohl lhäte. nicht Almosen wären^ sondern daß ihnen ein Antheil am geistigen Leben ein- geräumt würde. Bei mehreren Studenten fiel diese Aussaat auf fruchtbaren Boden. Dieselben begaben sich während ihrer Ferien nach dem Osten Londons, um das Leben der dortige» Bevölkerung kennen zu lernen und dazu beizutragen, ihr Niveau zu heben. Einer zeichnete sich unter ihnen besonders durch seinen Eifer aus, Arnold Toynbee. Selbst Professor in Oxford geworden, predigte er seinen Hörern von der neuen Pflicht, die ihnen erwachsen, und seine überzeugenden Worte ftuidei» Eingang. Arnold Toynbee starb jung, aber nicht bevor er eine Schaar Jünger gebildet. Um sein Andenken zu ehren, sammelten dieselben eine Summe von 60,000 Mk., eröffneten in einem der elendste» Viertel Londons einen Saal, wo Vorträge gehalten wurden, traten mit den Arbeitern in Verbindung und bemühten sich durch Wort und Beispiel, ihre moralische und geistige Erhebung herbeizuführen. Ihr Wirken blieb nicht unbeachtet; durch die Bemühnngeii einiger Philantropen wurden 250,000 Mk. aufgebracht, eine sogen. Universitätsniederlassung gegründet, und so entstand “Toynbee Hall”. Hierher nun kommen Studenten und andere Mitglieder der Universitäten Oxford und Cambridge für kürzere oder längere Zeit, wohnen in dem Hause und widmen sich dem Dienst ihrer Mitmenschen je nach ihrer individuellen Begabung. Die Einen halten Vorträge, die Anderen ertheilen direkten Unterricht, noch Andere organisiren gesellige Abende, oder besuchen die Armen, beschäftigen sich mit den Kindern :c. ®enn Toynbee Hall ist nicht ein rein wissenschaftliches Institut, worauf vor Allem hingewirkt wird, ist, wie gesagt, die Annäherung der Klassen, und so finden gesellschaftliche Zusammenkünfte statt, roerden Ausstellungen veranstaltet, zu denen aus Privatbesitz, öfter auch dem der Königin, Kunstwerke hergeliehen sind und bei welchen Mitglieder der höchsten Aristokratie die Eicerone machen und in freundlichster Weise Auskunft ertheilen. In den Klubs, die selbstverständlich entstanden find, fiilden zwanglose Besprechungen über alle möglichen
Gegenstände statt, und einer derselben, der „Klub der Reisenden", veranstaltet auf gemeinschaftliche Kosten weite Fahrten nicht nur in Großbritannien selbst, sondern sogar nach fremden Ländern, über die schon vorher durch Vorträge eingehendste Belehrung , ertheilt worden ist. Auch die Kinder der Armen sind in Toynbee Hall nicht vergessen, und es werde» zu ihrem Vesten alle möglichen unterhaltenden und unterrichtenden Veranstaltungen getroffen, bei denen natürlich die leiblichen Genüsse ebenfalls eine Rolle spielen.
Daß das niedere Volk sich den Annäherungen der Bessergestellteu nicht feindlich gegenüberstellt, rote oft behauptet wird, beweist die große Popularität, bereit Toynbee Hall sich erfreut, und die dazu geführt hat, daß nicht nur in anderen, ebenfalls armen Vierteln der Stadt ähnliche Institute entstanden sind, sondern auch in den größten Plätzen der beiden anderen Königreiche, in Glasgow und Dublin, und überall gleiche Beliebtheit genießen. H. Land.
Die lippesche Frage im Reichstag.
Berlin, 17. Januar.
Am BnndeSrathstische Graf Posadowsky und Freiherr ?"• ann- .Zunächst wird in dritter Lesung debattelos
die llcberemfunft mit den Niederlanden angenommen, betreffend dte gegenseitige Zulassung der Thierärzte in den Grenzbezirken, ^n eri*er unb zweiter Lesung wird sodann das internationale Zusatz-Ueberemkommen über den Eisenbahn-Pachtverkehr erledigt. Es folgt die zweite Berathung des Etats für 1899, und zwar des Spezial-Etats des Reichstags. Auf Antrag des Abgeordneten v. Frege (kons.) wird dieser Etat für heute von der Taaes- ordnung abgestellt. Bei dem Etat des Reichskanzlers berührt Abg.Lenzmann (freis. Polksp.) die lippesche Frage, welche sehr wichtig sei. Das Fundament Deutschlands sei und bleibe das Recht. Trotz der Kleinheit der Frage habe sie doch eine gewisse Erregung m Denischlaud hervorgerufen. Er, Redner, wolle nicht über bie bekannte Depesche sprechen, in welcher gleichsam eine Art Censur über einen Fürsten ausgesprochen werde. Er wolle sich mir dec Staatsrechtsfrage ziiwenden. Der nach dem Tode des Fürsten Woldemar zur Nachfolge berufene Bruder Alexander ist unheilbar geisteskrank und befindet sich im Jrrenhause. Fürst Woldemar wollte schon 1890 die Regentschaftsfrage ordnen, das Gesetz kam aber nicht zu Stande; erst nach dem Tode des Fürsten trat der Kabinettsminister v. Wolfgramm mit der Behauptung hervor daß der Fürst eine Art letzter Verfügung Hinterlasten habe, wonach Prinz Adolf von Schaumburg-Lippe zur Regentschaft berufen werde. Au diese Verfügung hat sich ein erbitterter Kampf in der lippeschen Volksvertretung geknüpft; man bat sogar die Unechtheit bet Verfügung behauptet. Ich habe darüber kein Urtheil, obwohl auch mir das plötzliche Aufiauchen dieser angeblichen Regentschastsordniing sehr auffällig erscheint. Schließlich sah sich die Regierung veranlaßt, mit der Volksvertretung ein Gesetz zu vereinbaren, das 1895 als Regentschaftsgesetz zu Stande gekommen ist. Richtig und schön war es nicht, daß man inzwischen die Entmündigung des Prinzen Alexander, tue lchon 1893 stattgefunden hatte, bis 1895 dein Volke verheimlichte, ebenso wie man den Tod des Fürsten über 4 Stunden lang dem Volk verschwieg und so dem Prinzen Adolf Zeit ließ, in das Land zu kommen und Regierungs-Anordnungen zu treffen. Um den -vhron bewarben sich drei Linien: der Fürst von Lippe- schaumburg, die Biesterselder und die Weißenfelder Linien der Grafen von Lippe. Der Fürst von Lippe-Schaumburg ist nur als Mitglied der Linie Lippe-Alverdissen mit dem Haus Lippe-Detmold verwandt. Die drei Thronprätendenten Oereinbarteti einen Schieds- ricyterspruch, was durch ein Schiedsgerichtsgesetz in Lippe-Detmold gutgeheißen wurde. Das Schiedsgericht trat unter dem Vorsitz des Königs von Sachsen zusammen. Es kam auf die Entscheidung der Frage an, ob die Reichsgräfin Modeste v. Unruh, die ein Biesterselder' geheirathet hatte, ebenbürtig war oder nicht, vielmehr dadurch den bacillus ignobilis (große Heiterkeit) in diese fürstliche Familie ymemgetragen hatte. Drei RechiSlchrer, unter Anderen Laband I unb Borndack, stellen sich in diesem Streit auf die Seite von Lippe- ecgaumburg. Sie weisen auf die Unebenbürtigkeit und außerdem darauf hin, daß die Biesterfelder nie Apanage bezogen hatten, auch hatten letztere ihre Zugehörigkeit zur fürstlichen Familie gelockert, sich tue als Erbherren benommen. Der Schiedsrichter- fpsnch ist trotzdem zu Gunsten des Grafen Ernst zur Lippe- Biesterfeld airsgesallen. Bedauerlicher Weise hat der Spruch über- sehen, die Frage auch für die Descendeuz zu regeln, sodaß der Graf seine Nachkommen, sie »lögen noch so blaublütig sein, nicht gleichzeitig anerkaniit sieht. Um diese Lücke auszufüllen, wollte die lippesche Regierung ein Gesetz verabschieden lasten; aber der Fürst von Lippe-schaumvurg prote,tirte sofort dagegen unter dem Vorleben, der Sohn desGrafen Ernst stamme aus einer noch viel schlimmeren Mischehe. Der Graf hat nämlich eine Gräfin Wartensleben geheirathet, bie das große Unglück bat, eine bürgerliche Mutter zu haben. Zuerst ignorirte die lippesche Regierung diesen Anspruch und darauf wandte sich der Fürst von Lippe-Schaumburg an den Bundesrath, um auf Grund des Art. 76 der Verfassung eine Entscheidung herbeizuführen. Der Antrag ging dahin der Bundesrath solle dem Graf-Regenten und der Regierung verbieten, die Thronfolge im Landtag zur Entscheidung zu bringen. Dadurch sollte dem Fürstenthum Lippe-Detmold direkt in den Arm gefallen Und geivaltsam die Ordnung seiner Landesangelegenheit verhindert werden. Der Bundesrath hat nun am 5. Januar jenen kuriosen Beschluß gefaßt, der daS Kopfschütteln des ganzen deutschen Reiches erregt, der ganz so aumuthet, als sei der selige Biindes- tag ui der Eschenheimer Gaffe toiebererftanben. (Unruhe rechts.) Dieser Spruch ist bas Schlimmste, was dem Lande, seiner «Regierung und feinen Beamten zugefügt werden konnte. Während der letzten fünf Jahre hat sich das Beamtenthum dort zu einer charakterfesten Stellungnahme nach irgend einer Seite nicht ent- fcblie6ettTonnen. Der Vertreter Lippe-Detmolds im Kunbesratb, Herr v. Mlesitschek, ist heute nicht hier, während er noch gestern in Berlin war. (Hort, hört!) Die Hinausschiebung der Entscheidung hat in dem Ländchen einen unerträglichen Zustand erzeugt, auf den die Reichsoerdrossenheit tu erster Linie zurückgesiihrt werden muß. Daß die lippesche Frage überhaupt vor den BundeSrath gebracht "bersteige alle Begriffe von Recht und Gerechtigkeit. Es sei Pflicht des Reichstags, sich in irgend einer Form dahin
1899
Fernsprecher No. 52.
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Nrenszischer gnubtag.
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°ann roaie oer scylevsvettrag ungültig. Der BunbeSraihs- beschlnb lei tn der That ein Nichts. Dein BundeSrath erwachse ein Vorwurf aus seinem Beschluß, er habe dem NechiSbewußtsein einen schweren schaden zugefügt und deshalb habe der Reichstag wer die chtflicht, Stellung zu nehmen und anSzusprechen: Recht mutz Recht bleiben. — Abg. v. Diiembowsky-Pamian (Pole) beschwert sich über einen Erlaß, betreffend Behandlung der polnischen Namen Leitens der LtandeSämter. — Staatssekretär P o s a d o w s k t) erklärt, Namens des Bundesraths müsse er entschieden Einspruch erheben gegen die Kritik, welche der Abgeordnete Lenzmann an dem BundeSrathsbeschlnß geübt habe. Herr Lenzinanu sei weit über, das hmanSgegangen, was der Bundesrath ertragen könne. —
3; P". ~.e vetzo w (kous.) betont, seine Freunde suchten in dem Beschluß des Bundesraths nichts weiter als zu konstatiren, daß nach Ansicht des BundeSrathS es sich um einen Streit zwischen
Regierungen handle. - Abg. ßeiumann stellt fest, daß er den Bundesrath nicht habe beleidigen wollen. — Der Etat des Reichskanzlers wird genehmigt. Es folgt der Etat des ReichSamts des Innern. Nach weiterer Debatte vertagt sich das HauS auf morgen 1 Uhr. Tagesordnung: Antrag Kliiikowströin (Bestrafung von un- erlaubten Veröffentlichungen geheimer Erlasse), Antrag Agster (Obligatorische Gewerbegerichte), Antrag Rickert (Schutz des WaarengeheimnisfeS). Schluß 43/« Uhr.
auszudrucken, daß die Thronfolge in einem Staate Sache der Landesgesetzgebuiig sei und den Bundesrath gar nichts angehe. Der Bundesraths-Beschluß sei ein Nichts, man könne ihn eigentlich vom Standpunkte der Verächtlichkeit vollständig ignoriten. — Präsident Graf Ballestrem erklärt, ein solcher Ausdruck gegenüber einem BundeSrathsbeschluß sei unzulässig. — Wenn der Bundesrath seine Gründe für seine Beschlüsse nicht darlege, bann werde das Volk auch das verstehen, aber le«» .Respekt vor bem Bundesrath werde nicht wachsen. Mit diesem Appell an Ihr monarchisches Gefühl schließe ich. DaS Fürstenthum von Gottes Gnaden fangt doch wohl nicht erst bei einem Laude von über 20 Onadratmeilen an Der Regent ber fid, bon@otte8<Snnben“ nennt, muß fest auf bem Rechtsboben stehe», benn ohneRecht ist bieMonarchi« verloren. Die erste Grundlage auch des Deutschen Reiches wird immer sein unb bleiben ber unerschütterliche Rechtsboben, an den Niemand tasten darf im Reiche, unb feier noch so hoch gestellt. - Reichskanzler Fürst Hohenlohe führt aus, dieReichsverfassung gebe dem Bundesrath bas Recht, selbst Über seine Kompetenz zu entscheiben. Em ausklarendes Wort sei daher nicht nöthig. lieber den Hauptpunkt, nämlich über daS Verhältnis; der Landesgesetz, gebung gegenüber dem fürstliche» Hausrecht sei die Entscheidung aarbehalkeu. Er, der Reichskanzler, versage es sich, der künftigen Entscheidung vorzugreifen. Man hat bemängelt, daß der Bundes, rath sich nicht sofort materiell entschieden hat. — Abgeordnete lieber (Centrum) bezeichnet den Schaumburgifche» Antrag an den Bundesrath als ganz erstaunlich. ’ Er enthalte die stärksten Fußangeln für das Reichs- und Staats. recht. Es gebe nichts Konfuseres als diesen Antrag. Wenn er, Redner, die Zuständigkeit des BnndeSraths Namens feinet sammtlicheii Freunde durchaus verneine, so muffe er doch ebenso
die Zuständigkeit des Reichstags verneinen, sich in Privat- 6'Ursttn-Nechts,ragen eiuzurnischen. ES sei nicht bekannt, daß in dem «chiedsvertrag die Schaurnburg-Lippesche Staatsregierung mitgewlrtt habe Habe sie das nicht, so gebe es nur zwei Möglichkeiten: Entweder der Schiedsvertrag sei gültig, dann fei der ^ehfluniburg-Lippesche Staat nicht beteiligt, oder derselbe sei be- thelligt, dann wäre der Schiedsvertrag ungültig. Der Buubesraihs- bclchluß sei in der Thai ein Nichts. Dem Bundesrath erwachse
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. Ser"», 17. Januar Die Budget-Kommission setzte heute bieBerathungdeS Post-Etats fort. Staatssekretär v.Podbielski theute mit, daß in den nächsten Tagen Reformvorschlage wegen der Bestellgebühr für Posta »Weisungen demReichrschatzamt unterbreitet Arden. Titel 1, Gehalt des Staatssekretärs, wurde in Höhe von 30,000 Mk. bewilligt. Bekanntlich war im vorigen Jahre bie Erhöhung bes Gehalts von 27,000 Mk. auf 30,000 Mk. abgelehnt worden. Beim Titel 20 wird bie Weiterberathnng auf morgen Früh 10 Uhr vertagt. Nach dem Post-Etat will ber Vorsitzende die Etats für Kiautschon unb ben zur Militärvorlage zur Berathung stellen.
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Berlin 17. Januar. Abgeordnetenhaus.
Alterspräsident v. Voß eröffnet nach ''-3 Uhr die Sitzung mit geschäftlichen Mittheilungeii. Die Wahlen von 408 Mitgliedern sind für gültig befunden worden. — Auf Vorschlag des Aba. Stengel (freifoni.) wird das frühere Präsidium, bestehend aus den Abgg. v Krvcher (kons.), Frhrn. v. Heereman (Centr.) und Krame (nat.-lib.), wiedergewahlt. - Präsident v. Kröcher widmet dem verstorbenen Fürsten Bismarck einen Nachruf. (Die Mitglieder des Hauses erheben sich von den Sitzen.) Jeder königS- ttene Mann muffe Bi-marck dankbar fei» für bie Stellung Preutzens im Reich und die Stellung des Reiches in der Welt. — m^r F inan zu, in ister — bei der anscheinend sehr maiigelhasien Akustik des Saales gtoßeniheils unverständlich — legi de» Etat vor unb gucht ein eingehendes Exposö. Er führt aus, der Etat Übersteige tn ben Ausgaben ben vorige» Etat um 141 Millionen, bte Einnahmen jeien aber ebenso gestiegen. DaS Ertraordinarinm betrage gegemuartig 6 Prozent des Etats. Es gäbe aber wenig Lander, die ein so hohes Extraordinarium ohne Anleihen bestreiten konnte». Der gegenwärtige Etat bataiicire mit 2,326,000,000 Mk. Der Minister legt sodann eingehend ziffernmäßig die tteberschüss« bezw. die Erfordernisse der einzelnen Verwaltungszweige dar. Der Etat von 1897,98 schloß mit einem lleberschuß von 99,264,000Mk., wovon 50 Millionen bet Eisenbahnverwaltung überwi'esen'wurden sodaß 49,264,000 Mk. zur Schuldentilgung übrig blieben.' Der laufende Etat erweise einen Nebelschütz von 74,370000 ML Die Einnahme» seien ja gesteigert, aber damit gehe auch die Vermehrung der Ausgaben Hand in Hand. Die Eisenbahnverstaatlichung hat sich nach jeder Richtung bewährt, aber man dürfe mit der Herabsetzung der Tarife nicht zii schnell Vorgehen, denn die Tarife batte» zeitweise bie Tendenz hinabzngehen. Der preußische Etat stehe gegen ben Reichsetat viel günftiger da. Redner verbreitete sich über die Aufwenbuiigen für Gehaltserhöhungen, namentlich für die unteren Beamten. — Abg. v. Eyuern (nat.-lib.) weist darauf hin, daß bte meisten Ausführungen beS Finanzministers unverständlich geblieben seien. — Der Präsident bemerkt, et habe bereit« mtt bem Architekten wegen einer Aenderung Rücksprache genommen. Nächste -Sitzung Samstag, 11 Uhr; 1. Lesung des Etats.
