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«r. Jahrgang. n. ..
Verlag: Langgasie 27.
RE--OOO Avonnenten.
1899
Fernsprecher N». 52.
Abgnd«Aiisgafce
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Neues aus Afghanistan.
In England ist die Alarmmeldung eingetroffen, daß nrc'r. *•.- . »Meißen Czaren" und dem Emir von
Afghanistan ein Vertrag von weitgehender politischer Bedeutung abgeschlossen worden sei, dessen Spitze sich naturgemäß gegen England richten würde. Es wird abzuwarten sem, ob diese Meldung sich bewahrheitet; aber wenn sie sich auch als verfrüht, ja, wenn sie sich als unzutreffend erweisen sollte, so wurde diese Meldung doch im Verein mit früher ausgetauchten Gerüchten jedenfalls beweisen, daß die russische 1 Diplomatie in Afghanistan zur Zeit mit verstärkter Kraft arbeitet. Diese Thätigkcit pflegt schon im Allgemeinen mit Unannehmlichkeiten für England verbunden zu sein in : würde dies selbstverständlich ganz besonders der
- Fall fein.
* JUts 4 ippf. Der Lippesche Landtag, der erst wenigen Xaflf ii_ zusammen getreten war, ist am Donnerstag plötzlich wieder geschloffen worden. Er war cinberufen zur Berarhuna des Eisen- bahnproiekts Paderborn-Niehabcn, mußte aber die Äerathnnaen ?cltr rrCA b-fr ^Egicrung em Telegramn, der Westfalischen Eisenbahngesellschaft, mit welcher der Ban vereinbart war, e-nlkef daß sie, den Bau ablehne. Mußte es schon überraschen, daß die Gesellschaft er,t den Landtag zusamiuentreten und semc Berathuugcn nahe bis zum Abschluß gelangen ließ, bevor sie ihre Absage mrttheilke, so rst die Begründung derselben.
. Landtag. Die im Wesentlichen gestern tclegravbisch
mttget,erste Thronrede, mit welcher die 19. Legislaturperiode er* öffnet worden ist, hat keinerlei Ueberraschungcn' gebracht, und die dann angekundlgteil Vorlagen bewegen sich ausschließlich auf bereits bekaiuitem Gebiet. Verminen muß man in der Thronrede aber Verschiedenes, so vo Allem die Ankündigung eine: Vorlage wo- ^urch das Versprechen des Reichskanzlers und preußischen Minister- prasidenten Fürsten Hohenlohe, noch vor dem 1. Januar 1900 das Verbinduiigsverbot für Vereine aufzuheben, für Preußen wie dies f$°n vorher tu vielen anderen Bunoess^.aten geschehen ist in die That überführt. Die Nichterwähnung einer solchen Vorlage in der ä’Ä bedingt freilich nicht daß sie nicht im Laufe de?Tagung hPrMMsr 1 Dcl(bfn konnte. Man wird es vielmehr als sclbst- ankchcn müssen, dag dies geschieht, (rine praktische ^bcutilng wurde dies freilich nur dann haben, wenn die Regierung den dringend nothwendrgcn Entschluß faßt die Vorlage ^nicht^ wieder mit Maßnahmen zu bepacken, durch welche DU Uän?nmn? ep»,ctt Abgeordnetenhauses unannehmbar wird.
x—'<2 bcs im Herbst gewählten Abgeordiieten- DU- s sll ^kwfl bieselde wie w den, verstossenen Sitzungsabschnitt. Die Konservativen haben 148 Mandate gegen 142; dafür ist die frettoilservative Fraktion von 65 Mitgliedern auf 58 gesunken. Der Bund der Landwrrrbe hat statt 3 früher 2 Vertreter, fiir Stöcker '»n°er Antisemit Werner eingetreten. Die Rechte ist also nur 210 Mitglieder stark, wahrend sie früher 215 zählte. Die Hoffnung des Centrums das von 95 auf lOOStimmen gestiegei, ist, auch im Abgeordnetenhause die regierende Partei zu werden, ist nicht in Erfüllung gegangen Es kann zwar mit der konservativen Partei eine Mehrheit bilden, aber nicht eine Mehrheit nach linfö, selbst wenn den 13 Polen, die dem Centrum unbedingt an- hangen, die 2 Danen, 25 Volksparteller und 11 Mitglieder der freisinnigen Vereinigung folgen wollten. Verhältnißmäbiq am verloren hat die nationalliberale Partei, deren Bestand von 84 Mitgliedern auf <3 gesunken ist. Es find eine Menge Aufgaben die der Landtag zu erledigen haben tvird, sodaß man auf eine lange Dauer gefaßt |ein muß. Jedenfalls wird der Landtag wf, NN in den Sommer hinein tagen müssen, um auch nur bie wichtigsten Vorlagen erledigen zu können.
im Ueiche. Die deutschen Kleinstaaten eilen ihren schwerfälligeren, größeren Mitstaaten im Reich in Bezug auf gute,, moderne Einrichtungen oft weit voraus. So hat Thüringen bis fetzt schon zwei Krematorien, in Gotha und Jena. Nun !,°U noch eut drittes hinzukommen, wenigstens beschäftigt man sich ^tandlger Stelle schon seit einiger Zeit mit dem Plane, auch tn Apolda die Lelchenverdrennung einzufuhren.
! Boden liegt, Es darf nicht Wunder ilehmen, wenn man in dem Ländchen diesen Handstreich auf eine Seite zurückführt, wo man thm gegenwärtig nicht wohl will. Die Lippesche Landeszeituna ut-b^tnerf'm?*’ber Ablehnung ist ein recht eigenthümlicher und weckt lebhaft die Gedanken an politische Gegensätze." Der f-uubtag soll iin Februar wieder eüiberufen werden. Er wird dann auch Beschluß zu fasten haben über eine Vorlage der Regierung, geworden ist" duudesrathsbeschluß in der Erbfolgefrage nothwendrg
* Ein Richter «der Spihelwirtl,schatt. In dem Prozeß gegen den Leiter des Berliner Detektivbiireaus Greif" Grilw äußerte der Vorsitzende: Das ist etwas so "Gemeines wst man sich gar nicht denken kann. Nicht bloß Ihr Institut, sondern auch noch andere Detektiv-Institute begnügen sich leider nicht damit ^^cchen aufzudecken, sondern.senden direkt Leute aus, um einen Ehebruch zu konstruireii Das ist wirklich schmachvoll." Was der y Erfindung privater Detektiv-
Austalten, sondern die bekanntlich a.ich unter amtlicher Aeqide ost Sssa-rl"'p'^l-P^'- Griitzmacher war früher rtriminal- . Huudel mit DSnrmarlt. Zu der Meldung, daß Deutsch- land infolge der Ausweisungen in den letzten beiden Monaten im Vergleich zu den Vorfahren 30 Millionen Mark im Handel mit Dänemark einbußte, bemerkt das „Lcipz. Tagebl." u A • Im vahrc 1896 betrug unsere ganze Ausfuhr nach Dänemark rm Spezialhandei 97,4 Millionen Mark nach deutscher, 126,1 Millionen Kronen nn* dänischer Statistik. Die letztere Summe ist so hoch
sich darin auch die über den Zollfreihafen Hamburg ein- U. uhr.tk" Euter befinden. Wie kann da von einer Abnahme von 30 Millionen Mark tn den letzten beiden Monaten die Rede sein ganz abgesehen davon, daß die amtliche Statistik für Dezember gar' nicyr vornegt <
Deutsches Deich.
ö’Vw P^rfonal-Rachrichte». Der Vieeadmiral z. D. ^ri'nrLn„ k aT b- Mts. m Wernigerode im 59. Ledens- fahre gestorben. Er stand von 1855 Ins 1889 int Dienst ber ^7'G^?/Ar57;?berGenera-majorz.2Dre^rHz!llibaft / Oo ltz im 10. Lebensjahre gestorven. Er war ein eifriger RndA Bestrebungen der Deutschen Kolonialgesellschaft, des Deutschen Schulvereins, des Deutschen Sprachvereins, des Alldeutschen Verbandes uni des Vereins zum Schutze der Sstmarken. „■ 3miuar. Im Reichstag ist gestern Vormittag
?l''e Konferenz abgehalten worden, an welcher die Referenten über ben Marrn e - Eta t, Dr. Lieber und Graf Stolberg sowie Vertreter des Reichs-Marineamtes Theil nahmen.
or ™ besrath hat in seiner gestrigen Plenarsitzung dem
Au schuß-Antrag, betreffend den Entwurf eines Juvalidität«- M^Sn8Un^8€r«6rel' Zustimmung ertheilt und die Vorlage, ?^Eentwurs über die Abänderung der Gewerbe- überroieKit^^"6 *lrbeU-ivlttt0cn), den zuständigen Ausschüssen
Mark sind im Jahre 1897 im deutschen F«che für ernen ganz bestimmten Zweck ausgegeben. Wofür? Ein Leser, der nicht weiß, warum cs sich handelt, wird sagen: Ent- twber für irgend eine neue militärische Forderung oder für geistige Getränke. Kernes von beiden ist aber richtig. Diese gewaltige summe von ^ Millionen im Verlaufe eines einzigen JahrcS ift h.r sn? Ld’Cn uWewendet für den Ankauf von Klebemarken LMiew- pnd Jnvalidenversicheruna, ist also aiiSgegeben zum b®itllnfh^n ^sorgung von Invaliden und Veteranen der I Arbeit. Die meisten Deutschen, die verpflichtet sind für die ne- I hnhJ1nChn&to-Cfc F)iatIcn kleben, dürften sich kaum klär gemacht herauskonnnei"wtirdeä^" ®umme im verlaufe eines Jahres
;r, . y?6 Ketnstein-Rcgal. Im preußischen Staatshaushalt bst ?ue suinme von 9 Millionen Mark ausgeworfen für den Er- Stantlen-Bcckerschen Bernstein-Unternehmens mit allen Anlagen, Vorrathen zc Für den Staatshaushalt ist der Erwerb vorthetlhaft. Einem Berliner Blatt zufolge sind in den skwu drei Viertelfahren, wahrend welcher Zeit der Betrieb schon durch den Staat erfolgt, aus dem Unternehmen etwa 700,000 Mark Gewinn erwachsen; auch haben die Vorbesitzer für eine Reibe von ^fahren ein Erträgniß von 7 ober 8 v. H. garantirt.
.... * Das schuldenfreie Kaden. Das .schuldenfreie" Reuß alt L. macht setzt bte Runde durch die Presse. Man erfährt dabei, daß es unter ben vielen deutschen Bundesstaaten keinen geben soll der ohne Schulden ist. Wir kennen uns zu wenig aus in den Ltaatshaushaltsmrbaltniffen anderer Länder, als daß wir urtheilen tonnten Ucber Baden und seinen Staatshaushalt sind wir aber fo schreibt man der „Köln. Volksztg.", genügend unterrichtet, ' sagen ^tnd beweisen zu können, daß das Großhcrzogthum ein L ohne ischulden tjt. Wir habe» zwar Mionen Mark. Alljährlich -
_ . . Jahrgang.
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^roßherzogthum ein Staat oqa «m-Ä- s 7— ‘ eine Eisenbahnschuld von über
230 Mllltoiwn Mark. Allfahrlich müssen nebst der Verzinsung auch einige Millionen getilgt werden. Allein das ist keine Schuld MEMMlichen Sinne des Wortes. Der finanzielle Werth des Geschastsbetrtebcs und der Veinwgensaegenstände beläuft sich auf eure weit höhere Summe. Ai,derc „Schulden" hat ber badische §kaat nicht selbstverständlich würde keine Regierung und keine Volksvertretung sich dazu verstehen, etwa durch Verkauf ber Eisenbahnen diese Schuld" zu tilgen. Gs entspricht also durchaus der Wirklichkeit, wenn wir den badifascii Staat als schuldenfrei entarten. '
Preußischer Landtag.
Kerlm, 16. Januar. Abgeordnetenhaus.
, 1 Uhr fand die erste Sitzung und damit
gleichzeitig, die Eröffnung des neuen Abgeordnetenhauses statt. Ministerpräsident <y urft Hohenlohe begrüßte die Abgeordneten kst kmer Ansprache, tn welcher er dem Wunsch Ausdruck gab, daß b'e Bcichlupe des neuen Hauses zum Wohl und Hcil des preußifcheii Volkes dienen mochten. Heute findet bie Wahl bes Präsidiums und bte Entgegeiinahme von Vorlagen ber Staatsregierung statt.
Herrenhaus.
‘fc-c'v c 11 h^.n.^ hat in feiner ersten Sitzung bas bisherige Präsidium, pursten zu Wied, Freiherrn v. Ma,fwuffxf und .Oberbürgermeister Becker-Köln, tviebergewählt. Auf der mid^cils"zweite? Punk?Geschäftliches"^^""^ """" Glieder
* * *
Korkin, 17. Januar. In das Präsidium des Abqeordueten- weroen heute fedenfalls bie bisherigen Mitglieder v. Kröcher, Hreiherr v. Heeremann und Dr. Krause wledergewählt werden.
Ausland.
I * ©rRcrreidf-l|ttj6rtnt. Nach Meldungen eines tschechischen Blattes stehen neue Aktionen in Sachen Bosniens und der Herze- I ßowliia bevor. Da England, Deutschland und Rußland vollauf tn Asten beschäftigt seien, so glaube das Auswärtige Amt, bie Situation sei günstig, um in der Richtung nach Saloniki freie Hand zu bekommen. — Der Ruf „Sos von Som!" beginnt sich ni Oester reichen Wirklichkeit umzusetzen. Ans Wien vom Montag erhalt die „Lägst Rundsch." darüber folgenden eigenen Draht- bcricht i „Gestern fand hier eine von Schönerer einberitfene Ver- traiiensmanner-Versaminlung statt, in welcher über den Austritt
I au^ 3er katholischen Kirche berathen ward. Erschienen waren M Personen aus fast allen Kronländern. Jnsbeso,stiere stark wat Böhmen vertreten. Die Abgeordneten Wolf und Jro, Vertreter des Eoangelischen Bundes und des Alldeutschen Verbandes sowie viele Frailen waren anwesend. Auf Vorschlag Schönerers .lllkich bei ..Beginn der Versammlung einstimmig ein ßniiib,äghrf)er Beschlui; des Austrittes gefaßt, da eine Störung ber Versammlung durch die Polizei voraussichtlich zu erwarten ssthe Der Austritt erfolgt, wenn sich zehntausend Personen hierzu bereit gemeldet Haden werden. Hierauf trat man in bie Erörterung ein Der Arbeiterführer Stein ans Eger befürwortete beit lieber” tritt , zmn Lutherthum. Der Obmann des österreichischen Alt- katholiken-Leretns sprach seine Zustimmung zu dem Uebertritt aus will iin llebngeit aber für die Altkatholiken nicht Stimmung machen; der Austritt überhaupt sei die Hauptsache. Anwalt Eisen- kolv aus Karbttz berichtete über die Bewegung in Deutschböhmen Wahrend seiner Rede erschien ein Polizeikommtssar und verlangte die Anwesenheitsliste. Die Foiderung ward für ungesetzlich erklärt, worauf der Kommlffar, offenbar gemäß höherer Weisung, die Ver- i' ...**j.* 1.i»... arw.* icht Stufe. „~0S von
Rom! He l Alldeutschland über Alles!" aus, bann leerte sich ber packst - Am Nachmittag war eine vertrauliche Besprechung über dwOraanisation der UebertrittSbewegung und wurden einschlägige 23e|d)Iune gefaßt. «
,., *' ^baiisir- Die Regierung beschloß, sich bei den Feierlich- ö ,V\al|dB l£{^ bev,Uebcrsuhning der Gebeine Eolumbus' in der Kathedrale zu c-evilla offiziell vertreten zu lassen.
Aus Algier, 16. Januar, wird gemeldet: ~nT5 Samstag ausstanbigen Backer durchzogen gestern die Stadt aVrL;!0 b,e "och^ arbeitenden Kollegen zur Einstellung der r®8 ^am zwischen der Polizei und den Aus- ^a büleii zu Ziisammenstotzen. Zwei Polizisten wurden durch kL ° "EM"!« /chwer verwundet. 14 AuSstandische wurden verhaftet. Es stellte sich heraus, daß 13 berselbeu ftemd waren. Da
______Dienstag, den 17. Januar.
fann. England könnte an einen Feldzug gegen eine~Md)c /Rächt aber am allerwenigsten denken, wenn hinter derselben schntzend Rusiland steht. Dieses aber würde, wenn die Meldung über den Vertragsabschluß sich als zutreffend erweist, aufs Neue zeigen, daß es den „Abrüstungsvorschlag" seines Herrschers in ganz besonderer Weise anffaßl!
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- „ .die besonders geschäftige Thätigkeit der russischen - Politik in Asten ist ein hinreichender Grund 'vorhanden nämlich di: schwere Erkrankung des Emirs Abdurrahman' Der Emir ist allerdings schon oft erkrankt, lag schon oft im Sterben und ift auch wiederholt todlgemeldet worden, ohne ; daß dies seiner Gesundheit unzuträglich war; diesmal scheint aber in der That eine sehr schwere Erkrankung vorzuliegen, £ sodaß man mit dem Fall eines „ernstlichen" Ablebens des Emirs rechnen muß. Sollte dieser Fall eintreten, so würde das den Beginn heftiger Unruhen in Afghanistan bedeuten : denn Thronwechsel sind dort herkömmlicher Weise von inneren Kriegen begleitet. In Afghanistan hängt Alles von der. Person des Herrschers ab. Das Land umfaßt eine große Menge von verschiedenen Stämmen, von denen manche, wie die Hazara, den Afghanen fremd und feindlich gegenüber stehen, sodaß weite Theile des Landes nur durch Waffengewalt in. Botmäßigkeit gehalten werden.
| , Freilich giebt es in Afghanistan ein Thronfolgerecht, aber tue Theorie ist in Afghanistan ganz besonders grau und in der Praxis entscheidet zuletzt die Zahl der Anhänger und bte Gewalt der Waffen. An Prätendenten, die An- Muche auf den Thron geltend machen, ist zur Zeit kein Mangel; in erster Reihe aber kommen drei von ihnen in Betracht. Abdurrahman selbst hat in den letzten Jahren seine Gunst hauptsächlich dem ältesten Sohn Habidullah zu- gewandt, während die erste Frau des Emirs den Thron
; 'hren jüngsten Sohn Mahomed Omar sichern möchte. Größere Chancen als beide hat aber vielleicht der ältere Bruder des Emirs, Jschak Chan, der sich in Samarkand aus russischem Boden aufhält und seit langer Zeit die Mittelsperson zwischen Rußland und etlichen afghanischen Stämmen bildet, sodaß er vielleicht in einem Thronfolgekrieg auf dte Unterstützung Rußlands rechnen könnte.
Daß Rußland bei dem Ausbruch von Thronstreitigkeiten nicht etwa den passiven Zuschauer spielen, sondern frisch ^greifen würde, bedarf nach dem Verhalten der russischen Politik in den letzten Jahren keiner besonderen Begründung Der Emir von Afghanistan hat lange Jahre hindurch zwischen dem englischen und dem ruffischen Einfluß geschwankt, aber mit diplomatischer Klugheit, indem er die eine Macht gegen die andere ausspielte, bis Rußland seine „Freundschaft" dem Emir in etwas energischerer Weise aufzudrängen verstand. Die Engländer haben dem Emir um a.” £4 zu fesseln, auf dem Wege über Indien sogar eine jährliche Unterstützung von nahezu 2'/-Millionen Mark gewährt, aber das hat den Emir nicht gehindert, seit mehreren Zähren vollständig unter russischen Einfluß zu gerathen. Dies zeigte sich deutlich während der Kämpfe der Engländer gegen die indischen Grenzstämme, welch' letztere von dem Emir ziemlich unverhüllt unterstützt wurden. Der russische Einfluß trat äußerlich durch den Bau der Seitenlinie der mittelafiatischen Bahn nach Kuschk in Erscheinung. Würde sich die Meldung von dem Abschluß des Vertrages bestätigen, so wäre die erste Folge, daß die bis zur afghanischen Grenze reichende Bahn nunmehr weiter geführt würde. Damit wurde aber Rußland den Weg nach dem „Thore des Indus" ebnen. Die Pufferstaaten zwischen Rußland und Indien sind im Verschwinden begriffen und nur Afghanistan trennt JiuBtanb noch von Britifch-Jnbien. Hat Rußlands Einfluß hier erst völlig gesiegt, bann wäre bie Position Rußlands bei einem zukünftigen Entscheiduugskampf um Indien eine militärisch günstigere, als die Englands.
Es ist daher begreiflich, daß man in England die Meldungen^anS Afghanistaii mit der stärksten Spannung oersolgt. Sollte es sich, was freilich abzuwarten bleibt, bestätigen, daß der Abschluß des russisch-afghanischen Vertrages wirklich erfolgt ist, so würde doch England außer stände fein, dagegen Einspruch zu erheben, beim aus der Entziehung der Jahresrente würde der Emir sich herzlich wenig machen. Einen Feldzug gegen Afghanistan würde England schwerlich jemals wagen, denn frühere derartige Versuche haben stets sehr unglücklich für England geendigt. Afghanistan verfügt über eine Kriegsstärke von 50,000 Mann, - v'V‘" «u«™,
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