irsbaihwr TsgblÄ.
«3. Jahrgang»
Verlag: Langgasse 27.
ZG-OOO Avouneuteu.
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N-. 23
Samstag» dru 14. Januar,
1899
Fernsprecher 11». 52.
Fernsprecher No. 52.
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Morgen-Ausgabe
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»ortwein, Sherry oder Tokayer zu
— Kleine Uotizen. Für den .Kinderhort' ist uns ferner von Ungenannt 1 Mk. übergeben worden.
(Nachdruck verboten.) Influenza.
Von Dr. ined. Ty. Holvci.
Jeder schroffe Temperaturwechsel und jede langanhaltende Kälte ist dem menschlichen Organismus schädlich, weil durch dieselben leicht Entzündungen auf den inneren Organflächen hervorgcrufcn werden. Befällt die Entzündung, oder wie der Laie sagt, die Erkältung, die Muskelhullen undGelenkniembranen, so nennt man sie Rheumatismus, befällt ste die Schleimhäute, so haben wir den bekannten Katarrh. Der Katarrh kann alle Schleinihäute befallen, die der Athemorgane, der Augen, des Darmes und der Geschlechtsorgane. Ern mit Husten und Fieber verbundener, epidemischer Katarrh derLuftröhrenäste-Schlcimhaut wirdGrippe oder Influenza genannt. Sic ist nicht, wie man vielfach glaubt, eine neue moderne Krankheit, im Gegentheil, sie schautschon auf ein sehr hohes Alter zurück. Sie hat zu allen Zelten ihre Opfer gefordert, bald heftiger, bald gelinder, wie bei allen Epidemieen. Sie befällt jedes Geschlecht und Alter, am meisten aber solche Personen, welche mit katarrhalischen Beschwerden zu thun haben, schwächlich und nervös oder unterleibsleidend sind. Sind die Schleimhäute des Darmkanals entzündet, so entsteht eine Art gastrischen Fiebers, welches sich durch Uebelkeit, AppeNtmangcl, Durst und Stuhlverhaltung kennzeichnet. Sehr häufig wird dieses Fieber von rheumatischen oder nervösen Schmerzen begleitet die sich namentlich im Rücken, Schulterblatt, Nacken ober in der Stirn zeigen. Das Gesicht des Patienten hat einen cigen- thümlichen Ausdruck, besonders durch die eingesunkenen, leidend , blickenden Augen.
Ein leichter Influenza-Anfall ist meistens in 8 bis 14 Tagen beendigt, indem die KrankheitSerscheinuugen sich auf eine leichte Störung des Allgemeinbefindens und einen mäßigen Husten beschränken. Dieser Husten ist aber nicht etwa eine Krankheit an sich. Jeder Husten ist nur eine Begleiterscheinung von Krankheiten, tue zwar aus verschiedenen Ursachen entstehen, aber stets nur die Luftwege des Athmungsapparates betreffen, also den Kehlkopf, die Lisit- röhre oder die Lungen.
Obgleich es rathfam ist, bei jedem Influenza-Anfall den Arzt ui rufen, um Komplikationen, meistens Hinzutreten von Lungenleiden, zu vermeiden, so ist die Behandlung doch keine besondere, sondern dieselbe wie bei einem gewöhnlichen heftigen Katarrh. Die Krise geschieht auch hier durch die AuSscheiduiigeu der Haut und Nieren. Also Ruhe im Bett, Trinken von viel warmem Wasser ober Thee helfen und heilen auch hier. Bei sonst gesunden und kräftigen Personen kommt es oft nur darauf an, die Hautthätigkeit anzuregen, um der beginnenden Influenza gleich Schranken zu setzen. Oft genügt baut eine starke Körperbewegung bis zum Schweißausbruch, etwa Tanzen, ober auch ein warmes Bad. Sehr jtu empfehlen ist bei jedem katarrhalischen Anfall das .römische Bad'. Dasselbe ist noch viel zu wenig bekannt und in Gebrauch. ES ist weder ein Wasser- noch ein Dampfbad, es ist ein trockenes Luftbad, wobei die Haut also nur von innen heraus in ihrem eigenen Schweiße gefeuchtet und erweicht wird, wodurch sich die Poren besser offnen und reinigen, als durch ein Wasser- oder Dampfbad. Etwas umständlich und theurer ist so ein römisches Bad, aber es reinigt den Körper gründlich für lange Zeit von Krankheitsstoffen. Das hervorragend Heilsame bei diesem Bad ist der Umstand, daß die Haut in Berührung mit der Luft bleibt, und zwar stets mit einer reinen Luft, wodurch die Athemfunktioi :n der Haut, welche nicht weniger wichtig sind, als die der Lunge, während de« Badens nicht nur nicht gehemmt, sondern bedeutend gesteigert werden. Leider kann man dieses heilsame Bad nicht in eigenem Hause nehmen, da eine zu komplizirte Einrichtung dazu gehört. Zuerst betritt man nämlich einen Raum, das Fngibarium, wo eine Anzahl Ruhebetten sich befinden und stets eine Temperatur von 20 Grad Röaumur herrscht. Hier vertauscht man die Kleidung gegen eine Badehose oder einen Bademantel und begiebt sich dann m das zweite Gemach, das Tepidarium, wo eine konstante Temperatur von 30 bi» 35° R. herrscht. Hier verweilt man, bis der Schweiß auLbricht, was bis zu einer halben Stunde dauern kann. Ist ein Schweißausbruch eingetreten, so begiebt man sich in den dritten Raum, das Sudatorinm, wo eine Temperatur von 450 R. dem Körper den Schweiß in Sttömen entlockt. Hier verweilt man 7 fünf bis zehn Minuten, bis man merkt, daß die Empfindung für die Hitze der Luft anfängt nachzulassen und ein angenehmes Gefühl des inneren Leichtseins eintritt. Dann begiebt man sich in den letzten Raum, das Lavacrum, wo nut 25“ R. herrschen, und wo man von einem Wärter regelrecht masstrt wird.
Man ersteht aus bet kurzen Schilderung, wie umständlich so ein Bad ist, aber es ist für jeden Menschen unbedingt heilsam — nur Herzkranke müssen im dritten Raum Vorsicht üben und sofort den Raum verlassen, wenn sie in demselben starkes Herzklopfen bekommen.
Ebenso müssen altersschwache Personen dieses Bad meiden, E ebenso den Versuch, die beginnende Jnflucnze durch ein Brechmittel, was von Vielen mit Erfolg anaewandt wird, zu vertreiben. Sie : thun am besten, ein Glas alten Portwein, Sherry ober Tokayer zu trinken, um den Schweiß hervorzubrinaen. Besonders alte Personen muffen jedenErkältungS-undInfluenza-Anfall ernst nehmen und sofort angemessen behandeln, denn sie neigen am ehesten zu Komplikationen, da das eine oder andere edlere innere Organ geschwächt zu sein pflegt. H Um den oft bei der Influenza auftrctenden kongestiven oder nervösen Kopfschmerz zu vertreiben, nehme man täglich zweimal, Morgens und Abends, ein halbes Gramm Laetophenin, cm Pulver, das außerordentlich günstig wirkt. Zu Benneiben sind aber unbedingt Abführmittel ober Blutentziehungen, denn die jErfahrung ! ' hat gelehrt, daß beides bei der Influenza schädlich ist.
Verstopfungen nüiffen am besten nur durch Klystiere gehoben werden, r- : Den oft hartnäckigen Husten vertreibt man am leichtesten durch Brechwein, dreistündlich 15—20 Tropfen auf Zucker ober in Fliedcrthee.
Eine allgemeine Körperschwäche bleibt nach der Influenza noch fc. gerne längere Zeit zurück. Man vertteidt sie am schnellsten durch Keine Gaben Chinin, 00,1 pro Dosis, und durch Bewegung im | Freien, bei heiterem Wetter und in gut schützender Kleidung. "Oe, l die leicht an Erkältung oder Rheumatismus leiden, müssen Woll- bekleidung, besonders das Jägersche Wolltrikot, tragen, welche nicht I nut ein Bcdürfniß für dieselben, sondern auch ein gutes Schutzmittel der Gesundheit ist. Alle Personen, die leicht schwitzen, kräuk- M «ch oder schwächlich sind, sollten Wolle statt Leinen tragen.
Man bedenke aber immere daß der abgehärtete Mensch bei - normaler Lebensweise auch selbst nach großen Anstrengungen nicht x. nennenswerth schwitzt, denn je besser die Gesundheit und je ab- ? Lcharietet die Haut, desto weniger die Schweißbildmig und desto M erringet die Disposition zu Katarrh und Influenza.
Aus Stadt und Zand.
Wiesbaden, 14. Januar.
— GcschkHtskalvnder. 14. Januar. 1896: f Eberhard Graf v. Württemberg zu Wien. 1892: f Albert Viktor, Herzog v. Clarence, der älteste Sohn des Prinzen v. Wales (* 8. Januar 1864). 1890: f Karl Friedt, v. Gerok zu Stuttgart (* 29. Jan. 1815 zu Vaihingen). 1880: f Friedrich, Herzog zu Schlesw.- Solst.-Sonderb.-Augnstetchurg in Wiesbaden, der Pater der deutschen aiferin (,* 6. Juli 1829). 1874: f Philipp Reis, Erfindet des Telephon (* 7. Jan. 1834 zu Gelnhausen). 1871: König Wilhelm zeigt den deutschen Fürsten die Änuahme der Kaiserkrone an. 1871: Stiftung des Waldeckschen Verdienstordens durch Fürst Georg Viktor. 1871: Ausfall der Pariser gegen Le Bourget. 1858: Attentat Orsinis auf Napoleon 111. 1880: * Friedt. Kiefer zu Mappach, Bad, Politiker (t 2. September 1895 zu Freiburg, Bad.). 1821: * Salomon Ritter v. Mosenthal zu Kassel, dramat. Dichtet Meborah u. A.) (f 17. Febt. 1877 zu Wien). 1814: Friede zu Kiel zwischen Dänemark und Schweden und Großbritannien. 1797: Sieg Bonapartes bei Rivoli. 1742: t Edmund Hailey zu Greenwich, berühmter Astronom (* 29. Oktober 1656). 1301: f Andreas 111. von Ungarn, mit ihm erlosch der Manncsstamm der Arpaden.
— Kurhaus. Soeben, Freitag Nachmittag, trifft bei der Kurverwaltung, welcher Herr v. Sanbrorostijeine Mitwirkung fest zugesagt hatte, die folgende Depesche ein: „Wegen plötzlicher Heiserkeit morgiges Auftreten unmöglich". Leider ist daher dnreh Force majeure die Kurverwaltung genöthigt, das heutige Cyklus- Konzert ausfallen zu lassen und behalten die an der Kasse bereits gelösten Karten, sofern deren Rückzahlung nicht gewünscht wird, zu dem nächsten Freitag unter Leitung des Herrn Professors Dr. Bernhard Scholz und unter Mitwirkung der Königlichen Kammersängerin Frau Marie Wittich aus Dresden ftattfuibcnben Cyklns-Konzette Gültigkeit. Heute Samstag finden um 4 und 8 Uhr Konzerte der Kurkapelle statt.
— Konzeri. Das„SvangendergscheKonservatorium für Musik" (Wilhelmstraße 12 und TannuSstraße 31) veranstaltet kommenben Dienstag, den 17. Januar, ein Konzert im Saale des Kathol. Lesevereins, Luisenstraße 17. Herr Direktor H. Spangenberg beabsichtigt, im Laufe dieses Winters noch mehrere derartige Veranstaltungen zu geben, in welchen außer den Lehrkräften der Anstalt auch zum Theil hervorragende auswärtige Künstler Mitwirken toerbflfc So ist es Herrn Spangenberg gelungen, für das erste Konzert den Klaviervirtuosen Herrn Otto Voß aus Wien zu gewinnen. Herr Voß ist bekanntlich mit außergewöhnlichem Erfolg bereits hier aufgetreten und dürfte den hervorragendsten Vertretern seines Instrumentes beigezahlt werden. Er wird außer mehreren Solopiöcen noch einige Kompositionen für zwei Klaviere mit Herrn Spangenberg zum gemeinschaftlichen Vortrag bringen. Die Konzerte sind in erster Linie für die Schüler des Jnstittrts und deren Angehörige bestimmt, doch werden auch, soweit noch Raum vorhanden ist, vom nächsten Montag nb in den hiesigen Musikalienhandlungen Plätze für Freunde und Gönner der Anstalt unentgeltlich abgegeben.
— Wa! IjnUn-E Ij catrr. Im Walhalla-Theater findet heute Abend, wie bereits angekündigt, der 1. große Maskenball der diesjährigen Wintersalson statt. Der Ball ist mit einer karnevalistischen Festlichkeit des ganzen Etablissements verbunden. Im Hauptrestaurattt und Walhalla - Keller finden von 8‘/i Uhr ab große Konzerte statt. sVon 8 Uhr ab wird Bier nur im Walhalla-Keller ausgeschankt.) Der Eintritt in den Ballsaal selbst und in das zu reizenden Weinialons hergerichtete Foyer lst nut in Maske oder Frack gestattet. Der Vorverkauf (in den bekannten Vorverkaufsstellen und an der Theaterkasse) zum ermäßigten Preis von 1 Mk. 50 Pf. wird heute Nachnnttag 5 Uhr geschlossen. Karnevalistische Kopfbedeckungen ec. sind an der Abendkasse zu haben. — Der Besuch verspricht wieder ein äußerst lebhafter zu werden.
— Der „Nkicsba-rnrr Nhcin- und Tauuns-Klnb" veranstaltete am verflossenen Sonntag seine Weihnachtsfeier in den schönen Sälen der »Loge Plato", welche dicht besetzt waren. DaS Fest war von den Herren Adich und Mohr aufs Beste vorbereitet und verlief in der animirteften Weise. Gleich beim Eintritt in den Saal überraschte die originelle Dekoration (§err Sachs), man glaubte sich in den Orient versetzt; "ein prachtvoll geschmückter Baum füllte den Hintergrund und neben ihm waren auf mehreren Tischen die reichen Gaben für eine Tombola ausgebreitet. Die Feier wurde durch den Bor- sitzenden eröffnet, worauf Herr Adich St. Nikolas mit einigen Worten einführte; dieser, eine prächtige Repräsentation, erfreute Damen und Herren mit einer kleinen launigen Spende. Die darauf folgende Abendunterhaltung bot des Guten sehr viel. Die Krone must jedenfalls den Gesangsvorttägen des Herrn Opernsängers Buchwald zuerkannt werden, welcher mehrere Lieder mit prächtiger Stimme vortrug, besonders das Graallied aus „Lohengnn" bereitete einen Hoden Kunstgenuß. Fräulein Rcichardr, sowie die Herren Süße und Karl Gerhart erfreuten die Gesellschaft ebenfalls mit schönen GesangSvorträgen und ernteten reichen Beifall. Dasselbe muß von den Damen Fräulein Bender, Bergmann, Schneider und Schwenck, sowie Herrn Groschwttz gesagt werden, welche durch ihre schönen und eleganten Klaoiervorträge wesentlich zur Verschönerung des Festes beitrügen. Ausgezeichnet war Herr B en der durch feine mit großem Effekt vorgetragenen Couplets. Ebenso wurden die humoristischen Dortrage der Herren Laupus und Ra p p mit Beifall aufgenomuien. Ungeheuren Jubel erregte ein Chorus in Wiesbadener Dialekt, verfaßt und komponirt von zwei hiesigen .Größen". Die sich anschließende Tombola bot zunächst einigen jungen Damen Gelegenheit, ihr Talent in der Ueberredungskunst zu entwickeln; es war amüsant zu sehen, wie sie eS verstanden, auch den hartnäckigsten Griesgram zu bethören und ihn zu veranlaffcn, wieder und wieder seine Börse zu ziehen und deren Inhalt in ihren Loosen anzulegen. Die Tombola selbst bot der Ueberraschimgen viel und verlief unter großer Heiterkeit in der gewöhnlichen Weise. Dann folgte noch ein vergnügter Tanz, welcher bis in die frühen Morgenstunden dauerte und die schön gelungene Feier ab schloß.
— Das Redlausgesetz war der Hauptgegenstand einer am verflossenen Sonntag im „Saalbau Kimmel" in Biebrich stattgefundenen Versammlung des 13. Landwirthschastlichen Bezirks- Vereins. Nachdem Herr Kreisobstbaulehrer Gr ob den einen seiner bekannten und stets gern entgegengenommenen Vorträge über Obstbau gehalten hatte, referitte Herr Sch neid er-Armenruhmühle über das genannte Gesetz. Mit Recht habe unsere Regierung Schritte gethan, um das Umsichgreifen der Reblaus zu verhindern, doch werfe das Reblausgesetz auch viel Schatten. Als der hier durch dieses Gesetz am meisten Geschädigte, habe er, Redner, die
Versammlung einberufen, um die Schäden und Mißstände diese» Gesetzes gegenüber den landwirthschaftlichen Betrieben zu besprechen. Redner verliest zunächst dieVerorduung, wonach infolge des Vorhandenseins der Reblaus die Ausfuhr von Stalldünger ec. aus dem Gemeinde» bezirk verboten ist. Diese Publikation warvoui Rednerin einer früheren Versammlung, bei welcher der gleiche Punkt auf der Tagesordnung stand, nicht gelesen worden, und so wurde er wegen Zuwiderhandlung zu 10 Mk. ober 1 Tag Haft und in die Kosten oerurtheilt. Redner produzirt monatlich 1000 bis 1200 Gentner Stallmist. Danach lasse sich die enorme Schädigung eriuesien, die er durch das Ausfuhrverbot erleide. Bei der Vtenereiuschätzuug werde freilich davon keine Notiz genommen. Wie ihm, so gehe es auch noch vielen anderen Kollegen, wenn auch deren Schaden nicht so empfindlich sei. Zum Schluß machte Redner den Vorschlag, eine Petition zwecks Abhülfe der angeregten Mißstände avzuseuben. Es entwickelte sich bei der Diskussion über diesen Vortrag eine durchaus lebhafte Debatte, an welcher sich die Herren Adolph Schneider, Wilh. Strikter, Gärtnereibesitzer BrosinSky-Wiesbadeu, H. Feidt, Karl Strittet, Schneider - Armennihmiihle und der Vorsitzende betljeiligten. Letzterer erklärte zunächst, daß an dem Rehlausgesetz, das ReichSgefetz geworden ist, nicht zu rütteln fei, und wäre ein Antrag um Umbildung desselben an den Reichstag umsonst. Um die schwebenden Mißstände möglichst schnell zu beseitigen, schlug er jedoch ein Gesuch an den Minister der Landwirthschaft, Freiherrn v. Hammerstein, vor, welchem er das Gesuch persönlich ütemtajen und dasselbe nach Kräften mündlich uuterstützeii wolle. Nach Verlesung des Gesuches winde dasselbe von der Versammlung angenommen und von den Anwesenden mit Unterschrift versehen. Zur weiteren Beseitigung der Kalamitäten des Neblausgefetzes wurde von dem Vorsitzenden empfohlen, eine Kommission zu bilden, weiche zunächst mit Zuziehung unseres LaudtagSabgeordneten, Herrn Ang. Wolff dahier, die Mißstände besprechen und Vorschläge an den Landtag für ein erweiteres Gesetz nlachen soll. Es wurden in diese Kommission die nachstehenden Herren gewählt: Herren Bürgermeister Vogt und Wolff, 2. Vorsitzender Wilh. Strittet, Feldgerichtsschöffe Fried. Schneider und Mühlcnbefitzer Heinr. Schneider. Die Versammlung wurde nach 7 Uhr geichlossen.
— Fenervorsichernng. In einem Runderlaß des Ministers des Innern vom 29. August v. I. war ausgesprochen worden, daß bei Nichtkiindignng mehrjähriger Feuerversicherungsverträge eine stillschweigende Verlängerung höchstens auf ein Jähr für zulässig anzusehen sei. Dieser Erlaß hat an einzelnen Stellen eine nicht zutreffende Auslegung erfahren. Insbesondere ist angenommen worden, daß Feuerversicherungsverträge überhaupt nur auf ein Jahr verlängert werden dürsten. Diese Auslegung ist, wie ein neuer Runderlatz des Ministers des Innern vom 6. Januar d. I. ausführt. irrig. In, dem vorjährigen Erlaß ist nur als unzulässig bezeichnet worden, daß im Falle unterlassener rechtzeitiger Kündigung der Versicherungsantrag von selbst und ssillschweigend, d. h. ohne daß der Versicherte sich hiermit ausdrücklich einverstanden erklärt hat, als auf die gleich: Zahl von Jahren verlängert gelten soll, wie sie in dem ursviünglichen Versicherungsanträge festgesetzt worden ist. In einem solchen Falle soll vielmehr der Versicherungsantrag nur auf die Dauer eines Jahres als verlängert angesehen werden können. Hieraus folgt, daß, wenn zwischen der VersicherungS- anstalt und dem Versicherungsnehmer das Gegentheil verabredet und ausdrücklich ausgemacht worden ist, daß bei nicht erfolgter Kündigung des ursprünglichen Versicherungsverträge!! der letztere auf einen gleichen Zeitraum wie den bisherigen verlängert werden soll, eine stillschweigende Verlängerung des Versicherungsvertrages als vorliegend nicht erachtet werden kann. Die allgemeinen VersichenmgSbefiimmnngen sind allerdings ebensowenig wie die Police geeignet, eine derartig ausdrückliche Abrede zu ersetzen, da sie beide nur einseitige Erklärungen des VersicherungSgederS enthalten. Es muß daher über die Versicherung eilte besondere vertragsmäßige Abrede getroffen ober eS muß in dem an den VersicheningSgeber zu richtenden Antrag des Versicherungsnehmers von diesem zum Ausdruck gebracht werden, daß er in dem Falle der Nichtkündigung die Fortsetzung der Ver- sicherung in der ursprünglich verabredeten Zeitdauer wünsche. Ob dies geschehen ist, haben die Polizeibehörden bei Vorlegung des VerlängerungSscheines jedeSmal zu prüfen. Aulangend ferner die Anordnung, daß, abgesehen von dem Falle der ausdrücklichen Verlängerung, die Versicherung höchstens auf ein Jahr für zulässig zu erachten fei, so kann derselben nicht die Bedeutung beigelegt werden, daß nach Ablauf dieses Jahres der VersichernngSverttag als gänzlich beendet anzusehen sei. Es hat vieliuchr nur zum Ausdruck gebracht werden sollen, daß bei nicht erfolgter Kündigung der Vertrag jedesmal nur als auf ein Jahr fortdauernd anzusehen sei, sodaß, wenn in dem ersten auf den Ablauf des ursprünglichen Vertrages folgenden Jahre eine Kündigung nicht erfolgt ist, derselbe von Steuern als auf ein Jahr verlängert anzusehen ist, und so fort.
d. Das Metten und Faid haben sich — wenigstens hierorts — wieder einmal nicht verstanden. Falb sagte, der Januar bringe in seinem ersten Drittel reichliche, ausgebreitete Schneefälle bei ziemlich kalter Witterung („unter dem Mittel" steht in beit Prognosen, ja, einmal heißt's sogar, und zwar gerade in Bezug auf die letzten ungewöhnlich milden Tage: „bedeutend unter dem Mittel"), das Wetter hingegen war durchweg gelinder, Schnee gab's, abgesehen von einer einzigen, nur eine halbe Stunde wahrenden Ausnahme, gar keinen. Nach Falb konnte man mit dem Januar das Kommen eines erfreulichen, gejuttben Winters erwarten, bis jetzt jedoch ist derselbe ausgeblichen. Es giebt gewiß Wenige, die das unzeitgemäße Wetter nicht empfinden, wer es aber am meisten empfindet, das sind die Eissportler. .Morgen steht die Eisbahn da und da zur Benutzung frei“, so verkündet man heute, und kaum geht diese angenehme Kunde aus dem Setzerkasten hervor, da—regnel's schon. Das ist Pech! Für die kommenden Tage meldet Falb: „Die Schneefälle verschwinden nahezu. Es wird auffallend trocken und wärmer." Also, wenn's nach Falb geht, ist es auch wieder nichts. Behält jedoch mit diesem Sprüchlein Falb so recht, wie er es mit seinen Prognosen für die vergangene Januar- Hälfte hatte, dann allenfalls kann'S Eis und Schnee geben.
— De* orkanartige Sturm in der Nacht zum Freitag hat merkwürdiger Weise im Weichbilde unserer Stadt wenig oder gar keinen Schaden angerichtet. Dagegen soll er in der Maingegend und im Ländchen mehrfach Spuren seiner furchtbaren Gewalt zurückgelassen haben. Im Telegraphieverkehr sind als Folge der Windsbraut zahlreiche Störungen vorgekommen. Der Eisenoahn- verkehr, der in den letzten Tagen erst durch die starken Nebel vielfach mit Hemmnissen zu kämpfen hatte, war infofern durch den Sturm beeinträchtigt, als die Signal-Laternen nur mit Mühe und Noch intakt erhalten toerben konnten.
