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1899
§amstag> den 14. Jarmar
Uo. 24.
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Abend-Ausgabe
reich, und ganz gewaltig
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daß der Ban von Kanälen der Landwirlhschaft Schaden zufüge, während er lhalsächlich der Landwirlhschaft die Möglichkeit, Absatz für ihre Produkte zn finden, erleichtert. Im Gegensatz zu den Agrariern stehl in dieser Frage die preußische Regierung, und es ist bekannt, daß dieselbe sich hierbei in vollster Ucbereinstimmung mit dem Kaiser befindet. Der Kaiser, der die Anschauung vertritt, daß die Welt im Zeichen des Verkehrs steht und daß unsere Zukunft auf dem Wasser liegt — ein Wort, das nicht nur in politischem, sondern auch im wirthschafllichcn Sinne gemeint ist — steht, so viel bekannt, den Kanalplänen mit starker Sympathie gegenüber. Jedenfalls wird man sich auf lebhafte Kämpfe um diese Materie gefaßt machen müssen.
Won gleich großer politischer Bedeutung dürfte für die beginnende Tagung die Frage des Vereinsrcchts werden. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe hat sich verpflichtet, die Aufhebung des VerbindungSvcrbots für Vereine in den einzelnen Staaten durchznsetzen, und zwar sollte dies vor dem Inkrafttreten des bürgerlichen Gesetzbuchs, also vor dem 1. Januar 1900, geschehen. In der letzten Landlagstagung halte die Negixnmg die diesbezügliche Vorlage mit reaktionären Maßnahmen bepackt, durch welche die Vorlage für die Mehrheit des Abgeordnetenhauses unannehmbar wurde. Da eine analoge Vorlage jetzt das gleiche Schicksal erleiden würde, so kann Fürst Hohenlohe sein Versprechen nur dadurch erfüllen, daß er die Vorlage ohne das nicht dazu gehörige Beiwerk einbringt. Ob das freilich geschehen wird, bleibt abzuwarten. Da außer diesen politisch hochbedeutsamen Fragen auch noch etliche Vorlagen von sekundärer Bedeutung den Landtag beschäftigen werden, wird diese Session sich zweifellos zu einer recht arbeitsreichen gestalten, und sie wird sich sicherlich, da der Landtag einer weniger guten als alten Gewohnheit zufolge sehr spät einbcrufen zu werden Pflegt, bis weit über Ostern hinaus erstrecken.
Zur Eröffnung des preußischen Landtags.
Krrlm, 11. Januar.
Die am 16. ds. Mts. beginnende Tagung des preußischen Landtags verspricht schon dem jetzt vorliegenden Material zufolge eine ebenso arbeitsreiche als bewegte zu werden. Nächst dem Etat wird die Thätigkeit des Landtags zuerst durch die preußischen Einführungsgesetze znm bürgerlichen Gesetzbuch in Anspruch genommen werden, die dem Landtag sofort nach der Eröffnung zugehcn werden. Sonst wird der Landtag bei seiner Eröffnung wenig Material fertig vorfinden, denn die meisten Vorlagen befinden sich noch im Stadium der Vorbereitung, und von einigen, so der vicl- umstriticnen Vereinsrcchtvorlage, wird man wenigstens hoffen mögen,daß sie cndlichindieses Stadium derVorbereitung gelangt find. Nicht in dieses Stadium gelangt ist der Plan für die Reform des Mediziiralwescns. Der Plan ging dahin, die Medizinal- abthcilung Fom Kultusministerium, wo sie sich einer gewissen stiefmütterlichen Behandlung erfreute, dem Ministerium des Innern zuznweiscn, wo sich diese Abtheiluug — ob mit Recht, mag dahingestellt sein — auf eine liebevollere Behandlung gefaßt machte, z» überweisen. Aber die seit Langem geforderte Reform des Medizinalwcsens ist anscheinend an dem leidigen nervus rerum, an der Geldfrage, gescheitert.
Eine Frage ganz ähnlicher Art, wenn auch von ungleich größerer Bedeutung hat seit längerer Zeit die öffentliche Meinung in Preußen intensiv beschäftigt und sie dürfte auch im Landtag einen lebhaften und tiefgehenden Streit ver- anlaflcn, wir meinen die Neuregelung der Wnsserbau- verwaltung. Von agrarischer Seite verlangt man stürmisch die Abzweigung des Wasserbauwesens vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten und die Uebertragung auf das landwirthschastliche Ministerium. Auf Seiten der Industriellen und der Handel und Verkehr treibenden Kreise hegt man dagegen die begreifliche Furcht, daß diese Uebertragung einen symbolischen Charakter haben könnte und daß die Interessen der Industrie und des Verkehrs hierbei zu kurz kommen könnten. Die einfachste, naheliegendste und zweifellos beste Lösung dieses gordischen Knotens wäre sicherlich die Bildung eines selbständigen Waffcrbau-Ministeriums, aber die Wahrscheinlichkeit, daß dieser Weg in letzter Stunde doch noch beschritten wird, ist außerordentlich gering. Bisher ist eine Entscheidung noch nicht getroffen, und der Kampf um das Wasser wogt ■ noch immer lebhaft hin und her. Vielleicht wird das Ende des Kampfes sein, daß Nichts geschieht und Alles beim Alten bleibt.
In engem Zusammenhang mit der Wasserbaufrage steht — nicht nur materiell, sondern noch mehr politisch — die kommende Kanalvorlage. Die Vorlage ist bisher noch nicht fertig gestellt und über ihren Inhalt ist Genaues bisher noch nicht bekannt geworden. Trotzdem hat sich schon jetzt ein lebhafter Streit um diese Vorlage erhoben, denn es handelt sich hierbei, abgesehen von den einzelnen materiellen Fragen, um eine prinzipielle Grundfrage, bei der zwei grundverschiedene Anschauungen aufeinander stoßen. Von agrarischer Seite wird gegen den Kanalbau überhaupt Front gemacht, da man dort von der irrigen Anschauung ausgeht.
Schleppe sehr modern ist, gen Mädchen fußftei ge- iragrii, venu „vti was sonst Fran Mode
nicht immer einsehen will. Sehr hübsch find Tanzklcidchen mit drei abgestumpften übercinanderfallenden Röcken, entweder au« Spitzen, Seiden- oder Stickereivolants. Das viereckig ausgeschnittene Leibchen aus der Seide des Unterkleides deckt nahtloser Oberstoff, der auf der Achsel von je einer Bandkokarde und einem Blünichentonff zusammengehalten wird. Der Scidcn- gürtel wird in schmale Fallen gelegt und schließt meisteiis mit einer ricsigm Banokokarde rückwärts. Die Frisuren trägt man neuestens ganz hoch oben am Wirbel, oder im losen Dreher tief int Racken liegend. Blumen in den Haaren zu tragen, ist nicht ganz modegerecht, dafür placirt man den Schmuck aus kunswolle Weise in die Frisur und erzielt damit sehr hübsche Effekte. Am pikantesten steht ein Schleifchen aus schwarzem Sammet, in welchem die Bouton» wie Thautropsen liegen.
später im Leben, denn schon der erste Rundtanz bei Orchestermusik versetzt die Ballnovizcn in gehobene Stimmung, an die sic sich aber imLauf der Bälle gewöhnen, und die später leider nur zu oft einem enttäuschten, ernüchterten Gefühl Platz macht. Unter diese Kategorie zählen diejenigen Ballbesuchcnden, die sich von einem Ball den Himmel auf Erden versprechen; die zweite Kategorie besucht Bälle, um zu sehen, vornchinlich aber um gesehen zu werden, und es genügt ihnen, sich in lichten, schönen Räumen, bei einschmeichelnden Tanzinelodiec» im Rhythmus zu drehen; für Alle, Alle aber ist dies oberste Gesetz maßgebend — so Vortheilhaft als möglich auszusehen. Seit der Luxus so grog geworden ist, legt mau befonderen Werth aus das sogenannte Eutröc, " u den meisten Fällen mit der Toilette harmonircn mutz und nicht, wie ehedem, ein rother oder grüner, gut gefütterter Abendmantcl sein dars, unter dessen Schutz Generation nach Generation zum Tanzvergnügen eilte. In einem ersten Atelier zeigte man uns nachfolgend beschriebene Entrees, deren erstes für eine junge vornehme Dame bestimmt war: Ein großer ." Kragen aus rosa Spiegelsammet legte sich um einen V Sattel ans silbcrpaillctirtcn weißen Brokat. Die Enden M des Kragens waren voran abgerundet, zwei Agraffen aus
Brillantschnallen hielten den Kragen zusammen, dessen Border-
(Rachdmck verboten.)
Kallmodrn.
Von Hermi«« Hahn.
Der erste Ball, welch bedeutsames Ereigniß sowohl für die männliche als auch für die weibliche Jugend! Kein Soldat kann am Vorabend seiner ersten Schlacht aufgeregter fein, als die wclt- Jccurden Neulinge vor dem Ballbesuch. Acngstlich spähen sie nach en hohen Spiegelwändcn der Garderobe, und nur der Blick aus den, die ersten Spitzen zeigenden Schnurrbart, die frischen rothcn Wangen und die leuchtenden Augen, die gutsitzenden Haar- löckchen und das schneeweiße Hälschen ist im Stande, das während der Hinfahrt stark gesunkene Selbstgefühl zu heben. Gewöhnlich amüsirt man sich auf seinem ersten Ball besser als
thcile in zwei tiefe Falten gelegt waren. Der hohe Stuartkragen war aus dem gleichen Material wie der Sattel geschnitten und mit echtem Seal gefüttert. Für eine zweite hochstehende Dame war folgender Mantel bestimmt: Aus russisch grünem Sammet in Empircform geschnitten; der Rücken war der Länge nach in zwei Falten gelegt; voran öffnete sich der Mantel über ein Devant von grünem Scidendamast mit Arabeskcndessin in alt- goldener Seide gestickt. Die halbweiten Aermel des Mantels waren ebenfalls aus Damast und wie der große Stuartkragen mit Hermelin gefüttert. Rückwärts unterhalb des StnartkragenS war eine Masche aus Sammet angebracht. Einen reizenden kurzen Kragen, für ein junges Mädchen bestimmt, zeigte mau uns aus elfeirbein- farbenem Atlas mit kleinen Bouquets ä la Pompadour. Den Rand umgaben fünf schmale, übereinanderfallende plissirte Scidcn- mousselinc-Garnimngen in hellblau. Der hohe Stuartkragen war mit hellblauem Spiegelsammet gefüttert und mit einer großen Sammetmasche geschlossen. Für einfacheren Geschmack sind die runden En-cas aus Angora für junge Mädchen sehr beliebt, sie zeigen alle die rückwärts shawlartige spitz geschnittene Form, die voran zu abgerundet verlärist. Die PelzcapeS haben meistens große Spitzeu- mäschcn als Abschluß beim Hals. Für Ballstoffe sind leichte, dünne Gewebe beliebt. Das Neueste sind Spitzenkleider aus Balencienne, Tüll oder Pointe d’esprit über farbige, reich desstnirte Seidenstoffe. Auch Sainto mousseline erfreut sich großer Anziehungskraft, namentlich bei ganz jungen Damen. Für Ballmütter ift Sammet in allen Farben horsconconrs, aber auch schwerer, großgemusterter Brokat, der ganz neuartige Dessins aufweist. Die Mode für ältere Damen schreibt den Eonrausschnitt vor, d. i. die runde, sehr tiefe Decolletage, welche die Achseln frei läßt. Aber ballfähig sind auch Sammettleider mit halblanaen gezogenen Gazeärmeln und kleinem viereckigen Ausschnitt. Als Ballblumen sind Lilien, Chrysanthemen, Ricsenmohir und alle Arten Orchideen modegerecht. Junge Damen tragen Flieder, Rosen in allen Schattirungen, Nelken, Veilchen und — Gänseblümchen. Die Blumen werden in Touffs arrangirt und statt Kokarden angebracht. Am vornehmsten sind aber immer lebende Blumen, welche als Rieseubouquct seitwärts in den Gürtel gesteckt werden. Um
Am VundeSrathstischc Kriegsminister v. Goßler. Tagesordnung: Fortsetzung der ersten Lesung der Militär-Vorlage. — Abg. Bebel (Soz.) berührt das Friedensmanifest des Czaren und meint: Der Friedenskundgebung des Czaren stehen wir skeptisch gegenüber, aber diese Worte werden von jetzt ab bei jeher Militärvorlage in den Parlamenten wieder auflebcn. Sie enthalten die schärfste Verurtheilung des jetzigen Rüstungssystcms, der Schraube ohne Ende. Angesichts dieser Worte und der sympathischen Zustimmung zn denselben von Seiten der Reichsregicrung erscheint die Thatsache der Einbringung der jetzigen Vorlage geradezu als eine Verhöhnung. (Glocke des Präsidenten.) — Präsident Graf Ballestrem: Das Wort Verhöhnung ist, in diesem Zu- samineuhang gebraucht, nicht parlamentarisch. (Gelächter links.) — Bebel: Es mag nicht parlamentarisch sein, aber wahr ist es. (Heiterkeit und Beifall links.) — Präsident Graf Balle- strcm ruft nunmehr den Abgeordneten Bebel zur Ordnung. — Abg. Bebel: Haben wir Sozialdemokraten nicht immer genau so ausgeführt, wie cs in diesem Manifest steht, daß die militärischen Rüstungen schließlich die letzte Stunde der bürgerliche» Gesellschaft herbeiführen müssen? Wenn c§ zu dem großen Massenkrieg kommt, dann wird die Menschheit sich fragen müssen, ob das ein Zustand ist, für den man noch leben kann. Zweifellos haben die letzten zwei Jahre eine vollständige Verschiebung der Großmacht- Verhältnisse herbcigcführt. Ich erkläre cs mit vollster Bestimmtheit, daß in dem nächsten Krieg, in den wir venvickelt werden, England mit seinen ganzen Lebensinteressen cingrcifen muß. Er ist aber weiter zweifellos, daß jede rufsischc Regierung, mag sie heiße», wie sie will, einen großen Entschndungskampf in Ostasien vorbereitet.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 13. Januar.
Weiter ist cs allgemein bekannt, daß die nsssische Landwirthschaft in den letzten Jahrzehnten sehr schwere Schläge bekommen hat. Sie kennen die Berichte von den Hungersnöthen. Die russischen Finanzen sind nichts weniger als glänzend. Der Finanzminister ist voriges Jahr erst vergebens allüberall herumaereist, um eine Anleihe auf die Beine zu bringen. Mit dem Einflüsse Nordamerikas hat gleichfalls Rußland seit Jahresfrist zu rechnen. Woher soll es unter diesen Vcrhältniffcn die Mittel zur glatten Mobilistning und Erhaltung einer Monstrc-Armee nehmen? Die Verwaltung de? ungeheuren Reiches beschäftigt das Land vollkommen. Rußland mag seine Aufgabe darauf beschränken, europäische Kultur nach Asien zu tragen, und die ganze Welt ist zufrieden. Wahrlich aber ist dies kein Zeitpunkt für neue Hcercsverstärkungen für uns. Wir haben kurz und gut mit einem Krieg auf absehbare Zeit absolut nicht zu rechnen. Die Berechnung der Vorlage, daß Frankreich und Rußland ein höheres Aufgebot haben als der Dreibund, ist falsch, weil die freiwilligen Mannschaften außer Be- rcchmnig geblieben sind. In den letzten vier Jahren hat Deutschland über 43,000 Man» mehr i» die Armee eingestellt als Frankganz gewaltig ist das Uebergcwicht DeutschlaiidS, _____ .... großer Theil der Armee Frankreichs durch seine Kolonicen in Anspruch genommen wird. Jedes Jahr der Entwicklung macht da? Mißvcrhältniß größer. Und was bedeutet die große russische Armee auf einem Gebiete, wie eS Rußland ist? Auch die Inanspruchnahme der sonstigen finanziellen Kräfte Deutschlands bleibt nicht hintcr der der anderen Staaten zurück. Seit zehn Jahren haben wir für Militär und Marine mehr als 2 Milliarden ausgegebeli, dabei leiden die nothweitdigsten Kultnr- anfgabsit Noth. Zur Verhütung der lleberschweinmungsgefahr hat Preußen kein Geld. Wie sieht es in der Volksschule aus? Nach einer vor Kurzem erschienenen Uebcrsicht über die Aufwendungen für die Armeen in den verschiedenen Staaten steht Deutschland
«tritt Ä ttttriltnti« für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur »ächstcrschcinendcn Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
unsere verehrten Leserinnen zu befriedigen, wollen w>r auch einige Balltoiletten näher beschreiben. Für eine brünette junge Dame sahen wir folgendes Modell: Ueber ein hellgelbes Taffetkleid fiel plissirter gelber Tüll. Das viereckig dekolletirte Leibchen war mit demselben plissirte» Tüll bespannt. Ein zart fliederfarbener schmaler Sammetgürtel schloß mit einer Brillantschnalle und um den Rand des Ausschnittes zog sich ein Kranz von helllila Veilchen. Für den Hals war ein Bandeau aus der Farbe des Gürtels bestimmt, welches mit Straßsteinen im Distelmotw bestickt war. Für eine blonde, junge Frau zeigte man uns ein Prinzeßkleid aus nilgrünem Atlas, dessen Rücken fo tief ausgeschnitten war, daß er in eine Spitze verlief; der sehr weite Rock mit einer halblangen Schleppe zeigte ein Tablicr mit Inkrustationen aus Guipure. Der Rücken des Leibchens, sowie das Vordcrtheil waren nahtlos, und die überflüssige Werte des Stoffes wurde auf der Achsel mit Sttaßspangcn zu- fammengehalten. Das Tabli-r des Rockes zog sich m halber Brusthöhe auf das Leibchen fort, welches seitwärts unter dem Arm zu schließen war. Eine schwarze Atlasmasche mit einer Brillanlbroche in der Mitte war knapp unterhalb des Ausschnittes auf der Brust angebracht. Trotzdem die Schleppe sehr modern ist, werden die Tanzrleidchen der ganz fungi tragen, denn „der Zweck heiligOdic Mittest
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«. Jahrgang.
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auch in Bezug auf die Kosten des einzelne» Soldaten an zweiter Stelle, gleich nach Großbritairnieu. Sind wir die reiche Nation, die sich das leisten kann? Redner beleuchtet weiter die so schweren Finanzlasteii, welche der Militarismus Deutschland und ganz Europa auferlegt. Für alle die Mätzchen, für alle die Zwecke, die heutzutage am politischen Horizont auftauchten, seiber deutsche Sozialdemokrat nicht geneigt, sein Leben in die Schanze zu schlagen. Wenn das Vaterland aber erilstlich bedroht sei, werde mich der Sozialdemokrat seine Schuldigkeit thun. Er empfehle Einführung des Milizsystems, welches sich beispielsweise in der Schweiz sehr gut bewahre. — Kriegsmmister v. Goßler entgegnet dem Vorredner, dieAuffassung der Regierung von dem Manifest des Czaren sei eben eine andere, als diejenige der Sozialdemokratie. Den Vorwurf, daß zu zahlreiche intelligente Industrie-Arbeiter eingezogen würden, müsse er zurückwcifen. Was das Milizshstem anlange, so würde dasselbe wohl noch kostspieliger sein, als die jetzige Organisation. Den Bebclschen Gedanken militärischer Jugenderziehung müsse er als Spielerei bezeichnen. Betreffs des Wunsches Bebels, die Armee zu demokrati- firen, wolle er, Redner, nur sagen, daß Alles geschehen werde, um diesen Wunsch zu vereiteln.- Abg.Freiherr v.tzertling (Centr.) bezeichnet die Vorlage als eine Konsequenz derjenige» von 1893. Das Centrum sei entschlösse», die Interesse» der nationalen Ver- theidignng durchaus über diejenigen der Parteitaktik zu stellen, doch könne es sich freilich nicht verhehlen, daß die Vorlage unliebsani überraschte, zumal eben erst die Seemacht so außerordentlich verstärkt worden sei. ES seien zahlreiche Widersprüche in derLorlage vorhanden. Es fei in hohem Grade wünschenSwertb, wenn die zweijährige Dienstzeit gesetzlich festgelegt würde. Den Einzelheiten der Vorlage stehe das Centrum nut abgestuftem Wohlwollen gegenüber. Auch seine, des Redners, Freunde hätte das Empfinden, als ob in dieser Vorlage die Neuforderrmgeii nicht abgeschlossen seien. Was die zniiehmende Bestrafung beim Heere anbetrifft, so hänge dieselbe offenbar zusammen mit dein allgemeinen Rückgänge der moralischen Kraft und der zu- nehuieiiden Jdeallosigkcit. Das vom Czaren entworfene Bild sei so schön, daß man kaum daran glauben könne.—Abg. Sattler (nat.-libJ führt aus, seine Freunde erkennten die Nothwendigkeit einer Vervollständigung der Artillerie, selbst einer Vermehrung der Kavallerie an und seien bereit, dieselbe zu bewilligen. Die finanzielle £>e= lastung werde sich hoffentlich weniger schwer erweisen, als es darnach den Anschein habe. Die Vorlage habe im Volke keine Aufregung hervorgerufen. Der Erlaß des Czaren habe wohl nur die Bedeutung, nach außen hin den idealen Sinn des russischen Kaisers zu zeigen, der noch kiirz vor jenem Aufruf 90 Millionen Rubel zur Verstärkung feiner Flotte aufgewendet hatte. — Abg. Liebermann von Sonnenberg (Antif.) legt der Friedenskundgebung
