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VikMem Sagblatt

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Verlag: Langgasse 27.

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«. Jahrgang.

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für die Slbcnd-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-AuSgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur ■gniiniiptw nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Ko. 11.

Fernsprecher N». 52.

Samstag, den 7. Januar.

Fernsprecher No. 52.

1899.

Morgen-Ausgabe

ces über dieVer-

!cr-

— Gefchichlstzalender. 7. Januar. 1890: f Augusta, Kaiserin von Deutschland (* 30. September 1811 zu Weimar). -- ------"^lid

Ans Stadt und Kand.

Wiesbaden, 7. Januar.

Sitzung der Stadtverordneten

vom 6. Januar 1899.

Anwesend sind unter dem Vorsitz des Herrn Landesbankdirektors Reusch 36 Mitglieder des Kollegiums, Seitens des Magistrats die Herren Oberbürgermeister Dr. v. 36eil, Bürgermeister Heß, Beigeordneter Körner, Beigeordneter Mangold, sowie die Herren Stadträthe Stadtältester Beckel, Bickel, Kalle und v. Oidtmann, ferner Herr Obersekretär Rosalewski als Protokollführer.

Nereins-Rachrichken.

(Surze sachliche Berichte werden bercinvDigft unter dieser Ucberlchrift ausgenommen.)

* Die Krieger- und Militär-Kameradschaft „K a i s e r W i l h e l m II." hat zur Verloosung gelegentlich ihrer Weihnachtsfeier am 7. d. M. al« ersten Gewinn zwei große schöne Bilder, das Kaiserpaar dar­stellend, bestimmt. Die Bilder sind auf kurze Zeit in dem Schau­fenster des Herrn Bruno Wandt, Kirchgaffe 42, ausgestellt.

* Zu der Weihnachtsfeier des „Wiesbadener Rbcin- und Taunus-Klub" am Sonntag Abend in der „Loge Plato" hat der bekannte Wagnersänger Herr Buchwald, zuletzt in Magde- burg und Zürich, seine Mitwirkung zugcsagt. linier Anderem wird das Graal-Lied aus „Lohengrin" vorgeträgen. Herr Buchwald bat öfter die Wanderungen des Klubs mitgemacht und häufig die Theilnehmer durch seine Gesangsvorträge entzückt.

* Die „Rettungs-Compagnie der Freiwilligen Feuerwehr" veranstaltet am Sonntag, den 8. Januar, Abends 8V« Uhr, in der „Männer-Turnhalle", Platterstraße, eineFamilien- Weihnachtsfeier, verbunden mit Christbaumverloosung und Ball. Haben die früheren Weihnachts-Veranstaltungen schon immer großen Anklang gefunden, so dürste dies bei der bevorstehenden Mso mehr

auf Engagement hier absolviren. Ebenso wird die Sängerin Fräulein Camilla Wuschke vom Kgl. Hoftheater in Dresden am 13. Januar er. als Königin der Nacht in der Oper „Die Zauber- llöte" und am 15. Januar er. als Isabella in der Oper „Robert der Teufel" hier debütiren.

o. Der städtische Uerwaltnugstzericht für 1897 98 ist soeben in Form einer 202 Druckseiten starken Broschüre zur Ver- theilung gelangt. Nach einer Bemerkung des Herrn Oberbürger­meisters ist der diesjährige Bericht zum ersten Mal gegen die Emheren in erweiterter und theilweise veränderter Form, entsprechend en Vorschlägen der deutschen Städtestatistiker — soweit solche sich auf die Wiesbadener Verhältnisse anwenden lassen — erschienen und vom Stadtarchiv-Vorsteher Dr. C. Spielmann bearbeitet worden. Der ganze Bericht zerfällr, den einzelnen Verwaltunqs- zweigen entsprechend, in 20 Kapitel; das erste betrifft die Stadt­verwaltung und die Stadtvertretung, sowie die Stadtchronik und beginnt mit einem Verzeichniß der Mitglieder der städtischen Be­hörden und Mittheilungen über das Resultat der letzten Gemeindewahleu. Der Magistrat hat 52 ordentliche und 6 außerordentliche Sitzungen abgehalten. Von den Verwaltungs- dcputationen hat die Baudeputation die meisten Sitzungen abgehalten, 156, dann folgen die Armendeputation mit 47, die Acciscdeputation mit 31 rc. Die Zahl der beim Magistrat ein- gegangenen Vorlagen betrug 4120, die Zahl der gefaßten Beschlüsse 2143. Die Stadtverordneten-Versammlung hielt 26 ordentliche und 1 außerordentliche Plenarsitzung ab. Von den Ausschüssen der Stadtverordneten-Versammlung hatten der Bauausschuß mit 26 und der Finanzausschuß mit 28 die meisten Sitzungen. Die Zahl der bei der Stadtverordneten-Versammlung eingeWlgenen Vorlagen ist 313, die Zahl der gefaßten Beschlüsse 512. Bei den Bureaus beziffert sich die Zahl der Eingänge auf Bureau 1: Verwaltung 4120, Stadtausschuß 417, Bureau 2: Verwaltung und freiwillige Gerichtsbarkeit 14,929, Bürcau 3: Armenverwaltung 14,343, Bürcau 3a: Abtheilung für Kranken-, Jnvatiditäts- und Alters- verstcheruna, sowie Gewerbegerichtssachen 1333, Bureau 4: Steuer- und Militärverwaltung 19,314, Bürcau 5: Stadtbauamt 30,074. Durch das Botenamt jutb vom 1. April 1897 bis 31. März 1898 129,815 Zustellungen bewirkt worden.

— Die Kchildpattkämme und -Nadeln, die heutzutage so sehr Mode, werden leicht glanzlos, bekommen Riffe und Sprünge. Um dies zu vermeiden, braucht man Schildpattkämme und Schildpatt' nadeln nur eine Nacht in Olivenöl zu legen. Darauf müssen die betreffenden Gegenstände vorsichtig abgerieben werden, nachdem man sie einen Augenblick an der Lust hat austrocknen lassen; doch empfiehlt es sich, den Schildpatt mit den Fingerspitzen zu reiben und nicht einen Lappen dazu zu verwenden, da selbst der aller­weichste Stoff leicht Schrammen verursacht.

— Dao Ende dr» Lieutenants. Aus London schreibt der „Franks. Ztg." ein Leser: Die neueste ^Kabinetisordre" des „Armeeverordnungsblattes" (Kriegsherrubefehl des Kriegsbefehl­blattes wäre deutscher) setzt an die Stelle des französischen ,,Lieutenant" das angeblich deutsche „Leutnant", läßt aber darüber im Unklaren, wie der Plural — bitte um Verzeihung — wie die Mehrzahl zu bilden ist, ob Leutnants oder Leutnante. Es ist unerklärlich, warum man nicht gleich einen Schritt weiter gegangen ist und die Monstrosität — Verzeihung, ich meine Ungeheuerlichkeit — „Leutnant" nicht durch „Leutmann" (ab­gekürzt aus Leutemann), Mehrzahl.Leutmänner", ersetzt hat. Man sagt Hauptmann, warum also nicht „Oberlcutmann", „Oberstleutmaün", „Generalleutmann". Ihr ergebener M. E. — Zu dieser Umwandlung des deutschen Sekunde- und Premier­lieutenants in Leutnant und Oberleutnant bemerkt das „Wiener Tagblatt": „Damit ist der aus dem Französischen stammende Lieutenant, der der deutschen Nation — den jungen Damen aus­genommen — schon lange ein Dorn im Auge war, endgültig (früher definitiv) ausgemerzt. Auch der „Leutnant" ist übrigens währschein- lich nur ein Uebergang zu dem entsprechenden deutschen Wort Platz­halter (von tenir lieu), und übers Jahr spricht man in der deutschen Armee vielleicht nur noch von einem „schneidigen Ober- Platzhalter" und die jungen Damen werden mit Wohlgefallen ihre Blicke auf den jungen Platzhaltern (stüher Leutnants) ruhen lassen, und mit ihnen der Ueberlieferung (früher Tradition) gemäß liebäugeln (stüher kokettiren), denn die Kriegsbedienten (stüher Offiziere) werden, wie man sie auch benennen (früher tituliren) mag, nicht aufhören, sehr reizend (stüher charmant) zu sein und als beliebte Freier (stüher Epouseure) zu gelten. Der Leutnant ist nämlich bekanntlich noch nicht genügend ge­reinigt (früher purifizirt), da diese Aussprache ja nur eine Verballhornung des französischen Lieutenant ist, die der große Sanders gar "nicht kennt; man könnte das französische Wort „Milieu“ ebensogut durch „Milcu" verdeutschen. Die Maßregel ist also vorläufig nur eine halbe, wie die Umwandlung des ,,Obcrst- lieutenant oder Major und etatsmäßiger Stabsoffizier tm In­fanterie- re. Regiment . . . ." in: „Oberstleutnant oder Major beim Stab des Infanterie- re. Regiments. . . ." noch klarer be­weist; es müßte heißen: „Oberstplatzhalter odkr der Größere beim Stabe der Fußvolk-KriegSschaar rc." und der Batterie-Chef müßte Rückschaar-Oberhaupt heißen. Wie gesagt, es bleibt noch viel zu thun, aber der Anfang ist geniacht. Es lebe das Folgende (früher „Vivat sequens!“)"

— Kleine Koksten. Am kommenden Sonntag findet im „Schwaloacher Hof" eine öffentliche Versammlung der Maler, Tüncher unb verwandter Berufe für Wiesbaden und Um­gegend statt. ______________

1884: f Paul Taglioni in Berlin, vorzügl. Balletdichter („Fl und Flock" u. 21.), (* 12. Januar 1808 zu Wien). 1879: Vc. mählungstag der verw. Königin Wilhelm der Niederlande, geb. Prinzeß Emma zu Waldeck und Pyrmont. 1855: * Julius Kopsch m Beuthen, Rektor in Berlin, Mftgl. d. Reichst. (Fr.). 1845: * Ludwig, Prinz von Bayern, ältester Sohn des Prinzregenten Luitpold.' 1836: * Peter Küchly zu St. Louis, Erzpriester in Saarburg, Mitgl. d. Reichsst. (Els.). 1834: * Philipp Reis zu Gelnhausen, Erfinder des Telephons. 1831: * Generalpostmeister Dr. v. Stephan in Stolp i. P. (f 8. April 1897 zu Berlin). 1826: * John Graf v. Kimberley, eual. Staatsmann. 1824: * Julia Kavanagh, bek. engl. Romanschriststell. (f 28. Okt. 1877). 1808: * Eduard Mcyerheim zu Danzig, herv. Maler (f 18. Januar 1879 zu Berlin). 1746: * George Keith, der Eroberer des Kap- Igndes (f 10. März 1823). 1745: * Jacques Montgolfier, Er­finder des Luftballons (t 2. August 1799). 1726: Eröffnung der Petersburger Akademie der Wissenschaft durch Katharina I. 1695: f Maria Stuart, Königin von England. 1655: j Papst Jnnocenz X. 1529: t Peter Bischer, der Nettere, zu Nürnberg, 6er. Erzgießer (* 1455 zu Nürnberg). 1285: + Karl I. von Anjou, König von Neapel und Sieilien. 785: Taufe des Sachsen- Herzogs Wittekind.

— Königliche Kchaulpiele. Fräulein Helene Hardt vom Stadttheater in Brünn wird am Dienstag, den 10. Januar er., in pem Lustspiel „Diel goldene Eva" als Eva und am Samstag,

14. Januar er., als Luise in „Kabale und Liebe" ihr Gastspiel

Bor Eintritt in die Verhandlungen gedenkt der Herr Vorsitzende des Ablebens des Herrn Dl. Sch link, in dem die Versammlung einen langjährigen lieben Kollegen verloren habe. Ihm werde ein ehrendes Andenken bewahrt bleiben. Zum Zeichen dessen erheben sich die Anwesenden von den Sitzen.

Der Herr Vorsitzende giebt sodann Kenntnis! von Einladungen des „Vereins für Schulreform" zu einem Vortrag im „Krokodil" und des „Deutschen Schulvereins zur Erhaltung des Deutschthums im Auslande" zu dem Deutschen Abend am 18. d. M„ Abends 8l/i Uhr, in der Turnhalle des „Turnvereins", Helliuundstraße 25.

In die veröffentlichte Tagesordnung eintretend, berichtet Herr Reichwein über den vom Bauausschuß geprüften Fluchtlinien­entwurf für den Theil der Dotzheimerstraße von der zweiten Ringstraße bis zur Gemarkungsgrenze. Ur­sprünglich waren hier für diese Straße 20 Meter Breite und 5 m breite Vorgärten vorgesehen. In Anbetracht des zu erwartenden Verkehrs auf der Dotzheimerstraße durch den dort projektirten Güter- bahnhof wurde neuerdings beschloffen, die Straßenbreite auf 30 Meter, ohne Vorgärten, festzusetzen. Der Bauausschuß beantragt die Zustimmung hierzu und den Magistrat zu ersuchen, nochmals eine eingehende Prüfung der Dotzheimerstraße zwischen der ersten und zweiten Ringstraße bezüglich der Fluchtlinie vornehmen zu wollen. Die Versammlung beschließt demgemäß.

Uebcr die Prüfung des Fluchtlinienentwurfs für eine von der verlängerteuParkstraße abzweigendeSeitenstraße be­richtet Herr Willett. Herr Architekt Beitscher, der ein großes Terrain hinter der „Dietenmühle" erworben und theilweise bebaut hat, fühlt sich durch diesen Plan beschwert und verwirft insbesondere die Treppenanlage und die 8 Meter breiten Vorgärten. Der Magistrat hat beschlossen, die Vorgärtenbreite auf 5 Meter zu reduziren, im Uebrigen jedoch bei den früheren Beschlüssen zu bleiben. Der Äau- zuSschuß schlägt vor, bei den 8 Meter breiten Vorgärten auf der Ost­seite zu bleiben und es dem Herrn Beitscher zu überlassen, bei Offenlegung des Planes formellen Einspruch zu erheben. Der Herr Oberbürgermeister empfiehlt, keinen Beschluß zu fassen, sondern die 2lngelegenl)eit an den Bauausschuß zurückzuverweisen, damit sich der Magistrat bezw. die Baudeputation mit demselben in Verbindung setzen könne. Bei der geringen Wichtigkeit der Straße sei eine außergerichtliche Erledigung der Sache durchaus wönschenswerth. Die Versammlung beschließt Zurückverweisung an den Ausschuß.

Namens desFinanzausschusseS berichtet Herr H kängerutta des Pachtvertrags über das B

längerung des Pachtvertrags über das Badhaus „Zur denen Stofe" auf weitere 10 Iahre. Es handelt sich hier um das der Stadt gehörige Gebäude am Kranzplatz neben dem „Europäischen Hof", welches bisher an den Besitzer des Hotels und Badhauses „Zur Rose, Herrn Heinrich Häffner, für 13,000 Mk. jähr­lich verpachtet war. Der Pachwertrag läuft mit diesem Jahre ab. Der Pächter hat den Magistrat ersucht, den Vertrag Äff weitere 10 Jahre zu verlängern, sowie in dem Haus elektrische Beleuchtung einzurichten und das Treppenhaus, sowie einige Zimmer zu renoviren. Herr Häffner hat sich bereit erklärt die Jnstallationskosten von 1577 Mk. mit 8 pCt. zu verzinsen unb zu amortifiren und die Beleuchtungskörper selbst zn beschaffen. Der Magistrat ha t sich mit der Verlängerung des Vertrags auf lOJahre unter der Bedingung einverstanden erklärt, daß, womit auch derPächter einverstanden ist, eine zweijährige Kündigungsfrist in dem Falle eint ritt, daß das Gebäude für städtische Zwecke in An­spruch genommen werden sollte. Das Anerbieten des Herrn Häffner wird acceptirt unb für die bauliche Instandsetzung 1000 Mk. bewilligt. Der Finanzausschuß kann zwar den Pachte preis von 13,000 Mk. für ein Objekt im Werthe von 300,000 Mk. nicht als einen günstigen bezeichnen, er kam aber zu der Ueber- zeugung, daß ein höherer Betrag nur durch den Anbau der gänzlich fehlenden Gesellschafts- und Wirthschaftsräumc zu er­zielen wäre, dieses aber nach Lage der Verhältnisse unmöglich fei. Er beantragt und die Versammlung beschließt, dem Beschluß des MaZistrafs beizutrctcn.(Schluß folgt.)

der Fall sein, als das dazu ausgestellte Programm reichhalft'g und interessant zugleich ist.

* Der „Maschinisten- und Heizer-Verein für Wiesbaden und Umgegend" hält Sonntag, den 8. Januar, Nachmittags 4 Uhr, im Vereinslokal zum „Deutschen Hof" eint Generalversammlung ab.

Stimmen au« dem Publikum.

(Für Veröffentlichungen unter tiefer Ueberfchrist übernimmt die Redaktion keinerleß Verantwortung.)

* Nächstens wird in unserer Stadtverordneten-Versammlung der vom Magistrat wegen der künftigen elektrischen Bahnen entworfene Vertrag zur Berathnng gelangen. Auffallend umß cS mir erscheinen, daß bis soweit eine öffentliche Beleuchtung eines sehr wichtigen Punktes diese? Vertrags nicht erfolgt ist. Ich glaube mir daher einige Bemerkungen in Betreff des belegten Punktes ge­stalten zu dürfen. Der vorgeschlagene Tarif weist Preise auf, die durchschnittlich das Doppelte der in anderen Städten üblichen bfc tragen. Vielfach hat man die Erfahrung gemacht, daß durch Herabsetzung der Preise auf die Hälfte bei Verkehr sich verdoppelt und verdreifacht hat. 9hm sagen freilich die Anhänger des vorgeschlagcnen Tarifs, daß, wenn auch die Süddeutsche Gesellschaft dadurch, daß sie sich mit der Hälfte begnügte, ihren Verkehr mehr als ver­doppeln könnte, sie dennoch nichts dabei gewinnen würde, denn bann würde ihre Einnahme sich nur unbedeutend erhöhen, die Gesellschaft aber zu erhöhten Ausgaben gezwungen sein. Vollständig zugegeben I Indessen darf man doch wohl fragen, ist es denn Aus­gabe unserer Stadtverordneten, dafür zu sorgen, daß die Süd­deutsche Gesellschaft in möglichster Bequemlichkeit möglichst viel Geld verdient ? Ist es nicht vielmehr Pflicht der Stadtverordneten, für die möglichste Bequemlichkeit unseres Publikums zu sorgen? Kann man denn etwa leugnen, daß bei herabgesetzten Preisen Diejenigen, welche schon jetzt trotz der kolossal hohen Preise unsere Dampsbahiien manchmal benützen, dann die Summe, welche sie weniger zu zahlen haben, sich ersparen würden, während der großen Menge Neuhinzukoinmender erst durch den billigen Fahr­preis die Möglichkeit der Benutzung gewährt wird? Vielfach hat man in unserer Stadt in den letzten Jahren darüber scheften hören, daß unsere Stadtverordneten ftüher einen für die Stadt so un- günftigen Vertrag abgeschlossen hätten. Zur Entschuldigung wurde oann — und wohl nicht mit Unrecht — angeführt, daß damals Wiesbaden noch bedeutend kleiner gewesen sei und man unmöglich den in der letzten Zeit eingetretenen, so riesigen Aufschwung hatte voraussehen können. Jetzt liegt die Sache aber anders. 2Jiit bet größten Regelmäßigkeit nimmt unsere Stadt jährlich bedeutend zu, höchstens könnte diese Regelmäßigkeit durch eine politische ober kommerzielle Krisis für kurze Zeit unterbrochen werden. Es kommt daher unseren Stadtverordneten zu, bei Berathnng eines neuen Vertrages, der die Stadt auf viele Jahre hinaus binden soll, nicht bloß die Gegenwart, sondern auch die Zukunft ins Auge zu fassen. Geschieht das nicht, bann wird es in künftigen Jahren heißen, unsere Stabtväter von dazumal zankten sich lange darüber, ob ein Umbau ober Neubau bes Kurhauses nöthig sei, — eine Frage, deren beste Lösung doch schließlich nur wenige Kreise der Stadt berührt, aber eine richtige Behandlung der Verkehrsverhältnisse im Interesse der ganzen Be­völkerung vis auf den einfachen Arbeiter, dem nur durch billige Transportmittel das gesundere und billigere Wohnen außerhalb der Stadt ermöglicht wird, das haben unsere weisen Stadtväier von dazumal nicht verstanden.

Ans Kunst und Krbrn.

* Königliche Schauspiele. (Spielplan.) Samstag, den 7. Januar, Abonnement 0, 22. Vorstellung: „Der Hüttenbesitzer . Anfang 7 Uhr. Sonntag, den 8., Abonnement 0, 22. Vorstellung: „Undine". Anfang 6'/- Uhr. Montag, den 9., Abonnement A, 23. Vorstellung: „Othello" (Oper). Anfang? Uhr. Dienstag, den 10., Abonnement B, 23. Vorstellung: „Die goldene Eva". Anfang 7 Uhr. Mittwoch, den 11., Abonnement C, 23. Vorstellung: „Die verkaufte Brant". Anfang 7 Uhr. Donnerstag, den 12., Abonnement D, 23. Vorstellung, zum ersten Male: „Die Geher-Wally". Anfang 7 Uhr. Freitag, den 13., Abonnement A, 24. Vorstellung: „Die Zauberflöte". Anfang 6‘/i Uhr. Samstag, den 14., Abonnement C, 24. Vorstellung: „Kabale und Liebe". Anfang 6'/» Uhr. Sonntag, den 15., Abonnement B, 24. Vorstellung: „Robert der Teufel. Anfang 61/» Uhr. Montag, den 16., zum Bortheile der hiesigen Theater-Penstons-Anstalt, 4. Bencfice pro 1898: IV. Symphonie- Konzert. Anfang 7 Uhr.

* Fünfzig Schlösser besitzt der Kaiser. Davon find in Berlin drei: das König!. Schloß, das Schloß Bellevue unb schloß Rionbijou. In Potsbam befmben sich dreizehn: Stadtschloß, Neues Palais, Babelsberg, Sanssouci, Marmorpalais, Orangerie, Jagdschloß Stern, Belvedere, Sacro, Charlottenhof, bayrisches Hans im Wildpark, Landhaus Alexandrowrka und das Schloß auf der Pfaucninsel; in Kassel das Stadtschloß, die Löwenburg und Wilhelmshöhe; in Hannover das Residenzschloß. Ferner gehören dem Kaiser bie_ Schlösser in Wiesbaden, Urville, Straßburg i. E., Stolzenfels, Springe, Burg Sonneck a. Rh., Rominten, Schön­hausen, Schwedt a. O„ Benrath, Breslau, Brühl, Jagdschloß Grünewald, Celle, Charlottenbura, ErdiuannSdorf, Freien­walde a. £)., Jagdschloß in der Görde, Schloß Georgsgarten, Burg Hohenzollern, Homburg v. d. Höhe, Hubertusstock, Jägern- hof bei Düsseldorf, Königsberg i. Pr., Sabinen, Königs-Wuster­hausen, Letzlingen, Osnabrück, Oliva unb das Stadtschloß ni Koblenz.

* Kann ein Mann zwei Frauen zugleich haben nach Ein­führung des bürgerlichen Gesetzbuchs? Bei Beantwortung dieser Doktorsrage schreibt Dr. Friedrichs in Siel in der „Deutschen Juristenzra.": Für die Regel ist diese Frage selbstverständlich zu ver­neinen. Er hat aber zwei Fälle gesunden, in denen sie zu bejahen ist; vielleicht gebe es noch mehrere. Die beiden von Friedrichs an­geführten Fälle sind folgende: 1. Der Mann läßt sich von seiner ersten Frau scheiden, heirathet nach Rechtskraft des Urthefls eine zweite. Nach Schließung bet zweiten Ehe erhebt bie erste Frau bie Nichtigkeits­oder Restitutionsklage und bringt bnmit burch. Dann ist die zweite Ehe (formgerechte Abschließung vorausgesetzt) von Anfang an gültig gewesen. Das Gesetz läßt weder bie Nichtigkeitsklage noch bie An­fechtungsklage wegen eines Umstanbes zu, bet nach der Eheschließung eingetreten ist. Die alte Ehe wird durch Aufhebung des Scheidungs- urtheils wieder hergestellt; es bestehen also zwei gültige Ehen. 2. Der Mann heirathet zunächst in sonngerechter Weise, aber im geschäftsunfähigen Zustande. Diese Ehe ist nichtig. Sie bildet ein Hinderniß für die Eingehung einer weiteren Ehe, aber nur ein aufschiebendes: nur das Bestehen einer gütigen Ehe ist ein trennendes öffentliches Hinderniß. Der Mann kann also, wenn dem Standesbeamten bie frühere Ehe verheimlicht wird, eine neue Ehe eingehen, ujib diese neue Ehe ist gültig, wevL die Geschäfts-