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Viksbckener TsgM

Verlag: Langgasse 27.

16,000 Abonnenten

1899

Freitag, den 6. Januar.

Uo. 9

Fernsprecher Wo. 52.

Fernsprecher Wo. 52.

Morgen-Ausgabe

1776: * Ferdinand

k

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Egypten ist im Lauf des Jahres 1898 auf unabsehbare Zeit England festgekcttct worden; eine Zeit lang erwartete man -.-----per englischen Schutzherrschaft über

der muß unserer Zeit gegenüber zum Pessimisten werden, denn diese religiöse Moral steht bereits auf sehr schwachen Fußen. Die Kirche erfüllt schon lange nicht mehr das Bedürfniß der energisch Vorwärtsschreitendcn, die sich vom konfessionellen Boden losgelöst haben. Und ihrer sind mehr, als man glaubt, und gerade unter den Besten und Hochgesinnten. Die ethische Bewegung hat sich die, Aufgabe gestellt, diese Lücke auszufüllcn, die täglich weiter klafft und die Schwachen und Schwankenden zu verschlingen droht. — Die weltliche Ethik steht aber nur in einem scheinbaren Gegensatz zur kirchlichen Ethik. Die weltliche Ethik will nur ergänzen, wo jene ihrer Aufgabe nicht mehr gewachsen. Denn was sollen die machen, die außerhalb des religiösen Lebens stehen? Sollen sic in der Irre bleiben? — Eine gewissenhafte Seelsorge wird auch für diese sorgen müssen, denn das Bedürfniß nach Einkehr und Klärung ist bei denen, die außerhalb der Kirche stehen, ebenso groß als bei jenen; auch sie wollen sich erheben zu höheren Gedanken über die Menschen und die Menschheit, sie wollen ihr Leben in Einklang bringen mit der Gegenwart, deren wichtigsten Strömungen sich die Kirche verschließt, deren tiefste und wichsigste Thatsache sie über­sieht, denn sie fußt auf einer 2000-jährigen Tradition!

Wir greifen hiermit weder die Kirche an, noch die Religion, wir wollen nur die Nothwendigkeit einer weltlichen Ethik erweisen, die für die Gläubigen ebenso dringend wie für die Freidenker. Die Kirche kann diesen Anforderungen nicht genügen, denn sie ist nicht frei, sie ist abhängig von den staatlichen Gewalten ober von ihrem eigenen Verlangen nach Macht, darum ist sie nicht tanglich, jene zu bekämpfen — sie hat ein Kompromiß mit der Macht geschloffen. Hat die Kirche ein Wort gefunden im Dreyfus-Prozeß? Ein ausgesprochener Feind der Kirche, Z o l a, hat seine Stimme erhoben, die Kirche schweigt nicht nur, sie steht auf Seite der Vergewaltiger des Rechtes. Und nicht nur die katholische Kirche, sondern auch die protestantische. Die Kirche hat keine Antwort auf die brennenden Fragen der Zeit — es fei denn der Ausweg, den Pfarrer Naumann predigt mit den zweierlei Gewissen, eines für die inneren Angelegenheiten, das andere für die weltlichen Dinge — das ist der Abfall der Kirche von Jesus. Die Worte der Berg­

Das Jahr 1898

Afrika.

predigt haben nicht nur für das Jenseits, sondern auch für die weltliche Ktiltur ihre Geltung.

Da, wo die kirchliche Ethik nicht ausreicht, hat die weltliche Ethik ihre Aufgabe zu erfüllen. Sie hat einzustehen für die größte Errungenschaft der modernen Welt, die Interessengemeinschaft, sie hat das Bewußtsein der Abhängigkeit der Völker im Wettkampf der sittlichen Kräfte zu stärken. Nicht auf der rohen Gewalt, auf geistigen und wissenschaftlichen Errungenschaften beruht der Wettkampf der Völker. Gegen den Militarismus, gegen das Reserve-Offizierthnm hat sie Front zu machen —denn da ist teilt Verständniß für die moderne Bewegung, für die Achtung der Persönlichkeit. Aus der Demokratie, auf der Arbeitsgemeinschaft beruht die Größe eines Volkes, wie das Beispiel Englands zeigt.

Die eigentliche Ausgabe der weltlichen Ethik ist, den realen Zusammenhang der äußeren Politik und der inneren Entwicklung zu zeigen, die Augen zu öffnen für die Wirklichkeit der Welt. Wir müßten einen Tempel errichten, wo der Mensch eingeführt wird in die Mysterien der Beziehungen von Mensch zu Menschen, damit er begreifen lernt, wie heute Jeder das Schicksal des Anderen ist und wie alle Fragen nur erledigt werden können im Zusammenhang.

Wenn aber die weltliche Ethik etwas wirken soll, so müffen auch in einer weltlichen Erziehung die Zusammenhänge mit der Wirklichkeit grundlegend werden. Auch hier ist eine Ergänzung der Kirche durch den weltlichen Moralunterricht nothwendig. Die moralische Erziehung ist ganz unabhängig von einem Hinweis auf die Gottheit — die Mysterien werden vom Kinde nicht verstanden — die echte, tiefe, persönliche Religion ist Sache geistiger Reise. Statt Religionsunterricht werde dem Kinde Moralunterricht, d. h. aber nicht Vorkauen abstrakter Moralbegriffe, sondern ein Herausheben der nwralischen Erscheinungen ans dem Zusammenhänge des modernen Lebens. Das Kind soll die Moral gleichsam erleben. Kleidung, Geräthe können den Ausgangspunkt bilden — nichts interessirt die Kinder mehr, wie die Lcbnisgcschichte ihrer Spielsachen, mehr wie Sagen und Märchen. Wer hat das gemacht — wozu? Der Arbeiter tritt dem Kinde näher, es lernt ihn schätzen, denn ei hgt ihm sein Spiel»

die sie ebenfalls in ihre Gewalt brachten.

Deutschostafrika erfreute sich unter der thatkräftigen und klugen Verwaltung des neuen Gouverneurs, Generalmajors Liebert, eines langsamen, aber stetigen Aufschwunges. Im Januar wurde endlich auch der langlähnge Widerstand der mächtigen Wahehe gegen die deutsche Herrschaft gebrochen, deren Sultan Quawa von Lieutenant Prince entscheidend geschlagen wurde. Im Juli rückte eint starke Expedition nach der Westgrenze der Kolonie ab, um den sich dort brcitmachenden meuterischen Congotruppcn entgegen* Wirkten und eine genaue Regelung der gegenseitigen Grenzen an- Wbahnen.

Im Kapland rangen die englisch-gesinnte Fortschrittspartei unter Führung Cecil Rhodes' und der Afrikanderbond, der das alteingesessene holländische Element vettörpcrt, um die Herrschaft.

zu Königsberg.) 1875: j Friedrich Wilhelm, der letzte Kurfürst von Hessen. 1871: Prinz Friedrich Karl ergreift die Offensive an der Loire gegen Chanzy. 1871: Gefecht bei Äendöme. 1867: ff Karl Kaltenbrunner zu Wien. Oesterr. Dialektdichter. (* 30. Dez. 1804 zu Enns.) 1863: * Graf Adalbert zu Waldeck und Pyrmont. 1858: * Fürstin-Wittwe Luise zu Waldeck und Pyrmont, geborene Prinzeß zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksluirg. 1849: Einsuhruug der Wechselordnung in Preußen. 1838: * McixBruch in Köln. Hervorragender Oratorien-Komponist. (»Odysseus", »Achilleus" u. A.) 1885: * M. Kaehler zu Neuhausen, Ostpreußen. Proseffor der Theologie in Halle. 1833: * Karl Schönstedt zu Broich. Preußischer Jüstizminister. 1833: * Karl v. Boettichcr zu Stettin. Preußischer Staatsminister. 1832: * Kardinal Jacobine. (ff 28. Februar 1887.) 1827: ff Charlotte v. Stein zu Weimar, Goethes Freundin. (* 25. Dezember 1742.) 1822: * Heinrich Schliemann zu Neu-Buckow. Der Entdecker Trojas, (ff 26. Dez. 1890

in Neapel.) 1818: * Joh. Kenngott zu Breslau. Professor der Mineralogie in Zürich. 1810: Abtretung Finnlands an Rußland. 1807: * Ludwig Erck zu Wetzlar. Förderer des deutschen Männer­gesangs. (ff 26. November 1883 zu Berlins 1776: * Ferdinand v. Schill zu Wilmsdorf bei Dresden. Der Führer eines Freicorps in den Befreiungskriegen, (ff 31. Mai 1809.) 1412: * Jeanne d'Arc, die Jungfrau von Orleans. (30. Mai 1431 verbrannt.) 1355: Krönung Karls IV. zu Mailand zum König von Italien.

Weltliche Ethik und weltliche Ingend- Ernehnng.

So lautete das Thema des Vottrages, den Dr. Fr. W. Förster, der hochverdiente Sekretär des internationalen ethischen Bundes, am Mittwoch auf Einladung der hiesigen Abtheilung der ,D eut s ch en Gesellschaft für ethische Kultur" im Saale der „Loge Plato" vor einem aufmerksam lauschenden Publikum gehalten. Das Thema ist ein solches, welches nicht nur führende Geister be­schäftigt, sondern für alle Denkenden und für die Roth der Zeit und ihre ethischen Aufgaben ein Verständniß suchenden Menschen von tiefgehendem Interesse ist.

Bevor der Redner auf den eigentlichen Gegenstand seines Vor­trags einging, gedachte er in wannen anerkennenden Worten M. v. Egidys, des jüngst Heimgegangenen siegreichen Vorkämpfers der „Ethffchen Kultur" — in dem sich Tapferkeit mit Selbst­beherrschung und Selbstzucht und echtem Seelenadel verband, der durch die Macht seiner Persönlichkeit die Geister in seinen Bann | zog, dessen Liebcskrast sich im Fluge der Herzen bemächtigte, der „Versöhnung" nicht nur im Munde führte, sondern sie durch seine pädagogische Wirksamkeit auf dem Boden der neuen Menschlichkeit fruchtbringend belhätigtc. Er war kein Schwärmer, Idealist und Utopist, er rechnete mit Thatsachen, er stand auf dem Boden der Zeit. Er wußte genau, daß die Parteikämpfer, die Realpolitiker, die Machthaber nicht im Einklang mit der modernen Entwickelung der Zeit, daß die Staatsmänner, die Regierungen nicht mit ihr zu rechnen verstünden. Die Beziehungen von Mensch zu Mensch zu pflegen, das war seine Lebensaufgabe. Nicht für Diesen und Zenerr, für eine ober die anbere Menschenklasse sprach er — er war kein Parteimaun — er pachte an Alle, Keinen wollte et verletzen t — .Mich Du sollst nicht vergewalttgt werben" — er sprach für das gi: VE, zu dem er Hoch und Mcdrig rechnete. — Er war ein Prophet — er lebt in uns Allen — er wird weiter wirken!

Ans das eigentliche Thema seines Vottrages übergehend, be= «mit Dr. W. Förster: Wer Moral von Religion abhängig glaubt.

an England festgekettet worden; eine Zeit lang erwartete man sogar die direkte Verkündigung der englischen Schutzherrschaft über das Pharaonenreich. Diese Befestigung der englischen Macht in Egypten ist zurückzuführcn auf die Wiedereroberung des egyptischen Sudans, die mit großer Umsicht undSchneidigkeit durch die von General Kitchener geführten englisch-eayptischeu Truppen bewirkt wurde. Der Feldzug begann am 26. März mit der Eroberung des voii den Derwischen besetzten Platzes Scheudi, der am 8. April eine Niederlage der Derwische am Atbara und am 13. April die Be­setzung von Berber folgte. Während des Sommers ruhten die Waffen; Ende August begann General Kitchener den Varinarsch auf Omdunnan, die gegenüber Khartum errichtete Hauptstadt des Khalifen Abdullah. Sie wurde am 3. September nach einem ent­scheidenden, die Macht des Khalifen mit einem Schlag vernichtenden Siege über die Derwische von dem euglisch-egyptischen Heere er­obert. Damit war das Reich des Mahdi zertrümmert, der Tod Gordons gerächt und der Sudan den Egyptem zurückgewonneii. Abdullah flüchtete mit dem Reste seiner Getreuen nach Kordofan, wo er am 18. November durch Mukkumba, den Beherrscher von Gebe! Dahir, bei Schirkreleh eine neue schwere Niederlage erlitt, infolge deren er weiter westwärts nach El Obeid flüchten mußte. Am oberen Nil hatten sich unterdeß die Franzosen eingeniftet; von der Ostküste kommend, hatte bereits am 10. Juli Major Marchand mit seiner Expedition den wichtigen Platz Faschoda besetzt, Eng­land zeigte sich hier den Franzosen gegenüber von ungewöhnlicher Entschlossenheit; General Kitchener besetzte Faschoda, das früher zum egyptischen Sudan gehört hatte, am 24. September ebenfalls mit einer starken Truppenmacht. Da die englische Regierung der französischen gegenüber mit Krieg drohte, falls Frankretch auf der Besetzung Faschodas bestehe, so mußte sich Frankreich zu der Demuthigung der bedingungslosen Räumung Faschoda? verstehen, die von der französischen Regierung am 4. November beschlossen und im Dezember bewerkstelligt wurde.

König Menelik von Abessynien durfte sich nach seinem Siege über die Italiener als einer der vielumworbensten Monarchen der Welt betrachten; England, Italien, Frarckreich und Rußland buhlten um die Wette um seine Gunst, die er geschickt so zu ver- theilen verstand, daß er anscheinend alle zufriedenstellte und doch selbständiger Beherrscher AbcssynienS blieb. Mit England schloß er am 14. Februar einen Vertrag ab, der ihm einen kleinen Zu­wachs von Gebiet verschaffte. Im November kam die Kunde nach Europa, daß sich Menelik auf einem Kriegszuge gegen den auf­sässigen Ras Mangascha befinde; doch soll es zu einer Versöhnung beißet gekommen sein.

Von Uganda aus unternahmen die Engländer, gleichzeitig mit dem Vorrücken Kitcheners von Norden her, im Herbste einen Vorstoß nach Wadelai, der früheren Provinz Emin Paschas,

— Grschichtvkalendrr. 6. Januar. 1895: ff Gustav Graf zu Berlin. Bekannter Maler. („Märchen" u. A.) (* 14. Dez. 1821 zu Königsberg.) 1875: ff Friedrich Wilhelm, der letzte Kurfürst “ ‘ ’' '' * -----:u Offensive an

Artzeigen-PreiSr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

«3. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis durch den Verlag SO Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. öb Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

— Airs drm Magistrat. Das von der Süddeutschen Eisenbahngesellschaft dem Magistrat vorgelegte Projekt für eine elektrische Straßenbahnlinie von den Bahnhöfen über die Rheinstraße, Bismarck-Ring und Weißenburgstraße hinauf nach den Eichen (Anschluß an die Walkmühllinie) ist der Baudeputation zur Prüfung der bautechnischen Fragen überwiesen toorben und geht hierauf zur Verbindung mit dem noch abzuschließenden Hauptvertrag an die Straßenbahn-Kommission. — Ein vom Znnungsansschuß eingereichtes Gesuch, behufs Aenderungen im Submissions-Verfahren, wird ebenfalls derBandeputation zur näheren Prüfung üherwiesen. — Der von der gemischten Kom­mission zur Vorbereitun" des Kurhaus-Neubaues aus­gearbeitete Bericht soll vervielfältigt und mit einer Skizze sowohl den Mitgliedern des Magistrats als auch den Stadt­verordneten behufs näherer Information zugestellt werden. Der Bericht beantragt: 1. das neue Kurhaus aus sanitären, praktischen und ästhetischen Gründen hinter das jetzige Kurhaus zu stellen, und zwar in einer solchen Entfernung, daß man das alte für die Bauzeit als Provisorium benützen könne; 2. hiermit sämmtliche diesbezüglichen Eingaben für erledigt zu erklären.

— In»» Kry'l-Denttmitt hatSe.König!.Hoheit der Groß- Herzog Adolph von Luxemburg einen Vertrag von IMMk. gestiftet'und denselben durch die Großherzogliche Finanzkammer in Biebrich dem Schriftführer des Denkmal-Comites, Herrn Joseph Hupseldt hier, überweisen lassen.

— Nochmals Zismarstrs „Rheinfall". Ein Leser unseres Blattes schreibt uns: „Die Anetoote von Bismarcks »Rheinfall" ist zwar keine weltbewegende Begebenheit gewesen, da aber hier eben Jntcreffe dafür vorhanden zu sein scheint, so will ich sie Ihnen erzählen, wie ich sie öfter von meinem Vater vernommen habe. Es innß wohl im Sommer oder Herbst 1833 gewesen fein, da kam zu meinem Vater, welcher damals ein ganz junger Lieutenant war, der sogenannte „Kadettevadder" und sagte zn ihm: „M., ich mache morgen mit meinen Kadetten einen Marsch durch das Rhcingan nach Rüdesheiin, gehen Sie vielleicht mit?" Dazu war mein Vater bereit, und man marfdjirte am folgenden Morgen über Hallgarten, Johannisberg nach Riidesheim, wo bei dem „alte "Sahl" ein etwas verspätetes Mittagessen eingenommen wurde. Nach demselben zerstreuten sich die Kadetten am Rhein und nur mein Vater war allein im Zimmer zurück­geblieben, als sich der „alte Sahl" mit einem Schoppen­fläschchen zu ihm, den er wohl kannte und leiden mochte, gesellte mit den Worten: „Herr Lieutenant, hier bringe ich ein Schöppchen von unserem 32er, derselbe ist so vorzüglich ausgefallen, daß wir ihn jetzt einmal in aller Andacht probiren wollen." Gesagt, gethan. Während die Beiden langsam an ihren Gläsern nippten, kani bet „Kadettevadder" wieder herein und fragte: „Ja, was macht Ihr zwei denn da?" „Wir probiren 32er.“ „Dann laßt ihn mich auch einmal schmecken!" So bekam auch er sein Glas und trank mit. Wenn aber drei Mann an einem Schöppchen trinken, und sie thun es noch so andächtig, dann ist der Wein bald zu Ende. Drum sagte bald der „Kadettevadder": „Herr Sahl, drei Mann und so ein Schöppchen! Ich bitt’ Sie, holen Sie uns noch eins." „Nein, meine Herren! Das kann ich nicht, so einen Wein habe ich nicht mehr im Keller und womit soll ich nachfnllen, wenn wir den Wein jetzt trinken!" Der „Kadettevadder" ließ aber nicht locker, bis Herr Sahl noch ein Schöppchen holte, aus dem dann noch eine Flasche wurde. Darüber kamen bann auch noch einige Kadetten dazu, sodaß eine geinüthliche Tafelrunde um den 32er zusammensaß. Nach einiger Zeit betrat ein junger Wanderet das Zimmer, sah sich die luftige Gesellschaft an, trat an den Tisch

Ä für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittag«, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittag«. - Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

Nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Bei den am 25. August beendeten Wahlen zum Kap-Parlamente trugen die letzteren den Sieg davon, sie brachten es auf 40, die Gegner auf 39 Abgeordnete. Infolge dieses Wahlausfalles wurde auch ein Mitglied des Afrikanderbonds, Schreiner, Ministerpräsident.

Dieser Sieg des holländischen Elementes hatte ferner auch eine Besserung der Beziehungen der Kapkolonie mit den beiden süd­afrikanischen Burenfreistäaten im Gefolge. In dem größeren dieser, dem Tr anSva al-Freistaate, war am 8. Februar der staatskluge alte Präsident Paul Krüger auf fünf Jahre wiedergewählt worden. Ein im Oktober ausgebrochener Aufstand der Kaffern unter Mpefu wurde im Dezember unterdrückt.

In Deutschsüdwestafrika machte die Besiedelung der Kolonie durch deutsche Kolonisten gute Fortschritte. Durch den bevorstehenden Ban eines Hafens in Swakopniund wird wohl die Kolonie von der Benutzung des englischen Hafens in der Walfisch­bai befreit werden. Die Eingeborenen verhielten sich ziemlich ruhig; ein Ende Februar aufgeflackerter Aufstand im ©üben ber Kolonie wurde rasch unterdrückt.

Im Kongostaat konnte am 10. Juli die fertiggestellte Kongo- Eisenbahn dem Verkehr übergeben werden. Die Ruhe im Innern wurde nicht wesentlich gestört.

In Senegambien erlebten die Franzosen die Genugthuung, daß ihr alter, gefährlicher Widersacher Samory Anfangs Oktober geschlagen und gefangen wurde.

Australien.

Die feit Jahren schon angestrebte Vereinigung der englischen Kronländer Neuhollands zu einem Staatenbund ist noch immer nicht zur Vollendung gediehen. Zwar trat am 20. Januar zu Melbourne eine Konferenz zur Berathung einer Verfassung zusammen: doch gelangte sie nicht zum Ziel, da sich Nensüdwales von der Konferenz fernhielt. Von letzterem Staat wurden indeß im Dezember die Einigungsbestrebungen wieder aufgenommen.

Die Sandwich-Jnsein waren der Gegenstand eines am 28. Januar zwischen Japan und den Vereinigten Staaten von Nordamerika abgeschlossenen Vertrags, der den japanischen Ein­wanderern gleiche Rechte mit den amerikanischen znficherte. Während des spanisch-nordamerikanischen Kriegs wurde der amerikanischen Regierung der Werth der Inselgruppe als Flottenstützpunkt so greifbar vor Augen gerückt, daß sich das nordamerikanische Parlament entschloß, die von der Regierung der Inseln beantragte Ein­verleibung in die nordainerikanische Union zu genehmigen. Sie wurde denn auch int Juli vollzogen.

Auf den Samoa-Inseln herrschen noch immer höchst un- befriebigertbe Zustände, die durch den am 22. August erfolgten Tod des Königs Malitoa noch mehr verwirrt wurden. Uebcr die Person eines Nachfolgers sind sich die Vertragsmächte noch nicht schlüssig geworden. . „ ,

Ans Stadl und Kand.

Wiesbaden, 6. Januar.