Seite 2. 6. Januar ISS9. Wiesbadener Ta^blatt (Abend Ausgabe). Verlag: Langgasse 27. 47. Jahrgang. Nv. 10.
zögeruna der Bestätigung vorliege. Wie das „Berl. Tagcbl." berichtet, hat sich Bürgermeister Kirschner selbst Beamten gegenüber geäußert, daß die Ursache der Verzögerung seiner Bestätigung wohl in dcni Magistratsbeschluffe übet, die Märzgefallenen zu suchen sei. Das Blatt fügt hinzu, es gehe auch das Gerücht, Kirschner beabsichtige, im Fäll seiner Nichts,estätigung au? dem städtischen Dienste anszuscheidcn und in das Direktorium eines großen industriellen Unternehmens einzutretcu. Wenn das richtig fein sollte, so wurde dieser Vorgang geradezu typisch für die Entwickelung der inneren Zustände fern. Man denke nur, wie jener Beschluß zu Stande gekommen ist. Der Magistrat hat Alles abgelehnt, was als Ehrung der Märzgefallenen ausgefaßt werden könnte, er hat sogar die Aufstellung eines einfachen Denksteines abgelchnt, und sein Beschluß ging lediglich dahin, den Beerdiaungsplatz „in einen bei den Berliner Friedhöfen üblichen Zustand zu versetzen und zu diesem Behufe 1. die Umwehrung, soweit erforderlich, zu berbeffern, 2. ein Eingangsportal nut schmiedeeisernen Thoren herzurichten, 3. den innerhalb des Friedhofes befindlichen UmgaugSweg eventuell mit einem sogenannten Thiergartengitter oder einer Granitschwelle zum Schutze der Hügel bei starkem Besuch einzufaffen, 4. den Stacheldraht und die ihn tragenden rohen Holzpfähle von den Hügeln zu entfernen". Das Ganze erheischt einen Kostenaufwand von nur 6500 Mk. Selbst dieser Beschluß, welcher den Märzgefallenen des Jahres 1848 nur das geben will, was die Pietät allen Todten gewährt, ist der Reaktion zu viel gewesen. Das Berliner Polizeipräsidium hat bis heute noch nicht, obwohl bereits mehr als ein halbes Jahr verflossen ist, der städtischen Bandeputation die Bauerlaubniß zur Umwehrung des Friedhofs mit einem eisernen Gitter und Ersatz bet Eingangspforte durch ein steinernes Portal gegeben, und nun soll daraus sogar Anstoß an der Bestätigung des Oberbürgermeisters hergeleitet werden. Das wäre recht bezeichnend dafür, was heutzutage Alles in Preußen möglich ist.
* preussische Eentral-Genossenschaftsiiasse. Wie einige Blätter berichteten, hat Ende Dezember die Preußische Central- Genossenschaftskasse bei der Reichsbank gegen Depomrung von Papieren größere Summen entnommen, die sie mit 7 b. H. verzinsen muß, während sie angeblich ihren Schuldern nur 4 b. H. berechne. Die letztere Angabe ist, nach der „Franks. Ztg.", nicht zutreffend. Die Central-Genoffenschaftskasse habe von ihren Geldern einen bestimmten Theil für die Genossenschasts- berbände gegen eine Verzinsung von 4 b. H. referbirt. Die übrigen Ausleihungen geschehen zum Tageszins, und wenn sie bon der Reichsbank tägliches Geld zu 7 v. H. entnommen habe, so sei anzunehmen, daß fit auch ihren Kunden einen entsprechenden Zinslatz anrechne. Gegen die Geschäftsführung der Kasse würde es an sich nichts beweisen, wenn sie um den Jahres- wechfel einmal genöthigt ist, auf bielleicht nur ein paar Tage größere Werthe gegen einen Jahreszins bon 7 b. H. zu lombardiren. Jedenfalls hat nach der Rlittheilnng der „Franks. Ztg." — wie sich bon vornherein annehmen ließ — die Kasse keinen Verlust von 3 v. H. für eine nennenswerthe Zeit zu tragen.
* Zur Impffrage. Gemäß dem Bnndesrathsbeschlusfe vom 16. Juni 1897 hat das Reichsamt des Innern eine Kommission von Sachverständigen zur Prüfung der Frage niedergesetzt, ob eine Revision oder Ergänzung der zum Vollzüge des Jnipfaesetzes ergangenen Ausführunasbestimmungen nothwendig sei. Nach einer Mittheilung der „Süddeutschen Reichs-Korrespondenz" hat die Kommission folgende Ergänzungs- resp. Abänderungsvorschläge dem Reichsamt des Innern unterbreitet: „Es soll insbesondere eine Erhöhung des Schutzes gegen schädliche Nebenwirkungen der Impfung herbeigeführt werden. Als dringend erwünscht hat es die Kommisfton bezeichnet, daß zu den Impfungen im Inland ausschließlich Lymphe aus staatlichen Anstalten bertoenbei wird. Andererseits wurde anerkannt, daß es eine Härte wäre, wenn die privaten Jmpfinstitute aufgehoben würden. Es wurde allerseits als empfehlenswerth erachtet, diese Institute zwar bestehen zu kaffen, aber bezüglich ihrer Einrichtungen und ihres Betriebes den gleichen Bedingungen zu unterwerfen, welche in Zukunft bon den staatlichen Anstalten zu erfüllen sind. In der Kommission ist ferner darauf hingewiesen worden, daß die Bestimmung zum Vollzüge des Jmpf- gefetzes, wonach eine regelmäßige technische Ueberwachung sowohl der öffentlichen als auch der pribaten Jmpfinstitute erfolgen fall, bisher nur in beschränktem Umfange eingehalten worden sei. Als unumgänglich nothwendig wurde allerseits bezeichnet, daß diese Bestimmung thunlichst bald und wirksam durch Anordnung regelmäßiger, von Medizinalbeamten vorzuuehmender Revision der in Betracht kommenden Anstalten zur Ausführung gebracht werde. Nachträglich sind von Mitgliedern bet Kommission noch zwei Zusätze zu dem Entwurf von Verhaltungsvorschriften für die Angehörigen der Erstimpflinge befürwortet worden. Der eine dieser Zusätze, durch welchen ausgesprochen wird, daß die erfolgreiche Erstimpfung deutlich sichtbare Narben hinterläßt, bezweckt, Täuschungen durch Scheiniinpfungen vorzubeugen. Durch den anderen Zusatz soll der Schutz der Impflinge gegen Wundinfektionskrankheiten erhöht werden. Da nämlich beobachtet worden ist, daß bisweilen Erreger von rofenartigen Entzündungen, Wundvereitemngen und Hautkrankheiten in den Schnittstellen des Impflings aus seiner Umgebung übertragen werden, sollen die Angehdrigen der Impflinge durch einen besonderen Hinweis auf diese Gefahr aufmerksam gemacht werden. Die Kommissions-Mitglieder, welche nachträglich um ihre Anf- Sung befragt worden sind, haben in ihrer großen Mehrheit en Anregungen zugestimmt. Der Bunbesrath wird nunmehr über die Beschlüsse der Sachberständigen-Kommisfion zu befinden haben. Unseres Dafürhaltens können Rücksichten, wie sie hier zu Tage treten, — gar nicht in Betracht kommen. Vielmehr hat das Reich die Pflicht, für die möglichst einwandfreie Ausführung des Jrnpfgefetzes dadurch zu sorgen, daß öffentliche Lymphbereitungs-
anstalten in genügender Ausdehnung geschaffen werden, um den Bedarf bon absolut keimfreier Lymphe zu decken. Diese Lymphe müßte allen Aerzten unentgeltlich zur Verfügung gestellt werben.
* Urb er die Ergebnisse der Viehzählung bom 1. Dezember 1897 im preußischen Staate liegt nunmehr in einem bom königl. statistischen Büreau in Berlin bcrauSgegebencn Heft bet ausführliche Bericht bot. Danach betrug die Gesammtzahl der Pferbe: 2,808,419 (1892 : 2,653,661), ber Rinder: 10,552,672 (1892: 9,871,521), der Schafe: 7,859,096 (1892: 10,109,594), der Schweine: 9,390,231 (1892 : 7,725,601), der Ziegen: 2,164,425 (1892:1,964,130). Hiernach zeigt sich für das Jahr 1897, außer bei den Schafen, wieder ein namhafter Fortschritt. Er beträgt für die Schweine über ein Fünftel, für die Ziegen über ein Zehntel, für die Rinder fast ein Vierzehnte!, für die Pferde ein Siebzehntel der fünf Jahre vorher ermittelten Gesammtzahl. 9iur die Schafe weisen abermals einen Rückgang um reichlich ein Fünftel auf, was mit ber veränderten Wirlhschaftsweise zusammen- häugt. Mit der Zunahme der Bevölkerung hält die Zunahme des Viehstandes nicht gleichen Schritt, woraus bei dem Abschneiden ber Einfuhr uothwendiger Weise die Vieh- und Fleischnoth refultirt. 1897 wurde zum ersten Mal das Federvieh mitgezählt; es betrug die Gesammtzahl ber Gänse: 3,786,172, ber Enten: 1,565,499, ber Hühner: 31,121,531. Diese Zahlen ftnb geradezu überraschend niedrig. Es beweist das, daß unsere Landwirthe über die Einfuhr wohl klagen, aber den Markt nicht aus eigener Kraft versorgen können. In den geringen Zahlen des Feberviehbestaiides drückt sich die Gleichgültigkeit der Landwirthe gegen diesen nicht un- lohnenden Betriebszweig ans
* Unndscharr im Reiche. Der Prozeß des Oberförsters Lange gegen Fürst Bismarck ist setzt endgültig,entschieden.. Es werden, vorbehaltlich ber von ben Erben des verstorbenen Fürsten noch zu leisteuden Eibe, bie Ansprüche beS Klägers Lange in der Hauptsache zurückgewiesen. — Nach ber ^Augsburger Wenbzeitung" hat ber Kriegsminister bas Verbot des Beitritts der Offiziere zum Verband für Wahrung ber Interessen ber bayrischen Radfahrer aufgehoben. — In Braunschweig hat der Landtag mit einer an Einstimmigkeit grenzenbeu Mehrheit beschlossen, ber Regierung eine Pesition bes Vereins für Feuerbestattung in Braunschweig wegen Zulassung ber fakultativen Feuerbestattung zur Berücksichtigung zu überweisen.
Ausland.
* Oesterreich Ungarn. Im ungarischen Abgeorbneten- h au sc herrscht tiouftdiibtge Obstruktion. Es würben bisher nicht weniger als 12 namentliche Abstimmungen vorgenommen. — Aus Budapest, 5. Januar, wirb gemeldet: Die Kompromiß-Verhandlungen können als gescheitert betrachtet, werden. Die Meldung ber „Neuen Freien Presse" von einer bevorstehenben Demission bes Ministerpräsidenten Baron Banffy und seiner Ersetzung durch Fejervary wird von letzterem kategorisch dementirt. Finanzminister Lukacs ist nach Wien gereist, um dem Kaiser über das scheitern der Kompromißverhandlungen Bericht zu erstatten.
* Frankreich. In recht packender Weise stellt Maxime Setpeille im „Velo" einen Vergleich zwischen ber Wittwe Henrys und derjenigen des großen Geschichtsforschers Fustel de Coulanges an. Indes; für die Wittwe des Urhebers einer historisch gewordenen Fälschung innerhalb weniger Tage über 120,000 Francs gesammelt wurden, erhielt die Wittwe des Gelehrten, ber sein Leben laug die Geschichte von Fälschungen gesäubert hat, nur mit Mühe und Noth ben Prix Gobert, 10,000 Francs. Die Professoren, bie sich an ber Subskription Henry bctheiligt haben, können also ihren Schülern erklären, warum es vortheilhaster ist, Fälschungen zu begehen, als solche zu beseitigen.
* Philippinen, Professor Blumentritt veröffentlicht im „Neuen Wiener Tagblatt" Mittheilungen, welche ihm von einem Mediziner, der zu den Freunden AgmnaldoL gehört, zugehen. Danach will der letztere wegen ber Freigabe ber gefangenen Spanier, welche 11,000 Soldaten, 2 Generale, 440 Offiziere und 1900 Civil- personen umfassen, nur direkt mit Spanien verhandeln. Die Freigabe dieser Gefangenen soll nur erfolgen, wenn als Gegenleistung alle von den Spaniern gefangen gehaltenen Philippiner bie Freiheit erhalten unb die gegenseitigen Verpflegungskosten verrechnet unb ersetzt werden. Wegen Freigabe der gefangenen Mönche, welche Aguinaldo nicht als Spanier anerkennt, will derselbe nur mit dem Papst verhandeln, und zwar müsse bet letztere vorher alle zu Gunsten der Mönche bisher erlaßenen Bullen widerrufen und tn Zukunft die Bischöfe aus dem weltlichen Klerus entnehmen.
Ans Kunst und Kcden.
* Konzert. Es wirb uns geschrieben: Die Konzertsängerin Camilla Heuß, welche in ersten Konzertsälen Berlins unb anber- »rts mit außerordentlichen Erfolgen fang unb sich auch hier in einem Konzert der vorigen Saison durch ihre vortrefflichen Stimmmittel unb schöne Vortragsweise ben wärmsten Beifall ber Zuhörer errang, giebt am Montag, den 9. Januar, int großen Saale des Kasino ein Konzert. Sie wird die Arie der Anna aus „Wilhelm von Oranten", sowie Lieder von Spohr, Rubinstim, Gricg, Robert Sranz, Reinecke, Heuß u. A. zum Vortrag bringen. Als nftrumentalift wirkt Herr Musikdirektor Richard Hacrtel mit, welcher Mendelssohns Violinkonzert, Cavatine von Seibert und Perpetuum mobile von Ries spielt. Kartkn sind in den Musikalienhandlungen zu haben.
* Nerschiedeire Witthrflimgen. Der berühmte französische Sänger Las al le von der großen Oper in Paris, bet in Frankfurt an zwei Abenden zur heißen Jahreszeit gastirt hat, totrb
Zum Glück brauchen wir die letzte Jahresrcvue nicht völlig grämlich zu schließen. Es gab doch einige Lichtblicke. Eine ganz allerliebste Miniature ist die neue Operelle des Metropol-Theaters „Die kleinen Mich ns" von Messager. Ein drolliger Stoff, an komischen Wirkungen reich.
Ein Marquis hat bei Ausbruch der Revolution, bevor er flüchtete, sein neugeborenes Töchterchen dem braven Krämer Mich» anvertraut.
Mich» war aber zur gleichen Zeit von seiner t(feuern Ehehälfte mit einem kleinen Fräulein beglückt worden. Wie es sich bei ber Operette und bei der biederen Tappigkeit des alten ehrlichen Michu fast von selbst versteht, verwechselt er die beiden Mägdelein, und Niemand weiß nun mehr, wer die kleine Mich», wer die Marquisentochter ist. Die lustigen Folgerungen und Situationen, die sich daraus ergeben, sind völlig ausgenutzt, und das Ganze ist von einer entzückenden graziösen Musik umspielt, die in ihrer Anmuth und ihrem Esprit fast einen neuen Operetteu-Frühling zu versprechen scheint.
Auch das andere Werk, das Beachtung verdient, gehört der Musik an und ist gleichfalls aus'dem Revolutionsmilieu, „Andrs Chonier", Oper von Umberto Giordano (Theater des Westens). Giordano ist jungitalienischer Verist, seine „Mala vita“ sahen wir vor Jahren mit Gemma Bellincioni in Berlin. Die Vorliebe für grelle Stoffe ist ihm auch in diesem historischen Musikdrama treu geblieben. Mit den stärksten Mitteln wird gearbeitet, die Bilder der Zeit werden so bunt als möglich kolorirt.
Zuerst eine Schloßscene in Apres nous le delnge- Stimmung. Tanzen auf dem Vulkan. Als Schluß der Knalleffekt, daß der Diener Görard eine Schaar elender Hungerleider triumphirend in den Salon schleppt, sich als
sich als Dioskuren in den Personen des Stückes, zwei Schwank-Eompagnons, von denen der eine die Logik habens soll — so wird wenigstens versichert, — der andere den Witz. Logik und Witz separiren sich, um sich schließlich reuevoll wieder zu einander zu finden zu löblichem Thun. Nun möchte man nur noch wissen, wer von den beiden wirklichen Autoren Walter und Stein die Logik hat und wer den Witz? Doch wer wagt, es zu ergründen? Auch bessere Menschen zeigen fich au diesen Fest- und Feiertagen schwach, so Herr Carlolt Gottfried Neuling, den man, wenn man es mit ihm gut meint, den Dichter des „Manns im Schatten" nennt. Das ist freilich lange her und aus dem Schatten ist nicht viel entsprossen.
Die letzte Schattenfrucht hieß der „Bunte Schleierund war, dem Zug der Zeit folgend, ein Märchenstück, (berliner Theater.)
Das Genre dieses Märchenstücks ist Vorstadt und die Geschmackspertode Anno dazumal. In einem Vorspiel läßt Neuling die gute Fee und den bösen Geist einen von Alters her beliebten Wettstreit um eine Menschenseele entrireu. Die Menscheuserle ist in diesem Fall eine Malerseele. Im Stück selbst verkörpert sich nun die gute Fee in ein braves Mädchen und das böse Prinzip in einen gerissenen Kunsthändler. Diese Metamorphose ist die beste Pointe des Abends.
Im Widerstreit der feindlichen Mächte siegt Kunsthändler und böses Prinzip. Der Maler Robert wird seiner Idee lax und seiner Jugendliebe untreu, bis er endlich seine Irrung büßt.
Dies Märchenstück Ist sehr, sehr Flickwerk, es sollte wohl Raimundisch sein in seiner Mischung aus Menschenleben unb Geistermächte, doch hat es davon keinen Hauch verspürt.
nächste Woche neuerdings im Frankfurter Opernhause an zwei Abenden auftreten. Alles Nähere wird demnächst mitgetheilt werden.
Das Programm der diesjährigen Festspiele der hiesigen Kgl. Bühne buffte umfassen: „Der Burggraf", Eisenzahn" (das neue Hoheitzollernsttick von Lauff), „Der Riim des Nibelungen"; hieran^ werden sich andere Vorstellungen, u. A. „Undine" in ihrer neuen, glänzenden Ausstattung, auschließen. Das Kaiserpaar wird zu den Festspielen hier eintreffen.
Aus Stadt und Zand.
Wiesbaden, 6. Januar.
— Perlonal-Unchrichterr. Die Wahl des zweiten Bürgermeisters Pal teste in Stolp i. P. zttm Bürgermeister ber Stabt Höchst a. M. für die gesetzliche Amtsdauer von 12 Jahren ist Allerhöchst bestätigt worben. — Dem Seminarlehrer a. D. Stiel zu Montabaur ist bet Königliche Kronetwrben vierter Klasse ver- liehett worben.
— Gl>e»Präsident Magdeburg hat sich mit folgenbem Erlaß von der Provinz Hessen-Nassau verabschiedet: „Mtt dem heutigen Tage scheide ich aus meinem bisherigen Wirkungskreise und jage den Bewohnern meiner Heimath-Ptovinz Hessen-Nassau ein herzliches Lebewohl, den Behörden und Beamten für ihre bereitwillige Mitwirkung meinen aufrichtigen Dank. Ich scheide mit den herzlichen Wünschen für das Wohl ber Provinz. Kassel, ben 4. Januar 1899. Der Chef-Präsibent ber Ober-Nechnungskammer. Magbeburg."
— Kurhaus. Wit machen barattf aufmerksam, daß ber Termin für bie Abonnenien bes Kurhauses, d. h. bie Inhaber von Abonnementskarten, Fremben-Jahrcskarten und Saisonkarten, zur Lösung von Eintrittskarten zum ermäßigten Preis von 2 Mk. zum morgigen ersten großen Kurhaus-Maskenball um 5 Uhr morgen Nachmittag abläuft; von ba ab beträgt ber Eintrittspreis ohne Unterschied 4 Mk. für bie Person. Wie wir schon erwähnten, sprechen alle Anzeichen dafür, daß dieses erste Maskenfest ber Kurverwaltung sehr zahlreich besucht werben wird. Das Nachmittags-Konzert fällt an ben Maskenball-Tagen ans. — Die Nachricht, daß die Kurverwaltung für das am nächsten Sreitag stattfindeudc achte Cyklus-Konzert unser früheres ühnenmitglied, den jetzigen Helbeutenor der Wiener Hosoper, Herrn Erik Schmedes, gewonnen hat, erregt in den hiesigen musik- Itebenben Kreisen allgemeine Befriedigung. Ein volles Haus dürfte nicht ausbleiben, wozu auch bie Mitwirkung unserer gefeierten einheimischen Sängerin Frau Zerlett-Olsenius bas ihrige beitragen wird.
gs. Residenz - Theater. Um den vielfachen Wünschen, besonders auswärtiger Besucher, des Residenz-Theaters entgegen zu kommen, hat sich bie Direktion doch noch entschlossen, „Das Erbe" am Sonntag Nachmittag in Scene gehen zu lassen. Auch in dieser Vorstellung spielt Herr Dr. Rauch ben Gchcimrath Sartorius. Abends gelangt der Jacobyschc Schwank: „Die Sünden der Väter", welcher fich immer mehr Freunde erwirbt, zur dritten Aufführung. 8liu Montag erscheint „Oberst Pemperton" wieder auf dem. Spiel- plan. Am Mittwoch findet zum Benefize eines ber verdienstvollsten Mitglieder, des Frl. SophieSchenk, A.LÄrronges beliebtes Lustspiel: „Der Weg zum Herzen" statt. Herr Dr. Rauch hat in bekannter Liebenswürdigkeit der beliebten Darstellerin in Anerkennung für ihren stets gezeigten Fleiß und ernstes Streben dasselbe bewilligt.
— Gemeinsame Grtvdranlienliassc. In seiner gestrigen Sitzung wählte ber Kassenvorstcmb ber Gemeinsamen Ortskranken- kaffe die Herren Arbeitgeber-Vertreter Kaufmann I. C. Kei per zu feinem ersten und Kassenmitglieber-Vertreter Buchbrucker Friedrich Günster zu seinem zweiten Vorsitzenden. Außerdem wurden zu den im Vorstand bestehenden Kommissionen die erforderlichen Ergänzungswahlen vorgenommen, über bereu Ergebniß unb Zweck demnächst berichtet werden wird. Die bon der ersten ordentlichen Generalversammlung eingesetzte Kommission zur Ausarbeitung von Vorschlägen über Abänderung dcSKlaffensystems, sowie Einführung sonstiger Reformen wird im Laufe nächster Woche ihre Verhandlungen aufnehmen.
— Verein für Ilaknrftundr. In der Sitzung des „Vereins für Naturkunde" sprach gestern Abend Herr Dr. Grünhut über Die moderne Dampfmaschine". Redner ging im Anschluß an feine früheren Vorträge davon aus, daß alle Naturkräfle nur llnterfonuen des Begriffs „Energie" bildeten. Jede bestimmte Energieform vet- möge in eine andere überzugehen, unb eine ber wichtigsten biefer Energieumwandlnngen fei bteienige von Wärme in Bewegung. Sie werde praktisch angewendet bei der Dampfmaschine. Die letztere wurde bekanntlich von Watt erfunden. Ihre wichtigsten Hauptthelle seien der Cylinder, der Kolben mit ber Kolbenstange unb bet Schieber, deren Wirkung Redner an der Tafel eingehend demonstrirte. So wurde zunächst die Volldruckmaschine beschrieben, bei welcher bie Vorwärtsbewegung des Kolbens im Cylinder von Anfang bis zu Ende durch den vollen, ungeschmälerten Druck des gespannten Wasserdampfes bewerkstelligt wird. Anschließend hieran stellte Redner zwei Berechnungen an, die klar nachwiesen, welche Arbeit eine solche Wattsche Dampfmaschine leisten könne und wie viel Dampf sie verbrauche. Unter Zuhiilfenahme bet von Robert Mayer entdeckten Beziehungen zwischen ber Wärmeeinheit (Calorie) unb ihrem Acquivalcnt an mechanischer Arbeit konnte bann weiter berechnet werden, wieviel von der zurDampferzengungnöthigenWärme inForMvon mechanischer Arbeit bei der Dampfmaschme ausgenutzt wird. Es ergab das Resultat, daß bei dein borge?irrten Rechnungsbeispiele z. B. mit 127 Unionen (gleich 716 Pferdestärken) in der Sekunde nur ein Effekt von 42 Pferdestärken erzielt werde. Es gehen also bei einer wichen Waiischen Maschine mehr als 94 pCt. verloren. Die Techniker waten deshalb eifrigst beftrebt, Maschinen zu konsttuiten, die besser arbeiten. Es wurden hierzu zivci Pnuzipien angewendet.
den Richter der Gesellschaft proklamirt und der Herrschaft das Zeichen seiner Dienstbarkeit, den Livreefrack, vor die Füße wirft.
Die nächsten Scencn spielen am Herd der Nevolution. Görard ist einer ihrer Führer geworden. Ihm steht feindlich der Dichter Andro Eho'nier gegenüber. Beide sind außerdem Rivalen in der Liebe zu der aus dem Schloß des erste» Bildes vertriebenen Comtesse Madclaine.
Allerlei breit ausgetuschteu Kulturgenrestücken wird Raum gegeben. .Jucroyables" und „Merveilleusen", die Stutzer und-die galanten Damen der tollen Zeit, erscheinen in ihren grotesken Kostümen. Das ganze Treiben wird charakteristisch illustrirt bis ins Kleinste, bis auf den von mageren Kleppern gezogenen Gnillotinekarren, auf dem schließlich Andre Che'nier mit Madelaiue die letzte Fahrt machen.
Für den verfeinerten Geschmack ist das wohl Alles in seiner bewußten Aufdringlichkeit nichts, aber anerkannt muß doch werden, wie geschickt es gearbeitet ist, wie cffekivoll die Jnstrumenlalion wirkt. Dazu kam eine außerordentlich gelungene Regie und Jnscenirung, sodaß dies Revolutionsstück dem schwer besorgten Theater eine günstige Umwälzung bringen kann, die ihm Jeder von Herzen zum neuen Jahre wünscht.
Auch ein Gast ans der Fremde hat nnS zur Abwechselung 1898 noch beglückt, einer der vielen künstlerischen Zugvögel, die Berlin streife» und die immer gewiß sind, ihr Publikum zu finden, Mme. Jane Hading aus Paris.
Sie spielt Duse-Rollcn: Camcliendame vor allen; Frou- Frou, Adrienne Lecouvreux.
Sie ist verführerisch schön, hat wunderbare Kostüme und — sie kann sogar spielen. Ist das nicht viel?
Spectator.
