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WiksbÄkim TsgM

«• Jahrgang.

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Verlag: Langgaffe 27.

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Ko. 3. Fernsprecher No. 52.

Dienstag, den 3. Januar.

Ferusprecher No. 52.

1899.

Margen-Ausgabe

tat

Frankreich

tagehcn Schwur

bereits am 31. Au,

einem Nafirmesser

Das Jahr 1898.

Italien

bot das ganze Jahr hindurch ein Bild innerer Zerklüftung, und die wechselvolle Entwicklung seiner Verhältnisse erbrachte zugleich wieder einmal den Beweis für die geschichtliche Thatsache, daß alle Mächte her Welt nicht ausreichen, um Recht und Wahrheit dauernd zu unter­drücken. Das Gespenst des wahrscheinlich unschuldig Verurtheilten auf der Teufelsinsel bildete das Wahrzeichen der dritten Republik im Jahre 1898. Am 11. Januar hatte das Kriegsgericht den der Fälschung des berüchtigten Bordereaus, auf Grund dessen man im Jahre 1894 den Hauptmann DreyfuS verurthcilt hatte, beschuldigten Major Walfln-Esterhazy frcigesprochen, und alle Feinde der Wahrheit, en ihrer Spitze die fanatischen, von Dnimont und Rochefort ge­führten Antisemiten, hatten darob rin Jubelgeschrei erhoben, ja sich an verschiedenen Orten Frankreichs und Algeriens zu judenfeind­lichen Unruhen hinreißen lassen. Da ttat am 14. Januar Emile Zola, der gefeierte Dichter und Schriftsteller, zu Gunsten Dieyfus' auf den Plan und schleuderte schwere Anklagen gegen die Richter des DreyfuS, den Äeneralstab und die gegenwärtigen Machthaber ins Volk hinein. Der gewaltige Eindruck, den Zolas Kundmachung hervorrief, zwang die Generalstabspartei, gegen ihn gerichtlich vor- Rrgehen. Vom 7. bis 23. März spielte sich nun vor dem Pariser Schwurgericht eine Prozeßkomödie ab, in der die Generalstäbler in pathetischer Weise die Schuld DreyfuS' bekundeten, Zola und seinem Vertheioiger Laoori eS aber unmöglich gemacht wurde, den Beweis für ehre unter Anklage gestellten Behauptungen zu erbringen. Doch gelang eS der geschickten Verthcidigung festzustellen, daß die Verurtheilung aus Grund geheimer, dem Angeklagten und seinem Vcrtheidiger nicht zugänglich gemachter Schriflsliicke erfolgt war. Der Prozeß endigte mit der Verurtheilung Zolas zu einem Jahre Gefänanitz und 3000 Franc» Geldbuße. Dieses Urtheil wurde aus formalen Gründen am 8. Mai vom Kassationshose, dem höchsten französischen Gerichte, aufgcfjoben. Bereits am nächsten Tage erhob daSvonZola angegriffene Kriegsgericht über Esterhazy Vcrleumduiws- klage gegen Zola. Mitten in diese Wirren hinein fielen am 15. Mai die Neuwahlen zur Kanimer, deren Hauptmerkmal eine glühe Menge von Stichwahlen war, die an der Zusammensetzung der Kammer indcß nicht viel änderten. Am 15. Juni, bald nach dem Zufammentritt des neugewählten Parlaments, wurde das Ministerium Möline, das schon über zwei Jahre, für ftanzösische Verhältnisse viel zu lange, die Regierung in Händen gehabt batte, gestürzt, und an seine Stelle trat am 27. Juni ein Kabinett, dessen Borfitz der radikale Parteiführer Brisson führte. Von dem Augen­blick an, wo dieser wegen seiner unbestechlichen GerechtigkeitSlrebe hochangesehene Politiker die Zügel der Regierung in die Hand nahm, begann eine unparteiische, nur nach Wahrheit juchende Behandlung der Dreyfus-Angelegenhert, die alsbald wieder in den Vordergrund des politischen Lebens trat. Hartnäckig und eigen finnig zwar wider­setzte sich der Kriegsminister Cavaignac der von den Dreyfusfreunden geforderten Revision des Prozesses, und am 7. Juli verkündigte er von der Kammertribüne herab seine felsenfeste Ueberzeuguna von der Schuld Dreyfus', die er durch Verlesung dreier Schriftstücke, darunter eines Briefes mit Nennung des Namens des angeblichen Verräthers, begründete. Diese Schriftstücke bezeichnete alsbald Oberst Picquart, der erste Vorkämpfer für die Unschuld Dreystls', als nach der Verurtheilung entstanden und gefälscht. Die Antwort darauf war die Verhaftung Picquarts. Am 18. Juli begann in Versailles der neue Zolaprozeß, den der Angeklagte und sein Vertheidiger unter Protest verließen, da wieder genau wie beim ersten Prozeß ver­fahren wurde. Das Urtheil, das wieder auf ein Jahr Gefängniß und 1000 Francs Geldbuße lautete, konnte bis heute noch nicht rechtskräftig werden, da sich Zola seiner Zustellung durch die Flucht ins Ausland entzog. Am 29. August ^entdeckte der Kriegsmimster Cavaignac, der in eine nochmalige Prüfung der Beweisstücke gegen Dreyfus einqetreten war, daß der eine Brief, der den Namen Dreyfus enthielt, von dem Oberstlieutenant Henry gefälscht worden war. Er lieg diesen, der sein Verbrechen eingestand, verhaften, und

" lauft schnitt sich der Fälscher im Gefängniffe mit „ den Hals ab. Der durch diese Enthüllung immer allgemeiner werdenden Ucbcrzeugung von der unrechtmäßigen Ver- urthciluna Dreyfus' verschloß sich mit einem Eigensinn, der einer besseren Sache würdig gewesen wäre, der Kriegsministcr Cavaignac noch immer, und diese seine Stellungnahme führte am 1. September zu seinem Rücktritt und seiner Ersetzung durch General Zur Linden, der sich mit der nun unvermeidlich gewordenen Revision einverstanden erklärte. Schon einige Tage später zeigte er sich indeß bereits als Gegner der Revision und machte dem General Chanoine Platz, der fich ebenfalls zuerst mit der Prozeßrevision einverstanden erklärte.

wurde im Mai von schweren Unruhen der Arbeiter- und Bauern­schaft. namentlich in den nördlichen Provinzen, heimgesucht, denen nm das Ministerium di Rudini in keiner Weise gewachsen zeigte. Die schon dadurch erschütterte Stellung des Kabinetts wurde nach dem am 27. Mai erfolgten Rücktritte des Ministers des Aeußern, Visconti di Venosta, so unhaltbar, daß di Rudini ebenfalls zurück­trat. Mit der Neubildung des Ministeriums betraut, brachte di Rudini zwar am 1. Juni eine aus Mitgliedern aller Parteien bestehendes Kabinett zu Stande, doch erwies sich dies als so wenig lebensfähig, daß di Rudini bereits am 17. Juni abermals die Leitung der Staatsgcschäfte niederlegte. Der frühere Kriegs- mtnister General Pelloux wurde darauf zur Bildung eines Kabinetts berufen, das sich noch jetzt am Ruder befindet. — In der An- aeleaenheit der bereits erwähnten internationalen Anarchisten­konserenz, die in Rom am 24. November zusammentrat und bis jum 21. Dezember tagte, hatte Italien die Führung übernommen. — Das bessere politische Verhältniß zu Frankreich führte im November zum Abschlüsse eines neuen Handelsvertrages mit der französischen Republik, der dem langjährigen wirthschastlichen Kriege ein Ende machte und für Italien günstige Bedingungen festsetzte. — Der Papst wurde durch die Palästinareise des deutschen Kaiser- paares vor eine schwierige Entscheidung gestellt. Während päpstlichcr- sefts der Schutz sämmtllcher in Kleinasien lebenden Katholiken der Regierung Frankreichs übertragen worden war, nahm Kaiser Wilhelm unzweideutig das Recht des Schutzes der deutschen Katho­liken für sich in Anspruch. Als der franzosenfreundliche Vatikan sich in dieser Frage auf den französischen Standpunkt stellte, ant­wortete darauf der Kaiser am 18. Oktober mit der Abberufung

icn Standpunkt stellte, ant- __________ ________, ____... —___— .loder mit der Abberufung Sines Gesandten am päpstlichen Stuhl, v. Bülow. Die deutschen atholiken haben sich übrigens in dieser Angelegenheit offen auf die Seite ihrer Regierung gestellt.

Am 17. September beschloß das Ministerium, an den Revisions- ausschuß die die Revision bedingenden drei Fragen zu stellen. Anr 22. September wurde Oberst Picquart durch einen letzten Schlag der Generalstabspartei auf längere Zeit unschädlich gemacht und unter der Anklage der Fälschung und der Verletzung des Amts- sieheimnisses aus dem Civilgefängniß in militärische Geheimüaft überführt. Am 24. September sprach sich der Revisionsausschuß mit 3 gegen 3 Stimmen gegen die Revision aus; trotzdem beschloß das Ministerium am 26. September, dem Kassationshof den Prozeß zur Revision zu unterbreiten. Die zwei Hauptmitschuldigen Henrys, die Majore Esterhazy und du Paty de Elam, waren im Laufe des Septembers auf kriegsgerichtlichem Wege aus der Armee entfernt worden; ersterer, von feinen früheren Gönnern verlassen und in Roth, bekannte offen, daß er auf Befehl das Bordereau gefälscht habe. Am 25. Oktober entpuppte auch der Krimsminister Chanoine feine tinterlist: vor der Kammer erklärte er offen seine Ueberzeugung von revfus' Schuld und seinen Rücktritt. Durch diese unerwartete Kundgebung kam am gleichen Tage das Ministerium Brisson zu Fall. Es wurde am 22. Oktober ersetzt durch ein Ministerium Charles Dupuys, desselben Ministerpräsidenten, unter dem im Jahre 1894 Drehfus verurtheilt worden war. Doch stellte sich Dupuy von vorn­herein auf den Standpunkt, daß dem Rechte fein Lauf gelassen werden und die Civilgewalt über der Militärgewalt stehen' müsse. Dieser Standpunkt erhielt auch dadurch Ausdruck, daß der Civilrft de Freycinet zum Kriegsminifter berufen wurde. Zum erstemnal befand fich nun die Dreyfusangelegenheit in den Händen un­parteiischer Richter, und am 29. Oktober beschloß der Kassatioiishos die Revision des Dreysusprozesses und die Veranstaltung einer er­gänzenden Untersuchung. Letztere beförderte geradezu erdrückendes Beweismaterial für die Unschuld Dreyfus' und die Schuld seiner Feinde zu Tage. Am 14. November erhielt der unglückliche Ge­fangene Kenntnitz von der entscheidenden Wendungfeines Schicksals. Während im Kassationshose die nun nicht niehr aufzuhaltcnde Revision des DreyfiiSprozesseS ihren Fortgang nahm, richtete sich der Haß der Generalstabspartei einzig gegen den Obersten Picquart, gegen den am 23. November auf Grund haltloser Verdächtigungen und gefälschter Beweise ein kriegsgerichtliches Verfahren wegen Fälschung eines gegen Esterhazy zeugenden Schriftstücks eingeleitet wurde. Dieses hinterlistige Gebühren der Militärpartei rief im ganzen Lande einen Sturm der Entrüstung und eine immer wachsende Bewegung zu Gunsten des unerschrockenen Offiziers hervor. Die auf den 12. Dezember angesetzte kriegsgerichtliche Verhandlung aegen Picquart mußte jedoch infolge Eingreifens des KaffationshofeS ausgesetzt werden. Einen Zwist zwischen der Regierung und dem Kastationshofe rief Mitte Dezember der in den Händen des Kriegs­ministers befindliche, erst nach der Verurtheilung DrevfuS' entstandene „geheime Dossier" hervor, zu dessen Herausgabe sich die Regierung nur unter der Bedingung strengster Geheimhaltung, auch vor der Verthcidigung, verstehen wollte.

Aus Stadt und §and.

Wiesbaden, 3. Januar.

d. Uom Januar. Das neue Jahr hat sich gut eingeführt: kurz nachdem es eingekehrt, schickte es gleich einen prächtigen Schnee­fall über die Mutter Erde, und wer nicht gerade vom Punschtrinken ober Froschknallen noch mehr begeistert war, der konnte sich über diese Erstlnigsgabe des neuen Jahres recht von Herzen freuen. Aber — wenn nur einmal das „aber" und „wem? nicht wäre! Ein paar Stunden später schon säuselte ein Landregen nieder, und der erste Tag des neuen Jahres war noch nicht zur Hälfte volleiidet und schon war das weiße Festkleid hin. Und biS zur Stunde regnet es noch, immer sinnig. Wenn es so fortgeht, wie bis jetzt (auch der letzte Winter war ja ein schlechter Schneemann), so kann man bald in die Chronik von Wiesbaden schreiben: ,Als es noch Winter mit Schnee gab." — Nun, was den Januar anlangt, so ist er nur bann gut genießbar, wenn er orbentlich kalt macht und nicht mit dem "Schnee geizt. Es kann gar nicht zu viel schneien in diesem Monat. Die Bauernregeln sagen: „Der Januar muß vor Kälte knacken, wenn die Ernte "aut soll sacken," — „Reichlicher Schnee im Januar, macht Dung fürs ganze Jahr,"—„Mel Schnee und Frost im Januar.versprechen ein reich gesegnetes Jahr," — „Wenn der Januar viel Regen bringt, werden die Gottesäcker gedüngt." Es ließen sich diesem Pröbchen leicht noch einige Dutzend bekannte Regeln zufügen; sie laufen aber alle auf eins hinaus: Kälte und Schnee darf der Januar in ziemlich ausgiebigem Maße bringen. Ohne Zweifel ist ein kalter schneereicher Januar der Natur sowohl als auch der Gesundheit des Menschen dienlicher, als etwa so ein Jammer­mann, dem ständig die Thränen über die Backen fließen. Aber auch dem Winter sollte fein Bestes: blankes Eis und weicher Schnee, nicht fehlen. Hoffen wirl Nach Falb wird fich der Januar wie folgt gestalten: Das erste Drittel charaktensirt sich durch ans- aebreitete und reiche Schneefälle bei nicht zu tiefer Temperatur. Die dritte Abtheilung zeichnet sich durch Schneefälle mit etwas geringerer Ausdehnung und Intensität bei sehr tiefer Temperatur aus, dagegen verläuft die kurze mittlere Periode ohne Niederschlag bei verhaltnißmäbig höherer Temperatur. — Man kann mit diesen Prognosen zufrieden fein. Vielleicht hat Falb mit seiner Voraussagung, die ihn im vergangenen Jahr manchmal im Stiche ließ, sich aber in den letzten Monaten noch leidlich bewährte, diesmal Glück.

— Die Ktadtverordnetrn sind auf Freitag, den 6. Januar l. I-, Nachmittags 4 Uhr, in den Bürgersaal des Rathhauses zur Sitzung eingelaben. Tagesordnung: 1. Zwei vom Bauausschuß geprüfte Fluchtlinien-Entwürse für a) den Theil der Dotzheimer- straße von der 2. Ringstraße bis zur Gemarkungsgrenze; b) eine von der verlängerten Parkstraße abzweigende Seitenstraße. 2. Die vom Finanzausschuß geprüften Vorlagen, betr. a) Verlängerung des Pachtvertrags über das Badehaus zur neuen Rose aus weitere 10 Jahre; b) den mit dem Wiesbadener Verein vom rotheu Kreuz ab- zuschließendcn neuen Vertrag über Stellung von Pfleacschwestern für das städtische Krankenhaus: c) Zahlung der Erbschaftssteuer auf die Demminsche Sammlung unter besonderen Bedingungen; d) Bewilligung eines einmaligen Beitrags zu den Kosten etne§ AusstchtsthurmeS auf dem Kellerskopf; e) zwei Ents'chädigungS - Ansprüche wegen Wasserschaden, verursacht durch Austritt des Salzbachs bei Gewitterregen. 3. Beschlußnahme über den Antrag des Stadtverordneten Professor Güth, die Mit- wirkungder Stadtverordneten-Versammlung bei der Zusammensetzung der Schuldeputation betr. 4. Antrag des Magistrats auf Ergänzung des Normalbesoldungsplanes für die ftäbt. Beamten und Bediensteten. 5. Neuwahl eines Armenpflegers für das 11. Quartier des vierten Armenbezirks. 6. Vorschläge des Wahlausschusses für die Wahl «ner Kommission zur Prüfung des mit der Süddeutschen Eisenbahn- Gesellschaft abzuschließenden neuen Verttags. 7. Wahl eines Vor­

sitzenden (Stadtverordneten-Vorstehers) und eines Schriftführers, sowie je eines Stellvertreters für diese auf die nächsten zwei Jahre (§ 41 der Städteordnung vom 4. August 1897).

— RcichshaUrn-Theater. Wiederum ist es der rührigen Direktion des Reichshallen-Theatcrs gelungen, dem Publikum eine Sehenswürdigkeit vorzuführen, die nicht nur dem Laien, fondern auch dem Mann der Wissenschaft räthselhaft sein muß und die selbst dem verwöhnten Publikum der Großstadt zu sehen selten sich Gelegenheit bietet. Kein Wunder daher, daß sie selbst in Berlin mehrere Monate hindurch zur Pilgerfahrt mehrerer Tausender Veranlaffung gab. Miß Scmona vom Stamme der Wambutti zeigt sich dem Publikum zuerst von lieblichen Schlangen zärtlich umringelt. Aber das ist schließlich nichts Neues und sieht man öfter, unglaublich aber ist es, daß Miß Semona von Eisenstangen, die vor dem Publikum in einem Kohlenbecken rothqlühend gemacht werden, ganze Stücke losbcißt; noch unerklärlicher ist, daß sie die rothglühenden Eisen- ftangen mit der Zunge beleckt. Daß hierbei eine Täuschung gänzlich ausgeschlossen ist, geht daraus hervor, daß diese Produktion bnett vor den Augen der Zuschauer borgefübrt wird. Ferner bestreicht Miß Semona mit diesen Stäben ihre Haut, ohne daß ihr dies den aöergcringfteu Eindruck zu machen scheint, einen um so größeren aber dein Publikum. Die einzige Erklärung, die sich für diese ans Wunderbare grenzenden Leistungen finden läßt, soll die fein, daß schon seit Jahrtausenden bei dem Negervolk der Wambutti ein Feuerkultus, der dem Gotte Lokari gewidmet, ge­bräuchlich ist. Wie wir hören, beabsichtigt die Direktion des Reichshallen-Theaters, am kommenden Mittwoch . Nachmittag eine Separat-Vorstellung für die Vertreter der Presse und Naturwissenschaften zu veranstalten, wie dies auch in Berlin vor Mitgliedern der Anthropologischen Gesellschaft geschah. Aber auch außer dieser Attraktion wird ein Programm diesmal geboten, das mit Recht den Namen Welt-Programm verdient. ES sind ausnahmslos Zugkräfte, die in oerständmß- und geschmackvoller Zusammenstellimg und großer Auswahl dem Pnblikunt vergesührt werden. Wir wollen für heute den berühmten Satyrikcr und Gesangs- humoristen Richard Pelzner herauSgreiscn, der mit der goldenen Ver­dienstmedaille im bekannten Münchener Humoristenwettstreit als Sieger hervorging und der durch die feine und brillante Art seines Vor- tragS stürmischen Beifall erntete. Prachtleistungen sind die der Parterreakrobaten Patty Frank, der beiden vorzüglichen Soubrette« Sein Orion und Marga Viola, des D'Osta-Trio, der Geschwister eiusdorf -c. Jedermann ist der Besuch der „Reichshallen" 'yt empfehlen.

— Doch einmal Kivmnrcks Rheinfall. Eine alte Wies­badenerin schreibt uns: Philipp Keim war ohne Zweifel —darüber sind wohl alle alten Wiesbadener, die ihn selbst gehört und gesehen haben, einig — ein großer Sanger und Poet dazu, aber ein Historiker war er nicht, hat sich sicher auch nicht dafür gehalten ober dafür gehalten fein wollen. So konnte cs ihm passiren, daß er den „Rheinfall" in das Jahr 1848 verlegte, obgleich derselbe mehrer« Jahre früher statthatte. Schreiberin besuchte Jahre lang eine auch jetzt noch bestehende Lehr- und Erziehungsanstalt für Mädchen und hatte dabei zwei Schwestern des „braven, guten Mannes", wie Philipp Keim sehr richtig sich ansdriickt, zu Mitschülerinnen. So war sie mit allen Klassengenossinnen in der angenehmen Lage, von dem ftattgefunbenen Un- und Älückssall sofort auf das Genaueste unterrichtet zu werden. Solche Jugendeindrücke prägen sich fest dem Gcdächtnifse ein. Auch das Jahr 1848 hat Schreiberin, aber schon als junge Frau, hier durcherlebt. Was nun den Aufsatz in einem der älteren Jahrgänge der „Gartenlaube" betrifft, so muß er bald nach dem Kriege von 1870 geschrieben sein, denn er erwähn! den Retter schon als den in Biebrich wohnenden „Oberst" Sterzing. Im Jahre 1866 war dieser als Major in Pension gegangen, stellte sich aber, wie viele frühere nassauische Ofsiziere, bet Beginn des Krieges zur Verfügung und stieg ,m Laufe des Feldzugs zum Oberst auf. Auch die Daten hat die „Gartenlaube" angegeben."

— Frruvenbrrgsches Konservatorium der iMitftk. Herr Direktor Eibenschütz hat ein Zweig-Institut, Luisen,traße 4, errichtet. Die gefammten Lehrkräfte des Freudeubergschen Konser­vatoriums werden natürlich auch an dem Zweig-Institut Unter­richt ertheilen. Der planmäßige Unterricht im Konservatorium beginnt mit Montag, den 9. Januar. Die Ausnahme-Prüfungen finden tm Haupt-Institut, Rheinstraße 54, statt und sind auf bett 5., 6. und 7. Januar festgesetzt, und zwar in den Vormittagsstunden von 9 bis 12 und Nachmittags von 2 bis 5 Uhr. Das Institut erfreut sich eines steten Zuwachses.

— Noikobiidungs-Verrttt. Wie schon gemechet, beabsichtigt der hiesige Volksblldungs-Verein in seiner Fortblldungsschule für Mädchen demnächst einen dreimonatlichen Kurs us für Englisch einzurichten. Der Unterricht wird sich durchaus deut praktischen Bedürfniß anpaffen, also das Sprechen her englischen Sprache lehren, soweit es Ladenmädchen zur Bedienung englisch redender Geschäftskunden brauchen. In einer Abtheilung sollen höchstens Munzig Mädchen unterrichtet werden. Die Unterrichtszeit ist: Montags, Mittwochs und Samstags von Ibis 2 Uhr. Anmeldungen nimmt die Lehrerin Fräulein Fcldhausen, Emserstraße 37, bis zum Beginn des Kursus (Mittwoch, den 4. Januar, Mittags 1 Uhr, in der schule Schulberg 12) entgegen.

— Neujahrs-Premiere im Walhalla-Theater. Mit großer Reklame hatte die Direktion des Walhalla-Theaters gerade dieses Programm angekündigt. So glänzende Versprechungen fordern unter Umständen ein leichtes Zweifelgefühl heraus, aber wir muffen gestehen: hier war kein Wort zu viel gesagt, das Ge­botene übertraf meistens die hochgespannten Erwarttingen. Zwar hat das Walhalla-Theater noch immer feine Versprechungen prompt erfüllt und von Anfang bis heute eine Opferwilligkeit und Umsicht bewiesen, die der Nichteingeweihte kaum voll zu würdigen vermag. Aber ein so prächtiges Programm wie das allerneueste ist uns doch seit Monaten nicht geboten worden Darüber herrschte auch vorgestern Abend in dem übervollen Hans nur eine Stimme. Selten wird man, selbst an Sonntagen, bet unseren lieben Wiesbadenern eine so beifallsfreudige Stimmung beobachten können, wie sie hier herrschte. De» Lölvcuantheil hatten natürlich die mit Recht so außerordentlich hervorqehobenen „Lebenden Kolossalzemäldc" von Henry de Vry. Wie man überhaupt beobachten kann, daß der Leiter des Walhalla-Theaters darauf auSqeht, mehr und mehr ein Genre von Programm zu schaffen, dem" ein künstlerischer Zug nicht fehlt, soweit sich das tm Rahmen der heutigen «pezialitätenbühne eben erreichen läßt, so muß man be­sonders diesmal konstatiren, daß in dieser Richtung wieder ein viel­versprechender Fortschritt zu erkennen ist. Das Programm ist seiner ganzen Zusammenstellung nach nicht zum Wenigsten für den Ge­bildeten, oen Kunst- und Theaterfreund überaus anziehend, in erster Linie durch die erwähnten herrlichen Bilder, die durch die Aus­wahl, das künstlerische Arrangement, die hübschen Figuren, di