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«e. Jahrgang.
Verlag: Langgasie 27.
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Wo. 599.
Fernsprecher Wb. 52.
Samstag, den 24 Dezember.
Fernsprecher No. 52.
1898.
Ans Stadt und §and.
Wiesbaden, 24. Dezember.
Große Mondfinsternitz.
Zum diesjährigen Wcihnachtsfest wird uns auch der Mond mit einer Aufmerksamkeit erfreuen. Spät kommt er zwar, doch er kommt. Schon die heilige Nacht verklärt er mit feinem milden Schein. Eine ganz besondere Ueberraschung aber bietet er in der Nacht vom 27. zum 28. Dezember mit der Erscheinung einer großen oder, wie die kauderwelsche Bezeichnung leider nun einmal gang und gäbe ist, totalen Mondfinsternitz. Dabei unterscheidet der treue Begleiter der Erde mit seiner Gabe nicht zwischen Groß und Klein, nicht zwischen Alt und Jung, nicht zwischen Reich und Arm; Christen, Juden und Heiden stehen ihm gleich nahe, und ob die Einen konservativ und die Anderen freifinnig find, das ist dem lieben Freunde da oben ganz gleichgültig; er tbeilt von feiner spende diesmal fast allen Erdenpilgern etwas zu. Nur die Aankees drüben und die da wohnen weit, weit hinter der Türkei, dre Bewohner Australiens und der Inseln im Stillen Meer, bekommen nichts. Die Finsterniß ist nämlich sichtbar auf dem Indischen und Atlantischen Meer, ferner in Südamerika, Asien, Afrika und Europa, also auch bei uns. Ihr Anfang überhaupt erfolgt nach M. E. Z. am 27. um 10 Uhr 48 2)1 in. Abends, der Beginn der gänzlichen Verfinsterung um 11 Uhr 55 Mn., die Mitte der letzteren am 28. Früh 12 Uhr 42 Mm., das Ende derselben um 1 Uhr 27 Min. und das Ende der Finsterniß überhaupt um 2 Uhr 37 Min. Der Mond hat eine nördliche Breite und steht hoch am Himmel. Der Anfang der Verfinsterung findet am Ost-, das Ende am Westrande des Mondes statt. Wie wir im „Wiesbadener Tagblatt" schon einmal sagten, erstreckt sich dir Länge des Erdschattens ziemlich 187,000 Meilen in den Raum. Der Mond aber hat nur eine mittlere Entfernung von 51,800 Meilen. Die Folge ist, daß der volle Erdschatten den Mond, wenn dieser mit Sonne und Erde in gerader Linie hintereinander sieht, gegen 2 Stunden lang bedecken muß. Diesmal bilben die drei genannten Weltkörpcr in ihrer Stellung beinahe genau eine Gerade. Demnach wird die gänzliche Verfinsterung rund 1‘ » Stunde und der ganze Verlauf her Finsterniß nicht 4, sondern nur 3 Stunden 49 Miiruten bettagen, immerhin Zeit genug, die Erscheinung in ihren Lichtwandlungen, wofür die Gelehrten Phasen sagen, eingehend zu beobachten. Wer diese einigermaßen genau verfolgen will, bewaffne sich in Ermangelung eines astronomischen Fernrohrs mit einem guten Feldstecher und betrachte zunächst den Eintritt der linken Mondseite in den Halbschatten der Erde, in besten Raum der Sonnenstrahl nicht unmittelbar mehr bringt. Die Ostseite des Mondes wird wie mit einer Niebel- ober Rauchwolke überzogen. Hierauf verfolge man den Eintrstt des Mondes in den Kernschatten. Dabei sei bemertt, daß eine scharfe Abgrenzung beider Schatten nicht vorhanden ist, und daß der Augenblick des Eintritts m den Kernschatten nicht gerade auf die Sekunde zu unterscheiden ist. Man achte ferner darauf, ob und in welchem Grade die Schattengrenze verschwommen ist.
Morgen-Ausgabe.
Sitzung der Stadtverordnete»
vom 23. Dezember 1898.
Anwesend sind unter dem Vorsitz des Herrn Landesbankdirektors Rcusch 37 Mitglieder des Kollegiums, Seitens des Magistrats die Herren Oberbürgermeister Dr. v. Jbell, Bürgermeister Heß, Beigeordneter Körner, Beigeordneter Mangold, sowie die Berten Stadträthe Brück und Kalle, ferner Herr Obersekretär osalewski als Protokollführer.
Vor Eintritt in die Tagesordnung bringt Herr v. Eck das Projekt einer Rennbahn zur Sprache und richtet an den Magistrat die Anfrage, ob es richtig fei, daß eine Mitwirkung der Stadt beabsichttgt und als Platz der „Rabengnind" vorgesehen sei. Daraus, daß der Kurdirektor an dem Projekt betheilizt sei, schließe er, daß die Stadt engagirt werden solle oder bereits engagirt fei. Er, Redner, stehe dem Projekt sehr skeptisch gegenüber, er sei namentlich nicht davon überzeugt, daß für Wiesbaden im Allgemeinen große Vortheile daraus erwüchsen abgesehen davon, daß die Stadt m der nächsten Zeit finanziell und in ihrer Verwaltung so sehr in Anspruch genommen werde, daß fie sich nicht belheiugen könne. Unter keinen Umständen aber könne er zustimmen, daß für die Bahn der „Rabengrund" verwendet werden solle. Derselbe würde durch die Bauten feiner landschaftlichen Schönheit beraubt und entwerthet. Der Herr Oberbürgermeister erwidert darauf, daß der Magistrat noch keine Stellung zu dem Projekt genommen habe. In der nächsten Zeit, sobald der Herr Kurbirektor mit ben Vorarbeiten jtum Abschluß gekommen, werde eine gemeinschaftliche Sitzung des Magistrats und der Surbeputation abgehalten, um bas Projett zu verathen und dazu grundsätzlich Stellung zu nehmen.
Eine Beschwerde des Herrn Juweliers W. Schellenberg und Genossen über Belästigungen durch den Betrieb des „Wiesbadener Brunnenconivtoirs" in der Spiegelgasse insbesondere durch Rauch und Ruß, wird dem Magistrat zur Erledigung übergeben.
Herr Professor Dr. Pagen stech er hat die neben feiner Augenklinik an der Elisabethenstraße belegene Heimerbingersche Besitzung erworben. Beide Grundstücke sind durch den Verbindungsweg zwischen Elisabethen -und Kapelleust raße, den sog. „Hahneberg". getrennt, und um sie vereinigen zu können, ist Herr Dr. Pagenstecher dahin vorstellig geworden, ihm diesen Reue! abzutreten, wogegen er sich bereit erklärt, bas zur Verlegung desselben auf die anbere Seite des Heimerdingerschen Grundstücks er- 'orberliche Grundeigenthum zur Verfügung zu stellen. Der Weg soll damit zugleich von IVi auf 3 m verbreitert werden. Der Magistrat hat diesem Vorschlag zugestimmt. Ein weiterer Vortheil wird noch vaburch erreicht, daß der Weg in der größeren Breite dirett auf die Kapellenstraße weiter geführt wird, indem von der „Armen- Augenheilanstalt" das erforderliche Terrain hergegeben wird. Für die Stadt entstehen keine Kosten. Herr Dr. Pagenstecher tritt außerdem von ben Vorgärten seiner beiden Grundstücke das zur fluchtlinienmähiaen Verbreiterung der Elisabeth en st raße erforderliche Gelände kostenlos ab. Das Abkommen wird genehmigt.
Ueber die Prüfung des MagistratSantragS, betreffend Leistung vonVorfchüffen an die Kurkaffe durch den Finanzausschuß, berichtet Herr Dr. Dreyer. Zur Pergrößeruna der Kuranlagen bat die Kurverwaltung in den meisten der letzten Jahre weitere Grundstücke erworben und die Kosten derselben zum Theil aus laufenden Mitteln bezahlt, zum Theil durch Anleihen gedeckt. Die Zahlungen für solche Ankäufe, sowie die Zinszahlung und Tilgung früherer Anleihen für Knrzwecke werden dadurch erleichtert, daß die Kurverwaltung außer ihren eigenen Einnahmen auch noch jedes Jahr einen haaren Zuschuß von 90,000 bis S),000 Mk. ans den Zinsen des Kurfonds erhält — der sich
laufenden Rechnungsjahr auf 93,444 Mk. beläuft. Die Verwendung des Zuschusses zu folchen Ausgaben entspricht dem Zweck des Kurfonds, welcher nach j 1 des Verwaltungsstatuts zur Förderung der Interessen der Stadtgemeinde Wiesbaden als Kurort dienen soll. In dem EtatSjAr 1897/98, sowie in dem laufenden Rechnungsjahr sind die Slnfäufe von Grundstücken zur Vergrößerung bet Kuranlagen sehr bedeutend gewesen. Stach einem von der Kurverwaltung im September aufgesteltten Ver- zeichniß beliefen sie sich in den vorhergegangenen 17 Monaten auf 90,503 Mk. Davon wurden durch die Kurkasse im Vorjahre 46,050 Mk. bezahlt und hat infolge dessen die sonst günstige Rechnung der Kurverwaltung für 1897/98 mit einem Fehlbetrag von 27,247 Mk. abgeschlossen. Dazu kommen 44,453 Mk. Zahlungen im laufenden Rechnungsjahr für angekaufte Grundstücke, die §ahlung von 30,000 Mk. für das von der Familie Hehl angetaufte adeblatt, sowie die Kosten der Jdeenkonttirrenz zum Kurhausneubau 85,000 Mk., in Summa 136,700 Mk., wozu noch einige erst vor Kurzem gemachte kleinere Ankäufe kommen, die noch nicht verbrieft find. Daß die Kurverwaltung nicht alle diese Summen im gegenwärtigen Rechnungsjahr aus laufenden Mitteln aufbringen kann, liegt auf bet Hand. Der Magistrat be- antragt daher: die von der Kurkasse geleistete, im Budget nicht oor- aefehene Zahlung von 46,050 Mk. als Abschlagszahlung auf das Kaufgeld der von dem DomaineufiskuS gekauften Wiesen hinter der Dietenmühle wird nachttäglich genehmigt; 2. der Fehlbettag von 27247 Mk., sowie die Kausgelder für die in den RechnunaS- jähren 1897 und 1898 angekauften weiteren Grundstücke der Kurverwaltung vorschußweise aus allgemeinen Mitteln ersetzt und auf den Grundstücksfonds verrechnet; 3. diese Vorschüsse find von der Kurverwaltung vom 1. Januar 1899 an mit 8l/i pCt. zu verzinsen und mit l1/« pCt. unter Zuwachs der durch Kapitalabzahlung ersparten Zinsen zu amortistren; 4. in wieweit ettoaige RechnungSuberschüfle der Kurverwaltung zur außerordentlichen Tilgung dieser Vorschüsse zu verwenden sind, bleibt besonderer Beschlußfassung Vorbehalten; 5. der Kaufpreis für da? Badeblatt ist von der Kurverwaltung im laufenden Rechnungsjahr zu verrechnen; 6. die Kosten der Jdeenkonkurrenz sind einstweilen auf das außerordentliche Budget der allgemeinen Verwaltung zu verrechnen und später dem Baukapital für den Kurhausneubau zuzuschlagen. Der Finanzausschuß empfiehlt die Genehmigung dieser Vorschläge. Er ist zwar der Meinnng, daß eine stärkere Tilgung her vorgeschlagenen Anleihe raihsam sei, und eine Minorität hatte auch dafür gestimmt, daß anstatt 1'/» PCt. Tilgung sofort 47» pCt. nebst Zuwachs der durch Kapitalabzahlung ersparten Zinsen vorzusehen sei. Die Minorität dagegen hielt es für besser, dies nicht festzulegen, um der neuen Leitung der Kurverwaltung, welche sich bis letzt sparsam gezeigt habe, freieren Spielraum zu lassen, ohne die Gefahr eines
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sts-, Oranien- und Adelheidstraße) fällt auf "> i! helm, Oranienstratze 24.
Mission für Nassau eingestellt werden. Ein von Herrn Dr. Spielmann eingeholtes Gutachten spricht sich warm für die Genehmigung dieser Beittagsgewährung aus. Die Genehmigung wird ertheitt. (Berichterstatter: Herr Krekel.)
Die vom ,,Rhein- nnd Taunusklub" nachgesuchte Beittags- gewährung wird dem Finanzausschuß zur Prüfung überwiesen.
Die Aenderung des Flnchtlinienplans der Dotz- heimeist raße von der zweiten Ringstraße bis zur Gemarkinigs- grenze, sowie die Festsetzung von Fluchtlinien für eine Straße östlich der verlängerten Park st raße werden dem Bauausschuß überwiesen.
Die Auseinandersetzung mit den Erben des Schriftstellers Demmin wegen der Erbschaftssteuer, soweit sie auf die Sammlungen entfällt, wird dem Finanzausschutz zugewicscn. (Schluß folgt.)
Defizits, und lieber nach dem Anträge des Magistrats etwaige Rechnungsüberschüsse zur außerordentlichen Tilgung zu verwenden. Zugleich empfiehlt der Ausschuß, in dem Budget diese Vorschüsse unter dem Titel „Grnndbcsitzverwaltnng" in eine Unterabtheilung als „Vorschüsse an die Kurverwaltung" aufzuführen. Der Antrag und die Vorschläge des Ausschusses werden gutgeheißen.
Herr Dr. Staffel baut eine neue Vorhalle zu dem Seitenbau seines Hauses Marnzerstraße 9. Er ist bei dieser Gelegenheit in Unterhandlungen mit der Stadt getreten, mit gleich auf die beschlossene Erbreiterung der Straße Rücksicht nehmen zu können und so spater Kosten und Störungen zu vermeiden. Nach wiederholten Verhandlungen mit der Baudeputation wurde mit Herrn Dr. Staffel ein Abkommen getroffen, wonach derselbe ein Gelände 105 qm kostenfrei zu dem Einheitspreise von 3600 Mk. pro die Stad abtritt und die Stadt die bestehende Ein- friebigung auf die neue Straßenflucht versetzt. Der Zeitpunkt der Ausführung soll baldmöglichst gesetzt werden. Dieses Abkommen hat der Magistrat genehmigt. Der Finanzausschuß (Berichterstatter Herr Dr. Dreyer) hält cs für sehr Wünschenswerth, daß mit der Erbreiterung der Mainzersttaße vorgegangen werde, wo und sobald sich nur eine Gelegenheit dazu biete. Er hält zugleich den vereinbarten Preis für angemessen und empfiehlt die Genehmigung des Magistratsantrags, was die Versammlung beschließt.
Auf eine bezügliche Bemerkung des Finanzausschusses in dem ttirzlich erstatteten Bericht, betreffend die Verwendung der Römer- qnelle", theilt der Herr Oberbürgermeister mit, daß der Magistrat nach Möglichkeit beftrebt wäre, die Arbeiten zur Erweiterung der Wassergewinnungsanlagen zu fördern, und fügt hinzu, daß die „Römerquelle" an die allgemeine Wasscr- leitung hätte angeschlossen werden müssen, und nach bakteriologischer Untersuchung des Wassers hätte dies auch uii- bedenklich geschehen können. Infolge des Mangels an Niederschlägen in der letzten Zeit hätten sich die Vorräthe im Münzbergstollen vermindert und zu dieser Maßregel ermahnt. Bei dieser Gelegenheit wolle er, der Herr Oberbürgermeister, Namens der städtischen Verwaltung die Bitte aiissprechen, daß das Publikmn mit dem ausgezeichneten Wasser vorher noch etwas sparsam umgehe, bis die neuen Wassergewinnungsarbeiten weiter vorgeschritten seien. Jeder Verwendung von Wasser müsse möglichst vorgebeugt werden.
Als Schiedsmann für den 5. Bezirk wird Herr Kaufmann und Stadtverordneter Karl Spitz wieder- und als dessen Stell- Herr Kaufmann Wilhelm Unverzagt neu gewählt.
Die Neuwahl eines Armenpflegers für das 4. Quartier des 1. Bezirks (Gerichts-, Oranien- und Adelheidstraße) fällt auf Herrn Rentner Adam Wilhelm, Oranienstraße24.
In den Etat für 1899/1900 sollen nach Beschluß des Magistrats 500 Mk. als Beitragsgewährung für die historische Kom-
Man beachte weiter die Farbenabstufungen und erwäge, of die Färbung der verfinsterten Fläche mehr dunkel ober mehr hell ist unb ob bie Mitte der Scheibe eine gänzlich dunkle Stelle zeigt. Man sehe ferner nach, ob unb inwieweit Flächen, Gebirge unb Krater auch im Schatten zu erkennen sinb. Man schenke bei ber gänzlichen Verfinsterung auch der Umgebung des Mondes Aufmerksamkeit und überzeuge sich, ob Milchstraße unb Sterne, die beim Schein des Vollmondes nicht zu sehen sind, jetzt sichtbar werden. Endlich bemühe man sich nachzuforschen, ob der Erdschatten etwa auch außerhalb der Mondscheibe „als bleigraue Wand, ähnlich einer Wolke, mit ganz scharfen welligen Umrissen", zu scheu ist wie man bas bei den großen Finsternissen von 1887 und 1889 bemerkt hat. Dr. R.
— Kefchichtvkalcnder. 24. Dezember. 1524: Vasco bi Goma, portugiesischer Seefahrer, f Kotschin. 1791: E. Seribe, Schöpferbesfran^bürgerl.Lustspiels, *Pans. 1798: A.Mickiewicz, poln. Dichter, * Nowogrobek. 1837: Elisabeth, Kaiserin von Oesterreich, *. 1845: Georg I., König von Griechenland, *. 1850: Fr. Bastiat, franz. Nationalökonom, f Rom. 1864: Schleswig- Holstein mit Preußen vereinigt. 1868: Em. Lasker, Schachspieler, * Berlinchen.
— Personal-Nachrichten. Herr A. Mordhorst von hier wurde an ber Universität Halle zum Doktor ber Medizinproinoviri. — Dem 9legierung§= und Forstrath Gerhard Müller, zur Zeit Hülfsarbeiter im Ministerium für Landwirthschast Domänen und Forsten, ist vom 1. Januar 1899 ab — unter vorlausiger Belassung in letzterer Stelle — die Forstrathsstelle Wiesbaden-Nastätten an der Königl. Regierung zu Wiesbaden übertragen worben.
— Unser nrnrr Gberpriistdent, Graf Zeblitz, war am Donnerstag zur Frühstückstafel beim Kaiserpaar geladen. — Nachstehend lassen wir noch einige Daten über ben Lebenslauf des neuen Oberpräsibenten folgen: Karl Konrab Robert Graf v.Zeblitz unb Trützschler, einem alten schlesischen Geschlecht entstammend, bas 1764 in ben Grafenstand erhoben würbe, ist am 8. Dez. 1837 geboren, also kürzlich 61 Jahre alt geworden. Er stand von 1856 bis 1862 als Offizier im Regiment der Gardes du Corps und übernahm sodann die Verwaltung seines väterlichen Gutes Nieder-Großenborau int Kreis Freystadt. Den Feldzug gegen Oesterreich machte er als Adjutant ber 11. Kavallerie-Brigabe mit unb war während des Kriegs gegen Frankreich Adjutant beim stellvertretenden Kommando bes Garbe- Corps. In ben folgenben Jahren war er thätig auf bem Gebiet ber Kreis- unb Provinzialverwaltung, sowie in bem land- wirthschaftlichen Vereinsleben Schlesiens; er wurde u. A. Vorsitzender des Provinzialausschusses unb Mitglieb bes Lanbesökonomie- Kollegiums. 1881 würbe er, ohne je vorher im Verwaltungsdienst geftanben zu haben, Regierungspräsident in Oppeln. Nachdem er 1884, zum Wirklichen Geheimen Rath ernannt, Mitglied deSStaatsrathS geworden war, wurde er am 12. Juli 1886 Oberpräsident von Posen und gleichzeitig Präsident der neu errichteten Anstedluugs- kommission. Im März 1891 erfolgte seine Ernennung zum Minister der geistlichen rc. Angelegenhetten; er kam in diese Stelle für Herrn v. Goßler. Ein Jahr später nöthigte ihn das Schicksal des Schulgesetzes, seine Entlassung einzureichen, die unter Belassung des Titels und Ranges als Staatsminister bewilligt wurde.
— Volksntrterhaltungsabend. Wie in den vergangenen Jahren, so hat auch in diesem ber hiesige „Volksbildungsverein" einen seiner Volksnnterhattungsabende in die Weihnachtszeit gelegt, und zwar wird derselbe diesmal am 25. Dezember, dem ersten Weihnachtsfeiertage, im Turnsaale Platterstraße 16 abgehalten werden. Ein geschmückter Tannenbaum wird den besonderen Charakter dieses Abends zum Ausdruck bringen. Ihre gütige Mitwirkung haben zugesagt Fräulein Auguste Santen vom Königlichen Theater, Fräulein Elfe Richter (Gelang), Fräulein Cäcitte Geis (Piano), Herr Paul Härtel (Violine), Herr Konzertsänger W. Geis (Tenor) und unter dessen Leitung der Männer- gesang-Verein „Schubertbunb". Besonders sei darauf hingewiesen, daß ein Fritz Reutersches Gedicht unb Vorträge für Klavier und Harmonium geboten werden, und baß Herr Gers unb Herr Härtel unter Anberem eigne Kompositionen vortragen werben. Kavier unb Harmonium hat Herr Franz Schellenberg, Kirchgasse, freundlichst gestellt. Daß die Veranstaltung am ersten Feiertage statt- finbet, läßt hoffen, baß bie Betheiligung eine sehr rege sein wird, da an diesem Tage die Gemüther nicht zu Belustigung und Tanzvergnügen, wohl aber zu ben edleren erhebenden Genüssen neigen, wie sie bie Volksunterhaltnngsabenbe bieten. Programme nebst Eintrittskarten a 20 Pf. sinb dis Sonntag Mittag zu haben bei Enbers, Michelsberg 32, Hopfner, Bleichstraße EckeBismarck-Ring, unb PothS, Langgasie 19.
— Die Schulferien nehmen heute (Samstag) ihren Anfang. Der Unterricht wurde in den höheren Schulen gestern Vormittag, in den Übrigen Nachmittags geschlossen. Das neue Vierteljahr wird für die Volks- und Mittelschulen Dienstag, den 3. Januar, für bie höheren Schulen dagegen erst am Samstag (!), ben 7. Januar, beginnen.
— Postorrkehr. Das Amtsblatt des Reichspostamtes veröffentlicht eine Verfügung bes Staatssekretärs bes Reichspostamtes, betreffend Aenbernngen der Postordnung vom 11. Jmn 1892. Danach wirb u. A. bas Meistgewicht ber Waarenproben von 250 auf 350 Gramm erhöht; ferner wirb ber Meistbettag ber Postanweisungen von 400 auf 800 Mk. erhöht, ebenso ber Meiftbettag ber Nachnahmen unb ber Werthgrenze, bis zu ber Sendungen mit Werthnachnahme Landbriefträgern zur Bestellung Übergeben werben können. Sie Postanweisungsgebühr bis zum Betrage von 5 Mk. wird auf 10 Pf. ermäßigt. — Dieses „Christ- kindchen" ber Postverwaltung wird in allen Kreisen des Publikums dankbar aufgenommen werben.
— „Tagblatt" Sammlnngen. Es gingen ferner bei uns ein: Für bie Augenheilanstalt für Arme von 6. SB. 3M.; für das Rettungshaus von C. W. 3Mk., A. B. 3Mk.; für bas VersorgringS- haus für alte Leute von C. W. 3Mk.; für bie Kinberdewahranstält von C.W.3Mk.; für die Blindenanstalt von F. H. 5Mk., A. B. 3 Mk.; für das Lindenhans von F. H. 10 Mk.; für da« Diakonissenheim von F. H. 5 Mk.; für Frühstück für arme Schulkinder von A. B. 3 Mk., C. L. 2 Mk., Frau v. G. 2 Mk.; für Kohlen für Arme von R. S. 3 Mk.; für ben blinben Maurer von einem Menschenfreund 1 Mk. 60 Pf., C. u. L. G. 3 Mk. Herzlichen Dank Namens der Bedachten! Wertere Gaben nehmen wir gerne zur Weiterbeförderung an.
— Steckbrieflich verfolgt werden derSchneidergeselle Max Mähret aus Eisenach, geboren daselbst am 13. August 1874, wegen Diebstahls, der Kellner Christ. Friedrich Kirchner, zuletzt in Mainz wohnhaft, geboren am 24. Juni 1879 zu Neustadt (Koburg), wegen Drebstahls, der Maler Valentin Benhardt,
