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«e. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgabe». — Sezugs-Prei»; durch den Verlag 60 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. uö Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
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— Für die Ausnahme später eingereichter Anzeigen,«r
Ko. 590.
Montag, den 19. Dezember.
Fernsprecher No. 52.
Fernsprecher No. 52.
1898;
Deutsches Deich.
„ * Sos- «nd versonal-Uackrichten. In Anwesenheit der Kaiserlrchen Majestäten, sowie der anwesenden Prinzen und Prinzessinnen sand gestern in Potsdam die feierliche Wieder- einweiyung der neu restaurirten Hof- und Garnisonkirche statt. — Wie das .Kl. Jonrn.* berichtet, ist Finanzminister v. Miquel noch immer r e ch t l e i d e n d. Seit seinem letzten Unwohlsein habe sich eine mächtige und nervöse Abspannung des Ministers eingestellt.
* Kerls«, 19. Dezember. Der Kaiser hat dem Reichstag wieder ein Geschenk überwiesen, eine Wandtafel deutscher Kriegsschiffe, welche unter Benutzung amtlichen Materials und unter Mitwirkung dcS Marinemalers Willi Stöwer bearbeitet ist. Die Tafel ist in der Bibliothek des Reichstags aufgehängt worden. Sie zeigt in kolorirter Lithographie eine Seitenansicht und den Durchschnitt des Linienschiffes .Kaiser Friedrich III.*, des Kreuzers Gerer", der beiden großen Kreuzer „Fürst Bismarck* und „Freya , sowie zwei Torpedoboote.
Die vorläufigen Dispositionen im Reichstag sind dahin getroffen, daß nach Erledigung der Interpellation Wangcnheim, betreffend die Fleischnoth, die Militärvorlage zur ersten Berathung gestellt wird. Alsdann wird in die zweite Lesung des Etats ein- gerreten unter Berücksichtigung der üblichen Schwerinstage.
Der Verband der katholischen Stubenten-Vereinigungen Deutschlands hat an den Kaiser aus Anlaß der glücklichen Heimkehr von der Orientreise und der Schenkung der Dormition eine Adresse gerichtet, auf welche der Kaiser ein Antwortschreiben sandte. In emsclben heißt es: Er freue sich über die Kundgebung treuer Ergebenheit von der katholischen akademischen Jugend und habe die Adresse dem Hohenzollern-Museum zur Aufbewahrung überwiesen.
DaS „Kleine Journal* meldet: Dr. Esser, welcher aus Kamerun nach sicbenmonatlicher Abwesenheit zurückgekehrt ist, wurde gestern Nachmittag vom Kaiser empfangen und hielt einen anderthalbstündigen Vortrag über die Verhältnisse im deutschen Schutzgebiete. Auf seine Bemerkung, daß in Kamerun ein bischen zu viel regiert werde, erwiderte der Kaiser, dann kann ich ja die Hälfte meiner Leute zurückkommen lassen. Die Herren sollen wissen, daß sie dazu da sind, dem deutschen Kapital den Weg zu ebnen und das deutsche Kapital zu schützen. Zum Schluß überreichte der Kaiser dem Herrn Dr. Esser den Kronen-Orden 2. Klaffe, indem er sagte: Ich gebe Ihnen die höchste Auszeichnung, welche ich Ihnen geben kann, um damit zu dokumcntiren, wie ich «S anerkenne, wenn ein muthiaer Mann, wie Sie, drei Mal sein Leben aufs Spiel, setzt, sich Mühen und Entbehrungen auferlegt, um unseren Kolonieeu den Segen des deutschen Kapitals zu Theil werden zu lassen, und ich werde dieses deutsche Beispiel im Auslande zu schützen wissen. Ich wünsche, daß nicht lauter abgebrochene Existenzen ihre letzte Zuflucht zu den Kolonieeu nehmen, sondern daß ich für jede dieser Kolonieeu einen Mann hätte wie Sie. Die einzig dastehende Auszeichnung — Dr. Esser ist erst 82 Jahre alt — ist umso höher zu bewerthen, als Esser bisher noch keinen preußischen Orden besessen hat.
DerBimetallistenbund war Freitag Abend im Reichstagsgebäude unter dem Vorsitz des Abgeordnetm Kardorff zusammen- ictreten. Ein Berichterstatter meldet darüber: Das Ergebniß ist in einer Resolution zu erblicken. In derselben wird erklärt, daß »er gegenwärtige hohe Reichsbank-Diskont eine Folge der Goldwährung und der Goldknappheit sei, daß unsere Bankpolitik zum Schlitze der Goldbestände eine verfehlte und unwirksame sei und daß man suchen müsse, nach Analogie der Bank von Frankreich die Baarbestande zu schützen. Ferner wurde konstatirt, daß die Bestrebungen, die auf Verstaatlichung der Reichsbank gerichtet seien, mit der Währungsfrage nichts zu thun hätten.
Abend -Ausgabe.
(Nachdruck verboten.)
Der Majestatsbeleidigrrugs-Prozeß gegen den „Srirrplirissittrus".
i.
S. u. H. Leipzig, 18. Dezember.
Vor der zweiten Strafkammer des hiesigen Landgerichts gelangt morgen der vielbesprochene Majestätsbeleidigunas-Prozcß gegen das Münchener satyrische Wochenblatt „Der Simplicissimus* zur gerichtlichen Verhandlung. Unter der Anklage der Majestätsbeleidigung, bezw. des Vergehens gegen § 21 des Preßgesetzc» stehen: 1. der Verlagsbuchhändler Albert Langen aus München, 2. der Schriftsteller, Schauspieler und Dramaturg des Münchner Volkstheaters, Frank Wedekind, 3. der Karnkaturenzeichner Thomas Theodor Heine aus München, 4. der Buchdruckereibesitzer Hesse aus Leipzig und 5. der Buchdruckereibesitzer Becker, ebenfalls aus Leipzig. Von diesen Personen erscheinen jedoch nur Heine, Hesse und Becker vor Gericht, während sich die Angeklagten Langen und Wedekind bekanntlich durch die Flucht nach der Schweiz ihrer Bestrafung entzogen haben.
In dem von dem Angeklagten Langen seit etwa 2 Jahren hcrausgegebenen ^Simplicissimus wird seit dessen Bestehen eine ziemlich unverblümte Kritik an dem in Deutschland zur Zeit herrschenden politischen System geübt. In einer großen Zahl von eigenartigen Karrikaturen brachte namentlich der Angeklagte Zeichner Hein« seine Ansicht über politische und soziale Mängel und Schäden unseres öffentlichen Lebens zum Ausdruck, während der An- Se Wedekind in einer Reihe von Gedichten nach Art des ten Hieronymus Jobs die bestehenden Zustande verspottete. Die Spitze dieser prosaischen und poetischen Elaborate und Karrikaturen richtete sich in letzter Zeit mehr und mehr nach der Person des Kaisers hin, die theils in verblümter Form, theils aber auch offen in derber Weise angegriffen wurde. Vor Allem benutzten die Angeklagten Wedekind und Heine die Palästiuarcise des Kaisers zu satirischen Angriffen, die in der No. 31 und 32 des „Simplicissimus* in Bild und Wort ihren Ausdruck fand. Und zwar war es in No. 31 ein Gedicht des Angeklagten Wedekind, das der Staatsanwaltschaft Anlaß zum Einschreiten gab, während in der No. 32 das von dem Angeklagten Heine gezeichnete Titelbild: „Kriegserklärung* und ein Gedicht: „Meerfahrt* beanstandet wurde. Die an diese Beanstandung anknüpfende llntersnchung und die Art ihrer Durchführung hat seiner Zeit großes Aussehen erregt und wird jedenfalls in dem morgigen Termin einer eingehenden Besprechung unterzogen werden. Weiterhin hatte die Leipziger Staatsanwaltschaft einen eigenen Untersuchungsrichter in Begleitung eines Referendars nach München entsandt, um dort die nothwendigen Haussuchungen rc. vorzunehmen. Sie stützte sich bei diesem Vorgehen auf den § 167 des Reichs-Gerichts-Verfassunasgesetzcs, der Mr Voraussetzung die Zustimmung des zuständigen Amtsgerichts I München zur Ausübung der selbständigen Untersuchung hat. Diese Zustimmung ist seiner Zeit durch den Präsidenten desselben, Oberlandesgerichtsrath Braun, ertheilt worden. Im Laufe der Untersuchung wurde dann zunächst der Angeklagte Heine unter dem 1. November dieses Jahres nach Leipzig vorgeladen und dort sofort nach seiner Ankunft in Untersuchungshaft genommen. Stach langen Verhandlungen ließ man ihn am 11. November gegen eine Kaution von 30,000 Mk. und das Versprechen, sich bis zum Hauptverhandlungstermin nicht aus Leipzig zu entfernen, vorläufig frei. Der Angeklagte Verleger Langen, der übrigens auch in Berlin und Paris Filialen seines Verlags besitzt, hatte sofort nach der Beschlagnahme der beiden Nummern München heimlich in Begleitung de« Angeklagten Wedekind verlassen. Letzterer, ein Bruder der Dresdener Kgl. Sächs. Kammersängerin Erika Wedekind, spielte gerade im Volkstheater m München in dem von ihm verfaßten Stück: „Der Erdgeist* die Titelrolle, als der mit der Beschlagnahme Hand in Hand gehende Verhastsbesehl eintraf. Auf Bitten des auch als Regisseur fungirenden Angeklagten I
Wedekind warteten die mit der Verhaftung beauftragten Polizei- beanrten das Ende der Aufführung ab, nm'bann die Erfahrung zu machen, daß Wedekind inzwischen Hals über Kopf zum Centralbahnhof gefahren und von dort aus mit Langen zusammen nach Ziirich abgedampft war. Durch die Flucht Langens, als des verantwortlichen Verlegers, wurden auf Grund des 8 21 des Preß- gesetzes die beiden Drucker des „Simplicissimus* Heise und Becker in die Anklage miteinbczogen, sodaß auch gegen sie erkannt Werben wirb, falls ber Angeklagte Laugen sich nicht noch im letzten Augenblick, wie vielfach oermuthet wird, dem Gericht freiwillig stellt. Die Vertheidigung der drei Angeklagten liegt in den Händen deS Rechtsanwalts Dr. Felix Zehme. Die Anklage wird der Oberstaatsanwalt am hiesigen Landgericht, Hacntzschel, persönlich vertreten.
Ausland.
* Niederlande. Esterhazy wird morgen Dienstag von Amsterdam nach dem Haag übersiedeln. Esterhazy führte einem Journalisten gegenüber Klage darüber, daß ihm zahlreiche anonym« Schmähbriefe und Drohungen zugegangen seien.
* Frcmkrrich. Eine Spionage-Affaire, welcher die Regierung auf die Spur gekommen ist, scheint einen großen Umfang anzunehmen. Wie neuerdings verlautet, handelt es sich nicht um Verrath des neuen Gewehrmodells, sondern des neuen fran-- zöfischen Feldgeschützes. Der mit der Untersuchung betraute Richters Florys beobachtet strengste Zurückhaltung, sodaß Authentisches bisher nicht in Erfahrung zu bringen war. (Nach andern Nachrichten soll es sich nicht um Geheimnisse von großer Wichtigkeit handeln.) — Di« Blätter melden: Die in ber Spionage-Angelegenheit Verhafteten sind ein getvisser Decrian, welcher als Geheimagent int Dienste des hiesigen militärischen Nachrichtenbüreaus und ber Polizeipräfektur staub, ber Artilleriekorporal Grault in Givet, welcher bcm Decrian Bestaubtheile des neuen Gewehres ober Geschützes verschaffen sollte, sowie zwei junge Leute NamenS Bomasse und Lerendu. bie angeblich Helfershelfer Decrians find. — Die letzten Nachrichten ans ÄabagaScar lauten sehr schlimm. Die Sakalaven haben mehrere ftanzösische Soldaten unb Ansiedler gelobtet. Es wird deshalb eine Sirasexpedition nach dem Gebiete der Sakalave abgeben. Was die Pest anlangt, so hat dieselbe keine weitere Ausdehnung angenommen. — Das Budget der Stadt Paris für dieses Jahr beläuft sich auf 350 Millionen Francs. — Die von ber „Libre Parole* veranstaltete Sammlung für die Wittwe Henry ergab bis jetzt die Summe von 46,000 Francs. „Siede", Radical* und „Rappel* vrotestiren dagegen, daß verfchiedene Offiziere sich unter den Zeichnern der Liste befinden. Der „Siöcle* verlangt, Freycinei möge gegen jene Offiziere einschreiten, welche an der Sammlung für den Prozeß der Frau Henry theilgenommen haben.
* Portugal. Die Regierung bementirt kategorisch bie Gerüchte von einem angeblichen Verkauf oder einer pachtweise« Ueberlassung der Delagoa-Bai.
* Kreta. Eine bemerkenstverthe Athener Meldung der „Poo*- Korrcsp., die offenbar aus diplomatischer Quelle stammt, besagt, daß unter den Muhammedanern auf Kreta, besonders in Kandra, große llnzufriedenhelt über die Berufung des Prinzen Georg herrscht und daß bei seinem Amtsantritte unangenehm« Demonstrationen und selbst erneute Reibungen zwischen den Muhammedanern und Christen befürchtet werden.
* China. „Daily News* meldet über New-Iork: De« letzten Nachrichten aus Peking zufolge habe bie chinesische Regierung von Rußland 500,000 Gewehre für die chinesischen Truppen in der Mandschurei gekauft. — Einer Meldung der „Morning Post* aus Hankan vom 18. d. M. zufolge, ist eine französisch« Expedition den Sjangtsekiang aufwärts nach Kweichan ab- g.'ganacn. Die Lage in der Bangtse-Proviuz ist ernst. Jchang ist bedroht. Ein Kanonenboot befindet sich bereits oberhalbNanking».
(Nachdruck verboten.)
Dir Geschichte von dem Mnnschzettel.
„Sag' mal, Papa: es grüßt und küßt Dich, — wird da grüßt und küßt groß oder klein geschrieben?"
„Aber, Kind, grüßen und küssen sind doch Thäligkeits- worte. Das solltest Du doch wissen."
„Natürlich, ich hab' eS auch gesagt, aber die Frieda faßte, „es küßt" wird groß geschrieben."
„Na freilich, so'n Dienstmädchen sieht so was immer als Hauptsache an. — Aber was giebt's denn zu grüßen und zu küssen?"
„Ach Papa, Du hast mich doch neulich erst ein Dutzend mal zur Strafe schreiben lassen: Man soll nicht neugierig sein."
„Ja so! — Nun, dann mach', daß Du weiter kommst »nd stör' mich nicht immer bei der Arbeit."
„Ich hab' also doch recht gehabt", sagte Trudel, warf selbstbewußt den Kopf zurück und verließ mein Arbeits- zimuier.
Am nächsten Morgen, als das Kind bereits in der Schule war, brachte mir Frieda ein zierlich zusammen- gefaltetes Briefchen. Sie habe es vor dem Schlafzimmer- feuster Trudclchens gefunden und es sei wohl für mich bestimmt. Darin hatte sie recht, denn es trug die sorgfältig geschriebene Adresse:
„An das l. Christkind im Himmel."
Ich entfaltete es und las:
Liebes Christkindchen!
Bitte bringe mir zu dem lieben Weihnachtsfeste ein großes Ansichtskarten-Album, einen verschließbaren Griffelkasten, zwei schöne Bücher und ein paar Gamaschen bis an die Knie, weil es mich so leicht an den Wädchen friert. Nun adieu für heute es grüßt und küßt Dich
Deine Dichliebende Waltrud.
Dann folgte die genaue Wohnungsadresse.
„Das freut mich doch, daß sie so bescheiden ist. Das hat sie von mir", sagte ich beim Kaffeetisch zu meiner Frau, ihr das Schreiben unseres zehnjährigen Sprößlings hinreichend.
„So, was Du Dir nicht wieder einbildest. Diese Anspruchslosigkeit ist nun mal sicher von mir", entgegnete sie mit Nachdruck.
„Nun, dann darsl Du Dir auch das Plaisir machen, die Sachen zu kaufen. Die Bücher werde ich leisten."
„Natürlich! Kunststück! Du erstickst ja in Necensions- exemplaren."
„Nun gut, dann will ich das Christkindchen spielen. Er ist ja hübsch, der Brief", bemerkte ich mit Vaterstolz. „Aber die paar Fehler, die mutze ich ihr doch noch auf."
„Daß Dn Dich nicht unterstehst", eiferte meine Frau. „Daß Du ihr den Glauben nicht nimmst."
„Sie hat ja voriges Jahr schon leise am Christkindchen gezweifelt, und den Brief hat sie wohl nur geschrieben, weil sie ihrer Sache nicht ganz sicher ist und es im Falle mit dem Christkindchen nicht verderben möchte!"
Die Zweifel vom vorigen Jahr hat sie längst wieder vergessen", versicherte meine Frau. „Sie hat mir gestern erst mit Entrüstung erzählt, die Mimi Hogarth und die Philippine Camozzi glaubten nicht mehr an das Christkindchen."
„Eigentlich schade, daß sie wieder so gläubig geworden ist. Dann muß ich mir ja die Geschichte mit der dicken Minna wohl noch ein Jahr »ersparen?"
„Was für'ne dicke Minna?" fragte meine Frau beflissen.
„Nun, unsere Köchin zu Haus. Sie wurde querüber auf unser lammfrommes, altes Kinder-Pony gesetzt, beide wurden mit Betttüchern behangen und dann mußte» wir Kinder im gegebenen Momente diesem Christkindchen, das in angemessener Entfernung im Baumhofe vor einer Tannengruppe wirksam vorüberritt, ein lautes: „Danke, liebes Christkindchen!" durch das geöffnete Fenster zmufen (immer ein erhebender Moment)! Eines Weihnachtsabends nun bockte das himmlische Pferd vor unserem Geschrei, Christ-
kiudchen kreischte auf, purzelte in den Schnee und der Schwindel kam zu Tage."
„Meine Frau fand die Geschichte von der dicken Minna und dem Christkindchen nicht übel, schärfte mir aber nochmals ein, keine neuen Zweifel bei unserer Trudel zu erwecke» und sie bei ihrem Christkindchensglauben — den ich übrigens in Wirklichkeit gar nicht zu beeinträchtigen gedachte — zu belassen, denn sie sei eine ganz „verflixte Kröte".
Als ich Mittags von meiner Redaktion zum Essen heim» kehrte — Trudel, welche vorher zu Mittag speist, war längst wieder zur Schule — stellte ich meine üblichen beiden Fragen:
„Hat sie gut gefuttert?"
„Na, es ging so lala!"
„War sie lieb?"
„Sie hat ein „Gut" mit nach Hause gebracht und sehr nett mit den Katzen gespielt. Nachher aber war sie der reine Teufel. Die Frieda in ihrem Ordnungssinn hatte das Steinbauküstchen, das Trudel auf eine Ecke des Wunschzettels gesetzt hatte, damit der nicht fortflöge, wieder inS Zimmer gestellt und nun behauptet das Kind, nicht das Christkindchen habe das Briefchen fortgeholt, sondern die Frieda hätte eS gemeiner Weise unterschlagen. Es war ein großer Krakehl, Frieda hat natürlich alles geleugnet. Schließlich setzte sich Trudel wüthend an ihr Pult, schrieb ein neues Briefchen und erklärte dann kategorisch, jetzt würde sie es bald heraus haben, ob's ein Christkindchen gäbe oder nicht. Den Zettel hat sie wieder hinauf vor ihr Fenster getragen, dann hat sie ihre Zimmerthür verschlossen, den Schlüssel abgezogen und ihn an einem dicken Bindfaden um den Lew gebunden. So ist sie, trotz meines Protestes, in die SchM marschirt. Und nun sich Dn zu, wie Du das Briefchest fort bringst. Frieda hat schon vergeblich mit einer langest Stange hinauf geangelt." ?'
Der Fall lag entschieden schwierig, aber als ich mit einer Latte vorn Bodenfenster aus nicht ohne MW vW
