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°S. Httrtbm« für die «bend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittag« für die Morgen »Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingercichter Anzeigen per ®*,”?**B***"'e*"*‘*•*#*”* nächsterschcinenden Ausgabe wird keine ®cwä*r übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
1898»
Samstag» de« 17. Dezember.
Uo. 587
Fernsprecher No. 52.
Fernsprecher No. 52.
Aus Stadt und Zand
'■) Nicht zu verwechseln mit dem Parlaments-Abgeordneten Hehner.
— Lrhrfchmiedr. Der Beginn des nächsten Kursus zur ' '' - ‘ "stern an der Lehrschmiedc zu ...______ ........ „ii 6.März 1899, festgesetzt. An
meldungen sind zu richten an den Direktor des Instituts, Ober- Roßarzt a. D. Brand zu Charlottenburg, Spreestraße 42.
Ausbildung von Le Charlottenburg ist au'
— Insrrtionswrstu. Pünktlich wie feit 32 Jahren um die Weihnachtszeit erschien soeben die nächstjährige Ausgabe des großen Zeitungskatalogs der ältesten und bestrenommirtcn Annoncen-Expedition Haafenstein u. Vogler A.-G., welche bekanntlich an allen Hauptplätzen des Inlandes und vielen Strogen des Auslandes eigene Niederlassungen besitzt. Welchen Auf- chwnng und welche Bedeutung die ZertungSlirteratur in Ver- sindung mit dem Jnsertionswesen erlangt hat, beweist am besten der überraschend große Umfang dieses neuesten Zeitungskatalogs, der sich für 1899 als stattlicher Großiolio-Band von über 600 engbedruckten Seiten präsentirt. Das Werk ist äußerst geschmackvoll
eigenen Schiffen das eigene Halfterwerk auf 6er Lahn verboten werde. Als man sich daran nicht kehrte^ sägten sie nächtig bei Balduinstein einen Nachen der Firma Hamel und Huyssen entzwei und hielten an einem dunkeln Dezemberabend bei Diez einen solchen der Metallurgischen Gesellschaft an, prügelten den Segelschiffer und setzten ihn fest. Den von Runkel herbeigeeilten Geschäftsführer Bernus, der vergeblich vom Amte Hiilfe erbat, bleuten sie gleichfalls gründlich durch, und nur da« Einschreiten einiger Bürger rettete den Mann vor Schlimmerem. Doch erlangte er eine Schutzwache für den Nachen, und durch Maßnahmen der Regierung wurde weiteren Exeessen vorgebeugt.
Der konstitutionellen Verbindung wurde von demokratischer Seite, nachdem der erste Versuch im Juli mißglückt war, im September eine andere entgegengesetzt, der Verein fitr Wahrung der Volksrechte. Die Gegner nannten ihn Maulwurfsvcrein, von der wichlenden Beschäftigung dieses Tbirrchens. während die Maul- würfler der ihnen feindlichen Bereinigung den Namen Heioverein gaben, i weil man bekanntlich mit dem Heiovopeio artige und unartige Kinder zur Ruhe bringt. Heios und Maulwurfe befehden sich gewaltig in den Volksversammlungen, die meist unter freiem Himmel abgehalten wurden, solche fand statt aus dem Knoten bei Mengerskirchen, auf der Cramberger Heide, bei Wolfenhausen, Nastätten, Oranienstein, Katzenelnbogen und, wie wir schon - von früher wissen, oftmals bei der Elcndtmühle im Weil- thale, wo Pfarrer ©nett präsidirte. Meist unterlagen dabei die Heios; nur auf dem Knoten gelang es ihnen einmal, die Maulwürfe vermittelst handgreiflicher Mittel auseinander zu treiben. , Beim zweiten Mal aber marschtrtcn die Geschlagenen in doppelten Reihen auf (Führer war Bürgerwehrmajor Wimpf aus Weilburg) und konnten ihre Absicht erreichen. Seitdem sah Weilburg, die zweite Residenz eine fortwährende Fehde zwischen beiden Parteien, x wie ehemals Wiesbaden.
Die Versammlungen beschäftigten sich mit mancherlei, mit Abfassung von Protesten gegen Parlaments- und Kammerbcschliiffe, von Mißtrauensvoten gegen Abgeordnete, von Petitionen um politische Amnestirung, um Einrichtung von Geschworenengerichten, mit Debatten über Zehntablösung und progressive Einkommensteuer und mit Robert Blum, nicht dem lebenden, sondern dem tobten.
Während nämlich in Naflau harmlos geheiot und revoluzt M wurde, war's in Wien, das zuerst in die NevolutionStrompcte ge- ■ stoßen hatte, scharf hergegangen. Die wildeste Empörung durch- , brauste im Oktober die Kaiserstadt und bemächtigte sich ihrer. Da- k gegen bot der österreichische Hof seinerseits alle slavischen Gutedel - und Dulschfeinde zur Bekämpfung seiner Residenz auf. An der i Spitze der Horden stand der Feldmarschall Fürst Windischgrätz, der am letzten Oktobertage nach viertägigem Bombardement und i- Blutwerk Wien eroberte und es theilweise plündern ließ. Die von | den Reaktionären stets für nothwendig gehaltenen Einkerkerungen ( und Erschießungen folgten ohne Unterschied der Person, und unter | den Opfern des rücksichtslosen Siegers befand sich auch der E Parlamentsabgeordnete Robert Blum, der am 9. November auf der | Brigittenau den Tod durch Pulver und Blei fand.
Ein Schrei der Entrüstung ging durch ganz Deutschland, und M sogar den Heios in Nassau flößte di« Thal Besorgniß ein. Ucberall, | Wiesbaden voran, wurden Todtenfeiern für Robert Blum ab- | gehalten, tu allen Vereinen, in den vcrschicdenstenKirchengemeinden, t in allen Volksversammlungen. Das Frankfurter Parlament hatte K jjaar die Meetings im Freien im Umkreise von zehn stunden um die M Reichshauptstadt verboten; aber man kümmerte sich nicht darum.
Offenbach wohnhaft, ist das Konkursverfahren eröffnet und der Rechtsanwalt Heintzmann von hier zum Konkursverwalter ernannt worden. Konkürsforderungcn sind bis zum 5. Januar 1899 bei dem Gericht anzumelden.
— Stechbrieflich verfolgt weiten die Prostituirte Marie Hohl, geb. am 17. Februar 1877 zu Mühlen bei Limburg a. 2,, wegen Meineids; der Malergehülfe Gustav Moritz Herold, geb. am 30. Januar 1857 zu Limbach in Sachsen, wegen Beleidigung; der Korbwaareuhändler Johann Weinand, ged. 25. Juls 1866 zu Sahn, Kreis Düsseldorf, wegen Ruhestörung und Mißhandlung; die Verkäuferin Maria Wagner, geb. am 7. Juli 1875 zu Weinähr, Kreis Unterlahn, wegen Diebstahls; der Arbeiter Valentm Marcea ux, geb. am 27. September 1863 zu Mutterstadt, Bezirksamt Ludwigshafen, wegen Betrugs; der Taglöhner Karl Most, geb. am 23. April 1873 zn Steinbach, Kreis Hünfeld,wcgen Diebstahls; die Prostituirte Johannette Hoffmann von Wiesbaden, geboren am 21. Januar 1873 daselbst, welche wegen Kontrollübettretung zn Haftstrafen von 14 bezw. 7 Tagen verurthellt worden ist; die Dienstmcigd Johannette Riehl von Wisper, geb. am 23. Oft. 1879, zuletzt dahier, wegen Diebstahls; Schiffsschaukel-Arbeiter Wilhelm Am end, geb. am SO. Mai 1878 in Habitzheim, Kreis Dieburg, Arbeiter Bernhard Alois Zerbe, geb. am 11. September 1872 zu Mainz, Arbeiter Adam Groh, geb. am 16. Mai 1879 zu Neu- Isenburg, Arbeiter Friedrich Alix, geb. am 9. Oktober 1876 zn Fechenheim, Arbeiter Viktor Ad6, geb. am 26. März 1880 zu Straßburg i. E., wegen Körperverletzung.
* Darmflndt, 16. Dezember. Heute Vormittag stürzte in der Laudwehrstraße in der Nähe der Frankfurterstrabe ein noch nicht bewohnter vierstöckiger Neubau zusammen. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen.
Wiesbaden, 17. Dezember.
— Gefchichtskralender. 17. Dezember. 1493: Theophr. Paracelsus, Gelehrter, * Maria Einsiedeln. 1778: H. Davy, Physiker, * Pencanze. 1833: Kaspar Hauser, Findling, t (ermordet), Ansbach. 1889: W. Giesebrecht, Geschichtschreiber, f München. 1896: Rich. Pohl, Musikschriflsteller, f Baden-Baden.
— Königliche Schauspiele. Eingetretener Hindernisse wegen kommt Samstag, den 17. d. Mts., im Abonnement D statt der im Spielplan angekündigten Vorstellung »Der Barbier von Sevilla" „Cavalleria rastieana“ und „Das Versprechen hinter'm Herd" zur Aufführung. Anfang 7 Uhr. Einfache Preise.
— SLandevarttckliches. Eine Verfügung des Ministers des Innern bestimmt, daß die Standesbeamten in Angelegenheiten der Sinterbliebenen-Fursorge an Stelle der in den §§ 15 und 16 des ersonenstands-GesetzeS vom 6. Februar 1875 für Beurkundungen vorgeschriebenen Auszüge ans den Skandesamtsregistern in Zukunft kostenfteie Bescheinigungen in abgekiirzter Fonn ertheilen, tote solche bereits für andere Fälle durch frühere Verfügungen vorgeschrieben sind. Diese Bcscheinimingcn, zu denen die Formulare auf Kosten der Staatskasse herzustellen und an die Standesämter kostenftei abzugeben find, haben die entscheidenden Tbatsachen und die maß- aevenden Daten, in Buchstaben ausgeschrieben, zu enthalten und find unter Siegel und Unterschrift des Standesbeamten auszufertigen.
Dermischtes.
* Folgende Kußstudien bringt die .Allgemeine Zeitung": In Frankreich wird bei tausend Gelegenheiten tapfer geküßt: Der Bruder küßt die Schwester, der Gatte die Gattin, der Freund den Freund, ja man fände es zimperlich, wenn eine junge Frau sich weigerte, einem Freunde des Hauses beim Abschied oder zur Begrüßung nach längerer Abwesenheit die Wange zum Kuß zu reiche«. In England ist das Küssen unter den Gliedern einer Familie weniger gebräuchlich. Männer küssen einander nie. In Schott, land ist man noch zurückhaltender, und eine Frau wurde ihrer Würde etwas zu vergeben glauben, wenn sie ihr« erwachsenen Söhne küßte, und selbst wenn diese noch im Knabenalter stehen, sind die Mütter sparstnn mu Liebkosungen. In den Ländern des Nordens ist der Kuß aus« schließlich der Liebe Vorbehalten, wahrscheinlich deshalb, well man sich dort immer auf den Mund küßt, was diesem Ausdruck da Zuneigung den Charafter großer Intimität giebt. Solche Ved hältniffe machen es begreiflich, daß die jungen Mädchen ihre rosige« Lippen gegen die Angriffe kühner Vettern tapfer vertheidigen, und daß der Raub eines Kusses vom Gesetz als strastare Handlung bu trachtet und mit einer Geldstrafe belegt wird. Interessant ist blt Begriffsbestimmung des Kusses durch einen Chinesen. Ein Mandarin, der den Occident bereiste, um die europaiscden Sitten kennen zu lernen, befand stch in großer Verlegenheit, wie er den Kutz erläutern sollte, den man in seiner Heimath nicht kemtt. .Der Kuh," schreibt er, ,ift ein Akt der Höflichkeit, der darin bet steht, daß man seine Lrppen mit dem Kinn des anderen in Berührung bringt, wodurch ein Ton heworgebracht wird." Uebrtgenl ist der Kuß kein Privileg der Liebe, es giebt Umstände, wo ihn bie Hosetikette vorschreibt: Bei der Vermählung des Kronprinzen von Griechenland mußte, wie die ,Roiimanie" erzählt, die Brant nicht weniger als 150 Küsse austhellen. Drei Küsse bekam der König, ebensooiele die Königin, drei die Kaiserin Friedrich, drei des
Meilenweit marschirten die Leute zum Versammlungsort, und trotz Schneesturm und Regen wurden die Zusammenkünfte abgcbaltcn. Artikel und Gedichte inZeitungen undFlugschristen erschienen in Menge. Fürst Windischgrätz war, wie in Deutschland überhaupt, auch in Nassau der bestgehaßte Mann, und Tausende verfluchten seinen Namen. Der Volkszorn erfanute sehr wohl den blutigen Hohn, der sich in der Hinrichtung Slums, des beliebtesten Voiksmannes, gegen oaS Volk und feine Bestrebungen offenbarte. Man sah in Windischgrätz die Verkörperung der tückischen Reaktion, und aus dieser Stimmung heraus läßt es sich begreifen, daß der Zorngrimm der ßcute einen Purzelbaum schlug, als sie auf der Versammlung zu Nastätten die steckbriefliche Verfolgung und auf jener bei der Elendsmühle bte Reichsachtserklärmig des .Mörders" verlangten. Aber nicht nur mit dem Mundwerk, auch mit der Thai war man bei der Hand; für die Hinterbliebenen Blums kamen in Wiesbaden durch freiwillige Sammlungen an siebenhundert Gulden zusammen.
Um dieselbe Zeit fast, da die Blum-Erregung das Land aufwühlte, war auch die andere Hauptstadt Deutschlands, Berlin, wieder zur Ruhe gebracht worden, und zwar sänftiglich durch den General v. Wrangel, ohne daß es zum Blutvergießen gekommen wäre. Man hat van rothcr Seite her vielfach versucht Wrangcl mit Windischgrätz zu parallelisiren; aber der alte, gemüthliche Papa Druff war beim doch himmelweit von dem kalten und herzlosen Halbdeutschen verschieden.
Die tragischen Zwischenfälle int Auslände, wie man offiziös damals das nichtnassauische Deutschland bezeichnete, hielten unsere westerwälder Bauern nicht ab, ein Bischen Schalkskomödie zwischenhinein zu treiben. Vorzugsweise im Ländchen der .blauen Husaren" (ehemals Kurtrierifchen und Naffau-Hadamarischen) geschah dies. Es war da in der Nordtoestecke wie in der bassenheimtschen Sudostecke zu Zeiten der Waldfrevel vom souveränen Volke für gesetzmäßig erklärt worden. So wird erzählt, daß bei den Kirchweihfesten folgende Sitte üblich geworden sei. Nach .Kerwcschluß" rückten Frauen und Mädchen, mit Beilen und Holzsägen ausgerüstet, in den Wald, legten unter Sang und Spiel dem stärksten (nicht etwa dem faulsten) Baume die Axt an btc Wurzel, fällten und zerkleinerten ihn und theilten den Erlös des Klaflerholzes unter sich. Mancherorts trieben .Unternehmer", zu anderen Zeiten Hehler genannt, einen sehr gangbaren Handel nicht nur mit gefrevritem Brennholze, sondern auch mit daraus zurecht geschnittenen Brettern. Eine .Unternehmer-Gesellschaft" soll sogar die Herstellung einstöckiger Holzhäuser zum Preise von dreißig Gulden, Stück für Stück, offcrirt haben. Das Brennholz wäre, heißt es weiter, so billig geworden, daß das beliebte Brennmaterial, die Braunkohle, gar nicht mehr begehrt worden sei, und viele Gruben seien deshalb eingegangen.
Ein viel besprochener Fall war der berühmte Fischzug, den das souveräne Volk zn Mengerskirchen verübte. Die Domänenbeamten wollten im Oktober aus dem dortigen großen Weiher etwa fünfzig Gentner säuberlich ausgefischte Karpfen und andere geschuppte Teichbewohuer versteigern. Sie wunderten sich über die große Menge der Steigerungslnstigen, waren aber damit kaum zu Ende, als ein Schwarm der Gäfte auf die Fischkasten fiel, sie, hast Du nicht gesehen, entleerte und die zappelnden Insassen Tags darauf auf eigene Faust und zum eigenen Nutzen selbst in der Umgegend versteigerte. Die Beamten dachten: .Was kann da sein?" notirten die Thatsache und schifften sich wieder ein.
Das Gelungene bei diesen Landpirateriestückchen war, daß die Leute sich in dem Glauben befanden, ste begingen keinen Diebstahl an fremdem Eigenthnm. Es war das naive L’Efat c’eat moi, nur diesmal nicht vom absoluten Herrn König, sondern vom absoluten Herrn Volk gesprochen, das die Leute irrefühtte. Neben den .gesetzlichen" Jrrthümern kamen aber gegen Ende des Jahres auch manche „ungesetzliche" vor, verbrochen durch Landstreicher, einzeln oder pnr coropagnie. Es war doch z. B. ein starkes Stuck, das an den Postraub von Esch erinnerte, wenn eine Baude cs unternehmen konnte, in einem hadamarischen Dorf die Kirchenglocken zu stehlen, eine andere, bei Camberg die Leiche des alten Waierloo- kämpfer«, General v. Kruse, zu berauben.
All das sind recht unliebsame Aeußernngen und Begleiterscheinungen der nassauischen Revolution gewesen, und die folgende Reaktion hat es genugsam verstanden, das Äecidentielle als das Aktuelle hinzustellen.
und luxuriös ausgestattet. Alle Zeitungen der Welt, sowohl politischen als auch fachlichen Inhalts find übersichtlich nach Lindem und Erscheinungsorten geordnet und mft genauen Atteln darin aufgeführt, nebst allen für den Annoncentheil in Betracht fommenben Angaben, wie z. B. Erscheinungsweise, Zeilenpreis, Spaltenanzahl und Breite derselben, Tendenz des Blattes ec. ec. Außerdem enthält dieses, für Inserenten unentbehrliche Nachschlagebuch einen für Jedermann verwendbaren Tages- und Notizkalender und den Abdruck vieler für die Geschäftswelt wissenswerther Verordnungen, Tarife und Tabellen, wie Rcichsbankverkeho amtliche Veröffentlichungen, betreffend das Post- und Telegraphenwefen x. lieber die fortgesetzt erfolgende Ausbreitung und Erweiterung der geschäftlichen Beziehungen der Firma Haafenstein u. Vogler giebt das Vorwort des Zeitungs-KataiogeS für 1899 einige Andeutungen; so z. B. erscheint die Firma zum ersten Mal auch als Besitzerin einer bedeutenden Buchdrucker«, welche den über 600 Seiten umfassenden Zeitungskatalog diesmal bereits selbst heraestellt hat. Ferner ist eine «-pezialabthcilung abgezweigt, welche sich mit der publieistischen und thatsächlichen Einführung chemisch-pharmaeeutischer Spezialitäten und Neuerungen, die Nahrungs- und Genußmittcl- branche betreffend, beschäftigt. Erprobten, sachkundigen und litte» rarischenKräften ist die Leitung dieser Spezialabthellungen anvertraut.
— KLnstlerpostkartei». Die bekannte Theesirma Meßmer hat neuerdings wieder einige prächtig auSgeftattete Ansichtspostkarten: Abend am Rhein („Meoerwalddeukmal") und „Der Rhein bei Schaffhausen" heransgegeben, welche von Sammlern sehr gesucht werden dürsten. Die Karten sind von einem hervorragenden Künstler entworsen und werden nicht verkauft, sondern stehen den Käufern von Meßmer-Thee gratis zur Verfügung.
— Ein Schwindler setzt die Abonnenten des „Wiesbadener Trottoir-Reimgungs-Jnstitnts" in Kontribution, indem er ein gefälschtes Schriftstück vorzeigt und auf Grund dessen Geschenke für die Arbeiter des Instituts einzusammeln sucht. Die Direktion warnt misdriicklich im Jnseratentheil des „Tagblatt" vor dem Bettüger und bemerkt, daß. wenn die Abonnenten den Straßenreinigern zu Weihnachten oder Neujahr Etwas zukommen lassen wollten, sie dies nur nach Vorzeigung eines gehörigen Ausweises thun möchten. Etwas zu fordern, fei Niemand berechtigt.
o. tUngenrihrner 5 dpt. Der Taalöhner Christian S.- ist darüber, daß er seinem Sohne wegen dessen leichtsinnigen Lebenswandels Vorhaltungen machte, von jenem in seiner Wohnung in der Kellerstraße mittelst eines sogenannten Todtschlägers ans das Gröblichste mißhandelt worden. Der alte, bedauernSwerthe Mann hat u. A. so erhebliche Verletzungen am Kopfe erlitten, daß er in das städtische Krankenhaus iy,fgeiiommcu werden mußte. Dem verworsenei! Burschen wird hoffentlich ein gehöriger Denkzettel gegeben.
| Morgen-Äusgabo.
Ach1irndvier;iger Nassauer Chronik.
Eigener Aufsatz für das „Wiesbadener Tagblatt".
Von Dr. C. Spielman».
XXVII. Die Herbstaffairen auf dem Lande.
Als der Herbst herannahte, das letzte Drittheil des Jahres, da war die Bewegüng, die zn Anfang des Frühlings die Hauptstadt so gewaltig aufgeregt hatte, in letzterer beinahe zur Ruhe gekommen. Aber auf dem Lande dauerte sie fort, ja begann sie sogar noch einmal stärker aufzuflackern. Der Grund dieser Erscheinung lag darin, daß den Bauern mit Ausnahme der Bewohner der Mainebene in der Nähe der Reichshauptstadt, die Reaktion nicht so fühlbar gemacht worden war. Und dock ist es eigeuthümlich, daß die Lahntbaler und Westerwälder besonders, die theilweise die 1 Juliexcesse in Wiesbaden so verurthellt hatten, nunmehr diejenigen
waren, bte am meisten von sich reden machten.
Die Verjagung der mißliebigen Schultheißen und deren Ersetzung durch Männer aus ihrer Mitte, die Nachgiebigkeit der Regierung in der Wald-, Jagd-, Fron- und Zehntfrage hob das Souveranetäts- betonßtfein der Landbevölkerung ungeheuer, und das führte oft zu den wunderlichsten Vorkommnissen. Allerdings ist die Art, wie sich dann genanntes Bewußtsein tn fraftgenialen Streichen äußerte, keineswegs stets typisch zu nennen. Gar leicht ließen sich aber reaktionäre Darsteller jener Ereignisse zu dieser Annahme verleiten.
Die Souveränetät des Volkes zeigte sich unter anderem in den geharnischten mündlichen, schriftlichen oder „handlichen" Maßregelungen mißliebiger Volksvertreter, die jetzt recht zahlreich wurden. Dem Abgeordneten und Parlamentsmitgliede Schepp z. B. wurden oon seinen Wählern im Amte Langenschwalbach fortgesetzt seine reaktionären „Sünden" vorgehalten. Der Abgeordnete Zollmann soll von den seinen ans dem Amte Diez beiShrberg sogar tbätlich ingegriffen worden fein, obwohl bann wieder behauptet wurde, er selbst habe bie Sache übertrieben und sich auf die Rolle eines „nassauischen" Lichnowsky hinausgespielt. Dahingegen erhielten die „Volksmänner" Beweise der fortgesetzten Anhänglichkeit, so Naht und Hehner*) auf dem Westerwald, und Snell im Wellthal. Der Lehrer Rühl war mit einem bis dahin unerhörten Freimuth gegen bie Mängel an Schulwesen, namentlich in der Schul- aufsicht, persönlich gegen Seebode und einige Geistliche loSgezogen and deshalb von Oberursel nach Camberg versetzt worden; er erhielt oon der Regierung Maßregel über Maßregel und wurde auch verklagt. Als ihn das Usingener Hofgericht freisprach, wurde das Faktum von der demokratischen Partei als großer Sieg gefeiert. Auf der anderen, der orangeblauen Seite, fehlte es nicht an Gegendemonstrationen, die sich aber, von der blindwüthigen Menge aus- gefübrt, meistens an bie unrechte Adresse richteten. So sielen in Bleidenstadt die Gegner der Simnltauschule über deren Anhänger n her; diese zogen blank, die andern auch, und es kam zu einem regel-
& rechten Religionsmessergefechte. Auch die Lahnschiffer regten sich
] wieder. Sie verlangten, baß den ftemden Gewerkschaften mit
•e. Jahrgang.
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Verlag: Langgasse 27.
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