1898;
Freitag, den 9. Dezember,
Fernsprecher No. 52.
Ko. 573
Fernsprecher No. 52.
Morgen-Ausgabe
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... ... nichts zu gering ist, belohnt Sinn sorgsame Hausfrau wird eher 8 eine größere Anschaffung zu machen.
— Mrihnachtsmarkt. Der diesjährige, heute Freitag, den 9. Dezember dieses Jahres, beginnende Weihnachts-Wochenmarkt
(Nachdruck verboten.)
Kleinigkeiten.
Von E. Ritter.
(Nachdruck verboten.)
Kelkstbereitete Konfitüren.
<5in Kapitel für unsere Hausfrauen.
Von M. Koffak.
Faroswff noch Zimmt, sondern hinein, da cS hierbei darauf ankommt, ihn gatt;
Bonbons, gleichviel welcher Sorte sie angel immer. Damit sie klar werden, muß man I
Zucker und bricht er, so ist er zum sechsten Grade, das heißt, zum Bruch gekocht. Es rst dies die Konsistenz, die man für Bonbons, gebrannte Mandeln und Morsellen braucht.
Die am hübschesten aussehenden Morsellen sind zweifellos die mit Gewürzen gemischten. Man schneidet dafür nach Belieben Simmet, Nelken, Vanille, getrocknete Kornblumenblätter, Sukade- Citronen- und Apfelsinenschale und Mandeln, eventuell auch eingemachten Ingwer, möglichst fein, schüttet Alles in dem zum Bruch gekochten Zucker, rührt es tüchtig durch und gießt dann die ganze Masse auf eine stäche Bratenschale, die zuvor mit gutem Oel aus- gestrichen ist. Noch bevor der Zucker erkaltet ist, wird er in fingerlange und breite Streifen geschnitten; Chokoladen- und Himbeer- morsellcn entstehen durch Vermischung des Zuckers mit ein wenig — ja nicht zu viel — geriebener Chokolade, resp. Himbeersaft. Alle Morfellen werden, sofern man fte für Geschenkzwccke benutzen will, in zierliche, mit Vapierspitzen ausgeklebte, Pappschächtelchen mit hübschen Bildchen darauf gepackt.
Für gebrannte Mandeln mischt man den gekochten Zucker mit Zimmt und etwas Cochenille und schüttet dann rasch die Mandeln darein, die nur umgerührt und darauf gleich vom Feuer genommen werden müssen. Man thut gut, sie möglichst schnell vott einander zu lösen, da sie sonst einen großen Klumpen bilden würden. Will man Wallnüffe verzuckern, so wird der Zucker mit noch weniger Wasser, als man sonst nimmt, geläutert, auch schüttet man weder Faroswff noch Zimmt, sondern nur wenige Tropfen Essigsäure iz glasig zu bekommen, gehören, gelingen nicht . , dem Zucker gleichfalls
etwas Säure, und zwar am besten Weinstein säure, zusetzen. Von der Verwendung von Fruchtsäften rathe ich entschieden aß, da sie die Bonbons meist kleb-ig machen oder zerfließen lasten. Ausgenommen hiervon ist einzig und allein Citronensaft, der dann eine'anderweitige Säure ersetzt. Ein sehr angenehmes Aroma wird den Bonbons mit Rosenwaster, Orangenblüthwasser, Vanille, Apfel- gelee und Jasminöl verliehen. Von letzterem genügen auf ein Kilogramm Zucker acht Tropfen. Für Rosenbonbons, die man mit einem Atom Cochenille färbt, läutert man den Zucker allein mit Rosenwaster, Orangeblüthwasser, indessen wird mit Wasser gemischt. Will man den Bonbons Vanillengeschmack geben, so läßt man fein- geschnittene Vanille in dem zum Läutern bestimmten Wasser ziehen und seiht letzteres, bevor es auf den Zucker gegossen werd, durch ein reines Tuch. Sehr erfrischend sind Apfelbonbons, für die man beim Kochen des Zuckers zu einem Kilogramm desselben 30 Gramm
Aus Stadt und Zand.
Wiesbaden, 9. Dezember.
— Gcschichtslralrnder. 9. Dezember. 1608: John Milton, engl. Dichter, * London. 1641: 81. v. Dyck, Maler, t London. 1717: I. I. Winckelmann, Archäologe, * Stendal. 1742: K. W. Scheele, Chemiker, * Stralsund. 1824: A. v. Winterfeld, humoristischer Erzähler, * Alttuppin. 1845: Frhr. b. Tettenborn, Streiscorpsführer, t Wien. ______________________
— Personal-Nachrichten. Ernannt: Postassistent Schlau in Korb (Westerwald) zum Pvstvcrwatter in Korb (Westerwald). — Versetzt: Postsekretär Plath von Limburg (Lahn) nach Homburg v. d. Höhe.
— Ans dem Magistrat. Die für den 25. November ausgeschriebene Verdingung von 81rbeiten an einer Kanalstrecke auf der Weinbergstraße ist aufgehoben worden, da von den ein- gelaufenen Angeboten keine« annehmbar erschien. Die Arbeiten werden demnächst nochmals zur Vergebung ausgeschrieben. — Der Verein für Feuerbestattung hat beim Magistrat beantragt, auf dem Friedhof einColumbartum zu errichten, das etwa 180 Urnen fasten würde. Das Gesuch ist mit dem Hinweise daraus begründet, daß die Feuerbestattung immer mehr Anhänger finde und das bisherige sich als nicht ausreichend erweise. Der Magistrat beschließt, in den nächstjährigen Etat zu diesem Zweck 15,000 Mk. einzustellen vorbehaltlich der Genehmigung des Projektes durch die städtischen Kollegien und des Geldes durch die Stadtverorbneten-Versammlung. Außerdem ist die Friedhofs-Deputatton ermächtigt worden, Platze um das Kolumbarium herum an die Hinterbliebenen von Feilerbestatteten zur Errichtung von Denksäulen u. dergl. denmächst abzugeben. — Dem Vorsitzenden der Eisbahn-Gesellschaft Nerothal, Herrn Kaufmann Ludwig Schwenck, ist, wie in früheren Jahren, wieder der Betrieb auf dein Eisweiher hinter der Beausite übertragen worden. — Die bekannte Petition der Weinhändler bezüglich der Weiterverpachtung der Kurhaus-Restauration ist der Kurhausdeputation Überwiesen worden, welche demnächst dem Magistrat darüber Vorschläge machen soll.
zeigt, daß der Wiesbadener Kaufinannsstand ganz genau weiß, daß unsere Stadt heute einen internationalen Charakter trägt, und daher nicht ruht in dem Bemühen, jeden, auch den verwöhntesten Ansprüchen nach Cvmfvrt, Schönheit und Zweckmäßigkeit zu genügen, sodaß die hierhin übersiedelnden Großstädter in Nichts einen Wunsch übrig haben sollen. Und was hier tm Anschluß an die verdiente Erwähnung einer wirklich bemerkenswürdigen Ausstellung einer einzelnen Firma gesagt ist, kann ohne Sebeiifen auf viele anderen gleicher oder fonftiger Branchen angewandt werden. Sie alle schreiten mit dem Zeitgeist voran und — wer nicht rastet, der rostet nicht.
Aepselgelse zurührt. Ist der Zucker zum Bruch gekocht, so schütte man ihn ziemlich dünn auf eine mit Oel bestrichene ^Porzellan- platte oder in Erinangelung davon auf eine stäche Schale und zerschneidet ihn rasch, bevor er trocken geworden, m kleine viereckige Stücke.
Als verhältnißmäßia einfach erweist sich die Herstellung der russischen Marmelade. Irgend ein beliebiges Obst wird geschäln resp. gekernt, und in einem Kessel mit so viel Wasser gekocht, alH dazu gehört, um es überstehen zu lassen. Wenn die Masse breiig geworden ist, treibt man sie durch ein Haarsieb, schüttet sie darauf tn den Kessel zurück, giebt die gleiche Gewichtmenge gemahlenen Zucker dazu und läßt Alles unter beständigem Rühren auf schwachem Feuer zu einem ganz steifen Brei einkochen. Er muß so fest fein, daß er, halb erkaltet, bereits trocken ist. Noch ganz heiß wird die mindestens fingerdick aufgeschüttete Marmelade in Streifen und Würfel geschnitten. Sehr hübsch sieht c3 aus, wenn man sie in kleine Blechformen füllt und diese dann auSstülpt. Kuchentorinen aus Spielzeugschachteln lasten sich sehr gut dafür verwenden. Wenn die Pasten erkaltet sind, bestreut man sie mit grob gemahlenem Rohrzucker und trocknet sie bei ganz schwachem Feuer ober besser noch in bet Sonne. Im Allgemeinen finb die aus Aepfeln gekochten die billigsten und am einfachsten zuzubereiten. Der Abwechselung wegen kann man die Hälfte des Marmeladenbreies mit rother Gelatine färben.
Sehr gern werden neuerdings Pralinöes angefertigt. Macht man sie mit fonbantartiger Füllung, so kocht man ben Zucker nicht bis zum Bruch, sondern nur bis zum starken Faden. Hierfür ist die Probe folgende: man taucht ben Schaumlöffel in ben kochenden Zucker, streicht mit dem Daumen etwas ab und versucht, es mit Hülfe des Zeigefingers auseinander zu ziehen. Reißt der Zucker nicht gleich, sondern läßt er sich fortspinnen, so besitzt er ben erforderlichen Grad. Man nimmt ihn nun vom Feuer, thut Vanille, abgeriebene Citronenschale ober etwas Himbeergelöe dazu und rührt ihn so lange, bis er sich in eine undurchsichtige Masse verwandelt hat. Aus dieser werben ninbe Kügelchen geformt, bie man tn heißen geschmolzenen Cacao taucht und auf emtm Papier trocknen und erkalten läßt. Wünscht man die PralineeS mit Mandelfüllung, so schüttet man in ben zum Faden gekochten Zucker geriebene Mandeln in der gleichen Gewichtmenge.
Mit geschmolzenem, aber stark gesüßtem Cacao kann man auch Hasel-, Wall- unb Paranüsse, Mandeln, geröstete Kastanien, flehte Macronen, Vanillewaffeln unb Bisquitplätzchen überziehen. Die letzteren werden meist noch mit buntem Streuzucker verziert.
c* für die Rvend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen.Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur
nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
wird auf dem hinter dem Nathhause, zwischen der Markt- und Delaspscstraße belegenen Platz abgehalten.
— Wurstsuppe für Arme. Mit Verausgabung von Wurstsuppe an Bedürftige in dem Accisehof in der Neugasse wird Montag, den 12. Dezember er., begonnen werden. Die Verausgabung erfolgt jeden Wochentag Abends von 7'/, bis 8'/, Uhr. Alle Personen werden berilcksichtigt, die sich zur bestimmten Zeit daselbst einfinden. Die Wurstsuppe ist reich an Fett, enthält auch Eiweiß unb eignet sich vorzüglich zur Herstellung von Suppen aller Art, insbesondere Brod-, Kartoffel-, Mehl-, Reis-, Erbsen-, Bohnen- und Linsensuppe, sowie von Gemüsen. Es erscheint wünschenSwerth, daß diejenigen Kreise, für welche diese Einrichtung besttmmt ist, möglichst weitgehenden Gebrauch davon machen.
— LelsrrrsteUrn. Zn besetzen sind Schulstellen zu Reitzenhain im Kreise St. Goarshausen, zu Katzenelnbogen im Uitterlahnkreise, zu Dick schied im Untertaunuskreise und zu Donsbach im Kreise Dill.
— Dao Kirr, das nicht getrunlnt wird, hat seinen Berns verfehlt. Dieser zum geflügelten Wort gewordene Ausspruch eines bekannten Parlainentariers kam uns unwillkürlich in den Sinn beim Durchlesen nachstehender Mittheilungen der „Berk. Korresp/ über „Bierbrauerei unb Bierbesteuerung": In allen deutschen Steuergebieten hat die Erzeugung und der Verbrauch von Bier im Rechnungsjahr 1897 gegen früher recht erheblich zugenommen. In der Hauptsache wird dieses Ergebmß auf die günstige Lage von Gewerbe unb Handel unb die dadurch hervorgerufene bessere Lebenshaltung großer Bevdlkerungskreise zuriickgeführt; doch haben auch die geringe Obst- und Weinernte des Jahres 1897, sowie nicht ungünstige Witterung mitgewirkt, den Biergenuß zu fördern. Im Brausteuergelüct (dem deutschen Zollgebiet ohne Bayern, Württemberg. Baden, Elsaß-Lothringen und Luxemburg) wurdest im letzten Rechnungsjahr 41,6 (Vorjahr 38,4) Millionen, hl Bier erzeugt, in Bayern 17 (Vorjahr 16,2) Millionen bl, Württemberg 4,1 (Vorjahr 3,8) Millionen hl, Baden 2,7 (Vorjahr 2,2) Millionen ht in Elsaß-Lothringen 1 Million hl (Vorjahr 0,9 Millionen hl) uni im ganzen deutschen Zollgebiet (einschließlich Luxemburg) 66,6 (Vorjahr 61,6) Millionen hl. Für das Brausteuer - Gebiet, Württemberg und Elsaß-Lothringen beziehen sich diese Zahlen auf bie Zeit vom 1. April bis 31. März, für Bayern und Baden auf das Kalenderjahr, wobei zu bemerken ist, daß tn Baden mit dem 1. Januar 1897 ein neues Stenergesetz in Kraft getreten ist und da? Dorbergegnngene Steuerjahr die 13 Monate vom 1. Dezember 1895 bis zum Schluß des Jahres 1896 umfaßt hat. Unter Berücksichtigung der Ein- und Ausfuhr berechnet fich bpc Bierverbrauch tm letzten Jahr auf den Kopf der Bevölkerung für das Brausteuergebiet zu 103,5 1 (Vorjahr 97,4 1), Bayern 243,5 (234,3) 1, Württemberg 194,8 (183,1) 1, Baden 154,8 (126,1) 1, Elsaß-Lothringen 76.0 (74,8) 1 und für das ganze deutsche Zollgebiet zu 123,1 (116,0) 1. — Hiernach scheint die Befürchtting von Bernfsverfehluiig des Bieres im deutschen Reich noch nicht begründet zu fein. .
— Luu Aufhebung des Trinkzwauges in den sttidentischen Korporationen tritt ein Aufruf ein, der von Dr. jur. Rudolf OsiuS, Landesdankrath in Kassel, und alten Herren „einer der ältesten studentischen Korporationen" verfaßt ist und vom Vorstand deS deutschen Vereins gegen Mißbrauch geistiger Getränke sämmtlichest studentischen Vereinigungen zugeschickt werden soll. Der Frühschoppen hat theilweise schon daran glauben müssen, nun will matt auch dem Trinkzwang an den Kragen, ohne den die berühmte deutsche Trinkfesttgkeit nicht zu erreichen ist. Da wird mancher ehemalig^ Bursche mit doppelter Wehmuth fingen: I „O alte Burschenherrlichkeit, wohin bist du entschwunden 1"
— gtrrkbrieflidj verfolgt werden der Schreiner Franz Joseph Galm, geboren am 20. September 1870 zu Kirchzell, Bezirksamt Miltenberg, wegen Pfandverschleppung, der Sttafgefangen« Weinhändler Emilio Pagani, geboren am 8. November 1858 zu Obermorbio, Kanton Tessin, Schweiz, aus der Strafanstalt Eberbach entwichen, der Kutscher Friedrich Kleider aus Äiettcnfcld in Württemberg, an dem eine Gefängnißstrafe von 4 Monat und 2 Tagen Haft vollstreckt werden soll, der Fuhrknecht David Breniser, geboren am 27. Dezember 1867 zu Grebenroth, zuletzt
— Die Ausstellungen der Wiesbadener Geschäftswelt bekunden, namentlich jetzt beim Herannahen der Weihnachtszeit, fast durchgängig einen höchst erfreulichen Sinn für guten Geschmack und das rege Streben, nicht zurückzubleiben hinter den Anforderungen der Neuzeit, die wahrlich keine geringen sind. „Wer' Vieles bringt, wird Jedem Etwas bringen* — so lautet der löbliche Grundsatz, und man darf hinzufügen, daß es nicht nur Vieles, sondern vorzugsweise auch Gutes, ja sehr Gutes und dabei doch Preis- wertheS ist, was da Alles dem Käufer geboten wird. In allen Zweigen der Industrie und des Handelsstandes ist eine Rührigkeit bemerkbar, die Einen staunen läßt über bie Fortschritte der Technik, sowohl in praktischen Gebrauchsgegenständen als auch in wirklich künstlerisch ausgeführttn Luxus- und Phantasie-Gegenständen. Wer z. B. jetzt bei Dunkelwerden durch die Friedrichstraße wandert, wird mit Bewunderung die Schaufenster der Firma Nicol. Kölsch wahmehmen und gebannt sein durch die Reichhaltigkeit der Ausstellung, vor Allem aber durch die prächtigen Licht-Effekte derselben. Eine imposante Auswahl jeder Art von Beleuchttingsgegenständen m Bronze, Kupfer, Schmiedeeisen re., sowie in echt venetianischem Glas ist hier mit feinfühligem Verständlich in ben mannigfachsten unb aus- gewähltesten Mustern unb Farbentönen vertreten, unb in vier großen Schaufenstern erstrahlt bies Alles in elektrischer Beleuchtung in jeglichen Farben des Spektrums. Auch bie Heizungsbranche ist schön und reichhaltig ausgestattet. Neben dem einfachen Gaskamin und Gasofen haben solche in Bronze, Emaille und reich verziertem Majolika, sowie bie Heizungskörper für alle Arten von Centralheizungen Platz gefunben. Auch die Apparate für hygieinische und sanitäre Zwecke, sowie Bade- einrichtungen, Oefen und Kochherde mit unb unb ohne Heißwasser- bereitung fehlen nicht. Man kann biefem sehenswerthen Schaustück die Anerkennung nicht versagen, umso weniger, als sie aufs Neue zeigt, daß der WieSbabeuer Kaufmannsstand ganz genau weiß, daß
Im Hinblick auf das bevorstehende Weihnachtsfest, bei dem wfahruugsgemäß in einer einigermaßen zahlreichen Familie große Quantitäten von Konfitüren vertilgt werden, dürfte sich vielleicht bei so mancher guten Hausmutter, deren Geldmittel nicht unendlich find, und die doch ihre Lieben bie Süßigkeiten nicht gern entbehren lassen möchte, der Wunsch regen, durch Selbftbcreitung sich die Konfitüren in größerer Menge unb für wenig Geld zu verschaffen. In der That kann dies auch geschehen, wenn man sich auf die- ientaen Sachen beschränkt, die tm eigenen Hause ohne große Anschaffungen fich Herstellen lassen. Es ist das, streng genommen, Dreierlei: erstens Bonbons, sowie überhaupt alle diejenigen Süßigkeiten, welche im Wesentlichen ans einfach gekochtem Zucker, ohne Benutzung von Formen und maschinellen Einrichtungen gewonnen werden; zweitens Fruchtpasten, auch russische Marmelade genannt, unb brittens Praltnöes. Alle anderen Konfitüren-Fiauren mit Eiqueurfüllung, Tragant- unb Chokolaben-Figuren, Fondants, englische Drops, Setdenbonbons, kandirte Früchte rc., sind ohne größeren Apparat und ohne daß man es gründlich gelernt hat, nicht herzustellen. Jeder Versuch in dieser Hinsicht kann nur unvollkommene Resultate zeitigen. Dennoch vermag die Hausfrau ch mit den ihr zu Gebote stehenden Mitteln recht viel Ab- .■mfeliing zu erzielen, sofern sie Zucker und Chokolade mit anderen Ingredienzien zu mischen und die fertigen Konfitüren verschiedenartig zu beforiren versteht.
Von äußerster Wichtigkeit für das Gelingen von Engigkeiten ist es, daß man genügende Sicherheit im Kochen des Zuckers beuyt. Derselbe wird nach acht Graden gekocht, doch kommt für uns eigentlich nur der sechste in Bettacht. Zuerst fetzt man tim mit etwas Wasser aufs Feuer — hat man Hutzucker, fo genügt es, 9a8 betreffende Stück in Wasser zu tauchen, verwendet man dagegen gemahlenen Zucker, so muß man nach Belieben May er zu- tteßen Sobald der Zucker geschmolzen und ins Kochen gekommen St, schäumt man ihn sauber aus und läßt ihn bann weiter kochen, zill man nun erkennen, ob er ben sechsten Grad erreicht hat, fo mucht man in einen Topf mit kaltem Wasser einen hölzernen Löffelstiel ober ein dünnes rundes Stäbchen, mit bem ntan daraus rasch in den Zucker und bann wieder ins Wasser fahrt; lost sich der
Eine der ersten Regeln für bas Gedeihen eines Haushaltes ist bas Beachten von Kleinigkeiten. Es ist eine Kleinigkeit, ein Stückchen Fournier, welches an einem Möbelstück abgesprungen, so wieder zu befestigen, daß der Schaden nicht bemerkbar ist, aber es ist sehr schwierig, das Stückchen, wenn es verloren gegangen, durch ein neues ersetzen zu lassen. In Farbe und Strukttir bekommt man es selten passend, man sieht das Flickwerk, und ein solcher Schaden vermag ein ganzes Möbel zu eiitstellen. Ungeschickte Kinderhände haben eine der vier Quasten an der Tischdecke abgedreht. Schnell ben Faden unb die Nabel zur Hand — mit ein paar Stichen ist geholfen. Aber man hat im Augenblick nicht Zeit. Nun, bann wird die Quaste wenigstens an einen Ort gelegt, wo sie bald wieder ins Auge fällt, in ben Nähtisch ober bas Arbeitskörbchen. Sonst heißt e8 leicht nach ein paar Tagen: „Ach, bie Quaste fehlt immer noch, jetzt soll sie aber gleich angenäht werden. Wo ist sie hin? Ja, sie ist verschwunden, spurlos. Niemand will sie gesehen haben, das Haus wird umgewendet, wie man zu Jagen pflegt, vergebens! Die Decke ist fertig gekauft worden, dieselbe Quaste ist nicht mehr zu haben, bedeutet vier neue. — Ein Mantelknopf reifst ab. Er wird, anstatt sofort wieder befestigt zu werden, in der Eile in bie Tasche gesteckt, vergessen, mit bem Taschentuch herauSgezogen und zertreten. Die ganze Garnitur ist werthlos. .
Das sind Alles „Kleinigkeiten", die aber tm Laus der Zeit eine g ansehnliche Summe an Ausgaben nöthig machen. Man sollte sich niemals die Mühe verdrießen lassen, derartige kleine Schäden sofort wieder gut zu machen, oder sie, wenn es „sofort" eben unmöglich, doch sorglich in Gedanken behalten unb ben ersten freien Augenblick zur Wiederherstellung benutzen, damit aus bem kleinen Schaden nicht ein großer werde. Ist ein Stückchen Tapete los, so klebe man E es schleunigst fest, ehe ein langer Riß entsteht, der bie ganze Wand entstellt. Beinertt man einen losen S3ilbernagel, ber fein goldiges Köpfchen bereits nach unten neigt, so verschiebe man cs keinen Augenblick, ihn zu befestigen, denn sonst, o weh! beim ersten heftigen Zuschlägen einer Thür thut es einen Krach, und das Bild stürzt an der Wand herunter, sicher, nicht ohne Schaden zu leiden. Es find das alle«, wie gejagt, Kleinigkeiten, aber aus tausend Kleinig- eiten ist ja ein Haushalt zusammengesetzt, wenn man'S recht überlegt, unb eine sorgliche Hausfrau, bie auf Kleinigkeiten achtet, wird stets ihre Sachen in Ordnung haben, ohne große Kosten.
Achtsamkeit, die Achtsamkeit, ber nichts zu gering i" sich reich, und eine in oiek~ s. ' ' 's
tot Stand fein, gegebenen Falls eine größere Anschaffung zu machen, als eine solche, die ihrer Meinung nach außerorbentlich praktisch , unb sparsam ist, alle große Ausgaben zu beschränken sucht, aber tn Kleinigkeiten sorglos ist. Ein Schaden von zehn Pfennigen täglich macht tm Jahr fechsvubbreißig Mark fünfzig Pfennig, wenn's kein Schaltjahr ist, und wo bie Sorglosigkeit einmal eingenfjen, da bleibt’8 gewiß nicht bei zehn Pfennigen am Tag, das ist sicher.
„Steter Tropfen höhlt den Stein", das kann auf verschiedene Weise gedeutet werben, zum Guten und zum Schlimmen. Es kann heißen, stete Beharrlichkeit in nützlichen Dingen bringt reichen Lohn, es kann aber auch heißen, stetes Nichtbeachten von „Kleinigkeiten" richtet einen Haushalt zu Grunde.
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