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40. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Dczngs-PreiS: durch den Verlag 60 Pfg. monatlich, durch die Post 1 $11. Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 21.

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Für die Ausnahme später eingereichter Anzeigen zur

1898.

Sonntag, den 20. November.

No. 541.

Fernsprecher Die. 52.

Fernsprecher 91 o. 52.

Morgen-Ausgabe.

Politische Urberficht.

Durch die in einem Wiener Blatte erfolgte Veröffentlichung der Denkschrift, welche der Graf-Regent von Lippe dem BundeSrath eingereicht hat, ist die lippesche Streitfrage aufs Neue und in sehr unliebsamer Weise in den Vordergrund des allgemeinen Interesses getreten. Durch diese Veröffentlichung ist-auch zugleich Klarheit darüber verbreitet worden, daß die hier und da noch ge­hegte Hoffnung, es ließe sich vielleicht noch vor der Entscheidung durch oen BundeSrath auf anderem Wege eine Beilegung des Streites ermöglichen, keinerlei Berechtigung hat. Zn erster Linie wird der Bundesrath sich mit der Entscheidung über die Frage zu beschäftigen haben, ob er sich in der ltppeschen Streitfrage für zuständig erklären soll ober nicht. Verneint der BundeSrath diese Frage, so ist damit anerkannt, daß in dieser Angelegenheit die lippesche LandeSgefetzgebung zuständig ist. Bejaht aber der Bundes­rath jene Frage, so wäre damit über die von Schaumburaischer Seite erhobenen Ansprüche selbstverständlich noch nichts entschieden, Silbern Diese mürben erst ben Gegenstand der zweiten Streitfrage Iben, über welche der Äundcsrath im Fall seiner Zuständigkeits- Erklärung zu entscheiden hätte. Es ist mithin wenig Aussicht vor­handen, daß der leidige Streit in naher Zeit aus der Welt geschafft wird, umso mehr, als von beiden Seiten in dieser Streitfrage reichliches Material und eingehende Gutachten beigebracht worben find. welche den Bunbesratbsansschuß noch längere Zeit beschäftigen werden, sodaß die Entscheidung des Plenums noch geraume Zeit aus sich warten lassen dürfte.

Es hat den Anschein, als ob in absehbarer Zeit noch eine andere Thronfolaefrage bei uns aktuell werden sollte. Nach Meldungen, die ebenfalls von Wien her zu uns gelangt sind, soll in der BraiinschweigischenFrage eine entscheidende Wendung sich vorbereiten. Die kürzlich veröffentlichte Erklärung des Herzogs von Cumberland, daß sich tn dieser Angelegenheit nichts geändert habe, mußte tn dem Sinne aufgefaßt werden, daß an die Rückkehr eines Cumberlanders nach Braunschweig nach rote vor nicht zu denken sei. Die erwähnten Meldungen aus Wien wollen umgekehrt wissen, baß eine Art stillschweigendes Abkommen bestehe, wonach in absehbarer Zeit die förmliche Verzichtleistung des Herzogs er­folgen werde, um dem Prinzen Georg Wilhelm die Thronfolge zu sichert:, dessen Eintritt tn ein preußisches Garderegiment nahe be­vorstehe. Es wird sich also in kurzer Zeit Herausstellen müssen, ob hier willkürliche Kombinationen vorliegen, ober ob wir in Wahrheit mit dieser höchst überraschenden Meldung in den Braunschweigischen Angelegenheiten rechnen müssen.

Ließ sich die innere Politik dieser Woche lebhaft genug an, so war auch auf dem Gebiet der äußeren Politik an Bewegung fein Mangel. Im Vordergründe des Jnterefses steht, nachdem der drohende Konflikt zwischen Rußland und dem Zweibund fürs Erste beigelegt ist, nach wie vor Die Philippinenfrage. In der mit so viel Spannung erwarteten Mittwochssitzung der Pariser FriedenSkommission haben die Spanier ihre Ansprüche auf die Philippinen aufrecht erhalten und gleichzeitig ihr Einverständniß damit erklärt, die Auslegung des berüchtigten § 3 des spanisch- amerikanischen Friebensprotokolls einem Schiedsgericht zu überlassen. Die Amerikaner zeigen aber nicht die mindeste Neigung, sich einem anderen Recht als Dem des Stärkeren, aufdas sie rücksichtslos pochen, zu unterwerfen. Die Vereinigten Staaten, welche sich an ihrem billig er­worbenen Kriegsruhm berauscht haben, erklären entschlossen zu sein, nöthiaen Falls ihre Ansprüche, oder was sie dafür ausgeben, den Spaniern gegenüber mit Waffengewalt zu erzwingen. Auf die Ausführung dieser Drohung kann das von allen Machtmitteln entblößte Spanien es nicht ankommen lassen, wenn es nicht die Gewißheit hat, an anderen Mächten einen Rückhalt zu finden.

Bisher hat es an Anzeichen, daß eine derartige Konstellation zu Gunsten der Spanier und zu Ungunften der Amerikaner sich vor- bcrcitet, noch völlig gefehlt. Im früheren Verlauf der Erörterungen über diese Streitfrage hatte es wohl den Anschein, als ob von Japan

ober von Rnßlanb aus ein Einspruch gegen die Festsetzung der Amerikaner auf den Philippinen erfolgen konnte. Auch heute noch ergehen sich die Spanier in der Hoffnung, daß von Rußland ans, das durch feinen großen Territorialbefitz in Ostasieu an der Philippinen-Frage stark intereffirt ist, ein solcher Einspruch im gegebenen Moment erfolgen werde und daß Frank­reich als romanische Vormacht, und weil es an den spanischen Schulden am stärksten beseitigt ist. dieses Vor­gehen kräftig unterstützen werde. Bisher finb, wie gesagt, keinerlei Anzeichen für eine solche Gruppirung ber Mächte wahrzunehmen, unb man wird nicht ohne Zweifel abwarten müssen, ob sich etwa hinter ben Coulissen Dinge abspielen, von benen sich unsere politische Weisheit nichts träumen läßt. Jedenfalls scheint es außer Zweifel zu fein, daß die deutsche Politik diesen Dingen gegenüber eine Döttig neutrale Haltung einnimmt und daß sie sich darauf beschränken wird, unsere bedeutsamen Handelsinteressen auf den Philippinen in kräftigster Weise zu schützen.

Die Vereinigten Staaten rechnen ihrerseits in erster Linie auf die starken Sympathieen Englands, das nut den Amerikanern gern ein Bündniß auf Gegenseitigkeit abschließen würde. Auch die jüngste Rede Lord Chamberlains in Manchester spiegelte diese Sehnsucht Englands nach einem Zusammengehen mit den Vereinigten Staaten" wieder, aber Chamberlain mußte doch ein- gestehen, daß an ein formelles Biindniß habet nicht zu denken sei. In der That ist ein Bündniß zwischen zwei Nationen, die beide sich gewöhnt haben, Geschästspolittk, und nur diese zu treiben, nicht recht denkbar; dazu kommt, daß in dem vorliegenden Fall Alles in Allem doch die Amerikaner das größere Risiko und den geringeren Gewinn in Aussicht hätten, und die Amerikaner verstehen nicht minder als die Engländer zu rechnen. Englische Staatsmänner reden zu viel und zu häufig, als daß man von diesen Reden noch besondere welterschütternde Enthüllungen zu erwarten hätte. Von Interesse war es immerhin, daß Lord Chamberlain, der sich früher durch einen starken Chauvinismus gegenüber Deutschland ausgezeichnet hatte, jetzt die guten Be­ziehungen zu uns betont fiat, Die in ber That zweifellos vorhanden sind und sich in manchen Fragen als ein nicht unerheblicher Faktor oer europäischen Politik erweiten dürften.

Zu den Ländern, dieihren Konflikt" zu verzeichnen haben, ist neuerdings auch Italien getreten, das durch den wegen des Raheita-Äebietes ausgebt scheuen Streit aufs Neue ben historisch gewordenen Gegensatz zum Zweibund empfinden muß. Wie stark dieser Gegensatz, eben weil er em Gegensatz der Interessen ist, aoer auch fein mag, an einem friedlichen Austrag des Streites wirb man nicht zu zweifeln brauchen. Italien braucht, wie auch ber König in seiner Thronrebe zur Eröffnung der Kammer bervorgehoben hat, Ruhe und Frieden, um die schweren Wirth- schaftlichen und sozialen Schäden, unter benen das Land leidet, nach Möglichkeit zu heilen. Unter diesen Umständen hat Italien alle Ursache, äußeren Konflikten nach Möglichkeit aus dem Wege zu gehen.

Zn ähnlicher Lage wie Italien befindet sich Frankreich, wenn hier auch allmählich eine gewisse Beruhigung der durch die Dreysusaffaire erregten Gemächer eingetreten ist. Dank dem Umstande, daß diese für" Frankreich so trübe Angelegenheit jetzt endgültig in die Hände der Justiz zurückgelangt ist, denen sie nie hätte entrissen werden dürfen. Es ist nicht zu verkennen, daß sich in Frankreich allmählich ein Umschwung der Stimmung geltend macht und daß die Hetzereien ber Nationalisten an Wirksamkeit verlieren. Dieser Umstand läßt Darauf hoffen, daß bet Entscheidung in dem Revisionsverfahren auch die Gesundung Frankreichs von ber Dreyfus-Ärankheit folgen wird.

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Aus Stadt und §aud.

Wiesbaden, 20. November.

Kinderhorte.

Nach der statisfischen Uebersicht von Nedberson in Bremen gab es 1895 in ganz Deutschland 117 Knaben- und 59 Mädchenhorte, und nur 47 deutsche Städte konnten damals solche überhaupt auf- weisen. Seitdem hat die Schutzpflege aufsichtsloser Arbeiterkinder

eine immer größere Ausdehnung genommen, sodaß heute die meiste« Großstädte zwei oder sogar drei Kinderhorte besitzen. Wiesbaden hatte schon 1835 eine Kinderbewahranstalt. Dank ber hochherzigen Stiftung der Familie v. Knoop entstand vor 16 Jahren der statt­liche Bau Schwalbacherstraße 61, worin diese Anstalt bis auf ben heutigen Tag segensreich wirkt. Bereits 1886/87 fanben Dort außer den Waisen 257 Tageskinder Erziehung und Verpflegung gegen ein sehr geringes Entgelt. Unter dieser Schaar waren damals bereits nicht weniger wie 147 schulpflichtige Kinder. Seit* dem ist unsere Stadt bedeutend größer geworden; dementsprechend hat sich die Zahl derjenigen Eltern vermehrt, welche auf außer- häuslichen Erwerb angewiesen finb, und daher ist jede auch die geringste Anstrengung, die auf Herbeiführung einer sozialen Reform hinzielt, höchst wichtig. Freilich steht die Stadtverwaltung im Begriff, eine Bewahranstalt für Kinder bis zum 6. Lebensjahre zu bauen. Damit ist jeboefi die Bebiirfnißfrage einer Mithülfe in der Erziehung der vielen schulpflichtigen Kinder noch nicht erledigt, besonders derer, welche infolge bellagenswerther häuslicher Ver­hältnisse aufsichtslos jind. Hieraus ergießt sich die Nothwendigkeit eines Hortes für schulpflichtige Kinder. Den oft gehörten Einwand der höheren Gesellschaftskreise,solche Horte leisteten nur der Pflicht­vergessenheit der Eltern Vorschub , ist nur mit dem Hinweis Darauf zu begegnen, daß die schuldlosen Kleinen deshalb doch nicht ver­wahrlosen und dem Straßenleben Überlassen bleiben bürfen. Um von ber segensreichen Wirksamkeit gutgeleiteter Horte in anderen Stäb teil ein Bild zu entwerfen, seien an dieser Stelle einige Worte über deren innere Einrichtung und Thätigkeit gestattet. Die Auf­nahme der Zöglinge erfolgt durch Vermittelung der Schule ober auf Antrag Der Eltern bei ben Vorsitzenden Des Hortes, bie sich Durch persönlichen Besuch im Elternhause über die häuslichen Ver­hältnisse des Kindes zu unterrichten haben. Die Kinder komme« im Winter aus der Nachmittagsschule tn die hei!erleuchteten, gut*' geheizten Zimmer des Hortes. Die Anfertigung der Schul­aufgaben erfolgt zunächst, wobei die Kinder zu Pünktlichkeit, Pflichttreue und Selbständigkeit angel, alten werden. I«

Industrie- und Großstädten, wo die Entfernungen ungemem weit sind und die Strmutfi groß ist, bekommen die Kinder bei Kälte Vesperbrod, aus heißer Milch oder Suppe bcsteheud, wofür ein wöchentlicher Betrag von 10 bis 15 Pf. zu entrichten ist. In ben Mädchenhorten wird mit Recht viel Gewicht auf Erlernung ber weiblichen Hanbarbeiten gelegt. Die Kinder fertigen nützliche Sachen entweder für sich ober zum Verkaufe an. Der Erlös wirb auf bie städtische Sparkasse gebracht und den Kindern bei ihrem Abgang aus dem Horte ausgezahlt. Durch Spiele, Vorlesen und Erzählen wird auf Gemüth und Herz erziehlich eingewirkt. Eine erwünschte Abwechselung bietet ber Gesang. In einzelnen Orte«, wie in unserer Nachbarstadt Biebrich, wo bie Horte über Gärten und Land verfügen, hat jedes Kind sein nutzbringendes Stückchen Land, auf dem" es sät, pflanzt und erntet zum Besten des elter­lichen Hausstandes, oder es wird der Ertrag veräußert und dem Sinbe gutgeschrieben. Wo bas kleiiieVölkchen sichnicht stöhlich im Freien tummeln tarnt, müssen Freiübungen unb Spiel ins Zimmer ver­legt werden. Reinlichkeit und Gesundheit müssen in jeder Weist gefördert werden. In vielen Städten tragen die Horte Sorge, daß die kränklichen Kinder an der ortsüblichen Ferienpflege in Ferienkolonieen und an Badefahrten Theil nehmen. Im Winter erhalten die Kinder im Hort eine Weihnachtsbescheerung, zu der zahlreiche Gaben an Geld und Kleidungsstücken einzugehen pflegen, welche nach Bedürftigkeit der Kinder vertheilt werden. Patriotische "Feste werden ebenfalls gefeiert. Die bis zum Ende ihrer Schulzeit im Horte verbleibenden Kinder erhalten beim Abschied ein würdige- Andenken. Die Mädchenhorte werden von Damen geleitet, welche pädagogische Schulung mit Beherrschung ber technischen Lehrfächer verbinden; dabei arbeiten auch andere freiwillige Helferinnen mit, die sich überall sehr bewährt haben. Im letzten Jahresberichte bet mustergültig geführten Danziger Horte heißt eS:Die Schutzpflege in ben Horten ist nicht nur eine sozial-politische Vorbeugungsmaßregel gegen die drohende Entartung der untersten Volksschichten, sondern auch zugleich ein Werk christlicher Nächstenliebe und ein Akt auS- gleidjenber Gerechtigkeit Seitens der Besitzenden, die im Stande finb, ihren Kindern geniigenbe Aufsicht und Erziehung zuzuwenden.

Todtenfest.

Herbstes nebel l Grabesschatten! Welkes Laub, und welkes Glück! Trauer tönen heut' die Glocken, Trauer trübt auch Deinen Blick. Blüthendust und Herzensfreude, Lebensglück und Frühlingsklang Sich, verrauscht verweht verklungen, Trauerklänge! Grabgesang I

Wie das Herz in tiefem Beben Spürt des Todes finftre Macht: Alles ist ihm fiingegeben. Was zum Lichte froh erwacht! lieber weite Todtenfelder Eilt ihm Geiste heut' Dein Fuß, Allen, die Dir Siebe gaben, Bringst Du heut' der Liebe Gruß.

Fiel vom Baume Deines SebenS Dir die schönste Blüthe ab, Legtest Du Dein warmes Sieben Mit ins falte, dunkle Grab; Stehst Du nun im reichen Leben Trauernd, einsam und allein: Wehre nicht den heißen Throne», Thau der Liebe, treu und rein.

Aber frage nicht mit Klagen, Warum Dir Dein Glück geraubt Selig ist, wer fromm ergeben An die etoge Liebe glaubt! Dunkel sind des Schicksals Wege, Nuerforschlich ist fein Rath;

Doch es dient zu Deinem Frieden, Was her Herr beschlossen fiat.

Durch die Finsterniß der Leiden Führt der Pfad hinauf zum Licht, Unb des Glaubens heil'ge Flanmie Durch die Nacht des Grabes bricht. Trägt das Herz mit seinem Hoffen Zu deS Himmels lichten Höh'n: Nach dem Schmerz der TrennungSstunde Folgt ein frohes Wiedetfeh'nl Kr. Rohrbeck.

Ans Kunst und leben.

* Ans von Kunstausstellungen. ImNass. Kunst- D erein hat der Münchener Maler 81. Roegge ein Genre- bildchenMädchen, Brief lesend" ausgestellt. Das Bildchen zeigt gute Zeichnung und namentlich ist die Tönung des Interieurs eine naturwahre. A. Pfeffer sandte ein ansprechendes Pastell- gemälbeMädchen mit Blumen", und N. Astudins Land­schaft ist eine Arbeit, die uns ben Maler in weit besserem Licht, als seine kleinen Rheinlandschaften dies tfiun, zeigt. In Sangers Kunstsalon", dessen Leiter stets bemüht ist, interessante Kollektivausstellungen zu bringen, sehen wir seit Kurzem die Sammelaiisstellnng: Radirungen, Aquarelle, Zeichnungen rc., nebst einer vollständigen Sammlung ber Herstelluugsarbeiten von Tiefdruckplatten (eigene Arbeiten des Künstlers), von Walter Ziegler-München. Es ist sehr zu begrüßen, daß Ziegler auf die Idee kam, dem Publikum, welches durchschniMich teilte Ahnung vom Nadir- unb Druck-Verfahren hat, dieses von A bis" Z vor Augen zu führen. Lange Zeit lag die Nadir- und Stichkunst, sowie Lithographie und Holzschneide­kunst darnieder, nur zu Reproduktionen mürben* diese Techniken gebraucht unb infolge besten als fefunbäre Kunstzweige be­trachtet. Das hat sich geändert, indem die bildenden Künstler von heutzutage zu allen diesen Techniken griffen, sie sich zu eigen machten, um nun ihre Ideen und Vorwürfe auch hierin zum Ausdruck zu bringen. In allen größeren Kunstcentren: München, Karlsruhe, Berlin, Weimar re. re. haben sich bann auch Radir- Vereine gegründet, und ber Besuch ber Kupferstecher-, Nadir- und Hslzschneideklassenauf den größerenAkademieen ist ein befieutenb regerer geworden. Diese Künste haben das für sich, daß der Künstler, dem der Farbensinn mangelt, in ihnen etwas Künstlerisches zu schaffen vermag, und daß sie bie etwas vernachlässigte Zeichnung wieder mehr hervorheben und so auf dieJüngsten" auf ben Akademiecn einen guten Einflug ausüben werden. Ziegler zeigt uns Radirungen in ihren diversen Herstellungsarten:Trockeiiststizeichnungen",'Arbeiten auf Celluloidplatten",gepunzte Arbeit" re. Dann die sogenannte Schabkunst", bte von rhm selbst erfundeneWeiß-fchroarz- Radirimg", .Stoffdurchdrück-Verfahren", Galvanotypie",Strich- Heliogravüre re. rc. Lille diese einzelnen Verfahren zu be­sprechen, ist hier nicht der Ort. Ein vom Künstler selbst verfaßtes Beglettwort klärt den Beschauer über die verschiedenen Arten der ausgestellten Arbetten auf, und so können wir den Besuch dieser Ausstellung als sehr.lehrreich warm empfehlen. Aber nicht

nur in allen oben erwähnten Techniken zeigt der Künstler sei« Können, sondern auch in einer Reihe von Aquarellen und Zeich­nungen, von welchen namentlich bie letzteren theilweise viel Gute- aufweisen, tote z. B. eine Anzahl männliche Akte, Lanbschaften unb Stubienköpse. Als Maler zeigte sich Ziegler wenigstens in dieser Kollektion mit einigen Ausnahmen nicht so auf der Höhe, als wie als Zeichner und Radirer. Er ist etwas kraftlos in der Farbe. Sehr gut sind trotzdem unter den Aquarellen einige Studien­töpfe unb mehrere Interieurs. Unter Zieglers fertigen Radirungen erblicken wir Entwitrse zu Fächern, figürliche Scenen, namentlich aber ist es die Landschaft z. B. eine Stadtmauer aus Atlas gedruckt, bie uns sehr gefällt, vor allem Anderen aber eine Madonna mit Christuskind, eine entzückende Arbeit inViersarben-Druck" auf Atlas, von großer Feinheit und zeichnerischer Einfachheit zeugend. Ziegler umfaßt in seinen Radirungen das Figürliche wie die Land­schaft und das Portraft in gleicher Güte und Ausführung. Wie gut der Künstler da, wo er reprobuiirte, tn den Geist des zu ver- vielfältigenDen Gemäldes einzugehen und wie farblich er zu wirken wußte, beweist seine wohlgelunaene Radinina nach dem GemäldeBadende Knaben" von Fleischer-Rom. lleber die in den Kunftsälen neu ausgestellten Gemälde in ber nächsten Be­sprechung. L. G.

* Das letzte Mobiliar einer ehemals reichsunmiltel- baren Linie. In den Lokalblättern von Fedderwarden in Oldenburg finden wir folgende Annonce:Die noch vorhandene« zur Konkursmasse des Frecherrn Gustav zu Inn- und Knyphausm gehörigen Gegenstände sollen Donnerstag, den 17. d. M.. Nach­mittags 27» Uhr anfangend, in Burg Knyphausen öffentlich meist­bietend gegen Baarzahlung verkauft werden, als: 1 Ziege, L mafiag. Tische, 1 Spiegel m Goldrahmen, 1 Gemälde, 1 gesticktes Silo, mehrere Schilderten, 1 Uhr, 1 Ofenschirm, Gardinen, Vorlagen, Matten, 1 Vogelbauer, Spazierstöcke, 2 Reitpeitschen, Kafieekeffel, Kaffee- und Theekannen, Tasten, Teller, Kompotschalen, Zuckerdosen, Milchgüffe, Weingläser, Wasserkaraffen rc., ferner: 1 Drehbank, Brennholz, Steinkohlen, ein Hühnerhaus, eine Partie Drahtgitter, ein Schweinetrog und waS sich fonft vorfindet. Kaufliebhaber werden eingeladen. Fedderwarden, 1898, Nov. 11. Der Konkurs­verwalter." An die einstige feudale Herrfichkeft erinnern nur die zwei Reitpeitschen. Bekanntlich war, so schreibt ber in Varel er­scheinendeGemeinnützige", die Linie noch bis vor 50 Jahre« reichsunmittelbar, zu ben Zeiten des ersten Napoleon wehte die Knyphausensche Flagge oft auf den Schiffen bet Engländer, die sie be­nutzten. um die ffontincntalfpene zu umgehen. Sic traneitgloria mundil