Wiesbadener Sagblatt
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1898;
Donnerstag» den 3. November
Fernsprecher No. 52.
Mo. 514
Fernsprecher No. 52.
Abend-Ausgabe
das Parlament den Beweis geführt haben wird, daß auch dort eigentlich nichts anderes als „geheime Obstruktion" getrieben wird. Dies nun würde in Verbindung mit der Thalsache, daß die Entscheidung der Krone auch im folgenden Jahre das Ouoten-Verhältniß unverändert lassen werde, nach Ansicht dieser Politiker die Folge haben, daß im ungarischen Parlamente wenigstens die Volks- und die Nationalpartei die Obstruktions-Taktik aufgebe» würde. Von dieser Seite hört mau auch betonen, daß Baron Banffy den Kaiser-König Franz Josef in seiner Audienz die Lage in ihrer ganzen Schwierigkeit und in allen ihren Eventualitäten ganz ungeschminkt dargestellt nnd für diesen Plan die volle Billigung des Herrschers erlangt habe. Die Opposition hingegen will wissen, daß man cs „Oben", wenn es mit Banffy nicht ginge, mit dem Grafen Apponyi versuchen wollte, dessen Person eine Gewähr dafür bieten könnte, daß die Opposition von der Obstruktion abstehen würde. Wie man sieht: fromme Wünsche allenthalben, ohne irgend eine feste Basis für das Zustandekommen erquicklicher, gedeihlicher Verhältnisse.
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hd. Kudapost, 2. November. Nachdem dir ungarische Qu oten- Deputation die Erhöhung der Quote auf 38 pCt. abgelchnt hat, sollen die Verhandlungen der Devutation al« gescheitert betrachtet werden. Die Regierung wird nunmehr die Entscheidung der Krone aurufen. Man erwartet, daß die Kroue die Quote sür das nächste Jahr auf die bisherige Höhe beslinimt.
hd. Kndaprst, 3. November. In dem gestern Abend statt- gesundenen Ministerrath wurden, wie versichert wird, ernste Beschlüsse gegen die Obstruktion gefaßt und gleichzeitig der Termin festgelegt, an welchem d ie vom Kaiser bereit« sanktionirte Vorlage über die selbstständige Regelung de« Zoll- und Handelsgebiete« eingebracht werden soll.
Dir Kage in Oesterreich-Ungarn.
Budapest, 31. Oktober.
In Oesterreich verschämte Obstruktion in den Ausschüssen, in Ungarn offene Obstruktion im Plenum —, das ist die Situation in Oesterreich-Ungarn. Trotz zweijährigen Verhandlungen ist die Sache des Ausgleichs nicht um Haaresbreite weitergekommen, als sie im Jahre 1897 war, als der Ausgleichsvertrag zu Ende ging. Das Provisorium hat ebensowenig geholfen, wie die Beralhungen, di« Debatten und endlosen Quoten - Verhandlungen. Das unglückliche Flickwerk will nicht wieder zu Stande kommen. Es ist eine Vernunftehe, in der beide Theile, sich furchtbar satt bekommend, von Tag zu Tag unvernünftiger geworden sind, und das Zureden der guten Freunde da oder dort vergebliche Liebesmüh' geworden ist. Aber auch der angestrebten Trennung von Tisch und Bett stehen, besonders höchsten kompetenten Ortes, unüberwindliche Hindernisse gegenüber, solchermaßen ein schwerempfunbencs Veto bildend, welches die Scheidung schier unmöglich macht. So fristen denn die Staatsmänner von Oesterreich - Ungarn derzeit ihr Leben von frommen Wünschen und Hoffnungen. „Man toiU", „man glaubt", „man hofft", — das sind gegenwärtig . die Leitsterne unserer inneren Politik. Aber wenn wir uns diese Leitsterne näher besehen, so müssen wir sagen, daß man in Oesterreich sogar zu wollen, zu glauben und zu hoffen schon aufgehört har. Zumindest an maßgebender Stelle. Die Spaltung unter den Deutschen hat der Obstruktionspartei einen Zuwachs verschafft, und wenn man auch anscheinend parlamentarisch arbeitet, so weiß doch Graf Thun ganz gut, daß er den Ausgleich im Parlament nie und nimmer unter Dach bringen kann, wenigstens jenen Ausgleich unter keinen Umständen, den auch die ungarische Negierung acceptiren könnte. Bleibt dort von allen schönen Illusionen wieder nur der famose § 14 als einziger Retter in der Noth des Grafen Thun übrig. Und in Ungarn? Da ist auch Baron Banffy jetzt in tausend und tausend Nöthen. Die vereinigte Opposition hat ihm die Suppe versalzen, und ohnmächtig, ihrer Ob- struktions-Redefluth Einhalt thun zu können, muß er davor zittern, keine Jndemnity zu erhallen. Ohne diese ist aber eine Geschäftsführung für ein parlamentarisches Ministerium unmöglich. Die Mitglieder des Kabinetts sollen daher, da ihnen bis Neujahr das Budget- Gesetz nicht bewilligt werden dürfte, die Geschäfte jedoch keinen Abbruch erleiden dürfen, darüber übereingekommen sein, für diesen Fall alle jene Verfügungen in der Erhoffung der nachherigen Genehmigung des Parlaments zu treffen, welche unumgänglich nothwendig sind, um die Staatsmaschine im Gange halten zu können. Ein Theil der liberalen Partei, die trotz ihrer ungeheuren Majorität dazu verurthcilt ist, bei diesem gefährlichen Spiele den müßigen Zuschauer zu machen, hofft nun schon selbst darauf, daß die ungarische Regierung in letzter Stunde dem Parlament den bereits fertigen Gesetzentwurf betreffs des ungarischen selbständigen Verfügungsrecht «s unterbreiten wird, namentlich, wenn in Oesterreich
rlnzeigen-Preför
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Deutsches Deich.
* Hof- nni> Personal-Nachrichten. Wie der „Berl. Lokal- Anz." zu melde» weiß, soll der Direktor der Kolonialobtheilnng des AuewärngenAmtes, Dr. v. Buchka, amlsmüde sein. Der hier ein« getroffene Generalmajor Liebert wird in belheiligten Kreisen als sein Nachfolger bezeichnet. Gleichzeitig ist die „Post" ermächiigt, der wiederum austauchcnde» Meldung, daß Generalmajor Liebert von seinem Gonverneurposten zurückirelen werde, entgegen zu treten. Herr Liebert werde zunächst wieder aus seinen Poste» zurückkehren.— Der frühere ReichsiagS-Prästdent,Fieiherr v. Bnol, wurde zum OberlandeSgerichtSrath i» Karlsruhe ernannt.
* Ztaatvbeamt« und Kandtagvmandatr. Anläßlich der Thatsache, daß das Neichrjustizamt dem ReichrgerichtSrath Spahn den Urlaub zur Ausübung eines Landtagsmandats verweigert, schreibt die „Nationalztg.": .Wir sehen durchaus keinen Grund, uns für die Vergrößerung der Zahl der Beamten in de» parlamentarischen Versammlungen zu ereifer», sie ist ohnehin viel zu groß, und die unbeschränkte Zulassung aller Beamten zu den Volksvertretungen ist nur an« 6er geschichtlichen Entwickelung dieser Frage in Deutschland zu erklären, jetzt aber, da manche frühere Grunde dafür sortgefallen sind, keineswegs ein erwünschter Zustand. ES wäre daher gar nicht übel, wenn der Fall Spahn die Anregnug zu einer erneuten prinzipiellen Prüsnng der Frage gebe, wie weil die Zulassung von Beamten zu den parlamentarischen Verlanimlungen sich empfiehlt. Daß alsbald eine Verständigung zu erziele» wäre, ist allerdings nicht wahrscheinlich. Wir würde» beispielsweise eine Bestimmung für sehr nützlich hallen, wonach aktive Landräthe, Regierungspräsidenten und ähnliche Verwaltungsbeamte, wenn nicht überhaupt, so doch mindestens innerhalb ihres Amtsbezirks die Wählbarkeit verlieren würden. Die Konservativen aber sind vermntdlich nicht dieser Ansicht. Aus Gründe» anderer Art könnte es sich wohl auch empfehlen, die Mitglieder der höchsten Gerichtshöfe nicht zu parlamentarischen Versammliingen zuzulassen. Derartige gesetzliche Bestimmungen über Inkompatibilität flicht e« in den meisten kon-
Anoland.
* Italien. Der Enllvurs-der Thronrede betont die Roth» Wendigkeit des Festhalten« an den Bündnissen, zollt dem Ao- rüstungsooischlag Beifall und empfiehlt der Kammer wärmstens jU finanziellen ökonomischen Vorlage». — Trotz vatikanischen Av- ieugnungen stehl eS fest, daß der Papst in letzter Zeit wiederholt Ohnmachtsanfälle hatte.
* Frankreich. Unser Pariser v-Korrefpondent schreibt ullS unten» 2. ds.: Wenn auch der Erlaß, durch den die Bildung bene n e n Kabinetts bekannt gegeben wird, erst morgen im .Journgj officiel" zur Veröffentlichung gelangt, so ist da« Ministerium dom definitiv gesichert, und zwar in der Zusammensetzung, welche ich bereits vor einigen Tagen meldete. ES besteht lediglich aus Civil- personen, von denen vier bereits dem bisherigen Kabinett angehörten, Delcaffs, Peytral, Lockroy und Viger, während wiedcrum vier, Delombre, Krantz, Guillain und Lebret zum ersten Mal ein Portefeuille inuehabeil. Delombre, der neue Handelsminister, ist Deputirter und Anwalt am Appellationshofe; alr tüchtiger VolkSwirthschaftS- lehrer bekannt, führte er seither mehrfach den Vorsitz in der Budget- Kommission der Kammer. Camille Krantz, Deputirter und Vlee- präsident Der Kammer, ist Ingenieur und daher mit den hauptsächlichsten Fragen, welche sein Ministerium, da« der öffentlichen Arbeiten, betreffen, eingehend vertraut. Ebenfalls Ingenieur ist der neue Kolonialminister Georges Guillain; er fungirte lange Zeit als Direktor der Schiffahrlsabtheilung im ArbeitSministerium, ist aber, was Politik anbelangt, eigentlich ein vollständig neuer Mann. George Lehret, der neue Siegelbewahrer und Jnstizuliiiister, war seither Proseffor der juristischen Fakultät in Caen und zugleich Bürgermeister dieser Stadt. Der Ministerpräsident Dupuy selbst ist kein Neuling mehr aus diesem Posten. Deputirter seit 1885, übernahm er zuerst im Jahre 1892 im Ministerium Ribot das Portefeuille für den Unterricht. Im folgeiiben Jahre wurde er Ministerpräsident und zugleich Minister des Inner», trat jedoch noch im selben Jahre zurück, worauf ihn die Deputirlen« kammer zu ihrem Präsidenten wählte. Als solcher fungirte er, als der Anarchist Vaillant feilte Bombe in den Sitzungssaal warf, bei welcher Gelegenheit er sich durch große Geistesgegenwart auszeichnete: ruhig griff er zur Schelle und erklärte: .Die Sitzung nimmt ihre» Fortgang." Er war Ministerpräsident in den aufregenden Zeitläuften, al« Carnot ermordet wurde und Casimir Perier fein Amt niederlegte. Felix Faure stand er f. Z. bekanntlich selbst als Kandidat um die Piäfideistschaft gegenüber. Was das neue Robinet dem Lande bringen, ob es in die Fußstapfeu feines Vorgängers treten und besonders i» der .Affaire" deffen Politik befolgen wird? Das sind hente noch Frage», auf welche man die Antwort schuldig bleiben muß.
stitutionellen Ländern. Am wenigsten allerdings können sie durch beliebiges Ertheilen und Verwetgern de» Urlaubes Seiten» der Regierungen ersetzt werden."
♦ Preußischer Stiidtetag. Der stellvertretende Vorsitzende de« Vorstandes des preußischen Städtetag«, Oberbürgermeister Becker-Köln, hat die Mitglieder de» Vorstände» zu einer SitzutM aus den 5. November im Rathhau« zu Berlin eingeladen. Xaaw orduung: 1. Ergänzung de« Vorstandes. 2. Einberufung dek StädUe tag« auf Antrag her Stadt Berlin, Zeitpunkt und Ort. 3. Feststellung der Tagesordnung und der Berichterstatter. Vorschlag der Tagesordnung: a) Wo« hat zu geschehen, um die infolge der Grenzsperre gegen die Vieheinfuhr eiiigettefene Vertheuerung de« Fleische» zu beseitigen? Wunsch der Stadt Berlin, i>) Entwurf eine» Gffetze», betreffend die Rechtsverhältnisse der Kommunalbeamten, c) Schutz de« Kleingewerbe» gegen die Waareuhäuser.
* Ein Gesuch nm Urgelmi- des Apothrkemvgsenßl hat der Centraloorstand der Pharmazeutischen Vereinigung deut Kulturminister unterbreitet. Der Minister wird darin gebeten, tu veranlassen, daß durch die verbündeten Regierungen sür da« Deuts« Reichs oder wenn dem große Schwierigkeiten entgegenstehett, füt Preußen durch das Königliche Staatrministerinm ei» Gesetzentwurf vorgelegt werde, der die Ablösung der bi» jetzt gebildeten Apotheken- rechtsweithe durch genoffenschastliche Amortisation der Apotherm- inhaber. ähnlich wie da» in Schweden mit ausgezeichnetem 6rfdTp geschehen sei, bestimmt und die Verkäuflichkeit der Apothekenbetrleb?- rechte anfhebt.„ V
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46. Jahrgang.
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(Nachdruck verboten.)
Kondoner Brief.
„Jingoismus". — Trafalgar-Feier. — König Arthurs tauf eudfähriger Todestag. — Wcmbley-Thurrn. — Gladstones Bibliographie. — HanS Richters Uebersiedeluug
«ach England.
-, 31. Oktober.
Wie der „Jingoismus" in England aus Anlaß der Faschoda-Verwickelungen in den letzten Wochen wieder besonders stark gewüthet, so ist derselbe seit etlichen Jahren hier überhaupt wieder sehr in Zunahme begriffen. Bis dahin galt es bei dem gebildeten Engländer für „taktlos", den Patriotismus in lärmend demonstrativer Weise zum Ausdruck zu bringen. Eine Tugend wie die Vaterlandsliebe sollte man besitzen, das verstand sich von selbst, aber eben deshalb sollte man mit derselben ebensowenig prunken, wie mit anderen Tugenden. Man lächelte überlegen über den offen zu Tage tretenden kindischen Chauvinismus der Franzosen, man rümpfte die Nase über die Sedanfeier der Deutschen: „ein lärmendes Fest zur Feier der Niederwerfung einer anderen Nation, mit der man nun in Frieden und Freundschaft leben will". Solche „Taktlosigkeiten" vertrugen sich nicht mit den guten Sitten des Britenlandes. So hieß es damals! Welch ein Umschwung der Anschauungen in solchen Dingen hat sich seitdem hier geltend gemacht, seit dem mißglückten Raubzuge eines Jameson und mehr noch seit der ungefähr um dieselbe Zeit den Engländern aufdämmernden Erkenntniß, welch ein gefährlicher Gegner ihnen in Deutschland erstanden ist, gefährlich für ihren Handel, ihre Industrie, ihre wohlgefüllte Tasche, die ja ihren wundesten Punkt ausmacht. Jetzt brach der .Jingoismus", der sie in der Stille und in der Tiefe des
Herzens stets beseelte, mit einem Male in hochlodernden Flammen ans. Jetzt feiern sie sogar ihr „Sedan"!
Zwar können sie thatsächlich eine» solchen Tag nicht aufweisen, einen Tag, der für sie auch nur annähernd die Bedeutung haben könnte, wie das Sedanfest für uns Deutsche besitzt, einen Tag, an dessen „Erfüllung" so viels Tausende noch lebender Landeskinder mitgewirkt, den so viele Millionen noch miterlebt haben. Die Engländer griffen deshalb einfach nahezu ein Jahrhundert zurück und holten aus der Rumpelkammer geschichtlicher Begebnisse Trafalgar hervor, und Trafalgar wird nun auf einmal gefeiert. Zwar war die vor wenigen Tagen begangene Feier des Jahrestags des Siegs über die französische Flotte nicht etwa eine nationale Feier wie der Sedantag bei uns. Dieselbe blieb auf eine verhältnißmäßig geringfügige Anzahl lärmender „Patrioten", der Mitglieder der “Navy League’’, beschränkt. Indessen das übrige England lächelt nicht überlegen über ihr Gebühren, noch rümpft es die Nase darüber, wie es früher in ähnlichen Fällen anderen Ländern gegenüber gethan hatte. Nahm es nicht allgemein thatsächlich Antheil an der Feier, so stand es doch „theilnehmend" derselben gegenüber. Wohl werden auch heute Stimmen laut, die statt des Sieges Nelsons den Geburtstag dieses Scehelden gefeiert wissen möchten. Aber das ist doch nur ein thörichter Versuch, einen leeren Schein zu wahren. Denn was gälte den Engländern heute wohl Nelson — und nun gar sein Geburtstug — wenn er bei Trafalgar nicht den Sieg davongetragen hätte. Seinen Geburtstag also an Stelle des Jahrestages seines Triumphes, den er mit seinem Blute besiegelte, festlich zu begehen, wäre doch nichts als eine heuchlerische Scheinheiligkeit.
Jndeffen die eine patriotische Feier scheint den „Jingos"
schon nicht mehr zu genügen. Sie stöbern weiter in den Jahrbüchern der Geschichte nach und eS kommt ihnen da auf ein paar Jahrhunderte mehr oder weniger, ja auf ein ganzes Jahrtausend nicht an. Im Jahre 1901 werden tausend Jahre verflossen sein, daß König Arthur starb, und da wird nun gar der Gedanke angeregt, auch diesen Tag allgemein zu feiern. Nun, wenn wir auch alles Legendenhafte, das mit dem Namen dieses Herrschers so eng verwoben ist, abstreifen, so wird von ihm selbst als rein geschichtlicher Persönlichkeit noch genug übrig bleiben, was eine gewisse Feier seines tausendjährigen Todestages wohl rechtfertigen könnte, wenn sie eben auf eine einmalig? Veranstaltung im Jahre 1901 beschränkt bliebe und eine angemessene Form, wie etwa die Errichtung eines Denkmals, annehmen würde. Eine öftere Wiederkehr der festlichen gehung dieses Tages wäre aber natürlich noch alberner alö die jährliche Feier der Seeschlacht bei Trafalgar. Immerhin würde aber auch eine solche einmalige Feier als eist Zeichen der Zeit, als ein Beweis des neu erwachtest „demonstrativen Patriotismus" des Britenvolks auzusehest sein, der, wenn im Augenblick auch gegen Frankreich gerichtet, aber in den seiner Zeit gegen Deutschland gehegten Gefühlen erst wieder aufzukeimen begann.
Bei alledem haben sich die Engländer aber im Wetteifer mit den Franzosen gerade jetzt eine kleine Schlappe zch- gezogen, die, was auch das Ergebniß des Diplomatenkrieges wegen Faschoda sein mag — denn darüber hinaus wird eS ja wohl nicht kommen —, den großschreierischen Jingos do« einiges Ungemach bereiten sollte. Sobald Paris sein „tausendfüßiges Ungeheuer", seinen tausend Fuß in die Lüste ragenden Eiffelthurm aufzuweisen, gab es Leute, btt für England eine ähnliche Monstrosität wünschten, womöglich
