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Wiesbadener Tagblatt

Verlag: Langgasie 27.

15,500 Abonnenten.

Dienstag, den 1. November.

Uo. 510.

Fernsprecher No. 52.

Fernsprecher No. 52.

1898,

Anzeigen-PretSt

Die einspaltige Petitzeile für locale »«zeige» 15 Pfg., für auswärtig« Adrigen 25 Pfg. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

für di- Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittag». Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur '<*»«*»!«»»t nächsterfcheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

40. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

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AbendAusgabe.

Kon Jerusalem pim Todte» Meer.

Kaiser Wilhelm hat am 25. Oktober in Haifa den Boden Palästinas betreten, stch zu Wagen nach Jaffa begeben und in zwei­tägigem Ritt Jernialem erreicht. Von hier aus wird eine Reihe von Ausflügen in die Umgebung und nach dem Tobten Meere gemacht, über deren Richtung unsere beiflehende Kartenskizze den Leser orientirt. In der Zeichnung stud die Ausflüge mit schwarzen Strichen, kleinen, die Richtung andeutenden Pfeilen, sowie mit den Tagesdaten der betreffenden Besuche bezeichnet. Kurz zusammengesaßt ist der Berlauf dieser Ausflüge folgender: Am 29. Oktober ist das Kaiserpaar von dem Zeltlager bei Latrun aufgebrochen, woselbst die Ankunft am selben Tage erfolgte. Nachmittags 3'/- zog das Kaiserpaar mit glänzendem Gefolge in die festlich geschmückte Heilige Stadt ein. Der erste Besuch galt der Grabeskirche, nach der sich das Kaijerpaar vom Jaffathor aus zu Fnß begab. Sodann wurden die türkischen Behörden, dar Konsularcorps und die Archimanüriten auf dem kaiserlichen Konsulat empfangen. Am Sonntag, den 30. Oktober, war Gottesdienst in Bethlehem. Nach dem Bestich der GebnrtSkirche wurden im neuen Waisenhause auf dem Weinberge eine gute Viertelstunde von Bethlehem Aborduungen de» Jerusalem-Vereins, der Johanniter, der deutschen Kirchenbehörden empfangen. Den Rückweg zum Zeltlager nahmen die Herr­schaften durch die deutsche Kolonie. Für den Sonntag Nachmittag war eine gottesdienst­liche Feier auf dem Oelderge beabsichtigt. Montag, ben 31. Oktober, am Reformations­tage, Vormittags 9'/- Uhr, folgte die feierliche Einweihung der Erlöferkirche. Zu Beginn des Nachmittag» wurde eine Wagenfahrt nach Jericho unternommen und da» Zeltlager am Fuße des Dfchebel Karantel aufgefchlagen. Am Morgen des 1. November gehl es nach dem Todteii Meer und von da zum Jordan; vielleicht begiebt man sich auch noch zu Pferde nach der Jordansurth. Das Frühstück wird entweder an der Tansstelle oder an der Brücke eingenommen; dann erfolgt die Rück­kehr nach Jericho; möglicher Weise wird auch noch die Kapelle der Versuchung in der von russischen Mönchen bewohnten FelShöhle des Berges Karantel besucht. Am 2. November fahren die kaiserlichen Herrschaften nach Jerusalem zurück; der Nachmittag ist für Besichtigungen daselbst bestimmt, die auch am 3. November noch fortgefegt werden. Nachmittags wird eine Wagenfahrt nach Ain Karin unternommen und weiter das syrische Waisenhaus besucht. Am 4. November folgt der schon erwähnte Ritt nach dem in einer Einöde gelegenen griechischen Mönchskloster Mar Saba. Die Kaiserin, welche diesem Ausflug fern bleiben muß, wird dafür zu Wagen nach den Salomo­nischen Teichen und vielleicht auch noch weiter nach Bet Dscheba fahren. Die Rückfahrt von Jerusalem er­folgt am 5. November, Vormittags 9 Uhr, mit der Bahn nach Jaffa.

Aus dem Weg zum Todten Meer durch- queren die Majestäten ein historisch wie geologisch hochinteressantes Gebiet, lieber die letztere Beziehung giebt die Zeichnung im unteren Theil unserer Karte Ausschluß, die ein Profil durch die genannte Gegend dar­stellt. In derselben ist die tiefe Lage des Todten Meeres unter dem Spiegel de» Mittelmeere» dargestellt. Ersteres befindet sich über 1000 Fuß, genauer 393,8 m unter­halb des Mittelmeerspiegels. Der steile Ab­sturz de» Hochplateaus von Judäa, inmitten dessen die hohe Lage Jerusalems hervortritt, geht aus der Profilzeichnung deutlich hervor. Ebenso befindet sich das Thal de» Jordan, welche» der Kaiser besucht, unterhalb de» Mittelländischen Meeresspiegel». Der Boden des Todten Meere», welcher seine größte Tiefe im Norden hat, liegt hier 793 m unter dem Spiegel des Mittelmeere».

Rastel» Grab bei Kethlestem.

Beim Besuche von Bethlehem hat das Kaiserpaar, von Jerusalem kommend, auch da» nördlich dieser Stadt gelegene angebliche Grab Ratzels gesehen, von welchem unsere beiflehende Zeichnung eine Abbildung giebt. Da» kleine, von einer Kuppel überwölbte Heiligthum gilt seit viele» Jahrhunderten als Grabstätte Rahel», nach Moses der Ahnfrau der Stämme Josephs und Benjamin». Die Land­straße von Jerusalem nach Bethlehem und Hebron führt unmittelbar an dem Heiligthum vorbei, da» viel von den Pilgern besucht wird.

Deutsches Deich.

* Serlin, 1. November. Graf Hoensbroech fordert zu Beiträgen jur einen Fond» auf, aus dem in ihrer Existenz bedrohte kalholtsche Geistliche, welche sich der Sache des Ultramontanismu» abwenden wollen, unterstützt werden könnten. Er schreibt n. A.: «Von fiebenunddreißig augenblicklich noch in Amt und Würden stehenden katholischen Geistlichen Deutschland» und Oesterreichs besitze ich Briefe, die den gleichen antt-ultramontanen Gesinnungen Aus­druck geben, wie ihre Amtsbrüder in Italien und Frankreich. Sie Alle wollen sich und da» katholische Volk von dem ultramontanen Joch befreien." UebngenS spukt eben über den Grafen er hat

sich mit einer reichen jungen Dame verheirathet eine HeirathS- vermittelungsgeschichte, die seinen Gegnern Gelegenheit zu manchen keineswegs erbaulichen Bemerkungen geben dürfte, wenn auch die von ihm vertretene Sache schließlich dieselbe bleibt.

* Die Novelle ptm Invalidität»- und Atter«- verstchernngssesetz, welches jetzt Dem Buudesrath vorliegt, sieht, wie dieBeil. Pol. Nachr." mitt geilen, eine Vereinfachung in der Berechnung der Altersrenten vor. Es soll als Altersrente künftig neben dem beibehaltenen festen Neichsznschuß von 50 Mk. lediglich

Iber neue Grundbelrag der Invalidenrente gewährt werden. Dieser i aber soll nicht mehr, wie es gegenwärtig der Fall ist, für alle Lohn- I klassen auf den gleichen Betrag von 60 Mk. bemessen, sondern nach I Lohnklassen abgestuft werden. Er soll sich fortan belaufen für die Lohn- I

klasse I auf 60 Mk., für II auf 90 Mk., für III auf 120 Mk., für IV auf 150 Mk., für V auf 180 Mk. Sind während der Versicherungr- bauer Marken au» verschiedenen Lohnklaffen beigebracht, so wird aus diesen Beiträgen ein Durchschnitt berechnet. Eine Berechnung nach Beitragswochen soll fortan bei der Altersrente nicht mehr stattfinden. Die obigen Betröge der Grundrente welche also fortan neben dem festen Reichszuschusse von 50 Mk. die Altersrente bilden sollen stehen bei den vier unteren Lohnklaflen zu einander in demselben Verhältnisse (2:3: 4:5) wie jetzt die Altersrente; die neue fünfte Lohnllasse tritt (mit 6) in dieselbe Stufenreihe ein, und diese wirb in der Novelle allgemein, auch bei den neuen Steigerungen der Invalidenrente, sowie bei ben Bei­trägen zu den einzelnen Lohuklaffeii durchgesührt. Eine Be- nachtheiltgung bet künftig in den Genuß der Altersrente ein« tretenden Personen wird durch deren anderweite Bemessung nicht herbeigeführt, vielmehr werden dadurch die Altersrenten allgemein um rund 6 pCt. erhöbt. Die Wartezeit ist für beide Renreuarten bernntergesetzt; sie beträgt bei der Altersrente bisher: 30 Beitrags­

jahre zu 47 Wochen (1410 Wochen), nach der Novelle: 1200Seitrag»« Wochen; bei der Invalidenrente bisher: 5 Beitragsjahre ztt 47 Wochen (235 Wochen), nach der Novelle: 200 Beitragswocheti. Von einer Herabsetzung der Altersgrenze mußte abgesehen werde« wegen der großen Mehrkosten.

* In den Kriegervereinen gährt'r ganz getoaltig. DK Mehrzahl der alten Kriegsveteranen, die die letzten Feldzüge mit» gemacht haben, weigern sich, die Erklärung zu unterschreiben, die jetzt jedem einzelnen Mitglied eines Kriegervereins zugesandt worden ist. Der Wortlaut dieser Erklärung ist folgender: »Ich, der Unterzeichnete, Mitglied des Verein»...... erkläre hiermit nach

Kenntnitznahme de» mir gleichzeitig Über» sandten CirknlatS nebst Anlage, daß, tote ich bei meiner Ausnahme in ben Verein be» reit« erklärt habe, sich meine Gesinnung auch jetzt noch im Einklang mit dem § 1 unserer Satzungen befindet, und e» mein Bestreben bisher war und weiter sein wird, die in diesem Paragraphen znm Ausdruck gebrachte« Grundsätze der Liede und Treue zu Kaiser und Reich, Landerfürst und Vaterland, sowie die Pflege treuer nationaler Gesinmmg und echter Kameradschaft im bürgerlichen Leben, foweit e» in meinen Straften steht, zu betätigen und wo es nöthig, öffentlich zu bezeugen. Zugleich erkläre ich mich aus­drücklich damit einverstanden, daß, wenn Gegentheilige» von mit bekannt wird, meine Ausscheidung au» dem Verein angeordnet werden kann." Zahlreiche Mitglieder haben diese Erklärung ohne Unterschrift zurückgeschickt, andere ließen sie ganz un­beachtet.

* Dom Kilimandscharo. Die ersten auSführltchen Nachrichten über die im Lauft de» Sontmers ausgesührte wiederholte Unter- suchnng des Dentfchostafrikanischen Bergriesen Kilimandscharo durch Dr. Han» Meyer bringt die Zeitschrift für Länder- und Völkerkunde »Globus" in einem am 16. September in bet deutschen Station Moschi am Abhange der Berge« geschriebenen langen Bliese Dee Reisenden. Gegenüber den früheren Karten, die auch vorzugsweise auf Dr. Hans Meyer» Ausnahmen beruhen, erhält die neue Karte des Kilimandscharo ein wesentlich veränderter Aussehen. Zum ersten Mal wurde die Nordseite der Berge» erforscht und von hier aus eine mühevolle Ersteigung der höchstenSpitze.derKibokraterS, nnlernoniinen, der von anderer Seite her schon vor 9 Jahren von Hati» Meyer erfliegen war. Die Urwaldgrenzen und Lavaströme im Nordwesten des Berge» sind nun bekannt, dort ist ein großes Plateau, Galuma ge­nannt, und die Entdeckung von drei großen Gletschern zu verzeichnen, die bei 5200 m an die Eisdaube des Berges anfchließen und deren einen MeyerDrygalskigletscher" nannte. ES folgte eine Untersuchnng de» nach Westen dem Kilimandscharo vorgelagerten Schiragebirge«, die Entdeckung anderweitiger Gletscher im Westen des Kilimandscharo, von denen einer bis 4200 m abwärts reicht. Nach­dem der Reisende sich und seinen Leuten in den gesegneten Land­schaften an den Flanken des Nieseuberges einige Erholung gegönnt, stieg et zum zweiten Mal bi» zur höchsten Spitze, bem Sibo (5860 m) auf, begleitet von einem katholischen deutschen Missionar, Pater Rohmer, bet sich als vorzüglicher Bergsteiger erwies. Han» Meyer schildert die gewaltigen Moränen, die er bei diesem Ausstiege zu untersuchen Gelegenheit halte, und klart ttt vieler Beziehung über die geologischen Ver- häliniffe des Kilimandscharo auf, der nun. Dank seiner Thätigkeit, im Großen und Ganzen al» erforscht gelten kann. Der Reifende bringt nicht nur zahlreiche photo­graphische Aufnahmen, sondern auch Zeich­nungen des ihn begleitenden Malers Platz, fotoie große botanische, zoologische und ethnographische Sammlungen mit in die Hermath zurück.

* Rundschau im Nrichr. Seit dem Verbrechen Lnccheni» sind dem Großherzog von Baden zwei Schutzleute in Civil bei­gegeben, von Denen der eine bei Wagenfahrten sich der Velocipedr bedient; den übrigen Fürstlichkelten ist je ein Schutzmaun zu- geordnet, der in gemessener Entfernung feinen Schutzbefohlenen folgt.

Anstand.

* Frankreich. Das neue Ministerium bat sich wie folgt fonftituirt: Dupuy: Innere», Freycinet: Krieg, Delcaffö: Aeußeres, Leygues: Unterricht, Lockroy: Marine, Lebtet: Justiz, Peytral: Finanzen, Delombre: Handel, Krantz: Oeffentliche Arbeiten, Viger: Ackerbau und Guillain: Kolonien. In der gestrigen Sitzung der Friedenskommission verlangten die anierikaliischen Kommissare Namen» ihrer Regierung die absolute Abtretung de» Philipp inen-Archipel» an die Vereinigten Staaten.

* Afrika. Au» Massaua wirb gemelbet, gegenüber den in Italien verbreiteten Gerüchten von Nachrichten über bedrohliche Zu­stände in der Kolonie Erythräa, daß diese durchaus unbegründet feien. Dort herrsche vollkommene Nutze.

* Amerika. Die wissenschaftliche Eroberung von Portorico scheint von den Vereinigten Staaten au» noch vor Abschluß der Friedensverhandlungen in Angriff genommen zu werben. Unter der Leitung des Botanischen Garten» in New-Aotk und auf Kosten de« bekannten Millionär» Corneliu» Vanderbilt wird demnächst auf 6 Monate eine Expedition nach bet Insel abgehen, beten Pflanzen- und Thierwelt noch seht wenig bekannt tst; besonder» in

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