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C8. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — BezugS-PreiS: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mt. 60 Psg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Verlag: Lauggasse 27.
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Wo. 505, Fernsprecher N». 52. Samstag, den 29. Oktober. Fernsprecher No. 52. 1898.
Iüv Wovember unö Dezember: auf das „Wiesbadener Tagblatt" zu aboniliren, findet sich Gelegenheit im Verlag Langgaffe 27, bei den Ausgabestellen, den Iweig-Lxxeditionen in den Nachbarorten und fännntlichen deutschen Reichspostanstalten.
Zttznng der Stadtverordnete«
vom 28. Oklober 1898.
Anwesend Und unter dem Vorsitz deS Herrn LandesbankdirektorS Keusch 40 Mitglieder des Kollegium», Seitens des Magistrats die Herren Oberbürgermeister Dr. v. Jbeil, Bürgeruinster Heh, Beigeordneter Körner, Beigeordueter Mangold, sowie die Serien Stadtältester Beckel und Stadtrath Brück, ferner Herr bersekretär Rosalewski als Protokollführer.
Vor Eintritt in die Tagesordnung wird die Magistratsvorlage, betr. die Haftpflichtversicherung der Stadt, dem Finanz- Ausschuß, diejenige, betr. Beseitigung von Bäumen in der Mainzer- und Fraulsttiterstraße, der Grundstücks-Deputation zur Vorprüfung überwiesen.
Ucber die Prüfung des Gesuchs de» Pächters der „Kursürstcn- müdle", Herrn Ludwig Kap serer, um Bewilligung einer Entschädigung, berichtet Herr Dr. Dreyer. Der Gesuchsteller hat bereit» am 16. Mai d. Js. eine Forderung von 1339 Mk. 85 Ps. rin gereicht für Schaden, der ihm bei der Ueberschwemmuug durch den Salzbach am 15. Mai entstanden sei. Er gründet seinen Anspruch darauf, daß die Uebrrflnlhunghauptsächlich infolge Versagen» der der „Kursürstenmühle" zunächst liegenden Schleuste entstanden sei. Der Magistrat ist der Ansicht, daß Kapferer keinen rechtlichen Anspruch aus Schadenersatz habe. Aus dcsien wiederholte Eingabe hat der Magistrat jedoch delchlossen, dem Gesuchsteller entgegcn- gtito turnen und ihm eine Entschädigung von 400 Mk. zu bewilligen. Der Finanzausschuß, welcher die Ansicht de» Magistrats thcilt, daß eine rechtliche Verpflichtung der Stadt nicht vorliege, empfiehlt unter diesen Umständen, den Antrag der Magistrat» abzulehneu. Er setzt voran», daß der Magistrat die Gesellschaft, bei welcher die Stadt Wegen Haftpflicht für derartige Fälle versichert ist, von dem Stand der Angelegenheit in Kenntuiß setze und bei evcnt. Klage nach deren Instruktion handelt. Der Antrag wird angenommen.
Die MagistratSvorlage, betreffend Herrichtung eine» Fest- platzeS im Walddistrikt .Hebenkies" für das nächstjährige Mittel- rheinische Kreis-Turnfest, wird dem BauanSschnß, die Vorlage, betreffend Einrichtung einer medico-mechaNischen Anstalt im städtischen Krankenhause, wird dem Finanzausschuß überwiesen. Diesem Ausschuß werden die Herren SanitalSrath Dr. Heynianli und Dr. Landow als Beralher beigegeben.
Zum Armenpfleger für das zweite Quartier des fünften Armeubezirks wird Herr Tünchermeister Adolf Ludwig gewählt. An Stelle des seitherigen Armenpfleger - Bezirks- Vorstehers Herrn Rektor Müller, der um feine Entbindung vom Amte gebeten hat, wird fein seitheriger Stellvertreter, der Armenpfleger Herr Privatier Stephan Hofmann, und an dessen Stelle al» stellvertretender Bezirkrvorsteher Herr TrichincubeschauerTheodor Schmidt gewählt. Als Armenpfleger an Stelle des Herrn Hosmaun wird Herr Gärtner Karl Rauke ernannt.
Dem Vorschlag de» Magistrat» entsprechend, wird Herr Kurdirektor v. Ed nie her zum stimmberechtigten Mitglied derKurhauS- Nellbau-Deputalioii gewählt.
Der Antrag des Bademeisters de» KcmeindebadeS, Herrn I. Hellwig hier, der zu den nicht pensioursähigeu Gemeinde- beamlen gehört, ihm eine sogen. Gliadenpeusion von 900 Mk. zu gewähren, wird dem Finanzausschuß zur Vorprüfung überwiesen.
Herr Lang referirt über die MagistratSvorlage, betr. die N a ch - bewilligung von 5000 Mk. zur Unterhaltung und Verbesferiing von Waldpro m enade wegen; es handelt sich insbesondere um die Wege zum Neroberg von der Beausite und der griechischen Kapelle. Der Referent ist der Ansicht, daß die Neuanlagen daselbst, insbesondere die Fnttermauern, in praltischer und lairdschast- licher Hinsicht zu wünschen übrig ließen. Sein Antrag geht dahin: Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Betrag von 5000 Mk. nachzubewilligen unter der Bedingung, daß in der Folge der Stadtverordneleüversammlring vor der Ausführung derartiger Anlagen gut durchgearbeitete Vorlagen gemacht werden, ferner dem Magistrat zu empfehlen, der Parkdeputation alle derartigen im Wald auizu führ enden Anlagen zu unterstellen. Diese Tepntalion würde somit zurPork- und Walvdeputationzn erweitern sein. Erwünscht wäre dabei Cooptation je eine» Mitglied-» des Sur- und des Verschönerungs-Verein», um ein möglichst einheitliches Zusammenwirken aller gegebenen Faktoren herbeiziisühren. Alle vor- ltegenden Aufgaben wären sodann unter Hinzuziehung eines tüchtigen LandschastsgärtirerS ausznsühren. Schließlich möge dem Magistrat bei dieser Gelegenheit die Entfernung des vor dem Nerobeigtewpel belegenen Eirweihers empfohlen werden. Rach längerer Diskussion werden die 5000 Mark bewilligt, an Stelle der Worte »unter der Bedingung" jedoch gesetzt „in der Erwartung". Die Beibehaltung der nur für die Schaffung der Nerothalanlagen eingesetzten Parkdeputation und deren Erweilerung in eine Walddeputation wird adgelehnt und der Schlußsatz bezüglich de» EiSweiher» wird von dem Antragsteller zurückgezogen, nachdem der Herr Oberbürgeruieiftei erklärte, daß der Weiher mit der Restauration verpachtet sei und von den Pächtern Werth auf denselben gelegt werde. (Schluß folgt.)
Aus Stadt und Land.
Wiesbaden, 29. Oktober.
— Nrrilalionsab»»-. Am Donnerstag Abend veranstaltete der »Kaufmäunif che Verein Wiesbaden" im Schntzenhos- faale seinen zweiten Vortrag in dieser Saison. Es war dasür Herr Otto Beck, Regisseur und Charakt-rkomiker am Stadtlheater in Köln, gewonnen worden, der sich die Ausgabe gestellt halte, eine Reihe von Poesie- und Prosawerkeu Roseggers zu lecitireii. Der Recitator begann seinen Vortrag mit der Erzählung einer kurzen Biographie Roseggers, der — in einem kleinen Törflcin, Lar weder CSwU noch Kirche hatte, geboren — da er zum Bittrer» nicht
kräftig genug war, zuerst Pfarrer werden sollte, aber wegen feine» Heimwehs nach den Bergen nicht aushielt beim Studium und wieder in die H-imath zurückkehrte, wo er bis zu (einem 17. Lebensjahr u. A. als Vorleser wirkte. Später durchzog er al» Schneidergeselle die W-It. Ader schon früh hatte sich sein Dichtergenie entwickelt, wie fein in dieser Zeit entstandenes Erstlingswerk „Zither und Hackbrett" beweist. Au» diesem gab der Recitator nun einige mit großem Verständuiß wiedergegebene Dialekt- gediehle zum Besten, mit deren jedeui er stürmische Heiterkeit erntete. E» war aber auch jedes einzelne dieser Gedichte, soz.B. .'»Busserl", „Derf i '» Deandl liabn?" 2C„ ein Kabinettstückchen voller gesilndeu Humor», gemülhvaller Urwüchsigkeit und Treffsicherheit de» Ausdruck». Hieraus trug Herr Beck eine gelungene Humoreske aus „Waldheimath": »Dem alten Anderl fein Tabaksgeld" vor, der er, um auch einen Einblick in Roseggers ernste Dichtungen zu geben, die tiesergreiseude Schilderung „Das Sterben im Walde" folgen ließ. Zwei humoristische Schlager, nämlich die beiden Humorckken: „I» was, kost'» nix, i» nix, kost'» 2 Gulde 25 Kreutzer" lind „Wo iS die Kotz?" hatte der Recitator bi« zum Schluß aufgespart und er erntete damit anhaltende stürmische Heitel keil. Dem „Kaufmännischen Verein Wiesbaden" gebührt besonderer Dank dafür, mit der Gewinnung des Herrn Beck, der sich mit großem Geschick in den Geist der Roseggerschen Dichtungen eingelebt hat uiib dieselben zu voller Geltung zu bringen wußte, bei seinen Mitgliedern das Verstäudliiß für den großen gemüthvollen Volksdichter geweckt zu haben. Die sämmtlichen Darbietungen fanden lebhafleu Beifall.
— Der „Cäcittrn-Urrrin" eröffnet den Eyklu» der K o n z e 11 e diese» Winters mit dem ewig jugendfrischen Werke Haydn», „Den Jahreszeiten", bereu Aufführung auf Montag, den 21. November, cmgesetzt ist. Die Proben sind, wie wir hören, bereit» eifrig im Gange. Obgleich zahlreiche neue Kräfte dem Verein beigetreten sind, wäre doch ein weiterer Zuwachs namentlich an Herren, aber auch au Damen, recht erwünscht, um dem Chor noch größere Kraft und Fülle zu geben. Einen Mangel hieran kann auch der beste Dirigent nicht ersitzen. Die für diesen Winter zur Aufführung gewählten Werke, außer den Jahreszeiten noch „Iphigenie" von Gouvy und „Christus" von Kiel, sind sicherlich solche, die zn studiren dem Sänger ebenso viel Geuitß ist, wie dem Konzertbesncher, sie zu bereit Möchte sich dem für unsere öffentlichen Musikaufführungen so unentbehrlichen Verein die thätige Theilnahme in höherem Maße nie bisher zu wenden.
— Weideland im N^ürlkäfig. Besonder» innig sind die Beziehungen zwischen den Pflanzen und der Vogelwelt, und wenn schon die Entziehung der Freiheit dem gefangenen Vogel einen Theil feinet Lebensfreude zu rauben im Stande ist, so laßt ihn die Trennung von der Pflanzenwelt dies nur noch brückender erscheinen. Aber den Pflanzenwiichs nicht nur als Umgebung entbehrt der Bogel in der Gefangenschaft, sondern bei vielen Arten auch als Theil seines natürlichen Futters. Unb dazu gehört die Mehrzahl nuferer heimischen Vögel und einer, der hier, allerdings nur tu der Gefangenschaft, bereits feine Heimotb gefunben hat, der Kanarienvogel. Viele Sänger, sofern sie hier den Winter verbringen, stellen während dieser Zeit ent- weber den Gesang ein oder reduziren ihn wenigsten» bedenkend, und erst mit dein Erwachen des Frühling» und der Wiederbelebung der Pflanzenwelt ertönt ihr Gesang freudiger, voller und abwechslungsreicher. Die Gefangenschaft übt ohnedies einen drückenden Einfluß aus die ihr unterivorfeuen Sänger au», sodaß der Gesang häufig nachläßt unb in einzelnen Fällen ganz verlogen geht, unb dazu mag wohl viel die vollständige Trennung von dem Wechsel und dem Erwachen der Natur beitragen; es fehlt ihnen förmlich die Anregung. Und wenn wir die andere Seile betrachten, so ist es fast unumgänglich notbmenbig zur Verdünnung de» AinteS, zur Blutaiiffrischnng, baß die armen Gefangenen ab und zu grüne, zarte Pflauzentheile nufnebmen. Bei verständnißvoller Behandlung wirb dafür auch durch Salatblälter zum Beifpiel Sorge getragen, die zwischen die Stäbe des Käsig» geklemmt werben. Unb wem ist es nicht Dank genug für die Fürsorge, wenn er sieht, wie der Vogel kaum erwarten kann, bis der Spender sich etwa» entfernt hat, nm sich freudig de» Leckerbiffeus zu bemächtigen? Möchten sich deshalb alle Vogelfrennde es angelegen sein lassen, ihren Lieblingen möglichst oft frisches Grün in den Bereich ihre» Gefäugniffes zu bringen, was ja durchaus nicht schwer durchzusühreu ist. E» werden entweder kleine Kästchen, etwa niedere Cigarettenschachteln, die ihrer viereckigen Form wegen mehr entsprechen, oder auch bic Unter« fätze von Blumentöpfen mit Erde gefüllt und in dieselben möglichst verschiedene Sämereien, voiherrfchend Gras- unb Getreide-Arten, sowie einige Salatsamen angesät. _ Haden die Pflanzen in einigen Tageir eine entsprechende Höhe von 5 bis 10 Zentimeter, sodaß sie noch recht zart sind, erreicht, so werden hie Kästchen entweder in den Vogelbauer ober außen so knapp hingestellt, daß bie Vögel bie Pflanzen erreichet! können. Der Besitz zweier solcher Behälter ermöglicht stet» ein Wechseln und Reu- änfaat, respektive Nachwachsen der Pflanzen. Die Instandhaltung unb Obsorge kann man sehr zweckmäßig Kindern anveitrauen, um dieselbe» dadurch frühzeitig an Liebe zu Tdieren uub Erfüllung übernommener Pflichten zu gewöhnen. Besonders im Frühjahre wirkt das Zrigänglichmachen von solchem Grün ungemein reinigend auf das während de» Winters infolge schlechter Lust:c. verunreinigte Blut.
— „Tagblatt"-Karumlungen. Für den abgebrannten Müller in grauenfiem find ferner eiiigegangen: von I. N 3 Mk., von dem runden Tisch de» Gasthauses „Zur Krone" in Fraiieiistein 2 Mk. Herzlichen Dank Namens des Bedachten! Weitere Beiträge nehmen wir gern entgegen.
Vereins - Nachrichten.
Eurze fadjlitfte Bertftte werde« bereitwillig»! unter dreier Ueberkvrlfr ausgenommen.
* Die hiesige, vor Kurzem gegründete Abtheiluug der „Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur" wird beule Abend 8'/, Uhr im Saale des Restaurauts „Zum Krokodil", Luisenstraße 37,1, Ecke Kirchgasse, eine Sitzung abhalten. Ans der Tagesordnung stehl u. 21.: Bericht über die ethische Bewegung in Deutschland, England und Italien tut vergangenen Quartal. Gäste sind willkommen.
* Der Maschinisten- und Heizer-Verein" sürWiesbadeu und Umgegend hält Sonntag, den 30. Oktober Nachmittags 4 Uhr, int Vereinrlokal .Zum deutschen Hof", Goldgasse, eine Verfammlnug.
Kkrmmer, anö dem Publikum.
(Für BeröffeuMchung-u um er dreier Ueberschrist übernimmt die ttebafticn Idntttet Verantwort»»-.)
» Wiesbadener Straßenbahn. Dem aufmerksamen Beobachter kann es nicht entgangen sein, daß die hiesige Straßenbahn -Au geleg e u b ei t viel Staub aufgewirbelt hat und weite Kreise der Einwohnerschaft lebhaft beschäftigt. Er war deshalb sehr am Platze uub auznerkenueu, daß der Hc cr Oberbürgermeister neulich
den Stand der Angelegenheit ausführlich dargelegt hat, sodaß auch nicht Eingeweihte einen Einblick gewinnen. Au» de» Verhandlungen geht hervor, daß Magistrat und Kommission in umsichtiger und energischer Weise die Jntereffen der Stadt und Einwohnerschaft gewahrt haben und wesentliche Vortheile und Verbesserungen erreiche« werden. Daß solch verwickelte Verhandlungen sich lange Anziehen unb baß ein ober der andere Wunsch zurückstehen muß, imJnteresje des Ganzen, weiß Jeder, der einmal praktisch damit zu thun gehabt hat. Einsender dieses, dem langjährige Erfahrungen im Straßenbahn« Wesen zur Seite stehen, möchte sich nun erlauben, auf einige Punkte aufmerksam zu machen, die feiner Ansicht nach noch zu er« wägen wären. Zunächst vermißt man Klarstellung der Rechtslage zwischen Stadt unb Straßenbahn - Gesellschaft. E» heißt zwar — und daran wird nicht zu rütteln fein — „die jetzige Gefellfchaft besitzt die Konzession bi» zum Jahre 1938", da, heißt doch wohl nur die Konzession für die zetzigeu Linien? Damit ist der Gefellfchaft aber noch lange nicht da» ausschließliche Recht des Straßenbahnbetrieber in Wiesbaden eingeräumt. Da» sind zwei ganz verschiedene Dingel Ist also in den Konzessionrbedingungen nicht von einem ausschließlichen Rechte ober sonstigen Beschränkungen bie Rede, so ist die Stadt jeden Augenblick berechtigt, neben der jetzigen noch neue Kouzeffioueu für Straßenbahnen resp. Konkurrenz- Linien zu ertheileu, ohne dadurch mit der jetzigen Gesellschaft in Konflikt zu geratben. Ein wunder Punkt scheinen ferner die Sott« zessionsbediitgnngen für Vorortbahnen zu fein. Nach den Worten des Herrn Oberbürgermeister» sollen (fremde) Vorortbahnen nur bis zur Stadtgemarkung fahren dürfen, von da ab wird die jetzige Gesellschaft den Betrieb übernehmen. Diese Bestimmung ist in der Praxi» ein Unding, und keine fremde Gesellschaft kann darauf ein« geben, was wiederum einem Monopol der jetzigen Gesellschaft gleichkäme. Soll da» Publikum möglicher Weise an der Stadtgrenze umfietgen ? (Man vergleiche z. B. den Verkehr mit Sonnenberg) Von anderer Seite wurde hieraus bereit» hingewiesen und hier rft eine präcifere und klare Fassung nothwendig. Vorortbahnen müssen vom Mittelpunkte der Stadt aus, a!» selbständige Linien konzesfionirt und betrieben werden. Weshalb die Stadt nicht schon längst von ihrem Rechte, die jetzige elektrische Bahn zu übernehmen, Gebrauch gemacht hat, entzieht sich der Beurtheilting de« Einsender». Die kurze Strecke tentirt sich doch ausgezeichnet. Im Jahre 1897 wurden 564,000 Personen darauf befördert und ein Ueberfchnß von 20,000 Mk. erzielt. Der Verkehr in 1898 ist entschieden ein noch viel lebhafterer. Die Stadt würde also nur ein gute» Geschäft machen. Außerdem wäre die Uebernahme aus mancherlei anderen Gründen nur wünschenswerth. Für den künftigen Betrieb der Straßenbahnen dürften folgende Wünsche unb Vorschläge zu erstreben fein: 1. Einführung des elektrischen Betriebe» für alle Strecken, bis spätesten» 1. Oktober 1899. Baldigen Ausbau der projektirten Linien. 2. Eiusiihrung der Accuninlatorendetrieb» im Stadtgebiet. In Vororten uub bei starken Steigungen kann das gemischte System (oberirdische Zuleitung) gestattet werden. Innerhalb der Stadt ein acht Mmutenbetneb. Aus Strecke Beansite— Biebrich fährt jeder zweite Wagen vom Rondell durch bi» Biebrich. (16 Minuleubetrieb.) 4. Ausdehnung der Betriebszeit (15 Stunden). Berücksichtigung der Theater und Bahnhöfe (Schnellzüge) durch besondere Wagen. 5. Einführung des 10 Psemiig-Tarifr im ganze» Stadtgebiet. Einführung von llmfteigefarten. Ermäßigte Preise für Abonnenten, Arbeiter und Schüler, Zeit- und Tutzeudsahrkarten.
6. Revision der Tarife und Fahrpläne in bestimmten Zeiträumen durch die Stadtverwaltung. Wir können zu unserer Stadtvertretung da» Vertrauen haben, daß sie die Verwirklichung obiger Vorschläge durchweg erreichen wird, und damit kann dann wohl Jeder mit der Gestaltung unsere» Straßenbahnwesens zufrieden sein. Wiesbaden hätte bann mehr erreicht wie viele andere Städte, ober auch der Süddeutsche» Eisenbahn-Gesellschaft würde für ihr Entgegenkommen volle An- erfennmig gebühren. _____________ v-
-s- Klrrstadt, 27. Oktober. Die in der Mittwoch-Abend- Anrgabe des „Wiesbadener Tagblatl" gebrachte Mittheilung über einen hier stattgefundenen Skandal bedarf infofern einer Berichtigung, als der Skandal nicht in der Nacht von Sonntag auf Montag, sondern von Samstag auf Sonntag stattfcmd; der Rabatt bestand übrigens in einer gegenseitigen Rauferei, die für alle Be- theiligteu ohne weitere Folgen blieb.
(?) Hochheim a. M., 27. Oktober. Damit unser weit- berühmter Markt, welcher am 7. November abgehalten wird, einer bewährten Anziehungskraft, des „Federweißen", nicht entbehrt, kaffen einige Weinbergsbesitzer von heute ab eine Vorlefe halten. Der allgemeine Herbst beginnt am 3. November.
* Lulda, 28. Oktober. Heute Vormittag fand die Konsekration des Bischof» Adalbert Endert durch Fürstbischof Kopp und die Bischöfe Haffner-Mainz und Willy-Limburg in Gegenwart de» Oberpräsidenten Magdeburg statt.
* Mainz, 27. Oktober. Eine unter dem Vorsitz de» Oberbürgermeister» Dr. Gaßner berufene Versammlung bestimmte al» Tag der Hauptfeier de» Gutenbergjnbiläums den 24. Juni 1900 und setzte ein provisorische» Programm fest.
Nrrmischles.
* Zwei Nandversiignngen Friedrichs des Große«. Ein General des Königs hatte den Auftrag erhalten, in bet Ukraine, im südlichen Rußland, eine größere Anzahl Pferde für bie preußische Armee anzukaufen nnd zu diesem Zweck 100.000 Thaler empfangen. Nach der Rückkehr de» General» konnte da» ffriegsbepartemeut trotz wiederholten Drängen» von dem Offizier keine Rechnungslegung über die verausgabten Gelder erhalten und beschwerte sich deswegen schließlich beim Könige, der dem General direkt befahl, Rechnung abziilegen. Der alte Haudegen kam diesem Befehle in folgender Weife nach: ,70,000 Thaler für Pferde, 30,000 Thaler in de Rongenouge macht 100,000 Thaler. N. N." Al» dem Könige dies« sonderbare Rechnung vorgelegt wurde, schrieb er auf den Rand de» Sogen»: „Rechnung stimmt, der General soll ober keine Pferde mehr kaufen I" — Ein Husar hatte in Breslau von dem Bilde der Mutter Gotte» im Dome ein kostbare» DiamantenhalS- baud gestohlen und vor dem Kriegsgericht behauptet, die Mutter Gotte» hätte ihm da» Halsband geschenkt, war aber trotzdem zum Galgen vernrtheilt worden. Als dem König da» llrihell zur Bestätigung vorgelegt wurde, forderte er den Erzbischof auf, sich darüber zu erklären, ob es wohl möglich wäre, daß die Mutter Gotte» ein solche» Geschenk machen könne. Der Erzbischof und da» Domkapitel sahen sich zu der Erklärung gezwungen, daß ein derartiges Wunder nicht unmöglich wäre, woraus der König da» Urthell kassirte mit dem Hiiizusügeit: Der Husar würde gehenkt werden, wen» er noch einmal ein Gefchenk von der Mutter Gotte» annehme i
