Wiesbckemr Tsgbktt.
«6. Jahrgang.
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Uo. 470.
Fernsprecher N». 52.
Samstag, -en 8. Oktober.
Fernsprecher No. 52.
1898.
Abend-Ausgabe
aus rothem schwedischem Figuren in Gladenbecks Paul Gladenbeck) zu von 93 Theileu Kupfer
Granit hergestellt und die einzelnen Broncegietzerei (Inhaber Walter und Friedrichssegen aus einer Legirung und 7 Theileu Zinn gegossen. Die
Bodcncrhöhung von 50 cm über der Fahrstraße des schmucken WilhelmsplatzeS erhebt sich," so sagt die Festschrift, „das herrliche Denkmal, dessen malerische Gc- sammtwirkung ebenso wie di« formvollendete, lebendige und charakteristische Durchbildung der einzelnen Figuren unsere gerechte Bewunderung crreg^/Der einfach prostlirte Sockel, zu welchem drei Stufen hinanführen, wirkt schön und kräftig durch seine großen, polirten Flächen und die natürlichen Farben de» Steines. Die Gesammihöht des Denkmals betrögt 7,16 Meter, der Sockel ist 3,40 Meter, die Gestalt Bismarcks mit Plinthe 3,76, ohne Plinthe 3,58 Meter, die Naffovi« 2,30 (wenn sie aufrecht stehen würde 2,85) Meter, der Knabe 2,20 Meter hoch. Tas Denkmal hat ein Gesammtgewicht von 29,000 Kilo oder 580 Centnern; die Broncelheile wiegen zusammen
bei solchen Angelegenheiten immer die besten Wege, und so auch diesmal. An der Konkurrenz beteiligten sich die Herren Hilgers aus Rom, Eberlein, Herter und Magnussen aus Berlin, Robert Baerwald aus Wilmersdorf, Hugo Beerwald aus Schwerin, Schilling aus Dresden. Buscher aus Düsseldorf und Pfretzschn« aus Charlottenburg. Unter den eingesandten Modellen, welche längere Zeit im großen Saale des Rathhauses ausgestellt waren und dort gar verschiedene kritische Urteile erfuhren, wurde die Auswahl nicht getroffen, es wurde vielmehr im August 1896 beschlossen, die Bildhauer Eberlein, Herter, Baerwald und Pfretzschner zu einem nochmaligen engeren Wettbewerb zu veranlassen. Baerwald starb jedoch zuvor plötzlich und so traten nur die Uebrigeit in die Schranken. Am 6. Januar 1897 wurde vom (Somit mit 21 von 25 Stimmen beschlossen, dem Professor Herter die Ausführung de» hier zu errichtenden Bismarck-Denkmals zu übertragen.
Anfangs Februar dieses Jahres konnte das Denkmalsmodell von dazu beauftragten Comilömitgliedern im Atelier Herters in Charlottenburg abgenommen werden. Nunmehr wurde der Sockel von Gebrüder Wölfel, in Firma Wölsel und Herold, zu Bayreuth
sehr günstige, da da« Licht von Südost. Süden und Südwest auf das Denkmal falle. Der Umstand, daß das Denkmal, wie gesagt, von bet Wilhelmstraße aus leicht sichtbar und von der Frankfurter-, Bierstadter- und Rheinstraße auf Verbindungswegen in 20 bis 80 Sekunden zu erreichen ist, falle nicht zuletzt ins Gewicht.
-Al» der Platz soweit gewählt worden war, galt es, einen Künstler zu finden, der da» Denkmal schaffe. Der öffentliche Wettbewerb zeigt
Nach der (Original - Aufnahme des Photographischen Ateliers von I. B. Schäfer, Rheinstraße 2\ zu Wiesbaden, gezeichnet von Ferdinand Nitzsche.
FundamentirungSarbeiten sind, wie die mit Origiilalausnahmen deS Denkmals und auch im übrigen gut auSgestattete, von Herrn Regierungsrath Kantel verfaßte „Festschrift zur Enthüllung deS Bismarck-Denkmals" erzählt, »ach Angaben des Herrn Stadt- baumeisterS Genzmer von Maurermeister Georg Birck liier» selbst in festen Backsteinen und genügender Tiefe, sowie hinreichender Stärke gut ansgeführt worden. Das Versetzen der Sockel- theile, sowie die Besestigung der einzelnen Figuren und Broncetheile hat in sehr sorgfältiger Weise unter Aufsicht des Techniker» Ellenberger vom hiesigen Stadtbauamt stattgefunden. „Auf einer
Zur Enthüllung des Bismarck-Denkmals
Fürst Bismarck war einer der Wenigen, denen schon bei Lebzeiten Monumente aus Stein und Erz gestellt werden. Er hätte in mancher deutschen Stadt sein marmornes oder erzenes Ebenbild begrüßen können. Auch in Wiesbaden wollte man den eisernen Kanzler lebend durch ein Denkmal ehren; knapp vor dessen Vollendung sprach jedoch der Tod im Sachsenwalde vor und nun kommt das Denkmal als ein würdiges ehrendes Angedenken an den letzten deutschen Natioualheros.
Es war im April 1896. Sechs Mitglieder des hiesigen ComitsS für die Errichtung eines Bismarck-Denkmals saßen in Friedrichsruh am Frühstnckstisch deS Fürsten Bismarck. Der Fürst war guter Laune — so erzählten ein paar Tage später die zurückgekommenen Herren vom Comits — und äußerte auf wiederholtes Bitten, daß er doch seine Wünsche hinsichtlich des Platze» für da» Denkmal aussprechen möge, Wiesbaden sei so reich an schönen Plätzen, daß man auf jeden fein Denkmal stellen könne. ES komme ihm nicht darauf an, wo, sondern daß ihm ein Denkmal errichtet werde. Doch werde efr schon gut sein, wie die Herren e» machen würden.
Er hat sich nicht geirrt; auf dem WilhelmSplatz, der schönsten Straße Wiesbadens, der Wilhelmstraße, zugekehrt, wird sich da» morgen zu enthüllende Denkmal des großen Todten würdig präfentiren. Der WilhelmSplatz' wurde nach mancherlei Hin- und Herberathungen von Herrn Stadtrath Weil in Vorschlag gebracht. Die beiden Bildhauer.Prof.Ernst Herter ans Berlin undNobert Baerwald aus Wilmersdorf, hülfen denselben ebenfalls am meisten für ein Denkmal in Stein und Erz von der Größe de» geplanten geeignet. Zwar?" wurden und werden immer »och Stimmen laut, die diesen Platz bemäkeln, weil er zu klein und zu versteckt fei, andererseits ist man jedoch der Ansicht, daß diese Bedenken gegenüber den großen Vorzügen des Wilhelrnsplatze» nicht bestehen können: Nicht nur, daß dort da» Denkmal in seinen Umriffen und Größenverhältniflen am besten zur Wirkung gelangt, auch die Beleuchtung in der Vorder- und den Seiteuausichten sei eine
Das Bismarck-Denkmal in Wiesbaden
von Prof. Ernst Werter.
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H?o deutsche Herzen nur schlagen, wo deutsche Treue gedeiht, Da gab es ein großes Klagen Und tiefempfund'nes Leid;
Da quoll aus des Herzens Borne Der Thränen klare Fluth, Da beugt es, wie banges Zagen, Den stolzen Rlannesmuth.
Und aus uns'res Schmerzes Tiefen Erhebt sich sein strahlend Bild: Schirmend mit mächtigem Arme Germania's Ehrenschild;
Schmiedend in stammenden Gluthen Ihr ehern' Wappengewand, Des wuchtigen Schwertes Schneide Schärfend mit kundiger Hand.
Das ist Dein Bismarck-vermächtniß. (D Deutschland, bewahre es treu! Sei wach, mein Volk, und schütze Dein Kleinod immer auf's Neu'I Bau' weiter an Deutschlands Ruhme Durch deutsche Thaten und Wort: Dann ist er Dir nicht gestorben, Dann lebt er im Geiste fort.
Wj^och hallt es leis' im Echo
Wie Todtenglockenklang; Noch schallt es vom Sachsenwalde Wie banger Trauergesang. Noch senket in tiefem Leide Germania das fjaupt: Den treuesten ihrer Söhne Hat ihr der Tod geraubt
In zündender Rede kämpfend Für ihre Größe und Macht, Der Feinde Gelüste dämpfend: So hielt er die Fahnenwacht. Dem Kaiser, dem Reiche in Treue Sein ganzes Leben geweiht. — Gesegnet sei stets aufs Neue Die große, die heilige Zeit!
Ls rauschen die deutschen Eichen Klagend einander zu: „Der Starke, er ist bezwungen! Bismarck, er ging zur Ruh'!" Es tragen die trübe Kunde Die Wellen zum fernsten Port: „Bismarck, er ist gestorben, Des deutschen Reiches fjortl“
Germania, hoch erhoben, Die einst zu Boden gedrückt; Ihr fjaupt in prangender Schöne Die Kaiserkrone jetzt schmückt. Ls blicket ihr Auge so flammend weit über der Erde Rund, Seit ihre Söhne in Treue Geschlossen der Einheit Bund.
Und wie dies eherne Denkmal, Das dankende Liebe ihm weiht, Sein Bild in Treue wird zeigen Der fernen, kommenden Zeit: So möge für alle Zeiten Sein Geist uns segnend umweh'«, Daß fest in Bismarck-Treue Zu Kaiser und Reich wir steh'n.
Fr. Aohrbeck.
