Wiesbadener 2 anb Litt.
«6. Jahrgang.
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Die Samsa-Inseln.
Wie aus »iiserer Kartenskizze, die wir aus Anlaß der Frage der Theilung der Samoa-Inseln unter die drei Vertragsmächte Deutschland, England und Amerika beistchend abdrucken, hervorgeht, bildet die Samoa-Gruppe eine natürliche Etappenstation auf deut von San Francisko über Hawaii nach Australien gebenden Dampfer- Wege; dabei ist die Inselgruppe der deutschen Besitzung auf Neuguinea östlich benachbart, an die dorthin gehenden Dampferlinien also gut anzuschlicßen. Sie liegt erheblich weiter von der Küste der Union als von der Südspitze Australiens, wohin regelmäßige Post- dampferfahrten der Norddeutschen Lloyd führen, entfernt. Die Gruppe besteht aus einer größeren Anzahl von zum Theil sehr kleinen Eilanden; die größten Inseln sind Savaii, Upolu, Tutnila und Manna, von diesen ist Upolu die wirthichastlich bedeutendste, Tutnila
N-. 464.
Fernsprecher No. 52.
Mittwoch, den 5. Oktober.
Fernsprecher No 52.
1898.
Abend-Ausgabe.
Aufgabe» unserer Volksvertretungen.
Der neue Reichstag ist gewählt und die Wahl zum neue» Abgeordnetenhaus steht vor der Thür. Da ist cs nicht unangebracht, die Frage zu stellen: was sollen unsere Volksvertretungen? Gras HocnSbroech beaulwortet in der „Tägl. Rundsch.' diese wichtige Frage wie folgt:
Wer unbefangenen Blicker die Volksvertretung, die deutsche wie die preußische, betrachtet, der muß sagen: fie sind nicht, war fie sein sollen. Ich will hiermit nicht Hinweisen auf das sehr vcränderungs- und verbesserungsbedürftige Wahlgesetz zum preußischen Abgeordneten- hause, wodurch eine preußische Volksvertretung kaum zu Stande kommen kann. Dar ist eine Sache für sich. Wenn ich sage: die Volksvertretungen sind nicht, war sie sein sollen, so habe ich Anderes im Auge. Da ist zunächst der gänzliche Mangel an Einheit. Die Männer, die sich am Königsplatz und in der Prinz Albrechtstraße versammeln, tagen unter einem Dache, in einem Saale; das ist aber auch fast Aller, was sie an Einheit besitzen. Nicht das ist zu tadeln, daß es Parteien, daß es viele Parteien giebt, sondern zu tadeln ist, wie die Parteien zu einander stehen. Fastjegliche innere Gemeinschaft fehlt; war vorhanden ist an äußerem Zusammengehen, ist mühsam erreicht durch künstliche Kompromisse. Je wich» tiger die Fragen, umso weiter ist die Kluft, die bei ihrer Be- urtheilttiig die einzelnen Parteien voneinander scheidet. Das ist ein großes Nebel, und ein Uebcl, dar in schneidendem Gegensatz zur Volksvertretung steht, denn das Volk selbst, das deutsche, wie dar preußische, ist Gott sei Tank nicht so zerklüftet wie die Parteien. Die Parteizerklüftnng ist dar schädliche und armselige Werk
das „Berl. Tageblatt" zu lesen. Solche Preßthäligkeit muß verbitternd, verhetzend wirken; da geht er nicht um Sachlichkeit und Wahrheit, sondern um möglichst tiefe Anschwärzung des Gegners um feine Verrnfserklärung um jeden Preis. Doch über die Ursachen der Parteizerklüftung wollte ich nicht schreiben. Sie besteht, und von ihr als Thalsache ausgehend, muß die Forderuug gestellt werden, daß die Parteien weit mehr als bisher sich bewußt werden, eine Volksvertretung zu bilden. Tbut uns etwa, gerade in der heutigen Zeit, die Einigkeit nicht Noth? Mit der verstärkten Einigkeit schwindet in den Volksvertretuiigen auch der große Uebelstand, daß die Parteien in ihnen allzusehr Schachfiguren sind, die von geschickten Händen gegeneinander oder gegen die Regierung aurgespielt werden. Solch ein politisches Schachspiel in der inneren Politik deutet immer darauf hin.
verbliche do ut des. Zur Grundsätzlichkeit gehört auch das Rückgrat nach oben. Eine echte Volksvertretung muß unantastbar fd« in ihrer ehrfurchtsvollen Anhänglichkeit an den Träger der Krönt, aber ebenso unantastbar in ihrer festen Entschiedenheit, dem Träger der Krone »allergelrenestc Opposition" zu machen, wenn e» dft Umstände erfordern. Unsere Volksvertretungen sollen die Recht« und die Jntereffcn der Volker vertreten; das ist mehr wi« selbstverständlich. Wo liegen heutzutage die Rechte und die Interessen des Volker? d. h. in welcher Richtung liegen fie? Sie liegen ist der Richtung freiheitlicher Entwickelung und soziales Fortschritts. Deshalb ist es mehr wie je Aufgabe der Volk-« Vertretung, Alles von sich zu weisen, was eine Einengung und Bt» fchränknug der Freiheit bedeutet, was die fortschreitende Gesundung uuserer sozialen Verhältnisse hemmt. Id; bin nichts weniger, al- ein Freund von Schlagworte«, aber sollen einmal Schlagworte gebraucht werden, so sage auch ich, wir brauchen eine liberale, nicht eine reaktionäre Mehrheit in bet Volksvertretung. Merkwürdig! Unser Jahrhundert,das auf alle« Gebieten einen mächtigen Freiheitsdrang bekundet hat, verspürt au seinem Ausgang das Wehe« reaktionären, absolutistische»
Geistes. Ihm gilt es Widerstand zu leisten. Mit den: Grundsatz der preußischen Verfassung: Gleiche- Recht für Alle, muß, zumal in der preußischen Volksvertretung, ernst gemacht werden. P rivilegirte Klassen und Stände, die sich und ihre Anschauungen als die maßgebenden hiustcllen möchten, waS eine Freiheitsbeschränkung für all« übrigen bedeutet, giebt es nun einmal nicht mehr. Gleiches Recht für Alle bedeutet au erster Stells Bewegungsfreiheit — nicht Zügellosigkeit oder Willkür — in politischer, religiöser, wisienschaftlicher und sozialer Beziehung. Die Politik, die Religion, die Wissen- schast, das Soziale (ich verstehe darunter die Lebensbedingungen aller Stände und vornehmlich des arbeitenden) sind die Wurzeln de- Staates; sie dürfen nicht b«-
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Eiuzelner, die die Jnleresicngegensätze verschärfen, die ihre eigenen kleinlichen Ziele und Bestrebungen ausgeben für die Ziele und Bestrebungen der Volks. Die Zerklüftung der Parteien ist vor Allem das Werk einer verbohrten, einseitigen, unwahren Parteipresse. Unsere Parteipreffe ist auf einem Tiefstand angelangt, unter den zu sinken fast zur Unmöglichkeit geworden ist. Wenn die Sache nicht so ernst und wichtig wäre, man könnte scherzend sagen: die Parteipresse treibt nichts als Parteifexerci; Begrifft sind ihr nichts, Worte sind ihr Aller. Dadurch züchtet sie aber eine Parteiverhetzung,
daß der Spieler von der Grundsatztreue der Figuren, die er benutzt, nichts hält, daß sie für ibn nur eine» taktischen, nicht einen inneren Werth besitzen. Und so ist e8 leider, eben weil die Parteien, statt auf das Ganze zu sehen und dadurch Geschlossenheit und gegenseitige Fühlung zu erlangen, fast nur darauf bedacht sind, Partei zu fein und als Partei Vortheile zu erringen über die anderen Parteien. Der zum Abgeordneten Gewählte vergißt nur zu leicht und fast ganz und gar, daß er Vertreter des Volke» ist; mit dem Eintritt in das Parlament und in eine be
schnitten werden, fie miiffen frei sich ausdehnen können. Nur dann sind sie im Stande, gesunde Nahrung dem Stamme zuzuführen.
die zu dem Schlimmste» gehört, was das politische Leben an Schlimmem ausweisen kann. Man lese nur kurze Zeit hindurch die leitenden Parteiblätter. Was findet mau? Nichts als die ödesten Beschimpfmigen, die gehässigsten Verdächtigungen; Verdrehung der Wahrheit, Entstellung von Thatsachen. Wer es nicht glaubt, dem empfehle ich eine Woche hindurch z. B. die .Kreuzzeitung" und
stimmte Partei wird er ausschließlich Parteimensch bis zu dem Grade, daß er die übrigen Parteien, die dasselbe Volk vertrete», wie er selbst, al» Gegner betrachtet, die bekämpft werden müssen. An Grundsätzlichkeit fehlt e» unsere» Volksvertretungen. Sie kennen fast nur schalen Opportunismus, engherzige Parteischablone. Deshalb herrscht bei den Parteien untereinander und der Regierung gegenüber das oer-
(Nachdruck verboten.)
Erlaubt ist» was gefallt.
Plauderei über die Mode von Fron-Fron.
Noch hat Königin Mode ihre Gesetze für den Herbst nicht endgültig bi Hirt, aber Eines steht fest: äußerste Schlankheit bis über die Hüfte hinab. Vom Knie an ein Gewoge und Gekräusel, ein Flattern von Chiffons, ein Sichbaufchen von Volants. Der glatte Rock ist — ausgenommen für Sports- und englische Straßenkostüme — in den Bann gethan, Besatz ist die Losung. Besatz in Serpentinelinien.
Die durch Jahre so beliebt gewesene Blusenform will verschwinden, der Schoß tritt seine Herrschaft an. Etwas extravagant sieht der lange Frackschoß mit abgerundeten Ecken aus. Sehr viel graziöser der kurze, wellig angesetzte Schoß, der meist aus mehreren Theilen besteht. Am eigenartigsten sind die geschlitzten Schöße, die dann mit der Garnitur am oberen Theil des Aermels harmoniren.
Der Halskragen wird immer höher, wird selbst für Taillen zum angeschnittenen Sturmkragen und endet nach unten in einem sattelartigen Einsatz. Letzterer zeigt mit Vorliebe eine Umfassung von Pelz und fein Körper erhält die mannigfachsten Verzierungen. Schöne Handstickereien, gekurbelte Arabesken, Spitzenauflagen über Atlas ober Sammet, Spitzen, Säumchen, Karos, Litzen, oder für elegantere Kleider Durchbruch. Auch seine Form variirt bedeutend. Er wird in Zacken, in Bogen, in der beliebten Serpentinelinie, rund oder eckig aufgesetzt, fast immer in abstechender Farbe.
Diese reiche Obergarnitur der Taille bedingt ein glattes Untertheil, das höchstens schöne und auffallende Knöpfe erhält. Sechseckige Bronzeknöpfe, Straß und Emaille wird man in reizendster Ausführung sehen.
Für bauschige Taillen greift man zu der Mode der Tragbänder zurück. Dieselben werden ans kostbar gewirkten Sammet- und Seidenbändern ober ganz aus Füttern her- gestellt und können zu mehreren Kleidern getragen werden. Eine hübsche Handarbeit für geschickte Damen.
Das Vorderblatt des Rockes bleibt meist unbesetzt. Die Passementcrieen der Verzierungen imitiren häufig Polonaisenform und decken den Ansatz des geschweiften Volants. Der Rock muß, um streng modern zu fein, ein gewissermaßen altfränkisches Ansehen tragen.
Der Aermel zieht sich immer mehr zusammen und läßt die Form des Armes hervortreten. Höchstens am Ansatz ein paar Säumchen, ein winziger, leichtgeschlitzter Puff, eine kleine Spitzenverzierung, lieber die Hand fällt er in langangeschnittener Manschette ober läßt reiches Spitzen- ober Chiffongewoge bis zu ben Knöcheln reichen.
In Stoffen bringt bie Mode eine überreiche Auswahl von Neuheiten. Gerippte, genoppte, flockige Gewebe in einfarbig unb bunt durchzogen. Kleinkarrirte Stoffe mit schmalen Sammetstreifen, die aufgesetzten Bänbern gleichen, schönfarbige Kaschmirs mit großen Sammetpapillen, seiben- schimmernde Gewebe, von Chenille-Arabesken burchzogen. Sehr empfehlenswerth sinb bie stark geglätteten Tuche in den allerzartesten und vornehmsten Farben.
Sehr apart erschien eine Toilette aus hgvSMbraunem
Tuch. Ein malachilfarbener Sammetstreifen markirte eine Polonaise auf dem Prinzeßkleid. Dieselbe war dicht mit feinem Soutache benäht in Krikelkrakelzeichen. Auch das Serpentin-Volant des Rockes zeigte eine breite Soutache« Verzierung. Sattel und Sturmkragen bestand aus malachitgrünem Sammet, von schmalen Nerzstreifen umfaßt und mit leichten Goldmotiven bedeckt. Eckige Malachitknöpfe, in Bronze gefaßt, der Aermel glatt bis zur Schulter. Großer weicher Filzhut, havanabraun, Velasquezform, mit ab» schattirlen grünen Ferbern und riesiger Bronzeschnalle. AlS Cache-Peigne ein paar crevette-farbige Nelken.
Sehr zu empfehlen als besonders praktisch erschien unS eine Toilette aus pflaumenblauem Covertcoat. Der Leib der Taille aus fein plissirier stumpfer Seide in derselben Farbe, belebt durch Brelellen aus naturfarbenen Lederriemen mit Bronzeschnallen. Kleiner runder Filzhut, Matelotform, pflaumenblau mit Lederriemen. Ein echter, chiker Straßenanzug.
Sehr verwendbar als Ausgeh-, sowie Salontoilette ist auch folgendes Kleid: Der Stoff silbergraues Tuch, hübsch verziert mit vielfach verschlungenen Arabesken in schwarz und weiß gemusterter Seidentresse. Die Taille mit Sattel aus dunkelblauem Sammet mit aufgeklebten Sternchen aus grauem Tuch. Ein echter oder imitirtcr Chinchilla-Streif umfaßt den Sattel und den Frackschoß der Taille. Hut aus marineblauem Sammet mit Chinchilla-Besatz und lichtgrauem buftigen Reiher, sowie brei Nabeln aus blitzendem Stahl. Für den Salon kann man dem eleganten lichte« Rock eine Bluse aus durchpeg plissirteM graue» dttoo.
