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6. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. BezugS-PreiS: durch den Verlag 60 Pfg. monatlich, durch die Post 1 IRL GO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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N». 457.

Samstag, den 1. Oktober.

Fernsprecher 9?e. 52.

18S8

Fernsprecher Wo. 52.

Morgen-Ausgabe.

(Nachdruck verboten.)

Dee letzte Regierungsbeschlnß.

Oufer Pariser Korrespondent schreibt uns unterm 28. d. M.: Sur Zeit, als in Polen der Adel seine Unwirthschast trieb, hatte jeder Edelmann seinen .Inden", der als Faktotum alle seine großen und llciuen Geschäfte besorgte und zugleich als Zielscheibe für seine gute und als Ableiter iür seine böse Laune diente. Bestanden nun zwischen zwei Edelleutcn Zwistigkeiten was unter Grenzuachbarn sehr häufig der Fall war so äußerten sich die Feindseligkeiten vorerst dadurch, daß der eine den Juden des anderen abfangcn und durchprügeln ließ. Das bekannte Wort: .Haust Du meinen Juden, hau' ich Deinen Juden", fand hier also feinen Ursprung und seine wörtliche Anwendung. Um mehr als ein Jahrhundert später und in einem Lande, welches an der Spitze der westeuropäischen Civilisalion zu schreiten sich rühmt, kann man gegenwärtig ein ähnliches Spiel beobachten, mit dem Unterschied freilich, dab nian e« im Slaveulaiide mit Akten individueller Willkür zu thun batte, während hier Alles unter bem Deckmantel legaler Formen geschieht. In zwei feindliche Lager ist Frankreich gefpalten, und der Schützling des Einen ist zugleich die bßte noire des Anderen; hier wird über Esterhazy, dort über Picquart der ganze Zorn entladen. Und auch die Regierung handelt uni eS mit keiner Partei ganz zu verderben nach gleicher Methode rind theilt mit fast peinlicher Regelmäßigkeit bald nach der einen, bald nach der andere» Seile Schläge aus, denn was für die Revisionisten eine Gewährung, ist zugleich für die Gegner der Revision ein Schlag und umgekehrt. Auch die beiden Beschlüsse des Ministerraths vom 26. entsprachen diesem Prinzip, doch in ihrer Wirkung bestand diesmal nicht das gewöhnliche Gleichgewicht. Das Circular, welches der Justizmiuister gestern den Generalanwälten mit der Forderung übersandte, alle in Wort und Druck gegen die Armee geführten Angriffe ihm behufs gerichtlicher Verfolgung an« zugebcn, hat dem Generalstab nur eine mittelmäßige Satisfaktion verschafft, bei seinen Gegnern aber mehr Spott als Schrecken hcrvor- gcrusen, da die heutigen Morgenblätter dieser Richtung sich anstrengen, alle bis zum Ucbermaß wiederholten Beleidigungen noch einmal in aller Eile vorzubringen. Die Uebergabe der Revisions- frage an den Kaffationshos aber begegnete fast allgemein einer günstigen Aufnahme. Gleich als die Nachricht davon auf der Börse bekannt wurde, ging die französische Reute und andere Werthe in die Hohe. Die Pariser Geschäftswelt, welche sich von den Unruhen der letzten Zeit bedruckt fühlte, sicht nun einer besseren Saison entgegen. Noch freier aber dürften Diejenigen anfalhuieu, auf bereit Gewissen etn Druck lastete, btnn Niemanb wagt es, gegen bie Gewissen­haftigkeit unb Gerechtigkeit des KassatiouShosS Zweifel zu erheben. Ans den kurzen biographischen Skizzen, welche bie Blätter über bie 16 Beamten geben, denen die wichtige Ausgabe obliegt, Frankreich vom Dreyfns-Alp zu befreien, ergiebt sich, daß sie sämmtlich Männer der beruflichen Pflicht sind und außerhalb des Ver­dachts vorgefaßter Meinungen stehen. Es ist sicher, daß sie die Sache als Beamte, unb nur als Beamte, nicht von politischem, fonbern ausschließlich von juridischem Standpunkt be» urtheilen werden. Aber auch Diejenigen, bie noch nach dem Fall Henry Gegner bet Revision blieben, forbern jetzt zur Ruhe unb vertrauensvollem Abwarten auf. Nur die kleine Boulangisten- unb Aittisemiteu-Gemeinde bleibt unentwegt auf ihrem oppositionellen Posten, sie begnügt sich aber damit, bie Handlung der Regiernug als Infamie" unbVerrath" zn bezeichnen, ohne sich auf Begrünbung einznlasseu. Nur btr .Eclair" versucht es, eine Ungesetzmäßigkeit in dem Regierungsbeschlnß nachzuweisen, da nach dem Wortlaut des Gesetzes das Recht, bie Revision zu verlangen, nur dem Justiz­minister allein zukomme. Da aber in bem bezüglichen Artikel von den übrigen Ministern überhaupt nicht die Rede ist, so steht eS dem Justizminister offenbar frei, feine Kollegen zu Rath zu ziehen. Manche geiuefeiien Gegner der Revision sehen mir darin einen Trost, daß die Revision eine reinliche Scheidung vollziehen wird zwischen denen, welche wirklich nur nach der Wahrheit streben und den anderen, denen die.Affaire" nur eincheval de bataillo für andere Zwecke ist. Als eine Art Scheidewaffer habe» sich auch die gestern stattgesundeneii Kundgebungen der Mitglieder der Rechten und der Nationalisten

Aeußerungen Bismarcks.

Weiteres zur Beurlheilung des Buches von Moritz Busch bringen dieLeipz. N. N.", deren Berliner Berichterstatter den Mittheilungen Buschs bestimmte vertrauliche Bemerkungen Bismarcks gegenüber« stellt. Er schreibt:Fürst Bismarck war nicht der Mann, der im privaten Gespräch jedes Wort auf bie Wagschale legte, er war auch nicht ein Mann der Pose, der nur in steingemeitzelten Sentenzen sprach, sondern er war ein warmblütiger Mensch, der gern der Stimmung der Augeublickr Ausdruck gab, derj wenn er geärgert war, vor einem kräftigen Wörtlein nicht zurückschreckle, der ober fast stets seinen Aeußerungen jene humoristische Färbung gab, bie ein Busch so gänzlich verkannte. Es haben neben den angeblichen Bemerkungen Bismarcks über seinen alten Herrn gewiffe Aeußerungen peinlich berührt, die Busch dem von ihm Verrathcncn über den Kaiser Friedrich in den Mund legte. Ich kenne ein andere» Uriheil, da« der greife Kanzler über den frühgeschiedenen Monarchen gefallt hat und das in schroffem Gegensatz zn den Mitlheilungen Buschs steht.Er will sich amnstren, regieren mag er nicht", soll Fürst Bismarck gesagt haben. Zu mir hat er geäußert:

.Man hat bie Willenskraft des Kaisers Friebrich vielfach unter­schätzt. Man glaubte ihn abhängig von Schürzen unb Weiberröcken. Das ist ganz falsch. Er hatte ein hohes Bewußtsein von seiner Souveränität, unb bie guten Leute, bie von ihm eine starke Wendung nad) links erwarteten und in ihm eine besondere Schwäche für den Konstitutionalismus witterten, hätten sich arg getäuscht, wenn er länger regiert hatte. Er war äußerlich verbindlich, aber durchaus selbstherrlich. Ich hätte selbst gegen SSeibcrintriguen leicht mit ihm regiert. Na, Kronprinzen schillern ja immer ein bischen liberal, das ist nun mal so, sie stehen auch immer ein bischeu in Opposition, weil sie zu wenig zu thun haben, wenn sie nicht ganz in den Gamaschen aufgehen, aber das schleist sich ab. Kaiser Friedrich wäre eher ein Autokrat geworden, als ein Richierscher."

Auch von der Sailerin Friedrich sprach der Fürst durchaus sympathisch: .Sie ist eine kluge Frau, aber sie ist im Grunde stets Eug- läiiberin geblieben. Wenn sie vonunseren" Truppen, vonunserem" Botschafter spricht, fo meinte sie stets die englischen Truppen und Lord LostuS ober wer gerade da ist. Ich wünschte, deutsche Prin­zessinnen, bie sich wegverheirathen, hätten auch wa» davon. Daß zch bei meiner Verabschiedung sie um ihre Vermjltlung bat gar

"wiesen. Die Tagesordnung beider Versammlungen enthielt einen Tadel gegen da» Vorgehen der Regierung, welches als ungesetzmäßig und iinpatriolisch bezeichnet wird, und forderte bie Zufammen- berufung bet Deputirtenkammer. Da nun bie unterzeichneten Depu­tieren im Namen von 130 ihrer Kollegen auftreten, so ist hiermit ungefähr bie Stärke bet Opposition bei der Wiedereröffnung ber Kammer angegeben.

Ans Stndt und Land.

Wiesbaden, 1. Oktober.

d. Der ©ktober trägt neben dieser seiner offiziösen Bezeichiinng auch noch den TitelWeinmonat", obwohl er an der Schaffung des Göttertrankes, so des Menschen Herz erfreut, nm wenigsten bc- theiligt ist. Lediglich, daß während feiner Tage bie Trauben von den Stöcken geschnitten unb von in schweren unb gnibefohlten Stiefeln stehenben Juiigen zertreten oder aber in ber die Tretbursche» ersetzenden, appetitlicheren Mühle zermalmt werden. Doch mit dem Schlußakt ist ja stets bie Feier ver­bunden also auch bei ber Schaffung des Weines. Heuer sollen nun leider die Winzer nicht Ursache haben, bie Weinlese zu "Ulm fröhlichen Fest zu gestalten. Gar traurig sicht es, so weit wir Gelegenheit halten, uns an Ort unb Stelle zu überzeugen, biefr« Jahr in ben Weinbergen an«; man muß schon seine Augen wacker rundum gehen lasse», um bie einzelnen, gerade nicht vielveisprechend anssehenden Tränblein zwischen dem Laub ber Stöcke zu entdecken, denn sie bangen dünn und ihr Aussehen ist, wie gesagt, nicht in die Singen fallend. Ebenso mäßig sicht'« auch mit dem Kernobst aus; der rauhe, uuwirthliche Frühling hatte viel verdorben, was der Sommer und die touuberbaren Spätlomniertage nicht mehr gut zu machen vermochten. Jnnnerhin haben sie noch Manches gerettet, trotz Falb unb ben Propheten. Falb auch ber September hat sich nicht so gestaltet, wie er ihn feinen Gläubigen Berfatrieben bat. Das mar eine böte Zeil für den Mann der kritischen Tage unbPrognosen für ein halbes Sabri" Vom Oktober sagt er:Dieser Monat scheibet sich bezüglich der Niederschläge in zwei, bezüglich der Temperatur in drei ver­schiedene Perioden. Die erste £>älfte verlaust ziemlich trocken, bie Temperatur hält sich im Ganzen nabe bem Mittel (ein dehnbarer Begriff) und vereinzelt treten Gewitter auf. Tic zweite.hälfte ist reich an Niederschlägen; infolge derselben dürste fast all­gemein in Mitteleuropa Hochwassergefahr eintreten. Das Wetter rügt eine» fast sommerlichen Charakter. Die Temperaturen steigen im dritten Drittel wiederholt erheblich über das Mittel, und auffallend zahlreich treten Geiviiter ein." Falb verspricht diesmal viel. Die Bauernregel» meinen dagegen:Aus St. Galle«, soll daheim feinAlle«, beim das Schaffen im Freien bat den Dalles", undAuf Sankt Gallus, jeder Apfel in feinen Sack muß." .Besser ist besser", sage» die Vorsichtigen sie werben sich auf die Prophezeihuugen, mögen sic kommen, von wem sic wollen, nicht Berlaffen, sondern da« thun, was die voraiigefchrittene Zeit verlaiigt, ohne Säumen einznernten, was einzuernten ist. Es können ja noch Biele gute Tage kommen, aber vielleicht auch nicht.

Der Sascheufahrplan desWieobn-ener Tngblntt" für bas heute beginnenbe Winterhalbjahr ist ber vorliegenden Aus­gabe als unentgeltliche Sonderbeilage beigefügt. Außer­dem ist ber Tafcheufahrplan im Einzelverkauf zu 10 Pfennig bas Stück im Verlag, Langgasie 27, zu haben. De» Anzeig en- Anhang des Taschenfahrplans empfehle» wir ganz besonders der Beachtung der Leser.

Der iHahatfitljvplan unsere» Verlags, die Absahrts- mid An tu n siszeiten der in Wiesbadeu mündenbeu Eisenbahnen und Straßeubabnen verzeichnend, ist erschienen und findet auch jetzt wieder zahlreiche Abnehmer. Derselbe, das Stück zu 50 Pfennig erhältlich, eignet sich besonders für Gasthöfe, Restaurants, Schank- wirthschafteu, Pensionen rc.

Frritdenbergsche, Konservatorium. In Verbindung mit den seither bestehenden Seminarklasseu ist von jetzt ab während de« Wintersemesters eine Reihe von Vorträgen über Pädagogik unb Unterrichtsmethode eingerichtet worden. Dieselben werden von dem Leiter de» Semiiiars, Herrn Edmnnb Uhl, gehalten und finden allwöchentlich Montag« von 4 bis 5 Uhr im Saale des Konser­vatoriums statt.

mit Thränen ist natürlich Schwindel. Aber sonst standen wir recht gut miteinander, besonders in den letzten Jahren, wenn ich sie auch oft ärgern mußte, wie beim Dattenberger. Unser Vcrhältuiß beruhte ja nicht auf Liebe, aber auf gegenseitiger Hochachtung. Einmal, als ich zum Vortrag iu Ebarlotteuburg war, ruckte sie mir sogar selbst einen Sessel heran. Kaiser Friedrich hielt überhaupt immer darauf, auf meine Bequemlichkeit Rücksicht zu nehmen. Da» wurde freilich später anders."

lieber seine lange Abwesenheit von Berlin im Frühjahr 1890 sagte ber Kanzler:

Ich blieb bamal« in Friedrichsruh, owohl ich viel früher nach Berlin zurückwollte. Aber Majestät ließ mich wiffett, baß er sich freue, wenn ich mich ordentlich erholte für bie bevorstehende Parlameiitscauipagne, und Boetticher schrieb mir immer, auch zuletzt noch, e» gebe Alle« gut, meine Anwesenheit in Berlin fei durchaus überflüssig. Später habe ich ja gesehen, wie bas gemeint toar."

Einige sehr bezeichnende Mittheilungen macht ber Gewährsmann derLeipz. N. N. außerdem noch, zunächst folgende Aeußeruug Bismarcks, bie fein straffes Ehrgefühl kennzeichnet:

Daß mir Caprivi uadjfagte, ich verstäube von ber Politik nicht» und bas auch nach dem Auslanbe amtlich miltbeilte, mar mir egal. Da» konnte nur ihn blamiren. Aber baß er bei ber Wiener Sache ui meine gesellschaftliche» Rechte eingriff ich habe ihn zuerst fordern wollen und habe mir auch schon einen Kartellträger aus­gesucht. Ich habe noch eine recht sichere Hand unb hätte mich auch etwa» eiugeschoffen. Aber ba überlegte ich mir bie Sache unb fragte »nch, was bann geschehe» wirb. Ich bin Offizier, mau wird bie Geschichte vor ein Ehrengericht von alten Generalen bringen, bann wird viel hin- uub hergeredet und zuletzt werden nichtssagende Er­klärungen getauscht. Da» hatte keinen Zweck, und so hab' ich'» unterlassen."

Zuletzt wird eine humorvolle Wendung berichtet, die einst Fürst Bismarck gebrauchte, als er von der Ungeschicklichkeit und der Schwerfälligkeit einzelner seiner früheren Mitarbeiter sprach:

Der alte Kalbet (in Schiller?Jungfrau von Orleans") wird eigentlich immer mißverstanden.Mit ber Dummheit kämpfen @ötter selbst vergeben«", sagt er. Die Leute meinen immer, da» solle heißen:Gegen bie Dummheit". Aber das ist falsch. Mit der Dummheit, wenn sie auf unserer Seite steht, kämpst man umsonst. Nicht contra, sondern cum. Das giebt einen viel besseren Sinn."

Walhalla-Theater. Da» Walhalln-Tbeater, da« heute, am 1. Oktober, ben ersten Jahrestag des Bestehen» mit einer be­sonders glanzenden Prerniäre begehen wird, bringt in dem Jubiläums- Programm vor allen anderen eine Erscheinung, wie sie wohl vo» den wenigsten Menschen im Inner» eine»Theater« gesehen worden ist. Mit enormen Koste» ist der berühmte Meisterdresseur Ephraim Thompson. ein herkulisch gebauter Neger, mit seinen 3Wunder- Elephanten" für ein Gastspiel von 15 Tagen gewonnen worden, ^hompsoiis Elephauten haben in ber ganzen Welt ben Ruf ber kunstvollsten unb in jeder Beziehung vollendetsten Srefturnuinmer ber Gegenwart. Da auch das übrige Programm ein glänzendes zu werden verspricht, ist eS begreiflich, daß die Direktion des Walhalla-Theaters diesmal bie Preise zu erhöhe» gezwungen ist. Es fei jeboch barnuf aufmerksam gemacht, baß die J'ibnber von Zehner-Abonnements an der Abendkasse unter Nach, zahlung der Differenz ihre Billet» benutzen können. Der Vorverkauf wird wahrend dieses Programms aufgehoben. In der in ber gestrigen Abeud-AuSgabe enthaltenen Anzeige be» Walhalla-Theater» muß es heißenschwarzer Meister-Dresseur", nichtschwarzer Meister- DiessemS".

©inblilTetnetit Walhalla. Der heutige Abend wirb im Etablissement Walhalla ganz besonder« festlich begangen werben. Our Feier be« einjährigen Bestehens bes Gesammi- Etablissements findet von 8 Uhr ab im Hauptrestanrant bei freiem giulritt Konzert des Hofmannfchen Streichorchester« statt. Im Walhalla-Theater wird zu gleicher Zeit ba« 1. Oktober- Ensemble mit einer einzig bestehenden Attraktion in einer Gala- Vorstellung bebütiren. Diese Doppelfestlichkeit wird nicht oerfchlen, außer den zahlreichen ständigen Besucher» des Etablissements auch bas übrige einheimische und fremde Publikum zu regstem Besuch anzuziehen.

--Sunsiseschichtttchrr Vortrag. Herr Oscar Ollen­dorf f wird in diesem Jahre nur einen Vortragsabend veranstalten. Derselbe findet Ende Oktober im Saale ber Loge Plato statt. Herr Olleiidorff wird über Max Klinger sprechen. Die Kunsthandlung van R. Banger nimmt schon jetzt Vormerkungeu auf Plätze entgegen.

Jubiläum. Als weitere« Beispiel langjähriger Dienstboten» treue wird uns initgetbeüt, daß bie bei Herrn Dr. Friedrich Cuntz (früher bei dessen Eltern) in Dienst stehende Marie Kappe« aus Eberbach i. B. am 29. September d. I. ihr 40-jährige» D i e u st j n b i 1 ä u in feierte. Daß dieselbe von der Familie in ent» sprechender Weise gefeiert und belohnt worden, braucht wohl nicht besonders erwähnt zu werde».

- Gin schmieriges Geschäft ist das Einsetzen der Jhefen« lcheiben in die Erker de« Reubams zumStorchuest". Eine große Anzahl kräftiger Manner ist schon mehrere Tage angestrengt ttjätig, um bie gläsernen Ungethüme zu bewältigen, und bie sonstigen Vor­richtungen zu deren Besördernng benölhigten gleichfalls be­sondere Vorbereitungcm Trotz aller anfgetoenbeten Kräfte unb ungeachtet aller Vo, sicht ist bas zeitraubende gefahr­volle Unternehmen bis jetzt nur wenig borangegangen und nicht ohne Unfälle geblieben. Eine der gewaltigen Glaifläche» zer­brach bereits und ein Arbeiter erlitt habet Verletzungen an ber Öaub, zum Ueberflnß ober fiel noch ein schwerer Hammer au» ber vvhe einem Lehrling ans den Kopf, sobaß berfdbe ebenfalls be­schädigt wurde. ES ist wirklich zu verwundern, wenn bei der Aus­führung solcher, für Menschenhände fast unmöglichen Ansträge nicht schwereres Malheur sich ereignet.

.. Stl'iuc llotiKu. S. K. H. Prinz Georg beehrte auch die Antiqiiitalenhaiidlung von I. Ehr. Glücklich mit seinem Besuch unb unterhielt sich huldvoll mit dem Besitzer. Eine junge Dame Fräulein R., welche in einer Fahrradschule das Radfahren erlernt«, stürzte so unglücklich, daß sie das rechte Bein brach. Sie mußte mittelst Wagen in ihre Wohnung gebracht werden.

_ , _ Verein»-Nachrichten.

utä? fatttw vertane weiten bereUwilUsst unter Meier Ur6rr!6rftl aufgenommen.

DieKrieger- und Militär-Kameradschaft Kaiser Wilhelm II." hat am 1. Oktober, Abends 9 Uhr, Monattz- Versamnilung, bei welcher vetfchiedene wichtige Angelegenheiten zue Besprechung kommen.

* Die achte und letzte Hauptwanderung des «Wiesbadener m bei ns u n b Tn u nu s - C! u b" findet morgen Sonntag, 2.Oktober, statt. Sie gehl hinüber in bie gesegneten, wohlkullivirten Fluren

Ans Kunst nutz Kedrn.

* Ein» niedliche Manöverge schichte, bie ben Vorzug besitzen soll, nicht erfunden zu sein, wirb berHalberst. Ztg " von einem Leser, der während der Kaisertage in Oeynhausen war, erzählt. Unweit von Oeynhausen liegt das Dorf Bergkirchen; in bem weiten Thalgrnnbe zwischen beiden Orten diwackirte bas ganze 7. Slrniee» coro« 81 m Anfänge be» hoch gelegenen Bergkirchen liegt bie Apotheke, bie an bet Thalseite eine Veranda hat, von der die ganze Gegend gut zu übersehen ist. Während be« KoisermanöverS klingelt es in ber Nacht zwischen brei unb vier Uhr in ber Apotheke. Der Apotheker, au« bem besten Schlafe geweckt, steht auf, geht an bie Hausthür, die weder Fenster noch sonstige Oeffnung hat, und fragt, wa« denn los sei. Eine Stimme antwortete von draußen:Lassen Sie mich doch bitte mal auf Ihre Veranda gehen, das Armeecorps wird alarmirt, ich möchte mir die Alarmirung von dort ans gern ansehen." Der Apotheker ist über diese sonderbare Bitte ganz erstaunt:Das wäre ja noch schöner, daß man Einen aus bem Schlafe weckt, um ba« Schauspiel bequem genießen ,n können; er solle sonstwo hingehen, übrigens fei bie Nachtklingel nur im Interesse der Kranken da rc." Die liebe Gattin, die munter geworden war, mischte sich auch noch in den Wort­wechsel ein und es fiel, was Jeden, der die dem Westfalen an» «kborene gesunbe Grobheit kennt, nicht Wunder nehmen wirb, manch kraitig Wortlem. Der Draußensteheude läßt aber Alles ruhig über iE ergeben unb wiederholt nur feine Bitte. Schließlich ruft der an°Ju , i 6"d Sie denn eigentlich, wie heißen Sie denn: Wilhelm , lautet bie prompte Antwort. Da bin ich geradeso gescheit wie vorher, Wilhelm heißen viele Leute, wie heißen Sie denn noch?" von Hohenzollern", antwortete die Stimme von draußen. Jetzt erst Bftt Apotheker ein Licht auf, er reifet die Thür auf und vor tbm steht der Kaiser, dem diese ganze Scene augenscheinlich viel Spaß gemacht. Lächelnd wehrt dieser die Entschuldigung be» Apotheker«, bem in Erinnerung an manche» von ihm gebrauchte Wort nicht ganz wohl zu Muthe war, ab und bittet, auf die Seranba geführt zu werden. Der Weg zu dieser ging unglücklicher Weise durch die Schlafstube, in der sich bie Gattin, un­kundig ber neuen Wenbnng ber Dinge, befand. In die Schlaf­stube laufen, seine Gattin beim Arme nehmen uub in ein an» ftofeenbtf Zimm» führe», war bei dem Apolhzür eine. 811