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N-. 451. Fernsprecher No. 52.
Mittwoch, den 28. September.
Fernsprecher No. 52.
1808,
Morgen-Ausgabe.
Jür öcrs 4. Hrraetak 1898 auf das „Wiesbadener Tagblatt" ZU abonniren, findet sich Gelegenheit im Verlag kanggaffe 27, bei den Ausgabestellen, den Zweig-Lzpeditionen in den Nachbarorten und fämmtlichen deutschen Reichsxostanstaltcn.
(Nachdruck verboten.)
Am Ende des Jahrhunderts.
Daris, Ende September.
Weshalb ein zu Ende gehendes Jahrhundert gewisse Erscheinungen mit sich bringt, die nur dann und nicht auch zu anderen Perioden beobachtet werden, ist eine bis jetzt noch nicht klar beantwortete Frage. Die Elntbeilung in Jahrhunderte ist doch eine willkürliche gnd es erscheint daher erstaunlich, daß, lucim ein solcher nicht durch Irgend ein Naturgesetz bestimmter Zeitabschnitt zum Schluß kommt, er gewisse Phänomene herausbeschivört, die damit verknüpft zu sein scheinen. Vielleicht ist die Erklärung dafür, daß trotz aller Erfindungen und Fortschritte die Menschheit doch immer so ziemlich die gleiche bleibt und sich daher die Vorkommnisse, wenn auch in veränderter Form, in bestimmten Abschnitten Wiederholen. Als dar vorige Jahrhundert sich feinem Ende näherte, konnte mau in Paris, den Berichten zufolge, eine Mcnge Erscheinungen konstatiren, die den jetzigen absolut gleichen. Ein vollständiger Unglaube aus der einen Seite, eine Indifferenz gegen das Leben, die sehr häufig zum Selbstuiorde führte, ein sich An- klammeril an das Uebernatürlichc, Echenunißvollc auf der anderen, der Versuch ans den Sternen, aus den Liitien der Hand sein Schicksal zu lesen, an Stelle der Glaubens der Aberglaube.
... All'da? wiederholt sich auch jetzt. Die Selbstmorde sind so häufig geworden, daß sie eine stehende Ntibrik in den Zeitungen bilden und kaum noch irgend welche Ansmerksanikeit erregen. Es liegt nicht immer ein bestimmter Grund für dieselben vor oder derselbe besteht doch nur darin, daß man das Leben nicht lcbens- werlb findet. Es lohnt die Anftreuguiig nicht, die cs kostet, und so verläßt man es denn. Eine Ärt ElMüdung hat sich der menschlichen Gesellschaft bemächtigt, denn wenn auch zum Selbstmord ein gewisser Wille nöthig, so ist dies doch nicht die auidanerndc Eiicrgie, die das Leben verlangt. Diese Krankheit der Selbstveruichtung, diese Epidemie miiß man sagen, denn die Ansteckung wächst, ergreift ganz lunge Leute, selbst Kinder. Ilm ein Nein oder ein Ja tödtcu sie sich, die geringste Unaiiilehmlichkeit genügt als Vorwand ober als Gelegenheit, um vom Schauplatz zu verschwinden. Einige lassen ein Wort an ihre Familie ober Freunde zurück, die uieistell aber gehen stumm hiiiweg, ohne sich auch nur noch einmal uniziiseheii, so leicht, so selbstverständlich erscheint ihnen dar Scheiden.
England hat lauge den Ruf besessen, das Land zu fein, wo die Selbstmorde am häufigsten, aber jetzt wird es längst von Frankreich überflügelt. Man schrieb dies einst dem Spleen und diesen wieder dem Ostwiude zu, aber weder Ost- noch irgend ein anderer Wind erzeugt diese» LebenSüderdrtiß, der sich zu einer solchen Müdigkeit steigert, daß man nichts weiter wünscht und will, als sich uieder- zulegen und zu schlafen.
Der Hauptgrund ist wohl darin zu suchen, daß das Gefühl der Pflicht, der Verantwortlichkeit, die schon die Thalsache aufcrlegt, daß man geboren und also der Gesellschaft etwas schuldig ist, überall, ganz besonders aber in Frankreich, das den Höhepunkt seiner Entwickelung schon überschritten hat und sich bereits etwa» auf dem Niicktvege befindet, mehr uiid mehr schwindet. Und das ist auch zugleich eine Ursache für den ansdlühenden Aberglauben. In den Sternen, in den Händen möchte man sein Schicksal sehen, sich zugleich damit sagen, daß man es nicht selbst schafft und formt, daß e» vorgeschrieben, vorbestimmt ist, wtr also für ein verfehltes Leben nicht verantwortlich gemacht werden können. Der Spiritismus zählt hier eine große Anzahl von Gläubigen, Scher und Schcriniien stehe» auf und werden, wenn man auch öffentlich darüber spottet, von Schaaren von Männern und Frauen auf» «die mit Vertraue» ihren Worten lauschen, Kartenlegerinnen ahrsagerinnen zählen zu ihren Kuudeu zahlreiche Mitglieder der besten Gesellschaft, ebeuso wie Wuuberthätcr, die durch Hand- aitflcgcn heile».
Am meisten Ehre» genießt aber die .Wissenschaft', die da aus den Linien in unseren Händen nicht mir unseren Charakter, unsere Begabung, sondern auch unser Schicksal zu lesen weiß. Die Priester und Priesterinnen derselbe» stehen in hohem Ansehen; war es doch kein Geiiiigerer als bet jüngere Dumas, der eine berselbcn, Mme. de ThöbeS, laucirle und ihr eine glänzende Karriere eröffnete. Ob er selbst an ihre merkwürdige Begabung glaubte? Unmöglich ist es nicht, soll doch auch Sarbou überzeugter Spiritist fein, obgleich dies aus dem Stück, das vor einigen Jahren von ihm hier gegeben wurde und das auch jüngst nach Deutschland gelangte, kaum hervorgeht. „Spiritisme“ hatte er es betitelt, aber er schien sich darin über das, was er angeblich verfechten wollte, lustig zu machen. Dumas dagegen hat, nach Außen hin wenigstens, die Kuiist 6er Wahrsagerin stets mit größtem Ernst behandelt. Er selbst war es, der sie, die bereits einiges von derselben verstand, veranlaßte, sich ihr ganz zu widmen. Nachdem sie sich darin vervollkommnet, lud er zwölf hervorragende Mediziner und Mitglieder des Instituts zu sich ein, die sich nach Tisch in einen kleinen Salon begaben, wo Mme. de ThöbeS, bie, wie sie versichert, keinen derselben kannte, ihneii ihren Charakter eiitbullte. Sie wird ihnen wohl nur angenehme Dinge gesagt haben, denn sic pfgten sich alle hochbesriedigt. Den nächsten Tag veröffentlichte Dumas im „Figaro" einen Bericht Über die Ssance, und damit war das Glück der Dame gemacht. Sie ist die Königin der Prophetinnen der Zukunft geblieben, sie hat Hände von Aristokratinnen, vonKünstlern. von gekrönten Persönlichkeiten und einfach-bürgerltche Hände besessen und all ihren Besitzern von kommenden Ereignissen erzählt, die die Linien in ihrer Hand vorhersagten unb die also eintreffen müssen. Wie es dabei mit dem freien Willen ist, den wir doch haben sollen, darüber ertheilt die Wahrsagerin und bie, welche sich an sie toenben, leine Rechenschaft, ober vielmehr, letztere geben mit Freuden den Gedanken auf, einen solchen zu besitzen, um so die Verantwortung für ihr Thun und Laffe» vor sich selbst ans eine höhere Macht, auf »08 Schicksal zu schieben, das ihnen nun einmal bestimmt war und bas tlbzuwenden also in ihrer Macht nicht lag. W. Waldau.
Aus tztndt und §KNd.
Wiesbaden, 28. September.
— Sie Stadtverordneten werden auf Freitag, den 30. September I. I., Nachmittags 4 Uhr, in den Büracrsaal des Natbhauses zur.Sitznng eingeladku. Tagesordnung: 1. Magistrats- Vorlagen, betreffend a) ben freihändige» Verkauf einer Felbwegflöche zwffchcii Wcstenb- unb Dorkstraße; b) desgleichen einer städtischen Bauplatzfläche au der Vorküraße; o) Ankauf zweier Grundflächen in der Nähe der Wellritzmühle; d) einen Antrag des Pächters der Kursürsten- mühle auf Schadenersatz; e) Gewährung einer einmaligen Beitrag? für das deutsche Centralcomitö zur Errichtung von Heilstätten sürLunge»- krankc.2.Berichterstattung besBauausschilsies über a)cincAeiidcrung der Fluchtlinie der Langgasse längs des Grundstücks Nr. 35; b) das Baugesuch de« Herrn Josef Schreiber wegen Errichtung eines GcwächShauS-A'.ibaue» Hlatterstraße Nr. 86. 3. Berichterstattung des FinaiizauSfchuffcS übet a) den Antrag des Magistrats auf Gewährung eines Beitrags zu einer Kai-Aulage in Biebrich; b) Erwerbung einer in bie Straße fallenden Eruiidfläche an der Ecke der Frankfiirter- unb Humboldtsttaße; c) Einrichtung eines Arbeitszimmers im Kgl. Theater für ben Dramaturgen. 4. Neuwahl eines Mitgliedes der gemischten Kommission für den Haupt- sammclkaua! unb die Kläranlage.
-o- Sie Gestell,nrgvtermlue für die Ersatz-Rekruten sind wie folgt festgesetzt: 27. September: VolkSschullehrer, 30. September: Ockonomie-vandwerket der Garde und der 15. Armee-Corps, 1. October: sämnuliche übrigen Oekonomie-Handwerker, 4. Oclober: Kavallerie, 12. October: Felb-Artillcrie-Negimenl Nt. 15 zu Straßburg, 13. Oktober, 8 Uhr Vormittags: Infanterie-Regimeutcr 142 unb 112, 5 Uhr Nachmittags: Garde, 14. October: alle übrigen Trnppentheile, 29. Oclober: Oekonomie-Handwerker der Marine und 31. Oclober, 5 Uhr Nachmittags: Train.
— Eine groß» Aiiostellnng von Inpan-Knnstarbclten hat Herr H. W. Hohuholz, der 18 Iahte in China und Japali etablirt wat, im Eckladcn Bahnhofstraße und Schillerplatz ein- gcrichtet. Die Ausstellung birgt höchst seltene, alte und ncnc Javan- Knustarbciten ersten NaugcS, als Bronzen, Vasen, Teller,Schüsseln, Dosen rc. Mau findet hochfeine ciselirte Eisenarbeiten mit echtem Gold und Silber eingelegt, ganz besonder? schöne silberne Vasen mit höchst kunstvollen Emaille-Arbeiten dekorirt, ferner Cloissonvc- Basen, Teller, Jardiinörcii, Dosen, Platten :c. in verschiedenen Gröben und Formen nnb mit ben schönsten Motiven bis in bie kleinsten Details, hochfeine Satznma-Vasen, Teller, Klimmen, Sarbiuieren, Figuren re. von ben ersten Künstlern auf das Feinste dekorirt, darunter Vasen von ganz anßcrgewölnilicher Größe und Schönheit in Höhe von 135 cm und 172 cm Umfang bis herunter zu den kleinsten 5 cm hohe» Nippes-Vasen zc„ Porzellan, Vasen, Klimmen, Teller rc. in allen Größen und Formell, auf das Reichhaltigste und Feiltste dekorirt, Lackarbeilen mit Perlmutter, Elfenbein und Schildpatt rc. eingelegt, Elfenbein-, Schildpatt-, Perlmutter- und Holzschnitzereien re., hochfeine geschnitzte Schränke, Osciischirmc mit Goldlack und Perlmutter, Elfenbein, Schildpatt rc. auf das Geschmackvollste ausgestattet, Seibeustickereien, Ptinzissin - Gewänder, Sopbakiffeu, Waird- dekorationeii, Tiichdecken, Bettdeckenrc., baruuter Stücke von größter Schönheit und Seltenheit, bis über 400 Jahre alt, Paravents in großer Auswahl und von ganz hervorragender Schönheit, wie sie in Europa nicht oft exiftiren. Die ans mehreren tausciid Stücken bestehende werthvolle Kollektion soll in kürzester Zeit in einzelnen ober größeren Parlieen zu den billigsten Preisen vollständig verkauft werben. Für Kuttstliebhober ober Japanwaaren-Hänbler von echten und hochfeiiten Japan-Kuustarbeiten bietet sich hier eine wohl nie wicder- kehrenbe Gelegenheit, die feiiiften und seltensten Gegenstände für einen ganz außergewöhnlich niedrigen Preis erwerben zu können.
— PenstonvanstaltdeulscherIonrnaUsten uudSchrist- strller (a. U.). Der vor einigen Monaten in Wieibaben verstorbene Schriftsteller August Demmin hat in feiner letztwilligen Verfügung bie Pciisionsauftalt und ben Schriststellerverbaiid in hochherziger Weise bedacht, lieber die einzelnen Punkte des Testaments ist iiliiimchr zwischen ben beiden Korporationen einerseits und den hauptsächlich mit Legaten bedachten Personen anbererfeits ein vorläufiges Abkommen getroffen worben, nach bem sich der Antheil ber Pcnsionsanstalt an dieser Erbschaft auf ca. 15,000 Mk. bczw. eine dieser Summe entsprechende Rente bezifiern dürfte. Auch sonst hatte die Ailstalt in den letzten Monaten erfreuliche Zuwendungen zu verzeichnen, so u. 81. eine Spende des Herrn Dr. O. Blumenthal mit 1000 Mk. An außerordentlichen (unter« stützenden) Mitgliedern sind beigetreten die Stuttgarter Vcilags- firmtn 81. Bonz n. (Sie., Greiner u. Pfeiffer, Karl Krabbe, Paul Neff, der Verlag des „Wiesbadener Tagblatt", des „Wiener JUu- ftrirten Extrablattes" und ber „Deutschen Photographeuzeitnug" in Weimar. Das Gcsamnitvermögen ber Anstalt wird Ende dieses Jahres 400,000 Mk. übersteigen — nach nur fünfjährigem Bestehen der Anstalt gewiß ein Erfolg. Am 1. August bat die PeusionS- anftalt die ersten Neuteu und Znschüffe ausbezahlt und bamit ein neues Gebiet ihrer Thätigkeit betreten. — Die auf der Wiener Hauptversammlung beschlossenen Statutenänderungen haben die Genehmigung der kgl. bahrischen Regierung erhalten.
Perehio - Nachrichten.
Äurje sachliche Berichte werden bereitwilligst unter dieser Nebcrschrist ausgenommen.
* Ter „Gymnasial - Stenographen - Verein" nach Stolze (System Stolze-Schreh) eröffnet am Samstag, den 1. October, Nachmittags 2Uhr, einen neuen Kursus für Stenographie nach dem bewährten System Stolze-Schrey. Jntereffenten können sich in die Liste beim Pedellen des Kgl. Gymnasiums einzcichnen.
Stimme» ans dem yublihinn.
(Für BerSgeuUichunge» murr dieser Neberschrisl übermannt die Sebattlon frtiietl# Betanttoortuaa.)
* Sehr geehrte Redaklioul In Ihrer Morgeu-Nrimmer vom Dienstag veröffentlichen Sie eine Zuschrift des Vorstandes des „Süd- Vereins". Diese Zuschrift will „zwei merkwürdige Jrrthümer, die in ber Versammlung vorgebracht würben", richtig stellen. Der eine Jrrthuni soll mir, ber aiiberc Herrn Heide unterlaufen fein. Gestatten Sie, daß ich, ohne unhöflich sein zu wollen, zuerst von bem mir zugestoßeuen Jrrthum spreche: 1. Der .Süd-Vcreins"-Vorstand hat die pikante Ironie, meine Behauptung, daß im Jahre 1895/96 der Versandt von Massengütern 1700 Wagen betragen habe, während die Einfuhr zehnmal so bedeutend gewesen fei, mit einem Hinweis auf den Bericht der Handelskammer zu widerlegen, wonach in dem genannten Jahre rund 227,000 Tonnen eingelaufen und 36,000 Tonnen abgegangen fein sollen. Selbstverständlich kann man in den Jahresberichten der Handelskammer Wiesbaden diese Zahle» nicht finden. (Ich sctze dabei immer voraus, daß es sich
um die Statistik der Massengüter d. h„ Wagenladungen handelt). Ich komme etwa auf bie genannten Zahlen, wenn ich die Tonnen» zahl der Stückgüter und Wagenladungen mit der Stuckza HI des Klein- unb Großviehs im Empfang und Versandt zusammen« zähle. Nach den Hanbclrkammer-Bcrichten, die sich aus offizielle Zahlen ber Kgl. Eifeubahudirektion Frankfurt a. M. stützen, hatte der Verkehr in Massengütern folgenden Umfang auf den beide« alten Stationen der Kgl. Eisenbahn in Wiesbaden.
Empfang Versandt
1894'5 . . 148,706 Tonnen 11,658 Tonnen
1895/6 . . 173,904 , 17,486
1896/7 . . 200,616 „ 18,616 '
Für den Hessischen Lubwigsbahnhrf fehlte bis jetzt die Trennung zwischen Stückgnterverkehr unb WagcnlabnngSverkchr, es mußte baher dieser Bahnhof bei ber Statistik unberücksichtigt bleiben. Es konnte wohl aber für ihn ei» ähnliches Verhäliniß zwischen Empfang und Versandt, wie bei den zwei aiideren Bahnhöfen, angenommen werben. 2. Der Südvereius-Vorstaub berichtigt sodann weiter, daß ber Vor- sitzeube der Versammlung vom 14. September, Herr Heide, ei« Schreiben des Magistrats erwähnt habe, welches au den „Süd- Verein" gegangen sein sollte und das ben Bestrebungen des „Süd» Vereins" wegen Führung der Linie WikSbaden—Dotzheim westlich des Exercirplatzes entgegengetreteu fei. Die Berichtigung erwähnt, daß Herr Heide zugestanden hat, daß der von ihm verlesene Brief nicht an den Verein „Süd-Wiesbaden" gerichtet sei. Herr Heide, der plötzlich verreisen mußte, hat mich vor seiner Abreise ersucht, eine Richtigstellung zu üeraiilaffen. Ich leiste dem gern Folge I Die Richtigstellung deS„Siid-Vereins"ist nichtvollstäudig. Warum berichtet beim der Vorstand bes „Süd-Vcrcins" nicht, baß Herr Heide aus freien Stücken dein Herr» ReichStagsabgeordneteu Wintermeyer am 16. Ses» tember die Erklärung abgegeben bat, baß er sich insoweit geirrt, als der erwähnte Bries des Magistrats zwar nicht au den „Süd- Verein", jedoch an die Königliche Eisenbahndirektion Frankfurt a.M. nbucgaugen fei? Hauptsache bleibt, daß ber Magistrat in diesem Bries an bie Königliche Eisenbahndiicktion im Anschluß an eine Eingabe des „Süb-Vereins" wegen westlicher Linienführung anS- drnckl ch erklärt Hot. baß ihn die von dem Vereins Vorstand an» geführten Gründe nicht von ber Zweckmäßigkeit des Vorschlags des „Siid-Dcreins" zu überzeugen vermocht haben. In diesem Schreiben hat der Magistrat, wie sich Herr Heide ganz gewiß erinnert, an seiner früheren Ansicht scstgchaltni, daß die Führung ber neuen Bahnlinie nicht westlich um ben Exercirplatz herum, fonbern diesseits des Exercirplatzes, sowie die Anlage einer Haltestelle und eines Güterbahnhofs für den lokalen Verkehr auf dem Terrain zwischen Schicrstciner- und Dotzheimerstraße als den Bedürfnissen de« Verkehrs cutiprecheiid zu erachten sei. Was nach diisc» Feslftellniigen die lliitcrstcllnng bes „Süd-Vereins", baß Herr Stadtverorbnetcr Heibc ein völlig falsches Bild von ber Stellung des Magistrat- gegeben, auf sich hat, kann jeder einfach und vernüirstig Tenkeube selbst bcuilheileu. Thatsache ist nach Angabe des Herrn Heibe, der nach Herrn Wintermeyer die Akten des Magistrats in der Bahnangelegeuheit eiugesehen, daß der Magistrat sich in wiederholten Schreiben gegen die Bestrebungen und Anträge des Panlinenstists und des „Süd- Vereins" gegenüber ber Königlichen Eisenbahn-Direktion ausgesprochen hat nnb für bie östliche Linie diesseits des Excrclrp'atzes eingetreten ist. Auch hat ber Magistrat bie Linienführung nicht unerörtert gelassen, ba er sich in seinem letzten Schreiben an ben Herrn Eisenbahumiuister auf die früheren vorgenannten, gegen bie Vorschläge bcs „Süb- Vereins" gerichteten Schreiben ausdrücklich bezieht. Und zum Schluß noch eine Bemerkung: Bei dem Austausch der Ansichten zwischen dem „Süd"- unb bem „West-Verein" über die Verlegung ber Bahn kann c$ sich do» wohl meiner Ansicht nach nicht um Wortklaubereien handeln, sondern lediglich um Geltend- machnng der Grüitdc für die Traee der Bahn, so wie sie den Jutcressen der Bürgerschaft unb der Allgemeinheit am dienlichsten ist.
Hochachtungsvoll Dr. Merbot.
Vermischtes.
* Das Zchlcksal des Mörders Lurch ent. Der .Neue« Züricher Ztg." wird aus Genf gcschriebc»: Der Mörder der Kaiserin Elisabeth hat keinen Augenblick geleugnet und gefällt sich sogar darin, die verschiedenen Momente seines abscheulichen Ver» brccherrS wieder und wieder zu schildern. In diesem Falle wird Artikel 252 des Geuscr Strafgesetzbuch» zur Anwendung kommen, welcher ungefähr so lautet: „Der Todtschlag mit Vorbedacht wird mit lebenslänglicher Gefangenschaft bestraft." Verschiedene Blätter bcS Auslandes — namentlich sranzösische Blätter — haben allerlei dumme Sachen gefabelt, so z. B. die Gefangenen müßten ihre Zeil in nuterirbischen Zellen zubringen; man gebe ihnen das Essen durch ei» Loch, und sie könnten ihr Leben lang das Sonnenlicht nicht uichr erblicken. Lnccheni wird wahrscheinlich sehr bald vor den Schranken der Geuscr Assiscn erscheinen. Die zwölf Geschworenen könne» nichts anderes thuu, als auf sämmtliche ihnen vorgelegte Fragen „Ja" autworieti. Der Mörder wird bann am folgenden Tage schon — wenn nicht Kassation vorliegt — vom UntersnchuttgSgesängiriß St. Slnioine ins Zuchthaus übergeslihrt werden. Dort wird er wahrscheinlich — es ist dies aber nicht immer der Fall — einige Tage in feiner Zelle allein gelassen unb dann in eine Werkstätte geführt. Entweder muß er Schuster werbet» ober Stroharbeiteu verrichten. Den ganzen Tag muß er bann arbeitest von früh Morgens bis Abenbs, mit einer kurzen Pause. Die Zucht» Häusler sinb am Sonntag frei unb können auch einem Gottesdienste in ihrer Kapelle beiwohnen, oder in ihrer Zelle bleiben unb lese«. Die absolute Schweigsamkeit ist hier bie größte Strafe: die Zuchthäusler dürfen während der Arbeit in den Ateliers fein Wort aus» sprechen, es fei beim, daß sie auf eine bestimmte Frage des Wärters Antwort geben müsse». Einige Centimes im Tage können die Zuchthäusler verdienen, wenn sie sich Mühe geben, d. h. das Material Nlcht vergeuden und bie Arbeit sauber verrichten. Mit bicscm Gelbe dürfen sie sich ein wenig Wein geben lassen, aber nicht mehr als ein Funftel-Liter in der Woche. Die Zellen sind reinlich, luftig unb man kann darin beim Hellen Tage, wenn auch die Fensterlein klein sind, lesen. Besuche kann der Sträfling nur von Anverwandten empfangen und nur viermal im Jahr, während einer kurz und streng bemesscueo Zeit, ich glaube 10 bis 15 Minuten. Tiefe Stille herrscht bei Tag und Nacht in nuferem Zuchlhause. Diese furchtbare Einsamkeit ttno ba« strenge Verbot, auch nur ein einzige« unnützes Wort aus» zufprecheti — da« sind für bie Gefangenen die schwersten Strafest. Des Morgens und Nachmittag« werden sie, während einiger Minliten, in einem von 15 Meter hohen Matter» umgebenen Gange spazieren geführt. Sie müssen aber ber Reihe nach gehen, b\f Hände hinter dem Rücken, unb wenn einer auch nur ein Wort fagl wirb er sofort wiebel in die Zelle gesperrt. Freilich könffeii btt
