Viksbgktem TaMt
Slnzeigen-PrciSr
1898^
Mittwoch, den 14. September.
Fernsprecher Ns. 52.
Ko. 428.
Fernsprecher No. 52.
«•. Jahrgang.
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Abend-Ausgabe.
Der Anarchismus.
Das entsetzliche Verbrechen des anarchistischen Meuchelmörders Luccheni steht begreiflicher Weise noch immer im Vordergründe der allgemeinen Erörterung. Vergebliche Mühe ist es, nach irgend einer Erklärung für die scheußliche Thai, nach den Motiven des Mordbuben zu forschen. Allem Anschein nach handelt es sich um einen Mord des Mordens wegen, um einen Mörder, der in sein Gehirn die wahnwitzigen Anschauungen jener Leute, oder richtiger gesagt Bestien, ausgenommen hatte, die sich berufen glauben, unsere gesammte Civilisation als für den Untergang reif zu erklären und mit allen Mitteln den Krieg gegen sie zu eröffnen. Der Anarchismus hat nicht etwa die Absicht, irgend welche Reformen herbeizuführen, er ist auch nicht einmal eine revolutionäre Bewegung, sondern er will cingestandener Maßen nur zerstören und vernichten; er ist die Bestialität, die sich mit tönenden Phrasen bekleidet. (Von dieser Art von Anarchismus ist derjenige allerdings wesentlich verschieden, der von einer Anzahl Gelehrten und Gebildeten, besonders in Frankreich, vertreten wird und dem z. B. der berühmte Geograph Professor Reclus angehört, der dieser Gesinnung wegen seine Professur in Paris verlor und nach Brüssel berufen wurde. D. R.)
Tritt der Anarchismus offen und mit rücksichtsloser Zer- störungswuth der Civilisation, der gesammten Menschheit gegenüber, so ist es ein dringendes Gebot der Selbsterhaltung, daß die Menschheit in ebenso entschiedener Weise gegen die Wahnwitzigen Front macht, welche sich zu den verbrecherischen Ideen des Anarchismus bekennen. Die Klage ist seit langer Zeit erhoben worden, daß man es in der Schweiz an dieser dringend nothwendigen Energie fehlen läßt. Es ist fteilich richtig, daß die Schweizer Behörden an dem Attentat auf die Kaiserin von Oesterreich eine direkte Unterlassungsschuld insofern nicht trifft, als die Polizei in Genf von dem Eintreffen der Kaiserin nicht offiziell verständigt worden war. Das ändert aber nichts an der seit langer Zeit bekannten und gerügten Thatsache, daß die schweizerische Polizei dem anarchistischen Gesindel gegenüber, das sich die Schweiz als ihr Asyl erkoren hat, eine sehr bedenkliche Nachsicht und Lässigkeit an den Tag legt. Niemand verlangt, daß die Schweiz ihr Asylrecht, auf das sie stolz ist, gegenüber denjenigen aufgäbe, die wegen politischer Vergehen ihr Vaterland verlassen mußten. Dies Asylrecht kann aber nicht denen gegenüber gelten, die Recht und Gesetz in keinem Lande anerkennen und der Gesellschaft den offenen Krieg erklären. Der schweizerische Bundcsrath hat sich schon vor Jahren zu dem Standpunkt bekannt, daß die anarchistischen Verbrechen als gemeine anzusehcn seien. Dringend noth- wendig ist es, daß diese Anschauung auch in der vorbeugenden und überwachenden Thätigkelt der Polizei stärker als bisher zum Äusdruck kommt. Es wird auch erfreulicher Weise bereits gemeldet, daß aus Anlaß der Genfer Gräuelthat in den politischen Kreisen der Schweiz ein engerer Zusammenschluß der einzelnen Kantone behufs besserer polizeilicher Ueberwachung verdächtigen Gesindels befürwortet wird. Als durchaus unzulänglich hat sich aber auch in diesem Falle, wie früher schon des Oefteren, die italienische und die französische Polizei erwiesen, die sich außer Stande gesehen hatten, den in den Anarchistenlisten als „gefährlich" aufgeführten Luccheni im Auge zu behalten, sodaß er unbehelligt die Vorbereitungen zu diesem Anschlag treffen und denselben ausführen konnte. In Italien ist der Hauptherd des Anarchismus, und seine Anhänger ergießen sich von dort aus schaarenweise in die anderen Länder, wo sie nicht nur selbst eine schwere Gefahr bilden, sondern auch das verbrecherische Gift des Anarchismus weiter verbreiten. Auf diese drohende Gefahr wird die Polizei der anderen Länder, auch die unserige, ihr Hauptaugenmerk richten und der italienischen Zuwanderung gegenüber die strengste Aufmerksamkeit und Vorsicht an den Tag legen müssen.
In einer guten und schneidigen Kolizei, die über eine straffe Organisation verfügt, sehen wir überhaupt den wirksamsten Schutz gegen die „Propaganda der Thal". Es ist unbestreitbar, daß sich unsere Polizei nach dieser Richtung hin im Vergleich zu der anderer Länder gut bewährt hat. Freilich kommt hierbei der von uns schon hervorgehobene Umstand in Betracht, daß der Anarchismus mehr eine Spezialerscheinung derromanischen und auch derslavischenLänder bildet, während er in den germanischen Ländern bisher nur sporadisch ausgetreten ist und sich auch dann zumeist als „Importartikel" auswies. Dieser verschiedenartige Charakter des Anarchismus steht den Vorschlägen, ihn auf internationalem Weg zu bekämpfen, als nicht unwesentliche Schwierigkeit gegenüber,, so wenig prinzipiell gegen internationale Vereinbarungen gegenüber dem verbrecherischen Anarchismus einzuwenden wäre. An erster Reihe wird es die dringende Aufgabe der Re- Äerungen jener Länder, die, wie Frankreich, Italien und Spanien, den Hguptherd des Anarchismus bilden, sein,
Zur Ermordung der Kaiserin Elisabeth.
(Von unserem Wiener Korrespondenten.) Mir», 12. September.
lieber Stadt itnb Land liegt düstere Trauer; die grausige Nachricht, daß die Kaiserin tobt, — ermordet, hat jegliche politische Diskussion zum Schweigen gebracht und alle Parteien, alle Nationalitäten des Reiches sind eins in der tiefen Trauer über die furchtbare Katastrophe, die den greisen Monarchen, das ganze Land betroffen hat. Still, sang- und klanglos wie eiu einziger Todtenhaus ist die sonst so geräuschvolle, lebendurchwogte Hauptstadt. Nur die Hunderttausende von Extrablättern, die in den Straßen seilgeboten werden, verleihen der Stadt eine e geue, lebhaftere Physiognomie. Wer ein Blatt erhascht, der bringt die düsteren Meldungen ganzen Gruppen zur Keitntniß, und blitzschnell geht die düstere Kunde von Lippe zu Lippe! Von allen Häusern wehen schwarze Fahnen, und die öffentlichen Gebäude beginnen bereite mit der Trauertoilette. In zahlreichen Fenstern sieht man das tranerumhüllte Bild der Kaiserin, so wie sie einst in voller Jugendschöne geprangt.... Auch in den politischen Klubs geht es trotz des zahlieichen Besuches Seitens der politischen Persönlichkeiten mit schier feierlicher Stille zu. Die extremsten Elemente, die sich soeben noch ans den grimmigsten Kamps vorbereitet, machen scheu und ehrfürchtig Halt vor der Bahre der gemordeten Kaiserin. Die Tragik dieses furchtbaren Geschicks läßt alle Leidenschaft verstummen, schon hört man auch aus dem oppositionellen Lager Stimmen, daß mau vor dem Schmerze des greifen Kaisers die Waffen senken muffe. Fast hat es den Anschein, als ob die Völker Oesterreich-Ungarns angesichts der entseelten Hülle der geliebten Fürstin sich wie bei einem großen Todteuopsir wieder zusamnieugesuuden hätten zu Des Reicher Ruhm und Ehre..... Uederall hört man heute für das Zustandekommin
des Ausgleichs ploibiren. Nur eine bange Sorge bewegt Jedermann: daß der greise Kaiser müde der entsetzlichen Schicksalsschläge und des ewigen Haders, daß der FriedeuSfürst Franz Joseph dem Thron entsagen werde, um in der Stille der Zurückgezogenheit seinem Schmerze zu leben. So ost schon demenlirt, schwirren die Abdankungs- Nachrichten neuerdings durch die Lust und finden überall mehr Glauben denn je. Das Ende des traurigen Jubiläumsjahres fall eine neue Zukunft bringen. Welche? .... Das ist die besorgniß- schwangcre Frage, die sich Jeder vorlegt. Unter den vielen Gerüchten und Meldungen, die sich an die Trauerbotschaft knüpften, verdient folgende Meldung besonders registrirt zu werden, die mau sich in ungarischen Abgeordneteukleisen erzählt: Vor etwa acht Tagen ging die Nachricht durch die Blätter, daß gegen den ungarischen Premier ein Attentat geplant sei, und daß in Paris lebende Anarchisten in den Mordanschlag verwickelt seien. Hierbei wäre da auch der Name „Adrian Szeles" genannt worden, jenes ManueS, der vor etwa zwei Jahren wegen seines gegen das in Ofen stehende Denkmal deS Generals Heuezi geplanten Dynamit- Attentats ins Ausland flüchten mußte. Szeles reagirte auf diese Nachricht, die et in einem eigenhändigen an den uugarischen KabiiietiSchef gerichteten Schreiben bementirte. In diesem Briese soll Szeles geschrieben haben, daß er die anarchistischen Verbindungen, die man ihm nachsage, wohl besitze, daß er jedoch von beujelben Alles eher, als einen verbrecherischen Gebrauch machen wolle. Im Gegeutheil sei er bemüht, fein Land vor einem großen Unglück zu bewahren, indem er an Baron Bauffy die Warnung gelangen lasse, daß man in anarchistischen Kreisen gegen die Kaiserin-Königin Elisabeth, die auf ihren Reisen säst ohne Bewachung sei, em Attentat plane. BaiouBaiiffyließdieseMtldungandasWienerObersthojmeister- omt übermitteln, das derselben jedoch, wegen der verdächtigen Quelle, der sie entsprungen, wenig Bedeutung zufchrieb. Dennoch machte mau der Umgebung der hohen Frau Mittheilung von dem Erfahrenen. Man wollte sofort Schutzmaßregeln treffen und die Geheimpolizisten in großer Anzahl heranziehen, die Monarchin iiideß, welche die Vorkehrungen bemerkte, widerstrebte entschieden und wehrte Alles mit den Worten ab: „Wir sind Alle in Gottes Hand! Und dann, wer sollte einer Mutter, die so viel Leider erfahren, etwas Böses znsügen wollen? .... Dar wäre kein dem Mutterschooß Entsprungener/ Und solch ein Scheusal, das den Mordstahl nur zu gut zu schwingen gewußt, es hat sich doch gesunden. Und die Tragödie der Habsburger ist um ein schwarzes Blatt vermehrt worden.
hd. Wien, 14. September. Der „Neuen Freien Presse" zufolge ist das Testament der Kaiserin Elisabeth, das vom October 1890 twitirt ist, Montag eröffnet worden. Es ist ziemlich kurz und eigenhändig niedergeschrieben. Der Kaiser kennt den Inhalt desselben. Schloß Laniz soll der LieblingStochler, der Erzherzogin Valerie, zusallen, während dar Achilleion auf Korfu an die Erzherzogin Gisela übergehen soll. Der Kaiser erhält das Nutzungsrecht von dem Baarvermögen, welches für die Enkelkinder bestimmt ist, besonders für die Erzherzogin Elisabeth, die Tochter der Kronprinzessin. Ferner enthält da» Testament Legate für die Hofdamen und Personen anS der Umgebung der Kaiserin. Die Schmucklachen der Kaiserin sollen bereits vor Jahren verkauft und der Erlös theilweise zum Ban des Achilleion, theilweise zur Unterstützung fürstlicher Verwandter verwendet worden fein. Noch am Samstag erhielt der Kaiser einen Bries von der Kaiserin mit der Nachricht, daß sie sich recht wohl fühle. Der Kaiser soll wiederholt die Hoffnung ausgesprochen haben, daß das furchtbare Ereiguiß die scharfen Gegensätze der Parteien mildern werde. — Zum Leichenbegängiiiß der Kaiserin haben sich angemeldet: Kaiser Wilhelm, die Könige von Sachsen, Rumänien und Serbien, der Prinzregent von Bayern, sämmtliche bayrische Prinzen und Mitglieder der Herrscherfamilien von Rußland, Italien, England, sowie anderer Staaten.
hd. ©ruf, 14. September. Die kirchliche Einsegnung der Leiche der Kaiserin sand gestern Nachmittag 5 Uhr durch den Bischof von
eine gründliche Reorganisation der Sicherheitspolizei herbei- zuführen, die sich der anarchistischen Gefahr gegenüber als durchaus unzureichend erwiesen hat. Als eine unumgängliche Nothmendigkeit stellt es sich freilich dar, daß die Polizeiorgane der verschiedenen Länder sich bei dieser Thätigkeit nach Möglichkeit gegenseitig unterstützen. Schon jetzt besteht ein internationales Zusammengehen der Polizeibehörden in der Form des Nachrichtenaustausches und der gegenseitigen Unterstützung bei der Ueberwachung der als Anarchisten bekannten Individuen. Die Vorgeschichte des Genfer Mordes hat gezeigt, daß diese grundsätzlich längst bestehende internationale polizeiliche Verständigung in der Praxis noch recht schlecht funktionirt und dringend einer Verbesserung bedarf. p •
Freiburg im Hotel Beau Rivage im kleinsten Kreise statt. Der Feier wohnten u. A. der bayrische Geschäftsträger in Bern, Graf Moutgelas, mit feiner Gemahlin bei. — Die Verhandlungen gegen Luccheni werden Ende October ober Anfang November ftattfinben.
wb. Genf, 14. September. Um 7 Uhr Abends begaben sich die Mitglieder des Bundesraths zu Wagen in das Hotel ,,Beaa Rivage", wo der österreichische Gesandte, der Legationssekretär und das 'gesammte Gefolge der Kaiserin dieselben erwarteten. Der Präsident des BundeSrathS drückte dem Grafen Küfstein als dem offiziellen Vertreter des Kaisers Franz Joseph in bewegten Worten das Beileid des Bundesraths bei dem grausamen Verluste au», welcher den Kaiser und das kaiserliche Haus betroffen hat. Später machten Graf Küfstein und Baron GiSkra den schweizerischen Vertretern einen Gegenbesuch im Hotel des BergueS. — Luccheni wird wahrscheinlich hier im October in einer außerordentlichen Schwut- gerichtsfession abgeurtheilt werden. Der Mörder hat Untergebenen des Untersuchungsrichters gegenüber geäußert, wenn er sich th Italien befunden hätte, würde er den König Humbert ermordet haben.
wb. Wien, 14. September. Nach dem ausgegebenen Ceremoniell wird der Sarg am 15. d. M., Abends 10 Uhr, vom Weftbabnhof in feierlichem Zuge nach der Hofburg geführt und am Freitag von 8 bis 5 Uhr, am Samstag von 8 bis 12 Uhr für das Publikum ausgestellt fein. Samstag Nachmittag 4 Uhr erfolgt die feierliche llebersiihrnng des Sarges nach der Kapuzinerkirche, wo in Gegenwart des Kaisers und der fremdländischeu Majestäten die Einsegnung der Leiche erfolgt. Dann wird der Sarg in die Gruft yinab- getragen, wohin der Kaiser folgt. Nach uochmaliger Einsegnung und Beendigung der Gebete wird der Sargschlüffel dem Guardian der Kapuziner übergeben.
hd. Wien, 13. September. Nach dem „Neuen Wiener Tageblatt" sagte der Kaiser, als man ihm das Testament der Kaiserin Überbrachte: Ich muß diese besondere Frag in besonderer Weise ehren. Mau glaubt, daß der Kaiser eine große den Namen der Verewigten tragende Stiftung machen wird. — Es wird allenthalben gearbeitet, um der Stadt Wien den Trauerschmuck anzulegen. Heute trat bereits großer Mangel an schwarzen Stoffen ein. In den Tuchfabriken wird Tag und Nacht gearbeitet. — Gestern kamen hier auf dem Naschmarkt Excesse gegen die bei der Regulirung de« Wienflusses beschäftigten italienischen Arbeiter vor. Die Italiener wurden mit Steinen und Koth beworfen. Schließlich schritt die Polizei ein und stellte die Ruhe wieder her.
hd. Triest, 13. September. Bei den in der letzten Nacht neuerdings oorgefommenen Excessen wurden 25 Personen verhaftet, darunter die slawischen Agitatoren Vodopivoc Uiid Bozo. Letzterer hatte die Menge zur Ertränkung aller Italiener im Meere aufgeforbert. Der Verein Union Gymuastique wurde polizeilich geschlossen.
hd Triest, 14. September. Gestern Abend zwischen 10 und 11 Uhr haben sich die Ausschreitungen in Derfiärftem Maaße wiederholt. Dem Triester Pöbel hatten sich Slaweii aus Dem Distrikt augeschloffen. Der Angriff auf die Union Gymnastiaue wurde wiederholt. Seitens der Angreifer wurden zahlreiche Revolverschüsfe ab- gescuert, welche Seitens der VereinSmitglieder erwidert wurden. Dabei gab es auf beiden Seiten viele Verwundete, darunter zwei Polizisten. Ein anderer Trupp Excedenten bombarbirle das Krankenhaus mit Steinen. Das italienische Konsulat wird fortwährend von Diilitär bewacht. Ter Pöbel wüthete bis in die Nacht hinein.
wb. Triest, 14. September. Im Verlauf de? gestrigen Abends wurden h>er 5 Personen wegen Ausschreitungen verhaftet. Gegen 10 Uhr zogen an 200 Personen zum italienischen Turn-Verein, um denselben gegen einen vermeintlichen Angriff zu schützen. Polizei und Militär, welche, da sie den Umzug für eine Demonstration hielten, den Trupp umzingelten, verhafteten 120 Personen. Bei einigen mürben Waffen gefunden. Um 10'/- Uhr Nachts herrschte völlige Ruhe. Um Mitternacht kehrte das Militär in die Kasernen zurück.
Der Iuwelenschatz der Kaiserin Elisabeth revräfentirte einen immensen Werth. Wir meinen nicht den werthvollen babs- bnrgijchen Famitien!chmr,ck, welcher als Fideikommiß-Besitz von einer Kaiserin auf die andere übergeht und in der Schatzkammer auf» bewahrt wird, sondern jene Schätze, welche veräußerliche« und vererbliches Eigenthum der Kaiserin waren. Dieser Prioaischmuck, welcher hauptsächlich aus Geschenken de« Kaisers und frembet Fürstlichkeiten besteht, wurde vor beiläufig 26 Jahren durch einen Kammerjuwelier tuveutar!strt und geschätzt. Da« Inventar, welches auf sechs Pergamentblättern geschrieben wurde, erforderte eine Arbeit von sechs Tagen. Die Juwelen wurden aus einen Realwerth von 2*/> Millionen Gulden geschätzt; der Werth derselben, wenn man die Fasiuug, die Fagon und den Schliff in Anschlag bringt, durste wohl die Summe von 4 bis 5 Millionen erreichen. Besonder« schön ist eine Perlenschnur aus drei Reihen kostbarer Perlen, welche die Kaiserin nach der Geburt des Kronprinzen Rudolf vom Kaiser zum Geschenk erhielt, und die auf 75,000 Gulden geschätzt wurde. Heute repräsentiren diese Perlen wohl einen Werth von 300,000 Gulden. Kaiserin Elisabeth hat zahlreiche Schmuckgegenstände im Lause der Jahre ihren Töchtern und Verwandten zum Geschenk gemacht.
Wie Mr. Barker, der englische Vorleser der Kaiserin, erzählte, habe diese vor nicht langer Zeit geäußert: „Was ich wünsche, ist em rascher, schmerzloser Tod. Ich möchte nicht in meinem Bette sterben." Am Donnerstag, also zwei Tage vor dem Mordanfall, las Barker der Kaiserin einen sie iehr feffelnben englischen Roman vor, „Corleone" von Marion Crawsord. Dieser hat Sizilien zum Schauplatze und schildert anschaulich da« Treiben der Geheimbünde und der Blutrache. Die Kaiserin war von diesen Schilderungen sehr ergriffen. Barker erklärt, daß er diesen Roman gewählt batte, um die Kaiserin in die Anschläge morblnftiger Gesellen einzmveihen und sie so zu warnen, nicht solche Sorglosigkeit in Bezug aus ihre Sicherheit zu zeigen.
iltbrr die strafrechtliche Behandlung »re Mörders wird der „Voss. Ztg." an« der Schweiz geschrieben, daß anarchistische Verbrechen nach einem vor wenigen Jahren erlassenen Bundesgesetz nicht als politische behandelt, sondern mit höheren Strafen geahndet werden. Für politische Verbrechen giebt e« in der Schweiz seit 1858 keine Todesstrafe. Aber gleichwohl wird diese gegen den Attentäter nicht angewendet werden können, da der Kanton Gens auch für gemeine Verbrechen die Todesstrafe nicht kennt. Die Mehrheit der schweizerischen Kantone besitzt diese Einrichtung nicht mehr; nur in sechs oder sieben Kantonen besteht sie gegenwärtig noch ober besteht wieder; denn durch die Bundesverfassung von 1874 war sie für das ganze Land verboten worden, im Jahre 1879 aber wurde infolge einer Verfassungsänderung den Kantonen freigestellt, sie in ihre Strafgesetzbücher aufzunehmen oder nicht. Einige Kantone haben von dem Rechte auch Gebrauch gemacht, die meisten jedoch nicht. Unter erstere gehört Luzern, wo seither nie Mörder begnadigt, sondern hingerichtet wurden. Allerdings fragt es sich, ob in diesem Faltz nut ®enfä
