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«« Jahrgang-
Verlag: Langgasse 27.
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N-. 426
Dienstag, den 13. Keptemirer.
1898,
Fernsprecher N». 62.
Fernsprecher No 62.
Abend-Ausgabe
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österreichisch-
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Sarges zur Bah» Dorgenommen. — Die Morgeiizüge hatten heute aus den deutschen Kantonen Tausende von Landbewohnern zur Stadt gebracht. Die Gesammtzahl der als Theilnehmer am Zuge oder als Zuschauer versammelten Menge beträgt sicher 100,000. Der Leichenzng machte durch feine bürgerliche Einfachheit und Schlichtheit einen überaus sympathischen Eindruck. — Als der Kommiffar Aubert gestern die im Saint Antoine-Gesängniß belegene Zelle des Mörders Luccheni betrat, warf dieser eine» haßerfüllte» Blick auf den Kommissar. Er sagte, als ihm das Mvrdinstrument gezeigt wurde: „Da» ist mein Eigenthum, aber ich schenke cs Euch." Luccheni wird von den Genfer Assisen abgeurtheilt werden. — Der Bundesrath in Bern hat beschlossen, in corpore der Einsegnung der Leiche der Kaiserin Elisabeth beizinvohnen. Dieselbe ist auf Dienstag Nachmittag 41/« Uhr in Gens anbetaumt.
wb.Ulirn, 12.September. AusLaibach.meldetdie.N.Fr.Pr.": Ercesie gegen die Italiener haben solche Dimensionen angenommen, _ Militär ausgeboten wurde. Zwei Compagnieen besetzten die Ziegeleien in Veltsch, wo es zu einem blutigen Kampfe zwischen Slavonen und Italienern kam. Das Militär stellte, die Ruhe wieder
Zur Ermordung der Kaiserin Elisabeth.
hd. Berlin, 12. September. Der .Reichs-Anzeiger" schreibt au der Spitze der nichtamtlichen TheileS seiner heutigen Nummer: Seine Majestät der Kaiser fühlt sich mit den Fürsten und freien Städten des Reiches wie mit dem ganzen deutschen Volke in innigster Theilnahme an dem namenlose» Unglück geeinigt, dar über den illverehrten Kaiser Franz Joseph und über die Völker des ver- oerbündettn Oesterreich-Ungarn hereingebrochen ist. Mit der tief« schmerzli^en Trauer um die ihrem hohen Gemahl und ihrem Lande so jäh entrissene edle Fürstin aus deutschem Blute verbindet sich die allgemeine Empörung gegen den feigen Mörder, der den Boden der befreundeten Schweiz durch die fluchwürdige Thal des Anarchismus entweihen konnte. — Der Königliche Hof legte heute für die Kaiserin von Oesterreich die Trauer auf vier Wochen an. — Die Auslegung und Eiitrüstuiig über den Mord unter der hiesigen Bevölkerung haben sich noch nicht gelegt. Gestern zogen ganze Schaaren von Menschen vor das Palais der österreichischen Bot-
schaft, um so ihre Theilnahme an dem großen Unglück auszudrücken. Zahlreiche in Berlin ansässige Oesierreicher und Ungarn haben die kchwarz-gelbe Fahne halbmast gehißt, oder ganz schwarze Trauerfahnen ausgezogen. Aus dem Königs. Schloß und sämmtlichen Palais des König!. Hauses, dem Rathhause und anderen öffentlichen Gebäuden wehen die Flaggen halbmast. Zahlreiche und Privathäuser haben Trauerschmuck angelegt. Die öslerr_______,
Ungarische Kolonie wird eine imposante Trauerkundgedung veranstalten. Reichskanzler Fürst Hohenlohe und Staatssekretär v. Bülow sandten an Kaiser Franz Joseph Beileidstelegramme. Die hiesigen städtischen Behörden habe» eine Kondolenzdepesche an den Wiener Magistrat gerichtet. Die österreichische Botschaft veranstaltet am Tage der Beisetzung eine Trauerfeier in der HedwigSkirche.
Tragische Todesfälle in der österreichischen Kaisei famitie. Kronprinz Rudolf von Oesterreich-Ungarn schied a 30. Januar 1889 im Jagdschlösse Mayerling freiwillig aus dem Leben. — Herzogin Sophie von Alengon, Schwester der Kaiserin, die einstige Braut Ludwig« II. von Bayern, fand im Mai 1897 den Flammentod in Pari«. — Kaiser Maximilian I. von Mexiko, Schwager der Kaiserin, wurde am 19. Juni 1867 in Oueretaro erschossen. — Erzherzog Wilhelm Franz Karl, Hoch- und Deutschmeister, starb im Sommer 1894 in Baden bei Wien infolge Sturzes vorn Pferde. — Erzherzog Johan» oo» Toscana, weicher UM Wurden cntiaai und den Namen Johan»
her, aber die Situation ist arg bedrohlich.
wb. Genf, 13. September. Das Mitglied de« BuiideSraths, Lachenae, der Chef des Departements des Jniiern, traf gestern Nachmittag hier ein und stattete im Hotel „Beau Rivage" dem österreichisch-ungarischen Gesandte» Grafen Küfstei» und dem General Bersevicgy Besuche ab, bei denen er Namens des Bundesraths der Eidgenossenschaft dessen aufrichtigste Theilnahme zum Ausdruck brachte. Gleichzeitig überbrachte er einen herrlichen Kranz, dessen in den schweizer Farben, Roth und Weiß, gehaltene Schleife die Juschrist trägt: «Huldigung des BnndeS- raths im Nauieu des Schweizer Volkes.' Ties gerührt sprachen die Vertreter Kaiser Franz Joseph» in dessen Namen den wärmsten Dank ans. Der Gesandte Gras Küfstei» hob hervor, wie sehr er von der heutigen großartigen Trauerkundgebung der Genfer Einwohnerschaft bewegt fei. Lachenae sprach heute der Genfer KantonS- regienmg den Dank des BundeSrathS für die bewunderungswürdige Haltung der Genfer Bevölkerung in diese» Trauertagen aus. — Der Bundesrath wird heute Abend um 6 Uhr 10 Minuten hier eintreffen unb sich Abends zum Besuch bei dem Vertreter de» Kaisers Franz Joseph, dem Gesandten Grafen Küistein, und dem General Bersevicgy im Hotel .Beau Rivage" einfinden. Der Feier der Einsegnung der Leiche der Kaiserin im Hotel »Beau Rivage', die heute Abend staltfindet, wird nur das Gefolge der Kaiserin beiwohnen. Bei der Uebersühruyg der Leiche zum Bahn-
(Nachdruck berbeten.)
Die Teufelsinsel.
Im gegenwärtigen Augenblick, unmittelbar vor der zu erwartenden Revision de« Dreyfiis-Prozesse», hat der Verbannungsort, an dem der vielleicht unschuldig Verurtheilte schmachtet, ein besonderes Interesse. Wir führen unseren Lesern daher im Bilde die TeufelS- infel hier vor, jenes kleine Eiland im Atlantischen Occan, nahe der Küste von französisch Guyana (Nordküste Südamerikas), welches :inen Theil der zu Deportationszwecken benutzten Gruppe der Iles du Salut bildet. — Die Teufelsinsel ist ein etwa 450 m langes und 60 bis 135 m breite», in der Richtung NO—SW' gestrecktes Eiland vulkanischen Ursprung». Zum Theil mit Palmen bestanden und auf feinem südwestlichen Theil einige kleine Häuser der dort angesiedelten Leprakranken aufweisend, macht die Insel, wie so viele Palmeuinseln, von Weitem gar keinen üblen Eindruck, verliert aber beim Näherkommen außerordentlich. Aus den höchsten Punkt der Insel ist ein Hau» für de» Gefangenen erbaut, und, wie auf unserem Bild ersichtlich, mit einem hohen Eisengitter versehen, sodaß es eigentlich mehr einem Käfig gleicht. Anschiießend an das dem DreyfnS überwiesene Gemach liegt die Wohnung seiner Wächter, welche, wie bekannt, niemals mit ihm reden dürfen, und ihm früher, als c8 dem Deportirten noch gestattet war, auf der Insel umher- zuaehen, auf Schritt und Tritt folgen mußten. Seit feiner Ueber- füqrung in das obige Gefängniß ist auch diese Vergünstigung der freien Bewegung dem DreysuS untersagt. Er darf den Raum innerhalb des Eisengitters nicht mehr verlassen.
Nur selten wird die TeuselSiusel von einem Schiff besucht und fast nie landet ein Boot, abgesehen von den französischen RcgierungS- booten, welche den unumgänglich nothwendigen Verkehr zwischen den drei Inseln Herstellen, an ihrer Küste. Abgeschlossen von der Welt, wenn auch in nächster Nähe der beiden anderen Deportationsinseln, liegt die Ile du diable im Meere, und gar bald merkt der zu einem längeren Aufenthalt daselbst gezwungene Mensch, wie sehr der Name auf die Insel paßt, welche den Verbrechern, Gesangenwärtern und den Leprakranken auf die Dauer zur Hölle wird.
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Genf, 12 September. Um 2 Uhr Nachmittags begann die Autopsie der Kaiserin, wie sie hier vorgcschriebcn ist, nachdem der Kaiser, wie schon gemeldet, die Erlaubniß hierzu gegeben unb zugestimmt hatte, daß ganz nach de» hier geltenden Gesetzen verfahren werde. Die Autopsie ergab das überraschende Resultat, daß die Waffe 8,5 Ceutimeter eingedrungen ist und das Herz ganz durchbohrt hat, sodaß die Spitze auf der andere» Seite des Herzens hinausgetreten ist. Es ist de» Aerzten deshalb ein Räthsel, daß die Kaiserin noch 60—80 Schritte bis zum Dampfer gehen konnte, und sie schreiben es der ganz besonderen Energie und Willenskraft der Kaiserin zu. Die Wunde ist klein und hat 4 Millimeter Querdurchschnitt. — Der Ches des Justiz- und Polizeidepartements, Verieux, erklärt, daß die Regierung des Kantons feit der Ankunft der Kaiserin in Caux in der letzte» Woche ohne ihr Wissen einige Sicherheitsbeamte poftirt habe, aber als die Kaiserin dies bemerkt habe, habe sie gebeten, man solle sie durchaus allein lassen, was denn auch geschehen fei. Das ganze Gefolge der Kaiserin ist aus Caux hier eingetroffen. Morgen wird dar gefammte übrige Personal, einige 20 Personen, mit Extrazug aus Wien hier erwartet.
hd. Budapest, 12. September. Gemäß einem von der Königin früher wiederholt geäußerten Wunsche, im Park des Kgl. Schlosses zu Gödöllö begraben zu werden, rechnet man hier darauf, daß diesem Wunsche Rechnung getragen wird. Wen» dies der Fall sein sollte, bann wird da» Herz der Königin nach alter Sitte in der Kapuzinergruft in Wien bcigesetzt werden.
hd. Laibach, 12. September. Hier fanden große Demonstrationen gegen die Italiener statt. Es kam zu einem Zusammenstoß mit italienischen Arbeitern, wobei viele Personen gelobtet und verwundet wurden.
wb. Triest, 12. September. Abends erneuerten sich die anti- italienische» Demonstrationen. Dar Militär unterstützte die Polizei und zerstreute die Demonstranten. Ein Sicherheilswachmann wurde ziemlich schwer, einige andere leicht verletzt. 21 Verhaftungen wurden vorgenommen. Um Mitternacht war die Ruhe wiederhergeftellt.
wb. Rom, 13. September. Der „Osservatore Romano" veröffentlicht das Autworttelegramm Kaiser Franz Josephs auf das Beileidstelegramm des Papstes. Der Kaiser dankt hierin dem Papst für dessen frost- und liebreiche, von Glauben beseelten Worte, welche stets seine Zuversicht bilden, und bittet den Papst, barmherzig in feinen Gebeten der Seele seiner unglücklichen Gefährtin und seiner zu gebenten.
Erscheint in zwei Ausgabe». — Bezugs-PreiS. durch den Verlag 50 Pfg, monatlich, durch die Post 1 Mk. OO Pfg, vierteljährlich für beide Ausgabe» zusammen.
kür die Abend.Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur ^11^1^11 ^1111111)111» nachsterfchemenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, >edoch nach Möglichkeit Sorge getragen. ' ° 0 ’
Hof, die am Mittwoch auf Wunsch der Kaisers ohne Truppen- tntfaltmig und ohne aller Gepränge erfolgen soll, werden der Bunde»- rath in corpore, sowie der Genfer StaatSrath der Bahre bis zum Bahnhof folgen. Gendarmerie wird die Ordnung daselbst versehen.
hd. Genf, 13. September. Der gestrige Trauerzug der Genfer Bürgerschaft nahm einen würdigen Verlauf. Alle Magazine, Bürean», Casö», sowie die Börse waren geschloffen. Sämmtliche Glocken der Stadt läuteten. Der Sarg der Kaiserin wird heute Vormittag 11 Uhr in Gegenwart des General-Prokurators geschlossen. Heber diese» Akt wird ein Protokoll aufgeiiommen. Die kirchliche Beisetzung findet heute Abend im Hotel in ganz intimem Streife statt.— Neuerdings wurden hier und in Lausanne zahlreiche Anarchisten verhaftet; bisher hat man indessen keine» sicheren Anhaltspunkt für weitere Komplicen. Wie verlautet, haben sich in Bern kürzlich zwei italienische Anarchisten auf- gehalten, welche die Ermordung de» Präsidenten Fatirc beabsichtigten. Sie sollen inzwischen dieSchweiz wieder verlassen haben.
hd. Miet», 13. Septbr. Der General - Prokurator Na itazza erhielt von Luccheni, wie aus Genf gemeldet wird, als dieser ihm die Feile Borjeigte, die Antwort: Freilich habe ich mit dieser Feile nach der Kaiserin gestochen. Ich habe mir dieses Werkzeug gewählt, weil ich weiß, daß es die gefährlichste und unfehlbarste Waffe ist, und ich habe sie mir eigen« für diesen Zweck zubereitet.
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Erinnerungen an die Kaiserin. Ein Mito rbeiter bei „Neuen Fr. Pr." hatte am Sonntag Gelegenheit, den bekannten Vorleser der Kaiserin,Herrnve. Chris! o- manos, zu sprechen. Unter dem erschütternden Eindruck der Trauerbotschaft erzählte Dr. Christomanos über Kaiserin Elisabeth Folgendes: „Die Kaiserin wußte, daß der Tod auf sie lauere. „Wenn der Wunsch zum Seien aufhört", sagte sie mir einst, „befindet man sich eigentlich außerhalb des Lebens". Ihrem Wunsche hatte sie schon lange geboten, aufzuhören. Ein andermal, als ihre Dacht sie den algerischen Klippen entlang dem Süden zutrug und mit den Wellen kämpfte, brachte sie wieder das Gespräch auf diese» Thema. „Sind Sie auch bereit, zu sterben? Glauben Sie, es ist keine Heldenthat? Ob und wann ich wirklich sterbe, ist eine Nebensache, auf die ich gespannt sein kann. E» giebt im Leben für jeden Menschen einen Augenblick, an dem er innerlich stirbt, und es braucht nicht gerade die Zeit unseres wirkliche» Tode» zu sein. Es ist nur fo unangehm, diese ganze Prozedur, da» Alles, was drum und dran hängt, eine Art manuelle Arbeit, welche die verwöhnte» Römer ihren Sklaven überließen. Selbst nur zu- gufeben, wie sich Alles vo» selbst wieder zurück aufrollt wie ein verkrachte» Uhrwerk, ist oft interessant, meistens aber langweilig. . . . Ich erwarte de» Tod jeden Augenblick. Sie als Philosoph müßten dies auch thu». Wen» Sie es schon gethan hätten, könnte man von Ihnen vielleicht einmal sagen. Sie wären bereits mit der Kaiserin gestorben. Sie wären dann ein Herosl" Trotzdem hat sie mich feit dieser Zeit überwacht. AIS ich mich einmal in Madeira einem steilen Abgründe über den Ocean zu sehr näherte rief sie mich laut zu sich. Es ist nicht nöthig, eine poetische Todesart ausfindig zu machen", sagte sie lächelnd, als ob sie ein Geheimniß bei mir entdeckt hätte, „es genügt, wenn man nur innerlich schön stirbt." Ich aber war wie geblendet vor dein Aufstrahlen dieser Soniienseele . . . Nachdem sie auf die Weise mit dem Tode sich vertraut gemacht hatte, lebte sie einfach und befriedigt, wie man einer Pflicht genügt, die mau als solche nur liebt. — Aus dem Jubiläumswerke „Der Kaiser und feine Zeit" nimmt die „Neue Fr. Pr." Erinnerungen, welche Max Falk aus de» sechziger Jahre» mittheilt. Falk war zum Unterrichte der ungarischen Sprache und Litteratur zur Kaiserin berufen worden. Ein anderes Mal sprachen wir von Politik, al» Ihre Majestät mich mit der Bemerkung überraschte: „Man hat mir gesagt, daß die republikanische Regierungsform die zweckmäßigste sei." Ich blickte wie träumend um mich, ob die Mattern des alten Habsburgischen Kofferschlosses nicht über meinem Haupt zusammensturzen; solche Worte batten sie aus dem Munde einer Kaiserin und Königin gewiß noch nicht gehört. Aus meine Frage, wer Ihrer Majestät diesen Standpunkt bargelegt habe, erwiderte die Kaiserin: „Ihr Jugend- lehrer Gras Johan» Majlath." Der bekannte Geschichtschreiber, den wir Alle für einen Erzreaktionär gehalten hatten, hat bekanntlich zu beii ersten Erziehern ber jungen bayrischen Prinzessin gehört. Ich sagte Ihrer Majestät, welche Meinung wir von ihm gehabt; die hohe Fran vertheibigte ihn mit herzlicher Wärme, unb al» sie sich seines tragischen Lebenrabscklusse« erinnerte — Graf Majlath unb seine Tochter stürzten sich gemeinsam in ben Starnberger See — da traten Thränen in bie Augen ber Souverätitti. ... Im Uebrigen ließ die Kaiserin Jemanben, ben sie um etwa» befragt hatte, nicht ohne Antwort entschlüpfen. Sie kam also bamal« auf da« Thema ber Republik zurück unb wollte wissen, wie ich darüber dächte „In der Theorie," sagte ich, „ist die Republik ohne Zweifel bie vernünftigste RegiertingSform; aber in unferem Vaterlande, wo so verschiedene VolkSstämme zusammenwohnen, die in ihrer Kultur so wesentlich von einander abweichen, kann nur die Dynastie das Band bilden, um bie auteiuanberftrebenben Elemente zusammenzuhalten. Darum wird bei inte noch lange bie Monarchie die einzig geeignete RegierungS- sorm bilden." * *
hd. Mtrn, 12. September. Der Kaiser hat eine sechrmonatliche Hoftrauer augeorbnet, und zwar zwei Monate tiefste Trauer, zwei Monate tiefe und zwei Monate minder tiefe Trauer. Kaiser Franz Joseph hat das Schönbrunner Schloß noch nicht verlassen. Freitag und Samstag wird der Zutritt des Publikum« zu der aufgebahrten Leiche gestattet. Die Beisetzung findet Samstag Nachmittag 4 Uhr statt. — Bürgenneister Dr. Lueger hielt in einer außerordentlichen Gemeinderathsfitzung ber verewigten Kaiserin eine tiefempfundene Aedächtnißrede. Der Gemeinderath beschloß, seine tiefe Trauer dem Kaiser Franz Joseph in geeigneter Weise zur Kenntnis zu bringen.
hd. Mien, 13. September. Nach einer Meldung des „Neuen Wiener Tageblattes" soll Kaiser Wilhelm am Samstag zum Seichenbegängniß ber Kaiserin in Wien eintreffen. Die Kaiserin hat ein Testament hinterlassen. Mehrere für bie nächste Zeit beim Kaiser angemeldete Besuche, darunter derjenige de» Khedive, unterbleiben. Der Kaiser erledigt ununterbrochen die Staatsgeschäste und läßt sich alle Leileidskundgebiingen vorlegen, von denen Erzherzog Franz Ferdinand einen Theil beantwortet.
hd. Genf, 12. September. Heute erfolgte die Aufbahrung der Leiche der Kaiserin Elisabeth. Morgen Früh wird die Ankunft der Abordnung des kaiserlichen Hofe» au« Wien erwartet. Mittwoch Früh werde» unter Theilnahme der schweizerischen BundeS- aunftionäre die Einsegnung der Leiche unb Ukbcrsiihrung des
