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46. Jahrgang.

Verlag: Langgasse 27.

15,500 Abonnenten.

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3Ltttrtrtßltfr bie Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. - Für die Aufnahme später eingereichtcr Anrciacn mr g*'"?* ** nachsterschcmcnden Ausgabe wird keine Gewahr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. »So

No. 420.

Fernsprecher No. 62.

Freitag, bett 9. September.

Fernsprecher No. 52.

1898.

Abend-fiusgabe.

Kreta itttb die Mächte.

Der neueste Aufstand auf Kreta, dessen direkte und indirekte Ursachen durch die neuesten Nachrichten vomKriegs­schauplatz" jetzt einigermaßen klargestellt sind, ist zwar über­raschend, aber für diejenigen, welche die europäische Politik auf Kreta mit Aufmerksamkeit verfolgt haben, doch nicht völlig unerwartet gekommen. Es war längst bekannt, daß trotz der Einsetzung einer provisorischen Regierung und der Besetzung der Hafenstädte durch europäische Truppen die Verhälinisse auf der Insel von der seit nahezu zwei Jahren angckündigtenPacifizirung" weit entfernt waren. Die Furcht mußte seit langer Zeit gehegt werden, daß cs in Kandia, der größten Stadt Kretas, wo seit länger als anderthalb Jahre gegen 50,000 mohammedanische Flücht­linge sich in elendester und bcmitleidenswerther Lage be­finden, zu einem elementaren Ausbruch der unter den Mohammedanern herrschenden Erbitterung gegen die euro­päischen Truppen und die Christen kommen würde. Die mohammedanische Bevölkerung befand sich in der That in einer bemitleidcnswcrthen Lage; sie war zum größten Theil von ihrem früheren Besitz vertrieben worden und außer Stands sich des Lebens Nothdurft zu beschaffen. Die wiederholt vorgenommcnen öffentlichen Vertheilungen von Nahrungsmitteln erwiesen sich selbstverständlich als völlig unzureichend, und so bedurfte es nur eines äußeren Anstoßes, um die durch Hunger und Entbehrungen gereizte moham­medanische Bevölkerung zum offenen Aufruhr zu bringen. Diesen Anstoß beeilten sich die Engländer zu geben, indem sie durch die Besetzung des streng mohammedanischen Zehnten- büreaus mit christlichen Beamten den lange angesammclten Haß der Mohammedaner zur Entladung brachten. Es scheint außer Zweifel zu sein, daß die Engländer hiermit nach Lage der Dinge auf Kreta einen schweren Fehler be­gangen haben, der umso schwerer wiegt und umso un­verantwortlicher erscheint, als sie wissen mußten, daß die wenigen Landtruppen, über die sie verfügten, nicht in der Lage waren, blutige Ereignisse zu verhüten.

Was nun? Die Befürchtung ist nicht abzuweisen, daß diesem blutigen Ereigniß weitere folgen können. Für das europäische Konzert ist diese neue Phase der orientalischen Wirren recht deprimirend, denn kaum jemals, so weit die Erinnerung des jetzt lebenden Geschlechts znrückreicht, ist eine vonganz Europa" großspurig und geräuschvoll unternommene diplomatische Aktion so kläglich verlaufen, wie das Einschreiten der Großmächte auf Kreta. Freilich bei der fortdauernden Uneinigkeit der Mächte und den von einigen Seiten immer wieder aufs Neue ge­sponnenen Jntriguen war ein besseres Resultat nicht zu erwarten und es zeigt sich jetzt, wie sehr die deutsche Politik das Richtige traf, als sie, und nach ihr Oesterreich-Ungarn, fich aus der aktiven Betheiligung an der Regelung der Kretafrage zurückzog, als Rußland diese Frage durch die Befürwortung der Kandidatur des Prinzen Georg von Griechenland für den Gouvernenrsposten in gefährlicher Weise komplizirte. An dem letzten Aufstand ist Deutschland zwar insofern betheiligt, als auch das Haus des deutschen Konsulats in Kandia, das übrigens nur ein Wahlkonsulat

ist, niederbrannte. Aber dieser Vorfall wird selbstverständ­lich durch keinerlei Weiterungen, sondern nur zu einer Ent­schädigungsforderung an die türkische Regierung Anlaß geben.

In England scheint man zwar jetzt wieder eine starke Neigung zu verspüren, die deutsche Politik zur aktiven Be- thciligung an der Lösnug der kretischen Frage heranznzichcn, und in der englischen Presse wird sogar bereits die Ernennung eines deutschen Gouverneurs vorgeschlagen. Auf deutscher Seite ist schwerlich Neigung vorhanden, den Lockungen dieser Sirenenstimmen Gehör zu geben. Als Deutschland, um mit dem Staatssekretär v. Bülow zu reden, die Flöte still auf den Tisch legte und den europäischen Kouzert- saal verließ, zog es sich in einen stillen Winkel zurück, um von dort aus den Krctasatz der großen Oricntsymphonie anzuhören, den die im Orchesterraum verbleibenden Mächte zu spielen sich berufen glaubten. Wir glauben, daß die deutsche Regierung fürs Erste keinen Anlaß hat, ihre Haltung zu ändern und der Mahnnng des Fürsten Bismarck eingedenk sein wird, es gehe Deutschland nichts an, wenn sich die Christen und die Muselmänner ans Kreta die Hälse abschneiden, und wenn in Kreta auch nicht einmal der letzte Hammel übrig bliebe, um vom letzten Hammcldieb gestohlen zu werden. Daßdie Dinge anfKreta sonichtweiter gehen können wie bisher, geben wir zu, aber wir meinen, daß es Sache der bisher an der Kretafrage betheiligten Mächte ist, sich hierüber den Kopf zu zerbrechen. Im Januar 1877 äußerte Fürst Bismarck auf einer Abendunterhaltung, zu der er die Mit­glieder des Reichstags eingeladen hatte, als man ihn über die orientalische Frage interpellirte, seit zwei Jahren misse er ganz genau, auf welche Weise diese Frage am leichtesten zu lösen sei. Als Alles die Ohren spitzte und nach dem Munde des Reichskanzlers blickte, fuhr dieser zur größten Ueberraschung seiner Zuhörer fort:Indessen, da ja die orientalische Frage Deutschland nicht intercssirt, schweige ich lieber darüber!"

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Athen, 8. September. Die Negierung eiktärte offiziell, fich nicht in die kictiichen Angelegenheiten zu miichen, sondern de» Mächten die Herstellung der Ordnung überlasten zu wollen. (Sehr vernünftig. Die Red.)

Kandt«, 8. September. Die intern ati on alen Trustpen- abtheilungen besetzten ohne Zwischenfall die Befestigungen. Ein neuer Brand in der vergangenen Nacht zerstörte drei Häuser. Obgleich die türkische» Truppen das Leben der zu ihnen gcfliichreten Christen schützen, thun sie nichts, um das Eindringen in die Wohnungen der Christen, Brandstistnng und Raub zu verhindern. Die theilweiscii Plünderungen dauerten bis znm Morgen fort und haben jetzt, nachdem die türkischen Behörden energisch zu handeln beginnen, ansgehört. Die Zahl der Opfer beträgt 200. Sämnitliche Konsuln sind abwesend, ausgenommen der französische Vicekonsul, der auch Italien vertritt.

Viesrflimmettzm KtüserrcdeLbcr den Streik.

Die sreikonservativePost", das Organ desFrhrn. v. Stumm, schreibt:Zugegeben ist ja, daß die gesetzliche Formnlirung der Strafen, welche auf ein unrechtmätziges, im körperlichen oder moralischen Sinne gewaltsames Vorgehen der Streikenden gegen Arbeitswillige stehen sollen, nicht ganz leicht sein wird; wir halten es iudeß für angezeigt, ehe man an der Hand der kurzen Ankündigung der Gesetzentwurfs in der Siebt Seiner Majestät des Kaisers bereits in einer Kritik der Einzelheiten der Vorlage cintritt, doch erst deren Wortlaut abznwartcn, auf den cs bei einer so schwie­rigen Sache doch ganz außerordentlich ankommt. Wir unsererseits freuen uns der Erkennlniß, welche aus solchen Kundgebungen der Regierung spricht, daß der Streik, in voller Rücksichtslosigkeit an- gewendct, eine zweischneidige Waffe ist, unter welcher die Arbeiter

selber, nicht bloß die Arbeitgeber zu leiden haben. Daß auch die letzteren nach dem Zustandekommen eines Gesetzes zuin Schutz der Arbeitswilligen wie von einem Alpdruck erlöst aufathmen, und daß dann manche mnthwillige und zum Schaden der betroffenen Arbeiter gescheiterte Streiks, an denen bloß einige gewerbsmäßige Hetzer Die Schuld tragen, unterbleiben, ist ebenfalls mit Zuv-isicht voraus» zufehcn, und so hoffen wir denn, trotz aller Schwaiznialereien, die ein Theil der Presse bei solchen Gelegenheiten liebt, daß das Gesetz so bald wie möglich vorgelegt wird. Wir sind überzeugt, daß sich ein gangbarer Weg finden wird, der zur Befreiung der Arbeiter von dem Joche bernfsmäßiger Agitatoren fuhrt. Ein Bediufniß hierzu ist unzweifelhaft nnchgewicsen." Das christlich-soziale Volk" des Herrn Stöcker ist von der Ankündigung umso schmerz­licher berührt, als jede, auch die geringste Andeutung fehlt, daß gleichzeitig ein Fortschreiten auf dem Wege der Sozialrefor m stattfiilden werdc:VoneinkrFortarbeit,iimfürdievölligveränderleuProd»ktionL- verhältniffe der Gegenwart ein moderner, diesen neuen Verhältnissen einigermaßen entsprechendes Arbeitsrccht zu finden, so bemerkt da- Blatt weiter, ist keine Rede mehr. Die große, früher so laut prokla- mirie Aufgabe des Staates, den Arbeitern im berechtigten Kampf um die Besserung ihrer Lage der Führer zu sein, ist vergessen und ausgestrichen und die einzig wirksame Waffe, die sie in diesem Kampfe führen können, soll im einseitigen Interesse des GroßkapitalS ihrcn Händen entwunden werden Drohung mit dem Zuchthaus da» rst das Einzige, was ihnen jetzt geboten wird, und was da» Traurigste für uns sozial gerichtete Konservative alter Art ist, das ist eben der Umstand, daß unsere Hoffnung, das Zuchthausgesetz ab» gelehnt zu sehen, nicht aus denjenigen Parteien ruht, die unS einst nahe standen, iondern ans der Koalition von Sozialdemokratie, Freisinn und Ultramontanen! Welch eine Politck! In dem Augenblick, wo zum ersten Mal Verwirrung und Spaltung in den Reihen der Sozialdemokratie sich gezeigt hat, schweißt man sofort die entstandenen Riffe mit wuchtigen Hammerichlägen wieder zur alten Einheit zusammen. Vergegenwärtigt man sich die Einflüsse, welche offenbar zu dieser treuesten Wendung unseres Staatslebens geführt haben, fo wird man »uwillkiirlich an Stahls bekannten und treffenden Ausdruck erinnert:Die Plntokratie ist noch stets die gefährlichste Feindin der Vlonarchieen gewesen"." DieSerinanio", das Blatt des Centrnms, führt aus:Es ist kaum daran zrr denken, daß der Reichskanzler ein Gesetz mit dem Wortlarrt einer solchen drakonischen Bestimmung dem Reichstag voilegen wird. Sollte er cs dennoch thun, fo wird er sich vorher sagen müssen, daß cs nicht die geringste Aussicht auf Annahme haben würde. Wir halten den Streik für ein schweres Ucbel, weil er stets beide Theile schädigt, aber er ist die letzte Waffe der Arbeiter, sich uugerechtcr und rurwürdiger ArbeitS- bedingrrngcn zu erwehre», eine Waffe, die schon durch da» Naturrccht dem Menschen in die Hand gegeben ist. Die Arbeiter haben aber auch in der verfassungsmäßigen Koalitions­freiheit, die den Arbeitern sowohl wie den Arbeitgebern zu gute komnrt, das Recht, zrr streike», einen Streik vorzubereiten, gegenseitig dazu^auszitsordern undnnznreizen", ebenso gut, wie die Unternehmer die Freiheit haben, Syndikate, Ringe, Streikversicherungen zu grünben. Daß da» Centrum ein Gesetz, welche« einseitig den zum Streik anreizenderi Arbeiter mit Zuchthausstrafe belegt, an« nehmen würde, ist von vornherein ansgcichloffen, ebenso wie es gegen die Abschaffung des Koalitionsrechts ist. Mit de» Sozialdemokraten und Linkrliberalen, vielleicht einem großen Theil der National- liberalctt wird das Centrum eine so schroffe Bestimmung verwersen. UuscreS Erachtens kann der Schutz der Arbeitswilligen mit den be­stehenden Strafen der Gcwcrbeordttung schott erzwungen werden. Prinzipiell wäre gegen einen wirksameren Schutz gegen Zwang und Drohungen nichts einzuwenden, wenn der Nachweis erbracht wird, daß die bestehenden Bestimmutigen nicht genügen. Wir setzen aber hinzu, daß wir nicht an die Möglichkeit diese« Nach­weise» glauben." Die freisinnigeVossischc Ztg." meint: Wir geben zu, daß die Strafe für den AuSstandSzwang sehr milde bemessen ist. Wenn man bei Erlaß der Gewerbeordnung da» Minimum auf eine Woche und da» Maximum aus ein Jahr fest­gesetzt hätte, so würden dagegen wahrscheinlich keine Bedenken er­hoben worden fein. Ein zuchthauSwürdige» Verbrechen ver­mögen wir aber darin nicht zu erkcunen. Heute ein Gesetz zu machen, das die Strafe erhöht, scheint uns verfehlt. Wer ent­schlossen ist, ein Gesetz zu verletzen, fragt nicht ängstlich nach dem Maximum und Minimum, et wagt seine Freiheit und seine Ehre au den von ihm verfolgten Zweck. Die Arbeiter verlangen mit Recht eine Erweiterung und Sicherstellung ihres BereiitsrechlS."

(Nachdruck verboten.)

Amelsen Einfalt.*)

Von Dr. Friedrich K»a«er.

ii John Lubbock, der fleißige Ameisenforscher, stellt die Ameisen in seinem Buche:Ameisen, Bienen und Wespen" hinsichtlich ihrer Intelligenz über alle Thiere, selbst über die Menschenaffen, dem Menschen zunächst. Und was uns der beredte Ameisenschildercr Peter Huber zu Beginn dieses Jahrhunderts und nach ihm so viele andere Be­wunderer der Ameisen über die Seelenfähigkeiten dieser winzigen Thiere zu sagen wissen, läßt das volle Lob der Ameisen-Jntclligenz begreiflich erscheinen.

Siebt es in der ganzen Thierwelt eine gesellschaftliche Einigung, die sich hinsichtlich der zweckmäßigen Arbeits- theilung, der Gemeinschaftlichkeit der Brutpflege, der Gemein­samkeit des Nahrungserwerbs, der Aufnahme fremder Gäste mit vollen Rechten in die Staatsbürgerschaft mit dem Ameisenstaate messen könnte? Zeigt irgend ein anderes thierisches Gemeinwesen bei absoluter Freiheit des Einzelnen eine solche Solidarität, eine solche Unterordnung unter das Gemeinwohl? Verdienen die unermüdlichen, unverdrossenen, geduldigen, ausdauernden Ameisen in ihrer Fürsorglichkeit und Vielseitigkeit nicht unser vollstes Interesse, sind sie nicht unerschöpflich in ihrem Thun und Können, ob sie nun in beispielloser Reinlichkeitsliebe das Heim nett und blank er­halten oder je nach vorhandenen Bedürfnissen das Haus erweitern, umbauen, neu einrichten oder ihre Kunst-

*) Wir machen auf diesen interessanten, auf den neuesten

Forschungen beruhenden Auffatz besonder» aufmerfjam. Die Red.

fertigfeit in der Entwässerung feuchten Terrains, in der Aufführung von Dämmen, in der Anlage und Erhaltung von Kuuststraßen zeigen ober in mütterlichster Fürsorge die junge Brut betreuen, oder ihren Muth, ihre Tapferkeit, ihre Kriegskunst kund thun, wenn sie die Siedlung gegen Feinde vertheidigen, wenn sie Niederlassungen anderer Ameisen überrumpeln, belagern, erobern, Schildwachen auf­stellen, durch Vorhut und Nachhut sich decken, Hinterhalt legen, regelrechte Schlachten Tage lang kämpfen, Waffen­stillstand schließen, Bündnisse cingehen. Gefangene machen, oder wenn sie ihr ökonomisches Talent leuchten lassen und Gesinde halten, Wiesen und Aecker bestellen, Thierzucht be­treiben! Ist es solch überraschender Lebensthätigkeit gegen­über zu verwundern, wenn einzelne Schilderer dcs Ameisen- lebens überschwänglich werden, die Intelligenz der Ameisen in den Himmel erheben und von dem feinen Verstände dieser Thierchen nicht genug Wundersames zu berichten wissen?

Und doch fällt diese ganze in so beredter Weise ge­schilderte Ameisen-Jutelligenz in Nichts zusammen, wenn man das einzelne Ameisen-Jndividuum auf seine geistigen Fähigkeiten, psychische Individualität, die Bewußtheit seines Thuns und Lassens prüft. Da steht man dann deutlich, daß es nicht Handlungen des intelligenten Geisteslebens, sondern Aeußernngen des sinnlichen Jnstinktlebcns sind, die wir an den Ameisen stets so sehr bewunderten, daß das einzelne Individuum seiner psychischen Zusammengehörigkeit zu den anderen sich garnicht bewußt ist und jedes für sich arbeitet und unbewußt zmeckmäßig handelt; indem aber jede Ameise ihre im Laufe der Jahrtausende erworbene Leistungs­fähigkeit ausübt, kommt es zu der vieltausendköpfigen Ge-

sammtleistung, die dem Ganzen so zu Gute kommt und unS so imponirt. Das einzelne Jndividnum ist, weit davon entfernt, überlegend, intelligent zu sein, im Gcgentheil ein­fältig, unbehnlflich, urtheilslos, auf das Leichteste zu täuschen und irrezuführen. Hunderte angestellter scharf­sinniger und unzweideutiger Versuche und Beobachtungen beweisen dies.

Schon die geringe Orientirungsfähigkeit der Ameisen verräth ihren Mangel an Intelligenz. Wenn man in allen Richtungen weit ab von einer großen Ameisensiedlung größeren und kleineren Ameisenzügen begegnet, sollte man meinen, die Ameisen eines Nestes kennen die Umgebung ihres Heims genau. Das ist aber nicht der Fall. Sie ziehen eben be­stimmte Straßen; eine folgt der Spur der andern und findet diese mittelst des Geruches, wie der Jagdhund die Fährten findet. Ist eine Ameise in einer bestimmten Richtung als erste anSgezogen und kehrt zurück, ohne etwas gefunden zu haben, dann geht weder sie, noch eine andere diesen Weg nochmals; hat sie aber einen Kadaver, eine Süßigkeits- quelle oder sonst eine lohnende Fundstätte entdeckt und kehrt bentebeladen wieder zurück, dann sieht man bald zahlreiche andere Ameisen denselben Weg einschlagen; im ersten Falle sind kleine, im zweiten Falle deutliche chemische Spuren hinterblieben, die den anderen Ameisen zur Richtschnur dienten. Daß es nicht etwa irgend eine geheimnißvolle Zeichensprache, ein stiller Signaldicust zwischen den sich Begegnenden, sondern nur die Geruchswahruehmung ist, die da leitend und führend wirkt, beweisen einfache Versuche. Kratzt man auf einer von Ameisen begangene« Straße die oberflächliche Erdschicht weg oder benimmt ito