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Wiksbadener Sagblatl

Anze!g«tt-Preisr

Verlag: Langgasse 27.

15,500 Abonnenten

1898

Donnerstag, den 18. August

Fernsprecher Mo. 52.

;ro. 381

Fernsprecher Wo. 52.

Morgenausgabe

4«. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe«. Bezugs-PreiS: durch den Verlag 60 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Lebrerstellrn. Die Schulstellen zu Diethardt im Kreise St. Goarshausen, zu Panrod im Uutertauuuskreise die zweite zu Heftrich im Untertaumiskrelse, und eine Schulstellr an der ver- ' Nnigtcn Real-und Volksschule zu Oberursel im Obertaunur- ; kreise sollen anderweit besetzt werden.

k Ktenographische«. Der Stenographenverband.Gabelr- Mrger* für Hessen und Naffan hielt am letzten Sonntag in Bad Nauheim seinen zweiten Verbandrtag ab, welcher von zahlreichen if Vertretern der zugehörigen Vereine besucht war und einen in jeder Beziehung befriedigenden Verlauf nahm. Er mußte eine Freude Mn für ein Stenographenher», Zeuge der Begeisterung zu sein, Wich« aus den Worten und Berichte« der au» den verschiedensten s Orten der Verbandsgebieter zusammengeströmten Jünger Gabel»«

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige« 15 Pfg., für auswärtige Adrigen 25 Pfg. Reklamen die Petitzcile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Kleine Chronik.

-Lier am Dienstag Nachmittag 4 Uhr 35 Minuten von Koblenz in Köln einlaufende Pe rs onenzug fuhr gegen einen Prell­bock. Zeh» Personen erhielten meist unerhebliche Kopfverletzungen, zwei Beanite und drei Reisende wurden etwas schwerer verletzt.

Die Sozialdemokraten in Elberfeld beschlossen die Theil« nähme an den Landtagswahlen zu empfehle», und auch auf dem in Arnstadt abgehaltcnen sozialistischen Thüringer Parteitag beschlossen di- preußischen Delegirten die Belheilignng an den preußischen Landtagswahlen.

Eine bcmerkenswerthe Neuerung, die aber wohl kaum Nachahmung verdient, ist beim Düsseldorfer König!. Gym­nasium gelegentlich der mit dem Schulschliiß verbundenen Zeugniß» vcrtheilung gemacht worden, indem allen denjenigen Schülern, deren Zeugniß eine Bemerkung trug, dasselbe nicht ausgehändigt, sondern unmittelbar den betreffenden Eltern als portopflichtige Dienstsache in verschlossenem Briefumschlag per Post übersandt wurde.

Am Montag Abend gegen 11 Uhr wurd« im Bahnhof Neckar- vorstadt in M a n n h e i m der 19 Jahre alte Streckenarbeiter Dewald von Biebesheim von dem Personenzug RosengartenNeckarvorstadt überfahren und aus der Stelle getödtet.

Am Neubau der protestantischen Kirche zu Kaiserslautern stürzten drei Dachdecker ab. Zwei davon wurden lebens­gefährlich, einer leichter verletzt.

Eine interessante Arbeit wird gegenwattig auf der Werft des Vulkan in Stettin ausgeführt. Es gilt, den Bremer Lloyddampfer .Spree" aus einem Einfchrguber lnemen Zweischrauber umzubaucn und gleichzeitig den Dampfer um 70Rufi zu verlängern. Seit einige« Wochen vesifidtt sich dir »«Pier in

Aus Stadt «nd ßand.

Wies baden, 18. August.

M N«"l>nsf«st. Nächsten Sonntag, den 21. d. M wird in Lingen das weithin bekannte und beliebte Nochusscst mit besonderem Glanze gefeiert werden. Der zum Bischof von Limburg erwählte Abt Willi von Maricnflatt wird dar Pontifikalamt mit großer ? Assistenz celebriren. Die Fcstpredigt hat der hochwürdige Herr Bischof von Mainz übernommen. Dar ursprünglich rein kirch- I lichcn Charakter tragende Fest ist mit der Zeit zu einem Volksfeste geworden, welches alljährlich Tausende von Besuchern an- jieht, die im kühlen WaldeSschatlen und bei feurigem Nebenblut sich an echt rheinischer Fröhlichkeit erlaben. Für diese» Jahr werden ' umfangreiche Vorbereitungen für den Empfang der zahlreich er« . »arteten Festgäste getroffen.

= Wiesbaden, 17. August. Nach den unterm 10. d. M. herauSgegebcneri Veröffentlichungen de» Kaiserlichen Gesundheits­amtes zu Berlin über die G e s a m m t st e r b l i ch k e i t in bett 272 deutschen Städten »nd Orten mit 15,000 und mehr Einwohner« während des Monats Juni 1898 bat dieselbe aus je 1000 Ein­wohner auf den Zeitraum eines Jahres berechnet betragen: a) weniger als 15,0 in 45; b) zwischen 15,0 und 20,0 in 103; c) zwischen 20,1 und 25,0 in 84; d) zwischen 25,1 und 30,0 in 28; e) zwischen 30,1 und 35,0 in 7 und f) mehr als 35,0 in 5 Orte». Die geringste SterblichkeitSziffer hatte in dem gedachten Monat die Stadt Jena im Großherzogthnm Sachsen-Weimar mit 3,6, da, gegen die größte die Stadt Grabow in der Provinz Pommern mit 44,0 zu verzeichnen. In den Städten und Orten der Provinz Hessen-Nassau mit 15,000 und mehr Einwohnern hat die Sterblichkeit während des Berichtsmonats gleichfalls wie oben auf je 1000 Einwohner aus den Zeitranm einer Jahre« berechnet betragen in: Kassel 14,5, Frankfurt a. M. 14,9 (ohne OrlS- frcmde 13,9), Wiesbaden 16,5, Hanau 19,0(ohneOrtsfremde 14,9), Marburg 22,8 (ohne O>trfrcmdc 15,0), Fulda 24,4 (ohne Orts­fremde 18,1) und in Ober»hausen 25,7. Die Säuglings­sterblichkeit war im Monat Juni 1898 eine beträchtliche, da» heißt höher als ein Drittel der Lebendgeborenen, in 25 Orten; dieselbe blieb unter einem Zehntel derselben in 32 Orte». Als Todesursachen der während des gedachte» Monats in nufer er Stadt vorgekommenen 109 Sterbefälle darunter 26 von Stubern im Alter bis zu einem Jahre sind angegeben: Masern und Rötheln 2, Scharlach, Diphtherie und Croup, Unter- leibe typhus 3, Kindbettfieber, Lungenschwindsucht 7, akute Er­krankungen der Athmungsorgane 14, akute Dannkraukbeiten 2, Brechdurchfall 5, Kinder im Alter bis zu einem Jahre, alle übrigen Krankheiten 71 und gewaltsamer Tod 5. Im Ganzen scheint sich der Gesundheitszustand der Säuglinge gegenüber dem Monat Mai b. I. verschlechtert, derjenige der übrigen Altersklassen wenig geändert zu haben. Die Zahl der in hiesiger Stadt während de« Monats Juni 1898 vorgekommenen Geburten hat ausschließlich der stattgehabten 5 Todtgeburten 192 betrage»; dieselbe hat mithin die der Sterbefälle (109) um 83 überstiegen.

* Dille»,bnro, 16. August. Zu Ehren unsere« bisherigen Landraths, der jetzigen Polizeidirektors in Aachen Fromme, wurde, wie schon kurz gemeldet, ein F estko mmer« abgehalteu, zu dem eine große Zahl von Theilnehmern aus der Stabt unb dem Dillkreise erschienen war. In geistvoller, mit Humor gewürzter Siebe schilderte Forstmeister Blau die erfolgreiche unermüdliche Thätigkeit des Scheidenden als.ßanbratij des Dillkreises seit 1886 auf bei, verschiedensten Gebieten. Als ein Zeichen allgemeiner Ver­ehrung unb Dankbarkeit würbe Herrn Fromme eine silberne Platte überreicht, auf bet eine Ansicht bet Kreisstabt Dillenburg, be« Kreishauses, sowie bie Namen der Herren cingegraben sinb, bie bei bet Kreisverwaltnng dienstlich zu Herrn Fromme in Beziehung getreten waren.

* Kassel. 15. August. Heute unb morgen tagt hierselbst der 13. beutsche Sch neide ring. Die Versammlung wurde von dem Vertreter der StaatSrcgieruug unb der Stadt in entgegen­kommender Weise begrüßt. Nach dem Geschäftsbericht für die beiden letzte» Jahre hat der Verbattd eine Zunahme von 13 Innungen z» verzeichnen, sodaß derselbe jetzt au» 308 Innungen mit 10,666 Einzelmitgliedern besteht. Jakobskötier-Erfurt behandelte das neue Haudwerkergesetz, vor Allem bie Frage, ob Zwangs- ober freie Innungen vom Jnteressenstandpunkt bei Schuetderhanbwcrks zu empfehlen seien. Die Lerhaublungeu führten zu folgender Reiolutio»: »Der 13. deutsche Schneiderlag erkennt in dem neuen Jnnungsgesetz vom 26. Juli 1897 eine bessere Grundlage für baS Junungswese», iusbesoubere für Regelung bei LehrlingSwesen« an, begrüßtdieErrichtung vou ZwangSinnungeuund empfiehltben Kollegen, möglichst bald zu solchen zusammenzulreien. Wenn bie brutschen Schneidermeister auf dem Boden diese« Gesetzes mit aller Kraft die Hebung ihre« Standes anstreben wollen, so können sie niemals auf die obligatorische Organisation und die Einsührmtg de« Besähigungi-Nach- weife« verzichten und bitten den hoheti Reichstag und BundeSrath, mög­lichst bald die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen zu treffen. Möller-Dortmund trat zum Schutz von Forderungen gegen böswillige Schnlditer der Handwerker dafür ein, die Psiiudbarkeitsgrenze der Ein- fomme» von 1500 Mk. auf 1000 Mk. herabzusetzen. Die Versammlung beauftragte den Vorstand mit bet Einreichung einer Resolution in diesem Sinne. Die Schueider-Junnng zu Düren hatte beantragt, der Schueidertag solle über bestimmte Maßnahmen beschließen, wie »dem Henle leider so tief eingewurzelten Modn«, betreffend Detail- verkans von Tuchen Seitens der Fabrikanten und Großhändler an Private, thcils direkt vom Lager oder auch durch ihre Angestellten und Lageristen, Werkmeister und bereit Angehörige, am beste» ent- gegeuzutreteu fei, eventuell ob ma» eine Konvention zu beschließen beliebe, ähnlich ber vom Verbände benlscher Tuchgroßhäublet in biefer Angelegenheit beschlossenen. Diese Angelegettheit würbe dem Centralvorstanb zur weiteren Erwägung Überwiesen.

Ifc cw für bie Abend«Ausgabe bis 11 Uhr Vormittag«, für die Morgen-««sgabe bi« 3 Uhr Nachmittag«. Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

Anzergen-^mnnMr nächsterscheineiiden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

berget« hetvorklang. So ist denn auch der große Zweck, dem solche Verbandstage dienen, nämlich die gegenseitige Anregung, die gegen­seitige Belehrung r.:b der feste Zusammenschluß zu einträchtigem Wirken, durch diesen Stenographentag in höchstem Maße erfüllt worden. Ganz abgesehen davon, daß jeder der zum Verband Hessen und Nassau gehörigen Vereine eine Ehre darin sucht, bei einer derartigen Heerschau auf seinem Posten zu fein, und daß ferner schon bie reizvolle Lage Nauheims Biele zu einer Stenographensahrt dorthin bewegte, bildete einen Hauptanziehungspunkt der ganzen Ver­anstaltung ber Umstand, daß Herr Herinami Auerbach ans Köln, ein rühmlichst bekannter Schriftsteller und Kämpe der Gabels­bergersehen Schule, den Festvortrag übernommen hatte. Und man war nicht enttäuscht, nein, die kühnsten Erwartungen waren über­troffen durch die herrliche Siebuergabe Auerbach«, bet in seiner litt» begrenzten Begeisterung für Gabelsberger» Knust jeden Hörer mit Entzücke» erfüllen mußte. Da« war kein trockener wissenschaftlicher Vortrag, bas waren auch keine überschwänglichen fanatischen Redens- arten,foiibern das warechte inner sie Ueberzeugung, die in formvollendeter Weise vorgetragen den lässigste» Stenographen mit Schaffensmuth erfüllen mußte. Au« den gefchäftliche» Verhandlungen entnehmen wir die erfreuliche Thatfache, daß die Zahl der Verbaudsvereine binnen Jahresfrist von 18 -auf 38 mit 750 Mitgliedern ge­stiegen ist. Dieses bedeutende WachSihun, des jungen Verbandes ist nanientlich ber rastlosen, unermüblichen Thätigkeit seines Vorsitzenden, Herrn Karl Barthel in Frankfurt a. M., zu danken, dem begeisterte Ovationen bargebracht würbe». Mit dem Fest war auch eine gut beschickte interessante stenographische Ausstellung, sowie ein Preiswettschreiben verbünde», bei welchem als Sieger die folgenden Herren hervorgingen: Klasse I (80 Silben): Karl Göbel-Frankfurt a. M. 1. Preis, Wrlly Hirsch-Höchst a. M. 2. Preis, Wilhelm Psasf-Neu-Jienburg lobende Anerkennung. Klasse II (120 Silben): W. K. Meisel-Darmstadl 1. Preis, F. Morell-Darm­stadt 2. Preis, Will;. Stäber-Offenbach a. M. 3. Preis, Hermann Rau-Gießen lobende Auerkennung. Klaffe III (160 Silben): Will). Röper-Heddernheim 1. Preis, Otto Mandler-Gießen 2. Preis, Wild. Hotne-Höchst a. M 3. Preis, Wilh.Lowag-Frankfurta.M. lobende Auerkennung. Klaffe IV (200 Silben): Georg Potzler-Würzburg 1. Preis. Als Vorort wurde Frankfurt a. M. (Kaufmännischer Stenographeu-Vereiii) einstimmig wiedergewählt, während die Wahl de« Orte« für den nächstjährigen Verbandstag auf Grünberg in Oberheffe» fiel.

Poftvrrkestr. Vom 1. September ab können Postpackeie ohne Werlhaugabe unb ohne Nachnahme bis 5 Kilogramm Gewicht nach ber Republik Honduras direkt über Haniburg, anstatt bisher auf dem W-ge über England, versandt werben. Die Postpackete müffen franfiri werden; die Taxe beträgt 3 Mk. 20 Pi. für jedes Packet, lieber die sonstsgen Versenbungsbediugungen ertheileir die Postanstalten nähere Auskunft.

. Zur Adrrsstruug der M>riiöver-pvstsrndu»aen wird

geschrieben: Au« Anlaß der bevorstehenden militärischen Herbst» Übungen wird auf die Wichtigkeit der Anwendung richtiger und deut­licher Aufschriften bei den Manöver-Postsendungen hingewiesen. Zur genauen Aufschrift gehören: Familienname (möglichst auch Vorname, unter Um [tauben bie Drbiiungenunnner), Dienst­grad und Trupperitheil Regiment, Bataillon, Compagnie, Eskadron, Batterie, Kolonne re. nnb für gewöhnlich der ständige Earnifonort, eintretcnbtnfaü« mit dem Zusatzoder nachzusenden-. Die Angabe eint« Marschquartiers empfiehlt sich nur dann, wenn e« genau bekannt und vorauszusehen ist, daß die Sendung so zeitig an dem angegebenen Bestimmungs­ort eintrifft, um vor dem Weiterniarsch in Empfang genommen werden zu können, und daß die Abholung von der Post auch mit Sicherheit zu erwarte» steht. Da der Stab de» Regiments unb bie einzelnen Bataillone re. ihre Postsachen häufig bei verschied-nen Postanstalten in Empfang nehmen, so ist eine genaue unb richtige Aufschrift bei beit an bie Offiziere gerichteten Manöver-Postsenbungen ebenso imentbehrlich wie bei ben Wanuschastsseridungen. Durch mangelhafte ober ungenaue Anfertigung ber Aufschriften wirb die Abgabe der Senduitge» an bie Empfänger oft erheblich verzögert. Zur Vermeibung von Auslassungen in der Aufschrift unb zur Er­höhung ber Deutlichkeit empfiehlt sich die Verwendung von Brief­umschlägen mit entsprechendem Vordruck.

Uniform für die Gemeindesteuer. Nach einer Ver­fügung. die das König!. Latidraihramt biefer Tage erlassen hat, sollen alle Gemeinbediener im Landkreise Wiesbaden gleichmäßig uiiiformirt werden. Die Uniform hat zu bestehen in schwarzer Tuchhose militärischen Schnitt« mit kornblumenblauen Parpoils, Rock von dunkelblauem Tuch mit zwei Reihen Knöpfe», ebenfalls kornblumenblauer Einfassung, dnukelblanem Stehkragen, schwedischen Aufschlägen unb Achselstücken au« foriiblumtnblnuem Tuch, dunkel­blauer Mütze (Offizierrmütze) mit Schirm und kornblumenblauer PaSpoilirnug unb -üblich einem Füfilier-Offiziersäbel mit Unterkoppel.

Lür das Ztsmarck-Urnkmat gingen bei Herrn RegierringS- rath Kantel ein: von Herrn Rentner L. Wätjen 1000 Mk. (2. Bei­trag), von Ungenannt 30 Mk., von Herrn N. N. 100 Mk.

Kleine Uotlren. Infolge der großen Hitze stürzte gestern Nachmittag bas Pferd eines FuhrwerkSbesitzers vom.Linderithaierhof" bei Bierstadt und verendete binnen 2 Minuten am Nierenschlag.

Vereins - Nachrichten.

turir ia'LUch- «ertrpte werde» 6ereiiro:tiigft inner vieler aelendtrlfl aufgenemme*

* Die »T urngefellfchast" unternimmt nächsten Sonntag am 21. August er., einen FamilienanSflug nach Eltville in die Burg Craß. Dieser Punkt, ben sich bie Gesellschaft al» Ziel ihre« Aus­flugs ansersehen hat, ist ein herrliche« Fleckchen Erde und dürfte durch seine ausgedehnten Gätten und Saal-Lokalitäten selbst in diesem Sinne den weitgehendsten Ansprüchen genügen. Einen eigenen Reiz Wird die Veranstaltung dadurch gewinnen, daß sich dieHelgoläuder- Abtheilung de» Verein« daran betheiligt. Lauter markige, wettergebräunte und seefeste Turner, schiffen sich dieselben Nachmittags 3 Uhr 15 Min. am Onai Biebrich-Landungsbrücken an Bord de« eigen» für diesen Zweck gecharterten Schnelldampfers »Prinzessin Heinrich" ein, um nach längerer Seefahrt ebenfalls in Eltville zu landen unb bie Gesellschaft durch ihre Helgoländer' Natioiialläuze zu erfreut». Für weitere Unterhaltungen jeder Art hat die Lergnügungskommifsion in mehr wie genügender Weise Sorge getragen, unb ba Küche unb Keller be» Herrn Craß über jebe» Lob erhaben sinb, wirb auch bie gewünschte muntere unb feuchtfröhliche Stimmung nicht aurbleiben. Gemeinsame Abfahrt ist 2 Uhr 25 Min. mit der Rheinbahn. Freunde der Verein» können eingeführt werden.

* Der »Kaufmännische Verein Wiesbaden" veranstaltet am nächsten Sonntag, den 21. c., auf dem »Bahnholz" von Nach­mittag» 3 Uhr ab ein Familienfest. Für Unterhaltung aller Art, wie Konzert, Tanz, Spiele re. ist besten» gesorgt. Mitglieder, Freunde unb Gönner be» Verein» sind hierzu eingelaben.

Spanien und die Vereinigten Staaten.

Die Friebeusverhandliingeit zwischen Spanien unb den Ser« tätigten Staaten versprechen langwierig zu werde», den» trotz de« «tälintinarfrieben» find eine Anzahl streitiger Fragen von Be­deutung zu erledige». Spätesten» am 1. Ottober sollen die von Spanien und ben Vereinigten Staaten ernannten je 5 Delegirten in Pari« zusammentreten. Bei biesen Verhanblungen kommt freilich den Spaniern thatsächlich nur eine berathende, nicht eine beschließende Stimme zu, beim Spanien ist so grü üblich besiegt worden unb hat seine militärische Unzulänglichkeit so evident gezeigt, daß Proteste von spanischer Seite auf die Vereinigten Staaten keinen überwältigenden Eindruck machen werde». Die Hoffnung Spaniens beruht im Wesentlichen auf dem Beistand Frankreich», da» nach längerem Zögern mit feinen Sympathieen offen auf die Seite Spanien« getreten ist. Wir haben schon früher auseinanbergesetzt, daß e» sich hierbei nicht um irgend welche Geiühlspolitik und auch nicht um die Reklamation der Auiprüche Frankreich«, als spanische Vormacht zu gelten, handelt. Das Vor­gehen Frankreichs beruht in erster Linie darauf, daß das französische Kapitaliftenpublikutn in Spanien ganz außerorbentlich stark engagirt ist, denn der größte Theil der Staatspapiere diese» Lande» befindet sich in französischen Händen. In Frankreich tour somit ein starkes materielle« Interesse daran vorhanden, ben völligen Zusammenbruch Spaniens zu verhindern, ber aber bei einer Fortsetzung be« Kriege« unvermeiblich gewesen wäre.

Die wichtigste Frage, die bei ben Friebeusverhanblungen zu er­ledigen bleibt, ist bie künftige Gestaltung be» Schicksals bet Philippinen. Betreffs Portorieos unb bet Ladronen fetzt schon der Präliminar- frieben ausdrücklich die Abtretung an bie Vereinigten Staaten fest, wobei sich biefe bezüglich ber Ladronen bie Wahl Vorbehalten hoben. Auch über ba« Schicksal Cuba» kann kaum ein Zweifel bestehe», denn bie offizielle Annektion können bie Vereinigte» Staaten nicht vornehmen, nachdem sie wiederholt unb feierlich erklärt haben, baß sie ben Krieg unternahmen, um Cuba zu .befreien". Was später an« ber befreiten Insel werben wirb, ist eine Frage, über bie heute schon zu grübeln zwecklos wäre; eine starke Wahrscheinlichkeit ist jebenfall« vorhanden, daß einmal da» Protektorat ber Vereinigten Staaten eine Form annehmen wirb, für die man den einfacheren Ausdruck Aiiliektion bat.

Völlig unbestimmt aber ist im Präliminarfrieden bas Schicksal ber Philippinen geblieben. Derselbe beftimmt lediglich, daß ber Friebensvertrag bie Kontrolle unb bie Regierung der Philippinen genau bestimmen werbe. Ferner ist dekamit, daß die Inselgruppe eine autonome Verwaltung erhalte» soll, doch soll ein von Spanien zu ernennender Gouverneur die militärische Oberhoheit ausuben. Dann soll ein Zolltarif festgesetzt werden, der für Spanien unb bie Vereinigte» Staaten die gleichen Zollsätze bcfliinmeu soll, und endlich soll eine Festsetzung über ba« an Spanien abzutretenbe Gebiet er­folgen. Welche« unb ein wie großes Gebiet bie« Schicksal erfahren soll, darüber ist in dem Friedeusprotokoll nicht» festgesetzt; die beiden Grenzlinien für die» Gebiet nach oben unb nach unten sinb also bie Wünsche ber Amerikaner und die Möglichkeit, ihre Wünsche durch­zusetzen.

Mit der Monroe-Doktrin, wonach keine europäische Macht sich in amerikanische Angelegenheiten mischen dürfe, haben die Philippinen nichts zu thuu; ein Vorstoß ber Amerikaner nach biefer Richtung würde also zeige», baß fie bereit» über- bie Monroe-Doktrin hinan» eine aggressive Politik zu treiben beabsichtigen. E» heißt nun aller­dings, baß bie Amerikaner sich mit einer Kohleustation auf ben Philippinen begnügen wollen. In biefem Falle würde keine Macht sich durch ba» Vorgehen der Amerikaner beunruhigt fühlen könne». Sollteii diese aber weitergehende Absichten verfolgen, so würde damit ber Keim zu ernsteren Verwicklungen gelegt werden. Es liegt auf ber Hand, daß hierburch in erster Linie die Interessen zweier Mächte scharf berührt würben, nämlich Rrißlands unb Japans. In ber russische» Presse ist auch schon früher betont worden, daß eine Festjetzungber Amerikaner auf ben Philippinen für alle Staaten Europa«, bie in Ostasie» wesentlich intereffrrt sinb, namentlich aber für Rußlanb mit seinem großen ostasiatifchen Territorialvesttze, höchst bedenklich wäre, nmso mehr, al» bie Vereinigten Staaten, wenn über kurz ober lang ba» Atlantische Meer mit dem Stillen Dcean durch einen central- amerikanischen Kanal verbunden werden sollte, auch im Besitze diese» östliche» Zugänge» znm Stille» Dccan sich befinde» würden. Wen» die Vereinigte» Staaten wirklich aus ben Philippinen ein» aggressive Politik einleiten wollte», so stießen hier bie Interessen ber alten unb ber neuen Welt scharf aufeiuanber. Man wirb aber mit einiger Sicherheit anuehmen bürfen, baß in den Bereinigten Staaten keine Neigung besteht, eine Philippinenfrage ernstlich anszurollen »nd damit bie Gninblage zu internationalen Verwickelungen zu schaffen, die von viel weittragender Bedeutung wären, al» bet spanisch- amtrjfgnifdie Krieg.