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iesbilökmr Tilglilck

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Verlag: Langgasse 27.

15,500 Ahonneulen

1898

Dienstag, den 16. August.

378

Fernsprecher Ito. 52.

Fernsprecher No. 52.

Abend-Ausgabe

I.

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Hidigeigei in ScheffelsTrompeter von Säkkiugeu" seine Freude? Ein Schweizer Lehrer hat unter dem Pseudonym Muggi Mäusetod einen BandKaterlieder" gedichtet, die manches Hübsche neben vielem Absonderlichen enthalten.

Der französische Dichter Ronsard mochte die Katzen nicht leiden, während der Fabeldichter La Fontaine in sauer­süßem Ton von ihnen redet. Der Naturforscher Buffon hat über die Katzen sehr abfällig geurtheilt. Montaigne nnd Fontenelle dagegen ruhten sich von ihren Geistesarbeilen aus, indem sie mit ihren Katzen spielten. Der Finanzminister Colbert liebte es, bei der Arbeit Katzen um sich zu haben. Chateaubriand war ein begeisterter Verehrer der Katzen; sie waren ihm anhängliche Freunde, die er überall mitnahm. Als Gesandter in Rom erhielt er vom Papst Leo XII. als Zeichen besonderer Huld eine Katze zum Geschenk, der er noch an seinem späteren Lebensclende in Liebe und Zärt­lichkeit zngethan war. Er sagte zu einem Bekannten:Ich liebe bei den Katzen besonders ihren unabhängigen Charakter, der fast an Undankbarkeit grenzt. Die Katze lebt allein, bedarf keiner Gesellschaft und gehorcht nur, wenn es ihr gefällt. Buffon hat die Katze mißhandelt, ich aber suche sie zu rehabilitiren und hoffe, daraus ein geachtetes Thier, tin Modethier zu machen.-

Der große Minister Richelien hatte meistens ein Dutzend Katzen bei sich im Beit, mit denen er spielte. Zwei seiner Bedienten hatten für seine Lieblinge zu sorgen, die mit Hühnerfleisch gefüttert wurden. Er hinterließ seiner vierzehn Katzen und seinen Bedienten eine Pension. Alle seine Katzen hatten einen Namen: zwei derselben hießen Racan und Perrücke, weil sie in einer Perrücke des Akademikers Racan auf die Welt gekommen waren. Jean Jacques Rousseau hatte eine besondere Achtung für die Katzen,

Der schwäbische Dichter Möricke warf in späteren Jahren seine Zuneigung, gleich E. T. A. Hoffmann, auf das Katzen­geschlecht. Ein stattliches Katerthier war Ausgangs der sechziger Jahre sein Hausgenosse zu Lorch. Von seiner blendend schneeigen Farbe wurde er Weißling genannt. Das Ereigniß seines Lebens war ein lustiges Renkontre mit Moritz v. Schwind. Der Maler lag einsam in süßen Mittagsschlafträumen. Der Kater saß vor ihm und sah auf­merksam auf den voluminösen Bauch des Schläfers. Dort dünkte es ihm gut "sein, und mit graziösem Satze schwang er sich auf zur Höhe. Der Erfolg war ein Erwachen deS Löwen mit Donner, Blitz und Schlag, an den Kater Murr redivivus noch lange gedacht haben soll.

Die verstorbene Charlotte Wolter war eine große Thier­freundin. Sie hing lange Zeit an einem weißen Kater, Peter genannt, und ein Bildchen in ihrem Salon, gemalt von ihrem Galten, zeigte sie spielend mit dem zierlichen Thierchcn. DieKatzenbaronin" nannte man in München die Rittmeisterswittwe Freifrau v. Reitzenstein, die als Schriflsteller.n unter dem Namen Franz v. Nemmersdorf bekannt ist. Sie hatte in München ein Haus gekauft, in welchem sie nach dem Vorbild der englischen Gräfin Mary de la Torre ein großartiges Katzenasyl rinrichtete.

Heinrich Heine hat theils humorvolle, theils spöttische Katzenlieder gedichtet. Er schrieb eines Tages:Ich liebe die Weiber noch immer; als ich in Göttingen von allem weiblichen Umgänge abgeschlossen war, schaffte ich mir wenigstens eine Katze an." Goethe hat Mohammeds Katze in seinemWestöstlichen Divan" besungen, und man könnte schon eine ganze Anthologie mit Katzenliedern und Gedichten füllen, von den dramatischen Katzenstücken ganz zu schweigen. Wer hätte nicht an den behaglich philosophirenden Kater

(Nachdruck verboten.)

Berühmte Katzenfreunde«

Plauderei von I. Eltz.

Große Katzenlicbhaber hat es zu allen Zeiten gegeben, und die Geschichte der Katzen weist nicht wenig berühmte Namen auf. Viele Dichter lieben die Katzen.Wenn ich weinen Hund und meine Katze nicht hätte, wüßte ich kaum, wie ich leben sollte." So soll der englische Volksdichter Ebenczer Elliot gesagt haben. Fräulein A. Engel meint, ' man könne diese Worte nicht übertrieben finden, wenn man sehe, wie die einsamen Größen, unverstanden von den Mit- meufchen, nach dem Umgang der Thiere verlangen. Die Dichter haben das, was ihre vierbeinigen Freunde ihnen ~ gewesen sind, ihnen gedankt, indem sie sie unsterblich gemacht haben. Wer kennt nicht den Kater Murr des Hoffmann in zWahrheit und Dichtung," den treuen Katergenossen, dessen Tod den kranken Dichter mit so hoffnungslosem Schmerz M»erfüllte? Auch Lessing hatte einen solchen Gefährten aus dem M. Geschlecht der Katzen auf seinem Schreibtisch. Als derselbe I ihm einst ein Manuskript verdorben hatte, begann der Dichter [ mit der zornloscn Ruhe eines Weisen die Arbeit von Neuem.

Warum Jakob Grimm eine Katze hielt, erfahren wir aus r nachstehendem, an Fräulein Charlotte Ramus in Kassel ge- | richteten Briefe:Kassel, den 5. Dezember 1817. Werth- f geschätzte Freundin! Da es mir die Mäuse tagtäglich ärger | machen und sogar Bücher fressen, die ich erst noch besprechen | soll, so bin ich Willens, eine Katze in Dienst zu nehmen; I könnten Sie mir nicht eine wohlerzogene und hoffnungsvolle | verschaffen? Dieselbe hat zeitlebens Brod und Milch bei mir I »nd wird anständig behandelt. Ich bin und bleibe Ihr | ergebenster Freund Jakob Grim».-

(Nachdruck verboten.)

Der Zustand der franzöfischen Kandes- vertheidigmig.

Unser Pariser s-Korrespondent schreibt uns: Der Tod -es eisernen Kanzlers hat tagelang die Spalten der franzö- fischen Blätter gefüllt; ausführliche Lebensbeschreibungen, E Neminiscenzen an einzelne Episoden des weltgeschichtlich so bedeutungsvollen Lebenslaufs und immer neue Entlehnungen aus dem reichen Anekdotenschatz, zu dem die Originalität des ' großen Staatsmanns Stoff geboten wechselten im bunten Dmcheinander, von mehr oder minder gelungenen, ernsten und humoristischen Zeichnungen illustrirt. Nun, da der Gcgen- | stand in seiner unmittelbaren Form erschöpft ist, kommt er in einer gedanklich zusammengesetzteren wieder zum Vor- schein. Der deutsch-französische Krieg und die Niederlage Frankreichs, die mit der Erinnerung an Bismarck unlöslich verknüpft sind, wecken Betrachtungen über den gegen­wärtigen Wehrstand des Landes und verleiten zu Untersuchungen, ob der letztere auch den Gefahren eines künftigen Waffenkonflikts gewachsen sei, mag diese Gefahr nun auf dem europäischen Kontinent von dem kriegerischen Sinne deS deutschen Monarchen stammen, oder jenseits des OceanS der wachsenden, zu einer Militärmacht sich ent­wickelnden Bedeutung der Vereinigten Staaten entsprießen. Die ersten Jahre nach dem Kriege wurden der Umgestaltung der militärischen Macht, der Befestigung der neuen Ostgrenze gewidmet. Ein Zeitabschnitt von zehn Jahren schien für diese Arbeit nicht zu karg abgemessen; nun sind noch : 17 Jahre darüber verflossen, und die Frage ist wohl be­rechtigt, wie daS Ergebniß der vereinten Bestrebungen des Landes ausgefallen sei? Wird diese Frage an die kleinen - Leute gerichtet, an den über die Erdscholle gebeugten Land­mann, an den Arbeiter, der in der Feuergluth der Werk­stätte oder im Dunkel des Bergschachts sein müh­sames Leben fristet, ihre von der Logik des ge­sunden Menschenverstandes eingegebene Antwort wird uuzwelfelhaft günstig lauten:Wir geben alljährlich eine halbe Milliarde dem Kriegsministerium und ebensoviel für die Flotte. Alles, was dem Lande an Menschen und Geld abgefordert wurde, gab es willig her, kein Opfer war seinem Patriotismus zu hoch; wir haben nun das Recht zu glauben daß Frankreich, gegen jeden äußeren Angriff geschützt, aus einem eventuellen Kriege mit Ehren hervorgehen würde, daß eS unbesiegbar sei.- Doch der wirkliche That- bestand ist oft von der Logik des gesunden Menschenverstandes himmelweit entfernt, und wenn das vertrauensselige Volk die Zeitschriften lesen könnte, in denen die Fragen der Landesvertheidigung vom theoretischen und technischen Stand­punkte behandelt werden, seine Sicherheit würde sich in be­ängstigende Unruhe verwandeln. Vor Kurzem hat die Revue de Paris- einen Vergleich zwischen den französischen und deutschen Festungen an der Ostgrenze durchgeführt, und als deren Ergebniß festgestellt, daß die ersteren einem Bom­bardement nicht Stand halten würden, die letzteren aber unbezwingbar seien. Und cs gab in dieser Untersuchung so

kann. Nicht viel länger als ein Vierteljahr hat der Krieg gedauert. Am 16. April nahm der Senat und am 18. da- Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten die Nesolutiort an, welche von Spanien die Unabhängigkeit Cubas forderte. Am 20. April theilte die amerikanische Regierung dem spanischen Gesandten diese Beschlüsse mit, woraus dieser sofort seine Pässe forderte. Am 21. April stellte dann die spanische Regierung dem amerikanischen Gesandten die Pässe zur Verfügung, war die von Spanien ans erfolgte Kriegserklärnug bedeutete. Alsbald begann von amerikanischer Seite aus der mit großem Erfolg ins Werk gesetzte Kaperkrieg, obwohl eine offizielle Kriegserklärung noch nicht vorlag. Vor dieser KriegSerklärnng, die von den Amerikanern aus völkerrechtlichen Gründen nachträglich noch erlassen wurde, fand auch bereits der glänzende Seesieg der Amerikaner unter Deweh über die spanische Philippinenflotte bei Cavite statt, die eine so außerordentliche lieberlegenbeit der Amerikaner zur See zeigte, daß mau damals schon den Krieg im Wesentlichen als entschieden anseheu konnte. Diesem Siege, der bereit» am 1. Mai erkochten wurde, folgte dann nach einer Reihe nicht allzu bedeutender Kämpfe, die zu Laude auf Cuba und den Philippinen auigefochlen wurden, am 3. Juli der entscheidende Schlag, de» die Amerikaner den Spaniern durch die Vernichtung der Flotte Cerveras zukügten. Damit mar der Krieg thatsächlich entfdjicbui, denn wenn sich da- spanische Landhcer, das allein die spanische KriegSehre gerettet hat, and) noch eine Zeit in den Kolonieen hätte halten können, so hätte es sich hier doch um nutzlose Opfer gehandelt, denn der Zeitpunkt war mit Sicherheit vorausznsehen, wo die Spanier ans Mangel an Lebensmitteln, da ihnen die Znfuhr überall abgeschnitten war, die Waffen Härte strecken müssen.

Aber auch in Amerika hat man alle Ursache, die Beendigung des Krieges mit Befriedigung zu begrüßen, beim bie amerikanischen Laubtrnppen waren zuletzt sowohl auf Cnba wie aus den Philippluen in eilte sehr gefährliche Lage gerathen, woran freilich nicht die Spanier, sondern das mörderische Klima und die nngüustige Jahres­zeit Schuld waren. Dies und die schweren geschäftlich«! Verluste, die der Krieg beu Amerikanern zufügte, bewogen sie denn auch, auf die FriedeuSverhandlungen schneller einzugeben, als eS die noch kurz vorher zur Schau getragene Haltung vermuihen lassen konnte. Wenn jetzt der Krieg beendet ist, so sind es damit freilich noch keineswegs die zahlreichen schwierigen Fragen, die der Krieg aufgeworfen hat, und bereit schwierigste die Gestaltung beS Schicksals der Philippinen ist. So ist bem schnell zu Ende gegangenen Kriege noch ein ernst­haftes diplomatisches Nachspiel beschieden, da» von nicht geringerer, ja, vielleicht noch größerer politischer Bedeutung ist als der Krieg selbst.

Deutsches Keich.

* Kof- und Personal Nachrichten. Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein trifft, Ivie der,Voss.Ztg." aus Brüssel gemeldet wird, mit seiner jungen Gattin, Prinzessin Dorothea, am 21. ds. in Brüssel ein, um dem belgischen Königs­paare einen Bestich abzustatten. Das junge Paar nimmt im könig­lichen Schlöffe Wohnung. Der Hof bereitet ihm zu Ehren große g-efllid)feiteii vor. Prinz Albrecht von Preußen, Regent von Braunschweig, wird am 30. und 31. d. M., wie derHamb. Kvrresp." meldet, als Gast des Senats in Hamburg weilen. Wie aus Shangt) aijiemelbet wird, hat Prinz Heinrich auf derDeutschland" von Sachalin aus die Weiterreise nach Wladiwostok angctreten. Graf v. Nesselrode-Ehveshoven, der Ober- Hofmeister der Kaiserin Augusta, ist im 81. Lebensjahre gestorben.

* Marine. Die beschlossene Vermehritiig der deutschen Schiffe erforbert auch eine Vermehrung des Flottenpersonals. Die Zahl der eingestellten Schiffsjungen ist daher in diesem Jahre um die Hälfte, von 300 auf 450, verm.hrt woiden, während gegen 81 Kadetten im Vorjahre in diesem Jahre 108 ausgenommen worden find. Die Vermehrung beträgt hier also ein Drittel.

* Kismarckfrlrr. Bei Wiederbeginn de» Unterrichts in den fämnitlidjen Staatsschulen nach den Ferien fand auf Verfügung des Senats von Hamburg eine kurze Feier statt, in der die Ver­dienste des Fuisieit Bismarck in angemessener Weise gewürdigt wurden. In Gera (Renß) fand am Montag in allen Schulen de» Fürsteuthums eine Gedenkfeier für den Fürsten Bismarck statt.

Der Friedensschluss.

Durch die am Freitag Nachmittag in Washington erfolgte Unter­zeichnung des Präliminarfrieden» zwischen Spanien und den Ver­einigten Staaten und die im Anschluß daran vollzogene Einstellung der Feindseligkeiten ist der Krieg zwischen den beiden Ländern that­sächlich und endgültig beendet worden. Zwar ist schon des Oesteren ein Präliminarfrieden zu Stande gekommen, bem nachher der end­gültige Friede nicht folgte, weil der unterlegene Theil bei den nach­träglichen Verhandlungen Schwierigkeiten machte. Das ist aber in diesem Falle nicht zu besorgen, beim Spanien hat einmal nicht die Mittel, um den Krieg ernsthaft sortznsetzeii, und zweitens muß das Land alle ihm noch gebliebenen Machtmittel zur Ver­fügung haben, um der bedrohlich gärenden Bewegung im Innern Herr zu werden.

Der für Spanien unglückliche Ausgang der Kriege» hat Niemanden überraschen können, den» für jeden Benrtheiler, abgesehen von dem größten Tbeil der Spanier selber, stand er von vornherein fest, daß Spanien weder an militärischen noch an finanziellen Mitteln den Vereinigten Staaten derart gleidjtam, nm mit irgend welcher Aussicht ans Erfolg den Wasfengang wagen zn könne». Vielleicht, ja wahrscheinlich, hatte mich ein nicht »»erheblicher Tbeil der verantwortlichen Männer in Spanien diese Ueberzengimg, aber auch eine Regierung, die den Ausgang de» Kriege» voraussah, hätte ihn vielleicht nicht vermeiden können, da sie auf die Stimmung im Volke Rücksicht nehmen mußte, die damals noch jedes Nachgebeu und Zurückweicheu mit dem Sturz des Kabinett» beantwortet hätte, dem sich nur zu leicht der Sturz der Monarchie hätte anschließen können. Jetzt hat das Kriegsunglück die Spanier mürbe gemacht nnd den einst sprichwörtlichen Stolz der Nation derart gedämpft, daß irgend welche gefährlichen Ausbrüche diese» Stolze» nicht mehr zu be­fürchten sind.

Und der Verlauf de» Kriege» berechtigt die Spanier in der Thal zn keinerlei Stolz, auch nicht zu dem de» mit allen kriegerischen Ehren unterlegenen Gegners. Denn wenn auch Niemand die Tapferkeit und die anßerordentlicheEnergie verkennen wird, mit der die Spanier sich geschlagen haben, so ließen sie es doch andererseits an jedem Zielbewußtsein und jeglicher Energie in der KriegSsührnng fehlen, wenn man bei diesem blinden, planlosen Uniherlappen, bas Alles dem Zufall überließ, überhaupt von Kriegsführung spreche»

Anzetgen-P reist

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige «tyeigen 25 Pfg. Reklame» die Petitzeile für Wiesbaden 60 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

<1 für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen znr

-jUlHllljlllt nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

viel genaue, fachmännisch unwiderlegliche Angaben und so viel Müßigkeit in der Ausdrucksweise, daß man den Autor weder der Inkompetenz noch der Uebertreibung beschuldigen konnte. Fast gleichzeitig erschien in derRevue des deux Mondes" eine Abhandlung:Etudes sur la Marine de guerre, in welcher der Zustand der französischen Kriegsflotte als ein entschieden niedrigstehender und un­günstiger hingestellt wird. Eine Bestätigung dieser Behauptungen gaben in den letzten Tagen die Berichte der nach Brest entsandten Korrespondenten, die einer vom Flottenminister Lockroy durchgeführten General-Inspektion beiwohnten.Es fehlt an Menschen und Kanonen";die Vertheldigung von Brest ist bei diesem Stand der Dinge vollständig ungesichert";wir haben 800 Mann an Punkten, wo ihrer 3600, 4 Batlerieen, wo deren 12 sein sollten." Und dieAgence Havas" hat diese Auskünfte ernst genug befunden, um sie zu wieder­holen. Man erwartet, daß die neue Kammer, die so kläglich begonnen, sich die Achtung wiedergewinnen werde, indem sie die wichtige Frage der Landesvertheidigung einer ernsten Betrachtung unterzieht. Hatte Frankreich Im Jahre 1870 für die Tollheit, mit welcher es sich in den Krieg stürzte, als Entschuldigung die Erinnerung an die vergangenen großen Siege, welche Rechtfertigung könnte es im Fall einer neuen Niederlage vorbringen nach der harten Lehre, die es vor 27 Jahren erhalten?

46. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezngs-PreiS: durch den Verlag SO Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.