Einzelbild herunterladen
 

iesbademr Sagblatt

Slnzeigen-PrelSr

r

Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

für die Abend-Ansaabr bis 11 Uhr Vorniittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Arteigen-AnnahmezchstscheinendeuAusgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

1898

Sonntag, den 14. August

Fernsprecher Me. 52

Fernsprecher Ro. 52.

Morgen »Ausgabe

und fuhr in

ang kann dann allerdings sich Tausende vieler Fälle

e 7

e t t $ r

r.

r.

«6. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. vezugs-PreiS: durch den Verlag 50 Psg. monatlich, durch die Post 1 Mk. GO Psg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Die einspaltige Pekitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

(Nachdruck verboten.)

Ans der Keichs Hauptstadt.

Von A. LilviuS.

(Es ist Alles da. Theater und Fahrrad. Radlerparagraphen im Theaterkontrakt. Da» Seldstverschulden. Radlerkaution. Falsche Prämisse. Unsallmöalichkeilen. - Die Tollwuthstation. Wie wird Berlin die schönste Stadt der Welt?" Die Ver» irgungSgelüste des Fiskus. Maffen-Jnterview. Bolle, Siemen», Schmitz. Allerlei Vorschläge. Der wehmüthige Hclmerdiug.

Der abgelehnte Konservator.)

Aus Stadl und Land.

Wie» baden, 14. August.

GeschlchtsKalender. 14. August. 1319. Waldemar, Markgras von Brandenburg, f. 1823. G. o. Stichle, preußi.cher General, » Erfurt. 1841. I. F. H-rbart, Philosoph, f Göttingen. 1838. JohS. Trojan, Schriftsteller, * Danzig. 1862. Prinz Heinrich von Preußen, Seemann, *. 1865. Vertrag von Gastein zwischen Preußen und Oesterreich über Schleswig-Holstein. 1870. Sieg der Deutschen über dieFranzosen bei Colombey. 1870. D.G.Farragut, nordamerikauischcr Seeheld, f Portsmouth. 1876. Alexander, König von Serbien, * Belgrad. 1878. W. Rustow, Geschicht­schreiber, t (Selbstmord) Zürich. 1880. Vollendung de» Seiner Dom?. 1897. A. F. Holmgren, schwedischer Phystolog, f Upsala.

Daß der Noblesse in der Politik keine Berechtigung zukommt, diesen Slandplinkt vertreten mit noch nackterer Deutlichkeit, mit noch verwerflicherer Schroffheit die Karlisten lind Republikaner in Spanien, die sich da« Unglück ihres Vaterlandes zu Nutze macheii, um ohne Rücksicht auf die dadurch ihrem Lande zngefügle Schwächung ihre eigenen unlauteren Ziele zu verfolgen. Diese drohende Haltung der Uiirnbflifter im Lande zwingt Die spanische Regierung, wider­standslos auf alle ihr von den Verciniglen Staaten auferlegten Bedingungen einzugehen, denn Alles kommt jetzt darauf an, die äußeren Schwierigkeiten so schnell als möglich deizulegen. Damit Straft für die Bezwingung der inneren Schwierigkeiten gewonnen werde. Diese prekäre Lage im Inner» ist auch Die beste Bürgschaft dafür, daß Dem Präliminarfrieden bald der endgültige Friedeii folgen wird, denn wie hart auch Die von Dem siegreichen Gegner diktirten Bedingungen sind, angesichts der finanziellen Zerrüttung und der revolutionäien Bewegungen bleibt dem Lande nichts übrig, als fein Geschick mit Ergebung hinzunebmen.

Wenn Drohungen mit Pulver gefüllt mären und Reden so scharf schössen al» unsere modernen Riesengeschiitze, dann, aber auch nur dann, wäre die Befürchtung gerechiserligt, daß dein spanisch- amerikanischen Kriege demnächst ein anderer noch blutigerer folgen könnte, ein W-ffengang zwischen den beiden eifrigsten Rivalen in Europa, zwischen Rußlaild lind England. Rußland tritt in China mit jener Rücksichtslosigkeit auf, durch welche sich die moskowiuiche Politik von jeher ausgezeichnet hat, und es nimmt weder aus die englischen Wünsche noch aus Die englischen Drohungen irgeuD welche Rücksicht. In EnglanD ist man mit Dem kühnen Wort schnell fertig, aber Die russische Politik glaubt, au» Dem bisherigen historisch ge­wordenen Verhalten Englands ans dessen zukünftiges schließen zu kSniien und es gebt über alle Einsprüche England? laltlächelnD zn r Tageso rD n u ng über Dieser Schluß nach Analogie Dürfte nicht unberechtigt fein und die englischen Drohungen Dürften aller Wahrscheinlichkeit nach Drohungen bleiben. Der GrnnD Des englisch-russischen Konflikts entbehrt nicht eine» gew ssen Humors. Rußland will De» Chinesen Geld vorstrecken und EnglanD will dasselbe, keiner aber will, daß Der andere es lbue. Dieser Eifer im Geldborgen ist rührend »ud ungewöhnlich. Der gelDbedürstige Sohn des Himmels würde am liebsten zu beiden sagen: Pump mir Moos und sei mein Freund! Aber er weiß, daß diese Freiindschaft eine sehr eigennützige tlt, und daß sie für ihn trotz aller Vorschüsse eine rechtthcure" Freniid- schaft werden wird. Doch, wie dem auch sei, die Aiinahme ist gerecht­fertigt, daß trotz aller kriegerischen Drohungen Englaiids diese Vor­schüsse nicht etwa zu - Schüssen führen werde»._____________

heißt .selbstverschuldet?" Der gesittete Radler verschuldet einen Uvsall nie selbst. Die Möglichkeit des Verunglücken» ist bei einer Droschkeiisahrt ebenso groß als bei einer Radsahrt, beim es gehen, wie aus der Statistik der Unfälle leicht ersichtlich, mehr Pferde mit ihre» Droschke» als Radler mit ihrem Rade durch »itd es kotumen weit mehr Droschken-Pserde- und elektrische Bahnzusanimeiistöße vor al» Nadlerkarambolagen. E» werden auch, wie das Polizei- Präsidium erst jüngst in einer osfiziösen Anslassnng hervorgehoben hat, mehr Personen durch Vierräder al» durch Zweiräder überfahren. Die Möglichkeit, ztt verunglücken, ist hentzttiage ebenso groß wenn man einen elektrischen Wagen benutzt, wie wenn man ein g'lab besteigt. Man kann schließlich auch über eine Obstschale falle» und dieser Fall wäre auch selbstverschuldet, denn man hat doch zwei Augen und kann sehen, ob die Fahrlässigkeit Anderer einem Schaden auf Den Weg gestreut hat. Es ist charakteristisch, daß in dem Augenblick, wo Die Radlerparagraphen bekannt werden, da» Polizei-PräsiDittm eine Verfügung gegen Die kleinen Wotorgesährte (Drei- und VierräDer) veröffentlicht. Die oft [0 schnell gesteuert toerDen, Daß Die PferDe scheuen unD Durchgehen. Wenn nun ein TbeatermitglieD gerade in einer mit solch scheu ge­wordenen Pferde bespannten Droschke sitzt!? Das Thema ließe sich noch bis ins Unendliche ausdehnen und variiren, man braucht nur auf ein anderes Gebiet hinzulenken, wozu Die bei uns in Den Kochschen Baracken eingeführte Tollwuthstation Anlaß giedt. Plan beDenfe Die kolossale Hitze Der letzten Tage, nehme an, ein Bühnen­künstler hat einen HutiD, der Hund wird toll, beißt bett Mimen und dieser muß sich sofort in Die Kochschen Baracken begeben, um sich nach Pasteurscher Methobe impfen zu laffen. Die in ihn gefahrene Tollheit verbietet Da» Auftreten am Abend,denn solch gebissener Mime könnte aus Dem Emanuel ©triefe plötzlich Den Hamlet machen.

Das Neue in Berlin ist nicht immer gut. Liefe» Uebel theileu wir mit anderen Großstädte» auch. Wir leben allerdings in einer Zeit in der das Augenmerk Der Dazu Auserwählten nur auf Die Lösung Der Frage gerichtet ist: .Wie roirD Berlin die schönste Stadt Der Welt?" um die Worte De» Kaisers in Erfüllung gehen zu lassen. Merkwürdig aber, Daß gerade in dieser anstrebenden Verschönerung-Periode Die VerlegungSgelüste des preußische» Fiskus immer lebhafter werden. Es muß nämlich außerhalb der Berliner Mauern ganz eigenthümlich berühren, daß große Berliner Institute nicht in Berlin liegen. E» sei nur Die Technische Hochschule genannt, die in Charlotienburg sich befindet. Der Botanische Garten wird soeben nach Dahlem bei Steglitz verlegt und nun soll auch die Königliche Bibliothek ihr AuSweisungsdekret erhalten. E» ist zu befürchten, daß die .Verlegungsgelüste" de» Firku» noch lange nicht befrieDigt sind, und daß Institute und öffentliche Bauten in Berlin selbst an Zahl sehr abnehmen, während sie um Berlin herum zur Verschönerung der Vororte neu erfteben und sich rasch ver­mehren. Diese Acra fiskalischer Terrainspekulationen steht aber sicher in einem scharfen Gegensatz zu den Bestrebungen, .Berlin zu der schönsten Stadt" zu machen. ES ist zur Lösung dieser

lich begrüßt, den Rhein hinab gen Köln. Nachdem auch Der König eingetroffen war, redete Gager» denselben in verbindlicher Weise an und stellte ihm einen Theil der Abgeordneten vor. Der König antwortete recht deutlich:Seiert Sie überzeugt, daß ich nie vergessen werde, welch ein großes Werk zu gründen sie berufen sind, wie ich überzeugt bin, daß Sie nie vergessen werden, daß e» in Deutsch­land »och Fürsten giebt und daß ich einer von ihnen bin." Der Mißton, Der hierdurch in Die Feier geworfen wurde, wurde etwa» gedämpft, als der König bei einem am folgenden Tage stattfindeuden Festmahl Die Nationalversammlung hochlebcn ließ. Jmnierhitt konnten die Klügeren in der Versammlung sehen, daß die Zeit vorbei war, wo die Naticnalversammlung hätte Verfassungen und Gesetze befretiren können.

o- Personal-Nachrichten. Herr Oberbürgermeister Dr. d. Shell ift von seiner Erholungsreise zuruckgekehrt und hat seine Dienstgeschäste wieder übernommen.

Walhalla Theater. Das Walhalla-Theater öffnet nach Der kurzen Spielpause Dienstag, den 16. August, wieder feine Pforten. Zum Beginn de» zweiten SpieljahreS ist miedet ein auserlesenes Programm ziifamuiengestellt Wörben, das bett beste» des ersten Jahres nicht nachstehen wird. Hervorragende» Interesse dürften besonders das berühmteste und »heuerst- Pariser Duett Bianca-De»rocheS,die Darstellung leben bei Bilder durch Die Baronin v. Mitacor, da» Original« Deltorelli-Trio mit feinen brillante» komisch»musikalischetl Phantastereien und die Geutleman-Akrobale» De Fidardi mit neuen, verblüffenden Tric» finde». Das Fach bet Soubrette ist durch Fräulein Tilly Verbiet aufs Beste vertrete» 2C. Auch in der neuen Spielzeit wirb Da» Theater nach ben Gnmbsätzett geleitet werden, die sich im ersten Jal,t bewährt hoben. E» totrö im künstlerischen wie im kulinarischen Theil nur Gutes und Beste» geboten werden, sodaß baS Walhalla-Theater ein LieblmgSort der Unterhaltung und Erheiterung für alle Kreise, für Einheimische und Fremde, nicht zum Wenigsten auch für die Familie bleiben wird.

Todesfall. Gestern Vormittag starb plötzlich Herr Lande»« bank-Vuchdalter Christian B » n D. Derselbe stand mehrere Jahr» zehnte im Dienste der Nassauischen Landesbank und galt als tüchtiger

^Krirftaudenlport. Die Taube» de» Brieftauben-Klub» Pfeil" wurden «ach einer Jnternirnug von 8 Tage» i» Straß« bürg (170 Kilometer Luftlinie) von der Kaiserlichen Fortifikaiion bortielbft am 1. August, Morgen» 7 Uhr, bei klarem Wetter und leichtem Nordwest Winde in Freiheit gesetzt. Die erftett Taubeii träfe» bereits um 10 Uhr 30 Minuten mit einer Fluggeschwindigkeit von 950 Meter per Minute hier ein. Von Den ausgesetzten Preisen erhielten Herr K.Seel jr. de» 1., 10., 12., 13., 16., 17., 19., 20. Preis, Den 1. unD 4. Ehrenpreis und Dyi Ehrenpreis für Gefammtleistung, Herr I. Prätoriu» den 2., 4., 5., 6., 8., 14 , 18. Preis, Den 3. Ehrenpreis unD Den Ehrenpreis (silberneVerbanDSmedaiUe) für Die Drei zuerst eingetroffene»Tauben, Herr H. Kreuter den 3., 7., 9., 11. Preis und 2. Ehrenpreis, Herr K. Eichhorn den 15. Preis.

- Die Turnerbnndev sahne. DieBundesfahueder Deutschen Turneischaft, die nach Beendigung d-S neunten Deutschen Turnfeste» bis zu dem künftigen BuiideSfest in Der Aufbewahrung Der Ham­burger Turnerschaft verbleibt, ist gegenwärtig, wie aus Hamburg geschrieben wirb, im bortigen Museum für Kunst unD Gewerbe aus­gestellt »ud erregt Daselbst bieAufmerksamkeit Der Sefudjer im hohen Grad. TaS prächtige Banner, Das au» einem Wettbewerb hervor- gegaugcn ist, an dem sich achtundvierzig Künstler b-lheiligt hatten, ist gelegentlich Des i» Franksurt a. M. im Jahre 1880 ab­gehaltenen Turnfestes der Turnerschaft überreicht worbe». Ztt Dem Banner sind bei verschiedene» Gelegenheiten FestbänDek gestiftet worden, welche, Da sie Die Fahne allzusehr belastetest.

Uolitische Ueberficht.

sK- Durch die Veröffentlichung DesEntlaffurigSgesucheS Des Fürsten Bismarck hat sich aufs Neue der Streit um die viel erörterte Rabinettsorbre vom Jahre 1852 erhoben, welche Die Stellung de» Ministerpräsidenten in Preußen regelt. Äon Der einen Seite wird mit Entschiedenheit behauptet, daß jeneKabinettsordre, die tu letzter Linie zum Rücktritt Des Fürsten BlSmarck führte, noch unverändert in Geltung fei. Von einer anDeren Seite dagegen. Die sich wr be­sonders gut unterrichtet ausgiebt, wird mit nicht geringerer Entschieden­heit behauptet, daß jene Kabinettsordre aufgehoben, aber durch eine andere ersetzt worden sei, die in sachlicher Beziehung im Wesentlichen mit jener übereinstimme. DaS Merkwürdige an Diesem Streit ist, daß wir von einer Angelegenheit von so hoher staatsrechtlicher Be» Deutung resignirt gestehen müffen: Nichts Genaue» weiß man nichtI Dieser charakteristische UmftauD ist, wie gesagt. Das BemerkenS- werthcstc an Dem Streit, Der sich über Die Kabinettsordre erhoben hat, Denn die sachliche Bedeutung Derselben toitb immerhin nicht allju sehr überschätzt werden bürfen. Die KabinettSortre hat bereits unter Friedrich Wilhelm dem Vierten bestanden, aber sie hat baS unheimliche und staatsgesährliche Treiben der berüchtigten Kamarilla Nicht zu verhindern gemocht Für einen seine Umgebung so über­ragenden Staatsmann, wie es Fürst Bismarck gewesen ist, bedurfte es dagegen der Kabinettsordre nicht, um seinem Willen dem Kabinett gegenüber Geltung zu verschaffen, und in Der zbat ist Fürst Bismarck aUer Quertreibereien nicht mit Hülse Der Kabinetts» ort re, sondern durch seine machtvolle Persönlichkeit Herr geworden. Wird sich somit die praktische Bedeutung der Kabinettsordre sehr nach der Persönlichkeit richten, zu bereu Gunsten sie gehandhabt wird, so liegt Doch ein unDertenubate» und dringende» Interesse für die Oessentlichkeit vor. Darüber in einer jeden Zweifel au«» schließende» Weise unterrichtet zu werte», wie zur Zeit die Be- fugnisie be» preußische» Ministerpräsidenten sowohl dem Kabinett als dem Staatsoberhaupt gegenüber geregelt sind.

Trägt bei un» die Erörterung staatsrechtlicher Fragen einen mehr akademischen Charakter, so haben derartige Frage» in unserem Nadcharstaat Oesterreich eine eminent praktische und verhaugnißvolle Bedeutung erlangt. Der Streit um bie oltroirte» und gesetz­widrigen Sprachenverorbnungen ist nicht nur um keinen Schritt keiner Lösung näher gerückt, sondern es fehlt auch an jeder Aus­sicht, Daß dies in absehbarer Zeit geschehen werde. Die Frage der Sprachenverordiiungen würbe Dem bock) nur von der Hand in den Mund lebenden Miiiisteipräsidenten garnicht als so dringlich er­scheinen, wenn nicht die vollberechtigte Obstruktion der einig ziifammeustehenden Deutschen bie Herbeiführung des Aus­gleich» mit Ungarn unmöglich mochte und Die Gefahr Der e wirthschaftliche» Trennung Der beiDen Reichshälften immer näher heranrückte. Die Hoffnung Der Deutschen, daß Graf Thun W- hierbei bnrdj eine stieng verfassungsmäßige Haltung Ungarns gezwungen werden würde, Die berechtigten Forderungen Der Deutschen zu befriedigen, sind schmählich getäuscht worden, denn m Ungarn,

t. wo man sich bisher als den Hüter Der Verfassung auf spielte, kennt

man nur da» eine Bestreben, bei den Wirren in Oesterreich mog- S lichst viel heranszuschlagen. Den Regungen de» Geldbeutel», des

eigene» materiellen Vortheil» gegenüber find bei den ungarischen Politikern alle Regungen der Gerechtigkeit verstummt und die l ungarischen Staatsmänner scheuen sich nicht, ihren österreichischen Kollege» als probates Mittel ben Staatsstreich z» empfehlen. Alle» zur höheren Ehre De» ungarischen ©cIDbeiitel», der in der jetzigen verworrenen Lage Aussicht hat, beim AuSgleichSabfchluß mit Oesterreich die größtmöglichste Schonung z» erzielen.

Uor 50 Jahre». 14. August. Am 15. August sollte in Köln eine Tomfeier stattfinbeu, bei welcher ber König von Preußen und ber Reichsverweser erscheinen sollte» unb zu ber and) Die Paulskirche eine Einladimg erhalten hatte. Ungeachtet Des Einspruches Der Linke», beschloß ein großer Theil Der Versammlung beider Feier zu erscheinen " i» Dampfern, auf der ganze» Fahrt von den Ufern her freuud-

Fiage wieder ein Maffen-Jiiterview in» Werk gesetzt worden, und ber Oberbürgermeister Zelle, bet Ches ber Kgl. Thiergarten« Verwaltung, Präsident Kaiser, Arnold v. Siemen», ber Bildhauer Schmitz unb ber Dogen ber Berliner Komiker, Karl Helmerdiug, sind gehört wvrben und haben sich geäiißert. Zelle schwäimt für »och größere Sorgfalt unb Reichhaltigkeit ber Schmuckanlagen, für Erziehung ber Berliner zum Schöne», durch Einführung einer Stadtkopelle, die auf öffentlichen Plätzen konzertirt, er beklagt. Daß Die StaDtverorbneten-VersammIuug DaS Taudengeschenk eine» hoch­herzigen Manne», berbie Taube» von Berlin" ähnlich wie bie Tauben von San Marco Dem Victoriapark einverleiben wollt«, nicht angenommen hat, unb verspricht schließlich eine städtische Gemäldegallerie. PräsiDent Kaiser vom Thiergarten verheißt ben Berliner» eine bebeutenbe Verschönerung dieses Parke», ber mehr Luft unb Licht unb eine große Korfostraße erhalten soll. Arnold v Siemens tadelt die mangelnbe Sachkenntniß ber bildiierischett Künstler bei Schaffung von Standbildern. Sein Vater, Siemen», auf ber Potsdamer Brücke, giebt ihm zu argen Bedenken Anlaß; der alle Herr von Siemen» war kein HandwerkSmann, als welcher er bargestellt ist, »ein, er war ein Gelehrter und gehörte in di« Stubirftube, nicht in die Werkstatt. Auch der Bildhauer Schmitz ist nicht recht zufrieden; er tadelt, daß Sauten, Denkmäler, Straßen» entfaltuugen uub gärtnerische Anlagen nicht nach einheitlichen Gesichtspunkten vorgenommeu werden, im Uebrigeu beruhe die Kunst, Berlin zu der schönsten Stabt der Welt zu machen, auf archi­tektonischen Prinzipien. Sehr wehmüthig ist ber Komiker - Dogeir Karl Helmerding. DaS Berlin von heute scheint ihm nicht besonders zu gefalle», er beklagt, daß Berlin mir im Sinne be» Seine-Babels Großstadt geworden ist, also ein Spree-Babel, baß e» sittenloser unb unmoralischer geworben, daß der Glanz und die Pracht nur äußerlich ist, daß aber keine wahre, edle Kunst, keine feine Sattjre unb kein herziger Humor mehr in Berlin besteht. Der alte Herr ist, wie man sieht, sehr wehmuthsvoll angehaucht, unb auch bie Theater gefalle» ihm nicht, nicht bie Bauten, sondern ber Geist, der ist ihnen maltet. Der berühmte Schuster Weigel au»Mein Leopold" geht scharf ins Gericht mit demBerlin von heute" unb scheint mehr im Glücke der guten alten Zeit zu leben. Ihm gilt es, bas Alte zu erhalten!

Die Erhaltung be» Bestehenden, die Wahrung beS Historischen waren auch Punkte, die unlängst bet Verein für die Geschichte Berlin» auf fein Programm gefetzt hatte. Er wollte, daß em städtischerKonservator" geschaffen werde, dem e» obliegen sollt», für die Erhaltung aller baulichen Denkwürdigkeiten der Residenz zu sorgen. Der Antrag wurde abgelehut. Denn ersten», dte meisten öffentlichen Bauten gehörteli dem Fiskus, der sich, wie wohl auch bie Kgl. Krone, jede Einmischung eine» städtischen Konservators verbitten würde, zweitens aber würden Seiten» bet Berliner städtischen Kunstbeputationeii schon seit Jahren die Pflichten gewahrt, die dem städtischenKonservator" zufallen sollen. Schade! Der ersteKonservative Zug" fand nnSchootze dek Stadt" keinen Anklang!

Es ist ja nicht wie bei armen Leuten es ist ja Alle» dal Diese Berliner Redensart hat gegeuwärtia mehr Demi je auf Berlin Gültigkeit nach zwei Richtungen hin. Erstens ist Alle» bald wieder da, d. h. von der Reise zurück, zweitens ist mit Bezug auf bie Fragen:Ist was los oder ist nichts los in Berlin?" natürlich im Augenblick mit ber kühlen Ruhe, die dem Diesjährigen Sommer vielfach eigen ist, zu antworten:Es ist Alle» da, es ist nicht wie in kleinen Städten." Dos öffentliche Interesse wird in ber That von ungezählten Dingen abfortirt. Vom Theater will ich EE heute noch garnicht rede», denn da gäbe es einen Anfang ohne Ende, aber doch hängt ein neuer Diskussionsstoff, der im Laufe der Wochen in die Massen getragen wurde, mit Dem Theater zusammen, aber es geht auch alle Radler an. Die Sache liegt sehr emsach l Zwei Theaterbirektoren haben ihre» Mitgliebern sozusagen das Radfahren verboten. Die Versüguuqen fiud Derart, Daß es schließ­lich auf ein Verbot herauskommt. Die Schillertheater-Direktion M in persona Raphael Loewenseld sieht einen Rabunfall als selbst­verschuldet an, unb wenn durch Die Schuld Des verunglückte» Mit- 8 liebes eine Vorstellung unmöglich wird, so erfolgt Die Entlassung, tlso gilt hier Das variirte Wort:Wer ben Unfall hat, braucht * für Die Entlassung nicht zu sorgen I" Die Direktion des Luisen- theaters in persona RicharD Anger begnügt sich mit einer Kaution von 1000 Mark, bie verfällt, wenn eine Vorstellung durch bie Schuld eines Unfall-Radlers au»fällt! Auf das Jundicielle ber beiben neuen Theaterkontraktbestimmungen will ich mich hier nicht weiter einlaffen;il y a des juges i Berlin, aber unterschriebene Kontrakte sind btnbenbe Verpflichtungen unb wer solche Bestimmungen unterschreibt, ber muß Die Konsequenzen tragen. Daß aber bie neuen Radparagraphe» im Theaterkontrakt eine durchaus falsche Prämisse habe», Das wirb Gegenstand mancher Erörterungen fein dürfen. Den besorgten Direktoren wird es Riemanb bestreiten, baß es höchst fatal ist, wenn eme rabelube Hauptstütze beS Repertoire auf der Abenbsohrt zum Theater mit B Dem Rade Malheur hat. Die Vorstellung kann dann allerdings in Frage gestellt sein. Mit mir werden sich Tausende vieler Falle | erinnern, wo die Vorstellung irgend etnes Theaters unmöglich fe- wurde durch den Unfall eine» Mitgliedes zu einer Berkehrsperwde, ' in der mdn Fahrräder noch fo gut wie gar nicht kannte. Was

Verlag: Langgasse 27.

Abonnenten