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1898
Freitag, den 12. August.
Fernsprecher Wo. 52.
U-. 372
Fernsprecher No. 52.
Abend-Ausgabe
Beschlag nehmen . . . Wir wollen dem Bunde nicht sein Grab graben, indem wir uns der „Fraktionspolitik" ergeben und uns ä la merci politischer Parteiführer stellen. Das möge man sich allerorts merken!"
Auch auf der Bundesversammlung, die im Februar d. I. im Cirkus Busch abgehalten wurde, erklärte Herr Dr. Hahn, die Nachfrage nach der politischen Partei solle untersagt sein, nicht der Bund unterstütze die Politik der Parteien, die ihm nahestehen, er richte vielmehr an diese Parteien die Aufforderung, „die Politik der Sammlung des Bundes der Landwirthe wirksam zu unterstützen." Der Bund hat auch trotz häufiger Ableugnungen oft genug seine Absicht enthüllt, eines Tages den „parteilosen" Bund zu einer politischen Partei umzugestallcn, der den anderen Parteien, auch der konservativen Mutterpartei, nicht nur selbständig, sondern
durch angestrengte Arbeit zu vervollkommnen suchen. Halbe Nächte lang studirte er und versagte sich sogar manchmal den täglichen Spaziergang. Da nahm sich ein Professor am Gymnasium Namens Lauter, der das eifrige Studiren Ocrtels bemerkt hatte, des fleißigen Studenten an und ertheilte ihm un« entgeltliche gründliche Nachhülfe, sodaß dieser nach einem Jahre die Lücken seines Wissens vollständig ausgefüllt hatte. Später wurde Oertel von dem würdigen Kirchenrathe Dr. Schwarz in dessen Familie gezogen und fand hier eine zweite Heimath. In dem Schwarzschen Hause lernte er auch I:»» Paul und Jung-Slilling, den betagten Vater der Frau Kirchenrath Schwarz, kennen. Nachdem er von einer schweren Krankheit genesen war, die er sich durch die Pflege seines Bruders zugezogen hatte, setzte er mit allem Eifer sein Studium fort und bestand glücklich die erste theologische Prüfung. Er wurde sofort Hülfsprediger seines Vaters, von dem er auch an seinem Geburtstag, am 15. August 1819, die Weihe zum geistlichen Amt empfing. Am 19. Dezember starb sein Vater, und der Sohn wurde, noch ehe er die zweite Prüfung bestanden hatte, als Pfarrverwalter von Manubach angestellt, worauf im Juli 1822 nach bestandener -weiten Prüfung seine Ernennung zum wirklichen Pfarrer von Manubach erfolgte. Nun dachte er auch an die Gründung eines eigenen Hausstandes und verheirathetr sich am 19. August mit Henriette, der Tochter des Herzoglich nassauischen Kabinetts-Kanzleidirektors von Weilburg.
feindlich gegenübertritt. In einem ftüher veröffentlichten Wahlaufruf des Freiherrn v. Wangenheim hieß es ausdrücklich: „Wir müssen uns selbst zusammenschaaren . . . wir müssen Männer als Abgeordnete wählen, Leute, die nicht mit einem Auge auf ihre Wähler und mit dem anderen auf ihre Söhne, Brüder und Vettern schielen . . . wir müssen darum aufhören, liberal, ultramontan und konservativ zu wählen, vielmehr müssen wir uns zu einer einzigen großen agrarischen Partei zusammenschließen und dadurch Einfluß auf die Gesetzgebung zu gewinnen suchen." Und die „Korr. des Bundes der Landwirthe" hat ausdrücklich erklärt: „Der Bund hat von den alten Parteien nichts zu fürchten, wohl aber unter Umständen umgekehrt. Wir möchten daher allen den Parteien, mit denen ein Zusammengehen möglich ist, d. h. Allen, bis auf die freisinnige und sozialdemokratische, in ihrem eigenen Interesse rathen, alle Bevormundungs- Versuche zu Unterlasten und dafür lieber das möglichste Zusammengehen mit dem Bund unter Anerkennung seiner Selbständigkeit zu erstreben." Der Ausfall der Reichstagswahlen hat nun freilich bewiesen, daß die Machtmittel des Bundes weit überschätzt worden sind und daß sie nickt im
(Nachdruck verdaten.)
Ci« mahrrr Freund des Volkes.
(Ein Gedenkblatt zum 100-jährigen Geburtstage des Volksschriftstellers W. O. von Horn, 15. August.)
Bon Johannes Pasig.
Wenn je ein Mann durch seine zahlreichen Bücher und Erzählungen einen guten Samen in die Herzen des deutschen Volkes gestreut und reichlich Früchte und Segen geerntet hat, so ist es Wilhelm Oertel, der unter dem Namen W. O. von Horn nicht nur eine große Anzahl Volks- und Jugendschriften veröffentlicht, fonbent auch lange Zeit das bekannte Volksbuch „Die Spinnstube" herausgegeben hat. Wenn nun am 15. August 1898 sein 100. Geburtstag wiederkehrt, so ist es eine Pflicht der Dankbarkeit, daß wir uns das Leben dieses Mannes in kurzen Zügen ins Gedächtniß zurückrufen.
Philipp Friedrich Wilhelm Oertel ist geboren am 15. August 1798 in dem kleinen Dorf Horn bei Simmern auf dem Hunsrück, wo sein Vater Pfarrer war. Der kräftig und gedeihlich sich entwickelnde Knabe wurde bald der Liebling des ganzen Hauses, besonders der Mutter, sodaß der Vater einst sagte: „Wenn es so fortgeht, so erziehst Du Dir einen Prinzen, aber nicht einen ordentlichen, bescheidenen Dorfpfarrersjungen." Im Jahr 1804 wurde sein Vater als Pfarrer nach Bacharach am Rhein berufen; in diesem alter-
thümlichen Städtchen verlebte Oertel seine glücklichsten Kindheitsjahre, und von der Liebe zu diesem Ort geben viele Erzählungen Kunde, deren Schauplatz Bacharach ist. Wilhelm erhielt seinen ersten Unterricht im Hause theils vom Vater selbst, theils von einem Lehrer, den sich die Eltern unter den Lehrern des Städtchens ausgewählt hatten. Als jedoch für den Knaben ein weitergehender Unterricht nölhig wurde, da konnten sich doch die Eltern nicht dazu verstehen, ihren Sohn an einem entfernteren größeren Orte eine höhere Schule besuchen zu lassen, zumal der Vater schon einen älteren Sohn auf der Universität Heidelberg zu erhalten hatte. Darum erhielt er den Unterricht im Elternhause weiter, der auch von dem Vater fortgesetzt wurde, als dieser 1812 als Pfarrer nach Manubach, einem kleinen Dörfchen am Rhein, versetzt wurde, während später der ältere Bruder Friedrich, welcher Pfarrer zu Oberdiebach war, den Unterricht übernahm. Schon zu jener Zeit soll nach einer Erinnerung seiner älteren Schwester der damals 15-jährige Wilhelm kleine Theaterstückchen verfaßt haben, die er dann insgeheim der Mutter und den älteren Schwestern vorlas, um sie hierauf sofort zu vernichten.
Im Herbste 1815 bezog Oertel die Universität Heidelberg, um Theologie zu studiren. Wollte er aber die Vorlesungen mit Erfolg hören, so mußte er die lückenhaften und mangelhaften Kenntnisse, besonders in den alte« Sprachen,
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Entferntesten mit dem überschäumenden Selbstbewußtsein int Einklang stehen, durch welches sich das Auftreten desBundes auszeichnet. Aber die Wahl des Freiherrn v. Wangenheim zum Führer beweist, daß der Bund trotz seiner Mißerfolge bei den Wahlen entschlossen ist, auch in der Folge nicht als „Kommandite der konservativen Partei" zu fungircn, sondern vielmehr die „Anerkennung seiner Selbständigkeit" durchzusetzen, p.
(Nachdruck verboten.)
Die Flottenmanöver dieses Jahres.
Wie in jedem Jahre, so auch in diesem, finden Uebungen unserer Flotte in größerem Maßstabe statt, welche sich sowohl in der Ostsee, als auch in der Nordsee abspielen werden. Unsere bcistehende Karte des Manövergebietes dient zur Erläuterung des UebnngSprogramm», über welches kurz Folgendes zu sagen ist: Am 14. August wird ui dem Reichskriegshafen von Kiel unter dem Befehl der kommandi« rendenAdimral» v. Knorr die Mauöverflotte zusammcntreten, welche sich au» dem ersten Geschwader unter dem Beseh! de« Vice - Admiral» Thomsen und dem zweiten Geschwader unter dem Befehl de» Kontre-AdmiralS Hofsmann zu- sanimensctzt, und vorübergehend noch durch eine aus drei Schulschiffen gebildete 5. Division, eine aus zwei Fahrzeugen bestehende Panzerkanoncu- boots - Division und eine aus dem Artillerie- schiff „Carola" (Kreuzer 3. Kl), und dem Tender Hay bestehende Kusteuslottille verstärkt werden wird. Der Kom- mandireude, Ad- miial v. fiiuirr, wird seine Flagge an Bord des
hierfür besonder« eingerichteten Säiffe« „Blücher" hissen, dem da» Torpedoboot „8 65" als Ordonnanz- und Tepesch nbaot beigegeben ist.
Tas erste Geschwader (Thomsen) besteht aus der 1. und 2. Division, der 1. Ansklärungsgruppe und der 1. Torpedobooteflottille. Zur 1. Division, welche der Vice-Admiral Tdomsen selbst führt, gehören die 4 Hochsee-Panzerschlachtschiffe „Kurfürst Friedrich Wilhelm" (al» Flaggschiff), „Brandenburg", „Weißenburg und „Wörth". Zur zweiten Division unter der Führung de» Kontreadmiral» Bendemann gehören die Panzerschiffe 3. Klaffe .Baden", „Bapern" und „Oldenburg". Die erste Ausklärung»- gnippt setzt sich ans den Schiffen „Pelikan", „Greis" und „Hcla zusammen, und wird von dem Korvetten-Kapitän Franz geführt. Die erste TorpedobootSfiottille unter dem Beseh! de« Korvetten- Kapitän« von Colomb besteht ans einer A= und einer L-Divifion. Jede dieser beiden Torpedo-Divisionen setzt sich aus 1 Torpedi- Divisiousboot und 6 Torpedobooten zusammen.
Das zweite Geschwader (Hoffmann) besteht aus der 8. und 4. Division, der 2. Aufklärungsgruppe und der 2. Torpedoboots» stottille. Zur dritten Division, welche der Coutre-Admiral Hoffniann selbst führt, gehören die KüstenverlheidigungS-Panzerschiffc „Aegir, „Odin" und „Hagen". Zur vierten Division, welche von dem Kapitän z.S. Geißler geführt wird, gehören die Kiistenvertbeidigunas- Panzcrlchiffe „Frithjof", „Beowulf" und „Heimdal". Die zweite Aufklärungsgruppe unter dem Befehl des Korveiteu-Kapitan Josephi setzt sich aus den beiden AviioS „Pfeil" und „Blitz" und dem Torvedodivisionkboot „D 3" zusammen. Die zweite TorpedobooiS»
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Der Sund der Landwirthe.
Innerhalb der konservativen Partei herrscht starkes Mißvergnügen, denn die Wahl des Freiherrn v. Wangenheim zum Vorsitzenden des Bundes der Landwirthe zeigt aufs Deutlichste, daß der Bund nicht im Entferntesten daran denkt, sich von der bisherigen scharfen Tonart zu einer sanfteren zu bekehren und die Politik des Bundes in das Fahrwasser der konservativen Partei zu leiten. Der Bund der Landwirthe hat seit langer Zeit kein Hehl daraus gemacht, daß er es nicht als seine Aufgabe betrachte, konservative Politik zu treiben, sondern seine eigene Politik zu machen. Gerade der jetzt gewählte Vorsitzende, Herr v.Wangenheim, hat ausdrücklich davor gewarnt, daß die Abgeordneten die „Fraklions- zwangjacke" anziehen sollten, und der Direktor deSBundes, Dr. Hahn, hat vor Kurzem erklärt, daß die antisemitische Partei die Forderungen des Bundes ebenso, ja in einzelnen Fragen besser unterstützt habe als die Konservativen ; es sei daher ein Fehler gewesen, daß der Bund die konservativen Kandidaten bevorzugt habe. Und an anderer
Stelle hat sich Dr. Hahn noch deutlicher dahin ausgedrückt, daß manchen Kandidaturen der jüngsten Zeit der gouverne- mentale Charakter geschadet habe.
In der Thal bestand die Politik deS Bundes der Landwirthe bisher im Wesentlichen in einem ununterbrochenen, wenn auch zumeist stillen Kampf gegen die konservative Partei. „Wenn der Einzelne etwas thun will, so kommt die Fraktion, die fürchtet, daß ihr dieser Einzelne über den Kopf wachse, sie in Verlegenheit bringen oder sie in ihrem Stillleben zu sehr stören könnte und hält ihn nieder, je «achdem mit mehr oder weniger liebenswürdigen Redewendungen." So schrieb seiner Zeit die „D. Tagesztg.", und im Juli vorigen Jahres brachte die „Korrespondenz des Bundes der Landwirthe" die bekannte Kriegserklärung gegen die konservative Partei, worin es hieß: „Der Bund der Landwirthe ist keine Kommandite der konservativen Firma, ist es bisher nicht gewesen und wird es auch in Zukunft nicht sein . . . Wohin sollten wir kommen, wenn wir uns einer Partei subordinirten? Wir stehen nicht in Lohn und Brod der Konservativen, aber auch nicht der Antisemiten, laffen uns überhaupt von keiner Partei ausschließlich in
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