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Fernsprecher No. 62.
Donnerstag, den 21. Juli.
Fernsprecher No. 52.
1898.
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Santiago, 20. Juli. Der Dampfer der Gesellschaft vom Nöthen Kreuz „Staate of Texas" traf gestern mit 28,000 Centuern Lebensmitteln znr Unterstützung der notbleidenden Bevölkerung vor Santiago ein. Als die Ausladung der Lebensmitteln begann, drängten sich die ausgehungerten Bewohner in dichten Massen an den Landungsplatz heran, machten sich kämpfend und einander nicdertretend den Platz streitig, brachen Kisten auf und raubten von den Vorrätheu. Schließlich wurde der Hafenplatz abgesperrt und Jedermann der Zutritt verweigert. Nachmittags 3 Uhr begann alsdann die Nahrungsmittelvertbcilnng durch die in der Stadt befindlichen Magazine. Jeder hatte einen von besonderen Kam- missaren ausgestellten Von vorznweisen, aus den ihm l1/« Pfund von den Vorrätheu ausgehändigt wurden. Die Wasserversorgung wird heute Abend um 6 Uhr im Stande sein.
Madrid, 20. Juli. Eine ossiziösc Note besagt, ein Schreiben des Generals Toral an General Shaster werde für apokryph gehalten, weil eS die Behanp- tung enthalte, die Toral unmöglich ansstellen konnte. Thatsächlich könne unmöglich gesagt werden, daß die Regierung ihn zur Ueber- gabe ermächtigte. Der Vorgang sei folgender: Der KriegSmiuister erhielt zwei Telegramnie von Blauco. Eines enthielt die von Toral herrührende kritische Darlegung der Lage in Santiago, das andere gab die Uebergabebcdingungen an und erbat Justruktiolie». Der Minister antwortete. Blanko möge Toral jede Initiative überlassen. Der Minister könne ihm kein anderes Verhalte» vor» schreiben, als das durch das militärische Gesetzbuch vorgezeichnete. DieNote schließt: Toral handelte, wie er e» für gut hielt, und er wird vor dem Kriegsgericht die Beweggründe darlegen, die ihn bkstinimtcn, zu kapi- tuliren.
wb. Santiago, 20. Juli. Dem verwundeten General Linares wurde der Arm ampu tirt. Sein Zustand ist bedenklich.
wb.Uew-NorK,20.Jiilr. Die „Evening Post" berichtet aus Kingston: Aus Sibouey eiugetroffene Cubaner nielden, daß der Rebeüenchef Garcia tobt sei.
hd. Madrid, 21. Juli. Der Minister des Nenßern sucht nach einem gangbaren Weg, um FriedenSverbandluugen eiuzulciten. Davon hängt der weitere Verlaus der Krisis ab.
hd. Madrid, 21. Juli. Die Königin-Regentin unterstützt aufs Eifrigste die Friedinsverhandlungen.
wb. Havana, 20. Juli. Es herrscht hier große Begeisterung für energischen Widerstand gegen einen Angriff der Amerikaner. Die Führer der Freiwilligen sind entschlossen, eher zu sterben als zu kapituliren.
hd. London, 21. Juli. „Standard" meldet aus L-antiago, daß Hunderte von spanischen und amerikanischen Soldaten VerbrüdernngS- fcstc seiern. Die Magazine sind wieder geöffnet. In denselben wurden zwei Millionen (?) Rationen gesunden.
Abend-Ausgabe»
(Nachdruck verboten.)
Znr Kapitulation von Santiago de Cnva.
Santiago de Cuba, welches so lange den Amerikanern helden- nlüthigsteu Widerstand entgegengesetzt hat, ist von dem General Toral Übergeben worden. Gleichzeitig mit dieser Uebergabc ist diejenige des östlichen TheileS der Provinz Santiago de Cuba erfolgt. Das den Amerikanern überantwortete Gebiet erstreckt sich von dem, die Ostspitze Cuba bildenden, Cap Maisi nach Westen bis zu einer Linie, welche die Bucht von Aserradoies au der Süd- küste CubaS mit Palma Soxiano am Cauto-Fluß, und diesen Ort mit Sagua de Tanamo an der Nordküste der Insel verbindet, und umfaßt etwa ein Drittel der obengenannten Provinz (400 Onadratmeilen). Die von spanischen Truppen stark besetzten Städte Hol- gnin und Manzanillo, wo erst in letzter Zeit mehrere Angriffe amerikan. Kriegsschiffe mit Erfolg zurück- geschlagen wurden, bleiben sonach in spanischem Besitz.
Unsere beistehende Karte giebt nun unseren Lesern ein Bild des von den Spaniern abgetretenen Gebiets, in welchem alle Orte eingetragen find, an denen es zu Zusammenstößeu gekommen ist und wo es den Amerikanern zu landen gegluckt ist. Auch die Orte, welche spanische Besatzung haben, find in der Karte eingetragen. Wir müssen sürchten, uns zu wiederholen, wenn wir nochmals die Namen aller dieser Orte besonders aufführen, unter denen nach Santiago selbst AserradoreS, Aguadore», Baiquiri, Caimanera bei Guantanamo, Cabrera und Manzanillo die erste Stelle einnehmen. Unsere Leser finden ferner in der Karte anchdieHauptverbindungs- wege von Santiago de Cuba mit Manzanillo, Holguin und Bayamo, die insofern ein besonderes Interesse haben, als sie bei einer Fortführung des Kriege» von deu amerikanischen Truppen zum weiteren Vordringen benutzt werden müffen. Die kleine Ueber- fichtskarte rechts oben läßt erkennen, daß der den Amerikanern durch die von dem General Toral spanischerseits abgeschlossene Ukbergabe zufallende Besitz nur einen sehr kleine» Theil der Insel Cuba darstellt. Immerhin aber haben doch die Amerikaner nun einmal festen Fuß auf Cuba gefaßt und damit viel gewonnen.
Die Uebersichtskarte giebt auch die Eintheilung Cubas in die sechs Provinzen Pinar del Rio, Havana, Matanzas, Santa Klara, Puerto Principe und Santiago de Cuba wieder, deren gleichnamige Hauptstädte durch Unterstreichung besonders kennUich gemacht sind. Das den Amerikanern abgetretene Gebiet ist in der Hauptkarte durch schräge Schrasfinmg besonders hervorgehoben und in der Nebenkarte ganz schwarz gehalten.
Voraussichtlich wird die Uebergabc von Santiago die Einleitung von Friedensverhaudlungen zur Folge Haden, da es auch den Spaniern immer klarer zum Bewußtsein kommt, daß sie auf die Dauer den Streitkräfte» der Union nicht widerstehen können, nachdem ihnen durch die Vernichtung der eigenen Flotte jede Möglichkeit genommen ist, den auf Cuba stehenden Truppen die uothwendigen Zufuhren (Proviant, Munition :c.) und Verstärkmigen (Ersatz der Erkrankten, Verwundeten und Gefallenen) zukommen zu lassen.
* * *
Madrid, 20. Juli. Der KriegSmiuister erklärte heute, daß eS dem General Augustin gelang, sich mit dem Generalkommandanten der Visayas-Gruppe in telegraphische Verbindung z» setzen. Die Aufständischen zeigten, wie letzterer melde, sich jetzt weniger feindselig
gegen die Spanier. — Nach von den Philippinen eingegangeuen Nachrichten find 4000 von den Aufständische» gefaugeue Spanier einer schlechten Behandlung ausgesetzt.
wb. Madrid, 20. Juli. Eine amtliche Depesche ans Manila meldet: Die Blockade ist sehr streng. — In verschiedene» Gefechten erlitt der Feind ernste Verluste. Die Spanier fassen wieder Muth.
wb. Nem-Uvrk, 20. Juli. Wie versichert wird, soll es den Spaniern gelungen fein, die Ladung des Dampfers „Antonio Lopez" zu berge», der, wie berichtet wurde, bei dem Versuch, die Blockade von Portorico zu brechen, nahe bei San Jüan (Portorico) gestrandet ist. Der Dampfer war mit Vorrätheu befrachtet. — Wie der Korrespondent des „Rew-Aork Journal" in Washington tele» graphirt, soll der Oberkommandirende, General Miles, in den Präsidenten Mc. Kinley dringen, ihm zu erlauben, nach der Eroberung von Portorico seine Armee nach Spanien zu führen.
(Nachdruck verboten.)
Erlaubt ist, was gefällt.
Plauderei über die Mode von Frou-Fkou.
Die Natur hat gesiegt über die Unnatur!
Der seit Jahren unter Blusenfalten, Glockenröcken, unter Keulenärmeln und krausen Gürteln gleichsam ein» geklafterte tadellose Wuchs kommt wieder zur Geltung.
Beim grand prix in Paris hat die Mode ihr entscheidendes Wort gesprochen, in Auteuil Chantilly, beim Hamburger Derby wurde es wiederholt, um in den mehr oder weniger fashionablcn Bädern ein Echo zu finden.
Auch eine neue Farbe wurde auf den Schild gehoben, ein tiefes, gesättigtes, an die Tönung der Kornblumen erinnerndes Blau. Vorüber ist die Herrschaft des Lila, des Violett — blau ist Losung, blau in hellerer, oder dunklerer Nuance. Neben den Brunnenhäusern mit ihren heilkräftigen Quellen, auf den Promenaden wimmelt's von eleganten und aparten Hochsommertoiletten.
Der Zuschnitt, der Sitz, sie beanspruchen besonder« Sorgfalt. Das Futteralkleid muß passen wie Handschuhe, knapp, faltenlos, enganschmiegend. Wird doch der Schlitz des Rockes zugehakt oder fest zugeschnürt wie ein Mieder, um den Stoff über den Hüften möglichst prall spannen zu können. Die Aermel knöpft oder hakt man bis zum Ellenbogen. Sie haben den Arm wie eine Haut zu umschließen. Die Taille wird eng zusammengepreßt, die Büste dagegen möglichst lose im tiefschnürenden Leibchen getragen.
Von den Snieen abwärts erweitert sich der Rock zu Godets oder zu einem angesetzten Volant, das gewöhnlich Serpentineform hat. Man nennt einen derartig zu- geschnittenen Rock ä la plumean. Er liegt mehrere Centi- meter am Boden auf.
Sehr modern ist auch der Doppelrock, die Polonaise. Sie wird zu karrirtem Unterstoff einfarbig gewählt, oder der Uebertvurf ist durchbrochen über abstechender Seide.
Wir sahen eine reizende Toilette ans fahlgrünem Voile über altrosa Brokatseide — die Kragenbinde fehlte, um den Miniaturausschnitt des Kleides lag ein breiter Vandyk- Kragen aus Spachtelspitze. Auch die Aermel waren ans demselben Stoff, die Haut durchschimmern lassend. Ein Hütchen aus rosa Chiffon mit einem von goldenen Beeren durchflochtenen vollen Laubkranz, sowie ein grün-rosa changirender Taffet-Schirm ergänzte den Anzug.
Weniger luxuriös gab sich ein Unterkleid aus kornblumenblauer Popeline, die Polonaise von weiß- und blau- gestreifter leichter Seide gefertigt. Dazu ein großer, seitlich aufgeschlagener Hut aus weißem Reisstroh mit dicken Kornblumenbüscheln und goldenen Schnallen.
Außerordentlich modern ist es, die Aermel abstehend zu wählen, oder aus durchbrochenem Stoff. Auch weißer, schwarzer oder farbiger Krepp-Chiffon, dieser erklärte Liebling der Mode, wird dazu genommen, natürlich kraus gezogen.
Im Uebrigen haben die freuten Verzierungen und Besätze an ihrer Beliebtheit bedeutende Einbuße erlitten. Man ersetzt dieselben durch Spitzenauflegen, durch graziös angebrachte Einsätze, welche theils die Haut, theils das seidene Futter durchschimmern lassen. Reizend, wenn auch kostspielig, sind in diesem Genre die weißen Battist- oder Chiffon-Toiletten, ganz von duftigen Einsätzen durchquert, durchkreuzt oder unterbrochen, sich ausbreitend über dem einfarbigen Unterkleide.
Eine besonders chike Toilette dieser Art fiel uns auf: schwarzer Krepp-Chiffon, leicht mit winzigen schwarzen Jet- perlen besprüht, über türkisblauer Seide. Strahlenförmig gingen von dem türkisfarbenen Sammetgürtel nach oben und unten gelbliche Valenciennes-Einsätze aus. Dazu ein von
schwarzem Jet funkelnder Dreimaster mit türkisblauen Federn und einem dicken Tuff rosig-gelber Theerofen. Der Schirm zeigte den glitzernden Chiffon über blauem Futter, sowie einen mit imitirten Türkisen eingelegten Griff.
Außerordentlich distinguirt gab sich ein Anzug aus weißem Voile, farrirt von schneeweißen Spitzen-Entredenx. Goldgelbe, matte Seide schimmerte hindurch, den Gürtel bezeichnete eine Reihe von Stiefmütterchen ans goldgelbem Sammet. Dieselben Blumen zogen sich um das winzige Hütchen ans weißem Tüll, das einen großen Schmetterling, von Goldspitze gebildet, trug.
Recht praktisch und zugleich hochelegant ist es, eine.solche Toilette aus naturfarbener Bastseide herzustellen und die Zwischensätze in der haltbaren Spachtelspitze zu wählen. Diese Kleider sind waschbar und vertragen Regen und Staub gleich gut. Nimmt man zu ihnen Hut und Schirm in abstechender Farbe, so bringt das einen frischen, hübschen Effekt hervor.
Ganz besonders eignen sich derartige Toiletten für die Reise, laufen als sogenannte „Strapazir-Kleider" (zu diesen wählt man das Unterkleid aus glänzendem Baumwoll-Satin, nicht aus Seidel) den beliebten Jackenkleidern fast bett Rang ab. Es erscheint vielen Damen ermüdend, sich täglich mindestens einmal in der sportmäßigen Tracht zu sehen, besonders wenn sie nicht radeln. Zudem giebt der englische Zuschnitt der weiblichen Tracht einen etwas uniformen Charakter. Im Bade will man sich gern schmücken, Originalität entfalten, nicht die „ewige" Bluse über dem glatten Rock tragen. Dennoch wird das Oberhemd und die Jacke für die Reise selber wohl kaum je verdrängt werden. Hat diese „herrenmäßige" Tracht doch sogar den Regenmantel geschlagen, den cachemisere, den man jetzt nur vereinzelt sieht. In veränderter, eleganter Gestalt M er
