No. 329
Dienstag, den 19. Juli
1898
Fernsprecher N». 52.
Fernsprecher No. 52.
Morgen-Ausgabe
60 dieser Doppelstunden gaben dann die erst erklärte Einheit von 5 Tagen, die ChamnsÄtu. In der folgerichtigen Durchführung dieser Rechnung hätte nun der nächsthöhere Zeitabichnitt 12Chamuschttk, also fünfmal 12 Tage, umfassen sollen, war einem Dpppelmonat von 60 Tagen entsprochen hätte. Dem stand nun aber der gewöhnliche Monat, dessen Länge von etwa 30 Tagen die in Himmelsbeobachtungen gut geschulten Babylonier natürlich frühzeitig, aus der Bewegung des Mondes erkannten, gegenüber. Man muß sich nun vorstellen, daß man diese Unterscheidung eines Doppclmouats und eines einfachen Monats rückschließend auch aus die Tageseintheilung übertrug und demnach neben der Doppelstunde eine einfache Stande und neben der DoppelmiiiuteeinkkiiifacheMinuieunterschikd.sodaßdamitdieEinheiten unserer heutigen Uhr bereits gegeben waren. Da nun ferner die Tüeilnng des Tages in Tag und Nacht ebenso wie des Jahres in Sommer und Winter (vergleiche 1. Mose 8, Vers 22 und Psalm 74, VerS 16—17) von frühesten Zeiten an angenommen war, so lag c» nahe, die zweimal 12 Stunden auf Tag und Nacht zu verthcilen, zumal so die alte Einheit 12 b-ibehalten werden konnte. Noch eine sehr merkwürdige Entdeckung hatWinckler auf Grund seiner Erklärung des Wortes Chamuschtu gemacht, nämlich eine einwurfsfreie Erklärung der sagenhaften Entstehung der Septuaginta, der griechischen Bibelübersetzung, die in der katholischen Kirche noch jetzt die maßgebende ist. Bekanntlich soll diese dadurch enlstanden sein, daß aus Veranlassung von PtolemäuS 72Gelehrte für sich die Bibel in das Griechische übersetzten und wunderbarer Weise alle in demselben Wortlaute. Diese Sage ist nunmehr als ein alter Jahresmythns auszufassen, da das Jahr ans 72 mal 5 Tagen, nämlich au» 72 Chamuschtu besteht. Es würden also nicht 72 Uebersetzer gewesen fein, sondern 5, die in 72 Tagen ihr Werk vollendeten, ebenso wie das Jahr durch 72 Chamuschtu volleudet wird. Und in der That flieht es eine jüdische Uebcrlieferung, nach der die Bibelübersetzung durch 5 Aelteste ouSgeführt worden fein soll. Somit ist auch diese merkwürdige Legende auf da» Glücklichste erklärt.
— Kleine ItotiKm Die gestickte Zimmereinrichtung ist im Schaufenster der Lietorschen Kunstaustalt, TaunuSstraße 13, mit noch bis Dienstag Abend ausgestellt.
Slnzelgen-Preisr
Die einspaltige Petitzeile für locale Anzetae» 15 Psg., für auswärtige Anzeigen 25 Psg. — Reklame» die Petitzeile für Wiesbaden 50 Psg., für Auswärts 75 Psg.
-- Zounrnberg, 18. Juli. Das von der hiesigen Turn- gemeinde gestern veranstaltete Waldfest nahm, begünstigt vom schönsten Welter, einen recht befriedigenden Verlauf. Besonder» lobend ist es zu erwähne», daß die Gesangvereine „Concordia" und „Gemüthlichkeit" durch den Vortrag von Chorgcsängen die Festlichkeit verschönen halse». Wettlauf und dergleichen mehr, verbunden mit Preisvertheilung, fand für die Jugend statt. Bei einem guten Glas Kronenbläu und den Klängen einer Musikkapelle vergnügten sich die Besucher bis zu später Abendstunde. — Die Postbehörde hat einem dringenden Bedürsniß bezüglich der zur Abgabe gelangenden Briese rc. dadurch abgeholfen daß sie die Zahl der Briefkasten nicht nur vermehrte, sondern auch an geeigneteren Stellen anbrachte, was Insbesondere auch das uns besuchende Fremdenpublikum freudig begrüßen wird. Es ist seit einigen Tage» ein Briefkasten au der Ecke der Langgasse und Wiesbadener Straße, sowie ein weiterer in der Rambachcr Straße angebracht.
««• Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs PreiS: durch den Verlag so Psg, monatlich, durch die Post 1 SRI. 6« Psg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Abend - Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Ausnahme später eingereichter Anzeigen zur nachsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. 6 “ 1
Ans Kunst und Leben«
d. Lltterarlsche Charakterbilder von M. Schmidt. Agricola (Wiesbaden, Lützenkirchen u. Bröcking). Die hier lebende Schriftstellerin ist auch unftren Lesern keine Fremde mehr; ihre litteralur-historischeu und anderen Aussätzen, welche wir hin und wieder veröffentlichten, erfreuten sich stets reichen Beifalls, ebenso wie die Vorträge, welche die Schrisistellerin während einer Reihe von Jahren von Winter zn Winter hält. M. Schmidt besitzt da» hübsche Talent, angenehm unterhaltend und doch belehrend über Größen im Reiche der Kunst zn plaudern. Man hört ihr gern zu, ob sie sich nun den Minnesänger Walther von der Vogelweide oder den kriegerischen Troubadour Bertram de Born, oder aber den geistreichen Dichter der Mirza-Schaffy-Lieder zum Gegenstand ihrer Betrachtung erkürt. Eine Anzahl ihrer öffentlichen Vorträge bilden nun, in einem hübsche» Leiueubaud vereinigt, die „Litierarischen Charakterbilder". Es sind ihrer zwölf. Allen voran marschirt Herr Walther von der Vogelweide, dann folgen außer dem eben Genannten Comoes, bet Sänger der Lnsiaden, das Urbild des Don Juan, der erste und letzte Laureatus in der Westminster-Abtei, die Meister der russischen Lilteratur, Gras August v. Plate», der italienische Weither, Oskar v. Redwitz und endlich die „Königin der deutschen Dichterinnen", Annette v. Drost-HülShoff. Gewiß, über alle ist schon viel gesagt und geschrieben worden, nichtsdestoweniger aber können wir Litteratur- frenndeii Marie Schmidts gut getroffene Charakterbilder besten» empfehlen.
* Automobilen im Jahre 1650. Bereits in der Mitte de» siebzehnten Jahrhunderts, also vor 250 Jahren, sah man in Holland einen sich ohne Hülfe von Pferde» fortbewegeuden Wagen; er gehörte dem Prinzen von Dranien. Dieser Wagen besaß ein Gestell au» viereckigen Segeln und wurde wie ein Schiff birigirt; der Kutscher, also in biefem Fall bet Steuermann, saß vorn, um mit einem Leittabe dem Wagen die Richtung zu geben. Nach einer Angabe aus der damaligen Zeit konnte diese» Automobile mit 28 Personen belastet werden und in zwei Stunden die Strecke von Scheoeningen bis Putten, 14 Meilen, durchfahren. Die nämlichen Angaben besagen auch, daß die Gesandten von Deutschland, Frankreich, England und Dänemark mit diesem geflügelten Wage» gereist wären, der allgemein Bewunderung erregte. Da iudeß der Wind auf den Fahrwegen ein zu unzuverlässiger Leiter war, so wurde die» Automobile bald aufgegeben und später als Wagen für Pferde umgebaut.
WH der Loyalität. Der bieswöchentliche .SimplicisiimuS" erzählt folgende Anekdote: „Es gab nicht» auf der Welt, für das Se. Majestät sich nicht intereffirt hätten. Eine» Tages konstatirte der Fürst, daß er der Chirurgie vielleicht nicht die Aufmerksamkeit geschenkt hätte, wie er sie anderen Künsten und Wissenschaften zuzuwenden pflegte, und so ließ er gleich seinen Besuch für den folgenden Morgen in der Operationsklinik des Herrn Pro» feffor v. Schwarzkopf ansagen. Se. Majestät kamen gerade recht- zeittg zur Amputation eines Beine». Der Profeffor vollzog die Abtrennung des Gliedes mit der ihm eigenen Geschicklichkeit, was Se. Majestät mit einem lauten: „Bravo, mein lieber Schwarzkopf!" belohnte. „Befehlen Majestät auch dar andere Bei«?" entgegnet» der Profeffor.
— Mir da» Zifferblatt «nferer Ahr entstand. Weim wir den Lingen, mit denen wir dauernd von Kindheit an zu thun haben, dieselbe unvoreingenommene Aufmerksamkeit zu schenken vermöchten wie den entfernteren Verhältnissen, so müßten wir uns immer von Neuem darüber wundern, wie wir dazu gekommen find, die Tageszeit nach zweimal zwölf Stunden zu rechnen und nicht, wie es ja neuerdings mit vielem Eifer angestrebt wird und wie es die Astronomen schon lange thun, von 1 bis 24. Daß in,» diese Eigenthümlichkeit so wenig auffällt, liegt daran, daß der Ursprung dieser Rechnung in dasseruste AIterthnm zurückreicht. Man weiß längst, daß die eigenthümliche Bevorzugung der Zahlen 5,12 und 60 (Dutzend, Mandel, Schock) eine Erbschaft von den alten Babyloniern her ist. Heber die Entstehung dieser Zeiteintheilung lag noch Manches im Dunkeln, das jetzt durch Untersuchungen des Orientforschers Hugo ,,„g ------~ । Winckler stellenweise überraschend erhellt wird. Dieser stieß in a!t=
streiten da" dA »i»ts"" 8abt mnlt 281118 jemand | mesopotamischen Inschriften verschiedentlich auf da» bisher unerklärte »reiten. daN da« »w «mM* - I Wort Chamuschtu, das jedenfalls die Bezeichnung eines Zeitabschnitte»
von geringerer Länge als der Monat gewesen fein mußte. Winckler bat nun festgestellt, daß es ein Zeitraum von 5 Tagen war und dieser Abschnitt steht wiederum in Zusammenhang mit der Tageseintheilung, die wir noch heute besitzen. Freilich wurde der Tag niemals wie jetzt in 12 Tages- und 12 Nachtstunden eingekeilt, sondern in 12 Doppelstunden. Diese Eintheiluug hatte solgenden Grund: Der Sonnendurchmeffer bedeckt etwa die Länge eine» halben Grade« am Himmelsgewölbe, also den 360ften Theil des Halbkreise» (von 180 Graden), den die Sonne in ihrem Tagerlause beschreibt. Nach unserer Zeitrechnung durchläuft die Sonne den Längenabschnitt ihres eigenen Durchmesser» in dem 360sten Theil der 12 Tagesstunden also in zwei Minuten. Da die alten Babylonier diesen Zett« abschnitt, in dem die Bewegung der Sonne ihren eigenen Durch-
Verlag: Langgasse 27.
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t Breiten, daß das nicht poetisch ist? —
Gäb'» doch mehr dergleichen industriell-erzieherische Dinge in ■ der Großstadt, daß Gegengewichte vorhanden wären gegen die Un- . natur .einerseits und gegen die stupide Eitelkeit andererseits. Ich lese mit Erstaunen eine Mittheilung, daß zwei Lehrlinge einem ■ £r,t“n von einem vierten eine Herau»sordernng zum Duell über» bracht haben. Die Namen thun nicht» zur Sache. Das Faktum E- spricht für sich. Ad I; Die Nachäffung studentischer Gebräuche ist I undlsch; ad II: bie Ursache, weshalb es zu der Forderung kam, ist L bezeichnend für den Grad der Lebensgewohnheiten unserer Lehrlings- I -reffe. Daß er hier sogar farbentragende Korporationen giebt, ist ■ lüthcrllch flcniig, daß es aber bei diesen zu Kartellträgereien kommt, ist ein Geschehniß, um da» sich der Staatsanwalt sofort kümmern I ^"llte. Farbentragende Lehrlinge! Wenn es Jungen» au» der
iv??srktion waren, so wäre ihnen für ihre dumme Spielerei „Geld- I messer durchschreitet, al» Zeiteinheit wählten, so kamen sie demnocki
hräoerril iU tl9,W“L Und die Ursache der Kartell- I nicht auf unsere heutige Mimte, sondern auf da» Doppelte derselben
; 8 " msa« ^N^o^owrnniß Inder Kneipe — so wenigsteus meldet I auf die Doppelminute. Danach wurde auch der Tag in 12 Doppel-
bumme Eifersüchtelei in einem stunden eingekeilt, da die 12 neben der 5 die heilige Zahl
I ßMb bastefVk,6; Bedienung von zarter diese» Volker war (die Multiplikation dieser beiden Zahlen ergab
E 6ß8 in brn Kopsen der Lehrlinge angerichtct hat. I die dritte hervorragende Zahl ihre» System», nämlich 60).
„helllodernde" Begeisterung hervorgerufen, nicht zum Wenigsten bei dem russischen Branddirektor Bogdanowitsch, der sich des Lobes über unsere Wehren nicht genug leisten konnte. Besichtigungen, Exerciren, Feuerdemoiistrotionen, singirte Brandattacken, Brand- piodeu und viele Dinge, die znr Feuerwehrdirziplin gehöre», folgten eiiiaiider, die» Alle» und nicht minder die Ausstellung bildeten i ..
den - Brennpunkt des Feuerwehrtage». Und doch - ganz ohne ein ! IlNdt tttld LttNS.
kleine» eifersüchtiges Intermezzo ist die Sache nicht angegangen, I standen sich doch in dem Berliner und Charlottenburger Brand- I __ Wiesbaden, 19. Juli,
direktor zwei Persönlichkeiten gegenüber, die sorgsam auf ihr Prestige I _ ©c>u’ Zchuhenfest. Heute Nachmittag hielt das „Bürger-
bedacht waren. Den Fremden von Fache gegenüber wollte keiner I «chutzencorps" da» übliche, von dem Schützenwirlh, Herrn Ritter, von beiden die Nebenrolle spielen, und so loderte die „Flamme der I vortrefflich zubereitete Festessen in der Schießhalle ab. Verschiedene Eifersucht", nicht sehr merklich zwar, aber immerhin stark genug, I Toaste — auf Se. Majestät den Kaiser, Se. Kgl. Hoheit daß die Zuschauer merken konnten — „aha — hier handelt es sich I ben Großherzog Adolph von ßn$eniburg, den Schützenkönig rc. um eine brennende Frage". In einem aber waren sich die beiden I ~ wurden dabei ausgebracht. Im Laufe des Tages (bis Branddirektoren einig: dem russischen Brandfachmanu General I ® Nachmittags) wurden noch folgende Trophäen außer den Bogdanowitsch zn zeigen, daß wir selbst den größten Brand zu I bereits bekannt gegebenen erlegt: Herr Schlosser Fritz May den löschen im Stande sind, beide Herren führten dem Gaste aus I Reichsapfel, Herr Kaufmann Wilhelm Reitz den linken Hals, Herr Rußland vor, wie man einen „kalten Wasserstrahl" am wirksamsten I edjmicbemeifler Stölker den rechten Hal» und Herr Bäckermeister gegen das feindliche Element richtet. Neben dem „Fenerwehrtag" I Urbas da» rechte und linke Bein, Herr Fabrikant Alt sch offner, i n „ o,.„ ~ '. . ..
hatten wir noch einen „Tag": eS war ebenfalls etwas ganz Le- I bcr bisherige Schützenkönig, de» Schwanz. Wie bei dem schönen I " r^nA1,n ®onnta9 wird hier zur
sondere», etwa», was nicht oft vorkommt, ein „Tag", der nicht alle Wetter nicht anders zu erwarte.., war der Verkehr „Unter den Eichen" f ^bEvfleS M B “011. ^‘111&llt9
Tage veranstaltet wird. Wir hatten einen „Internationalen wieder ein recht reger. I^u rgruheleuch tet und em Feuerwerk ab-
Verbandrtag der Aiisichtspostkartensammler." Ein bischeu lang der ! — §nr Griindung des Wltteldruffchen Hanger- ~ -s - , ... .
Name, aber desto kurzer war der Tag selbst. Eigentlich - so will vrrteandes. Die Frankfurter Sangervereinigung versendet soeben Das Domkapitel wählte den Dompsarret
es mir scheinen — haben sich die Theilnehmer des Tages schon aus I an alle ihr bekannt gewordenen Gesangvereine Mitteldeutschlands I ^albeet '»noert zum Bischof von Fulda.
den Abend in Berlin gefreut. Giebt's doch Abends — manche I einen Aufruf, in welchem die Vereine gebeten werden, ihre Vertreter
munkeln auch etwas von Nacht — in Berlin eine so große Anzahl I zu dem am 27. und 28. August im „Zoologischen Garten" zu
von Ansichtspostkarten, daß dem Sammeleifer jede» Einzelnen vollauf I Frankfurt a. M. statlfiiidenden Delegirtentag zu entfenden. Die
genügt werden kann. Der AnstchtSpostkartensammler-Koiigretz — I Bestrebungen dieses Verbandes sollen hauptsächlich darauf gerichtet
mcht wahr, wieder ein hübsches Wort? — hat aber gezeigt, zu | fein, zeitweilig in Mitteldeutschland größere Sängerfeste in
welcher Entfaltung die Industrie in Ansichtspostkarten heutigen I größerem Maßstabe abzuhalte», wie überhaupt die Pflege des
Tage» gekommen ist. Sie stellt heute einen gewichtigen Faktor im I Männergesanges und die Hebung de» VolkSgefangeS mit allem
Srtoetb8leben vor. Es wurde auf dem Kongreß aber auch über die I Ovfermuth zu heben. Allen Vereinen und Bünden soll Gelegenheit
i? .Outsiders" geklagt, welche der Ansichtspostkarteii-Jndnstrie sicher I geboten werden, sich diesem Verband — ohne große Verpflichtungen
nicht zur Ehre gereichen, welche auf die niederen Instinkte der Menschen I und Verbindlichkeiten — anznschließen, um gemeinsam die Zusammeii-
rechnen und gerade, wie in der NenjahrSkarten-Jndustrie, das bischen I gehörigkeit der deutschen Sängerschaft zu wecken und zu fördern.
Poesie in den Schmutz ziehen durch ein Uebermaß von Frivolität, I Die Anmeldung der Vertreter soll möglichst bis 14. August an den
| bie in Zeichnung und Text ans der Ansichtspostkarte zum Aus- 1 Vorsitzenden der Frankfurter Sängervereinigung, Herrn Peter
druck kommt. Die Geschmähten meinen, das ist — Ansichts- I Schileider, gesandt werden, welcher ai.» gern alle Anfragen beaut-
- suche. Recht intereffant war cs, zu erfahren, daß der Er- I wartet. Wir können diese idealen Bestrebungen nur mit voller
K ünber der Ansichtspostkarte ein Berliner ist, der Inhaber I Sympathie allen Gesangvereinen empfehlen und wollen hoffen, daß
der Kunstanstalt M.esler, Hcrr Miesler, der als fröhlicher, wander- I durch Entsendung der Vertreter dem Delegirtentag es endlich ge-
E lustiger Herr von Thälern und Bergen au», wo er weilte, an die I lingt, wonach schon so lange in der Säi.gerwelt gestrebt wird.
Sein.gen und seine Freunde vor langen, langen Jahren Postkarten I nämlich: die Einigung und Verbrüderung der Gesangvereine Mittel-
lchickte, auf die er Zeichnungen hinwarf, welche die Gegend, in der I deutschlands.
I " streifte, darstellten. Es wird wohl auch einmal ein fideles
Wirthshaus vom golbenen Rhein oder der grünen Mosel mit üntergelaiifcn fein, und so kam die „Variatio" heraus, die „deleklat". ^ch mußte bei diesen kongreßlichei. Enthüllungen an Faust und Mephisto denken. Wenn damals man schon etwas von Anfichts- poßtarten gewußt hätte, welch' historisch echte Erinnerungeu an Auerbachs Keller ui Leipzig hätten wir heule habe» können. Und nun sah ich mir, von Neugierde getrieben, den Erfinder der AnsichtS- - K"tn Mierler an. Erst im Depeschensaal des „Bcrl.
b L.-A. (lies Berliner Lokal-Anzeiger), bann in der Stammkneipe, w» er verkehrt, am Moritzplatz in einem Garten. Ein Mann in den 50ern mit langem Knebelbart und wirren Locken auf dem Haupte einen mächtigen Calabreser. Und wie ich ihn so 'betradjtete, da sah ich, wie er eine Postkarte schrieb. Was war es? Eine Ansichtspostkarte, die er malte, oben in ber Ecke sein Selbstvorlrät
Wenn man bie)er gewiß zutreffenden Annahme als Pendant eine kurze Notiz aus einem bet letzten Polizeiberichte gegenüber« stellt, so hat man ein Bild von den Folgen, bie „die Bedienung von zarter Hand" ab und zu zeitigt. Der betreffende Polizeibericht (Nachdruck verboten.) I erwähnt kurz, daß ein 56 Jahre aller Schornsteinfegermeister in der I Wohnung einer Kellnerin erhängt vorgefunden worden ist. Zer- eM*“ nUpIflllvT» I rüttele Familien- und Vermögensverhältiiiffe „scheinen" die Ver-
Von 8t. SilviuS. I cwlassung zu der That gewesen zu sein. „Schei.iei.!" Ich kann
sFenerwebrtaa — fiie Rerlüi — hie ßfinrrnffenbnm — espff- I hinzufügen, daß es so ist. Ein 56 Jahre alter Mann, Familieu- loöernbe SeaBe‘ifie'una — Der rnffifLe^PnfOrH»hrfn^mnnii — I Oalcr 1,1,6 m einer Stelllmg, m die er durch das Vertranen seiner Der kalte Wasferstrabl — Kleine^e i f u cht ei eie nF — Bd-t»= I Berufskollegen gekommen ist, erhängt sich in der Wohnung einer postkarteiifammIer-Koiigreß. — Die Outsiders der Ansichtspostkarte. I Wgu^a berße'be öeratben^ b^8 f »Dhl^flar'^'sie'lnhe ^e« aUers?arleaträgerIU-fleden? alLnde?Man"..e angethan, fit XÄ« Geschäft »üd Schornsteinfegern^^ in»anben., - Nachtcafozaüber. - ^ornft^'Sniehen; bn'ÄfanZiS"?ee6nrten’-y" .sicht aroßeu^Tbell b«»eri' ''0«nr-,ßffte" ^«anstaltungen, die einen I Fnto gttiÄHnriSÄun «ncbtcaf'r^iieVe?"
west sie noch Nicht sich Kellnerinnen-Histörchen. Der Pächter eines der frequentirtefte.., fl-balten hat, und zwar so ziemlich schönsten und flottesten Nachtcafes der oberen Friedrichstadt, noch vor 2>tt d-nt ch-Ienerwehrtag ist's «eweieii, den Linden, hat sein Kapuziner-, Mocca- und Melange-Scepter ®>nr('0*lilbutrnflhf a8t Ws»» ich von der Berliner auch plötzlich niedergelegt. Warum? - Er war doch ein Meister
dürfe» nur dar die guten Charlottenburger in, Nachtcasö-Verkehr, und alle Nachlbnmmler fanuten ibn al» A ,,u■ •Berlin und Charlotlenbnrg ist wie ein I schneidigen Wirth. Auch darauf kann ich Bescheid geben: ihn bat
o 2,c ,®£^';Ll60frnh®,1*ll;Cr^0rf U"d «choneberg schier eine tiefe Leidenschaft zu einer Kellnerin erfaßt und das Geschäft
riS 1 xx r Schoneberg ihre litt darunter. Man sieht, wir sind »och nicht in der Zeit, daß die
k» Burgermeister-, KanalisasionS-, Buddel-, Steuer- und I Bedienniig von zarter Hand ein überwnndener Standpunkt ist.
ebSn VI 8U, -’0ei ®emeuifd)aft, al«i ba& I Das Juli-Saisonleben flnthet in Berlin auch über derartige nnm Yv «.„Ä und wenn ich daher I kleine Klippen hinweg; Wit haben nämlich merkwürdig lange Saison.
e-^>1„^',,.^iU^^oehrtag rede, so ist» doch ein Berliner Ereigniß, I Die Variete» an der Spitze, die Meinen keine Sommerserien kennen h,r »Äft "!1.1?11. wurde iinb unter dem zu wollen. Und draußen im Eoe.he-Theater ist der Ritter vom mnhl » flrp&te aiijabl von Fremden ist I hohen C, Herr Heinrich Bötel, eingezogen. Der Herr, über den man
^U<bri8» vkt- I aus einem Interview die überraschende Thalsache erfährt, daß er Feuerwehrtag hat bei Laien und Fachleuten schon eine 17 Jahre alte Tochter und einen 15 Jahre alten Sohn i I hat, macht selbstverständlich bie vollsten Häuser. Fräulein Bötel 1 I soll Sängerin, Jung-Bötel Kapellmeister werden. Nun vielleicht rngeu, I glückt e» den jungen Bötelianern, so — hoch zu kommen, wie Papa i raiid- I Bötel es noch heute mühelos fertig bringt.
