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«e. Jahrgang.
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U-. 292
Montags den 27. gum.
1898
Fernsprecher No. 52.
Fernsprecher No 52.
griffen der Spanier sicher feien. Da anderen Meldungen zufolge die Spanier di« ganze Küste besetzt halten sollen, so steht ein Kämpf unmittelbar bevor und ist zur Zeit, wo diese Zeilen im Druck erscheinen, vielleicht schon ausgefochten. Aus dem Transport der amerikanischen JnvasionSarmec sollen einige Fälle von typhurartigen Maseru vorgekommeii sein. Im Allgemeinen aber sollen sich die Truppen im. besten Zustand befinden und von ausgezeichnetem Geiste beseelt fein. Eine Depesche, welche in Washington einlief, theilt mit, daß eine direkt- Verbindung mit Guantauamo hergestellt sei durch französische Kabel.
Die Forts, welche den Hafeneingang von Santiago vcrtheidigen, sind von den Spaniern noch um einige Werke bczw. Batterieen vermehrt, zu deren Armirnng man die Schiffrgeschütze der in Cuba stationirten minderwcrthigen Kriegsschiffe, der Kanonenboote und Kreuzer verwendet hat, denn diese meist ungeschützten Fahrzeuge wurden den modernen, zum großen Theil gut gepanzerte» Schiffen der amerikanischen Flotte sofort unterliegen. Die vcrhält- nißmäßig grobe Anzahl von Befestiguiigswerken, welche nunmehr den Hafeneingang sichern, ist aus unserer beistehenden Kartenskizze deutlich zu ersehen. Diejenigen Batterien, die während des gegenwärtigen Krieges erst neu angelegt find, wurden in der Zeichnung durch lluterstreichung ihrer Namen hervorgchoben.
Die amerikanische JnvasionS- armee, welche unter General Shafters Führung steht, kommt, wenn sie sich mit de» Znsurgenlen- streitkrästen vereinigt bat, an Kopfzahl den spanische» Truppen, die bei Santiago und Umgebung zusammengezogen sind, ungefähr gleich; man wird beiderseits über etwa 20,000 Mann verfügen. Zu Gunsten der Spanier fällt ihre bessere Ausbildung, sowie die Thatsache ins Gewicht, daß ihre Truppen infolge des langen Aufenthalts auf Cuba bereits akklimatisirt sind, was bei den Amerikanern nicht der Fall ist; auch haben sie die beffere militärische Disziplin für sich, fodaß es schwer ist, voranszusagen, zu wessen Gunsten die Waage der Entscheidung an Land sich neigen wird.
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Ende vorvergangcner Woche ist General Shaster mit der für Südcuba bestimmten Jnvasions- armee auf einer Transportflotte von Tampa ansgebrochcn und in« I zwischen an seinem Bestimmungsorte angekommen. Dem General, dessen Porträt wir beistehend bringen, fällt die Aufgabe der Bekämpfung der spanischen Truppen von Santiago zu Lande zu, was, wie die begonnenen Kämpke beweisen, bei weitem schwieriger und gefahrvoller ist, als das bisher mir geübte Bombardiren von Küften- plätzcn. Auf den genannten General konzentrirt sich daher gegenwärtig das allgemeine politische und militärische Jntercffe, nachdem er am 20. Juni mit seiner Flott« vor Santiago angekommen.
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. . M. Washington, 25. Juni. General Shafter telegraphirte, M '8 chui gelungen sei, auf der ganzen Linie znrückzudröngen. Die Spanier konzentrirtcn sich jetzt zwischen Siboney und Santiago, wo er nach Ansicht des General Shafter in der nächsten Woche zu einem eiitscheidendcn Kampfe kommen wird.
wb. Washington, 25. Juni. Eine eingegangene D-pesche des Generals Shafter besagt: Die Spanier hatten bei Sevilla eine stark verschanzte Stellung auf dem Gipfel hoher Hügel inne. Das Gewehrfeuer dauerte eine Stunde. Der Feind wurde aus feiner Stellung vertrieben. Die amerikanischen Truppen nehmen dieselbe le8‘ em. eie liegt l1/» Meile von dem Orte Sevilla. Die Spanier haben sich gegen Santiago hin zurückgezogen. General Miles äußerte, man muffe auf die Cubauer rechnen und man müsse ferner den spanischen General Pando verhindern, die in Holguin an- gesammelten 10,000 Mann nach Santiago zu führen. Garcia hat den bewnderen Auftrag, dafür zu sorgen, daß keine Verbindung zwischen Holguin und Santiago möglich ist.
Abend-Ausgabe
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Der Dalkan-Minister des Cxaren.
Dem Fürsten Nikolaus von Montenegro, den der Czar von Rußland einst als seinen „einzigen Freund" gerühmt hat und dem er diese redjt' praktische Freundschaft durch wiederholte Geld- und Waffenscndungcn bewiesen und noti- fizirt hat, ist der Kamm in bedenklicher Weise geschwollen. Immer deutlicher stellt es sich heraus, daß die eigentlichen Inspiratoren der Unruhen in Albanien in Montenegro zu
Der Hinweis auf die noch unbefreiten Slaven ist deutlich, er bezieht sich in erster Linie auf Bosnien und die Herzegowina, den von Oesterreich-Ungarn okkupirtenLändern. In Oesterreich-Ungarn ist man sich bewußt, daß man den Montenegrinern nicht trauen darf, aber man verkennt die Grundzusammenhänge dieser politischen Vorgänge. Die von Rußland geschürte montenegrinische Bewegung ist nur ein Theil der allgemeinen slavischen Bewegung, die sich allenthalben und vor Allem in Oesterreich geltend macht. Das Panslavistenfest in Prag, auf dem der russische General Komarow, der Sendbote der berüchtigten „slavischen Wohl- thätigkeitsgesellschaft", den Kampf gegen das Dcutschthum
Caßrera
Auswärtigen Amtes, hat aus Anlaß von Angriffen, die das montenegrinische Regierungsblatt „Glas Crnagorca" gegen die österreichisch-ungarische Negierung gerichtet ‘ hatte, einen „kalten Wasserstrahl" nach Cetinje geschleudert.
Die scharfe Zurechtweisung, die dem montenegrinischen Negierungsorgan zu Theil geworden ist, ist aber von ganz besonders politischer Bedeutung, denn Fürst Nikolaus von : Montenegro ist nicht nur absoluter Monarch, er ist auch der thatsächliche, wenn auch natürlich nicht nominelle, Chef- p redakteur der „Glas Crnagorca". Fürst Nikolaus ist aber nicht nur sein eigener Preßvertreter, er ist auch Poet, und L während er sich in Prosa noch verhältnißmäßig maßvoll L auszudrückcn gewohnt ist, pflegt er dem Pegasus keinerlei I Züge! anzulegcn. Die wahre Gesinnung des Fürsten kann man am besten aus seinen poetischen Ergüssen erkennen, in | denen er wiederholt das traurige Schicksal der unter deutschem | und österreichischem Joche seufzenden Slaven betrauert und darüber klagt, daß sich den Montenegrinern blutsverwandte 1 Völker unter die Herrschaft der „Schwaben" beugen müssen. P Aber er tröstet sich mit dem Ausblicke in eine schönere Zu» ~ kunft, in welcher alle Slaven sich vereinen und von ihren “ Unterdrückern befreien würden. In Montenegro hat man aus der Gesinnung gegen Oesterreich-Ungarn niemals einen Hehl gemacht. Als vor jetzt drei Jahren der weise Czar | seinem einzigen Freunde Nikolaus eine größere Sendung von Waffen und Kriegsmaterial übermittelte, wurde dem russischen Ministerresidenten in Cetinje eine Deputation entsandt und der Führer der Deputation sagte, laut der damals in dem mehrfach erwähnten montenegrinischen Regierungsorgan er- | folgten Veröffentlichung, unter Anderem Folgendes:
Fürst Nikolaus, der Führer unterer Heldenbrut, steht heute nicht mit leeren Händen da. Er vermag in jedem Augenblick den Kampfes reizen zu eröffnen, dem wir, so wahr uns Gott helfe, iehnfüchtig «ntgegenfehen .... Er wird, er muß dafür sorgen, daß wir den geschenkten Waffen Ehre machen, daß wir sie heldenmmhig Müsingen und mit ihnen der Freiheit und den Interesse» des SlaventhumS dienen. Aus ihrem ruhmvoll versoffenen Blut ist die Freiheit der Balkanvölker hervorgegangen, aber noch find sie «icht alle frei, es giebt noch Sklaven, es giebt noch Unglückliche, die 4re Blicke zu uns emporheben ....
ganze Bewegung, deren Endziel die Auflösung der heutigen deutsch-österreichischen Monarchie ist, wird durch nichts so sehr gefördert, als durch die Begünstigung des Slaventhums gegenüber dem Dcutschthum in Oesterreich selbst. Die Politik, welche bisher in Oesterreich dem Dcutschlhum gegenüber getrieben wurde, ist deshalb in hervorragendem Maße staatsfeindlich und staalszerstörend.
suchen sind, und daß der Hauptzweck dieser Bestrebungen darin liegt, der Türkei, vor Allem aber Oesterreich-Ungarn Schwierigkeiten zu bereiten. Ueber die Umtriebe Montenegros in Bosnien und der Herzegowina ist man in Oesterreich-Ungarn seit Langem unterrichtet. Man : weiß dort auch, was die neuerliche Entente zwischen Montenegro und Bulgarien zu bedeuten hat, und man ist endlich auch über die Versuche des ; Fürsten der schwarzen Berge orientirt, auch die Serben in die allgemeine slavische Mobilmachung hineinzuzieheu.
Fürst Nikolaus, der einzige | Freund des Czaren, betrachtet 7 sich seit langer Zeit als der Vorposten Rußlands am adria- f tischen Meere und er hat sich - erst kürzlich in einem Belgrader 7 Blatte als den „russischen f Minister des Aeußeren für die Balkanpolitik" feiern lassen. . In den leitenden Kreisen : Oesterreich - Ungarns ist man ; über diese Pseudo-Miuister- ; schäft begreiflicher Weise wenig erbaut. Obwohl die Umtriebe des Fürsten von Montenegro gegen Oesterreich-Ungarn dort seit Jahren bekannt sind, hat man sie zumeist offiziell ignorirt, obwohl seit langer Zeit in aller Stille die entsprechenden Vorbereitungen gegen etwaige
Putschversuche an der montenegrini ch:n Grenze getroffen I proklamirte, steht in engem Zusammenhang mit der von worden sind. Jetzt endlich hat man auch das offizielle Schweigen I Montenegro aus geschürten slavischen Bewegung. Diese gebrochen und das „Wiener Fremdenblatt", das Organ des I s ~
(Nachdruck verboten.)
Z« den Land Kämpfen ans Cuba.
An der Sudküste von Cuba wird der erst« ernsthafte, von einer stärkeren amerikanischen Truppenmacht nilternonimcne Angriff auf die Insel gemacht werde». Zu biefem Zweck war bekanntlich am 13. Juni von Key-West aus eine Jnvafionrarmee unter General Shafter nach Cuba abgegangen. Siefelbe besteht aus 773 Offizieren und 14,500 Mann, von denen alle Reguläre find mit Ausnahme des 71. New-Iorker und des 2. Maffachufelts Infanterie- Regiments Freiwilliger, sowie acht Abtheilnugeu Rodfeveltscher Reiter — ohne Pferd«. Dir Flotte besteht aus 32 Transportschiffen, die von 14 Kriegsschiffen begleitet waren. Das Marine-Deparlemeiit in Washington erhielt am 21. Juni ein Telegramm des Admirals Sampson, welches meldet«, daß General-Major Sbaster und di« Transportflotte Tags zuvor in der Näh« von Santiago an« gekommen seien.
Vorher hatte der Jnfurgentenführer Garcia an Bord des Admiralschiffer mit Sampson über die Einschließung von Santiago Berathnngen gepflogen. Garcia erklärte, daß 4000 Aufständische weniger als 40 Meilen von der Stadt entfernt seien und 3000 sich in Holguin nordöstlich von Santiago befänden. Man wiffe jetzt, daß die „Merrimac" den Eingang in den Hafen nicht sperre. Fahrzeuge könntkn pasfiren, ohne das Wrack zu berühren. Ferner war bereits r > > den Insurgenten und den Amerikanern zwischen ®uaiite' ' und Cnevo, 13 Meilen westlich von Santiago, eine Verbind. , durch Couriere hergestellt. Letzterer Ort soll als Kommnnikatioiisbafis zwischen Sampson und den Cnbaiiern, von denen 500 Mann Cuevo besetzt halten, dienen.
Einer späteren Meldung zufolge sollen General Sbaster und Admiral Sampson am 20. ds. zusammengetroffen sein und sich 17 Meilen westlich von Santiago an Land begeben haben. Hier trafen sie, nqchdem sie etwa eine Melle landeinwärts gezogen waren, mit dem Führer der Aufständischen, Garcia, zusammen, welcher dort angeblich mit 3000 Mann lagerte. Es fand eine mehrstündige Besprechung statt. ES sollte angeblich eine allgemeine Landung nicht vor zwei oder drei Tagen versucht werden, aber kleinere Truppentörper schon vorher an verschiedenen Punkten östlich und von Santiago gelandet werden, wo fie vor ernstliche» An-
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