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Wiesbadener Tsgblstt

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Verlag: Langgasse 27,

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1898

Freitag, den 24. Juni

Fernsprecher No. 52.

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MorgenAusgabe»

chinesischen Kollegen gerade kein gutes Licht wirst. Danach sind die letzteren nicht im Stande, auch nur die einfachste» Operationen vor» zunehmen, wie zur Ader zu lassen, ein anrgerenkteS Glied wieder in die richtige Lage zu bringen 2C. AIS Dr. Wenyon nun seine Praxis begann, batte er von allen Seiten groben Zulauf, da Jeder seine Heil­methode kennen lernen wollte, und seine Erfolge führten ihm immer neue Patienten zu. Das war natürlich den einheimische» Aerzten ein Dorn im Auge, und so eröffneten sie denn, um sich ihren Einfluß auf die Bevölkerung nicht entschlüpfen zu lassen, und um den verhaßten Fremden der Kundschaft zu berauben, in deffen Nähe selbst ein Hospital, dem sie den Namen .Halle der zehntausend Tugenden" gaben. Allein während die Leidenden aus dem englischen Hospital größtcntheils nach einigen Wochen als geheilt entlassen werden konnten, verließen die, welche es mit den heimischenAerzten" ver­sucht hatten, die Halle der Tugenden regelmäßig als Leichen, und der einzige Trost, der den Hinterbliebenen zu Theil wurde, war dann stets die Bemerkung, es sei wenigstens für ein prächtiges Begräbniß Sorge getragen. Wenn das ja am Ende auch nach chinesischer Meinung nicht zu verachten war, so erschien es aber doch den Kranken angenehmer, wenn ihnen statt eines schönen Sarges die Genesung beoorstand, und so kamen sie nach wie vor zu Dr. Wenyon. Eines guten Tages fand sich nun ein an­scheinend den oberen Klaffen angehörender gelehrter Chinese bei diesem ein, der sich einer schmerzhaften Operation unterziehen mußte, indeß in einem Zeitraum von 14 Tagen vollständig wiederbergestellt war. Vor seinem Scheiden gab er dem englischen Arzt über seine Person Auskunst: es war der Leiter derHalle der zehntausend Tugenden!" Danach scheint für die friedliche Eroberung des himmlischen Reiches den Doktoren eine beachtenswert!)« Rolle zugefallen; vielleicht rntschließen sich deutsch« Aerzte an dieser Er­oberung Antheil zu nehmen..

Maur, Assistenzarzt Kuhn, zum Versaffer hat, folgende ergreifende Schilderung: Als die Compagnie von Ertorff auf einem Höhen- znge feindliche Schanzen stürmte, wurde der Führer des drillen Zuges, Lieutenant Bensen, durch einen Schuß in den Oberarm schwer verletzt, infolge deffen Ihr Bruder in heldenmüthiger Pflicht­erfüllung sofort die Schützenlinie verließ, um den Schwer­verwundeten zu verbinden, lieber seinen Lieutenant gebeugt, wurde er von dem feindlichen Geschoß mitten durch die Brust getroffen. Er ist wie ein ganzer Mau» gestorben. Er verschied nach zwei Stunden. So lange er noch sprechen konnte, sagte er zu mir: Gern sterbe ich nicht, aber ich fühle, daß es mit mir zu Ende geht; ich habe aber das Bewußtsein, daß ich immer meine Pflicht erfüllt habe. Grüßen Sie meine Mutter und meine Brant und schreiben Sie ihnen, daß meine letzten Ge­danken ihnen galten. Meinen Leichnam dürfen die Feinde nicht bekommen, meine Sachen soll mein 93 ruber erhalten." Als er mir noch die betreffenden Adressen diktirt hatte und seine Stimme schon fast versagte, fragte er mich, ob sein Lieutenant noch am Leben sei. Nachdem ich ihm diese Frage im bejahenden Sinne beantwortet hatte, sagte «r:Das ist gut !" Dann fragte er noch, ob wir gesiegt hätten. Seine letzten Worten, die er mir mir verständlich ins Ohr flüsterte, während (ein treues Auge bereits zu brechen anfing, waren: Herr Assistenzarzt, grüßen Sie meine Mutter, meinen Bruder und meine Braut!" Es mag Sie und Ihre Familie trösten, daß Ihr Bruder im Leben ein pflichttreuer Soldat, im Tode ein Held war, und daß wir alle ihm ein ehrenvolles Andenken bewahren werden."

* Aeskulap in China. Unser Londoner Korrespondent schreibt uns: Em Arzt der britischen Mission in China erzählt in einem englischen Blatt einiges über feine Thätigkeit unter den Söhnen des himmlischen Reichs, das auf hi« Fähigkeiten seiner

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Jüv öcrs 3. Suartak 1898

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Wiesbadener Tagblatt"

' ZN abonnircn, findet sich Gelegenheit im Verlag Langgaffe 27, i bei den Ausgabestellen, den Zweig-Lxpeditionen in den Nachbar- U orten und fämmtlichen deutschen Reichsxostanstalten.

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Gestärkt« Wäsch- ist für den Sommer wenig zu empfehlen. Bon mehreren Gelehrten, Professoren und Lehrern der Hygieine ist festgestellt worden, daß die Stärke ein starkes Hinderniß für die Wärmeabgabe bildet, und zwar merkwürdiger Weise em umso stärkeres und mehr ins Gewicht fallendes, je höher die Anßen- temperatnr ist. Hiernach ist also das Stärken der Leibwäsche eigent­lich eine recht unpraktisch« Einrichtung. Denn im Winter, wo wir uns alle Mühe geben, die Wärme festzuhalten, ist wegen ber nichtigen Außentemperatur der Wärmeschutz ber Stärke nur sehr gering, im Sommer dagegen, wenn wir uns bemühen, uns nach Möglichkeit abznkühlen, hält die gestärkte Wäsche dieWärme energiich am Körper zurück. Nun ist es ja richtig, daß bei steigender Temperatur bet Schweiß die Stärke anflöst; aber auch noch im anfgelöstenZustande macht sich die Stärke in der Wäsche unangenehm bemerklich. Denn auch in diesem Zustand verklebt sie die Poren der Leinwand und erschwert auf diefe Weise die Zufuhr trockener Luft zu unserer Haut, und gerade diese Zufuhr wirkt ja bekanntlich so erfrischend. Also auf alle Fälle erscheint das Stärken der Leibwäsche wenig hygieinisch.

Verkehr von Hamburg nach den Uordseebädern. Da« alljährlich von Der Rordseelinie (früher Ballius Rhederei) heransgegebene Handbuch für die Salon-Schnelldampser-Verbindung zwischen Hamburg und beii Nords-ebädern gelangt in neuer Auflage für die Saison 1898 soeben zur Ausgabe. Es enthält neben den ausführlichen Fahrplänen der Dampfer alle für den Reisenden wünschenswerthen Informationen über die für den Verkehr zur Ausgabe gelangenden Sommerkarten, Rundreisebillets, sowie genaue Angaben über die in diesem Jahre vom Jnlande nach Hamburg zum Anschluß an die Dampfer abgehenden Sondcrzüge. Das Buch wird allen Interessenten unentgeltlich verabfolgt bei der Nordfee­linie, und ist auch, dank des Entgegenkommens der Eisenbahn­vermallungen, ans allen größeren Eisenbahnstationen kofteilsrei erhältlich.

Vereins - Nachrichten.

euw lachUche Berichte werde» bereitwiüigft unter tneler Uebertorift aufeenommen.

* Der diesjährige größere Famil'enausflug desW i e S b a d e n e r B ea m t e n-V er ei u s" findet am 3. Juli nach Hofheim statt. Die Abfahrt erfolgt 8 Uhr 40 Min. Vormittags vom Ludwigs- bahnhof mit Souutagsfahrkarte nach Eppstein. Ankunft daselbst 9 Uhr 43 Min. Hier wird die Bahn verlassen und die Fuß- wa nberung nach Lorsbach (45 Minuten) angetreten. Nach einer etwa '/«-stündigen Frühstücksrast daselbst geht es weiter nach Hof­heim (1 Stunde). ImRheinganer Hof", dessen Lokalitäten (großer schattiger Garten und geräumiger Saal) sich zur Aufnahme der zu erwartenden stattlichen Theilnehmerzahl vorzüglich eignen, wird um 1 Uhr zu Mittag gegessen und der Nachmittag bei Spiel und Tanz verbracht. Für diejenigen Ausflügler, welche an letzteren Ver­gnügungen nicht theiluehmen wollen, empfiehlt sich ein Spaziergang nach ber in ber Nähe gelegenenKapelle" ober demMeisterthurm", von welchen Punkten man einen herrlichen Blick in das TaunuS- gebtrge hat. Die Rückfahrt von Hofheim erfolgt 8 Uhr 27 Min., die Ankunft in Wiesbaden 9 Uhr 49 Min. Die ganze Fuß­wanderung beträgt, wie vorstehend bemerkt, nur etwa l3/« Stunden, wobei fast ansnahmloS die dem schönen LoiSbachthale entlang führenden bequemen und schattigen Waldwege benutzt werden, sodaß sich auch die weniger wegfertigen Personen sehr gut an dem Aus­flug betheiligen können.

gfrmiiuit ans dem Publikum.

(Für Veröffentlichungen unter dieser Überschrift überuiuunt die Redaktion keiuerlet Verantwortung.)

* Zn dem Bericht in der DienstagS-AnSgabe Ihrer werthen Zeitung über den Verlauf des von demBeamten-Verein" abgehaltenen Kinderfestes auf dem Wartthurmterrain bitten wir ergeben ft um gefällige Ailfuahme einiger berichtigender Bemerkungen: Zunächst ist es nicht zutreffend, daß bei der Preisverlheilung an die Kinder nur ganz wenige leer ausgegangen sind. Von den Kindern der Einsender (4 Familien mit 8 Kindern) hat nur ein einziges einen Preis erhalte». Die Bemühungen, auch für die anderen Kinder, die sich sämintlich am Wettlauf :c. beteiligt hatten, eine Kleinigkeit zu erlangen, waren erfolg« los. Von verschiedenen anderen Seiten hörte man die gleichen Klagen. Die Ursache, weshalb die Kinder nicht sammtlich haben bedacht werden können, ist nicht, wie behauptet, darauf zurückznfiihreu, daß eine so zahlreiche Betheiligung nicht voransznsehen war, sondern liegt auf anderem Gebiete. Die Zahl der Kinder war verhältiiißmäßig nicht größer wie in den Vorjahren. Bei ber Preisvertdeilung ist inbeß nicht ordnungsmäßig verfahren worden. Ohne Dein Vorstand, der sich die größte Mühe gegeben hat und unzweifelhaft die beste Absicht hatte, einen Vorwurf machen zu wollen, muß hier doch im Interesse der Kleinen, die sich wochen­lang vorher auf das Fest freuen, gegen die Art und Weise in welcher die Preisvertheilung stattgefunden hat, entschiede^

Aus §tabt und Kaub.

Wiesbaden, 24. Juni.

Aus Luremburg erhalten wir direkte Nachrichten, welche die ungünstige Wendnng im Befinden des Großherzogs Adolph leider bestätigen. Das Balletin über den Gesundheits­zustand Sr. Kgl. Hoheit vom 23. c., Morgens 10 Uhr 45 Minuten, lautet:Appetit geringer; Fieber-Erscheinungen von rechtsseitiger Lnugenhypostafe. Leibarzt Dr. Koch. Dr. Alesch." Hoffen wir, daß es der Kunst der Aerzte gelingt, den hohen Patienten bald wieder auf den Weg der Beffermig zu bringen.

Dom Kqffhäuser. Der ehrwürdige Kyffhänserberg ist zu einem Wallfahrtsort des Volks geworden. Wer es irgendwie er­möglichen kann, will das große National-Denkmal gesehen haben. Wie in bett Vorjahren, so strömen auch in diesem Jahre viele Tausende von den Bahnstationen Roßla, Berga und Frankenhansen ans durch den herrlichen Wald nach dem Gipfel des Berges. An dem letzte» schönen Sonntag besuchten etwa 4000 Personen das Denkmal. Man muß das Leben und Treiben der Tansendc sehen, die den DenkmalSplatz und die idyllisch gelegene, nach de» Plänen des Professors Bruno Schmitz erbaute Wirthschaft mit ihren schattenreichen Plätzen beleben, um Studien an der Eigenart ber verschiedenen deutschen Stämme zu machen. Da trifft man Krieger-, Gesang-, Tnrn-Vereine, Deutsche aus allen Gauen bcS Vaterlandes, auch Fremde, die sich an dem großartigen Denkmal und der lieb­lichen Gegend ergötzen. In der Wirthschaft findet der Tourist vor­zügliche Verpflegung und billiges Nachtguartier. Die Besucher des Harzes und von Thüringen werden es nicht bereuen, wenn sie einen Abstecher nach dem sagenumwobenen Kyffhänscr machen.

N-ichstaos-Zlichmahl. Die Ergebnisse der heutigen

Reichstags-Stichwahl werde» voraussichtlich von 7 Uhr Abends ab, so weit bis dahin bekannt, amTagblatt"-Verlag, Lauggaffe 27, angkschlageit fein.

Etwas vom Husten. Der Husten ist eine fatale nnd beängstigende Krankheit, und die Folgen von jedem Husten sind gewöhnlich gefährlicher als der Hnften selbst. Früher galten Ent­binden des Halses, Trinken von ganze» Krügen Thee, ein gehöriger Bettjchweiß als die unübertrefflichen Mittel gegen Husten. Die Menschheit ist längst darüber belehrt, baß dies höchstens zweifelhafte Palliativmittcl sind, nnd daß Abhärtung das Hanpimittel gegen Husten ist. Trotz Abhärtung kann aber Groß und Klein doch mit­unter vom Husten befallen werden, und da ist es eine im Volk leider sehr verbreitete Ansicht, daß man sichordent­lich aushnsten" müsse. Das ist aber von Grund aus

falsch und kann die gefährlichsten Folgen herbeiiühren, da die Lunge dabei in hohem Grade in Mitleidenschaft gezogen wird. ES ist allerdings angenehmer, bei einem Kehlkopfkatarrh dem Kitzel im Halse nachzugeben und zu husten, bis endlich glücklich etwas Schleim gelöst ist, aber jeder Hnstenstoß bewirkt eine Verschtimmernng. Nerven und Muskulatur gewöhnen sich mehr und mehr an den neuen Reiz, nnd ein stärkerer Blutzufluß nach dem Kehlkopf bedingt eine Verstärkung des Katarrhs. Letzterer pflanzt sich bann auf die Luftröhre fort und bewirkt so die gesährliche Sßetbeiliguug der Lungen. Es wird nun zwar entgegnet werden, das Unterlassen des Hustens sei leichter gesagt als gethan; anfänglich kamt auch oft der Reiz sehr schwer überwunden werden; aber gerade das beginnende Kribbeln im Halse gilt es zu besiegen; gelingt es, fo sind nicht nur einige Hnstenstöße gewonnen, sondern auch durch die bedeuteude Gegenanstrengnng dem falschen Nervenreiz energisch entgegen gearbeitet. Die größte Berück­sichtigung verdient aber das Gesagte in der Kindersinbe. Schon vom dritten Jahre an können die Kleinen bei ernster Ermahnung durch di« Mutter sehr gut etwas beitragen, de» Reiz zu nutcrdrückeu, und in dem ersten Stadittm des Keuchhustens vermag eine strenge Durch­führung unserer Methode sogar eine Abkürznng des lange dauernden Verlaufes zu erzielen. Selbstverständlich müßten dabei alle den Katarrh unterbaltenbtn Momente entfernt werden. Nichts ist vor Allem verwerflicher, als das immer mehr in die Mode kommende Herumlaufenlafsen der Kinder mit nackten Knieen und Waden. Man bedenke eben, daß wir uns nicht unter den Hottentotten Südafrikas befinden, und erziehe feine Kinder zu gefunden, nicht zu skrofulöse» Menschen. Sehr wohlthätig gegen solche HustenausäUe wirkt auch die frische Lust (Spaziergänge, aber nicht Springen im Freien) und allabendliche Waschungen mit frischem Wasser. Alle Arten Ärnst- bonbons und dergleichen lindern allerdings den Reiz im Kehlkopf, verderben aber dafür den Magen und sind jedenfalls nur sehr spärlich anzuwenbeu. Fester Wille und gewiffenhaste Durchführung der einmal als gut erkannten einfachen Hausmittel können in Husten­krankheiten viele liebel verhüten. Dr. J. 8.

Uom Johannistag.

Von Albert Gillwalv.

E - Der Geburtstag Johannis des Täufers (24. Juni), der sogen. s Johannistag, wird nicht mehr wie früher als christlicher Festtag i gefeiert, doch in vielen Gegenden Deutschlands ist er dem Volke noch immer ein wichtiger Tag, der Veranlassnug bietet, mancherlei Festlich­keiten zu veranstalten und ganz der Lust und Freude zu leben. Da der Johannistag um di« Zeit der Souimersonneuwende fällt, wo die Somte am höchsten steht und in vorchristlicher Zeit ein Volksfest begangen wurde, welches der Sonne und dem Feuer galt, so rühren viele Gebräuche, die bis heute am Johannistage haften, von dem heidnischen ? Feste her. So namentlich die Johannisseuer, weiche noch immer in vielen Gegenden wie z. B. in Danzig am Abend vorher angezündet g werden und früher allgemein üblich waren. Man tanzte singend um sie herum, sprang durch die bochauflodernden Flammen, um sich von allen bösen, unreinen Stoffen zu reinigen, und warf nicht nut Blumen und Kräuter in das Feuer, damit gleich ihnen alles Unglück in Rauch aufgehe, sondern auch Pferdeköpse, Knochen und ~ selbst lebende Thiere, welche dabei als Opfergaben dienen sollten. | Die zahlreichen Mittel, am Johannistage die Zukunft zu er- - forschen, sind gleichfalls llebcrbleibfel ans heidnischer Zeit. Junge ü- Mädchen sammeln am Johannisabend stillschweigend neunerlei 6 Blumen, winden sie zu einem Kranze und werfen ihn hinterwärts auf einen dichtbelaubten Baum. Bleibt et beim ersten Wurf in den Zweigen desselben hängen, so schmückt noch in demselben Jahre die m Myrthenkrone das Hanpt der Jnngsran, sitzt der Kranz aber erst M nach dem zweiten ober dritten Wurfe fest, so muß sie auch noch zwei | oder drei Jahre auf ihre Hochzeit warten. Andere fammeln am fc Abende neunerlei Pflanzen, legen den Strauß unter das Kopfkissen ? nnd glauben fest, daß bas, was sie Nachts träumen, unbedingt ein- ; treffen muß. Manche Frau vergräbt neun Sorten Pflanzen unter der Schwelle des Hauses als Schutzmittel gegen mancherlei Unfälle in Hans und Familie. Von einer Lanchstaude werden § am Johannisabende zwei bet fchlauchartigen Blätter in 7 gleicher Höhe glatt abgeschnitten. Glück und Unglück stellen die s Schläuchlein vor, und ist am Johannistage eins derselben, z. B. tz dasjenige, welches das Glück bedeutet, übet Nacht länger gewachsen M als das andere, so blüht der betreffenden Person das ganze Jahr M hindurch das schönste Glück, andernfalls wird sie vom Unglück ver- i7-_. folgt. Die Stengel des Sedum (Mauerpfeffer, Fetthenne), am U Johannistage in die Spalten der Hauser gesteckt, dienen als Orakel U für das Glück und die Lebensdauer junger Ehepaare ober der Familienglieder. Derjenige, dessen Pflänzlein vertrocknet nnd keine : frischen Blätter treibt, stirbt unfehlbar noch im Laufe des Jahres.

Ganz eigenartig wird der Johannistag im Harzgebitge, namentlich |r_. in Klausthal-Zellerfeld, gefeiert. Jeder Bergmann hat vor seinem Haus« einen schlanken Tannenbaum errichtet, unten abgeschält und die grünen Zweige der Krone mit bunten Bändern, Fähnchen, Ketten von ausgeblaseneu und bemalten Eiern und mit komischen i Puppen behängt. Guirlanden von Tannengrün mit Blumen 7 durchflochten verbinden diese Johannirbäume untereinander. Nach fc. dem Gottesdienst ziehen die geputzten Kinder Hand in Hand in ; langer Reihe durch die Straßen, bilden um jeden Johannisbanm i «inen Kreis und singen tanzend die alten hundertjährigen Lieder: EO Tannenbaum, o Tauneubauni, Du bist eilt grüner Zweig, k wie grünst Du den Winter, Du schöner Sommerzweig! Tripp, > trapp, Käsenapp, heute ist Johannistag!" Gegen Abend erst mischen 7 sich die Erwachsenen in den Trubel und füllen die Straßen, zum L Theil auf das Tollste und Bunteste verkleidet. Da giebt's Äären- :^rer, Guckkastenmänner, riesige Wickelkinder, Burschen als Weiber f und Weiber als Männer verkleidet, Ausrufer, verkehrt auf einem Ekel reitend, und viele andere Masken, welche hinter blasenden W Bergknappen durch die Straßen ziehen und,allerlei, oft recht aus­gelassene Scherze treiben, die ober au diesem Tage Niemand übel ' nimmt. Abends werden die Johannisbäume mit bunten Lampions El. behängt, und Lust und Fröhlichkeit währen oft, bis der neue Tag ff anbricht.

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4». Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-PreiS: durch den Verlag SO Pfg. monatlich, durch bi« Poft 1 Mk. «Ö Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

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Die einspaltige Petitzeile für totale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Ans Kunst nnd Leben.

* Monatsschrift ftir Förderung drutschrr Kunst. U Ganz besonders interessant gestaltet sich das neueste, zehnte Hest der r öfter empfohlenen, echt modernen und äußerst gediegenenMonats- 7 schrist zur Förderung deutscher Kunst und Formensprache in neu­zeitlicher Anffaffung". (Darmstadt, Alexander Koch.) Preis pro Heft £ 2 Mk. Das neue Heft, das diesmal sich vorwiegend mit Frank- E futter Künstlern beschäftigt, würdigt die freilich jetzt allgemein an­erkannten Verdienste und die deutsche Eigenart von Hans Thoma, eine Fülle von Reproduktionen seiner Bilder und Zeichnungen bringend. Nicht miiiber aber fesseln uns die Ausführungen über einen anderen 1 Frankfurter Meister, den Bildhauer Joseph Kowarzik, von dem l mir übrigens feiner Zeit schon hier in Wiesbaden kraftvolle und bedeutsame Arbeite» sahen. Ein echt künstlerischer Typus tritt uns T hier entgegen und aus feinen Arbeiten: Portraitbüsten, Medaillen rc., | die hier in guten Reproduktionen wiedergegeben sind, spricht Viel- festigtest, geistvolle Anffaffung rind hohes, technisches Könne». Auch sonst bringt das Heft noch viel Jntereffantes aus den Gebieten ber E hohen Kunst, tote der Dekoration, und man kann ber vornehm ge- halteneu Zeitschrift bas Zeugniß nicht versagen, daß sie aus Künstler, wie auf Kunsthandwerker erfrischend und förderlich wirken muß. Hoffentlich findet sie ordentliche Unterstützung in diesen Kreisen, M damit ihr Bestand gesichert wird. Ist sie doch berufen, auf diesem | Gebiete ein Spiegelbild des deutschen Schaffens zu geben.

* De» Heldentod gestorben ist, wie bereits mitgetheilt, in EL einem Gefecht gegen die aufständischen Zwartbooi-Hotteutotten bei - Lsaub (Südwest-Afrika) der aus Benneckenstein (Regierungsbezirk Erfurt) gebürtige Reiter bezw. Lazarethgehülse Mans, lieber das betrübende Ereigniß giebt ein dieser Tage bei dem Bruder des Ver- LpkbkNkst tingegangener Brief, der den ehemaligen Vorgesetzten des

Ä für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Ausnahme später eingereichter Anzeigen zur

Nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. _ _ __

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