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Verlag: Langgasse 27,

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1898

Freitag, den 24 Juni

Uo. 288

Fernsprecher No. 52.

Fernsprecher No. 52.

Abend-Ausgabe

überhaupt auf den Redner hörte und einmal die amtliche Trauermiene vergaß.

Ein großstädtischer Friedhof bettet viele Särge an einem Tage schreiten wir in seinen Weiten hin und her, so können wir binnen Kurzem gar manche Trauerrede hören. Wie viele werden darunter sein, die uns einigermaßen be­friedigen können?

Aber nun stoße ich auf Widerspruch.Uns! wer sind die Wir? Meinst Du etwa gar die Kunstfreunde? Willst Du etwa eine Leichenrede als ein Kunstwerk betrachten?

Gewißwillich das. Eine Grabrede ist einWerkderreligiösen Kunst, so gut wie ein Altarbild oder ein Choral. Kunst in dem hohen Sinne, in dem wir sie allein gellen ließen von jeher, ist ja nichts weiter, wir sagen besser: ist ja nichts Geringeres, als überzeugender Ausdruck, als unverfälschte Uebermittelung eines Secleninhalts an Fühlen und Schauen auf den Mit­menschen. Jede Leichenrede, die aus warmem Herzen kommt, ist ein Erzeugnis religiöser Wortkunst, vornehmer oder schlichter, guter oder schlechter, religiöser Hof- oder religiöser Volkskunst oder welcher ihrer Unarten immer. Nicht, daß nur ein besonders für sie ausgebildeter Redekünstler hier Gutes leisten könnte Gott bewahr' uns vor Virtuosen an Gräbern: aber die künstlerischen Saiten unseres Jchs sind es, die hier tönen müssen, einfach, weil sich's eben um Gefühle handelt. Und deshalb dürfen wir Kunstfreunde uns fragen: wie kommt es, daß Leichenreden auch innerlich betheiligter hochgebildeter Männer, deren Beruf dabei solch- Ansprachen häufig mit sich bringt, so oft in der Wirkun versagen?

Es ist vielleicht gerade das Berufsmäßige, das Gewohnheits­mäßige, das hier, zumal bei der Abwesenheit jeglicher Art

folgenbe Mittheillingen vor: General Pando verfügt im Oste», b. t). in Santiago und Puerto Principe über 4 Divisionen: Division Santiago, General Linares. Infanterie: 2 Regimenter und 9 Bataillone. 3 Schwadronen Kavallerie und 1 Gendarmerie- Schwadron. Artillerie: 4 Compagnieen Fnßartillcrie und 1 Batterie Bergartillerie. Genie: 3 Compagnieen Pioniere und 2 Telegraphen- Compagnieen. Schließlich 1 Compagnie Trainsoldaten. Division tzolgnin: General Luqne. 1 Infanterie-Regiment, 7 Bataillone Kavallerie, 2 Schwadronen Artillerie, 1 Batterie und 1 Abthcilnng, je eine Compagnie Pioniere und Train. Division Manzanillo: General Garcia Aldave. 1 Infanterie-Regiment, 5 Bataillone, 1 Schwadron Kavallerie, eine Batterie Bergartillerie, je eine Com­pagnie Pioniere und Train. Division Pnerto Prinzipe: General

<«. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. BezngS-PreiS: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. eb Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Grabreden.

Zwei in besonderem Sinne heilige Stunden halte bei unfern heidnischen Altvordern das Jahr, Stunden, in denen Vergangenheit und Zukunft mit geheimnißvollem Zauber in die Gegenwart traten. Um die Mitte der längsten Winter­nacht tauchte die entrückte Sommerwelt im Geisterleben wieder aus den Tiefen, und um die Mitte des längsten Tages ging durch das ragende Korn im Sonnenbrände die d Todesgöttin, und leise begann von nun ab ihr Reich, das Reich des Welkens. Wir Heutigen aber schmücken am Johannistage unsere Gräber mit Blumen, damit die Dahin­gegangenen theilhaftig werden am reichsten Blühen, denn

S auch uns erinnert das höchste Leben an den Tod.

Schreiten auch wir heute einmal zu den Gräbern hinaus. Treten wir ein durch das Friedhofsthor, aber unterdrücken wir für heute die Gedanken, zu denen der Kirchhof selbst - durch Unwürdiges und Unschönes vielleicht uns stimmt, und ' über die wir uns ja früher schon mehr als einmal aus­gesprochen haben. Dort drüben umsteht eine Trauerversamm- ' lung ein geöffnetes Grab. Hören wir, was der Redner ' spricht. Vielleicht, daß . . . ja, wir wissen es schon, wen B sie begraben. Eine arme, einsame, alte Jungfer war's, die wir gekannt haben, denn bei guten Menschen, die : uns nahe gestanden, hatte sie noch nach fünfzig Jahren des Herumirrens in der Welt so etwas wie eine Heimath gefunden, und nun rührte uns oft die innige Dankbarkeit und das märchenhafte Glücksgefühl, das sie darüber empfand. Sie war früher Erzieherin bei adligen - Leuten gewesen, die ihr gütig ein Monatsgeld gewährten, von dem sie lebte. Aber von diesen Adligen, von diesen

Wohlthätern spricht der Pastor allein, von demhoch­ansehnlichen hochadligen Hause" allein, von denen, die das alte Vöglein bei sich hegten und pflegten, bis es starb, und von dem sonderbaren Vöglein selber mit all seinen Eigenarten spricht er kein Wort, und er hätte es so leicht gehabt, davon zu erfahren. Im Ucbrigen der übliche Dogmentrost mit den üblichen Wendungen. Hören wir lieber der Amsel zu, die dort auf dem Lebensbaume singt es ist uns, als hätte sie die liebe Alte besser gekannt.

Gestern zog hier ein anderes Trauergefolge hinter einem stolzern Sarge daher. Wie ward doch in der Morgen« zeitung davon berichtet?Den Paradeuren der Beerdigungs­anstalt folgte das Musikcorps des Jägcrbataillons, das, den Chopinschcn Trauermarsch spielend" rc. Vorher waren alle die Beerdigungs-Honoratioren aufgezählt, verzeih' uns Gott, wir hätten beinah' gesagt: die Renommirgästc, ein jeder mit demHerr" davor und dem vollständigen Titel, so lang er war, es fehlte nur dasRitter hoher Orden". Wem galt diese letzte Ehrung? Einem Manne von Verdiensten, ohne Zweifel, wir kannten auch ihn. Abereinem Menschen mit seinem Widerspruch", einem Manne, in dem sich höhere und niedere, gute und schlechte Elemente mischten, ohne daß eine Harmonie entstand, und gerade das machte sein Leben eigen und tragisch. Die Leichenrede aber malte sein Bild nur licht in licht und pries auch an den Stellen, wo Allen bekannte Schwächen walteten, nur das Walten Keinem bekannter Stärken. In den Zeitungsberichten hallt da§ fort: wer's liest und den Gestorbenen kannte, zuckte die Achsel, wie man gestern, beim Begräbniß selber, je nachdem, die Achsel zuckte, lächelte oder auch heimlich gähnte, wenn man

March. 1 3nfanterie«9iegiment, 5 Bataillone, 5 Schablonen, eine Abthkilung Bergartillerie, je eine Compagnie Pioniere und Train. Zusammen also 36 Bataillone Infanterie, 12 Schwabronen, 4 Batterieeii Bergartillerie, 4 Compagnieen Fußartillerie, 6 Com­pagnieen Pioniere und 2 Abtheilunge» Telegrapbentruppen unb 4 Compagnieen Train. Dazu kommen bann die Guerrillas, Voluntarias rc. an Ort und Stelle. Die Trocha von Jucaro ist außerdem durch 11 Bataillone, 4 Schwadronen, 1 Batterie, 5 Com­pagnieen Pioniere und 1 Compagnie Traiu besetzt. Jedoch ist es unmöglich, die Effektivstärke dieser Truppen und besonders der 13 Bataillone der Division Santiago, womit es die Amerikaner zunächst zu tbmi baden werden, anzugeben.

In unserer Kartenskizze von Cuba sind die hauptsächlichsten Garnisonorte der Spanier durch kleine schwarze Quadrate markirt; in und bei Havana soll einschließlich der Freiwilligen eine Armee von 50,000 Mann zusammengezogen sei». Den Hauptangriff ans Cuba, speziell auf Havana, sollen die Amerikaner bis zum Herbst hinausschieben wollen; gegenwärtig wird es sich daher allein um einen entscheidenden Kampf bei Santiago bandeln, lieber die Stellungen der Insurgenten find zuverlässige Nachrichten überhaupt nickt zu erfahren; einige bekannte Positionen derselben sind in unserer Karte (s. d. Zeichenerklärung unten links) markirt.

für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Anzeigen-Preisr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

(Nachdruck verboten.)

Die strategische Tage auf Cuba.

Während man bei Beginn des fpanisch-amerikanischen Krieges anuehmen mußte, daß nach der Blockade-Erklärung über die Häsen der westlichen Nordküste (Havana) sich auch der amerikanische An­griff zuerst gegen diese richten würde, weil die Basis der starken amerikanischen Flotte in Key West sich in unmittelbarer Nähe vor Havana besand, hat sich das Kriegsbild nachher ganz erheblich ver­schoben. Zwar sind einige Kanonenschüfle zwischen de» Forts von Havana und ame­rikanischen Schiffen gewechselt, aber der eigentliche Angriff auf Cuba scheint sich zu­nächst doch ans die Südküste zu richten, wie die verschiedenen Bombardements der dortigen Hafeubefesti- gnngen und der nun erfolgende Transport eines Jnvasionscorps nach Südcuba zeigen.

In unserer bei« stehenden UebersichtS- .'arte ist eine Dar­stellung der strategi- chen Situation be- reffs Cubas gegeben, »weit sich solche nach jen vielfach wechseln­den Meldungen und nach dem Stellungs­wechsel der Flotten geben läßt. Das amerikanische Haupt­geschwader,imGanzen 19 Schiffe umfassend, unter denen eine An­zahl Kohlen- und zum Truppentransport benutzter Handels- dampfer sich befindet, ankert vor dem Hafen vonSantiagound der Lucht von Guanta­namo. In dieser

Flotte besinden sich die stärksten Panzer und Panzerkreuzer, sie setzt sich im Wesentlichen aus dem früheren atlantischen Geschwader des Admirals Sampson und dem fliegenden Geschwader des Admirals Schley zusammen.

Ein Blockadengeschwader aus 11 schwachen Schiffe», 2 Kreuzern und 9 Kanonenbooten bestehend, sucht die Blockade von Havana aufrecht zu erhalten. Dasselbe ist jedoch wiederholt von aus dem Hasen von Havana ausgelaufenen schwachen spanischen Schiffen be­unruhigt worden und sogar zum zeitweisen Rückzüge genöthigt. Vereinzelte amerikanische Schiffe befinden sich ferner vor Matanzas, Cardenas, Mariel, Caibarien an der Nordküste und Cienfuegos an der Südküste. Lor letzterem Ort ist am 11. Juni auch das aus der westindischen Station befindliche einzige deutsche Kriegsschiff, der KreuzerGeier" eingetroffen. Am 14. Juni hat sodann nach mehr­fachen Verzögerungen das erste Jnvafionscorps für Cuba die Rhede von Key West verlassen und dampft, auf 35 Transportdampfern eingeschifft und von 13 Kriegsschiffen begleitet, »ach der Südküste von Cuba. Ma» hat hier, wo bereit» einige amerikanische Truppen gelandet und mit den Insurgenten in Verbindung getreten find, also bald ernsteren Kämpfen entgcgenzusehen.

lieber die den Spaniern speziell in der ;üblichen Provinz Santiago de Cuba zur Verfügung stehenden Streitkräfte liegen

Der spanisch-amerikanische Krieg.

hd. Uew-Nork, 23. Juni. Die Landung der Jnvasionstruppen auf Cuba begann am Mittwoch früh bei Daiguiri. Die 3M Mann Marii'.esoldaten landeten in früher Morgenstunde, ohne ernste Ver­luste zu erleiden, weil sie geschützt waren durch das furchtbare Feuer der Flotte. Sobald die ausgefchifften Truppen Cabauas und Aguadores erreicht hatten, griffen auf Befehl des General Shafter tausend Mann Cubaner unter Garcia die spanischen Truppen im Rücken a». Die cubanifchen Scharfschützen bestürmten die spanischen Balterieen von allen Seiten.

hd. Masstington, 23. Juni. Mac Kinley erhielt von General Shafter eine Depesche aus Guantanamo, wonach die Landung derTruppen mit Hülse der Insurgenten an allen Punkten ge­lungen sei. Der Lan­dung wohnten nur englische und deutsche Militär-Attachs« bei. Sobald das noth- wendige Geschütz und die Transportmittel anrgeschifft sind, was zwei Tage dauern dürfte, soll der Ab- marsch der Truppen aus Santiago ei* folgen.

wb. Madrid, den 23. Juni. Depu- tirten-Kammer. Der Minister des Innern verliest das Telegramm des Gou­verneurs von San­tiago und die Depesche des Admiral Cervera, welche mittheilt, er babeeinenTheil seiner Mannschaft an Land geführt, damit diese gemeinsam mit den Landtruppen dem Feinde Widerstand leisten. Der Marine­minister verliest das Telegramm, welche» das Einlaufen de» spanischen Ueberjee- dampfer«Reina Christina" in den Hafen vonCienfuegos meldet. Ans dem­

selben geht hervor, daß die Blockade dieses Hafens eine nicht effektive sei. Senat. Nachdem die Telegramme des Gouver­neurs von Santiago und des Admirals Cervera verlesen waren, ergriff Fabie das Wort und ruft für die Bertheidigung der Rechte Spaniens die Hülfe des Gottes der Schlachten au. Navarra proteftirt dagegen, baß Spanien von Europa im Stich gelassen worben fei. Dieses im Stichlassen werde das Uedergewicht der Angelfackien herbeiführen. Redner will die wirkliche Verantwortlich­keit festgestellt sehen. Darauf wurde das Budget angenommen.

hd. London, 24. Juni. Au» Daiguiri wird gemeldet, die Spanier baben vor ihrem Rückzüge von der Küste einen Eisenbahn­schuppen und drei Waggon» verbrannt und die Geleise zerstört. Ein Bataillon amerikanische Pionire stellte die Bahn wieder her. Die Vorposten bei Juragua haben ein Scharmützel mit den Spaniern gehabt.

hd. Kerli», 24. Juni. DerVossischen Zeitung" wird au» Madrid telegraphirt: Marschall Bianca sandte »ach Santiago 5 Bataillone Verstärkung, sodaß jetzt 12 Bataillone dort die Be­satzung bilde». Man erwartet jede» Augenblick die Nachricht von einer bedeutende» Schlacht.

hd. Aavnnn, 23. Juni. Marschall Blau o hat dem Admiral Cervera in Santiago nahe gelegt, den amerikanischen Lieutenant

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