Wiesbadener Tagblatt
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18S8
Donnerstag, den Z3. Juni
Fernsprecher No. 52.
N». 286.
Fernsprecher R». 52.
Abend-Ausgabe
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den Aufstand nicderzuhalten, und sie hat auch bereits Truppen zu diesem Zweck entsendet. Bisher hat aber noch jeder Aufstand der Skipetaren verhäugnißvoll für die Pforte geendet und stets mit einem für sie ungünstigen Ausgleich geschlossen. Entschließt man sich, an eine Betheiligung Montenegros bei den albanesischen Unruhen zu glauben, so könnte endlich noch die Bcrmuthung ausgesprochen werden, daß Rußland, dessen getreuer Vasall der „Fürst der schwarzen Berge" ist, seine Hand im Spiele habe, und daß es beabsichtige, die Türkei auf diese Weise in der kretischen Gouverneursfrage mürbe zu machen. An festen Anhaltspunkten für eine solche Vermuthung fehlt es jedoch vorläufig noch.
kommen, betreffend bie Gebietserweiterung von Hongkong, unterzeichnet worden, durch welcher der englischen Regierung etwa 200 Onadratnieilen Land auf 99 Jahre in Pacht gegeben werden. Dar alte und das neue Gebiet von Hongkong stellt unsere beistehende
Der frühere Nechtrkandidat Hans o. Flemming, welcher bekanntlich feiner Zeit den Senatspräsidcnten vr. Eilig znm Zweikampf mit tödtlichen Waffen heranS- gcfordert hat, weil er in. Examen durchgefallen war, wurde heute von der erste» Straskammer de» Landgerichts I in Berlin zu vier Monaten Festungshaft ver- urthcilt.
* Zu de» Stichwahlen. Diebeiden hervorstechendsten Erscheinungen bei den die»- nialigen Wahlen sind einmal die außerordentliche Anzahl der Stichwahlen, die sich aus der zunehmenden Partei- zcrsplillerung mit Leichtigkeit erklärt, und zweitens die außerordentlichen Erfolge, welche die Sozialdemokratie schon bei den Hauptwahlen erzielt hat. In 32 Wahlkreisen hat sie bereit» int ersten Wahlgang ihre Kandidaten durchgebracht,während ff- bei den Hauptwahlen im Jahre 1893 nur in 24 Wahlkreisen siegte. Während die Sozialdemokraten ferner damals nur 82 Kandidaten in Stichwahl brachten, habe» sie es diesmal auf 101 gebracht. Betrachtet man da» Anwachsen der Sozialdemo- krave seit der Gründung des deutschen Reiches, so zeigt es
dings eine verdächtige Annäherung zwischen Montenegro und Bulgarien stattgefunden hat. Gegen diesen Verdacht spricht aber andererseits, daß die Unruhen unter den Albanesen an verschiedenen Stellen und vor Allem an der serbischen Grenze ausgebrochen sind, während es aus Gründen der praktischen Politik als durchaus unwahrscheinlich angesehen werden müßte, daß auch Serbien bei einem bulgarisch-montenegrinischen Komplott seine Hand im Spiele haben könnte.
Es bedürfte auch thatsächlich derartiger Gründe nicht, um für die Unruhen in Albanien eine Erklärung zu finden. Seit längerer Zeit macht sich unter den Albanesen eine Bewegung für die „Autonomie Albaniens" geltend. Diese Autonomie wird nicht für das eigentliche Albanien, das Land der Ghegen, Oberalbanien, und das Land derTosken, Südalbanien mit Epirus, gefordert, weil nämlich für dies eigentliche Albanien die faktische Autonomie besteht. In der That sind die Albanesen der einzige türkische Volksstamm, der seine Nationalität bis heute gewahrt hat. Während die 'offiziell türkische Statistik sonst keinerlei verschiedene Nationalitäten, sondern nur Glaubensbekenntnisse fennt, wird allein bei den Albanesen eine Ausnahme gemacht. Diese sind aber auch das einzige Volk in der Türkei, das seit Jahrhunderten den Nationalitätsgedanken hochgehalten hat und trotz der konfessionellen Scheidung in Mohammedaner, Orthodoxe und Katholiken, stets geschlossen sowohl den auswärtigen Gegnern wie der Türkei selbst gegenüber- fletreten ist.
Die Albanesen haben somit in der That wenig Grund, die ausdrückliche Anerkennung der Autonomie für das eigentliche Albanien zu fordern, denn diese besteht faktisch ebenso, als wenn sie offiziell anerkannt wäre. Dagegen beanspruchen die Albanesen die Gewährung der Autonomie für die Stämme ihrer Nationalität in Macedonien. Sie fordern, daß Kirchen und Schulen in ollen Orten, in denen Albanesen wohnen, albanestsch sein sollen, und daß den albanesischen Macedonieru weitgehende Rechte der eigenen Verwaltung zugesprochen werden. Zur Durchführung dieser Forderungen war vor jetzt 20 Jahren eine albanesische ßiga,_ die „Kongra", gegründet worden, die zwar 1883 aufgelöst wurde, thatsächlich aber nie zu bestehen aufgehört hat, und von der man gerade vor einiger Zeit wieder hat verlauten hören.
| Die Pforte versichert, daß sie den redlichen Willen hege,
Karte dar.
In derselben ist der bisherige englische Besitz, nämlich die Insel Hongkong mit der Stadt Viktoria und die kleine Landspitze südwestlich von Kaulung, auf der sich die Docks und Werftanlagen befinden, welche diese englische Kolonie zu einer so überaus werth- vollen Flottenstation machen, durch horizontale Schraffirnng kenntlich gemacht, und das sich nördlich an den englischen Besitz anschließende Gebiet der „neutralen Zone" ist der leichteren Unterscheidung wegen schwarz gehalten. Die neue Grenze, durch eine starke Strichlinie inarkirt, wird nun die nordwestlich von Hongkong gelegene „Deep Bay" in der Mitte theileii, dann dem Laufe de» Samtsunstusse» bis zur Quelle folgen, darauf östlich dis zum oberen Theil der „Mirsbay" gehen, diese selbst im westlichen Theile durchschueiden und, »ach Norden und Nordosten nmbiegenb, die zahlreichen kleinen, Hongkong benachbarten Inseln umschließen. Letztere sollen stark befestigt, und mit schweren Geschützen nrmirt werden, um die Zugänge zu der Rhede von Hongkong vor der Stadt Viktoria gegen jeden Angriff feindlicher Geschwader, auch wenn dieselben au» stark gepanzerten Schlachtschiffen bestehen, mit Erfolg ziirückweisen zu können. Es ist wahr, daß erst dann Hongkong im Kr.ege ein wirklicher Zufluchtshafen für die englischen Kauffahrteischiffe wird, indem sie geschützt liegen, und das Ende des Krieges, bezw. die Sidumiing der chinesischen Gewässer vou feindlichen Kreuzern abwarten können. Aber auch abgesehen von dem Schutz der Handelsschiffe erhalten bie vorzüglichen großen Docks und gut ausgerüsteten Werftanlagen und Depots eigentlich erst ihren vollen Kriegswerth durch die von England geplante Anlage von Festungswerken auf die vorgenannten Inseln, ohne welche eine Überlegene feindliche Flotte unschwer ans der Rhede von „Hongkong" erscheinen und die der Stadt gegenüberliegenden Werften nud Docks zerstören könnte. Aber noch eine andere Bedeutung hat der Besitz der westlich von Hongkong gelegenen Inseln. Dieselben beherrsche», mit modernen Befestigungswerken versehen, die Einfahrt in den „Cautonfluß" und können den Handel ans demselben vollständig ausheben. Daß England sied nicht darauf beschränkt hat, nur die Inseln an der Mündung des „Cantonfliiffes" zu fordern, sondern seine Grenze auch weit nach Norden hinansgeichoben und de» geichützten „Tolohasen" und die von den Kriegsschiffen meist zu Schießübungen mit Schiffrgefchützen benutzte „MirSday" in feinen Besitz zu bringen gesucht hat, ist wiederum ein deutlicher Beweis dafür, wie sehr die englische Regierung daraus bedacht ist, ihre Stellung in Ostafien zn stärken, und dem berechtigten Wettbewerb der anderen Nationen daselbst entgegen zu arbeiten. Sowohl der Tolohasen" als auch die „Mirsbay" find zu Flottenstützpunkten nicht ungeeignet, und für England kann natürlich die Festsetzung einer anderen europäischen Großmacht so nahe bei Hongkong nicht angenehm fein.
So gehen allmählich alle werthvollen Küstengebiete China» in fremde Hände über und da» Reich der Mitte geht niianshaltsam feiner Auflösung entgegen.
Deutsches Deich«
* fiof- und Personal - Nachrichten. Die Ueberfiedelting de» kaijerlichen Hoflagers von Berlin nach dem Rene» Palais in Potsdam steht nunmehr, nachdem der Grundwasser- staiid sich gebessert und auch die nähere Umgebung de» Palais nicht mehr überschwemmt ist, unmittelbar bevor. — Der Kaiser besuchte gestern Vormittag unter Führung des Geheimen Banraths Franc'»» die Lunelmrbeiteu aus der Diiue von Helgoland.
* Berlin, 23. Juni. Die „Nordd. Ogern. Ztg." schreibt: In englischen Blättern war kürzlich von einem langen Briese bie Rede, den Kaiser Wilhelm vom Prinzen Heinrich über die angebliche Werth- losigkeit von Kiautschou erhalten haben sollte. Da diese Nachricht auch deutschen Blättern gesandt worden ist, so mag feftgestellt werde», daß es sich um eine freie Erfindung handelt.
Ausland.
♦ Italien. In Quiliano ist dieMadonua erschienen. Sie harte ein weißes Kleid und einen blauen Mantel an, stand aus einem Steine und sprach zu einem 15-jährigen Mädchen, das Kräuter sammelte: „Sag den Leuten von Quiliano, daß sie beten und büßen, denn meines Sohnes Zorn ist groß; vielleicht gelingt es ihnen mit ihren Gebeten, das furchtbare Erdbeben zu beschwören, das binnen Kurzem Alle» zerstören soll." Die Kleine ließ sich da» nicht zweimal sagen und lief angsterfüllt nach Hause, das Geschehene zu berichten. Als sie mit einem großen Schwarm von Gevatterinnen an die Wunderstätte zurückkehrte, schrie sie plötzlich auf, wie» nach dem Stein und rief: „Da ist die Madonna wieder!" Die Andern sahen natürlich nicht«, warfen sich aber betend in bie Kniee, und da infolge der Wundererscheinung heute in Quiliano eine feierliche Procession stattfindet, so wird gewiß der Himmel ein Einsehen habe» und das „furchtbare Erdbeben" nicht schicken. Man kann diese» Erfolges schon heute ficher sein. Da» 15-jährige Mädchen, Clotild«
Die Unruhen in Albanien.
In den wildromantischen Bergen Albaniens, der sogenannten türkischen Schweiz, gährt es seit einiger Zeit bedenklich und fast täglich kommt es zn Reibungen an der albanesisch-montenegrinischen Grenze, die sich so bedrohlich anlassen, daß sie bereits zu einer diplomatischen Kon- versütion zwischen der türkischen und der montenegrinischen Regierung geführt haben. Jeder beschuldigt nach der Gewohnheit der Balkanvölker den anderen, das Karnickel zu sein, das angefangen hat. Die Türken beschuldigen die Montenegriner, die Unruhen an der albanesischen Grenze hervorgerufen zu haben, und der Vertreter Montenegros bei der Pforte hat umgekehrt wegen der albanesischen Ausschreitungen reklamirt und erklärt, wenn keine Abhülfe eintrete, werde die Türkei die Verantwortung für alle weiteren Folgen zu tragen haben. Desgleichen hat der serbische Gesandte in Konstantinopel Vorstellungen wegen der Unruhen in Albanien erhoben und dringend Abhülfe verlangt.
? Auf Seiten der Türkei ist man zu der Anschauung geneigt, daß der «Fürst der schwarzen Berge" bei den albanesischen Unruhen seine Hand im Spiele habe, und daß die Absicht dahin gehe, diese Unruhen zur Wieder-Aufrollung der
«o. Jahrgang.
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sich, daß es sich hier um eine stetig fortschreitende Bewegung handelt, deren Gesadren nicht übersehen werden dürfen. Bei den Wahle» vom 3. März 1871 wurde» 101,927 sozialdemokratische Stimmen abgegeben, bei der Wahl vom 10. Januar 1874 351,610 und bei der vom 10. Januar 1877 493,447. Nach den Mordanschlagen auf Kaiser Wilhelm I." gingen die sozialdemokratischen stimmen auf 311 961 zurück, fliegen daun aber bei den Wahlen von 1884 auf 549 990, bei denen von 1887 auf 763,128 und bei den Wahlen von 1890 auf 1,427,298. Bei den Wahlen von 1893 endlich brachte es die Sozialdemokratie auf 1,786,738 Stimmen und die Partei hat schon vorher mit Sicherheit verkündet, daß sie e8 diesmal auf 2 Millionen Stimmen bringen werde. Die Part« bat im Reichstag bereits die stattliche Anzahl von 4 Dutzend Vertretern erreicht, und wenn bei den jetzigen Stichwahlen bie bürgerlichen Parteien nicht mit aller Entschlossenheit und Thatkraft gegen die Sozial, deinokratie zusammenhalten, so könnte sie vielleicht wirklich die Hohe erreichen, die ihr einmal Fürst Bismarck voranssagte, al» er von 5 Dutzend Sozialdemokraten im Reichstag sprach.
* Rundschau im Reiche. Wie die „Elbinger Zeitung" berichtet, ist der bei der gestrigen Truppenbesichtigniig in Dentsch-Eylan angeschossene General-Major v. Rade am Abend noch besinnungslos gewesen. Das Pferd ist ebenfalls nur angeschoffe», nicht getödiet. Die Kugel durchschlug auch da« Sattelzeug. Ein Gesreiler der 8. Compagnie des 44. Regiments, bei dem eine Hülfe ohne Holzpfropfen gefunden wurde, ist verhaftet worden. Der Kaiser und der Kriegsminister wurden von dem Vorfall sofort telegraphisch benachrichtigt. Scho» im Vorjahr soll übrigens auf Rabe auf dem Schießplatz geschaffen worden sein. Diese Nachricht ist aber deßhaw auffallend, weil Rabe Kavallerie-Kommandeur ist und mit der Infanterie keine dienstlichen Beziehiingen hat. — Wie ans Liegnitz gemeldet wird, haben die in den letzten Tagen dort vorgekomnienen Ausschreitungen sich auch vorgestern Abend wiederholt, sodaß schließlich da, Militär mit aufgepflanztem Bajonett einfebreiten mußte. Es kam zu theilweife schwere» Vd" wundungen. Die Polizei nahm zahlreiche Verhaftungen vor. Ei» Drechslergefelle soll durch einen Bajonettstich gelobtet fern. Die Polizeiverwaltung hat eine Warnung erlassen mit der Androhung, daß bei weiteren Tnmulte» da» Militär die Schußwaffe gebrauchen
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