Wiesbadener Tsgblaü
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1898
Dienstag, den 21. Juni
N-. 281.
Fernsprecher No. 52.
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Morgen - Ausgabe
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nach vierzehn Tagen dürfte jenes einem einigermaßen ausmerksamen Beobachter nicht entgehen. Die Abnahme beträgt am 22. etwa 4 Sekunden, bl« znm 30. Juni aber schon 4 Minuten. Nur zu bald wird die Zeit kommen, wo die TagcSlänge in je 24 Stunden um rund 4 Minuten abnimmt! Dr. B.
Aus Stadt und Land.
Wie«baden, 21. Juni.
-o- Krrlrtroauvschütz. Sitzung vom 20. Juni. (Schluß.) Da» bischöfliche Domkapitel zu Limburg a. d. L. beansprucht Befreiung von den Beiträgen zur Laudwirthschaftskamuier bezüglich der Grundstücke des Psarrfonds. Die Klage wird ab- gewiesen, wobei das Gericht davon ansging, daß die Steuerfreiheit nicht Platz greise, da der Beitrag nicht von den Geistlichen als solchen, sondern von dem Pfarrgut verlangt werde. — Zwei Disziplinarsache» gegen den städtischen Polizeisergeanten Weinbrenner zu Limburg a. d. L. und den städtischen Geld- erheder Conrad Dülfer zu Frankfurt a. M. werden unter Ausschluß der Oeffcntlichkcit verhandelt. In der ersteren lautete das '.lrtheil aus Entfernung aus dem Amte, in der letzteren ans eine Geldstrafe.
— Pir elektrische Straßenbahn verkehrt nun von den Bahnhöfen ab bis Unter die Eichen, und zwar nächst dem neuen Friedhof, nachdem die Linie über die Schützenstraße vollständig fcrtiggestellt ist. Seit Sonntag sind neue Wagen von besonders schöner Bauart und größer als die übrigcn in Betrieb. An diese werden kleinere Wagen bei starkem Verkehr angehängt.
— Perrvaitunasstreltsachr. Die Gemeinde Nieder' fettere hatte den Domäuenfiskus nach dem Pachtziuse für den dortigen Brunnen zur Geincinde-Einkonnnenstcuer mit dem Satze von 8100 Mk. herangezogen. Nach fruchtlosem Einspruch forderte der FiSkuS, vertrete» durch die Regierung, Abtheilung für direkte Steuer», Domänen und Forsten zu Wiesbaden, mit der Klage die völlige Freistellung von der Steuer. Der Bezirksausschuß erkannte in der Berufungsinstanz nach dem Klageanträge. Gegen diese Entscheidung wendete sich die Beklagte mit der Revision. Sie machte nunmehr geltend, daß, wenn auch nicht der § 33, so doch der § 44 des Komninualabgabengesetzes vom 14. Juli 1893 hier Anwendung finde. § 44 lautet in Absatz 1: „Das Reineinkommen ans fiskalischen Domänen und Forsten ist für die einzelnen Liegenschaften aus dem Grundsteuer-Ncinerlrage nach dem VerhäUuiß zu berechnen, in welchem der in der betreffenden Provinz au» den Domänen- und Forstgrnndstückcn erzielte ctatSmäßigr Ueberschuß der Einnahmen über die Ausgaben unter Berücksichtigung der auf denselben ruhenden Verbindlichkeiten und VerwaltungSkosten zum Grundsteuer-Reinerträge steht." Der zweite Senat des Ober- verwaltuiigSgcrichtS erachtete auch den § 44 nicht für anwendbar und bestätigte die Vorentscheidung.
— Men» gehören dir Aufsatzhefte der Schuler? In dieser Frage hat soeben da« ÖdelverwaltnugSgericht Stellung genommen. Der Postsekretär Kieselbach zu Elbing erhob Klage, als bei dem Ostern 1896 erfolgten Abgang seiner Tochter von der höheren Töchterschule der Oberlehrer Bergan die Herausgabe der Aussatzhefte derselben ablehnte. Der Beklagte machte geltend, daß der Direktor der Schule bestimmt habe, daß der den deutschen Unterricht ertheileude Lehrer die Aufsatzhefte der Schülerinnen zurück- bchalte. Für diese Anordnung sei der Gesichtspunkt entscheidend, daß die sich wiederholende Unterrichtspensen den Stoff für die deutschen Aufsätze lieferte», sodaß leicht mit der Möglichkeit zu rechnen sei, die Aufsatzhefte würden, wenn sie nicht zurück- bchalten, von jüngeren Schülerinnen benutzt. Dar Amtsgericht ver- urtheiltc jedoch den Beklagten zurHerauSgabe jenerHeftc mitdcrBc- gründung, daß die Schule nicht berechtigt sei, eine Entscheidung über das Eigenthum der Schüler bezw. der Eltern zii treffe». Als der Beklagte dieses Urtheil mit der Berufung anfocht, erhob gleichzeitig die Regierung zu Danzig als vorgesetzte Provinzialbehörde ans Grund des Gesetze« vom 13. April 1854 den Konflikt. Sie bestritt, daß der Beklagte bei seiner Weigerung, die Aufsatzhefte heraurzugeben, sein« amtlichen Befugniffe überschritten habe; er habe vielmehr nur einer im Interesse der Schuldisziplin und der Erreichung der Schulzwecke getroffenen Anordnung seine« Direktor« Folge geleistet. Das Landgericht wie auch das Oberlandesgericht zu Marienwerder kamen in ihren gutachtlichen Aeußerungen übereinstimniend zu dem Ergebniß, daß der Konflikt begründet sei. In dieser Richtung erkannte auch der erste Senat de« Oberverwaltungsgericht». Hiermit ist endgültig das gerichtliche Verfahren gegen den Beklagten, also auch das llrtheil de« Schöffengerichts, beseitigt.
— Kandschnhe aus Engelohant. Unter den zahllosen reizende» Kleinigkeiten, die von der launischen Modegöttin heute erfunden und morgen wieder über Bord geworfen werden, befinden sich nicht selten recht praktische Toilettengegenstände, die c« wahrlich
Ikrrv öcrs 3. HuarLak 1898 auf das „Wiesbadener Tagblatt" ju abonniten, findet sich Gelegenheit im Verlag langgaffe 27, - bei den Ausgabestellen, den Zweig-Lzpeditionen in den Nachbar- - orten und sänrnrtlichen deutschen Reichsxostanstalten.
hat. Man wolle sich hierbei erinnern, daß die Bahn des Mondes ungefähr 5 Grad von derjenigen der Sonne oder von der Ekliptik abweicht. In Klöstern kannte man den Wechsel in der Höhe des Staitdes des Vollmonds sehr wohl; man batte in dieser Hinsicht ein Sprüchlein, das also lautete: „Im Winter durchläuft der Mond (d. h. der Vollmond) denselben Weg am Himmel, wie die Sonne im Sommer, und umgekehrt.
Die Tageslänge ist für Orte, die unter einem und demselben Breitegrade liegen, die gleiche. So haben, wenn man*« mathematisch nicht gar zu genau nimmt, z. B. Caub, Wiesbaden, Offenbach, Rieneck, Ebern, Gesree« und fast auch Eger k. gleiche TagcSlänge. Sonst aber ist letztere, d. h. die Zeit Born Aufgang bis zum Untergang der Sonne, unter den verschiedenen Breitegraden der nördlichen Hemisphäre, von der hier ausschließlich Rede ist, eine sehr verschiedene. Sie ist am kürzesten unter dem Aequator und am längsten am Nordpol. Wir theilen im Folgenden für eine Anzahl von Orten die Tageklänge mit und gehen bei dieser Darstellung von, Aequator aus. Der längste Tag hält nämlich an unter dein Aequator 12 Stunden 5 Minuten 6 Sekunden, in Kamerun 12 St. 45 Min. 0 Sek., zn Maffenga in Lagirmi 12 St. 52 Min. 0 Sek., am dritten Nilkatarakt 13 St. 13 Min. 0 Sek., am zweiten Nilkatarakt 13 Stunde» 23 Min. 42 Sek., zu Bengasi in Tripoli« 14 Stunden 11 Min. 6 Sek., Gibraltar 14 Stunden 34 Min. 18 Sek., Rom 15 Stunden 10 Min. 54 Sek., Venedig 15 Stunden 87 Min. 18 Sek., München und ungefähr auch Wien 16 Stunden 42 Sek., Leipzig 16 Stunden 32 Min. 48 Sek., Berliu 16Stunden 45 Mi». 54 Sek., Dau zig 17 Stunde» 8 Min. 52 Sek., Memel 17 Stunden 28 Min. 30 Sek., 10 km nördlich von Christiania und in Petersburg 18 Stunden 20 Min., Trondjem 20 Stunde» 24 Min. 6 Sek., Uleaborg 21 Stunden 42 Min. 30 Sek., Hamnierfest vom 13. Mai bis 29. Juli, am Nordkap vom 11. Mai bi« 1. Anglist, auf der Bäreniufel vom 29. April bis 14. August, auf dem nördlichsten Felsen von Spitzbergen vom 11. April bis 31. August und am Nordpol in diesem Jahr vom 20. März, Nachmittags 3 Uhr, bis zum 23. September früh 2 Uhr, also volle sechs Monate.
Vom 22. Juni au nehmen die Tage wieder ab. Zuuächst wird man ja die Abnahme der TageSläng« nicht gleich merken; aber
«e. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezngs-PreiS: durch den Verlag SO Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. «o Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
(Nachdruck verboten.)
Znm 21. |»ni 1898.
Am 21. Juni, Vormittag« 11 Uhr, gelangt die Sonne auf ihrer : scheinbaren Wanderung in« Zeichen de« Krebses. Damit ist für uns I Bewohner der nördlichen Halbkugel der Erde der längste Tag gegeben tiud der astroliomische oder kalendermäßige Sommer hält feinen Einzug. An diesem Tage ist die Wärme, die uns von der Sonne gespendet wird, an sich am größten. Indessen macht sie sich l erst einige Zeit später nach gründlicher Erwärmung des Erdbodens und der Luft sühlbar, sodaß die heißeste Zeit de» ganzen Jahre« ' in der Regel erst in die zweite Hälfte de« Juli, bisweilen gar erst in« zweite Drittel des Augnst fällt. Astronomischer oder kalender- mäßiger und physischer Sommer fallen also durchaus nicht zusammen. M Wir dürfen nicht vergessen, daß die Wirkung der Sonne B von Mannigfaltigkeit, Gliederung der Oberfläche der Erde, r Wasser und Luft derart beeinflußt wird, daß c« bekanntlich i nicht zwei Jahre giebt, in denen die Witterung einen und bett« b selbe» Verlauf nimmt. Der astronomische Sommer fällt in diesem E Jahre in die Zeit Dom 21. Juni bis 23. September, der physische k. hingegen dürste die Zeit vom 21. Mai bi« 21. August umfassen, fc Der Stand der Sonne über dem Südpiiukt de« Horizonts beträgt I am 21., Mittag« 12 Uhr, für den südlichsten Punkt de« Deutschen f Reichs, etwa 12 ktn südlich von Oberstors in den Algäuer Alpen, U 66° 10' 42“ (am 1. Januar betrug er 20° 46' 10"), für den nörd- - lichsten, etwa 2 km nördlich von Nimmersatt bei Memel, 57° 34' 42" i (12° 10' 10"), für den mittelsten Breitegrad, etwa die Linie Sprottau— i, Mansfeld—Soest, 61» 52' 42“ (16° 28' 10“). Die Tageslänge ist am 21. fast 20Minuten größer al« am l.Juni und um '/-Sekunde größer als am 20.
t Ganz eigenthümlich ist das Verhältniß der Stellung de» Mondes U zur Zeit des höchsten Stande« de« Tagesgestirns. Wenn nämlich, 1 wie im Juni, die Sonne hoch steht, so vat der Vollmond stets | einen niedrigen, der Neumond dagegen immer einen hohen Stand.
Zm Winter tritt das Gegentheil hiervon ein, da im Dezember der M Wollmond einen sehr hohen, der Nenmond einen niedrigen Stand
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Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige A ineigen 25 Pfg. — Sieclamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.
Aus Kunst und Keben.
* Demonstration in einem Hoftheater. Im Hof» theater zu Weimar kam es, wie die „Dresdener Nachrichten“ mittdeilen, bei der Verabschiedung de» Künstlerpaares Stavenhagen zu sehr erregten ©eenen. Da« Publikum demonstrirte nicht nur gegen das Fortgehen de« Hofkapellmeifters und der Primadonna, sondern hielt auch gleichzeitig eine Generalabrechnung mit der General - Intendanz wegen bei völlig ungenügenden Spielplans btt Saison und sonstiger Vorgänge, die Mißstimmung und Erbitterung erzeugten. Schon als Hofkapcllmeister Stavenhagen den Orchesterraum betrat, gaben sich die Vorboten der Erregung kund, und es verging längere Zeit bi» die Ouverttire zn de» „Meistersingern“ beginnen konnte. Al» Frau Agnes Stavenhagen in der Rolle des Evchen die Bühne betrat, brach ein wahrer Sturm los. Von Akt zu Akt nahmen die Kundgebungen einen leidenschaftlicheren Charakter an, und als sich die Bühne nach Schluß der Oper in einen Lorbeer- und Blüthenhain verwandelte, in dessen Mitte da« scheidende Künstlerpaar stand, erschollen zu dem Beifallsjubel auch noch prägnante Rufe in der Richtung der Jntendantenloge. Da» Publikum war nicht wenig überrascht, al« die Insassen dieser Loge plötzlich, gegen den Zuschauer- raum gewendet, an den Beifallskundgebungen Theil nahmen; da» Publikum im Parquet brach unter den Worten: „Das fehlt noch“ rc. in ei» Hohngelächter aus. Kaum hatte der Generalintendant v. Vigna» die Loge verlaffen, al» das elektrische Licht zu schwanken begann und einmal ganz zu erlöschen schien. Da« Publikum faßte dies als Drohung auf und machte seinem Unmuth Lust. Auf die Hinweise in der Presse hat der Generalintendant indeß öffentlich erklären lassen, daß er keinen Beseh! zum Auslöschen des Lichte» erteilt habe, und deshalb hält man das Borkommniß für einen Zufall.
Radfahrsport.
(Eigener Bericht für da« „Wiesbadener Tagblatt".)
Die vom 18. zum 19. d. M. Seitens des Gauverbands IX des „Deutschen Radsahr-BundeS“ veranstaltete Verein«dauerfahrt nach Gießen nahm — begünstigt von schönem Wetter — den besten Verlauf. Von 37 gemeldeten Vereinen passirten 32 da» Ziel und die zu Tage geförderten Leistungen sind vorzügliche zu neunen. Wie in unserer früheren Besprechung der Veranstaltung betont, sollte bet Zweck der Dauerfahrt hauptsächlich in dem geschlossenen kameradschaftlichen Fahren der Vereine unter möglichst staiker Betheiligung ihrer Mitglieder liegen, während die entwickelte Geschwindigkeit erst in zweiter Linie berücksichtigt wurde. Die Tour mußte in der Zeit von Abends 6 Uhr bis Morgens £ 10 Uhr gefahren werden. So befanden sich in der Nacht von E Samstag auf Sonntag über 500 Radfahrer ans der Wanderfahrt nach Gieße», und die Schönheit der passirteu Thäler und Wälder im Halblicht de« Neumonde» wird auch bei den nicht i. prämiirten Touristen ein Gefühl der Befriedigung hinterlaffen haben. Uni auch den kleine» Vereinen die Möglichkeit eine» Gewinnes zn sichern, wurde in 5 Klassen gestartet, aus welchen . als Sieger hervorgingen: Klaffe I (Vereine über 50Bundesinitglieder): 1. F. B.-Kl.-Fraukfnrt a. M- mit 197s Punkten. Der Frankfurter Bicycle-Klub war mit 61 Manu abgefahren und an« gekommen, legte 112 km zurück und erreichte eine DurchschnittS- ; geschwindigkeit von 16 km per Stunde. 2. B. - Kl.- Darm- i stabt mit 13'n Punkten. 3. „Die Wanberer" - Gießen mit M 117« Punkten. In dieser Klasse kouknrrirten weiter R.-V. Darm- - fladt, R.-V. Höchst a. M., B.-Kl. Offenbach und R.-V. k- Wiesbaden. Die von unseren Wiesbadenern bis Friedberg (*/« der Strecke) erzielte Schnelligkeit war vorzüglich. Auf dem Weg von E; dort noch Gießen (31 km) gab es jedoch wegen verschiedener
Pnenmaticdefekle und einem Maschinenbruch viel Aufenthalt, außer» den, wareuvonden 180 aktiven Mitgliedern desVerein» nur 23 zur Fahrt angetreten, was die Werihung natürlich sehr beeinträchtigte. Klasse II (Vereine mit 30 bis 49 B.-Mitgl.): 1. V. .Nadsport"-Franksnrt a.M. t 10°/s; 2.R -V „Germania"-Frankfurta. M.97»;3. R.-V.-Gießen 97«.
Klosse III (Vereine mit 20 bis 29 B.-Mitgl.): 1. R -B. .Vorwärt»"- W Franksurt a. M. 107»; 2. R.-Kl.-Idstein i. T. 97»; 3. R.-V.- Lauterbach und „Quartett"-Frankfurt a. M. mit je 87». Klasse IV (Vereine mit 10 bis 19 B.-Mitgl.): 1. R.-V.-Nidda 8°/»; W 2. N.-Kl.-Bntzbach 77»; 3. R.-V.-Lollar 67». Klasse V (Vereine W unter 10 B. - Mitgl.) 1. R.-V. „Wanderlust" - Weisenau 7’7; . 2. N.-V. Marburg 7'/-; 3. N.-Kl. Marburg 67-. Ohne Preis fc bliebe» 17 Vereine. Die vom „Deutsche» Radfahrer-Bunde“ gestiftete» silbernen Pokale von je 130 Mk. Werth kamen den ersten Preisträger» zn. Der Gesammtwerth der errungenen Preise war 1100 Mk. Nach einem Frühschoppenkonzert (Kapelle des Infanterie- Regiments Kaiser Wilhelm) sand in Steins Etablissement ein t gemeinschaftliches Essen statt, woran sich gegen 600 Radler bc= t theiligten. Das zweite sportliche Ereigniß des Tage» war der um - 3 Uhr beginnende Preiskorso, welcher bei Hellem Sonnenschein 1 großartig verlies. Begleitet von mehreren Mnsikcorps, setzte sich der | imposante Zug um 37- Uhr in Bewegung, welcher nach Possiren der Hauptstraßen Gießens auf dem Sportplätze an der Haardt seine Auflösung fand. War bei der Dauerfahrt den Wiesbadenern ; das Glück nicht hold, so durften sie bei dem Prnnkzug ihren ersten [ Vereins-Korsopreis erringen, indem nach den Werthungen des PreiS- M gerichts in der Abtheilung für große Vereine ihnen die drittbeste Auszeichnung zukom ; nur geringeWerthungS-Differenzläßt sich bei den drei Preisträgern feststellen, da den ersten Platz mit 13,5 Punkten der B.-Kl.-Darmstadt, den zweiten mit 12,7 Punkten der R.-V.- Höchst, den dritten mit 12,3 Punkten der R.-V.-Wie«baden inne hat.
verdient hätten, ein weniger flüchtige« Dasein zn führen. So brachte vor Kurzem, wie man den „L. N. N." erzählt, ein ausländischer Handschuhfadrikaut ein Erzeugnis; aus den Markt, das er Damen- Souimerhandschuh nannte und das diese Bezeichnung auch in hohem Maße rechtfertigte. Besonder« für Damen, die eine aus Seide oder gar Zwirn gewebte Handbekleibuug verabscheuen, dürfte der au» fdileierartig feinem Leder gefertigte neue Artikel von größtem Werthe sein, da man ihm tadellosen Sitz, angenehmes Tragen und elegantes Aussehe» nachrühmen darf. Die merkwürdig feine Qualität Leder, die zur Herstellung dieser Handschuhe verwendet wird, kennen die Franzosen bereits unter dem Namen „Poau des anges“. Man setzt also voran«, daß die Engel eine sehr büime, weiche und ungemein dehnbare Haut besitzen, denn diese drei Eigenschaften vereinigt das neue Leder in höchster Vollkommenheit. Die „himmlischen" Handschuhe, die man in den verschiedensten Farben- nüaucen erhallen kann, sind fiele mit der paffenden Seide gesteppt und weise» zierliche, ebeusalls in der geeignete» Schattirung gehaltene Perlkuöpfe auf, welche die Schönheit de« aparten Toilettenstücke» noch erhöhen.
(SBritere Sofalnottjen stehe 91«4hna.)
Stimmen ans dem Publikum.
(Für Beröfleutlichutigeu unter dieser Ueberschrist übernimmt die Redaktion keinerlei Beran troortuna.)
* Sehr geehrter Herr Redakteur! Als ich in diesen Tagen, wie feit langen Jahren während meine« Kurbesuches hier in Ihrer schönen Stadt, Ihr geschätztes Blatt durchstöberte, wurde ich von Erstaunen ergriffen und mit wirklicher Geniigthuuug erfüllt. ES handelt sich um die „Stimmen aus dem Publikum“ über hiesige Straßenbahn-Verhältnisse. Erstaunt war ich, daß wirklich einmal der Geduldsfaden Ihrer Mitbürger geriffen ist und man den Muth gefunden hat, seinem Unwillen über diese schon seit Jahren bestehenden Mißstände Ausdruck zn geben. Und da« erfüllte mich auch mit Genugthuuug, denn ich habe Wiesbaden im Laufe der Zeit so lieb gewonnen, daß mich sei» Wohl und Wehe lebhaft interefftrt. Mit jedem Jahre hoffte ich bei der Abreise befinitioen Abschieb von bein alterthümlicheii Beförderungsmittel, der Dampfbahn, zu nehmen. Immer aber sand ich sie wieder bei der Rückkehr. Ist c8 schon schwer verständlich, daß man die Anlage einer solchen Bahn durch die schönste Promenadestraße der Stadt, dicht neben dem herrlichen Warmen Damm überhaupt konzessionirt hat, so ist es völlig unbegreiflich, daß mau sie nach all den schlechten Erfahrungen nicht bereits langt durch ein modernes, den Ansprüchen Wiesbadens genügende» Be- sörderungsiuittcl ersetzt hat. ES schlägt dem Kurbetrieb doch gerade ins Gesicht, wenn man, dem Lärm >md den aufregenden Geschäften entfliehend, und hier Erholung und Kräftigung suchend, plötzlich — sei es im Hotel ober auf ber Promenade — durch anhaltende«, laute» Gebimmel ausgefchreckt wird und nun einen mit mächtigem Lärm und Getöse heransaufendeii Eiseubahnzug bemerkt. Die Ruhe ist natürlich hin. Von de» liebliche» Düften, welche an dicPaffage diese» Zuge» noch lange nachher erinnern, will ich garnicht reden. Mit demselben Recht klagen meiner Ansicht nach die Einsender der zwei Artikel über da» Fehlen einer Verbindung nach dem südlichen und südwestliche» Sladttheil. Ich habe auf meinen Spaziergängen mit aufrichtigem Vergnügen die herrliche» neuen Straßen, wie Rheinstraße, Kaiser Friedrich-Ring und Adelhaidstraße, betrachtet. Wenige Städte nur können Aehn- licheS aiisweifen, und längst schon hätte ich mich vielleicht entschlossen, dauernd hier meinen Wohnsitz zu nehmen, wenn gerade dieser Stadttheil, der mir persönlich als Wohnung zusagen würde, nicht so weltabgeschieden wäre. Und wie mir gebt es gar manchem Kurgäste. E» ist schade, daß die Väter Ihrer Stadt die Kritiken und den berechtigten Spott derselben nicht manchmal zu hören bekommen, cs würde sicherlich Manche» anders werden. Znm Vortheile gereicheii diese Uebelstände dein Rufe Wiesbaden» al» vornehmem Kurort nicht. Man möge doch nur bedenken, baß es sehr schwer, wenn nicht unmöglich ist, einmal verlorene» Terrain in dieser Beziehung wieder zu gewinnen. So wünsche ich beim znm Schluffe, daß mein heuriger Abschied von den verschiedenen Vehikeln der Straßenbahu-Gesellschast wirklich ein definitiver sein möge. Ich wünsche es zum Besten der prächtigen Knrstadt, damit sie nicht länger dem Mitlcide und dem Spotte anheinifalle. F. W.
— Ertzenheim, 19. Juni. Der hiesige „Turn-Verein" feiert das Fest seines 50-jährigen Jubiläums. Der Festausschuß hat sich die größte Mühe gegeben, um die Jubelfeier zu einer schönen zu gestalten. Die Festtage werden durch einen im Vereinslokal „Zum Löwen“ abgehaltenen Kommers eingeleitct. Die Hauptfeier findet Sonntag, den 26. Juni, statt: Morgen», 5 Uhr, Weckruf,
™ H »»»U» für die Abend-AuSgade bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgab« bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Ausnahme später eingereichter Anzeigen zur
ANzksgkN nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
