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A«. 273. DoiiucrKag, de» 16. Imii. »»ipns,.ss. 1§98,
W|orgen ■ Ausgabe.
(Nachdruck verboten.)
N<chrmrgsrnMel-Zr»fuhr im Kriege.
Der svanifch-amerikanische Krieg hat weit mehr noch als der vorjährige Feldzug auf der Balkanhalbinfel gezeigt, welch wichtiger Faktor Vic Versorgung eines Heeres mit den zu seinem Unterhalt nothwendigcu Provisionen ist.
k*k In Deutschland ist das System der Zufuhr frischer Lebensmittel nach der Front wohl am weitesten ckuSgevildet. Ans Grund angestelller Versuche hat die deutsche Heeresleitung gesunden, daß es am praktischsten ist, die für die Soldaten bestimmten Lebensmittel in Äetallgesähen zu versenden, die in einer Filzhülle stecken, um das Erkalten der Speisen zu verhüten. In dieser Weise kann zum Beispiel Kaffee, wie Experimente gezeigt haben, mehrere e hundert Meilen weit transportirt und drei bis vier Tage lang gehalten werden, ohne daß er mehr als 2 oder 3 Grad von seiner Wärnie einbüßt.
Die österreichische Heeresverwaltung stellt für jede 360 Manu einen besonderen Kuchenwagen, in welchem die Speisen währknd des Marsches zubereitet werden können. Die russische Armee hat eine ähnliche Einrichtung, da jede Compagnie «in Fuhrwerk besitzt, da» äußerlich wie ein Munitionrwagen aussteht und ini Innern mit Filz gefüttert ist, damit die im Wagen selbst zu- bereiteten Speisen selbst mehrere Stunden lang stehcn können, ohne viel von ihrer »rsprünchichen Wärme zu verlieren. Das französische Heer ist mit fahrenden Bäckereien ausgerüstet, di« «benfalls während eines Marsches in Thätigkeit trete». Da» Mehl, roher Fleisch und sonstige Provisionen werden in gewöhnlichen Tratnwageu, von denen jede» ArmeecorpS mehrere besitzt, mitgeführt, sodaß die Soldaten, mögen sie sich auch noch so weit von ihrer Basis cntsernen, täglich frisch gekochte Suppen, frische» Brod und dergleichen zur Verfüg: ng haben.
In: spanischen Heer sind sogenannte Bergbacköfen, die bei . Transport in ihre einzelnen Theile zerlegt und aus dem Rücken von Mauithieren uiitgeführt werden, gebräuchlich.
Charles Kingsley läßt einen seiner Helden in „Westward 6o" ngen, „ein Franzose kämpfe am besten mit leerem Magen, ein Holländer, wenn er betrunken, ein Engländer, wenn er sich den kkWanst gehörig vollgeschlagen, uud ein Spanier, trenn et den Teufel # m Leibe hat — und da» fei stets der Fall." Jeder, der bereit ist, F liefe ^Behauptung zu unterschreiben, muß zugeben, daß die Spanier I seit besser daran sind, al» die DaukeeS, deren Magen ihr bestimmtes Quantum täglich verlangen; tbatsächlich aber stimmen alle Militär- sachverständigen heute darin überein, daß Soldaten, welcher Nation 1 sie auch angehören, am besten fechten, wenn ihre Ernährung eine | geeignete ist. Das liegt ganz in der Natur bei Sach«.
Im regulären amerikanischen Heer giebt es keine der erwähnten e Bequemlichkeiten, und der Soldat ist darauf angewiesen, für seine k eigene Küche zu sorgen, wie e» feine Vorväter, die „Pioniere der k Wildniß", thaten. Backöfen weiden nicht mitgeführt, sondern jede ; Compagnie stellt im Lager einige Mann, denen er obliegt, einen I etwa 2 Meter hohen Erdbügel aufzuwerfen. In diesem Hügel wird k ein etwa 5 Fuß langer, 21/» Fuß breiter und I1/» Fuß hoher Tunnel, dessen Oesfnung so eng al» möglich konstruirt wird, - regraben. Als Schornstein dient ein Kanalisationsrohr aus -l Thon ober eine alte zweckmäßig zusammengebogeite Dachrinne, ? oie den Rauch des am Grunde des Tunnels angezündeten Feuers g ns Freie führt. Nachdem das Feiler ausgebrannt hat, wird ' die Asche entfernt und der geknetete Brodteig oder die zu backende s Speise in den Naturofen, dessen Schornstein und Thür zugedeckt ir werden, hineingeschoben. In diesem primitiven Ofen läßt sich Brod 1 und Fleisch bei gehörig Sorgfalt ganz gut zubereiten. DieMilitär- & behörde selbst ist allerdings weniger von dieser Einrichtung entzückt, - denn der Soldat im Felde nimmt sich nur selten die Zeit darauf § zu sehen, daß seine Ration auch wirklich gar ist, wenn er sie selbst kochen ober backen muß. Und nicht durchgebackeues Brod 1 soll nach einem Sprichwort bekanntlich rascher tödten, als eine Gewehrkugel.
Es ist all.ndings die eigene Schuld der amerikanischen Heeres- k Verwaltung, wenn sie sich die Entdeckungen der zahlreichen ameri» [ kauischeu Erfinder auf diesem Gebiet nicht zu Nutze gemacht hat. ° Während de» Bürgerkriege» koustruirte ein unternehmender New- * Uorker z. B. eine „Küchen-Lokomotive" und Bäckerei, die sich gleichzeitig in einen Provision-Wagen, eine fahrende Ambulanze und ein Lazareth verwandeln ließ. Die Lokomotive war außerdem mit einem Kochofen, Medizinbehältern und einem Operationstisch au»- c gerüstet.
Die Beschaffung eines Vorraihe» von einigermaßen reinem - Trinkwaffer bietet gleichfalls Schwierigkeiten, mit denen die Heeres- leitung bei einer Invasion Cubas ober bet Philippinen zu kämpfen t haben wird. Auf ärztlichen Rath dürsten sich die amerikanischen 1 Generäle aber kaum auf die unzähligen Abarten von Patent-Filtern, : die nur zu oft ein Nest für Mikiokokken und Kommabazillen ( abgeben, verlassen.
Dafür hat der Soldat Instruktion, dem Wasser, da» er ■ nur in unreinem Zustand aus Flüssen und Sumpsiachen erhalten : kann ein wenig Alaun zuzusetzen Diese» Mittel bewirkt, daß sich i der vorhandene Schlamm und sonstige Unreinlichkeiten zu Boden ; fchlagen. Auch wird schmutzige» Wasser durch ein anderes sehr einfache» Mittel, da» Aufkochen mit verkohltem Holz, genießbar ge- E macht; die Kohle wirkt dabei vollständig berinfizirend.
Die Entbeckung verschiedener Methoden zur Präserviruna von i Nahrungsmitteln hat auch dem amerikanischen Heercs-Kommissariat 1 eine große Verantwortung von den Schultern genommen. Heute l kann man 40,000 Rationen tomprmirten Fleische» in einer kaum I 40 Zoll im Durchmesser haltenden Kiste unterbringen; die Ent- : deckung de» Sacharin ermöglicht e» ferner, daß in einer kleinen =" Zinnbüchse von der Größe einer Streichholzschachtel genug 1 Zuckerstoff mitgeführt werden kann, um ein halbes Dutzend I Zuckerhüte und mehr zu ersetzen. Mit anderen Dingen ist dasselbe der Fall, sodaß man sieht, ein moverner Heer dürste ' nicht leicht in bit Lage kommen, au» Mangel an Provisionen Hunger zu leiben. Der Nachtheil biefer Konserven liegt auf einem 6 ganz anberen Gebiete. E» ist bei ihrer Anwendung ganz und gar t nicht ausgeschlossen, daß die eine ober andere Büchse einmal verlöre,: geht. Siehe Marc Twain» Schilderung einer Campagne, wo - ein ganzes Heer ungeduldig auf sein Abendbrod wartete, bas in einem kleinen Zinkkästchen enthalten war. Leiber stellte e» sich bann heraus, daß diese» Kästchen, da» der Küchenchef in seiner Lasche trug, verloren gegangen wgrl Erich Frank.
Aus Stadt und Kand.
Wie» baden, 16. Juni.
— Der neue Kischof von Limburg, Abt Willi, ist ein geborener Schweizer. Er steht im 54. Lebensjahre und ist Priester feit dem 12. Mai 1867. Abt in Marienstätt wurde er am 2. Dezember 1889, eingeführt als solcher am 8. Mai 1890.
— Im Walhalla-Theater findet heute eine Premiere statt- Von dem vorzüglichen Programm der ersten Jmiihälste hat die Direktion sich diesmal die „Stars" auch für die zweite Hälfte gesichert. So konnten, gewiß den Wünschen de» Publikums entsprechend, die drei Wortleys, die „Matadore der Luft", ferner die urkomischen Gebrüder Schwarz und die luftigen 6 Ranioneur» prolongirt werden. Die Wortleys werden zu ihren ftaunenStoertbcn Trics noch einige neue, die Schwarz werden neue Parodieen und die RauioneurS neue Weisen bringen. Neu hinzu kommt eine Attraktion ersten Ranges: Die drei Tigergrazien, drei junge, hübsche Negerinnen mit eigenartig gefleckter Haut und schwarzem, in der Mitte von einer weißen Strähne durchzogenem Kopfhaar. Die eigenartigen physiologischen Erscheinungen sind in Berlin und Paris Gegenstand wiederholter Untersuchungen Seiten» der hervorragendsten ärztlichen Kapazitäten gewesen. Die Tigergrazien werden sich höchst vielseitig in Gesang, Tanz und Akrobatik produziren. Eine sehr interessante Illusion ist Merle, „das Näthsel der Lust", eine junge Dame, die anscheinend frei in der Luft schwebend, verschiedenartige Exekutionen ausführt, wobei sie sich nach allen Richtungen hin bewegt, ohne daß man sich erklären könnte, wie da» möglich ist. Herr Anton Sattler ist eine Spezialität int Humöristeusach. Ein Kind des steyrischen Hochgebirg», später nach der österreichischen Hauptstadt und schließlich nach Budapest verschlagen, wo er bald al» Künstler, bald als origineller Gast rnitwirkte, bat er sich seit Kurzem wieder ganz seiner Kunst gewidmet und feiert überall Triumphe al» Jodler-Humorist und Wiener Volkssänger. Miß Elvira wird al» vorzügliche Bravourturneriu geschildert. In Fräulein Erna Koschel, last not least, hat da» Walhalla-Theater wieder eine brillante Soubrette gewonnen, die, wie wir uns erinnern, im vorigen Jahre in Frankfurt außerordentlich gefeiert wurde. Bei frischem Programm steht uns wiederum im Walhalla-Theater ein interessanter Abend bevor, dem es an reger Beiheiliguug nicht fehlen wirb.
-o- Schwurgericht. Bon bem Geschworenenbien st« in ber bevorstehenden SchwurgerichtStagnng ist ferner Herr Lanb- mann Jakob Staden zu Niederlauken dirpensirt und an dessen Stelle Herr Professor Dr. Heinrich Fresenius von hier neu a»s- geloost worden.
— für Fuhrleute hat eine Polizei-Verordnung besonderes Interesse, welche soeben erlassen worben ist und sofort in Kraft tritt. Dieselbe betrifft die Ergänzung de» § 38 der Polizei-Verordnung vom 10. Juli 1876 und lautet: „Der § 38 bei Polizei-Verordnung vom 10.Juli 1876erhält folgende Fassung: .Peitschenknallen: § 38. Da» Peitschenknallen ist untersagt. Desgleichen macht sich Derjenige strafbar, welcher Vorübergehende mit ber P-itsche trifft ober nach fremden Pferden und anderen Thieren schlägt. UeberdieS ist der Gebrauch von Peitschen mit Knallsckmnr — sogenannter Schnucke, Schwitze, Schmisse — allen Führern von Fuhrwerken, mit Ausnahme derjenigen, welche lediglich dem Personeutransport dienen, untersagt. Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen werden mit ber im § 85 der Polizei-Verorbnuug vom 10. Juli 1876 vorgesehenen Strafe geahndet. Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Publikation in Kraft."
— Lehrerstelle. In Holzhausen a. d. H., im Streife St. Goarshausen, soll zum 1. August d. I. eine Schulstelle mit einem Lehrer evangelischer Konsession anderweit besetzt werden. Grundgehalt 1110 Mk. (einschließlich für Versetzung der Organistendienstes 60 Mk. und Schulgutanschlag 77 Mk. 10 Pst), Alterszulage 150 Mk. Freie Dienstwohnung für einen verheiratheteu Lehrer. Bewerbungsgesuche sind bi» zum 1. Juli d. I. durch die Kreis- schulinspektore» an die Königl. Regierung, Abth. für Kirchen- und Schulwesen, zu richte».
— Ztr engsten» verboten. Zu ber Plauberei, die unter obigem Titel in ber Ersten Sonntagsbeilage ber „Köln. Zta." vom 12. Juni erschien, bringt das Kurhaus eines weltberühmten Bade» in Westdeutschland einen ergötzliche» Beleg, ber beweist, daß bas Verfahren Hochwohllöblicher Eisenbahnverwaltung auch unter den Badeverwaltungen Schule macht. Da» Rauchverbot wird daselbst durch dreisprachige Täselche» zu öffentlicher Kenntnitz gebracht, aus denen zu lesen ist: „Da» Rauchen ist streng verboten. Smoking not allowed. Friere de no pas ferner." Woraus zu ersehen, daß der Franzose mit Glacehandschuhen ungefaßt, der Engländer korrekt behandelt und der Deutsche angeschnanzt wird, daß dieser somit eigentlich nur ein Weltbürger dritter Klaffe ist.
— Die edle Weiblichkeit und da» Radfahren. Irgend ein Griesgram hatte neulich in Berlin öffentiich die Frage gestellt: „Was haben die Damen früher in den Stunden gethan, in denen sie jetzt auf dem Fahrrad herumgondeln?" Eine schreibgewandte und schneidige Evastochter hat, dem „Bert. Lokalanzciger" zufolge, daraus nachstehende Antwort ertheilt:
Sonst:
Gemalt, geklimpert, Romane gelesen. Zum Ball, Theater, Konzert gewesen. Bi» Mittag geschlafen, drei Stunden geputzt. So haben wir vordem die Zeit verimtzt.
Jetzt:
Radeln wir froh in die Welt hinaus, Migräne und Nerven, die bleiben zu Haus. Versäumt durch'« Radelu nur Keine die Pflicht, Dann nehmt ihnen dies Vergnügen auch nicht. Gemüth und Her, bleibt dabei stets gesund. Die Wangen, sie werden uns frisch und raub. Seht Euch nur die frohen Gesichter an. Dann schelte uns — wer noch schelten kann.
— 1 Milliarde 984V- Millionen Kr'efm reiten bat die Reichsdruckerei nach amtlicher Mittheilung an dieOberpostdirektiouen im letzten R.chnuugsjahre geliefert. Postkarten, Startenbriefe und Postauweisang.n waren e» beinahe 338 Millionen Stück. M'hr al» bet dritte Th-il aller Briefmarken oder 794 Millionen waren Zehn- Pfennigmarken, 457 Millionen zu fünf, 355 Millionen zu drei, 176 Millionen zu zwaiizig Pfennig. Postkarten würben 298Millionen geliefert, außerdem 574,650 Postkarten für Private obgestempclt. Außerdem lieferte die RlichLdruckerci 20 Millionen Wechjelstempel-
zeichcn, 17 Millionen statistische Werthzeichen, 459 Millionen ober für 98‘I: Millionen Mark Versicherungsmarken.
— Das alphabetische Miisterweib. Ein gute» Weib soll fein: aumuthig, bescheiden, charakterstark, demüthig, ehrvox, fleißig, gefühlvoll, häuslich, innig, keusch, liebenswürdig, mitleibig, nach» giebiß, ordnungsliebend, pflichttreu, quellfrisch, reinlich, sparsam, treu, ungekünstelt, verschwiegen, wirthschaftlich, xanthippenunahnuch, zuverlässig.
— Kleine Ualizen. Se. Kaiser!. Hob. Großfürst Michael Michailowitsch nebst Gemahlin, sowie Se. Durch!. Prinz Nicola» von Nassau nebst Gemahlin und Tochter beehrten vergangene Woche das im Adamsthal belegene „Waldhauschen" mit ihrem Besuch und »ahmen dortselbst Erfrischungen ein. DjeseWoche wurde das „WaldhäuSchcu" von Ihrer Durch!. Frau Prinzessin von Schaumburg-Lippe mit Besuche» beehrt.
Vereins - Nachrichten.
turje (a<tli4< Berittwerden 6ereitwiulgfi Unter biefer UeSerfdfrtJt aulgenetem««.
* Eine schöne VergnügungStour brachte ber „Ärjcgcrbtrdu Germania - Allemannia" am verflossenen Sonntag nach Katzenelnbogen zur Ausführung, an welcher sich75Personen—Damen iinb Herren — beteiligten. Unter den Klängen einer gut besetzten Musikkapelle dampfte nm 7 Uhr lO Min. früh ber Eisenbahnzug, welcher die Touristenschaar ihrem Ziele entgeaeissühren sollte, mit seinen Insassen vom Rheiubahnhofab über Langenschwalbach birzur Station Zollhaus, von wo au» man nach dem etwa eine halbe Stunde entfernten, am einer Anhöhe im Walde reizend gelegenen Burgschloß Hohlenfett pilgerte, um daselbst Frützstücksrast zu halten. Von bietet herrlichen Punkte ans bietet sich bem Auge eine wundervolle Aussicht über die schöne Landschaft im weiten Umkreise. Die Theilnehmer ließen denn auch diese günstige Gelegenheit zur Umschau nicht unbenutzt vorübergehen. Da auch Küche und Keller de» Schloßverwalter», welcher zugleich eine Schankwirttzschast unterhält, da» Beste an Er- frischungsinittelu boten und dazu die Musik ihre luftigen Weisen ertönen liefe, räumten die Alltagssorgen einer heiteren Stimmung bald das Feld, und leider nur zu früh mahnte die Stimme de» Präsidenten durch das Hornsigiial zum Verlassen ber heimischen Stätte, um die Fußwanderung auf einem schattigen, aber bezüglich seiner Beschaffenheit einen Gegensatz zu den schönen Wiesbadener Promeuadewegen bildenden Waldweg fortzusetzen. Für die weniger Wegsertigen hatte der Vorstand in kürsorglicher Weise Fuhrwerke bestellt. Um 12V« Uhr erreichte man Katzenelnbogen, an dessen Eingang die Touristen-Gesellschaft von der Dorsjugend und dem Vorstand des dortigen Kriegerverein» erwartet wurde. Unter Vorantritt ber Musikkapelle wurde im strammen Paradeschritt mit „Gewehr auf" Einzug in die alte gräfliche Residenz gehalten und im „Hotel Bremser" Standquartier bezogen. Da» von dem Besitzer desselben angerichtete und in allen Thefleu vortreffliche Mittagsmahl nebst einem vorzüglichen Tropfen „Erbacher" an» ber berühmten Kellerei bc» Herrn Bremser toar so recht geeignet, die durch die kleine Anstrengung de» Marsche» etwa» gesunkene Siimmung wieder auf die richtige Höhe zu bringen. Herr Kamerad Emil Rumpf feierte in schwungvoller Rede die Verdienste Sr. Majestät des Kaiser» Wilhelm II. während seiner nun 10-jährigen Regentschaft uud brachte auf denselben ein von der Tischgesellschaft begeistert aufgenomuiene» dreifaches Hoch au», welchem die Nationalhymne — stehend gemeinsam gesungen — folgte; Herr Kamerad Noack toaftirte aus die Damen. Um mit den Kameraden von Katzenelnbogen und deren Familien noch einige gemüthliche Stunden gemeinsam zu verleben, war ber geräumige, von einem mächtigen Kastanieubanm beschattete Schloßhos zu einem Festplatz eingerichtet. Hier fanb man bei Ankunft die ganze Einwohnerschaft des Fleckens versammelt und reichte der Platz kaum aus, all' die Erschienenen zu fasse«. Bei Musikstücken, fröhlicher Plauderei und einem aurgezeichnetey Glafe Bier ans der Bremserschen Brauerei in Katzenelnbogen eilte die Stunde, um welche man sich unter bem Ausdruck des Dankes für das getroffene Arrangement von de« Katzenelnbogener Kameraden verabschieden mußte, mit Riesenschritten herbei. Die Rückreise erfolgte auf bereit gehaltenen Leiterwagen zur Eifeubahnstaiion Zollhaus und von ba mit bem Zuge 7 Uhr 49 Minuten nach Wierbaben. Die vom herrlichsten Wetter begünstigte schöne Tour wirb jedem Theilnehmer gewiß Noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben.
» Von überaus herrlichem Wetter begünstigt, verlief da» auf verflossenen Sonntag angesetzte Waldfest de» „Wiesbadener Militär-Verein»" in der glänzendsten Weise. In einem stattlichen Zuge rückte der Verein unter Vorautritt seine» Trommler- und Pseifercorp», sowie einer gut besetzten Musikkapelle am Nachmittag nach dem Feflplatz auf bem SpeierSkopf ab, allwo sich dann, al» die Nachmittagshitze etwas nachgelassen, eine zahlreiche Menschenmenge einfand. Eine durchweg heitere Stimmung hatte sich m kurzer Zeit aller Gemiither bemächtigt. Die Musik sowohl wie bte Gesang-Abtheilnng be» Vereins suchten je nach Kräften zu einer fröhlichen Stimmung beizuttagen. Selbstverständlich wirkte hierbei nicht minder eine vorzügliche Bewirthung Seiten» de» beliebte« VcreinSwirtheS, Herrn Josef Geyer, mit. Der mit einer großen Zahl seiner Mitglieder vertretene Männergesang-Verein .Cacilia liefe e» sich nicht nehmen, durch einige Vorträge da» Fest zu verherrlichen. Der Rückmarsch erfolgte nach dem Verein-lokale, woselbst eine gemüthliche Nachsitzung den festlichen Tag beschlafe'
Stimmr» an» dem Publikum.
(Für Lcrkkeutlichuugell unter dieser Neberschrisr übernimmt die RedaMo« keinerlei BetanttoorttuiaJ
* Touristische», betr.Ältenstein- und KellerSkopf» Thurm. Auf die „Stimme»" vom 8. und 11. d. M. möchte ich als Mitglied de» „Rhein- und Taunur-KIubs" den Herren Einsendern folgende Aufklärungen geben: Es existiren hier allerdings nominell zwei Touristenvereine; der eine ist der „Rhein- und Taunus-Klub", der 400 Mitglieder zählt (Vorsitzender: Herx Kaufmann L. Schwenck) und bet „TauimS-Klub", eine frühere Sektion de» „Frankfurter Taunus-Klub", ber, in ber Mitglieberzah! sehr zusammengeschmolzen, seit den 80er Jahren nur mehr eine erhaltende Thätigkeit entwickelt (Vorsitzender: Herr Lehrer A. Buxmayer). Der erstere. Verein hat den eisernen Thurm auf ber Hohen Wurzel, den Thurm auf dem Spitzen Stein und die Halle am Bahnholz erbaut, sowie im ganzen westlichen Taunus die Wege- martirung durchgeführt; ber Taunus-Kind hat Ende der 70er und Anfangs der 80er Jahre die Thürme auf dem Kellerskopf, der Hallgarter Zange, dem Schläferskops und da» Aurstchtsgenist auf dem Altenstein, zum Thcil mit Unterstützung de» Frankfurter Stamm-Klub» gebaut, die seitdem auch von bem hiesige» Taunus- Klub in Reparatur gehalten worden find — wenn diese Reparaturen auch mitunter etwa» fpät voraeuommen worden sind, was seine« Grund im IröflfW Kranksein de» Henn A. Buxmayer hattz.
