Mtsba-mkr THlÄ
«o. Jahrgang.
Verlag: Langgasse 27.
15,500 Abonnenten.
Po. L74
Donnerstag, den 16. Inn,
1898t
Fernsprecher No. 52.
Fernsprecher No. 52.
Abend-Ausgabe
le«
fille-mbre.
zuröckließ, Steine nachgeworfen und ihm eine Verletzung zugefügt. Der Richter Magnaud, der es sich zur Aufgabtz gemacht hat, mehr für die Gerechtigkeit als für das Gesetz einzutreten, wendete in diesem Falle das geringste Straft ausmaß an, er verurtheilte das Mädchen zu 1 Frc. Strafe. Ohne die durch dieses Urtheil begünstigte Lynchjustiz zu befürworten, muß man doch der Begründung des UrtheM
kratie vollends verdrängt. Dilletanten-Photographen machen sich hier breit und richten ihr Objektiv unermüdlich auf Amazonen und Sportsmans, Radfahrer und Automobils. Ja sogar an dem Kinder-Rayon hat der mechanisirende Zug der Zeit seine Wirkung geübt: statt in dem traditionellen eselbespannten Wagen machen die Kinder jetzt- ihre Fünf- Sous-Rundfahrt in einem Automobil. Den armen Kleinen, denen die weltgeschichtliche Bedeutung des Motors noch nicht aufgegangen, wird inzwischen mit der Peitsche und mit dem Anblick der trabenden Langohren jede Illusion des selbst- thätigen Fahrens geraubt. Und so lange die „Gesellschaft" noch in Paris weilt, steht auch die Klatschrose noch in voller Blüthe; die Klatschsucht, deren Symbol sie ist, drängt sich mit unabweislichcr Zudringlichkeit sowohl in den Parlamentssaal, als hinter die Coulissen des Theaters, schleicht sich in das Intimste des Privatlebens, durchstöbert die Vergangenheit und konstruirt nach Willkür die Zukunft ihrer Opfer. Außer zwei Duellen in politisch-journalistischen Kreisen, welche als Folge der Wahlcampagne in den nächsten Tagen stattfinden sollen, giebt die Scheidungsangelegenheit der bekannten Schauspielerin Re'jane und ihres Gatten, des ebenfalls bekannten und fähigen Theatermannes Porel, willkommenen Gesprächsstoff. Diese intimste Privatangelegenheit wird zu einem „großenPariser Ereignisse" hinanfgeschraubt; die Blätter schreiben Leitartikel darüber und auf den Bühnen des Montmartre wird es zur Belustigung des Publikums in Knittelverse und Couplet-Musik gebracht. Doch damit begnügt man sich nicht; man ertheilt dem Ehepaar öffentlich ungebetene Rathschläge, man greift mit brutaler Hand in die tiefsten Falten ihrer Seelen, erinnert sie an die längst vergangenen Zeiten ihrer ersten Liebe, führt ihnen die Zukunft ihrer Kinder vors Auge — als ob
* N«»d schau im Kelche. In einer Cent rums» Versammlung zn Salem in Baden entschlüpfte dem Baron v. Stotzingen ein interessantes Einaeständniß. Der CentrumS» redner sagte nämlich, daß nicht nur die Ertheilung des Religion»» Unterrichtes alleinige Angelegenheit der Kirche werden mufft, sondern auch der Kirche das Recht eingeränmt werden müsse, die übrigen Lehrfächer zu kontrollircn und zu beaufsichtige», um zu verhindern, daß irgend etwas gelehrt werde, damit den Lehren der Kirche in Widerspruch steht. — DaS ist wenigstens offen!
Anzeigen-Preisr
Die einspaltige Pctitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pia. — Rcclamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.
Sie hatte ihrem Verführer, einem ländlichen DoU» Juan, der sie mit ihrem Kinde ohne jede Unterstützung
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-PreiS: durch den Verlag So Pfg. monatlich, durch die Post B. Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Der fpklinsch-amerllrnrttfche Krieg.
Beistehcnd geben wir unseren Lesern ein Bild de» Geueral- Gcuo-rnenrS der Philippinen, Augusti, welchem die schwierige Aufgabe obliegt, die genannten Inseln der spanischen Herrschaft gegen di- Amerikaner und die Insurgenten zn erhalten. Da sich der Aufstand schon über die ganzen Inseln ausgebreitet hat und die Rebellen von den Amerikanern mit Waffen und Munition unterstützt | werden, andererseits aber die spanischen Truppen keine Verstärkungen ; au» der Heimath zu erwarten haben, so scheint es unmöglich, daß - e» dem General-Gouverneur Augusti gelingen sollte, den Ausstand wieder zu unterdrücken und sich auch gegen die Amerikaner zu halten, welche bekanntlich Manila von der Seeseite blockiren.
Genrral-Gonvrrnrur Augusti.
wb. Madrid, 15. Juni. Ein amtliche» Telegramm des General- gouvern-urs der Philippinen von Manila besagt: Die Lage ist andauernd ernst. Der Feind umgiebt die Stadt. Ich habe die Truppen zurückgezogen, um sie zu konzentriren. Di« Blockhauslinie ist verstärkt durch Erdarbeiten, wo unsere Truppen sich schlagen können. Jede Verbindung ist nach wie vor abgeschiiitten. Ich erwarte den General Monet mit Verstärkungen, aber man hat keine Nachricht, wie die Truppen ankommen werden. Der Bevölkerung bangt vor einer Niedermetzelung durch die Rebellen und zieht ein Bombardement vor. Ich weiß nicht, wann dieses beginnen wird. Augusti. Das Telegramm ist vom 8. d. MtS. datirt.
U wb. Washington, 15. Juni. Eine beim Marinedepartement eingegangene Depesche des Admirals Sampson besagt, daß Truppen ? unter Genera! Rabi mit Hülfe der von Garcia befehligten Aufständischen die Stadt AcerraderoS besetzten.
• hd. Nrrv-UorK, 15. Juni. Einer Depesche au» Guantanamo vom 14. d., Abend» 6 Uhr, zufolge, schlug die amerikanische Marine- l Infanterie eine 400 Mann starke spanische Truppenabtheilung, wobei ' 1 Amerikaner leicht verwundet wurde. Die Spanier hatten e 40 Tobte. — Da» „Evening Journal" meldet au» Guautanamo, * daß eine Patrouille von gmerikanischen Soldaien gestern Abend ins -c Lager zurückgekehrt sei mit 18 spanischen Gefangenen, darunter Z 1 Offizier, etwa 100 Mausergewehren und 10,000 Patronen. Die t Amerikaner hätte» gemeldet, daß in den verschiedenen Gefechten mit
Gewerbesteuer und der Besteuerung der Großbazare neben den von den Kommunen zu erwartenden Vorschlägen, namentlich in RücksiD auf die drohende Vermehrung der Waarenbazare, beschlossen seien. In der dem Vorstaude zugegaiigenen, vom 5. d. M. batikten Antwort spricht der Finanzminister die Erwartung au», daß dir Kommiinen der au sie ergangcnen Aufforderung der Regierung durch geeignete Vorschläge entsprechen werden. Er heißt weiter in dem betreffende» Schreiben: Sollte es sich bestätigen, daß eine den kommunalen und sozialpolitischen Rücksichten entsprechende Um» gestaltung der bestehenden Gewerbesteuer im Wege der kommunalen Autonomie keinen ausreichenden Erfolg erwarten läßt, so würot auch der Eventualität eines laudcsgesetzlichen Eingreifen» näher» getreten tverden müffc», wenn auch bei Einschlagung diese» Wege» trotz sorgfältiger Erwägung die besonderen Berhältniffe und Br dürfniffe der einzelnen Gemeinde», wie dies auch von verschiedenen Seiten in der Konferenz anerkannt wurde, nur in geringerem Maßt Berücksichtigung finden könnten.
den Spaniern der Verlust der letzteren sich auf 100 Tobte und 200 Verwundete beziffere. — Der Korrespondent der „Post" in Washington tbeilt mit, e» sei möglich, daß man eine neue Aushebung von 100,000 Mann veranstalte, welche im Herbst au dem Feldzug auf Cuba Mitwirken sollen.
ikm-Sark, 15. Juni. Gelegentlich der Debatte über Hawai hatte der Repräsentant Berrh unter gewaltigen: Beifall erklärt, 75 Millionen Amerikaner seien bereit, den Krieg mit irgend einer europäischen Macht, die eine Eimuischung plane, zu führen. — Admiral Sanipson berichtet, baß mehrere Hundert Cnbaner zu ihm stießen und daß die Stadt AcerraderoS eingenommen sei. — Das Repräsentantenhaus »ahm den Antrag, betreffend die Annektion von Hawai, mit 209 gegen 91 Stimmen an. — Die abscheuliche Verstümmelung der Leichen Seiten» der Spanier ruft eine gewaltige Entrüstung hervor. Manche Blätter befürworten, keinen Pardon zu geben, sondern jeden Spanier niederzumachen. Diese minöthigeu AnSschreitnngen werden Spanien auch beim FriedenSschluß theuer zu stehen kommen. — Washingtoner Behörden erklären, Santiago sei auch auf der Landseite jetzt, hauptsächlich durch die Insurgenten, vollständig abgeschnitten, sodaß Zufuhr unmöglich ist. (Franks. Ztg.)
sie in ihrem Kummer nicht selbst genug daran dächten — und beschwört sie, Paris doch das erheiternde Schauspiel einer Versöhnung zu bieten. Bei dieser Gelegenheit wird auch von juridischem und sozialem Standpunkte dasScheidungs- gesetz krilisirt, das seiner Zeit in aller Eile abgefaßt, um nur das Prinzip der Scheidung ehestens in Praktik umzusetzen, viele Mängel aufweist. Der unsinnige Paragraph, der der geschiedenen Frau verbot, ihren Geliebten zu heirathen, wurde bereits umgeändert; nun fordert man noch die Abschaffung der zweimaligen pflichtmäßigen Versöhnungs^ versuche, die nur eine unnütze Quälerei sind, und verlangt, daß die Auflösung der Ehe sich nur auf die logisch vernünftigste und am wenigsten grausame Bedingung: „gegenseitige Einwilligung der Ehegatten" gründe.
Noch ein zweiter Artikel des französischen Kodex wurde in den letzten Tagen aufs Neue heftig angegriffen. Es ist das Gesetz, welches in Frankreich — im Gegensätze zu fast allen civilisirten Ländern — das Nachsuchen der Vaterschaft verbietet. Anlaß dazu gab ein sensationelles Urtheil des Richters Magnaud, der schon vor einigen Monaten viel von sich sprechen machte, als er ein Mädchen, das Brod gestohley hatte, um sich und sein Kind vor Hunger zu bewahren, alK unschuldig erklärte. Auch diesmal handelte es sich um eine
Ausland.
* Vestrrreich-Ungaru. Bezeichnend für da» Gefühl unver» lctzbarer Macht des Klerus in Tirol ist folgende AeuberuNg der nltramontanen „N. Tir. Stimmen" zu der Jnterdiklsache: „Herausgeber und Redaktion der „Boz. Ztg." haben, wie diese» saubere Blatt meldet, gegen den Fürstbischof Engen Star! die EhrenbeleidigungS- klage erhoben. Es wird immer schöner bei uns in Tirol, wenn hergelaufene Leute sich schon heranSnehmen, unsere Landerbischöfe vor die Gerichtshöfe zu ziehen. Wir sind nur begierig, wie weit die Geduld der Bozner noch reicht. Da wärewahrhastigdie schärfsteTonart am Platze." — Dem „Kl. Journal" wird au» Prag berichtet, in Weinberge Neustadt sind an allen Häusern, in welchem Deutsche oder Juden wohnen, Todtcnköpfe, Kreuze oder griechische Buchstaben angemalt. Da man diese Zeichen noch von den früheren Unruhen heb kennt, herrscht unter der deutschen Bevölkerung sehr große Auf» regung; bei der Polizei laufen Anzeigen ein und Schutzmänner entfernen, von Haus zu Haus gehend, die Zeichen. Eine Untersuchung ist eingeleitet und für die am Sonntag stattsiudende Palacky- Feier sind umfasiende Sich-rheiismaßregel» getroffen. — Aus Lemberg wird gemeldet: Die antisemitischen Excesse dauern fort. Bisher haben in 32 Ortschaften Ueberfälle und Plünderungen statt« gefunden. Die verschiedenen Versuche, die Petroleum-Anlagen in Braud zu stecken, wurden bisher vom Militär vereitelt. In verschiedenen ländlichen Bezirken wurden unter den Bauern Zettel ver> tbeilt, deren Inhalt lautete: „Auf behördlichen Befehl sind die Juden durchzuprügeln!" Große Truppenverstärkmigen gehen nach den unruhigsten Ortschaften ab.
* Italien. Unter dem Titel: „Ein wunderbares Ereigniß". den Manche allerdings nur ironisch werden verstehen wollen, berichtet der „Osservatore Romano", daß eine soeben erfolgte photographische Aufnahme der sogenannten „Santa Sindone“ in Turin (das Leichentuch Jesu Christi) ein bisher unsichtbar gewesene» exakte» Bild des Erlösers ergeben habe. Das Gesicht und der Körper seien auss Genaueste sichtbar, als wäre der Leichnam des Herrn gleich nach der Passion „Photographin" worden. Die klerikale Presse, sowie andere Blätter widmen dem sensationellen Ereignisse mächtige Artikel. Die Volksbildung in Italien steht bekanntlich aus einer sehr niedrigen Stufe.
^Belgien. Aus Brüssel meldet die „Politik", nach dem bisherigen Verlaus der Zuckerkonfereuz könne die Aktion auch dermalen als gescheitert angesehen werde», da Frankreich und Rußland Hand in Hand gehen und daran festhalten, ihr Zuckersteuer- fystem »ud überhaupt ihre Freiheit in der Entschließung in der Angelegenheit der Zuckerbesteuerung nicht schmälern zu lasse».
Slmetncn für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeiaen Mit
c* - " " AVkt.iIlkstllv nachsterschemenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. 8 ’ 8
Deutsches Reich.
* 8of- und Personal-Nachrichten. Die kaiserlichen Prinzen August Wilhelm und Oskar trafen gestern in Kreuznach ein und nahmen im „Hotel du Nord" Wohnung. Mit dem gleichen Zug reiften die schwedischen Prinzen Gustav Adolph und Wilhelm Oskar nach Baden-Baden weiter. — 81 u8 Fried richsruh wird dem „Kl. Journal" berichtet: Das Befinden des Fürsten Bismarck ist neuerdings ein weniger gutes. Am rechte» Beine ist eine Venen-Ent- zünduug entstanden, die große Schmerzen verursacht, und hat der Fürst seine Ausfahrten eingestellt. Professor Schweninger ist von Wien wieder eingetroffen, ebenso ist Gras Herbert zu Besuch anwesend.
* Strlitt, 16. Juni. Der „Reichsanzeiger' veröffentlicht eine Reihe der vom Kaiser anläßlich feines 10-jährige» Jubiläums verliehenen Auszeichnungen: Der Intendant des Königlichen Theaters in Wiesbaden, Kammerherr v. Hülsen, erhielt bei dieser Gelegenheit, wie schon mitgetheilt, den Kronenorden 2r Klasse. Aus der laugen Reihe der übrigen Auszeichnungen heben wir noch hervor, daß der einstige Lehrer des Kaisers, der Geheime Ober-Regierungs- rath Profeffor Hinzpeter, de» Charakter als Wirklicher Geheimer Ober-Regiermtgsrath mit dem Range der Räihe Ir Klaffe erhielt. Der Kaiser hat den Professor Slaby von der Technischen Hochschule zu Charlottenburg und drei andere Professoren aus Hannover und Aachen zu HerrenhauSinitgliedern ernannt. Ersterem mochte der Kaiser telegraphisch von feiner Berufung Mittheilung und zwar durch folgendes Telegramm: Um ein Zeugniß dafür ab- ziigebe», wie hoch ich die Entwickelung der modernen exakten Wissenschaften anschlage in ihrem Werthe für die Hebung unseres Volkes, habe ich beschlossen, daß das Polhtechnikum im Herrenhanfe vertreten sei und ernenne Sie zum Mitglied- des Herrenhauses. — Es ist sehr erfreulich, daß in dieser Körperschaft, wenn ihr Werth für den Staat auch nur sekundär ist, neben den vielen erblichen Mitgliedern und durch Gunst dorthin berufene Grobwürdenträger auch einige schlichte Gelehrte vertreten sind. Sie können dem Ansehen des Herrenhauses vielleicht ein wenig zur Folie dienen.
Der Kaiser hat unter dem gestrigen Tage eine besondere Auszeichnung für Fahnen- und Standartm-Träger bestimmt. Die Fahnenträger der Fußtruppen ausschließlich Fnßartillerie und die Standarten-Träger sollen in Zukunft durch die Regiments- Kommandeure bezw. durch die Kommandeure selbständiger Bataillone ernannt werden. Sie erhalten ein Abzeichen zum Waffenrock rc., sowie einen Riugkragen, die Fahnen-Träger ein besonderes Seitengewehr.
Der Kaiser hat gestern, am Tage seines 10-jährigen Jubilänms, eine grobe Anzahl von Beförderungen in der Armee vollzogen, welche gestern Nachmittag in einer Extra-AnSgabe de» „Militär- Wochenblattes" veröffentlicht werden. Eine größere Anzahl höherer Marineoffiziere ist durch Ordensverleihuugeii ausgezeichnet worden.
* Der Kund der Kandel- nnd Gewerbetreibenden hat den Finanzminister schriftlich um Auskunft gebeten, welche Maß- naljmen Seitens der Regierung im Anschluß an die im Finanzministerium stattgefundene Konferenz betreffs der Umgeftaltung der
(Nachdruck verboten.)
Pariser Krief.
(Von unserem Korrespondenten.)
Im Bois de Boulogne. — Klatsch. — Gesetzliches. — Feministisches. — Friedensfreundliches.
Pari», 14. Juni.
Der Tag des „grand prix“ ist gewöhnlich das Zeichen deS Aufbruchs für die feine Pariser Welt. Hat man sich an diesem Tag noch einmal in seiner ganzen Pracht gezeigt, einander zum letzten Mal auf Pariser Boden bewundert, beneidet und beklatscht, so verläßt man Paris, um an einem Seegestade die vielfältigen Beschäftigungen des Müßiggangs in etwas veränderter Form fortzusetzcn. Diesmal jedoch hat das ungünstige Wetter die konventionelle Grenzscheide des Pariser Aufenthalts etwas hinauSgeschoben; man giebt nur ungern die reizenden Spazierfahrten im Bois de Boulogne auf, die man ja auszukosten noch nicht die Möglichkeit hatte. Dieser schönste Spazierort von Paris hat im Laufe der letzten Jahre in seinem charakteristischen Aussehen eine gründliche Veränderung erlitten. Die neuen technischen und wissenschaftlichen Erfindungen vollziehen auch hier ihre ausgleichende und demokratisirende Mission. In der Akazienallee tummeln sich zwar noch immer elegante Reiter und schöne Amazonen; doch müssen sie neben ihren theuren Raffe-Pferden das immer billiger und immer volksthümlicher werdende Fahrrad leiden und unter die wappenverzierten Equipagen mischen sich immer häufiger Automobils, die durch ihren rasenden Lauf ein schätzbares Verkehrsmittel für Diejenigen werden, deren Zeit Geld ist, die jedoch den Hauptzweck der Boulogner Spazierfahrlen,- das Sehen und Sichsehenlaffen, aus dem Programm streichen. Au8 der Potiniöre, ihrem reizenden Flirt- und Klatschwinkel des Wäldchens, wurde die Aristo-
