Wiesbadener TsgM.
40* Jahrgang.
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Mittwoch, den 1. Juni.
Uo. 250.
Fernsprecher 91». 52.
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1898.
Abend-Ausgabe
Di. R.
und am 26. von der Andromeda.
dem anderen Plan zuwandte, eine nordöstliche Durchfahrt zu entdecken, der ebenfalls fürs Erste erfolglos blieb. Im Jahre 1816 setzte die englische Regierung aufs Neue eine Belohnung von 20,000 Pfd. Sterl. auf die Entdeckung der nordwestlichen Durchfahrt aus. Den vierten Theil dieser Summe erhielt Pary, der zwar nicht das vorgeschriebene Ziel, aber den 113. Längegrad westlich von Grönland erreichte. Im Jahre 1845 unternahm Franklin seine groß angelegte und leider verunglückte Expedition. Von da an wurde die Polarforschung mit erneutem und verstärktem Eifer dadurch ausgenommen, daß zahlreiche Expeditionen zur Aufsuchung der Franklinschen Expedition ausgerüstet wurden.
Erst im Jahre 1859 hatten die Bemühungen Erfolg. Clintock entdeckte die Ueberreste der Franklinschen Expedition und ermittelte, daß diese im Juni 1847 in König Wilhelms- land zu Grunde gegangen war. Uuterdeß hatte Mc Clure, der 1854 von einer Nordpolexpedition nach England zurückgekehrt war, die nordwestliche Durchfahrt glücklich entdeckt, doch stellte sich gleichzeitig heraus, daß diese Durchfahrt völlig unbrauchbar war. Mc Clure erhielt die Hälfte der von der englischen Regierung ausgesetzten Belohnung, aber
letzteren wird Dencb zugerechnet, der in der Verzweigung der Straße zu suchen ist. Die Wega führt südöstlich zum Atair im Adler. Deneb, atair und Wega bilden ein großes gleichschenkeliges Dreieck, dcflen Spitze Atair schräg zum südöstlichen Horizont gerichtet ist. Ziemlich nördlich vom Atair bemerken wir die Sterngruppe des Delphin. Im äußersten NO. erhebt sich das Bild der Andromeda. Ueber ihr, nach dem kleinen Polarstern zu, finden wir dieKassiopeja. Zwischen ihr und dem Schwan hat das Bild des Cepheus (siehe unter .Sternschnuppen") seinen Stand. Der seine Lichtstärke periodisch verändernde Algol im Perseus steht tief unten im N. Sein Licht wird durch de» Schein der immerwährenden Dämmerung zur Zeit geschwächt. Als Sterne 1. Größe sind augenblicklich acht sichtbar, nämlich AntareS, ArkturuS, Atair, Kapella, Pollux, Regulus, Spika und Wega. Drei von diesen befinden sich aus der Osthälste. — Die Milchstraße steigt im N. zwischen Algol und Kapella empor und verfolgt im großen Ganzen eine südliche Richtung. Bei Deneb verzweigt sie sich.
In der Nacht des 1. Juni sand die obere Kulmination oder der Durchgang durch die Mittagslinie zwischen dem Nordpol des Himmels und dem Südpunkt des Horizonts statt bei Spika 8 Uhr 52 Min. Abend», Mond der Erde 9 Uhr 15 Min., Stern Eta in der äußersten Spitze der Deichsel des Wagens 9Uhr 16 Min., Arkturu» 9 Uhr 43 Min., Gemma 11 Uhr 2 Min., Uranus 11 Uhr 20 Min., Saturn 11 Uhr 52 Min., Antares 11 Uhr 55 Min., Wega 2 Uhr 9 Min. und Atair 3 Uhr 21 Min. I» derselben Nacht vollzog sich die untere Kulmination oder der Durchgang durch die Mittagslinie zwischen dem Nordpol des Himmel» und demNord- punkt de» Horizonts beim Polarstern 8 Uhr 52 Min. Abends und bei Kapella 12 Uhr 44 Min. An jedem nächsten Tage erfolgt die Kulmination der Fixsterne — hoch nur dieser l — um 3,93, also rund um 4 Minuten früher.
Sternschnuppen pflegen anrzugehen am 7. vom Skorpion, am 13. und 20. vom Cepheur, am 15. vom Schwan und Herknle»
Erde, der er am 22. Mai am nächsten stand. Er steht, wie Saturn, im Skorpion, ist aber mit unbewaffneten Augen schwer zu finden. Leichter findet man ihn unter Benutzung eines guten Opernglases, wenn der Planet durch den Meridian (siehe unten I) geht. - In Mondnahe befinden sich Saturn und Uranus am 4„ Mars am 15., Venus am 22. und Jupiter am 27.
Der Fixsternhimmel bietet am 1. um 11 und am 15. um 10 Uhr Abends folgende» Bild: Aus der westlichen Hälfte hoch oben erkenne» wir den Himuiel»wagen, der die Deichsel nachzieht und bereits eine nordwestliche Richtung einschlägt. Die geradlinige Verbindung der Hinterräder, d. h. der beiden Sterne zweiter Größe, Beta und Alpha, weist in ostlüdöstlicher Richtung zum Polarstern Kynosura ober Alrukaba. Fast nördlich von diesem, tief unten in der Nähe der Horizonts, funkelt ans dem Schein der immerwährenden Dämmerung die helle Kapella herauf, die dem Bild des an Sternhaufen reichen Fuhrmanns angehört. Von ihr aus westlich ziehen die Zwillinge Kastor und der hellere, gelbliche, tiefer stehende Pollux ihre Straße dahin, um sich binnen einer halben Stunde nach einer überaus langen Wanderung zur Ruhe zu begeben. Auch Regulus im Löwen steht schon tief im W. und geht bald nach Mitternacht zur Rüste. Am südwestlichen Himmel unten erkennen wir die helle Spika. Dieses Wort heißt auf deutsch Aehre, die von der Jungfrau, in deren Bilde sie sich befindet, in der Hand getragen wird. Höher al» dieser Stern, etwas mehr nach links, steht ArkturuS im Boote«. Oestlich hiervon, gerade im Meridian, strahlt un» das hübsche Bild der Krone entgegen, deren hellsten Stern Gemma, d. h. Edelstein, nach zwei Minuten den Meridian erreicht. - Auf der Osthälste de» Himmels sendet tief unten im 8. Antares, b. h. dem Ares oder Mars an Farbe vergleichbar, sein röthliches Licht zu uns herauf. D'.r Helle Stern gehört dem Skorpion an. Südöstlich vom Polarstern, diesseits der Milchstraße, funkelt Wega. Sie ist in der Leier gelegen, die sich zwischen den Bildern de» Herkules und des Schwau» befindet. Dem
(Nachdruck verboten.)
Astronomische Erscheinungen im Juni 1898.
(Eigener Aufsatz für dar .Wiesbadener Tagblatt".)
Am Vormittag des 21. gelangt die Sonne ins Zeichen de» Krebse». Damit nimmt der astronomische oder kalendermäßige Sommer seinen Anfang, und wir haben den längsten Tag. Vom 22. an werden die Tage wieder kürzer. Die Entfernung der Sonne von der Erde beträgt heute 20,252,000, am 30. aber bereit» . 30,297,000 Meilen. Der Abstand de» TagesgestirnS vom Südpunkt de» Horizonts beträgt am 1., Mittag» 12 Uhr, für den südlichsten ' Punkt des Deutschen Reich» 64° 49' 6" (am 1. Mai nur 57° 33' 6"), für den nördlichsten 56° 12* 6" (48° 57' 6“) und für den mittelsten " Breitegrad 60° 30' 6" (53° 15' 6"). Die Abstände.nehmen bi» znm 21. kaum noch IV-° zu. Der scheinbare Durchmesser Ser Sonne mißt am 1. Juni 31 Min. 36 Sek. Bogenmaß, zu Ende de» : Monat» 31 Min. 32 Sek - Der Mond ist Vollmond am 4., Neumond am 19. Er stehl in Erdnahe am 5., in Erdferne am 19.
Von ißla neteu können gesehen werden zunächst Venu» im i. NW. al» Abendstern. Die Sichtbarkeitrdauer diese» Planeten . nimmt ab und beträgt zu Ende de» Monats nur noch wenig mehr als eine Stunde. — Mar» wird endlich wieder sichtbar. Er zeigt sich als Morgenstern und kann zunächst allerdings nur kurze Zeit, nach vier Wochen aber schon eine ganze Stunde hindurch im NO. gesehen werden. Der Planet hat eine röthliche Färbung. Seine Sichtbarkeitsverhältniffe werden von Monat zu Monat günstiger. — Jupiter geht immer zeitiger, beim Schluß des Monat» schon um Mitternacht unter. Die Sichtbarkeitsverhältniffe werden von Tag eu Tag ungünstigere, sodaß der Planet am 30. kaum noch 90 Minuten lang zu sehen ist. - Saturn steht noch immer im Skorpion und ist die ganze Nacht hindurch sichtbar. Die große «xe feine Ringsyst-m» ist jetzt 2,298 mal fo groß al» die kleine. - Der grünlich schimmernde Uran»» entfernt Nch wieder von der
(Nachdruck verboten.)
Der Zug nach dem Uarden.
In rauhes Erz sollst Du die Glieder schnüren! so ruft ein mißgünstiges Geschick nicht nur den uncivilisirten, sondern noch weit mehr den „civiliflrten" Völkern zu. An allen Orten rüsten die Nationen mit gewaltiger Kraftanstrengung — den Frieden zu schützen. Die Kriegskunst ist die Kunst der Künste in unserem waffenklingenden Welt- theil, und vor ihr treten weit zurück die segensreichen und fruchtbringenden Künste des Friedens. Während die Augen Aller auf den Entscheidungskampf gerichtet sind, der sich auf dem „stillen" Ozean zwischen einem Kulturvolk der alten und einem der neuen Welt abspielt, bleibt nur ein verringertes Interesse übrig für die deutsche Nordpolexpedition, die dieser Tage von Bremerhaven aus auf dem Dampfer „Helgoland" ihre kühne, der Erweiterung der Wissenschaft und der Erkennt- niß dienende Meerfahrt angetreten hat.
Seit dem Jahre 320 v. Ehr., wo Pyrtheas von Marseille die erste Nordpolfahrt unternahm, hat der Zug nach dem Norden eine bedeutsame Rolle gespielt. Hunderte von kühnen Männern haben in den beiden Jahrtausenden, die seit jener Zeit verflossen, ihr Leben für die Erreichung jenes Zieles eingesetzt, und nur zu oftdiesen Einsatz eingebüßt. Aber der Zug nach dem Norden hat darum nicht an Stärke verloren- Manch wichtiges Gebiet des eisstarrenden Nordens ist erforscht worden, aber das eigentliche Ziel, den Nordpol selbst, hat keiner der wage-
mnthigen und unerschrockenen Forscher zu erreichen vermocht. — Von einer geregelten Polarforschung kann freilich erst von dem Jahre 1517 an gesprochen werden, wo Sebastian Cabot den ersten Versuch zur Entdeckung einer nordwestlichen Durchfahrt, d. h. eines nordwestlichen Seewegs zwischen Amerika und China, machte und hierbei die Hudsonstraße entdeckte. Ein Jahrhundert hindurch wurden diese Versuche der Auffindung einer nordwestlichen Durchfahrt erfolglos unternommen, bis sich dann der Entdeckungseifer
das Ziel der nordwestlichen Durchfahrt war damit aufgegeben worden. In den Jahren 1878 und 79 gelang es dann endlich Nordenskjöld, auch die nordöstliche Durchfahrt zu entdecken, aber auch diese erwies sich als praktisch unbrauchbar.
Mit der Erkenntniß, daß die Jahrhunderte hindurch erstrebten Durchfahrten jeder praktischen Verwerthung ermangelten, nahm die Polarforschung eine völlig veränderte Gestalt an. Während bis dahin das Ziel dieser Forschung ein eminent praktisches war und vor Allem den Handelsinteressen dienen sollte, trat jetzt die rein wissenschaftliche Forschung in den Vordergrund, und das Ziel dieser Forschung bildete die Erschließung der Polargegenden und in letzter Linie die Erreichung desNord- pols. Bis Nansen seine kühne Fahrt unternahm, hatte die größte bis dahin erreichte Höhe der Amerikaner Lockwood erreicht, der im Jahre 1883 bis über den 83. Grad nördlicher Breite hinausgedrungen war. Nausen, dem bisher erfolgreichsten Polarforscher, gelang es, bis über den 86. Grad vorzudringen, sodaß ihn nur noch 46 Meilen von dem letzten Ziele trennten. Auch Deutschland hat an den Nordpolforschungen regen und erfolgreichen Antheil genommen, wir erinnern nur an die Namen Koldewey, Hegemann, Brehm, Finsch, Boos und Graf Waldburg-Zeil. Möge auch der jetzt nach dem Norden ab» gegangenen Expedition, deren Ziel die wissenschaftliche Erforschung eines großen Gebietes der Polargegend bildet, eine erfolgreiche, glückliche und von allem Unheil freie Fahrt beschieden fein!
Während wir dieser Expedition unser „Glück auf!" zurufen, schwebt die Welt noch immer in Ungewißheit über das Schicksal der wage- muthigen Androeschen Expedition, die sich das höchste
Ziel, die Erreichung des Nordpols selbst, gestellt hatte und welche dieses Ziel auf dem kühnen Pfade durch die Lüfte erreichen wollte. Am 11. Juli vorigen Jahres ist die Expedition von Spitzbergen ans aufgestiegen, und seitdem hat man kein Lebenszeichen von ihr erhalten, denn alle Meldungen über das Auftanchen der Expedition haben sich als Falschmeldungen erwiesen. Sind die Thcilnehmer der Expedition, was wir hoffen wollen, noch am Leben, so ist mit Sicherheit anzunehmen, daß sie in weiter Entfernung
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