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Anlage ;nm Wiesbadener Lagblatt

46. Jahrgang. 1898.

Dienstag, den 17. Mai

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Jetzt, wo täglich von der Beschießung cnbanischer Häufte durch die Amerikaner und von LandniigSversnchen derselben gemeldei wird, dürste eine genaue Karte der Insel und eint Uebersicht de« HauptkriegsfchauplatzeS von besonderem Interesse für unsere Leser sein. Unsere Karte enthält alle auf die Situation bezügliche» Angaben, die durch gestrichelte Linien dargksteUte» unterseeischen Kabel und alle wesentlichen Orte, namentlich in den Küstengebieten, die irgendwie in Betracht kommen können. Besonders bezeichnet sind die beiden Blockade« gebiete, das an der Nordküste von Bahia Honda über Havana nach CardcnaS reichende und das an der Südküste von CienfuegoS.

In einer UeberstchtSkartc unten links ist der westindische Archipel, in dem sowohl um den Besitz von Cuba wie um den von Portorico gekämpft werden wird, dargestellt, auch sind die amerikanischen Tiuppen-Abfahrtshäfen Tampa, Key West und Tortuga? in der Uebersicht enthalten. Außerdem sind hier die sämmtlichen Kabelverbindungen Westindiens verzeichnet.

I» einer Situationsskizze oben rechts ist der befestigte Hafen von Havana, der zweifellos das Hauptziel der amerika« nischeu Operationen bilden wird, dargeftcllt.

Somit bietet unsere Karte ein äußerst zeitgemäßer und praktisches OrientirunMiittel für den Leser, an der Hand dessen er die bevorstehenden bedeutsamen Meldungen über die dem- nächstige» Kriegsereignisse bequem verfolgen kann. Es dürfte für Alle, welche die Kriegsnachrichten aufmerksam verfolgen; zweckmäßig sei», sich für weuige Pfennige ein Heft zu kaufen und die betreffenden. Kartenbllder auszufchneiden und em« ziiklcben. Ans diese Weise kann sich Jeder ohne Kosten einen Handatlas schaffen, der für diesen Fall bessere Dienste thnt als irgend ein anderer Atlas.

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Vermischtes.

* Lotsenden spanischen Siegevbericht über da» großartig verlaufene letztepatriotische" Stiergefecht erhält die N. Fr. Pr." ans Madrid unlerm 12. d. M.: Die soeben beendetepatriotische" Corrida, bereit Ertrag zur Vermehrung der Kriegsflotte bestimmt ist, war großartig. Seit jener anläß­lich der Vermählung des König« Alfons mit der Infantin Mercedes hat man nichts Derartiges mehr gesehen. KeinPwtz blieb leer. Die Zufchauerzahl betrug 15,000. Der billigste Sitz kostete 25 Pesetas; der Gesammtertrag dürfte 200,000 Peseta» übersteigen. Die drei Kilometer lang. Alkalastraße von der Puerto bei Sol bis zu dem Cirku« war mit Krauzgewiude» und Fahnen geschmückt; fo auch der Cirkus selbst. Damen der höchsten Aristokratie waren Blumeuverkäufermnen; die Frauen trugen alle die nationale Spitzenmantille und rothgelbe Fächer. Nicht weniger als 75 Stierfechter, die besten Spanien», traten auf. 12 Stiere und 35 Pferde wurden gelobtet. (I) Die Königin-Regeutin, die sich vertreten ließ, zahlte 10,000 Pesetas für ihre Loge. Am Schluffe wurden von bett obersten Galleriecn ganze Centuer Rosen und Nelken auf die miteren Sitzreihen und die Arena hinabgeworfen. Eine Rcgimentsmustk spielte den Natioualmarsch unter donnernden Vivatrufen auf Spanien. Es herrschte eine unbeschreibliche Begeisternng.

* Eine Seeschlacht im Kleinen lieferten kürzlich im Hamburger Segelschiffhafen der Führer eines Oberländer Kahns und der Steuermann eines Schleppdampfers. Sie ge- rielheu zuerst in ein Wortgefecht, daun warf der Oberländer Schiffer mit einem Stück Holz nach dem Steuermann. Dieser, kurz entschlossen, ergriff die gerade zum Deckwaschen in Gebrauch befindliche Dampsspritze und richtete einen kalten Wasserstrahl auf den Hitzkopf. Auf da« Geschrei des Begoffeueu eilten ihm die Oberländer von de» Kähmn, die in der Nachbarschaft läge», zu Hülfe, Frauen und Kinder auch, und eröffneten ein Bombardement aus den Dampfer. Wer sich aber zu weit vor­wagte, bekam sofort eine Ladung Wasser von dem in gedeckter Stellung befindlichen Steuermann. Erst die Hafenpolizei machte der Scene ein Ende.

* Die Odylsee eines Geldstückes wird in der Mödöcme Moderne", die den Beweis führen will, wie wir uns durch die alltägliche Berührung von Geldstücken der Infektionsgefahr durch Mikro-Organismen ausfetze», wie folgt erzählt: Folgen wir, sagt der Autor, der Wanderung eines Zweifrancsstückes während einiger Tage. Den ersten Tag ver­läßt es in glänzendem, unbeflecktem Zustande die Kaffe einer Bank, und einige Stunden später ruht es in einem feinen, zierlichen Geldtäschchen einer Dame. Aber beim Besteigen einer Droschke von Seiten feinet Besitzerin verschwindet das Geldstück in der alten, schmutzigen Börse des Kutschers, wo es sich in Gefellfchast einiger anderer Geldstücke von zweifelhafter Reinlichkeit einige Zeit anshält und dann beim Einkäufen von Tabak für einen Augenblick in die Kaffenlade fällt. Aber nicht lange nachher wird das Zweisrancsstück beim Einwechselu einem alten Phthisiker herausgegeben; dieser wickelt e« sorgsam in eine Ecke seines Taschentuches, wo es über Nacht der Ruhe pflegt. Am anderen Tage übergiebt es der Phthisiker feinem Dienstmädchen, damit er Milch kaufe. Dieses nimmt das Geldstück, während es sich sein Kopftuch knüpft, zwischen die Lippen, eilt in die Milchhandlung, überreicht es dem Milch- verkänfer, der es au« Bequemlichkeit auch zwischen die Zähne nimmt, während er in feinem Portemonnaie nach Kleingeld sucht, nm dieses dem Mädchen herauszugeben. Eine Stunde später ist da« Geldstück vielleicht schon in einem Hause, wo Diphtherie, Scharlach ober Typhus :c. herrscht. Alle» Da» entspricht dein täglichen Laufe und Geldverkehr. Allein, was ist da zu tbun? Der Autor derMvdociue Moderne" empfiehlt eine häufige Desinfektion der Gelbmüuzeu von Staats wegen. Ob dieser Vorschlag den Nagel auf den Kopf trifft? Vielleicht ist auch die Infektionsgefahr ans dem Wege de« MünzverkehrS nicht fo groß, denn sonst müßten die Infektionskrankheiten aller Art eine noch viel weitere Ausbreitung gewinnen.

* Grmtnnnng klaren Gitronensafte». In der warineu Jahreszeit ist es von Jutereffe, wie inan einen auf die Dauer klaren Citrouensaft erhalten kann, da der frisch aiiSgepreßte immer trübe, mit Fäden und Schleim versetzt ist. Es ist dies sehr einfach, indem man de» gepreßten Saft in einem Porzellan- gesäß auf etwa 60 Grad Celsius erwärmt. Dabei scheiden sich die meisten Verunreinigungen au8, können von dem noch heißen Saft abfiltrirt werden, und der letztere bleibt klar.

* Die schwarz-gelbe Fahne, welche der Thlirmdecker Hubert Frankl in der Nachl zum 8. d. an die 400 m über der Erde befindliche Spitze de» Thurmes der Wiener Votiv­kirche befestigt hatte, ist bereite wieder verschwunden. Sie ist gestohlen worden! Daß ein Dieb 100 m hoch steigt unter steter Lebensgefahr, das hat sich wohl noch nicht ereignet nnd der Preis ein Stück Stoff, das kaum zu verwerthen ist. War das ein Freund körperlicher Hebungen, der sich im neuesten Thurnifport üben wollte, war c» ein Neidhart, der dem viel­beredeten Hubert Frankl den kurzen Tagesruhm nicht gönnte die Lösung der Rälhfels wird wohl nicht lange ans sich warten lassen.

* Gin falsche» Gebiß pflegt, bei aller Nützlichkeit eines solchen Ersatzmittels, dec damit Behaftete nicht man gestatte den Ausdruck an die große Glocke zu hangen. Eine Aus­nahme macht das dankbare Gemüth der Kochsrau Ida Schwartz- Petersen in F lenste dl (Jütland), die in einem daxtigen Blatte den Bewohnern de» Kirchspiel« öffentlich ihren herzlichsten Dank aurspricht für die Geldspende, mit der sie ihr zu einem neuen Gebiß bcräplftn haklli.

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