Wiesbsdkner Sagblatt
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Abend-Ausgabe
Der spanisch-innerilrainsche Krieg.
Bcisteheiid bieten wir unsere» Lesern ein Bild des jetzt viel an- gefeindcten Ministerpräsidenten Sagasta, welchem die Hiruptschnld an den Mißerfolgen der spanischen Waffen gegenüber den amerikanischen beigcmessen wird. Sollten nicht bald bessere Nachrichten vom Kriegsschauplatz in Wcstindien oder bei Manila eintreffcn, so ist mit ziemlicher Sicherheit darauf zu rechnen, daß er durch einen anderen ersetzt werden wird, welcher den augenblicklichen Verhältnissen mehr gewachsen ist. lieber sein Leben ist Folgendes zu sagen: Am 21. Juli 1827 zu Torrecilla de Cameras geboren, widmete sich Sagasta der Jngenicurlausbahn und studirte Physik und Mathematik.
Insurgenten im Osten Cuba» geleitet und dort, unterstützt von dem zweiten Führer der Insurgenten, Calixto Garcia, den Spaniern viel zu schaffen gemacht. Augenblicklich steht er in Verbindung mit der Negierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika und unterstützt mit vielem Geschick die Landungsversuche der amerikanischen Truppen
Der kubanische Zusurgentenführer Marlmo No in ex.
und die Zufuhren von Waffen, Munition und Proviant für die A instand netzen. Wie Maceo der „Arm der Revolution" genannt wurde, so wird Gomez als „Kopf der Revolution" bezeichnet. Ei» Sohn des letzteren ist i. Zt. mit Maceo zusammen, dessen Adjutant er war, gefallen. Zweifellos wird man den Nnnien Gomez noch ost in den Berichten über die Kämpfe aus Cuba neunen hören und durfte daher unser beistchender Bild von besonderem Jutercffe sein.
Dar Zage in Italien.
AuS Rom, 11. Mai, schreibt unser Korrespondent:
Trotzdem noch lange die Ruhe nicht wieder hergestellt ist, herrscht doch hier daS Gefühl vor, als ob das Schlimmste vorüber sei, d. h. das Schlimmste kaum für das arme hungernde Volk, sondern für die Machthaber. Man hat es ja eben nicht mit einer Revolution, nicht mit einem organi- sirten Aufstand zu thun, sondern mit Unruhen, hervorgerufen durch das entsetzliche Elend, und wenn auch hin und wieder die Sozialisten und Anarchisten die Hand im Spiele gehabt, so haben sie jedoch die Situation nicht geschaffen, sondern nur Vortheil aus derselben gezogen. Wer seine Augen gebrauchen wollte, um zu sehen, der konnte daran nicht zweifeln. An vielen Orten waren es zuerst die Frauen, die vorgingen. Die ihnen entgegengeschickten Truppen wollten auf sie nicht schießen. Da schrieen die Aermstcn in Verzweiflung: „Sendet nur Eure Kugeln auf uns!" Und als Befehl erging, daß Kavallerie vorwärts reiten sollte, warfen die Frauen sich aus die Erde, bereit, sich zerstampfen zu lassen. Durch Zureden, durch Vernunftgründe, durch das Versprechen besonders, für x-Arbeit zu sorgen, gelang es dann, sie ein wenig zu beruhigen. M Aber ehe man dahin kommt, für das hungernde Volk c Arbeit zu finden, müßte etwas geschehen, um cs vor dem Tod durch Roth und Elend zu retten. Gewiß ist es schon
:: viel werth, daß das Brod durch die Aufhebung der Zölle auf das Getreide, durch die Opfer, die die
einzelnen Gemeinden bringen, die für einen Theil des Preises aufkoulmen, viel billiger geworden, aber was nützt ;; dies Leuten, die auch die kleinste Summe nicht besitzen, um * es zu kaufen! Denn ehe es zu den Unruhen, dem wirklichen W Auskommen bitterster Verzweiflung kam, ist eben auch das Letzte vielfach hingegangen, und die Armen, die da so — todesmuthig sich den Gewehren entgcgcnstellten, schöpften diese Kühnheit aus dem Gedanken, daß so oder so der Tod s ihnen gewiß sei. Es handelt sich in Wahrheit um eine [. Frage des trockenen BrodeS, und darum ist auch der Vor- V schlag, ob es nicht richtig wäre, dasselbe dem Volke nnent- V gelblich zu verabreichen, in den letzten Tagen vielfach erörtert fc worden und von Personen, die sonst entschiedene Gegner I sozialistischer Prinzipien sind. Wie Licht, Wasser rc., so heißt L =3, müßte auch die Verabreichung von Brod eine Angelegenheit | der städtischen Verwaltung werden und die Wohlhabenderen ? die Lasten dafür tragen. Aber das schon so oft erörterte r Problem dürfte auch jetzt und hier keine Lösung finden, da d ft Viele es für ein Unglück halten, das Volk daran zu gewöhnen, 5 Almosen zu empfangen, und bei der hier herrschenden Genüg- | 'amkeit gar manche sich einfach damit begnügen und keinerlei k Arbeit mehr verrichten würden. In Sizilien haben gerade M oie aufgeklärtesten und einsichtsvollsten Persönlichkeiten die k Errichtung von Volksküchen an ihren Orten verhindert, weil -sie nicht wollten, daß die unteren Klassen sich daran ge- 5 wöhnten, während der kalten Monate des Jahres ihre Nahrung M-umsonst zu erhalten.
Die meisten Blätter hier und auch im Ausland M machen die Regierung für die vorgckommenen und Wonach fortdauernden Unruhen verantwortlich, und besonders M die antikolonialen Zeitungen erklären, daß zu viel Geld M für diese Bestrebungen verausgabt worden ist und : noch immer wird. Erythraa, so behauptet die eine, absorbirt | in normalen Zeiten mehr, als das Budget des landwirth- U schaftlichen Ministeriums betrügt. Gewiß ist das jetzige | Kabinett ganz ohne Schuld, aber diese Schuld ist eine W bedingte. Als es ans Ruder gelangte, waren die Ver- 6 hältnisse schon äußerst verfahren, und es Hütte eines B hervorragenden Genies bedurft, um gründliche Besserung zu t schaffen; ein solches Genie ist aber Rudini nicht. Die Wurzeln | des Uebels, an dem Italien krankt, sind 37 Jahre alt, sie V wurden von dem ersten Ministerium Ricasoli gelegt, der | aus einem eben erst entstandenen Einheitsstaat eine Großmacht schaffen wollte. Als das nunmehrige Kabinett zur jL- Regierung kam, war cs allerdings hauptsächlich mit der Idee x ernannt worden, daß es die Wunden zu heilen suchen werde, | die lange Mißwirthschaft dem Lande geschlagen, und der | Vorwurf, den man ihm mit Recht machen kann, ist, H daß es sich nicht energisch und prompt genug daran F begeben, dieses unerläßliche Werk in die Hand zu nehmen. H Gewiß suchte es zu sparen, aber in falscher Weise, M und statt eine gründliche Reorganisation der Finanzen, eine Verminderung des Budgets durch eine Steuerreform t nnzuführen, wurden vom Staat unternommene Arbeiten E eingestellt. Es hatte dies noch zur Folge, daß italienische | Kapitalisten, die immer sehr ängstlich sind und in diesem t Aufhören der öffentlichen Unternehmungen etwas Anderes | tls nur ein Sparsystem erblickten, mißtrauisch wurden und fieber ihre Gelder brach liegen ließen, wodurch die Be- | schäftigung für die unteren Klassen sich mehr und mehr l dcxxing;rte.
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hd. Madrid, 12. Mai. Dir Militär- und Marinekreise erklären die Meldung von d-r Rückkehr bei Kap Verde-Geschwaders nach Cadiz für erfunden.
Loudon, 12. Mai. Da, „New Notk Journal" hat heute Morgen eine Depesche feines Korrespondenten in Cadix veröffentlicht, welche dieser durch einen Courier über die französische Grenze geschickt und von einer französischen Station hatte telegraphiren lassen. Dickes Telegramni besagt, die spanische Flotte sei nicht nach Cadix, foiibmi nach den kanarischen Inseln zurückgekehtt. DaS „Journal" fügt noch hinzu, daß die erste Depesche chiffrirt war, und da weder Cadix noch die kanarischen Inseln dluch den Code auszudrücken waren, konnte keiner dieser Namen in der Depesche angeführt werden, die lediglich besagte, daß vier Kreuzer, ein Torpedoboot und drei Torpedojägcr zurückgekehrt seien. Die heutige zweite Depesche, welche besagt, daß das Kap Verde-Gffchwnder nach den kanarischen Inseln zurück- gekehrt sei, war nicht chiffrirt. Ter Korrespoiidenl fügt hinzu, daß das spanische Rescive-Geschivader, das sich jetzt in Cadix befinde, sehr bald ans diesem Hasen abdampfen weide, um sich mit dem Kap Verde-Geschwader bei den kauauscheu Inseln zu vereinigen. Die gestern verbreitete Nachricht von der Rückkehr de? spanischen Geschwaders nach Cadix war bekanntlich von der amerikanischen Lotschait in London anSgegangen.
hd. London, 12. Mai. Die Abfahrt der awerikaurschen Expedition nach den Philippinen ist anfgeschoben worden, weil die Händler von San Francisko die Noihlage der Regierung benutzte» und exorbitante Preise forderten. — Aus Washington wird gemeldet, daß niehrere hervorragende Kongreß - Mitglieder g'anben, die Spanier würden bereilwilligst das Anerbieten zur friedlichen Verinittclung einiger befreundclen Mächte annehmen. — Vier amerikanische Kriegsschiffe versuchten vor CiensnegoS zu landen wurden aber nach achtstündigem, hestigeui Kainpse zurückgeschlagen Die Spanier hatten 14 Verwundete, die Amerikaner sollen größere Verluste erlitten haben. Die spanische Kabelstation wurde, zerstört Die amerikanischen Schrffe zogen sich zurück und befinden sich außer dem Feuerbercich. — Eine Depesche der „Central News" aus Havana theiit über den Landungsverfuch bei Ciensuegos folgende Einzelheitcir mit: Vier amerikanische Schiffe nahmen gestern früh vor Ciensuegos (auf der Südküstc Cubas) Stellung und eröffneten ei» heftiges Feuer auf die Stadl. Gleichzeitig wurde» in Fähren, die von Dainpfpinaflen gezogen wurden, Mannschaften und Waffen an Land befördert. Die spanischen Truppen von Ciensuegos eilte» jedoch an die Küste und trieben mit Unterstützung der Kanonen des Leuchiihurms, sowie mit zwei Stücken Geschütz die Amerikaner zurück. Tic Spanier hatten vier Verwundete. Tie Amerikaner zerstörten die Kabelstation. Dann wurde Seitens der Amerikaner ein Landungsversuch auf der anderen Seite der Einfahrt von Cicufucgo; versucht. Die Amerikaner ließen die Kähne den kleinen Fluß hinnnfziehen, allein auch hier schlngen die Spanier zwei kurz nacheinander folgende LaudungSveriuche ab. Die Spanier hatten im Ganzen vierzehn Verwundete. Der Kampf und die Kanonade dauerten acht Stunden. — Dem „Globe" wird aus New-Vork gemeldet, daß der spanische Bericht über die Zurück- ircibnng des amerikanischen Landungscorps' vor Ciensuegos nach achtstündigem Kampfe sich nur aus derr Versuch beziehen könne, der, wie man iir New-Vork wiffe, von einer kleinen Abtheilung unter dem Kapitän Dockt gewacht wurde, um Proviant und Vorräthe für den Jusurgcrrterrsührer Gomez zwischen Batabano und Ciensuegos zu landen. Dorst hatte zwei Transportschiffe zu seiner Verfügung und war von Key West aus von einem Kanonenboote begleitet worden. Letzteres mag mit den spanischen Forts bei Ciensuegos Schüffe gewechselt haben, um den Zustand der VertheidigungSwerke fest- zuftclleu oder von einer Landung der Vorräthe die Aufmerksalnkcit der Spanier abznlenken. Daß aber irgend eine regelrechte Beschießung des Hafens oder irgend ein bcmerkcnSwerthesTreffenstatt- gesunden habe, sei unwahrscheinlich.
hd. Washington, 12. Mai. Wie verlautet, sind Verhandlungen Seitens der hiesigen Vertreter der Großmächte zur Vermittelung des Friedens eingeleitet worden. Wenn Spanien jetzt den Krieg abbreche und die Unabhängigkeit Cubas anvehme, so werde
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Der spanische Ministerpräsident Zagasta.
1854 wurde er von der Provinz Zamora, wo er hauptsächlich thätig gewesen war, in die koustituireudeu Cortes gewählt, mußte aber nach zwei Jahren wegen seiner Betheitigiiiig an dem Ansstand in Madrid (Juli 1856) flüchten. Erst nach der Amnestic kehrte er nach Spanien zurück und wurde Proseffor an der Ingenieurschule. An dem mißlungenen Ausstand vom 22. Juni 1866 hatte er sich wiederum belheiligt und mußte infolge dessen nach Frankreich flüchten. Er kehrte aber bei Beginn der Revolution 1868 zurück und wurde Minister des Innern bei der provisorischen Regierung. Im October 1871 wurde er zum Präsidenten der Cortes gewählt, und im Dezember desselben Jahres trat er als Minister des Innern in dar Kabinett Malcampo ein. Unter Serrano wurde er im Januar 1874 Minister des Acußern und im August desselben Jahres Ministerpräsident, dankte aber schon nach wenigen Monaten infolge der Erhebung Alfons XII. ab. Er wurde nun das Haupt der konstitutionellen Partei und, nachdem die konservative Partei das Vertrauen de« Königs verloren hatte, wieder Ministerpräsident. 1893 wurde er gestürzt, weil er keine der ver- fprodjtuen liberalen Reformen einführte. In der späteren Zeit hat er mehrmals ein neues Kabinett bilden muffen und sich in der Führnug der Regieruugsgeschäsle gewissermaßen mit dem im August vorigen Jahres ermordeten Cauovas bei Castillo abgewechselt.
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Unter den Führern der Aufständischen nimmt Maximo Gomez, dessen Portrait mir beisteheud bringen, einen hervorragenden Rang ein und ist wohl auch nach MaceoS am 4. Dezember 1896 bei Punla de Brava erfolgten Tode der befähigteste Rebelleusührcr auf der ganzen Insel. Auf St. Domingo geboren, ist er rein spanischer Abkunft und steht jetzt im 62. Lebensjahre. Schon früh offenbarte sich bei ihm eine große Begabung für alle militärischen Angelegenheiten, ittib feine glühende Vaterlandsliebe hatte ihn auch bei AuS- brnch des früheren cudanischen Aufstandes, der sich 10 Jahre lang, von 1868 bis 1878 hinzog, in das Lager der Rebellen geführt. Schon damals zeigte er sich als Führer kleinerer Schaareu äußerst gewandt und hatte auch viele Erfolge auszuweisett. Bei dem jetzigen Aufstande hat er hauptsächlich die Unternehmungen der
So hat denn die Regierung für die Fehler ihrer Vorgänger und für ihre eigenen Unterlassungssünden zu büßen. Ob es ihr gestattet sein wird, gut zu machen, was sie versäumt, ojwr ob auch das Parlament ihr alle Verantwortung aufbürdct und sie zwingt, einer anderen Platz zu geben? Vorläufig ist die Vertagung desselben beschlossen, und hoffentlich werden sich da wie dort, ehe es wieder zusammenkommt, die Gemüther etwas beruhigt haben. Durchgreifende Reformen, eine Entlastung des Volkes sind aber vor Allem geboten, denn nicht nur das Schicksal des Kabinetts, das der Dynastie hängt davon ab. Auch die Popularität des Herrscherpaares, die bereits ein wenig gelitten, hält einer im Elend vergehenden Bevölkerung gegenüber nicht Stand.
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hd. Mailand, 13. Mai. Die Stimmung ist so weit beruhigt, daß die Wiedereröffnung der vor mehreren Tagen geschlossenen Theater genehmigt wurde. Die Vorstellungcu müssen jedoch bis um 11 Uhr beendet fein.
Uvm, 13. Mai. Die „Tribnua" meldet aus Mailand, daß am Dienstag dort 500 Leichen bestattet wurden. — Aus Mailand, 12. Mai, wird gemeldet: Hier herrscht jetzt vollständige Ruhe. Fast alle Tagesblätter haben wegen Mangels an Papier ihr Erscheinen eingestellt. Das Kriegsgericht hat feine Tbätigkeit eröffnet. Nach ben bei den verhafteten Republikanern Vorgefundenen Briefschaften sollte bet Aufstand hier, in ber Lombardei und in Toscana erst am 10. d. M. beginnen und daraus die Proklamirring der Republik und) Schweizer Muster. Die zahlreichen bewaffneten Baude» in der Umgegend plündern das Land. Zwei Kavallerie- Regimenter und zwei Regimenter Artillerie sind unter dem Befehl des Generals Bava zur Uiilchäblichmachung der Banden ousgezogen.
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