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Verlag: Langgasse 27.
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1898
Samstag» den 30. April
Fernsprecher No. 52.
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Fernsprecher No. 52.
■ Bfiorflen-Ausgabe
5661
Der spanisch-amerikanische Krieg
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1 1 Jahre von seinem nicht sehr reichlichen Einkommen als Advokat
j - «lebt. Gleichwohl gelang es ihm, da er sehr sparsam ist, ein
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Menschenliebe staitsinde.
Varis, 29.April. Der .Eclair" meldet aus Havana, daß der ?arquis d'ArguelleS dem Marschall Bianca _ 10 Millionen trancs als Beitrag zu den Kriegekosten übergeben habe.
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«O. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. Gö Psg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
lleineS Lernrögen zu erwerben, das er jedoch eines Tages gänzlich l verlor, als einer seiner Freunde, für den er Wechsel gerirt hatte, :>fiS3 Ätanfcrottirte. Er ging stets allen Versuchungen, durch seinen politischen Einfluß Geld zu verdienen, aus dem Wege. Seine nirnntaftbare Ehrenhaftigkeit, die nicht wenig dazu beitrug, daß er übet seinen Gegenkandidaten bei der Präfldentenwahl gesiegt, wird selbst von seinen politischen Gegnern anerkannt; das Gerücht, daß Et den Konflikt mit Spanien zu Börsenspekulationen aurgebeutet ~"T ! hätte, muß daher als eine perfide Verleumdung gcbrand- markt werden. Der Präfident der Vereinigten Staaten ist ein rauloser Arbeiter. Um sechs Uhr Morgens beginnt sein Tagewerk. -----Z -Da er als sehr gutmüthiger, mitleidiger Mensch bekannt ist, so et« -hält er täglich unzählige Bittgesuche um Unterstützungen. Er hilft, cknUfsH B® er nur Helsen kann. Da das Jahresgehalt eines Präsidenten
Slttzelgeu-PreiSr
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fwr von sich reden macht. Thal genügt.*
k. N-m-Borlt, 27. «pril Der Krieg ist zwar jetzt seit zwei - Tagen offiziell erklärt, aber die» kann den Vereinigten Staaten nicht - aber die Schwierigkeit hinweghelfen, daß sic bereits, ehe dies geschah, i Haifische Schiffe sortnabmen. Es bleibt dies eine widerrechtliche R Handlung, gegen die ja auch eine neutrale Macht bereits protestirte, EÄenfo wie es von Niemand anerkannt werden wird, daß die hiesige Wegierung die Kriegserklärung znriickdatirt; letzteres ist wirklich gar M lächerlich. Daß Spanien bislang so nmhätig gebiieben und Mmen Versuch gemacht hat, amerikamsche Fahrzeuge zu nehmen, Nkrklärt man sich jetzt damit, daß es eben strikt auf dem Boden des Rechts bleiben wollte, und in Wahrheit könnten den Vereinigten Staaten kManche Schmierigkeiten daraus entstehen, daß er sich von demselben entfernte. Eine weitere dürste ihnen erwachsen, fall» sie wirNich das Projekt aurführen, da» unterseeische Kabel, das Cuba mit Key West Wrrbindet und das Neutralen gehört, zu durchschneiden. Er bestehen spezielle Verträge über diesen Punkt, aber man ist hier jetzt so Mrrmütbia. dünkt sich so vollständig unabhängig von allen anderen Mächten, meint, sich so wenig um Europa kümmern zu brauchen, Watz man sich möglicher Weise daran nicht kehrt. Höchstens die Furcht, saß Spanien sich revanchiren und die Kabel, die nach hier gehen, ab« tzneiden könnte, dürste sich als ein Hinderniß erweisen. Komisch ist. Maß auf einer Seite die Fiktion, der Krieg werde in selbstloser, edel- Müthigster Absicht geführt, immer aufrecht erhalten wird, während Wan andererseits schon davon spricht, was mit den Philippinen Pnzufaugen sei, toepn sie erst erobert sind, und ob sie nicht au Eng- ßond gegen dessen westindische Kolonie«, abzngeben wären. Denn Wne Blockade dieser Inseln ist ja nun auch beschlossen, und in diesem Malle soll es keine .friedliche" fein, wie die von Havana heuchlerisch Mach ferner genannt wird, sondern die sofortige Eroberung ist aus- Mmacht, ja, der Tag dafür, nämlich Samstag, bereit» sestgesetzt. Maß die Spanier einen voraussichtlich sogar anfänglich sehr Mfolgreichen Widerstand leisten werden, wird garuicht in Betracht Wogen. Auch auf Cuba will man ja 4000 Mann Infanterie und WOO Kavallerie und Artillerie landen laffen, als ob dort gar keine HMniet wären. Die» hebt die friedliche Blockade nicht auf, die Mnfurgenten sollen nur Nahrungsmittel, Waffen und Munition et« Balten, es handelt sich also nm keine Jnvafionsatmee, wie nach Wiebter angelsächsischer pharisäischer Manier erklärt wird, sondern r*tn einen „Akt der Barmherzigkeit". Wenn je der Grundsatz Wkwalt geht vor Recht" befolgt worden ist, so geschieht dies hier. Wer immer unter dem heuchlerischen Deckmantel, daß Alles aus
Kus Stadt und Zand.
Wiesbaden, 30. April.
— Personal-Nachricht«». Herr Legationsraih Detering ist mit Gemahlin ans China hier eingetroffen und hat im Hotel St. Petersburg Wohnung genommen.
-o- Auoschmnchiing d-o Rathhairfrs. Aus Anlaß der Anwesenheit des Herrn Professors Haubenrisser an» München tritt die Konimission für die Ausschmückung des Rathhauses heute Nachmittag, 4 Uhr, zu einer Sitzung zusammen, um mit dem Herrn Professor — dem Erbauer des Nathbauses — über die harmonische Ausgestaltung der Malereien des Festsaales zu berathcn.
— Kirchliches. Bei den Ergänzungswahlen zur Gemeindevertretung der Bergkiichengemeinde ist irrthümlichcr Weisebon derMehr- heit Hotelbesitzer Büdingen gewählt worden, bet inbeffen nicht auSzu- scheiden hatte und nicht zur Wahl stand. Darum ist eine Stichwahlnöthig unter folgenden Herren: Holzmesser Bouillon, Prof. Fresenius^Lehrer Feldhausen, Rentner Gaab, Kauiman» Hendrick, Kürschner Muller, Hotelier Nenendorff, Küfer Ohlemnacher, Schulinspektor Rinkel, Steinhauer Roth, Rentner Rühl, RechuungSrath Sckwartze, Kohlenhändler Schweißgnth. Desgleichen ist eine Wahl »öthig für den au» der Gemeindevertretung in den Kirchenvorstaud gewählten Herrn Schreiiiermeister Schneider. Für beide Wahlen ist Termin ans Mittwoch, den 4. Mai, von 11 bis 1 Uhr, anberanmt imWahljaale des hiesigen Rathhauses.
— N»ichstagsWal,l. Das KreiScomilSdes Nationalliberalen Wahlvereins stellt für die bevorstehende Reichstagswahl keinen eigenen Kandidaten auf und überläßt es den Mitgliedern der Partei, ihre Stimmen nach freiem Ermessen abzngeben.
— Zur Erinnerung an die Eröffnung des Kaiser Wilhelm-Kanals ist ein Kunstblatt erschienen, das nach einem Gemälde des Malers Fritz Stoltenberg tu Kiel die Flottenpatade darstellt, die Kaiser Wilhelm II. am Tage der Kanal-Eröffiinng über die im Kieler Hasen versammelten deutschen und fremde» Kriegsschiffe abnahm. Das 120 Centimeier breite und 80 Zentimeter hohe Blatt ist in 23 Farben auSgesiihrt und ist das einzige Bild, da» die ganze Flotte des Kieler Binnenhafens und die Gesammtheit der während der Kanalfeier ans dem Strom anwesenden Schiffe übersehen läßt. Jedes der in vollem Flaggenschmuck vor Anker liegenden Schiffe ist nicht nur nach seiner Nationalität, sondern auch nach seinem Typ deutlich erkennbar. Im Vordergrund vor der bunt beflaggten Tribüne beleben die Privatfahrzeuge der Zuschauer die blaue Flitth, die tote die Luft genau nach der am 21. Juni 1895 herrschenden Witterung abgestimmt ist. Im Hintergrund sieht man die Küsten- landschast, die Stadt Kiel, die Düsternbrooker Waldung und die Wilcer Bucht bis zum Lenchtthnrm Bon Friedrichsort. Hoch ragen in der Stäbe der Holtenaner Schleuse die Masten des alten Dreideckers hervor, der den kaiserlichen Gästen am Abend nach der Floltenschau als Festhalle diente. Ein sauber gezeichneter Schlussel, nach dem jedes der während der Flotteiischau auf der Kieler Föhrde anwesend gewesenen Schiffe nach seiner Sage und seinem Namen auf dem Kunstblatt gefunden werden kann, ist jedem Bilde beigelegt. Den Vertrieb des Blattes für Wiesbaden hat die Bangersche Kunsthandlung übernommen.
— N hrlnd ampssch iffahrt. Am Sonntag, den 1. Mai, werden die Schnellfahrten durch den Salondampfer „Humboldt" und für den verkauften „Friede" durch einen neueren Dampfer mit Promcnadedeck wieder aufgenommen. Außer den fahrplanmäßigen Dampfern verkehrt an Sonn- und Feiertagen noch ein Extradampser, welcher Nachmittags um 8'/.Uhr von Biebrich abgeht und alle Zwischenstationen berührend bis Bingen fährt. Auf die in Niederwalluf neu errichtete Landungsbrücke, an welcher die Köln-Düffeldorfer Dampfer in allen Fahrten, außer den Schnellfahrten, «»legen, fei zum Beginn de» Sommerdienstes hingewiesen.
— Per Postbrrtcht Nir Wiesbaden ist neu erschienen und kann zum Preise von 10 Pf. für das Stück durch die Briefträger und an den Schalterstellen der hiesigen Postämter bezogen werden.
k. Ein elektrischer Umschlag. Den Apothekern hat die Elektricität einen neuen Streich gespielt. Es klingt fast wie ein Märchen, aber Edison will allen Ernstes den vertheilenden, auf« weichenden Umschlag (KataplaSma) — für manche Krankheitsfälle wenigstens — durch einen elektrischen ersetzen. Ter elektrische Umschlag besteht aus einer großen Menge mit Leder umsponnener und mit einem Zeugstoff umgebener Drähte; die ganze Vorrichtung gleicht in der äußeren Erscheinung den gewöhnlichen flachen Umschlägen. Die Enden des DrohtbündelS sind vermittels einer biegsamen Leitungsschnur, wie z. B. bei unseren elektrischen Tischlänte- Vorrichtungen, mit einer Glühlichtlampe verbunden, und so läuft der Strom durch den auf die kranke Stelle gelegten Umschlag. Bei allgemeinen und örtliche» Erkältungen, bei Krampsznstäuden, Rheumatismus, Nervenschmerzen, Luiigenentzündungen, Bronchitis, Croup, Kolik und Störungen in der Blulcirkulation ist der elektrische Umschlag — von Edison „Elektrotherm" genannt — vielfach mit dem besten Erfolge versucht worden. Er übertrifft an Wirkung sogar die spanische Fliege, da man die Stärke des elektrische» Stromes und der Wärme-Entwickelung ganz genau regeln kann und dieWirkfamkeits- dauer u'.ibegreuzt ist.
— Das «tue Uahrnngseimeist Liuklrra. Die erste und einzige Nachricht von wirklich allgemeinem Interesse, welche aus den jüngsten Verhandlungen des Madrider Kongreffe» für medizinische Statistik und Demographie zu uns gelaugte, war die, daß dem Bonner Professor 0r. Finkler (bekanntlichein „Wiesbadener Kind") die Herstellung eines neuen Eiweißkörpers „Tropon" auf chemischem Wege gelungen sei. Man mußte nothweudig auf die Vermulhung kommen, daß es sich dabei um die Darstellung eines Eiweißkörpers und der ihn zusammensetzenden elementaren Bestandtheile handelte. Diese Mittheilnng war geeignet, in allen gebildeten Kreisen den lebhaftesten Eindruck hervorzurufen. Wie nun aber an» einer von Herrn Finkler selbst herrührenden Veröffentlichung in der soeben ausgegebenen Nr. 17 der „Deutschen medizinischen Wochenschrift" hervorgeht, ist es dem verdienstvollen Bonner Hygieiniker gelungen, aus in der Natur vorgebildetem Eiweiß ein Nahrungsmittel, ein Nahrnngseiweiß, herzustellen, das mit der denkbar höchst- gesteigerten AusniitzungSsähigkeit durch die menschlichen VerdauungS- orgonc die Vorzüge der erwünschte» leichte» Verdaulichkeit und einer sehr großen Billigkeit verbindet. Es ist den fortgesetzten Bemühungen Finklers und seiner wissenschaftlichen Hülfsarbeiter gelungen, da» in dem Fleisch sowohl wie in den Pflauzen vorhandene Eiweiß von allen Verunreinigungen oder, besser gesagt, von allen irgendwie gearteten fremdstoffige» Beimengungen fast vollständig zu befreien und es in eine der menschlichen Ernährung zweckdienliche Form zu bringen. Das ist von ungemeiner volkswirthschaft- ticher Bedeutung, denn auf diese Weise ist es nunmehr möglich geworden, gerade die eiweißreichsten Pflanzen, nämlich die Hülsen-
William Mac Kinley. Der französische Schriftsteller um Nicole, der mehrere Jahre in New-Fork gelebt und mit den rDorragenbften Politikern der großen Republik verkehrt hat, ildert in folgender Weise den in diesen Tagen so vielgenannten üfibenten der Vereinigten Staaten, deffeu Bild wir kürzlich ver- entlichten: „Mac Kinley ist ein schlanker, krustig gebauter Mann den besten Jahren. Seine breite Stirn, die vorspringenden l Backenknochen und das massive Rinn verleihen seinem Antlitz ein robustes, fast hartes Gepräge. Man erkennt in ihm den Abkömm- TOrfS ling der kraftvollen Bewohner des schottischen Hochlandes. Sein Mund ist scharf gezeichnet, der Blick der grauen Augen dnrch- Wingend. Wie so viele seiner Vorgänger in der Präsidentschaft, auch Mac Kinley verhällnißinäßig arm. Er hat viele
für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur -ANN»IjlilE nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
srüchte, ungleich stärker als bisher in die regelmäßige Volksernährung einznfiihren, ohne daß man Gefahr zu laufen braucht, dir unvermeidlichen Schäden einer derartigen Volksernährung mit in den Kauf zu nehmen. Dieses „Tropon" genannte Nahrnngseiweiß kann, wie ausgedehnte Versuche beim Menschen bereits erwiesen haben, dauernd genossen werden, ohne Widerwille» an dieser Nahrung zu erregen; es wird leicht verdaut, fast vollständig ausgenutzt und stellt sich im Vergleiche zu den Kosten des Eiweißes von frischem Fleisch um 40 bis 50 pCi. billiger. Es hat daher, wir Finkler mit Recht hervorhebt, einen großen Werth als Ersatzmittel ür die wirklich tbeurereu Stoffe einerseits und den Vorzug vor den billigeren Eiweißträgern andererseits dadurch, daß es gut haltbar ist, keinen eigenen Geschmack besitzt und daher alle» Nährstoffen und Speisen zngesetzt werden kann, daß es ferner ungemein leicht verdaulich ist und in großen Wengen, sowohl un- llernfischt als and) mit anderen Stoffe» gemengt, genoffen werden kann. Nach Finklers bestimmter Aussage ist das von ihm hergestellte „Tropon" der billigste aller bisher fabnzirte» reinen Eiwetßstoffe. Nach seinen Augaben sind bereits die mannigfachsten Tropon-Nähr- mittel, also Tropon-Brod, Zwieback, allerhand Ronftrnen, Supvetk- tnfeln, Gemüsetafeln und dergleichen mehr hergestellt und mit bestem Nutzen verwendet worden. Auch in der Krankenkost findet Tropon seine glücklichste Verwendung. Finkler ist der Ansicht, daß mit biefem neuen Nahrungseimeiß eine erfolgreiche Reform der Ernährung durchgesührt werden kann.
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kurze foctltor Berichte werden bereitwillW unter Meter Ueberlchrift ausgenommen.
* Der feit kurzer Zeit hier bestehende „Maschinisten - und Heizer-Verein" für Wiesbaden und Umgegend erfreut sich eines fteien Mitgliederzuwachses Daß der Vorstand sehr thätig und unermüdlich bestrebt ist, die Interessen des Vereins zn heben, beweist, daß schon in kurzer Zeit den Mitgliedern die Vereinsbibfiothek zur Versügung gestellt werde» kann. Auch hält derselbe am Samstag, den 30. April, aus Antrag der Kollegen vonBiebrich daselbst Abends 8*/a Uhr im Lokal „Z»m Anker" eine Versammlung ab. Kollegen, welche sich in dieser Versammlung zur Ausnahme melden, werden vom Eintrittsgeld befreit fein.
Stimmen ans dem Publikum.
(Für Berlflenlttchuiigcn unter dieser NeLerichrtst übeniiuimi die Nedaviou tehittttl Verantwortung.)
* Aus bett Artikel im „Tagblatt" in Nr. 197 sehe ich mich veranlaßt, dem um Schutz und Hülfe rufenden Einfender gegen die Radfahrer Antwort zu ertheile». Derselbe scheint vom Radfahren wenig ober gar keine Kenntniß zu besitzen, wenn er an» nimmt, daß ein Radfahrer mit AbsicktJemaud zu Schanden fahren könnte, sonst müßte er wissen, daß dieses für den Radfahrer gefährlicher ist als für den Fußgänger. Leiber mußte ich mid£ selbst häufig überzeuge», daß gerade Fußgänger sich mir absichtlich in den Weg stellten, indem sie wohl wußten, daß dadurch der Radfahrer in Gefahr gebracht wird, denn der gerüigfte unfreiwillige Anstoß kann für den Radfahrer verhängnißvoll werden. Dem Einsender scheint es noch speziell daran gelegen zu sein, die Polizei-Organe anfzumuntern, den Radfahrern in ihrem Verkehr Schwierigkeiten zu verursachen; es Wäre schade darum, sollten auch in hiesiger Stadt den Radfahrern die Kalamitäten erblühen, wie sie nach dem Artikel „Zum Fahrradverkehr" in Nr. 195 d. Bl. in Berlin täglich an der Tagesordnung sind. Der Radfahrer bezahlt ebenso seine Steuer wie der Fußgänger, daher keine Feindschaft nicht und gleiche Rechte!
-ff- Kicrstadt, 28. April. Unsere Nachricht vom 27. d. M., den Ankauf größeren Baugeländes au der Bierstadter Höhe und dem Distrikt Aukamm von Wiesdadeiier Bauunternehmern betreffend, ist dahin zii berichtigen, daß Herr Architekt Schultze aus Wiesbaden, welcher irrthümlich genannt war, bei der Grnnbertoerbuug nubetbeiligt ist. .
* Ans dem blauen Ländchen, 27. Apnl. Infolge der von allen Seiten bei dem Ministerium eiugelaufenen Petitionen wegen einer Eisenbahn durch das blaue Ländchen ist die Eisen- bahndirektio» Frankfurt aufgefordert worden, sich über dieses Projekt gutachtlich zu äußern. Wie einer aus den Herren Landtagsabgeordneten Wolff-Biebrich, Handelskammerpräfident Fehr-Wiesbaden und Pfarrer Kopfermann-Breckeuhenn besteheuden Kommission von Herrn Eisenbahndirekttonspräsibenten Becher mitgetheilt wurde, soll Seitens der Eise» bahndirektio» die Nothwendigkeit dieses Bahnbaues anerkannt und in diesem Sinne berichtet werden. Um sich aber in allen einschlägigen Fragen genau zu orientiten, läßt die Eüenbahn- direktion in diesen Tagen durch einen ihrer Beamten hier an Ort und Stelle Erhebmigen machen über Ein« und Ausfuhr, Personenverkehr :c. Diese Erhebungen sollen, wie Jntereffenten mitgetheilt wurde, die in den Petitionen gemachten Angaben vollständig bestätigen, sodaß unsere Gegend die größte Hoffnung hat, ihren Wunsch nach einer Eisenbahn bald verwirklicht zu sehen. Wie der genannten Kommission ferner gesagt wurde, ist auf dem Plan zu dem neuen Hauptbahnhof in Wiesbaden bereits das Geleise für die Landches- bahn vorgesehen.
(?) Aus dem unteren Mainga», 28. April. Die stein» und Keruobstbäume der hiesigen Gegend berechtigen zu den schönsten Hoffnungen, nicht minder die Weinberge, denen das fommertoarme Wetter der letzten Tage sehr gut zu statten kam. Kaum aber haben sich die jungen Triebe der Knospen der Weinstocke erschlossen, so hat sich auch schon ein Feind des Weinstocks eingestellt, nämlich die Weinbergsfchnecke (Belin), welche in Massen an den Reben hängt und lauert, bis die eben aussproffenden jungen Triebe einen willkommenen Leckerbiffen abgeben. Die nächste und nothwendigste Arbeit des Winzers dürste daher das fleißige Ablesm dieser Schädlinge fein, wenn anders er feine Weinernte nicht von vornherein schon dezimirt wissen will.
* gomburg v.d.D.» 29.April. Die Kaiserin Friedrich, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Heffen und das griechisch« Kronprinzenpaar sind heute Nachmittag, 1 Uhr 15 Mm., per Bahn hier angekommen und habe» sich »ach dem Schloß begeben. Sie Kaiserin Auguste Victoria hatte sich zum Empfang der hoben Herrschaften aus dem Bahnhof eingefnnben. Wie wir Horen, erfolgt die Abreise der Kaiserin Angliste Victoria von Homburg nach schloß Urville am kommenden Donnerstag Vormittag, 8 Uhr.
* Mainz, 28. April. Die von der Oberrechnungskammer in Darmstadt hierher gesandten Beamten haben die Revision der Bücher des städtischen Gaswerkes nunmehr abgeschlossen. Die Untersuchung wegen der Unterschlagungen ist ebenfalls letzt beendet, und die Sache kommt nun demnächst vor die Strafkammer. In Untersiichungshaft befinden sich noch der Kasfirer des Gaswerks Beilstein und der Kasfirer Reimann, wahrend Direktor Heffemer und Buchhalter Feldmann bekanntlich sich gegen Kaution auf freiem Fuße befinden.
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............... Mac Kinley liebt außerordentlich 11;'ne Minder, er ist geradezu ein Kindernarr. Wenn er bet seinen
Wusaiiien Spaziergänge», die er ab und zu unternimmt, hübschen Mindern begegnet, so bleibt er regelmäßig stehen und unterhält sich
mit ihnen. Unlängst trat in einer Soiröe bei einem Diplomaten
■»” siebenjähriges Mädchen auf ihn zu und spitzte, ohne ein MKort zu sprechen, den Mund zum Kuß. „Wie kann man nur unverschämt sein I" tief die Mutter des Kinder. „Ah was," ^Mchte die kleine frühreife Amerikanerin, „es wäre doch schön, Mwemi ich meinen Enkelkindern erzählen könnte, daß mich einmal Herr E Mac Kinley geküßt hat!" Der Präsident lachte aus vollem Halse Mund küßte das Kind herzhaft ab. — Mac Kinley hat vor nahezu Mfünsundzivaiizig Jahren Fräulein Ida Saxton, die Tochter eines | Büuquiers in Canton, aus Liebe geheirathet. Frau Kinley, einst- Whals eine gefeierte Schönheit, ist noch jetzt eine hübsche Fran und von M^ußerordentlicher Intelligenz. FrauKiifiey ist eine sparsame Wirthin: E ihr Hauswesen hat einen durchaus bürgerlichen Anstrich. Die Eheist eine ÄUtufletliafte. Der Präsident ist noch jetzt in seine Fran verliebt j seine M Augen strahlen, wenn er von ihr spricht. Da Fran Kinley kränklich maiUkZMifl, hat sie einen Theil ihrer RepräfeutationSpflichten auf ihre zwei Nichten übertragen. Ein Bruder des Präsidenten, Adner Adolf j Mac Kinley, der demselben zum Verwechseln ähnlich sieht, ist einer fehlet dder hervorragendste» Advokaten von New-Dork. Abner Mae Kinley AdoW^Weht dem politische» Treibe» vollständig fern. Man hat ihn >u;hr- alS veranlassen wollen, sich tim ein Mandat sür das Nepräfentaiiieu- ins zu bewerben. Aber er ging nicht darauf ein, sondern erklärte !ts lachend: „Wir haben bereits in unserer Familie einen Politiker,
- jedoch nur 250,000 Francs beträgt, fo kann er freilich nicht alle Mel« befriedigen. — Judeß wird jedes Bittgesuch beantwortet. ■ l ^Antogrammesamuiler hingegen erhalten niemals von ihm eine Antwort. — Jede» Nachmittag macht natürlich der Präsident eine ^Spazierfahrt, wobei er selbst sein einfaches Tildiiry lentt. — Jeden 'Abend, wenn ihn nicht ganz btingenbe Staatsgefchäfte in Anspruch «hnien, lieft er einige Stunden Romane. Er ist ein Feind der -mtzderneu Sitteratur. Er liest mit Vorliebe spannende Familienoder Kriminalromane, i"’“ " ' ' " “ T~"
