s~.ro i ml» shio djdjun guq qjy ursqur Mqpjy
iksbrlökner Tsgblstt
«6. Jahrgang.
Verlag: Langgasse 27.
115,000 Abonnenten
No. 196
Donnerstag, den 28. April
Fernsprecher No. 52.
1898
Fernsprecher No. 52.
I Abendausgabe
untern
3
S
!
IjW
K'i
5
wichtige Anträge die 5In=
W^Pehen müßte, sieht man als etwas Unabwendbarem mit schier Wtalistischer Rnhe entgegen, und selbst die in letzter Zeit Wusgetauchten Gerüchte über einen nach dem Jubiläum zu Mvärtigenden Thronwechsel sind nicht im Stande, den Motz der Deutschen zu brechen. Momentan herrscht im Cis . und Trans eine schwüle Rnhe, die nur in Ungarn durch eine Mste Sozialistenhatz unterbrochen wird. Das freie Ungarn shat sich urplötzlich zu einem wahren Polizeistaat umgewandelt, M welchem polizeiliche Vergewaltigungen, administrative Ausweisungen und Strafakte auf der Tagesordnung sind Md eine Art cabinet noir, gleichfalls über Nacht installirt, hastig amtirt und auch die schriftlichen Gedanken ahnungs- Wser Bürger unter die fürsorgliche Kontrolle des allgegenwärtig sein wollenden Staates stellt. Unter den Auspizien Mues Ausstandes der Ernte-Arbeiter und eines in Vorbereitung begriffenen allgemeinen Arbeiter-Streiks macht tue Wrfe politische Verstimmung, die sich ganz Ungarns bemächtigte, Wglich, ja stündlich größere Fortschritte und giebt den Rationalitäten Ungarns Gelegenheit, von dieser Mißstimmung W profiliren, und ihre selbstischen Zwecke zu verfolgen. Hierzu gesellt sieh die dumpfe Unzufriedenheit der Bourgeoisie, Welche, an gefährlichen Nebenspeknlationen krankend, die Dolgen des letzten Mißwachses noch immer nicht verwunden lhat und, von falschen Propheten angeeifcrt, in dem chlbstständigen Zollgebiet so etwas wie eine Panacee gegen »ie wirthschaftlichen Schäden, unter welchen das Land Wenwärtig leidet, zu finden hofft. Daß man also zu dem Tänzleiu, welches der Graf wagen will, recht hübsch auf- Bitien wird, weiß Graf Thun sehr wohl, und wie ihm Nahe- ßehende zu erzählen wissen, geht der österreichische Kabinetts- 4«f recht resignirt au die Arbeit. Es ist auch, wie man vernimmt, nicht eben viel, was die Regierungen hüben
und drüben erreichen zu können hoffen. Sie meinen schlimmsten Falls nämlich die Verlängerung de§ Provisoriums auf ein weiteres Jahr durchsetzen und bis zum Jahr 1901, da die Zoll- und Handelsverträge mit dem Auslande zu Ende gehen, immer auf Grund solcher Provisorien weiterregieren zu können. In Ungarn Hütte dies auch weiter nicht viel auf sich, wenn nicht in Oesterreich gleichzeitig das Gespenst des Absolutismus spuken würde, welches selbst ein Provisorium im Sinne der Ausgleichsgesetze unmöglich macht. So seufzt das arme Reich unter den hundertfältigen Schwierigkeiten, welche die zweifelhafte Regierungskunst seiner Staatsmänner heranfbeschworen, und findet keinen rettenden Llusweg aus diesem Wirrsal.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-PreiS: durch den Verlag 50 Psg. monatlich, durch die Post 1 Mk. 60 Psg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
(Nachdruck verboten.)
Ein Sesnch beim Emir von Buchara.
Von unserem Kopenhagener Korrespondenten.
jMfc In diesen Tagen trifft der Emir von Buchara mit zahlreichem Gefolge in Petersburg ein, um dem Czareu den ihm zur Erinnerung an den verstorbenen Czaren ge= Misteten Orden zu überbringen. Die nachfolgenden Eiuzel- kviten über einen Besuch beim Emir, die mir der dänische Wrschungsreisende Premier-Lieutenant Olufsen mittheilte. Welcher, nachdem er bereits im Jahre 1896 in Buchara k^r, vor Kurzem feine zweite Pamir-Expedition angetreten WNt, dürften daher von besonderem Interesse fein.
^Das Reich des Emir ist so groß wie Frankreich, hat Wer nur eine Bevölkerung von ungefähr vier Millionen ^Wvfcheu — man muß ausdrücklich „ungefähr" hinzufügcn, W^n eine Volkszählung wurde in seinem Reiche nie vor- und hat wohl auch vorläufig keine Aussicht, bewerk- k«ligt zu werden, weil die Bewohner des Landes der Meinung Wd, daß eine solche Veranstaltung verhängnißvolle Folgen E* sich führen würde. Das Land hat reiche Silber- und Wldminen, die dem Emir bedeutende jährliche Einkünfte Anschaffen. Wege existiren im Lande gar nicht, weder in M Gebirgen, noch in den großen Wüsten, und die Ver- Knl>ung zwischen dem Hofe des Emirs und den Provinzen W so unvollkommen, daß Herr Olufsen dem Emir Mit- Wkungen über eine seiner Provinzen, eine fruchtbare Land-
*m südlichen Theile des Reiches, die der Fürst gar- W« kannte, geben konnte! Der Emir wurde sehr erfreut, Wks« Mittheilungen über eine Provinz, von deren Existenz
k W'
Zur Tage in Oesterreich-Ungarn
Unser Wiener Korrespondent schreibt uns Lb. M.:
MDie angebrochene Woche soll für Oesterreich iHntscheidungen bringen. Nach Beendigung der Wer die Unteranklagestellung der Negierung sollen pttüge über die Sprachenverordnungen auf die Tages- brbnung kommen, und Graf Thun will den Versuch, den fietzten Versuch machen, die verschiedenen Tendenzen unter l einen Hut zu brin gen, die Sprachcnfrage zu lösen und Oesterreichs ^Völker zu dem Abschluß des Ausgleichs mit Ungarn zu bewegen. - Zu gut orientirten politischen Kreisen sicht man diesem Mperiment mit größtem Skcpticismus entgegen. Man glaubt - sicht an die Möglichkeit eines Vergleichs in der Sprachenfrage, rtbenso wie man nicht au die Möglichkeit eines Ausgleichs glaubt. Selbst den Hinweis auf das Regierungsjubiläum, - Hessen ungestörten Verlauf man in Oesterreich gern sichern ffmöchte, läßt man nicht als jenes Rettungsmittel gelten, von shem das Heil kommen könnte, denn auch der dynastische Bebaute hat in dem unseligen Sprachenhader bereits schwere Wunden davongetragen, und Loyalität ist in Oesterreich eine s rare Tugend geworden, die man heute höchstens noch dem Hoch- Mel und den Klerikalen nachrühmen kann. Den versteckten Hfabeutungen aber über eventuelle bevorstehende große politische Umwälzungen, welche die Halsstarrigkeit des Parlamentes nach
weder er noch seine Beamten einen Begriff hatten, zu er
halten, und er fügte gleich hinzu, „er werde bald einen
Steuereinnehmer dahin schicken".
Im Frühjahr 1896 hatte Herr Olufsen feine erste Begegnung mit dem Emir. An einer Eisenbahnstation der transkaspischen Linie erfuhr er, daß man den Emir, der sich zu den Krönungsfeierlichkeiten nach Moskau begab, erwarte. Als der Zug eintraf, stieg ein hoher, stattlicher Manu in russischer Generals-Uniform, den Kopf mit einem weißen seidenen Turban geschmückt, aus dem Coupe. Es gelang dem dänischen Reisenden und seinem Begleiter.dem Fürsten vorgestellt zu werden, und als derselbe vom Ziel ihrer Reise und von der großen Freundlichkeit, die den Reisenden vom Czaren und der Kaiseritt-Mutter (bekanntlich einer dänischen Prinzessin) erwiesen wurde, hörte, befahl er gleich, man solle seinem Premierminister in Buchara telegraphircn, den dänischen Reisenden, so lange sie sich im Reiche des Emirs aufhielten, alle mögliche Hülfe zu leisten und ihnen seinen Schutz zu gewähren. Ein höherer russischer Offizier, der dem Emir auf der Reise attachirt war und seinen Befehl hörte, wandte sich an Herrn Olufsen und flüsterte ihm zu: „Jetzt brauchen Sie im Centrum des Fanatismus keine Angst zu haben!"
Der Emir war auf dieser Reise von einem großen und glänzenden Gefolge begleitet. Er und seine Begleiter trugen eine Menge kostbarer Diamanten, ja selbst der „Hofhenker" war mit Diamanten geschmückt! Dieser Herr/ der den Emir überall begleitet, bekleidet eine sehr angesehene Stellung und hat einen hohen Rang unter den Hofbeamten. Früher kamen Hinrichtungen fast jeden Tag in Buchara vor, und obgleich Rußland, dessen Vasall der Emir bekanntlich ist,
bestrebt ist, die alten barbarischen Strafen aufzuheben, vergeht doch noch jetzt kaum eine Woche, wo nicht einer der Unterthanen des Emir hingerichtet wird. Das geht so vor sich, daß der Henker auf einem Stuhl Platz nimmt, und während der Delinquent seinen Kopf in seinen Schoß legt, schneidet der Henker ganz ruhig mit einem langen sehr scharfen Messer den Kopf des Unglücklichen ab! Der Vater des jetzigen Emir benutzte einen hohen Thurm in einer der Moscheen, tim die Hinrichtungen dort vorzunehmen. Der zum Tode Verurtheilte wurde vom Gipfel des Thurmes in den Abgrund gestürzt, wo sein Körper an einem großen Stein am Fuß des Thurmes zerschellte. Man sieht noch heute den Stein als eine Erinnerung dieser barbarischen Todesstrafe. Eine andere Spezialität auf diesem Gebiet war ein unterirdischer, finsterer Raum, wo der zum Tode Verurtheilte von großen, giftigen und gefräßigen Insekten, die den ganzen Raum füllten langsam getöbtet würbe!
Ein unbebeutenber Diebstahl von einem der offenen Läden aus der Straße zur Zeit wenn der Eigenthümer sich entfernt hat, um seine Andacht in der Moschee zu verrichten, ober die Untreue einer legitimen Frau gegen ihren Mann wird unweigerlich mit bem Tode bestraft.
Als Olufsen im Mai 1896 in Buchara eintraf, wurde er vom Premierminister in feierlicher Audienz empfangen. Nach orientalischer Sitte wurden viele gute Wünsche ausgetauscht, die darin gipfelten, daß her Minister äußerte: »Allah möge seine Hand über Olufsen und seinen Begleiter wenigstens 170 Jahre halten!" Jeden Morgen schickte der Minister einen Diener nach der Wohnuna der Reifenden,
(Nachdruck verboten.)
Warschau Blanro,
der spanische Befehlshaber auf Euba.
Bklstcheiid geben wir unseren Lesern ein Bild des Marschall Blaneo, welcher bekanntlich den General Weyler in der Bekäinpsung
Insurgenten auf Cuba abgelöst Hai und zur Zeit damit be- saiasttgt ist, einen Vertheidigungsplau sür Cuba gegen die beabsichtigte Invasion der UnionStruppcn auszuarbeiten. Nach den bisherigen Enolgcn des Maischalls darf man annehnien, datz er für diese Aufgabe der geeignete Manu ist und dah es ihm, wenn er von Seiten der spanischen Kriegsflotte unterstützt wird, gelingt, auch Landungen nordamerikanischer Truppen im größeren Stile zu verhindern, jedenfalls werden aber amerikanischerseits die Versuche gemacht werden, aus Cuba selbst feften Fuß zu fassen und mit den Auf- flandlschen gemeinsame Sache zu machen. Vielleicht schon in allernächster Zeit wird mau von solchen Expeditionen hören und der Name des spanischen Heerführers wird in den betreffenden Berichten ost genannt werden. Aus diesem Grunde dürfte unser Bild des Marschalls Blaneo gewiß von besonderem Interesse sein.
Der spanisch-amerikanische Krieg.
wb. Washington, 27. April. Der Senat bestätigte die Ernennung Mores' zum Unterstaatssekretär. Der Oberstkommandircude der amerikanischen Truppen, Miles, hatte heule eine Besprechung mit beu Vertretern der Aufständische». Dem Vernehmen nach sollen den letzteren von den Vereinigten Staaten Waffen geliefert werden.
hd. New-UorK, 27. April. Das Transportschiff „Condora" mit 800, Soldaten ist gestern Abend aus Kanton ausgelaufen und begiebt sich, begleitet von einem Kreuzer und einem Kanonenboot, nach Cayr Hueso.
Urw-Uork, 27. April. Berichte ans Havana besagen, drei spanische Schiffe seien ungeachtet der Blockade angelangt, darunter der Dampfer „Montserrat" mit drei Millionen Dollars und Munition. Em amerikanischer Torpedojäger folgte bis in die Nähe Cardenas'. Bo» drei «Panischen Kanonenbooten wurde er zur Flucht gezwungen. — Reiche New-Uorker geben unaufgefordert große «Summen zum KrtegSfondS, so Heleue Gould 100,000 Dollar.
Saujuta, 27. April. Zwei amerikanische Monitors brachten zwei Kohlenichiffc auf. Diese wurden alsbald wieder freigegeben weil es deutsche Schiffe waren. — Die Kolonial-RegicrungS- Rommtiiion, die sich in das Lager der Aufständischen begeben hat, sst »och nicht zurückgekehrt. Selbst in Regierungskreisen heißt es, die Anstrengungen, einen Frieden mit den Aufständischen herbei- zufuhrcn, seien erfolglos gewesen.
red .Key West, 27. April. Das Prisengericht hat sich bet verschlossenen Tburen fonftitnirt. Die Entscheidung soll erst bekannt gegeben werden, wenn die ganze Frage geregelt ist. Es ent= Bent die tfrnge, was mit den gefangenen Mannschaften und Passagieren geschehen soll, deren Zahl sich auf 230 beläuft. Das Hnefl8bcpartement hat Anweisung ertheilt, die gefangenen Spanier mit alln Rücksicht zu behandeln. Die Offiziere werden als Zeugen zuruckbehalten, dagegen sind die Mamischaften bereits in Freiheit gesetzt worden. Die spanischen Marinemannschaften fürchten jedoch für sich, wenn sie in einem feindlichen Hafen landen, und werden wahrscheinlich unter dem Schutze der Bundertruppen in Kasernen untergebracht werden. — Der amerikanische Kreuzer „Detroit" brachte das spanische Schiff „Bolivar" aus.
Madrid, 27. April. Nach einer amtlichen Depesche aus Manilla theilte der Gouverneur von Jloilo mit, daß da« ameri« w'ttsAi Schiff „Saranae" von dem spanischen Kanonenboot „El Cano aufgebracht und in den dortigen Hafen eingebracht worden ,et. Das Schiff hatte eine Ladung von 1640 Tonnen Kohlen an Bord und 13 Mann Besatzung. Da« Telegramm fügt hinzu, bas amerikanische Geschwader habe sich noch nicht gezeigt, werde aber leben Augenblick erwartet. Die spanischen Schiffe seien bereit, es zu empfangen. °
list. Loudon, 27. Avril. Ans St. Vineent wirb gemeldet, das fpaiiifche Schlachtschiff „Pelago" fei mit zwei Kreuzern und drei Torpedobooten nach der amerikanischen Küste abgegatigen. Der übrige Theil der spanische» Flotte sei ebenfalls mit unbekannter Ordre adgedampst. - Nach New-Yorker Meldungen herrscht in den amerikanischen Küstenstädten eine panikartige Furcht vor Ueberrumpelnng durch das spanische Geschwader. - Der Dampfer jjfiillameb ist heute in Cork eingelaufen. Der Kapitän des Schiffes oehauptet, unterwegs dem amerikanischen Dampfer ^Sh-itaiidon begegnet zu fein; hierdurch verliert das Gerücht, der Dampfer fei durch einen fpauischen Kreuzer gekapert worden, an Boden — Die Koiifulu von Salvator undNiearaaua erklärten thre Negierungen würden Neutralität beobachten.
27. April. Von hier reift heute eine große Anzahl Freiwilliger nach Cuba ab, um sich den Aufständischen anzuschließeu. Darunter befinbet sich auch der Trienter Navarsint, der im griechisch-türkische» Krieg bei Domokos gegen die Türken focht. , . bd. London, 28. April. Wie bereits gemeldet, erwartet man bci Maiulla am Samstag einen Angriff. des amerikanischen Geichwaders. Dasselbe zahlt vier gepanzerte Kreuzer, zwei Kanonen- Voote und einen Kutter. Spanien hat dort nur einen Kreuzer und vier Kanonenboote. Die alten Forts wurden kürzlich verstärkt und moderne Geschütze aufgestellt. Der Eingang zmu Hafen von Manilla ist durch SUimen geschützt. Es wird nur ein schwacher Widerstand erwartet. — Der Korrespondent des „New YorkHerald" in Havana meldet, daß ein ©«treffen zwischen einem auierikaiiischen Torpedobootzerstörer und dem spanischen Kanonenboot „Ligera" bei Kap Piedra Uattgefunben hat. Es wurden 11 Schöffe gewechselt und Ligera"
[lEtdCll -AmmKme ?lve«d - Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später einaereiditer Anreiaen nur ? nachsterscheiuenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. 1 ' w * * * s ; tr zeigen M
Anzeigen-PreiS:
Die einspaltige Petitzeile für letale Anzeigen 15 Psg., für auswärtige AMigeu 25 Pfg. — Reclamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Psg., für Auswärts 75 Pfg.
