<o. Jahrgang.
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H#* 193. Fernsprecher No. 52.
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Morgen-Ausgabe.
(Nachdruck verboten.)
Ans der Reichshmrptstadt.
Von 21. SilviuS.
Der neueste Mord. — Die Tanzliese der Hasenhaide. — Die Krafft- SbingS und die Lombrosos bei der Arbeit. — „Schlächter Emil." - Die Schlächter wehren sich. — Der irrsinnige Student. — Ein etzkNlbümlicher Größenwahn. — Die Heiraihsschwiudlerin. — Fliegende Gärtnerinnen. — Laternen'Anstecker und Zettelanklebrr. — Der Biograph und der Kaiser. — Ein Bonmot. — Anno dazumal — und Thomas-Striese. — Die Strauß-Akra.
& * Mords gellt es wieder einmal durch die Straßen Berlins. Ein Musiger, entsetzlicher Mord ist verübt worden an einem Mädchen, allerdings ein Mädchen im reinsten Sinne des Wortes nicht gÄr war, an einem Mädchen dienenden Standes, weiches manches Lerhältniß gehabt hat und in einem bestimmten Revier Berlins auf W» Tanzboden gegangen ist. Wie wir früher schon einmal bei uns die Tanzfrieda hatten, so war die ermordete Luise Gunther die .Tanzlicse der Hasenhaide", jenes historischen Stadtthcils Berlins, Mo dern daS Voqelwiesenthnm der modernen Großstadt die schönsten, ober auch die unschönsten Bluthcn getrieben bat. Neben fröhlichem WAkShumor schritt aber hier schon immer das Verbrechen einher, und. man muß den angrenzenden Gemeinden Dank wissen, daß sic jetzt'energisch an die Säuberung der Gegend denken, die durch Sand- loälle, Baumbestände, Gräben und Höhlen prädestiuirt zu Blutthaten Mwcscn ist. Das Sprichwort von dem in den Brunnen gefallenen Wnde stimmt auch hier; ein Lustmord hat die Gemüther aufgcrüttelt.
MNnir wird bereits über eine Woche von nichts weiter als von - dein Morde gesprochen. Scheußlich ist die Tbat selbst. Der ver- ■fcte Mensch hat sein Opfer erwürgt, entkleidet, zetfleischt! Die ^Mifst-Ebings und die Lombrosos sind bei der Arbeit. Die gc- WWmte Sexualphilofophie wird aufgeboten, um schon jetzt für die Wtzurechnungsfähigkeit des Mörders zu plaidiren. Ich muß diese ■Ben unter dem Eindrücke niederschreiben, den die Tage der Wiche nach dem Mörder bervorgebracht haben. Vielleicht sitzt der Mitmensch, den die Kriminalpolizei in ihren Beschreibungen so gut Uu kennzeichnen versteht, schon hinter Schloß und Riegel, wenn pHine Leser diese Betrachtung zu Gesicht bekommen, möglich aber, Mk Suche nach dem „Schlächter-Emil" dauert fort — gleichviel, Mne Bezeichnung ist in diesen Tagen so oft gebraucht worden, wie ^Schlächter-Emil". Merkwürdig, daß es sich bei Mördern fast ~ immer um Spitznamen handelt: man agirt mir ihnen wie mit einem ^Wichtigen kriminalistischen Hiilssmittel und sieht leider nicht, daß M keines ist. Es kann sogar sehr irre fuhren, wie im Namen der Whlächter das Fachorgan aurgeführt bat. Aus dem Umstand, daß ^WMordgefelle ein Messer zum Hcrausschueideu von Körperlheilen ^braucht bat, wird gefolgert: e8 müsse ein Schlächter fein. Die Berlins aber wehren sich lind sagen, man braucht das Wrwerk nicht gelernt zu haben und man könne doch solch traurige Wchneidekünste üben wie der Tdäter.
U^DicseS Argument wurde unterstützt durch das Anftauchen eines ■wimigen Studenten im benachbarten Königs-Wusterhausen. Auch ■rStndent verstehe das Mester in der durch den Mord bezeichneten ■Hf<* zu führen. Der biet in Rede stehende junge Mensch, der die ■bölkeriiug während einer Spanne Zeit in Helle Erregung versetzt ist von einem eigenthümlichen Größenwahn befallen: er bildet W» ein, der Mö d r der Luise Günther zu sein. Er antwortet mit -7Za und Nein und weiß sonst von nichts. Er hat sich ruhig verhaften lasten, er wurde nach Berlin gebracht und verhört; auch hier Wederholte er „sein Geständuiß", stier und glanzlos blickten die 'Augen drein, und die Polizei war so klug als zuvor. Wäre die HBbire nicht so tief traurig, der Fall nut dem irrsinnigen Word- Ejtotaten müßte ein heiteres Intermezzo bilden.
te- Die letzten Tage waren nach biejer Richtung nicht gut bedacht; M gewissenhafte Chronist spurt ja allen möglichen Dingen nach, nm M im Wortbilde festzuhalten, aber die Auslese ist oft dürftig. Eines Mer möchte ich nicht verabsäumen, den Prozeß gegen eine Heiratbs- lchwindlerin zu erwähnen. Das Wort.Herrathsschwindel" erzählt MS nichts Neues; aber bisher haben wir ans unseren Gerichtssälen unr immer den angeblich pensioniiteu Förster, den Pseiido-Guts- sesttzer, den Psendo-Jngerrieur und den AllerwellSschlafburschen auf -em Gebiete des Heirathsschwindcl« thälig gesehen, nun aber kommt m, dieses Einerlei eine andere Farbe: eine Heirathsschwindlerm. Eine wie gewöhnlich ehrsame Wiltwe hat sich dem einträglichen Ge- Mrbe hingegeben und ihrem Chambregarnisten unter Liebesschwüreil Btifle Sparkassenbücher abgekuöpst. Die Wiltwe Postmann wird da kenne ich meine Berliner zu genau — auf dein Gebiete des MirathsschwindelS sprichwörtlich werden. Gar Mancher, dem die ^gneigitug der Angebeteten nicht ganz echt vorkommt, wird sagen: •sä. Du willst es doch nicht etwa machen wie die Wiltwe Post- Mann?"
fe Optimisten erblicken in der That der ingeniösen Wittwe eine •tue Arl von Frauenberuf, der daS Heirathen überflüssig macht; ilber die Pessimisten, die den Fall als eine unheimliche Ein de Wele-Erscheinung betrachten, folgern wie ans Allenr: „Der Hebel Pößtes aber ist die Fran!" Aber diese argen Sünder müssen «vch schließlich einsehen, daß sie Unrecht haben, wrnn sie von Mem ganz neuen Frauenberuf hören, der in Berlin soeben auf« Maucht ist. Bei niiS giebt es jetzt „fliegende Gärtnerinuen". Namentlich im westliche» Theile der ReichShauplsladt kann man sie Mobachteu. Die Damen erbieten sich gegen bescheidenes Honorar *81 Ordnen der Zimmerpflanzen und Bliimentisch-Arrangernents, K weinbesäten Balkons mit ihren Lauben; sie können auch Mure Vorgärten in Stand setzen. Die Gärtnerinnen, von denen *an allerdings nicht weiß, ob sie — Fachweidlein sind, trotzdem sie M»e Fachkeiiutniß zu besitzen scheinen, agiren recht gewandt, und S ist ein allerliebstes Bild, die jungen Damen — selbst wie eine Me schön — den Garten ober Balkon schmücken zn sehen. Ganz Manders jetzt im Frühjahr kann man also mit Bezug auf die Mrtneriuneu von einem „blühenden Beruf" auf dem Gebiele des Mortenerwerbs sprechen, und das Dichterwort wird znr^Wahrheit: ,«hret die Frauen, sie flechten und weben himmlische Rosen ins Maische Leben".
U Daß im modernen Berufsleben die Poesie dann später wieder Maren geht, ist freilich eine ebenfalls oft beobachtete Tbalsachc.
lange noch, und die Gärtnerinnen, jetzt noch so friedlich, Eben sich organisiren, der Jutereflenkampf wäre nicht die letzte ^"»tbe, die sie zu züchten hätten. Das Organisations-Verlangen Meist auch die kleirrsten Berufskreise. Ein Beispiel hierfür Warn zur Zeit die Berliner Zettelankleber und Laternenanzünder, ** augenblicklich eine lebhafte Agitation für eine Organisation
Mittwoch, den 27. April.
Fernsprecher No. 52.
1898.
entwickeln. Es ist für später ein Anschluß an den Verband städtischer Arbeiter geplant. Mir will es scheinen, als ob die Laternenanzünder zu weit in die Zukunft schauen, denn unsere mobernc Beleuchtungstechnik wird vielleicht Laternen im ©inne der Anzünder künftig völlig überflüssig machen. DaS Licht der Zukunft bedarf keinen Anzünder mehr, ein einziger Griff, und Straßeuzüge sind erleuchtet. Anders bei den Zettcl- a»fiebern, denn die Anschlagsäule» werden immer bleiben, und das Bedürfuiß, auf ihnen abzulesen, was es Neues auf dem Gebiete der Unterhaltung und der Industrie giebt, ebenfalls. Die Zettelankleber betrachten sich daher vielleicht mit Recht als uothwerrdigen Faktor des modernen gesellschaftlichen Lebens.
Sie haben eben den Berlinern durch Anschlag des Plakats unseres größten Spezialitäteii-TheaterS, des Wintergartens, davon Mittheilung gemacht, daß der Biograph, jener verbesserte Kinematograph, der die Ereigrrisse des Lebens in Momentbilder» als lebende Photographie roiebergiebt, in Wiesbaden dem Kaiser vorgeführt worden ist. DaS bedeutet natürlich für die Direktion Dorn und Baron eine große Reklame. Direktor Dorn hat die Vorführung des Biographen in Wiesbaden geleitet, und der Kaiser hat ihn durch die lleberreicbuug einer Brillaiitnadel ausgezeichnet. Ich möchte bei dieser Gelegenheit ein sehr niedliches Bonmot meinen Lesern nicht voreuthalten, welches anläßlich dieser Auszeichnung gemacht worden ist. Man sagt mit Bezug auf den Direktor Dorn, er fei in den — Nadelstand erhoben worden.
Unsere Theater tragen im klebrigen den Charakter des Saifon- schlnsses. Im Kgl. Sehanipielhaus gab es noch eine Premiere. „Anno dazumal", ein burlesker Schwank von Neuling, erzielte einen hübschen Heiterkeits-Erfolg. Er cnliält eine derbe Salute auf die Zeit der Bürgerwehr, deren Verspottung in nuferer Zeit des Militarismus tinifo drastischer wirkt. An derselben vornehmen Kunststätte hat sich kurze Zeit daraus ein kleine« theatralisches Ereigniß vollzogen: Emil Thomas, der Doyen der aktiven Berliner Komiker, ist nach langen, langen Jahren auf possenhasten Umwegen „ins Königliche" gekommen und hat als „Striese" im „Staub der gabinerinnen" bewiesen, daß er auch an anspruchsvollster Stelle der wirkliche Küustler ist.
Im Kgl. Opernhaus hat die Kapellmeisterfrage eine Lösung erfahren. Der bekannte und gewaltige Richard Strauß, der Weimareaner und Wagnerianer, der Glnthkopf moderner Taktstocktechnik, ist an Stelle Weingartners engngirt worden. Wird man mit ihm auch einen Strauß auszufechteii haben, ober wird er einen Strauß zu bestehen haben mit Widersachern, die jetzt noch nicht mit vollen Aceorden in das Konzert der Kabalen einftimmeu?
Aus Htadt und Ztlntz.
Wiesbaden, 27. April.
-o-persona! Nachrichten. Herr Oberbürgermeister vr. v. Ibell hat sich gestern Abend aus mehrere Tage nach Berlin begeben, um daselbst an den Sitzungen des Herrenhauses theilzunehineii.
— Die Leier des <0. Geburtstag» Sr. Majestät des Königs Albert von Sachsen am Sonntag führte der hiesige „Sachsen- und Thüringer-Bereiu in folgender Weife aus: Sonntag früh brachte die Kapelle Hoffmann Herrn Kammerherrn Rittmeister v. Carlowitz ein Ständchen. Herr v. Carlowitz, welcher lange Jahre ein beständiger Kurgast Wiesbadens war und feit zwei Jahren hier wohnhaft ist, hat dein Sachsen-Verein in Gemeinschaft mit anderen hier zur Sur weilenden Herren eine Büste Sr. Majestät des Königs Albert, sowie einen größeren Geldbetrag gestiftet. Abends fand in dem festlich geschmückten Siömerfnol ein Kommers mit Ball statt. Herr Schuberth, Präsident des Vereins, hielt eine begeisterte Siebe, welche mit einem dreimaligen Hoch auf König Albert endete, an das sich die Königshymue airfchloß. Hierauf sprach Frau Löffler einen von Herrn I. Ehr. Glücklich verfaßten, mit großem Beifall eutgegengciiommeuen Prolog, und bann folgten verschiedene Vorträge, ans deren Steifte hauptsächlich oic vorzüglichen Leistungen der Frau Gothe zu erwähnen sind, welche zwei Lieder sang, die nicht endenwollenderi Beifall ernteten. Von den Mitgliedern Herren Hartmann, Priester und Schuster wurde eine lustige Gerichtssitzung vorgeführt, welche allgemein gefiel. Znur Schluß sei noch der Rede des Herrn Slentiiers Landmann gedacht, der sich sehr lobend über die Leistungen des Vereins aussprach und znm festen Zusammenhalten der hier wohnenden sächsische» Landsleute aufforderte.
d. Zommergaste. Die Schwalben wurden gestern als hier angekomuien bei uns augenielbet. Man muß aber »och scharf in die Lust gucken und darf beileibe feine schlechten Augen haben, wenn man eine der flinken Seglerinnen entdecken will. — Auch ein Maikäfer wurde »ne von einem kleinen Mädchen in einem schwedischen Feueizeugschächtelchen zugebracht. Der Käser, den wir „in das Blatt rücken sollen", hat sich an einem blühenden Frühobftstranch erwischen lauen — folglich durste der allgemeine Maikäserflug alsbald in Aktion treten.
— Zteurrwrs»». Anläßlich der demnächst begiunendeu Berufungsfrist in Steuersachen ist folgendes Urtbeil des Ober- oerwaltuugsgerichtes für unsere Leser von Interesse: „Durch die vorbezeichnete Entscheidung ist die Berufung de« Censiten gegen feine Veranlagung zur Einkommensteuer mit Recht wegen Versäumniß der Berufungsfrist zurückgewiesen. Die BernsnugSsrist lies zwar, nachdem dem Ceupten das Veranlagungsschreibeit am 11. Mai zugcstellt war, nicht schon am 8. In ui mit Schluß der Büreaustuuden der Ser« aitlagungskomriiifsion (5 Uhr Nachmittags), sondern erst mit Beendigung dieses Tages ab. Der Censit mußte jedoch bei Einreichnng seiner BerufungSschiift so verfahren,daß er mit voller Bestimmtheit darauf rechnen konnte, dieses Schriftstück werde noch am 8. Juni und damit fristgemäß im geordneten Geschäftsgänge in die Hände des zuständigen Beamten gelangen. Daß ober fein Bevollmächtigter. dasselbe am 8. Juni, Nachmittags nach 5 Uhr, auf einem Tisch im Botenzimmer der Negierung, also im Geschäfts- iofale einer nicht zuständige» Behörde, »überlegte, genügte hierzu nicht, mochten auch die Boten der Regierung zugleich den Dienst bei der Veranlagungskommission wahrnehmen, deren Vorsitzender Übrigens in seinem Beanstaudnugsschreibe» den Censiten ersucht hatte, alle Briefe lediglich: „Au den Herrn Vorsitzenden der Ein- kommensteuer-Veranlagilltgskommiffion des Stadtkreises Wiesbaden, hier, Luifenstraße 7", zu adrefftren, folgeweise auch dort abzugeben."
— Leuerwehrtag. Der technische Ausschuß für die Vorbereitung deS XV. deutschen Feuerwehrtages in Charloitenburg hat das Programm der gelegentlich der Ausstellung zu oeranftalteuben Prüfungen von Feuerlöschgeräthfchafteii festgestellt. Außer diesen Prüflingen sind fachtechnische Vorträge in Aussicht genommen, welche sich vornehmlich mit den in neuerer Zeit gesammelten Erfahrungen auf dem ^Gebiete des Feuerlöschwesens und der Feuerficherheit be- faffen. Insbesondere wird behandelt werden die große der feuer»
sichere,, Baukoiistruktioneu. Zur Erläuternng dieser Untersuchungen werden feuersichere Konstruktionen auf dem AusstellungSplatze errichtet werden.
— Acht verschiedene Nordlandsreisen sind von Karl Sfangens Reije-Büreau, Berlru W., Mohreustrabe 10, für die Monate Mai bis August auf fein Reiseprogramm für dieses Jahr gesetzt. Mit vier Reisen, die auf verschiedenen Wegen durch ganz Skaudiiiavieit führen, sind Ausflüge auf den komfortabel eingerichteten norwegischen Touristeiidampfern bis zum Nordkap ver- biinben, während bei den anderen vier kleineren Reisen Stockholm, Chriftiania und deren herrliche Umgebung, sowie die schönsten Punkte SüdnorwegenS, einschließlich der fjordenreicheu Westküste, besonders bedacht sind. Auch nach Frankreich, England und Schottland gehen von Karl Siangens Reise-Bürean in den nächsten Monaten Gesellschaftsreisen ab. Reisende, die sich Gesellschaftsreisen nicht anschließen wollen, erhalten in genanntem Bürean BilletS in jeder beliebigen Zusammenstellung für In- und Ausland und jede nur gewünschte Auskunft auf Grund dreißigjähriger Erfahrung.
Vereins - Nachrichten.
rurze sachliche Berichte werden bereitlvilligst unter dieser Ikteitörift ausgenommen.
* Der „Wiesbadener Beamten - Verein" hatte am Samstag, den 23. April, Abends 8 Uhr, in der Turnhalle Wellritz- straße 41 einen Faiuilien-Abend arraugirt, der, wie alle Ver» anstaltungkn des Vereins, recht gut besucht war. Das reichhaltige Programm verzeichnete Männerchöre, gemischte Chöre, Soli, Duette, Quartette, humoristische Scene» ic., sodaß die hohen Erwartmigen der Gäste »och übertroffen wurden. Der Vorstand hatte keine Kosten gescheut und direkt ans Budapest eine fesche Ungarin kommen lassen, deren Solovorträge den lebhaftesten Beifall fanden. Ebenso ausgezeichnet waren die Darbietliirgeii der Säuger- und Zither- gesellschast „Trullala" aus Grameis in Tyrol, welche so ungemein gefielen, daß der Vorstand sich veranlaßt sah, dieselbe für alle Festlichkeiten des Vereins auf mehrere Jahre jii verpflichten. Auch der „Gesangverein vom Bununelsdors" leistete Vortreffliches, sodaß es begreiflich erscheint, wenn derselbe demnächst eine Vortragsreise nach ben bebeuteubften Hauptstädten beS Festlanbes unternehmen will. Mäuuerchor und gemischter Chor des Vertin» boten unter sicheren Leitung des Dirigenten, Herrn Hasselmann, prächtige Leistungen bar. Nach Erlebigung des Prograuims hielt ein flotte» Tänzchen die tanzlustige Jrrgeub und das sich noch jung fühlende Alter noch lange fröhlich beisammen.
Stimmen ttno Sern Publikum.
Für BeröflentUchuilgen unter dieser Ueberschrist übernimmt die Redaktion keinecM Verantwortung.)
* Eine unserer schönsten Promenaden, fast die einzige dicht am Walde gelegene, wo mau weder von einer Dampf- noch Straßenbahn, noch sonstigem regen Fährverkehr belästigt wird, ist unstreitig das Dani bachthal. Allein dasselbe ist, wie es denAnschein hat, für da» laufende Jahr für die Spaziergänger verloren. Vor ca. 7 Monaten wurde mit der Herstellung eines Fahrweges daselbst be- • gönnen. Schreiber Dieses, welcher während dieser Zeit öfter ben Weg machte, hat wahrgenommen, daß trotz ber fortwährend günstigen Witterung ein eigentlicher Fortschritt der Arbeiten nicht stattfaud. Die Arbeitskräfte bezifferten sich während dieser ganze» Zeit, viele Tage, an denen überhaupt Slicmanb zu sehen war, ausgenommen, auf höchstens 10 Mann, und so konimt es, daß die Wege jetzt bei andrechenbem Frühling in noch schlechterem Zustande baliegcn als früher. Einsender Diese« ist es unerklärlich, daß, wenn der linksseitige Promenabeiiweg zn schwerem Fuhrwerk benutzt werben soll, nicht erst bieser, zwischen dem Eingang von ber Kapellenstraße bis zum Ende ber bewohnte» Grundstücke fertiggefteflt wurde; man hätte dann doch einen passirbaren Weg gehabt, um da» Dambach» thal zn erreichen, und es hätte dann ber Ausbau des zweiten Fahrweges ober der eigentlidien Straße ohne Störung des Verkehrs ausgesührt werde» können. Jridessen wurde so die eigentliche Straße, wie schon erwähnt, vor sieben Monaten in Arbeit genommen, und man hat auch den linksseitigen Promenadenweg seit ca. vier Monaten mit großen rauften Steine» gestückt, in welchem Zustande sich derselbe bis heute befindet, ohne mit jeglichem anderen Material überschüttet zu werden. Ai» letzte» Sonntag, wo ich mit meiner Familie einen Spaziergang durch das Darubachthal unternahm, wählte ich mir de» besseren Weg und zwar durch die Kapelleiistraße au». Bei früheren Toure» und regnerischem Wetter blieb man fast buchstäblich im Morast stecken, ich freute mich deshalb, bei dem trockenen Wetter einen annehmbaren Weg zu finden. Allein kaum von der Kapellenstraße obbiegenb, mußte ich meine Angehörigen, lheilweise Kinder, durch beständiges Zurufen aufmerffam machen, schön vor sich zu sehen, um sie vor llnfäflen beim Gehen über den gestückten Weg zu behüten. Ich saft, wie ein Kutscher mit einer besetzten Droschke, anscheinend Priv.rtfuhrwerk, von der Kapellen- straße fterfuftr, um plötzlich vor einem Sperrbanm Halt zu machen. Der Weg war an dieser Stelle so schmal, daß der Kutscher sein Gefährt nur mit ber größten Schwierigkeit, durch Herumfteben de» Wagens und Aussparrircn des Pferde», umwkirben konnte. Der Kutscher war mit seinem Unmuth hinüber nach meiner Ansicht ganz im Recht, denn wenn der Verkehr in dem Dambachthal auf beiden Zufahrten vollständig gesperrt sei» soll, dann gehört dazu doch em Sperrbaum am Anfang desselben und am Abzweig von der Kapellenstraße. Uebrigen« scheint mir die Absperrung von ber letzteren Straße aus Sonntags völlig unnütz zu sein, denn wie zwei tief eingefabrene Radspuren bezeugen, wird derselbe an Wochentagen jedenfalls zn schweren Stein- und Sandfuhrwerken benutzt und e» kann deshalb Sonntags ein leichte» Gejährt wohl großen Schaden nicht anrichten. Der einzige Grund wäre vielleicht ber, daß bie hiesige Baubehörbe Kutscher ober Besitzer von Fuhrwerken vor Schabe» bewahren will, ber etwa durch Achsen- ober Feberbruch auf dem betreffenden Wege entstehen könnte. Was mit bei der ganzen Sache wunderbar erfdjeint, ist, daß die bärtigen Anwohner, worunter sich sogar ein Restaurant mit schönem, großem Garten befindet, so geduldig die lange Zeit mit zusehen. Ans meinem Rückweg kehrten wir in betr. Restaurant ein und hörte ich von dem Wirth die lautesten Klagen, daß sein Geschäft seit über einem halben Jahr vollständig lahm gelegt sei. Im allgemeine» Jntereffe wird die zuständige Behörde gebeten, so bald al» möglich wenigsten» für einen passirbaren Fuß- und Fahrweg im Dambachthal Sorge zu tragen. -n
* Mit einer Fahrkarte 2. Klaffe ausgerüstet, betrat ich am Montag den Perron deSRHeiubahubof», ein möglichst bequeme» Plätzchen suchend, da» mir gestattete, während ber Fahrt nach bem Chausseehaus in stiller Beschaulichkeit ein Programm ber Genüsse zu entwerfen, die mit der Tag bieten sollte. Doch e» kam ander» l . Im ganzen Zug kein freie» Plätzchen, obgleich ich meine Raumforderungen bereits auf ein Minimum beschränkte. Es war u. unmöglich, einen Sitz zu erhasche», geschweige denn von den Ar
