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Mittwoch, den 27. April
1898,
Fernsprecher Wo. 52.
Fernsprecher No. 52.
Abend-Ausgabe
einfarbige, glatte Stoffe bieiben. Man putzt dieselben mit Litze odcrAllasborte, oder giebt ihnen die so beliebte Schnur- Einlage.
Reizende Jäckchen formen hat die nimmer rastende Frau Mode ersonnen. Die „Boleros" schneiden nicht mehr mit der Taillcnlinie ab, sondern erhalten glatte oder faltige Schößchen. Allerliebste flotte „Figaros" wird man vielfach sehen, in leuchtender Farbe, mit grellen Besähen; oder auch laufen die Vorderthcile des Jäckchens fichüartig aus und werden im Rücken leicht geknotet.
Als „letzte Neuheit" gelten die langschößigen Jacken im Genre der Zeit Ludwigs XIII.; sie zeigen breite Nevers und Aermelaufschläge, nebst luxuriösen Knöpfen von beträchtlicher Größe. Man wird diese Jacketts in schönen Wollstoffen, aber auch in Damast und Brokat fertigen.
Der Kragen bewahrt noch immer die beliebte „Stnrm- form^. Nur graziöser werden wir ihn erblicken: in Kelch, oder Tulpenfaxon, dem Stoff der Taille gleich angeschnitten.
Ganz verdrängen hat sich jedoch auch das Cape nicht lassen, nur tritt es in mehr mantelartiger Form auf als sehr praktisches, aber nicht besonders schönes Kleidungsstück. Der Rücken zeigt ein zipfeliges Ende, die Vorderbahnen fallen in Shawlform herab — spricht man doch davon, daß der selig verstorbene Kaschmir-Shawl seine Auferstehung feiern wird.
Jedenfalls dürfte die gefällige „Polen-Jacke" mehr Anklang finden. Dieselbe reicht bis zu den Knieen, wird vom übereinander geknöpft und an den Aufschlägen, am Kragen und an den Säumen reich und gefällig verschnürt. Man sagt dieser Form eine große Zukunft voraus; sie soll im Sommer von schwerer, Heller Seide gefertigt und zu Gaze- und Linnenröcken getragen werden.
Einer ganz vorübergehenden Beliebtheit dürften sich die kurzen, ärmellosen Jäckchen erstellen, deren Stoff ganz aus kleinen Federn zusammengefügt ist. Sie schillern wie daS
Ausputz durch Bändchcubesatz, Stickereien und Spitzen bietet sich hier ein Feld.
Leider taucht auch die Schleppe im Gefolge des eleganten Prinzeßschnittes auf. Hoffen wir, daß sich dieser Staub und Bazillen aufwirbelnde Appendix nicht einbürgert!
Als Neuheit darf man auch die Vermischung von Wolle und Seide zum Straßcnkostüm bezeichnen, die jahrelang als nicht chic verbannt war. Die Aermel oder der Leib, respektive die ganze Taille, werden in Seide gewählt, oder auch das vollständige Kleid in Halbseide.
Entzückende durchbrochene Stoffe werden sich im Fluge die Gunst der Damen erwerben. Durchsichtige Streifen, Karos, Pastillen, Bomben, Blätter, Schmetterlinge —, sie alle lassen das abstechende Fultcr reizvoll durchschwimmen, das man in Seide oder seidenartigem Stoff wählt.
Zu grünem Oberstoff z. B. nimmt man rolhes oder hellblaues Futter, zu lila Darüber das Darunter nur türkisblau, zu gelb oder sandfarben das Fultcr rose apollon oder grün — zu dem vornehmen Grau aber nur Mandarin- oder orangegelb!
Grau, von lichlcster Silbcrfarbe bis zur schwarzblanen Schiefernüance, bleibt überhaupt der erklärte Liebling der Mode. Auch Roth wird man viel sehen, noch mehr aber die lila und königsblauen Töne, wie perveuche, genzian- farben, ticfviolett. Alles wie im vorigen Jahre — keine neue auffallende Farbe ist auf den Schild gehoben worden! Die jüngste Jugend schmückt sich mit Lila, das man früher dem ehrwürdigen Alter reservirte. Der neuen Stoffartcn giebt es Legionen! Erlaubt ist da nicht nur, was hochmodern ist, sondern was gefällt. Serpentinemuster, das seltsame Genre baldaqtdn, durcheinander schießende Strahlen und Pfeile, sodann ein Stoff, dentelle russe genannt, der die originellen slavischen Spitzenmuster imitirt, — all das bietet sich zur Qual der Wahl dar!
Für schwerere Kleider werden am geschmackvollsten stets
Preußischer Kau-tag.
Srrliu, 26. April. Abgeordnetenhaus.
_ Die Kleinbahn-Vorlage brachte wieder viele Redner mit lokalen Wüuichcn zu Wort. Von denen, die sich für Bahnen im Regierungsbezirk verwendeten, ist zunächst der »ationallibcrale Abgeordnete Dr. Lotichius zu nennen. Er sagt unter Anderem: Ich möchte noch einmal für die schon im vorigen Jahre gewünschte Linie Friedrichsdorf-Friedberg eintrcten. Wenn diese zur Aussührnng gebracht wird, ,st eine direkte Verbindung von dem Hunsrück und) Süddcutschland möglich, ohne daß man erst genölhigt ist, den Umweg über Frankfurt a. M. zu nehmen. Die Ausführung dieser kleinen Sekundärbahn wird sehr im Interesse des Hunsrück liegen. Was sodann die Linie betrifft, die von Herrn Engclsman» schon berührt ist, nämlich von Kreuznach über Simmern nach Caslellaun rc., so möchte ich das Projekt auch sehr unterstützen. Wenn einmal diese Bahn fertig sein wird, wird es wohl möglich fein, die Huusrückbahn mit der linksrheinischen StaatScisenbahu in Verbindung zu bringen, und cs könnte allerdings ein Anschluß geschaffen werden nach der so freundlich gelegenen Kreisstadt St. Goar. Ich möchte ferner bitten, daß Seitens der Regierung das Kleinbahnwesen im Kreise St. Goarshausen möglichst gefördert wird, auch im Kreise Oberlahnstein dürften der Ausführung von Kleinbahnen keine Schwierigkeiten enlgegenstehen. Ich wünsche, daß die berechtigten Wünsche der Grundbesitzer in der Nähe dieser Bahnen möglichst berücksichtigt werden. Ich möchte
überhaupt dem Wunsche Ausdruck geben, daß in Nassau die Kleinbahnen von der Negierung gefördert werden. — Abg. G a m p (freikons.) fragt an, ob die Resolution, betreffend die Verwendung inländischen Materials für Bahnbau, befolgt werde. — Minister Thielen entgegnet: Abgesehen von den Schwellen, wobei er unmöglich sei, werde nach der Resolution verfahren. Aber auch bei den Schwellen habe sich der Verbrauch des inländischen Materials gesteigert. — Wolff-Biebrich (nat.-lib.) befürwortet die Projekte auf Abkürzung der Verbindungen Wiesbaden—Frankfurt und Höchst. Außerdeni ersuche ich den Minister, die ErweiternngS- banlen am Nhcinbahnhof in Biebrich, die mit 193,000 Mk. berechnet sind, nicht zur Ausführung zu bringen, an deren Stelle vielmehr eine kleine Bahnstrecke von etwa 1 km Länge, ab- zweigend von der Nebenbahnkurve Bicbrich-Rheinbahuhos, nach den Onaiaitlagcn bei Biebrich zu errichten. Wenn die Regierung die Sache unterstützt, ist die Stadt Biebrick> in der Lage, das Rhein- qnai im nächsten Jahre bedeutend zu erweitern. Legt dann der Minister noch etwas zu, so kaun die kaum einen Kilometer lange Bahnanlag« nach dem Rheiuufer erbaut werden, und cs wird dann der Bahnhof für die nächsten zwanzig Jahre ausreichen. Leider ist mir nun mitgethcilt worden, daß von Eifenbahnbeamten die Ansicht ausgesprochen worden ist, daß es der Eisenbahn gleich sei, ob die Verbindung der preußischen StaatSbahn beim Einfluß des Maines in den Rhciu bei Kastel ober Biebrich stait- sinde, ja, daß sie mit dem Kriegsminister wegen Ankaufs einer Kaserne in Kastel zur Niederlegung wegen der Bahnzusührung unterhandle. Ich kann dies nicht gut glauben und uehinc nicht an, daß der Minister ein grobherzoglich hessisches Städichen gegenüber der preußischen Stadt Biebrich bevorzugen will. Das Haus wird Wohl auch nicht geneigt sein, für eine Verbindung der Eisenbahn mit dem Rhein in Hessen mehr wie eine halbe Million Mark zu bewilligen, während in Biebrich eine solche Verbindung vielleicht schon mit einer viertel Million Mark zu bewerkstelligen sein wird. Abgesehen von den größeren Kosten würden aber auch unsere Spediteure ihre Wohnsitze und Geschäfte nad) dein Groß- herzogthuin Hessen verlegen und dort ihre Stenern zahlen. Mit einem solchen Verlust wurde wohl auch unser Finauzministcr nicht einverstanden sein. Wird aber die Bahnzusührung in Biebrich im nächsten Jahr bewilligt, so wird es auch der Stadt Biebrich in einigen Jahren möglich sein, ihre Ouaiaulagen bis zu dem nur 2 km entfernt liegenden Rhein-Sicherheiirhasen in Schierstein zu erweitern. Die Staatseisenbahn-Verwaltung braucht • daun nur auf das ihr schön bereitete Bett ihre Schienen zu vcr-
Iüv Mai und Juni auf das „Wiesbadener Tagblatt" ; zu abonniren, findet sich Gelegenheit im Verlag kanggaffe 27, bei den Ausgabestellen, den Zweig-Lxxeditiouen in den Nachbarorten und fäimntlichen deutschen Reichsxostanstalien.
Der spauisch-nmertttanische Krieg.
hd. Washington, 26. April. Mac Kinley hat den gestrigen Beschluß des Kongresses unterzeichnet, toonad) der Krieg gegen Spanien offiziell erklärt wird. — In Illinois stellten sich 301)00 und in Nebratka 10,000 Freiwillige der Negierung zur Ber« sügnirg. In St. Paul verweigerten Offiziere mehrerer Kreuzer und Dampfer die Ausfahrt, bis die Regierung ihnen höheres Gehalt zugebilligt habe.
wb. Washington, 26. April. Präsident Mac Kinley ernannte den stellvertretenden Staatssekretär Day zum Staatssekretär und den Prosessor der Rechte vom Coliinibia College, More, znm Unter« staatssekretär. — Das Staatsdepartement hat allen auswärtigen Regierungen die Kriegserklärung uotisicirt und die amerikanischen Vertreter angewiesen, bei ihrer Ratifikation darauf hinzuweisen, daß der Kriegszustand seit dem 21. d. M. bestehe. — Der Ministerrath beschloß, die vor der Kriegserklärung als Prisen aufgcbrachteit Schiffe nicht freizulasscn, sondern die Entscheidung des Prisengerichts abzuwarten. — Der Senat hat die Erneiniuug von Day zum Staatssekretär genehmigt. — Eine ProNamation des Präsidenten Mac Kinley gewährt den in amerikanischen Gewässern befindlichen spanischen Schiffen bis ginn 21. Mai (?) Frist zur Einnahme der Ladung und znr Abreise. Aus See befindliche Schiffe können ihre Steife fortsetzen, wenn sie vor dem 21. April in ainerikanischeu Häfen ihre Ladung eingenommen haben. Schiffe, welche in amerikanischen Häfen ankommen, unterliegen der Beschlagnahme nicht, wenn sie ihre Reise vor dem 21. April angetreten haben. In der Proklamation wird ferner erklärt, auch die llnlerfiichnng von Schiffen werde unter strikter Beobachtung der Rechte der Neutralen gehandhabt werden. Post- schiffe würden nur im Falle dringenden Verdachts belästigt werden. In der Begründung der Proklamation wird dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß der Krieg dem gegenwärtig in Kraft bestehenden Völkerrechte gemäß geführt werde.
wb. Kry Mr st, 26. April. (Reulermeldung.) Das Kriegs, schiff „Mangrove" hat den spanischen Dampfer „Panama" hier eingebracht. Das Schiff war am 20. b. von New-Dark nach Havanc mit flüchtenden Spaniern und werthvoller Ladung in See gegangen Letztere sollte zur Veiproviautirnng der spanischen Armee dienen, Die „Mangrove" nahm die „Panama" 20 Meilen vor Havana. Ein Kanonenboot lief hier mit zwei spanischen Segelschiffen eilt Zwei weitere kleine Schiffe wurden heute Vormittag in der Höhe von Havana aufgebracht.
wb. Nkw-Nork, 26. April. Die Blätter melden aus Key West: Ein spanisches Transportschiff mit 900 Soldaten an Bord wurde aufgebracht.
hd. London, 26. April. Nach Meldungen ausWashing ton rief in der gestrigen Senatssitzmig die Erklärung des Senators Buttler große Sensation hervor, wonach die Panzerplatten der meisten amerikanischen Kriegsschiffe mangelhaft feien. Mehrere Senatoren sprangen erregt auf und riefen, daß derlei Anklagen im gegenwärtigen Augenblick Hochverrath seien. Senator Buttler erwiderte, die wahien Verräther seien nicht Diejenigen, welche Betrügereien bei der nationalen Wehrkraft aufdcckten, fonbern Diejenigen, welche sie duldeten.
hd. Köln, 26. April. Der „Köln. Ztg." wird aus New-Vorr gemeldet: Nach einer Washingtoner Mittheiluug aus guter Quell« fchwebe» thalsächlich Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und England, die, soweit die Kabinette in Betracht kommen, in ihrem Verlaufe zn einem Bimdnisse führen müßten. Wie verlautet, steht Shermans Rücktritt mit diesen Verhandlungen in einem
•e. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — BczugS-Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. GO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Anzelgen-PreiSt
Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Psg., für Auswärts 75 Psg.
legen, um auch ein zweites preußisches, im Aufblühen begriffenes Städtchen von 4000 Einwohnern mit ber Vollbahn zu verbinden. Ich bitte also den Minister, das preußische Biebrich gegenüber Hessen zu berücksichtigen. — Minister Thielen sagt Prüfung zu. Nächste Sitzung morgen Vormittag, 11 Uhr: Antrag Herold, betr. thier- ärztliche UntersuchnngSkosten; Antrag Ning-Mendel-SteinselS, betr. die Abwehr von Viehseuchen.
(Nachdruck verboten.)
Erlaubt ist, was gefallt.
Platiderei über die Mode von Frou-Fro«.
M Im Reich der Mode bereitete man sich längst schon auf l den Einzug des Frühlings vor. „Siit Allem, was da k ttizend ist," soll ihm gehuldigt werden, und so manches h qrauenherz sehnte die ersten Hellen und trockenen Tage j W«hei, nur um die neuesten Toiletten glänzen lassen zu | können.
R. .Die neuesten Toiletten! Ach, es ist nicht leicht, kdieselben geschmackvoll, praktisch und nach letzter Mode | Mirich auszuwählen.
Embarras de richesse, wohin man blickt, in Farbe, Form, l Stoffart!
EL Beim Schnitt macht sich zunächst eine hervorstechende U^euerung geltend: die Herrschaft des glatten Rockes ist bc- F drnklich erschüttert. Wir treffen ihn nur noch an bei den M stets vornehmen, immer modernen und für gutgewachsene Damen kleidsamen tailor-wade-Kostümen. Im Uebrigen der Rock jetzt vom Gürtel an bis zur Hälfte seiner ^Mnge eng und glatt geschnitten, sodann setzt man ihm ein oder weniger faltiges Volant an, dessen Stoffrcichthnm Wh strahlenförmig ausbreitet. Nicht nur geradlinig wird Mieses Volant angcsetzt, sondern auch in Bogen, Zacken ober Wüsten Wellenlinien.
M, Der lleberwurf, die „Tunika", erscheint ebenfalls ^Mcder auf der Bildfläche, vorerst in bescheidener Dimension, ' Zwar auf der Vorderbahn, in Form eines spitzen Tuches, l *®' mit allerlei Litzen- ober Stickereiwer! verziert ist.
Sa Am elegantesten und begehrtesten wirb für diese Saison bleiben, die tadellosem Wuchs das Cachct
- ^höchsten Vornehmheit verleiht. Man wird ganz glatte, Mckwärts geschlossene Prinzeßkleider tragen, welche eng wie W Handschuh die Gestalt umschmiegen, doch auch mäßigem
tttßtrtClt-ÄltltrtlttHS für .fcie 2lbcnb--2tttSö<ibe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingcrcichter Anzeigen zur iiachfterschcmeubcn Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
Deutscher Reichstag.
© KerUn, 26. April.
t Präsident Buol heißt zunächst die Erfchieneneu herzlich will- jJommen und verliest sodann ein Dank-Telegramm de» Königs von Sachsen für die ihm bargebrachte Gratulation. Auf ber Tages- kerbnunn steht bie erste Lesung des Gesetzentwurss, betreffend die elektrischen Maß-Einheiten. — Staatssekletär Posadowsky ' empfiehlt bie Vorlage. Nach ganz kurzer Debatte ist die erste |=&|ung beendet. Die zweite Lesung findet demnächst gleich im t Nenn in statt. Es folgt bie zweite Lesung der Dom Abg. Prinzen Ilftenberg und Genossen beantragte» Novelle zum Strafgesetzbuch S» Heinze). Beim § 150 (Kuppelei-Paragraph) empfiehlt Abg. Schwartze als Referent die Beschlüsse der Kommission. — Wg. Schall (kauf.) bittet ebenfalls, diese Beschlüsse unverändert Mminehmen und alle die vielen Abänderungsanträge abzulehnen.— Jskraut (Aulis.) bittet, den Absatz 2, wonach dieWohunngS- Wniniethung an gewerbsmäßig Unzucht treibende Frauenspersonen nur bann als Vorschubleistung anzusehen ist, wenn bannt eiiieAiiS- WUung des unsittlichen Gewerbes ber Mietherin verbunden ist, zu Weichen, beziehungsweise den Absatz wie folgt zu fassen: Die Ver- Wgling von Vermiethern an Personen, welche gewerbsmäßig Unzucht treiben, tritt auf Antrag der Polizeibehörde ein. — Wß. Stadthagen (Soz.) kann diesem Vorschlag nicht zustimmen, derselbe die Polizei zum Richter darüber machen würde, was in E dieser Beziehung sittlich und was unsittlich sei. Es sei überhaupt glfd), von Dirnen zu sagen: Wegen Eures Gewerbes wollen wir Euch nicht strafen, aber wohnen durst Ihr nirgends. Er bitte den fwmtrngten Absatz 2 so zu fassen, daß das Wohnungsveriuiethen an weibliche Personen, welche gewerbsmäßige Unzucht treiben, nicht 1ÄS Vorschubleistung anznseheu sei. — Abg. Pieschel (nat.-lib.) i bezeichnet den Paragraph, der sich aus bie Arbeitgeber bezieht (Miß- ^auch ihres Verhältnisses zum Arbeitnehmer), als viel zu weitgehend. .Ebenso seien die Bestimmungen bedenklich über die öffentliche Aus- ^^Mlnng von Schriften und Bildern w. Was den § 150 aulange, könnten seine Freunde demselben zustimmen, und zwar auch dem ^Absatz 2 in der Fassung ber Kommission. Dagegen müßten sie Wvvhl den Antrag Jskraut, wie den Antrag Stadthagen ablehnen. ' Abg. Rören (Eentr.) bittet um unveränderte Annahme des H 130 und um Ablehnung ber Anträge der Abgg. Jskraut und WWtadthageu. Man könne unmöglich, wie der Antrag Jskraut wolle, Polizei ein solches Ermessen gewähren. Die Debatte wird ge- Mlossen. — Vor ber Abstimmung erklärt Abg. Richter (freif. WolkSp.), feine Freunde feien nicht Gegner des Entwurfs in W«u seinen Punkten, aber angesichts der bereit» ausgelchriebeiien MttchstagSwahIen feien sie der Ansicht, daß bas Pensum des Reichs- I«gs auf das Allernothwcudigfte beschränkt werden müßte. Seine ^HIrennde seien daher nicht geneigt, die Verhandlungen über dieses Wttetz. vor einem beschlnßniisähigen Hanse vorznnehmen. Er, Redner, Mkzweifle bie Beschlnßsähigkeit des Hauses. Die Auszählung ergiebt Anwesenheit von 132 Mitgliedern, das Haus ist also beschluß- ^Mähig. Nächste Sitzung morgen, 1 Uhr: Nachtragsetat, zweite Mksiuig der Novelle zur Konkursordnimg, Antrag Salisch, betreffend s- den Nacheid. Schluß 33/« Uhr.
