des äußerst schwierig zu regierenden Landes. Im Jahre 1890 verfiel Alfons XIII. in eine schwere Krankheit, die einen tödtlichen AnSgang zu nehmen drohte, aber nach einer plötzlichen Wendung doch noch zur Genesung führte. Der jetzt zwölfjährige König ist eine sympathische Erscheinung und genießt in weiten Kreisen der spanischen Bevölkerung aufrichtige Sympathieen. Wie weit dieselben bei unglücklichen Ereignissen vorhalten und sich bewähren würden, ist bei dem leichtbeweglichen Charakter der Spanier sehr schwer vorher- zusagcn. Da Könige bekanntlich frühzeitig weise werden, so ist auch der kleine Alphons schon ein ganzer Mann. Er macht es jetzt nicht mehr, wie er es eines Tages, als er erst fünf Jahre alt war, bei einem feierlichen diplomatischen Empfange gemacht. Er saß, so erzählt das „Bcrl. Tagebl.", im Thronsaal neben Maria Christine auf dem Thron und hörte eine Weile lang geduldig mit an, was die Einen und die Anderen sagten. Aber der Augenblick kam, wo ihm die Geduld riß. Und plötzlich sah man ihn von dem Kissen, auf dem er saß, auf die hohe Armlehne hinaufturnen. Die Lehne endete in einem vergoldeten Löwenhaupt, und auf dieses Haupt setzte sich Alfons XIII., vergnüglich mit den Beinen bammelnd. Maria Christine lachte, die Hofdamen und Hofherren lachten, die Diplomaten lachten und Alfons XIII. lachte auch. Es soll selten ein diplomatischer Empfang so amüsant gewesen sein.
Die Königin-Regentin Maria Christine, geb. 1858, ist die Tochter des Erzherzogs Karl Ferdinand von Oesterreich und hatte sich am 29. November 1879 mit dem König Alfons XII. vermählt, nach dessen Tode (25. November 1885) sie die Regentschaft übernahm. Ihr wird viel Einsicht in die politischen Verhältnisse und ganz besonders hohe Pflichttreue bei Ausübung ihres schwierigen Amtes nachgerühmt.
W. Mar Kinleq.
William Mac Kinley, der Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika, steht gegenwärtig im Alter von nahezu 54 Jahren. Er ist am 28. Juni 1844 in Niles im Staate Ohio geboren. Im Alter von 17 Jahren nahm er als Kriegsfreiwilliger am nordamerikanischen Bürgerkriege Thcil, in dem er rasch bis zum Major avancirte. Nach Beendigung des Krieges srudirte Mac Kinley Rechtswissenschaft und ließ sich 1867 in Canton (Ohio) als Rechtsanwalt nieder. Er wurde 1877 von der republikanischen Partei als Abgeordneter in das Repräsentantenhaus gewählt, wo er sich bald als einer der eifrigsten Vorkämpfer des Hochschutzzollsystems hervorthat und im Jahre 1890 endlich die nach ihm benannte Mac Kinley-Bill durchsetzte, die den europäischen Exporthandel in einer noch nicht dagewesenen Weise einengte. Aber auch Amerika selbst hatte unter der Bill derart zu leiden, daß die nächsten Wahlen 1893 einen Sieg der Demokraten brachten, die dann die Mac Kinley-Bill im Jahre 1894 einer gründlichen Revision unterzogen. Bei den Wahlen von 1896 siegten aber wieder die Republikaner, die Mac Kinley auf den Schild erhoben hatten, mit Hülfe der Gutgeld-Demokraten unter der Parole der Goldwährung gegen die Silberparlei Bryans. Und so ist Mac Kinley, der im Jahre 1891 bereits zum Gouverneur von Ohio erwählt war, seit dem 4. März 1897 auf vier Jahre Präsident der Vereinigten Staaten. Auffallend ist seine Aehnlichkeit mit Napoleon I., die unser Bild deutlich erkennen bißt.
Der spanisch-amerikanische Krieg.
bä. Kerli«, 25. April. Ter .Poft" zufolge wird einc Ncutral- erklärung von Seiten Deutschlands Angesichts des fpautsch- amcrikamschen Krieges nicht erlassen werden, und zwar weil sich Deutschland durch irgend eine Form die Hände nicht binden lasten wolle.
bä. Kern, 25. April. Die spanische Regierung hat dem BuudeS- rath ein Memorandum zugestellt, in welchem sie dir Auffassung ver
tritt, Nordamerika habe das Recht verletzt, indem es eine gewaltsam« Lösung des spanisch-amerikanischen Konflikts herbeisührte.
bä. Urw-Uork, 25. April. Aus Key West wird gemeldet: Der ameiikaiiüche Dampfer „Mougroeve" ist mit einer Abtheilung Elektrottchniker an Bord in Set gegangen, wahrscheinlich mit dem Auftrag, dar Kabel zwischen Cuba und Jamaica zu zerstören.
bä. Washington, 25. April. Der französtsche Botschafter bat beim StaalS-Departemeut gegen die Wegnahme des spanischen Handelsschiffes „Buenaventura" protestirt. Die Frage wird wahrscheinlich einem internationalen Schiedsgericht unterbreitet werden.
Mannheim, 25. April. Wie hiesige Blätter mittheilen, fuhren Die ersten von den Amerikanern abgegriffenen Dampfer, nämlich „Buenaventura" und „Pedro", für Rechnung zweier Mannheimer Firmen, der erstere, mit einer Holzladung nach Rotterdam bestimmt, für das Hobelwerk Emrich u. Köhler, der letztere von Havana nach Pascagonla uiiterwegs, um für dar Hobelwerk DreyfuS u. Mayer-Dinkel eine Ladung Pitch Piue einzunehmen.
wb. Washington, 25. April. Die Kriegserklärung durfte von dem Kongretz wahrscheinlich debattelos angenommen werde». — ES verlautet, die spanische Regierung habe das Ultimatum formell beantwortet. DieAntwort werde zunächst nicht veröffentlicht werde».— Hier ist nichts davon bekannt, daß das Kabel von Key-West nach Cuba adgefchnitten ist. Es wird ausdrücklich darauf bingewiefen, daß die Vereinigten Staaten die Konvention unterzeichnet haben, durch welche der Schutz der Kabel zu Kriegszeiten garantirt wird.— Das Kriegsdepartemeiit hat die eiiizelnen Staaten aufgefordert, ihr« Kontingente von Freiwilligen zu stellen. Der Staat Rew-Uork stellt 12 Regimenter Infanterie und 2 Abheilungen Kavallerie; Pennsylvanien 10 Regimenter Infanterie und 4 schwere Balterieen. Alle Staaten stellen Truppen im Verhältnitz zu der Bevölkerung. Die Nationalgarde von Pennsylvanieu und die Miliz von Illinois haben Befehl erhalten, am Mittwoch mobil zu sein. Man erwartet, daß an diesem Tage auch etwa 15,000 Mann regulärer Truppen in Cbickamanga versammelt sein werden; mit Einschluß der Freiwilligen dürsten dort über 50,000 Mann zusammeugezogen werden.
fiavan«, 24. April, Mittags. Heule in aller Frühe eröffneten die Batterieen des Kastells Morra von Neuem das Feuer auf dar amerikanische Geschwader, ohne indeß einen Erfolg zu erzielen. — Die amerikanischen Kriegsschiffe „Wilmington" und „Porter" brachten jedes einen kleinen spanischen Schooner, den einen mit Holz und Koblen, den anderen mit Rum und Zucker beladen, auf. Beide Schooner wurden noch Key West geschleppt. — Die Stadt zeigt den gewohnten Anblick. Dein Dampfer „Herrera", der von Sagna kam, gelang es trotz der Blockade, in de» Hafen von Havana einznlaufen.
Ukw-Uork, 25. April. Präsident Mac Kinley verlangt vom Kongreß speziell deshalb die formelle Anerkennung, daß der Kriegszustand besteht, um juristische Weiterungen betreffs der Reaktiviiiing von Offiziere» und Einschränkung der Preßfreiheit, soweit es sich um militärische Operationen handelt rc., z» vermeiden. Die Invasion in Cuba soll erst Ende der Regenzeit stattfinden, falls sie dann noch iiotdwendig sei. Mac Kinley glaubt aber, bis dahin könnten die Insurgenten selbst mit Hulse der Blockirnng der Küsten n.id KriegSmaterial-Senduugeti Seitens der Union die Spanier zum Kapituliren bringen. Dieser Plan findet nicht die Billigung der Militärs. Letztere wünsche» so schnell als möglich die Blockadeflotte für andere Operationen sreizumacheu. Oesterreich übernimmt ausschließlich die Vertretung der spaiiischeu Interessen. — Die Regierung dürfte die bisher gemachten Prisen freigeben, sofern Spanien die jetzt in seinen Häsen befindlichen amerifanifdjen Schiffe utibdäftigt abfahreu läßt und sie auch nicht sofort auf hoher Se« kapert. — Sofern der jetzt unterwegs befindlichen, utiterm Rothen Kreuz fahrenden Sendung von Lebeusbedürfuisseii für die Rekon- zentrados Seitens der spanische» Behörden auf Cuba die Landung verweigert ober diese Expedition sonstwie moleftirt wird, will Mc. Kinley das sofortige Bombardement Havana- und die Invasion verfügen. — Der New-Uorker Hafen ist zur Nachtzeit geschloffen.
hd. London, 25. April. Präsident Mac Kinley hat einem englischen Korrespondenten eilte Botschaft für England mitgegebeir, in welcher es heißt, daß nicht nur die Regierung, sondern die ganz« amerikanische Nation zu tiefem Danke für die Sympathieen Englands verpflichtet sei. — Die „Times" melden aus New-Jork, Admiral Sampson bereite die Blockade von Sa» Juan auf Portorico vor. Die Erregung aus der Insel ist infolge der Steigerung der Lebens» mittelpreije im Wachsen begriffen. Wie verlautet, ist der Belagerungszustand erklärt worden.
hd. Madrid, 25. April. Infolge der Unihätigkeit der Flott« beginnt sich die Situation für die Regierung wesentlich zu verschlechtern. Wenn nicht bald ein bedeutender Erfolg der Flotte zu verzeichnen ist, Dürfte es zu kritischen Ereignissen kommen. General Weyler hat der Königin den Rath ertheilt, Maßregeln bei Zeiten zu treffen, um ein Militär-Kabinett zu ernennen.
wb. Madrid, 26. April. Entgegen den von amerikanischer Seite verbreiteten Gerüchten wird hier festgestellt, daß die Fort» von Havaua kein Feuer auf das amerikanische Geschwader gegeben haben. Denn letzteres fei niemals auf Kanonenfchußweite herangekommen. — Nach einer Depesche des „Jmparcial" aus Washington haben die Rheder des Dampfers „Pedro", welche Engländer find, eine Beschwerde wegen der Fortnahme des Dampfers au da» Auswärtige Amt gerichtet. — Die Amerikaner haben das Kabel zwischen Havana und Key West noch nicht durchschnitten, aber sie halten chiffrirte Depesche» oder solche, welche vo» Krieg sprechen, an. Die Depeschen ans Havana treffen über Halifax, Bermondas und Jamaica ein, ohne das Gebiet der Vereinigten Staaten zu berühren.
■wb. Ottawa,26. April. Die NentralitätserklärungCanadas ist heute amtlich veröffentlicht worden.
hd. Washington, 26. April. Die Botschaft des Präsidenten Mac Kinley, in welcher die formelle Kriegserklärung an Spanien empfohlen wird, ist dem Kongreß gestern zugegangen. Die Boffchaft nimmt zunächst Bezug auf die Resolution des Kongreffes und das an Spanien gerichtete Ultimatum und weist sodann auf die von dem spanischen Minister des Aeiißern am 21. d. M. an General Woodford gerichtete Note hin, durch welche die diplomatischen Beziehungen abgebrochen wurden. Weiterhin zählt die Botschaft di« aktiven Maßnahmen, wie die Blockade Cuba», auf. Die Korrespondenzen zwischen den beiden Regierungen find der Botschaft beigegeben. Der Kongreß hat bereits gestern die Botschaft und damit die Kriegserklärung einstimmig angenommen. Inzwischen droht ein« allgemeine Ministerkrisis, indem das Kabinett gegen das schwächliche Kriegsprogramm Mae Kinleys retioltirt. Der Staatssekretär Sherman und der Generalpostmeister Garg haben nunmehr offiziell ihre Demission gegeben und Washington bereits verlassen. Der Marine- minifter Lang und der Kriegsminister Alger wolle» ebenfalls znrücktreten, ferner auch der Unterftaatefefretär des Marineamte», Roojewelt, das fähigste Mitglied des Kabinetts. An Stelle SbermanS
iksbrldkner TilgvM
Verlag: Langgasse 27.
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1898
Dienstag, den 26. April.
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Fernsprecher No. 52.
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Abend-Ausgabe
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*«• Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-PreiS: durch den Verlag 54> Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. «o Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Die Häupter der kriegführenden Machte, ir. Der spanisch-amerikanische Konflikt hatte die Bücke der pMischen Welt bereits mit einer gewissen Sorge auf den Thraninhaber des Königreichs, Alfons XIII., und die Königin- Regentin Maria Christine gelenkt, da man bei den bevor-
König Alfons von Spanien.
^chenden Ereignissen aus mannigfachen Gründen für den Kortbcstaiid der Monarchie in Spanien fürchtet. Die bei- üchcuden Bildnisse der beiden, gegenwärtig in den Vordergrund muckten Persönlichkeiten und das Portrait des Präsidenten £tt Union, des Hauptes der anderen kriegführenden Macht, reiften daher unseren Lesern willkommen sein.
A«zei-en-Pr«ist
Die eiuspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Psq. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.
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Königin-Regentin von Spanien.
Der junge König von Spanien, Alfons XIII., ist der »hn des am 25. November 1885 verstorbenen Königs Vms XII. und seiner Gemahlin zweiter Ehe, der Erz- kzogin Maria Christine von Oesterreich. Er wurde am
Mai 1886 geboren, und seine Mutter führt für ihn 1 heute mit viel Umficht und Besonnenheit die Regentschaft
f“r bie Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgab« bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur nächsterscheincnden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
