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CO. Jahrgang.
Verlag: Langgasse 27.
15,000 Abonnenten.
N». 188.
Samstag, den 23. April.
Fernsprecher No. 52.
1898.
Fernsprecher No. 52.
»eint in zwei Ausgaben. — Bezngs-Preis : den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch dir Post 1 Mk. go Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
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Abend-Ausgabe.
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(Nachdruck verboten.)
Das Deich des Mahdi.
Von Dr. William Fricke.
Der glänzende Sieg der englisch-egyptischen Armee, den diese unter dem General Kitchcner am Atbara über die mahdistischen Derwische davongetragen hat und der die völlige Wiedereroberung des ganzen Sudan mit Sicherheit erhoffen lägt, lenkt erneut das Interesse auf das Reich des Mahdi, der den Engländern manche schwere Niederlage bereitet hat.
Das Reich des Mahdi ist eins der jüngsten Staaten« gcbilde auf dem afrikanischen Festland. Seine Entstehung datüt aus dem Jahre 1882. Unter der ruhmreichen Regierung Mehemed Alis, der von 1806 bis 1848 auf dem Thron der Pharaonen saß, hatten die Egypter ihre Herrschaft über Egypten auszubreiten begonnen; Nubien umrde erobert und Chartum gegründet. Hierauf trat ein Stillstand ein, bis in den sechziger Jahren Ismail
Pascha die Eroberungspolitik wieder aufnahm, das Land ; der Schilluk und Sennaar dem egyptischcn Reich cin- verkribte, Kordofan und Dar-Fur eroberte und schließlich $1876 das ganze obere Nilland bis nach dem Albert-See als egyptische Aequatorialprovinz anncktirte. Die 23er« {ÄEiaaftUng in diesen neu erworbenen Provinzen ließ indeß zu wünschen übrig. Die Beamten und Offiziere beten die Bevölkerung in jeder nur möglichen 2Leise. i kam das Verbot des Sklavenhandels, welcher seit Hunderten in diesen Gegenden üblich und als eine der len Grundlagen angesehen wurde. Eine Anzahl einfluß- :r und mächtiger Persönlichkeiten sah sich durch dieses iot ihrer reichen Einkünfte, die sie aus dem Sklavcn- el zog, beraubt und wirkte nun aufstachelnd auf Bevölkerung ein. Von diesem Gesichtspunkte aus chtet, erscheint auch die ungeheure Ausdehnung der große Erfolg des Mahdi-Aufstandes beuch. Mohammed Achmed, welcher sich als „Mahdi", heißt „der Rechtgeleitete", gleichbedeutend mit mohammedanischen Messias, aufwarf, war ursprünglich cer cgyptischer Beamter im Sudan, bis ihn ein Streit dem Gouverneur zum Austritt aus dem Amte zwang. oarf sich nun auf den Handel mit Sklaven, Elfenbein Straußenfedern und wurde bald das Haupt der ■ »»««venhändler. Alle Versuche der egyptischen Regierung, |ifjn gefangen zu nehmen, scheiterten, und die Zahl seiner An- hänger wuchs von Tag zu Tag. Die Ausbreitung seiner Macht in Kordofan wurde durch die Wirren in Egypten, wo Arabi l Pascha sich gegen den schwachen Khedive Tewfik Pascha erhob, außerordentlich begünstigt. Im Januar 1883 war er bereits mächtig genug, um sich Ei Obeids, der Hauptstadt Kordofans, zu bemächtigen; am 3. November 1883 wurde das egyptische Heer unter Hicks Pascha bei Raspil, südlich
(Nachdruck verböte».)
Inlrns Grosse.
Zu des Dichters 70. Geburtstage, 25. April.
Von I. Pcdcrznnl-Weber.
.Von der Wiege bis zur Lahre Fromm und wacker gehn u»d kommen, Ewig suchen wir das — Wahre!"
L Mit diesen prächtigen Worten schildert Julius Grosse, «er am 25. April sein siebenzigstes Lebensjahr schließt, ^«ff«r als irgend einer den Kern, das innerste Wesen seines i ethischen Seins und poetischen Schaffens. Es steckt auch in , diesen! Verse das beste Lob, das wir als unsichtbaren Lorbeer- ° reis ihm um die Stirn winden können.
E. Gesondert von jener Poetenschaar, die das Leben durch V blr Schattengläser einer materialistischen Weltanschauung bc- gga$teten, stand er seit dem Tage, wo er das erste Lied im brutschen Dichterwald sang, bis zur Stunde auf dcr Sonnen- EWje des Idealen; jenes Idealen, dessen Ziel die Vcr- ^rperung des Schönen und Guten ist. Er, der bedeutende kMsche Dichter, ist darum auch niemals volksthümlich ge- - « denn wer, wie er, frisch in die Welt hinausrief: l »Auf Menschen nicht zu bauen — Erhält dein Herz gesund!" : verzichtete dadurch auf die goldene Frucht der Popularität,
-te das Mekka unserer Tagesbarden bildet.
IL 3ulius Waldemar Grosse verrülh in seinen Dichtungen, «te ewig grünen, an silberklaren Quellen blühenden Wald- Rumen gleichen, daß seine Wiege im Thüringerland, dessen Schönheit Goethe in den stimmungsvollsten Liedern besang, gestanden hat. Er wurde am 25. April 1828 zu Erfurt Sporen, wo sein Vater eine hohe kirchliche Stelle bekleidete; nachdem er dort und in Magdeburg seine Gymnasialstudien ^Urndet, entschied er sich für den Beruf eines Geometers, fwu unwiderstehliche Drang jedoch zur Kunst beweg ihn W», die Universität Halle zu besuchen und bann nach Annchen zu wandern, wo er auf der Akademie der Künste sich W» Maler ausbilden sollte. Im Jahre 1852 widmete er sich fürs
Grosse ein richtiges „Theaterstück" schassen, was ihm in einzelnen Scenen, nicht aber im Ganzen, gelungen ist. Umso mehr bezaubert uns seine Lyrik.
Der Liedercyklns: „Emma", schildert der Minne Zeit und Weh, wie sie das Frauenherz befangen, in jener Vollendung, die Chamiffo in seinem Frauenlieb und -Leben erreichte. Wie stimmungsvoll sagt in „Erste Liebe" die lenzjunge Maid:
So hat noch Niemand zu mir gesagt, Was ich fitjubdf, was ich geklagt, Das schlaft mm in seinem Herzen. Drum ist mir's da drinnen wie ein Traum, Ob ich's noch selbst bin — ich weiß es kaum. Mich bleudet'S wie Weihnachtskerzen."
Zu den werthvollsten seiner Gedichte gehört die Sieber« sammlung: „Aus bewegten Tagen", an bie sich bie „Tage» buchblätler" und „Stimmungsbilder" anschließen:
„War wir säen, was wir bauen, Heiligt erst ein fromm' Vertrauen, Was auf Erden angefangen, Wirst Du dort vollendet schauen,"
Die moderne Klage über die Flucht der Ideale aus dem Leben befehdet Julius Groffe mit den prächtigen Versen: „Du fühlst Dich schwach! Die Zeiten sind es nicht! Dein eifl’ut» Herz schuf sich das Bleigewicht. Aus! Gieße neue Jugend in Dein Mark, Und wieder glaubst Du auch die Zeiten stark!"
Wie ein Auferstehungsruf für Jene, die an sich und an ber Welt verzweifeln, weil sie von der Slurmfluth des Materialismus heimgesucht wurden, tönt sein sonniges Wort: „Geistlosen nur erscheint Natur verwaist!
Uusterblich bist Du — hast Du Muth zum Geist!" —
Was endlich seine „Zeitbilder" betrifft, so zählen sie zu den Mustern patriotischer Lieder. Mit prophetischem Blick sah er im Jahre 1869 den Zusammenstoß der Deutschen mit den Franzosen voraus, indem er im Lied: „Ein neuer Macbeth" dem Kaiser Napoleon, der aus Italien als Sieger heimkehrte, zurief:
.Wir sehen uns wieder im Wetterschein
In Deutschland« Wäldern — to srSlM RbeitU"-
von El Obeid, vollständig vernichtet und damit die egyptische Herrschaft gebrochen. Rasch nacheinander gingen nunmehr die übrigen Theile des egyptischen Sudan verloren. Im Jahre 1884 fiel bie Provinz Bahr el Ghasal, 1886 Chartum nach heldenmüthiger Vertheidigung durch General Gordon, der dabei seinen Tod fand, und nun war auch Nubien verloren. Schon früher hatten die Mahdisten das östliche Nil-Land zwischen den Flüssen Atbara, Rahat und Blauer Nil überfluthet und waren bis an das Rothe Meer vorgedrungen. Die Hafenstadt Suakin konnte nur mit Mühe von den Engländern gehalten werden. Am tapfersten und erfolgreichsten wehrte sich noch die ehemalige Aequatorialprovinz unter Emin Pascha gegen die Mahdisten, doch mußte auch er bereits im Frühjahr Ladö, seinen bisherigen Sitz, räumen und sich südlich nach Wadelai zurückziehen. Nachdem Emin Pascha 1889, durch Stanley in treuloser Weise gezwungen, seinen Posten verlassen hatte, fiel die Aequatorialprovinz zum größten Theil in die Hände der Mahdisten.
Am 28. Juni 1885 starb der Mahdi in Omdurman an den Blattern, aber sein Nachfolger Abdullah setzte erfolgreich das Eroberungswerk fort. Im darauffolgenden Jahre drangen seine Schaaren sogar nach Abessynien vor, schlugen in der Nähe des Tana-Sees den Negus Johannes, zerstörten und verwüsteten die Provinz Godjam und die alte Stadt Gondar. Im August 1889 schlugen die Engländer die Mahdisten bei Toski am Nil, und am 10. Februar 1891 zersprengten sie, von Suakin aus vordringend, ein 7000 Mann starkes Heer unter Osman Digna, dem ehemaligen Sklavenhändler und Parteigänger des Mahdi. Nach diesen beiden Niederlagen begann der Stern des Mahdi zu finken. Am 21. Dezember 1893 wagten die Mahdisten einen erneuten Vorstoß gegen die Italiener am Rothen Meer, ber aber mit ihrer Niederlage beim Fort Agordal endete, und am 17. Juli 1894 zog der italienische General Baratieri in Kassala ein, wodurch den Mahdisten bie Verbindung mit dem Rothen Meere abgeschnitten wurde.
Das Reich des Mahdi umfaßt gegenwärtig Nubien bis Wadi Haifa, den egyptischen Sudan bis zum Atbara, Kordofan, Dar-Fur, das Bahr el Ghasal-Gebict und die ehemalige Aequatorialprovinz bis Ladö. Seine Größe dürste auf etwa 2 Millionen Quadratkilometer veranschlagt werden können. Seine Bevölkerung, bie auch nicht annähernd geschätzt werden kann, theilt sich in zwei große Gruppen, und zwar in die Negerstämme am oberen Nil, nördlich vom Albert-See, und in die Nubier und Araber. Die elfteren betreiben Ackerbau, Viehzucht, Jagd und Fischerei. Die Nubier und Araber sind vorwiegend viehzüchtende Stämme, die zu beide» Seiten des Nil in den Steppen und Wüsten als Nomaden leben und sich nur im Nilthale als Ackerbauer niedergelassen haben. Vornehmlich werden Kameele und Rinder, in zweiter Linie Schafe, Esel, Pferde und Maulthiere gezogen. Der Ackerbau liefert Durrahirse, Mais, Weizen, Gerste und Bohnen. Die Nubier sind, wie schon ihr Aeußeres bezeugt, ein entschiedenes Mischvolk und
ganze Leben ber Poesie, bereu begnadeter Sänger er geworden ist, denn Julius Grosse zählt nicht allein zu den produktivste» Dichter» unseres Jahrhunderts, sondern wird an flammender Phantasie, farbenprächtiger Schilderung und Meisterschaft in der Sprache von kaum einem feiner Zeitgenossen übertroffen. Die Sorge ums tägliche Brod zwang ihn, Tagesschriftsteller zu werden und in die Redaktion ber »Neuen Münchener Zeitung" einzutreten, wo er bis 1867 verblieb. Der unfreiwillige Sprung in bie Journalistik war für ihn ein Segen, denn dieser Beruf bildet, wie fein anderer, Charaktere und Männer mit objektiver Weltanschauung. Einflußreich für feine spätere Richtung als Dramatiker war bann auch die glückliche Fügung, daß er als Berather bet König!. Hoftheater-Jntendantur mit ber Bühnenwelt in Berührung kam. Im Jahre 1870 wurde Julius Grosse Sekretär ber Schillerstiftung zu Weimar, wodurch er in seine Heimat!) zurückkehrte, bie er, nachdem er eine Zeitlang in Leipzig, Dresden und München gelebt hatte, nicht mehr verließ. Seit 1890 wohnt er beständig in ber Musenstadt Weimar. ”
Julius Grosse ist Dramatiker, Lyriker und Epiker zugleich; während feinen Dramen oft die Klarheit der Komposition, bas Packende der Leidenschaft und die dämonische Kraft mangeln, offenbart sich im Lyrischen und in der epischen Dichtung feine ganze eigenartige, in sich fertige Natur, bie neue Bahnen erschloß und sich das errang, was wenigen Poeten zu Theil wirb, die Dauer .... Seine Schöpfungen werden Grosse lange, lange überleben!
Unter den Dramen, von denen „Cola Niczzi", seine erste Dichtung, 1851 erschien, erscheinen: „Inglinger" und „Gudrun" als die charakteristischen Träger seiner Originalität und zugleich als die gelungensten in künstlerischer Vollendung; in beiden seffelt der Wohlklang bet Sprache, währenb bie drei historischen Dramen: „Johann von Schwaben", „Der letzte Grieche" unb „Friedrich von ber Pfalz" ihren Zweck, politische Spiegeldilbet zu werben, kaum erreichen. In „Johann von Schwaben" wollte Julius
zwar aus arabischen und jüdischen Elementen unb ber Sieger* raffe. Je nach der vorherrschenden Mischung variiri ihre Hautfarbe von hellbraun bis dimkelbronzefarben. Allen eigenthümlich ist aber das längliche Gesicht, bie gekrümmte Nase, das starke, lockige Haar und bie dicken, aufgeworfenen Lippen, welche sie namentlich von den reinen Arabern unterscheiden lassen. Die Negierungsform des Mahdi-Reiches ist ein roher Despotismus, von fanatischen Priestern gestützt, und die Bedrückung der Bevölkerung soll jetzt eine weit härtere sein als zur Zeit der egyptischen Verwaltung.
Die Hauptstadt des Mahdi-Reiches ist Omdurman, gegenüber von Chartum am Nil gelegen. Sie war früher ein kleiner Ort, der nach dem Falle von Chartum an dessen Stelle getreten ist und rasch emporblühte. Chartum, die ehemalige Hauptstadt des egyptischen Sudans, hatte vor dem mahdistischen Ansturm eine Bevölkerung von 60,000 Seelen. Die Bedeutung des Ortes liegt vor Allem in seiner Lage, an beiden aufwärts schiffbaren Nilflüssen. El Obeib, bie Hauptstadt von Kordofan, besteht aus drei getrennten Stadttheilen, war früher ber Sitz ber egyptischen Verwaltungsbehörden unb ist wichtig burch seinen Transithandel nach dem Sudan. Auf dem Karawanenwege zwischen Chartum und Suakin, wie auch von Adua und Suakin liegt am Gasch ober Mareb Kassala, der bedeutendste Ort in den ostnubischeii Landschaften, mit etwa 10,000 Einwohnern, unb ist ber wichtigste Transithandelsplatz im östlichen Nubien.
Der Sudan ist ehi reiches Land, dessen Erschließung durch die wilden unb raubgierigen Derwische, die den Verkehr zwischen dem Innern Afrikas und den Meeren vollständig unterbanden, bisher verhindert wurde. Die Besiegung des Derwischheeres ist sonnt auch von civilisatorischer Bedeutung, ein Sieg ber Kultur über Barbarei unb Fanatismus. Voraussichtlich werden sich die englisch-egyptischen Streitkräfte mit dem jüngst errungenen Erfolge nicht begnügen, sondern an die Wiedereroberung von Chartum und die Einnahme von Omdurman gehen, sodaß wohl mit Sicherheit anzunehmen ist, daß in kurzer Zeit endlich das letzte Stündlein des Reiches des Mahdi schlagen wird.
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Der spanisch-amerikanische Krieg.
dä. Nerv-Jork. 22. April. Wie es heißt, ist dem Präsidenten Mac Kinley gestern eine Höllenmaschine zngegangen. Mac Kinley entzog sich aber der Gefahr, da man seit einigen Tagen im Weißen Hanse sehr vorsichtig geworden ist. AIS nun gestern ein verdächtig auSsehendeS Packet für den Präsidenten ankam. hat man dasselbe zur Vorsicht in Waflcr getaucht. Es stellte sich dann heraus, daß eine Dynaniitpatrone und eine Vorrichtung, um diese zur Ex. plosio» zu bringen, in dem Packet enthalte» waren. Infolge b:l Bekauntwcrdens bieics Anschlags herrscht hier große Aufregung.
hd. Ilcw-Uaik, 22. April. Die hiesigen Blätter melden, daß der ipanyche Gesandte, als er Waihington verließ, einem Freunde folgende Mittheiliing gemacht haben soll: Der Sieg für die Spanier sei unausbleiblich. Die spanische Flotte werde die amerikauischen uud Spanien werde eine Kriegsentschädigung von 2 Milliarden Dollars fordern. Spanien habe zahlreiche Spione
