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«e. Jahrgang.

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P-. 186.

Fernsprecher No. 52.

Freitag, de» 22. AprU.

Fernsprecher No. 52.

1898,

Abend-Ausgabe

Der spanisch-amerikanische Krieg.

Die Welt steht am Vorabend eines Krieges, der ihrer Geschichte kein Ruhmesblatt hinzufügen wird. Die Welt­geschichte verzeichnet nicht viele Kriege, bei denen beide Gegner mit einer so schweren sittlichen Schuld behaftet sind tote im vorliegenden Falle. Das spanische Schuldkonto gegenüber den Cubanern ist schwer belastet. Die Spanier haben auf dem einst so blühenden Eiland so arg gehaust, daß das Land noch in langen Jahrzehnten die Folgen der ausbeuterischen Mißwirthschaft nicht verwinden können wird. Die Reue und die Einsicht kamen bei den Spaniern zu spät. Erst als der kubanische Aufstand nicht mehr nieder- zuschlagen war, entschloß man sich in Spanien, den Cubanern entgegen zu kommen. Das liberale Kabinett Sagasta bewilligte den Cubanern weitgehende Re­formen, aber die Umkehr von der Grausamkeit und Ihwernunft kam zu spät. Immerhin muß den Spaniern «»erkannt werden, daß sie vom Ausbruch des spanisch­amerikanischen Konfliktes an der Stimme der Ver- sunft und des Friedens Gehör gaben. Weit schwerer aber HB als das Sündenregister Spaniens wiegt die Schuld, ßMche in diesem Streite den Bereinigten Staaten zufällt. • Zwar erklären die Amerikaner, daß sie im Namen der Zivilisation und der Menschlichkeit den Frieden auf Cuba wiederherstellen wollen und daß dies der einzige Grund i ihres Vorgehens sei. Niemals aber ist der Civilisation und M Menschlichkeit eine stärkere Kränkung zugefügt worden W dadurch, daß die Amerikaner sich auf sie berufen. Für ^ Amerikaner handelt es sich hierbei lediglich um ein Geschäft i und zwar um ein sehr gutes. Cuba liegt vor der Thür " Nordamerikas, und durch den Handelsverkehr mit einem von deiis Vereinigten Staaten abhängigen Cuba könnten diese llnermeßlichen Nutzen ziehen. Die amerikanische Kriegspartei Mteht aus den Hochschutzzöllnern und den Zuckcrtrust, die Dich beide frei von jeglichem Humanitätsdusel wissen. Für dDeide würde die Einverleibung Cubas in das amerikanische ^Mtektionsgebiet einen unerschöpflichen Gewinn bedeuten.

von ihnen bestochene „gelbe Presse" entfachte durch die hBerfünburtg der Monroedoktrin den Chauvinismus der Be- ^Mkerung, die im Grunde genommen von jeder Kriegs- Uchristerung frei war. Die unermüdliche Kriegshetze hat endlich - Früchte getragen. Seit Jahren haben die Vereinigten Staaten ' den Aufstand auf Cuba durch Freibeuter- und Waffensendungen Mschürt und genährt, die Reformpolitik der Spanier hinler- Wieben unb jetzt endlich die „Maine"-Angelcgenheit als den Wngersehnten Vorwand zum Kriege benutzt. Aber daß die Widere Schuld auf Seiten der Vereinigten Staaten ist, wird den Gang des Krieges nicht entscheiden. Dessen Ausgang kann kaum als zweifelhaft erscheinen, wo ein zerrüttetes und

verarmtes Land von 17 Millionen einem von 72 Millionen gegcnübersteht, das zwar militärisch wenig leistungsfähig sein dürfte, aber über reiche, unerschöpfliche Hülfsmittel ver­fügt. Die spanische Flotte ist der amerikanischen, besonders wenn Cuba das Centrum des Kriegsschauplatzes bildet, schwerlich gewachsen. Und wenn auch das spanische Land­heer dem, das die Amerikaner auf die Beine bringen können, überlegen sein mag, so kann doch kein Zweifel darüber sein, daß der spanisch-amerikanische Krieg nicht zu Lande, sondern zur See entschieden werden wird. Die heutige amerikanische Generation hat kriegerische Leistungen nicht ausznweisen, aber auch die Spanier haben ihren einstmaligen militärischen Ruhm in den Kämpfen auf Cuba nicht bewährt. Wenn die Spanier aber auch Heldenthatcn verrichteten, wenn sie ihren lang zurückliegenden Waffenruhm auch überträfen, auf die Dauer müßte doch der Unterschied der finanziellen Kräfteverhältnisse entscheidend sein. Soweit menschliche Voraussicht reicht, kann bei einem Kriege zwischen den beiden Ländern an einer Niederlage Spaniens kein Zweifel sein,

* * *

hd. Washington, 21. April. Die maritimen Kreise sind über das Fehlt» jeder Nachrichten über die B-wegungcii der spanischen Flolie äußerst beunruhigt. Mau befürchtet, daß, während die amerikanische Flotte mit Cuba beschäftigt ist, die Spanier einen Angriff aus bit amerikanischen Küftenstädte unternehmen und sicherst daun auf die amerikanische Flotte werfen werden. Nach Madrider Meldungen ist Spanien nicht geneigt, dar Recht aus Kaperei auf- zugeben und Amerika die Vortheilc der von den Vereinigten Staaten seiner Zeit bestaiideiien Föderation zu Thcil werden zu lassen. — Aus Mexiko wird gemeldet, die Regierung von Texas habe die Grenzen militärisch besetzen lassen, um dar Eindringen spanischer und mexikanischer Banden in amerikanischer Terri­torium zu verhindern. Mexiko beobachtet strengste Neutralität. — Tie Mächte wurden heute verständigt, daß der Kriegszustand existirt. Von einer formellen Kriegserklärung wird wahrscheinlich abgesehen. — Tie Ausstellung von Kaperbriefen ist nur dann beabsichtigt, wenn Spanien die Initiative ergreift. — Ter Ge ner a l- postmcister Gary demissionirte. Er war im Kabinett der eifrigste 5ritben8frtunb. Sei» Nachfolger Charles Emory Smith ist Besitzer der „Philadelphia Preß". Er ist ein iähigcr und thatkräftiger Mann. — Der Senat nahm eine Resolution an, die den Präsidenten Mac Kinley ermächtigt, den Ko hlencxport zu verhindern. — Die Flotten-Overationen beginnen fosort, da da« Key Wcst- Geschwader Segelordre bat. — Die sofortige Blockade der cudanifchcn Häfen ist anicheinciid beschlossen, wenn auch da» Kabinett sich noch gegen ein eventueller Bombardeweut der Hafenstädte sträubt. Die Leiter der militärischen Operationen sind hingegen für rin sofortiges schonungslose« Vorgehen.

Madrid, 21. April. Eine vollständige M inisterkri siS ist infolge der ersten Sitzung der Cortes ausgebrochen. Viele Ab­geordnete ließen sich dahin aus, daß eine birher so schwache Regierung nicht« tauge zur Leitung der jetzigen Geschäfte. Sagasta überreichte die Demission des ganzen Kabinetts. Eldnayer, Silvcla und Campos wurden in den Palast gerufen. Ich sprach soeben mit letzterem, als er aus dem Palast trat. Er sagte, er habe der Königin gerathen, die liberale Partei am Ruder zu lassen. Zeigten die Kammern sich feindlich, dann solle sie Silvela (da« Haupt der neuen konservativen Partei. D. Red.) berufen. Könne dieser sich nicht halten, dann werde er, Campo«, ein Militär-Regiment einsetzen. Sagasta dürfte bleiben. (Franks. Ztg.) — Das gegenwärtige liberale Ministerium wurde am 4. October 1897 gebildet. Eldnayer ist Führer

der Altkonservativen, und Silvela wie Martinez Campo« gehören zur neuen konservativen Partei, die sich im Januar d. I. au« der früheren Canovistischen Partei und den Silvelisten zusammensetzte. — Angesicht« de« bevorstehenden Krieges herrscht hier ein unglaublicher geradezu kindlicher Optimismus. Man nimmt überall an, die In­surgenten aus Cuba würden gemeinsame Sache mit den Spaniern machen. Der erste Zusammenstoß wird wahrscheinlich au der Küste von Mantanza« erfolgen. — Der Kriegsminister unterzeichnete den Mobilmachungsbefehl für da» gesummte Landheer. Alle amerika­nischen Konsulate find militärisch besetzt, um Gewaltihaten zu ver­hindern. Die erste Maßregel der spamschen Regierung ist die Ab­sendung von Verstärkungen nach Portorico, welche« durch da« amerikanische fliegende Geschwader bedroht erscheint. Auch von Cuba geht ein Bataillon nach Portorico ab. Nach einer Meldung aus New» Jork ist das atlantische Geschwader bereit« abgegangen, um die Er­öffnung der Blockade von Havana herzustellen.

hd. Madrid, 21. April. Auswärtige Vertreter hatten in den letzte» Tagen mehrfach Unterredungen mit Sagasta, denen auch General Woodford beiwohnte. Der Gegenstand der Unterredungen war ausschließlich die Frage des Schutze» der neutralen Handels­schiffe. Sagasta antwortete ausweichend, sodaß eine schwere Schädigung der internationalen Schiffahrt unvermeidlich erscheint. (Die Sympathieen für da« „in seine» Rechten gekränkte" Spanien, das nun seine Jahrhunderte lang ausgesogene Hauptkolonie ver­lieren soll, werde» dadurch kaum wachsen.) — Die portugiesisch« Regierung trifft Dispositionen, um die strikteste Neutralität zu wahren, und erließ Befehl, der Presse keine Berichte über die Be­wegungen der spanischen Schiffe zugehen zu lassen. — Aus Havana wird gemeldet, daß Extrablätter Mittheilnng von dem Abbruch bet diplomatischen Beziehungen zwischen Spanien und Amerika machten. Da« Publikum begleitete die Nachricht mit Hochrufen auf Spanien. — Admiral Villali, Kommandant des Torpedo-Geschwaders, hat, bevox er Cadix verließ, sich mit seinen Soldaten vor ein Mutter-Götterbild begeben und eine Ansprache gehalten, in der er betonte, daß Die­jenigen nicht in den Krieg ziehen sollte», die sich sürchlele». Di« Soldaten antworteten, wir werden unserem Führer folgen und den Kriegsgefahren trotzen. Admiral und Matrose» knieten alSdan« nieder und schwuren, nicht nach Spanien zurückzukehren, eS sei denn al« Sieger. (Bekanntlich sind die Spanier stets groß in theatralischen Posen gewesen.)

hd. Barcelona, 21. April. Infolge der pessimistischen Nach­richten aus Washington und New-Dort hat sich die Meng« in die hiesige Filiale der Bank von Spanien gestürzt, um das Papiergeld gegen Gold umzuwechselii. Die Bank wurde militärisch besetzt.

hd. London, 21. April. „Daily Chronicle" meldet an« Washington, die Reg!eru»g sei durchaus nicht in der Lag«, Truppen nach Cuba zu entsenden, höchsten« 18,000 Mann Reguläre könnten iuunbnlb einer Woche an die Küste gesandt werden. Di« Ausrüstung und Bewaffnung der Freiwrlligen werde kurze Zeit in Anspruch nehmen. Auch seien noch nicht genug Transportschiff« vorhanden. — Die Nachrichten über einen bevorstehenden engeren Zusammenschluß Amerikas und Englands mehren sich, Aus New-Uork wird gemeldet: Der Sekretär der amerikanischen Gesandtschaft in London, Withe, sei in einer geheimen Mission in Washington. Er tbeilte dem Präsidenten Mac Kinley die Ansichten de« Prinzen von Wale« über diese Frage mit. Nickt nur ein dauernde« Schiedsgericht, sondern eine Allianz sei im Werke.

hd. Paris, 21. April. Der „Figaro" sagt, der Krieg zwischen Amerika und Spanien werde lang und interessant lei». I» der ersten Zeit würden keine entscheidenden Thaten ftattfindeu. — „GauloiS" führt aus, ein diplomatisches Europa bestehe nicht mehr, seitdem 1870 Frankreich geschlagen worden fei. Dieser Schlag habe Europa völlig gelähmt.

hd. Krüssel, 21. April. Der belgische Minister des Aenßern ersuchte die Schiffahrt tretbenben Mächte Europa«, eine gemeinsam« Note nach Madrid und Washington wegen der Zusicherung de«

zusammengesetzte Maasarmee, die dann mit der dritten Armee zusammen den berühmten Flankenmarsch nach Norden machte, die französische Armee unter Mac-Mahon bei Beaumont am 30. August schlug und 2 Tage später hervorragenden Antheil an der Schlacht von Sedan nahm. 1871 wurde Prinz Albert zum Generalinspekteur der ersten Armee-Inspektion

und zum Generalfeldmarschall ernannt. Dieses Amt des Generalinspekteurs legte er bei der Thronbesteigung nach dem Tode seines Vaters am 29. October 1873 nieder. Seit dem 18. Juni 1853 ist König Albert mit der am 5. August 1833 geborenen Prinzessin Karoline (Carola) von Holstein-Gottorp-Wasa vermählt. Die Ehe ist kinderlos.

rath. 1866 war er Kommandant ‘ 5

btr gesummten sächsischen Armee.

Rach dem Friedensschluß erhielt er das Kommando über das mchfische, nunmehr 12. norddeutsche Armeccorps, welches, wie l^kannt, 1870 bei Gravelotte — St. Privat sehr viel zur Müscheidung der Schlacht beitrug. Später erhielt er den Ober- «rfehl über die aus dem preußischen Gardecorps, dem 4. und *8- Armeecorps und der 5. und 6. Kavalleriedivifion neu

(Nachdruck verboten.)

Zur Jubelfeier in Sachsen.

Am 23. April feiert der König Albert von Sachsen seinen siebzigsten Geburtstag und gleichzeitig sein fünfund- ztvanzigjähriges Regierungsjubiläum. Wir wollen deshalb nicht unterlassen, unseren Lesern den erlauchten Jubilar und seine Ge- /77

vahlin, welche sich derselben Beliebt- LV

heit wie der König selbst, nicht nur fe.ty

Herrliche Züge von Biedersinn, Schlichtheit und Ge» müthlichkcit weiß das sächsische Volk von seinem Könige, der selbst in manchem Liede gefeiert wird, zu erzählen, wie er z. B. es liebt, bei einem traulichen Skate in Gesellschaft mit erprobten und ergrauten Forstleuten echt bürgerlich zu verkehren, wobei die Worte nicht gerade auf die Goldwaage gelegt zu werden brauchen. Denn des Königs liebste Unterhaltung ist, nächst dem herzlichen Verkehr in der » erlauchten Familie seines Bruders

Georg, die Jagd, der er in den wohlgepflegten, ausgedehnten Forsten W seines Landes mit unermüdlichem

M Eifer und seltenem Geschicke obliegt.

8 Heute gilt das Sachsenland mit

y seinem erhabenen König an der

j Spitze als eine der sichersten und

/ bewährtesten Stützen des Reichs, und

l’ unser Kaiser selbst verabsäumt keine

Gelegenheit, den greifen Monarchen, der trotz der Bürde des Alters im y Berliner Schloß ein oft und gern

A- v. gesehener Gast ist, als seinen treuesten

// A'' Freund und Berather zu feiern.

' Gewiß verdankt auch unser Dreibund- 3 p verhältniß, die beste Gewähr des -V" M/f Weltfriedens, seine Festigkeit und

J 1 Innigkeit den aufrichtigen Be-

JfcT mühungen des Sachsenkönigs, der 'M '' * infolge der persönlichen Beziehungen,

die ihn mit dem österreichischen und italienischen Herrscherhause der« knüpfen, die Politik des großen Kanzlers, zu dessen auf­richtigsten Verehrern König Albert zählt, auf das Erfolg, reichste unterstützte und förderte. So vereint an dem heutigen seltenen Doppel-Jubelfeste nicht nur das Deusch« Reich, nein, die gesammte civilisirte Welt, welche die Seg­nungen des Friedens als höchstes Gut zu schätzen weiß, ihre

m Sachsen, sondern im ganzen Deutschen Reich erfreut, in bei- ftehendem Bilde vorzuführen.

-"'Friedrich August Albert König von Sachsen ist am 23. April 1828 P Dresden als Sohn des da­maligen Prinzen, späteren Königs Johann von Sachsen geboren. Schon früh zeigte er eine ausgesprochene Vorliebe für den Militärdienst und >rat 1843 als Lieutenant in den­selben ein. Später, in den Jahren j 1847 und 1848, studirte er in Bonn, ß Den Feldzug von 1849 machte er ß als Hauptmann der Artillerie mit l| Mnb zeichnete sich beim Sturm auf die Düppeler Schanzen besonders aus. Als dann sein Vater 1854 den Thron bestiegen hatte, übernahm Prinz Albert den Vorsitz im Staats-